Kann man mit einer Kandare den Kopf des Pferdes stellen?


Viele meinen: „Nein!“, denn sowohl die Trensenkandare als auch der Kandare mit ungebrochenem Mundstück wirken „falsch“ ein, falls man, z.B. bei getrennter Zügelführung, den Zügel vom Pferdehals zur Seite weg zieht: dann wird ja das betreffende Seitenteil der Kandare so vom Pferdekopf  weggezogen, dass das Unterbaumende mit dem Zügelring vom Pferd weg ins Innere des Zirkels zeigt, und deshalb ein starres, ungebrochenes Mundstück innen höher gegen den Oberkiefer steigt und außen tiefer sinkt.

Auch beim gebrochenen Mundstück geschieht dies, wenn man den Zügel vom Pferd zur Seite weg führt, weil die Schaumkette für einen Höchstabstand der Unterbäume voneinander sorgt: so zieht der innere Unterbaum über die Schaumkette ebenfalls den äußeren Unterbaum zur Seite nach innen unter den Pferdekopf, mit derselben Auswirkung wie bei einem ungebrochenen Mundstück.

Wenn man den Zügel vom Pferd zur Seite weg führt kommt somit bei beiden der innere Teil des Mundstücks höher und der äußere Teil des Mundstücks tiefer zum (und ggf. sogar auf den) äußeren Laden, was zu einer Verschiebung des Unterkiefers in dessen Innenstellung führt, was wiederum  eine Außenstellung des Pferdekopfes verursacht, die fast immer unerwünscht ist.

Zieht man jedoch (z.B. bei der einhändigen Zügelführung) den inneren Zügel nach hinten zum Reiter hin an, während er am Pferdehals anliegt, kippt der innere Teil des Mundstückes nach unten, und löst damit ein Verschieben des Unterkiefer des Pferdes nach außen aus: es kommt dann zur Innenstellung des Pferdekopfes, die ja in den allermeisten Fällen die gewünschte ist.

Hierbei zeigt sich ein Unterschied zwischen den beiden Kandarenarten: ein ungebrochenes Mundstück kommt, je mehr es auf einer Seite des Pferdemaules tiefer sinkt, in demselben Maße auf der gegenüberliegenden Seite höher, in Richtung des Oberkiefer des Pferdes und schiebt sich obendrein dort oben noch nach vorn, es liegt dann also schräg in beiden Ebenen.

Eine Trensenkandare hingegen tut dies nicht: hier sinkt ganz allein der innere Schenkel des gebrochenen Mundstücks tiefer, ganz ohne eine Beeinflussung des äußeren Schenkels, weil die Schaumkette nach hinten erst einmal sehr viel Spiel hat, bevor sie überhaupt beginnt, den äußeren Unterbaum mit zu bewegen.

Wenn man mit Hilfe einer Kandare eine Innenstellung des Pferdekopfes durch Einwirkung des inneren Zügels erreichen möchte, muss man also penibel darauf achten, hierbei (sowohl vom Sattel wie vom Boden aus) niemals das innere Kandarenseitenteil vom Pferdekopf zur Seite weg zu ziehen, sondern ein „Klingeln“ mit dem Mundstück nur durch ein Rückwärts ziehen des am Hals anliegenden inneren Zügels  zu verursachen. Andernfalls bekommt genau das gegenteilige Ergebnis!

Die Frage, ob man mit einer Kandare den Pferdekopf stellen kann, muss man also zweifach beantworten: Einerseits mit „Nein“, denn mit einer Kandare kann man nicht, wie mit einem Kappzaumzügel, einfach den Pferdekopf sehr stark zu einer Seite ziehen, da dann eine unerwünschte Innenstellung des Unterkiefers auftritt.

Andererseits mit „Ja“, denn man kann mit einer Kandare bei am Hals anliegenden Zügel ein Stellen des Pferdekopfes gut einleiten durch das Verschieben des Unterkiefers nach außen, das weitere Einstellen auf die Kreislinie muss der Reiter aber anders bewirken, etwa mit einem Anlegen/Klopfen des Inneren Schenkels am Gurt oder mit dem Zeigen der Gerte an der äußeren Halsseite.

Leider war Gueriniére in der Zwangslage, seine Schüler nur mit der Kandare allein ausbilden zu müssen, da er ihnen den Kappzaumgebrauch bei seinen kostbaren, hoch geschulten Pferde nicht gestattete, weil sie damit die Pferde zum Ziehen brachten und verdarben. Und leider  schrieb er nicht: „Weil ich denke, der Schaden an meinen Pferden durch die Reitschüler ist geringer, wenn ich Ihnen gestatte, den Pferdekopf mit dem Kandarenzügel herumzuziehen, als wenn ich ihnen eine Kappzaum gebe“, sondern verdrehte die Aussagen Cavendishs und Solleysels, indem er „Stellen“ mit „Kopf nach innen bringen“ gleichstellte: natürlich hat er Recht damit, dass man den Pferdekopf mit dem Kandarenzügel zu einer Seite ziehen kann, aber dabei geht, wie oben erklärt, die gewünschte Innenstellung verloren und das Pferd bildet eine S-förmige Halswirbelsäule: die hohe Schule ist das nicht! Ich werfe ihm nicht vor, seinen Anfängerreitschülern so eine Notlösung gestattet zu haben, aber sehr wohl, dass er dies dann als allgemeingültige Reitlehre auch für den fortgeschrittenen Reiter hinstellt.





William Cavendish /Jaques Solleysel




William Cavendish, der Herzog von Newcastle,  beschreibt in seinen beiden Büchern sehr viele wichtige  Hilfen und Vorgehensweisen, von denen viele heute vergessen sind, bzw. waren, bis die Wiedergeburt der akademischen Reitkunst vor ca. 20 Jahren eingeleitet wurde. Darunter betont er immer wieder seine „Neue Methode“. Auch wenn man diese Methode skeptisch sieht: man findet nicht sehr viele Kapitel, in denen er sie nicht erwähnt, und wenn man ihn übersetzen will, muss man diese Teile mit übersetzen, denn sonst ginge zu viel an Verständnis verloren.

Der Grund für diese neue Methode ist einerseits, dass manche Pferde sonst die Reiterhand bezwingen könnten (und natürlich durch die dann nötige Gegenkraft des Reiters dessen Sitz ruiniert würde), aber auch die Änderung der Einwirkungsrichtung.

Eine ausführlichere Beschreibung findet man unter Forschung; Update 07.09.2020

Hier, übersetzt von mir, Daniel Ahlwes, einige Auszüge aus:

William Cavendish: “ A New Method and Extraordinary Invention to Dress Horses, and work them According to Nature ... „ (London, 1667) Dieses Buch ist als durchsuchbares PDF zu lesen unter:

https://quod.lib.umich.edu/e/eebo/A53074.0001.001?rgn=main;view=fulltext

und: (mit Anmerkungen und Verbesserungen Solleysels bei seiner Übersetzung ins Französische) „Methode Nouvelle  pour dresser les cheveaux en suivant la nature… (Paris,1677), dieses Buch ist als Faksimile-PDF zu lesen unter Universität Oviedo:

http://digibuo.uniovi.es/dspace/handle/10651/32718  Download von  808497.pdf


Terminologie: Wenn Cavendish sagt : „Das Pferd nimmt die Kruppe nach außen“, meint er damit nicht das heutige Kruppeheraus/Renvers, sondern er möchte, dass das Pferd in Innenbiegung bleibt, also das heutige Schulterherein.




Teil II, Kapitel 10

 

Der Gebrauch der Kandare, während das Pferd geradeaus geht


Wenn das Pferd geradeaus in Trab, Galopp oder Courbetten geht und Sie die Zügelhand tief halten und in dieser Stellung zu sich ziehen, wirkt dies mehr auf die Laden als auf das Kinn, weil die Unterbäume nicht so sehr zu Ihnen gezogen werden (d.h. zum Hals des Pferdes), und dadurch die Kinnkette nicht sehr gestrafft wird und diese deshalb mehr Freiheit hat, und deshalb hält das Pferd nur ein wenig die Nase tief; wenn Sie die Hand aber höher stellen, bekommt die Kinnkette mehr Wirkung und stellt den Kopf höher, weil sie das Kinn stärker bearbeitet: der Grund dafür ist, dass wenn Sie die Unterbäume stark anziehen und dabei nach oben führen, Sie zwar das Mundstück abwärts ziehen, aber der Kopf des Pferdes höher gestellt wird durch die Wirkung der Unterbäume, weil diese stark die Kinnkette straffen, welche wiederum stark auf das Kinn des Pferdes einwirkt: denn es ist ganz klar, dass wenn die Unterbäume hochkommen, sich das Mundstück abwärts bewegt und dass die Kinnkettenwirkung von der Bewegung der Unterbäume abhängt. Also: wenn die Unterbäume sich hoch bewegen, senkt sich das Mundstück ab, und wenn die Unterbäume herunter gehen, steigt das
Mundstück höher: dies sind die Wirkungen der Kandare beim Geradeaus gehen.




Teil II, Kapitel 11

Andere Effekte der Kandarenzügel


Ich erklärte Ihnen, dass die Unterbäume schräg zu Ihnen stehen, und die Zügel noch schräger bevor sie in Ihre Hand laufen, und dass das Mundstück umso weniger das Pferd zwingen kann, je weiter Ihre Hand von der senkrechten Linie entfernt ist. Wenn die Unterbäume hoch gezogen werden, senkt sich das Mundstück, und in demselben Maße, wie sich die Unterbäume absenken, bewegt sich das Mundstück entgegengesetzt.
 Die senkrechte Linie bedeutet:  wenn Sie Ihre Hand so weit nach vorn schieben, dass sie senkrecht über den unteren Enden der Unterbäume steht, und Sie in dieser Haltung die Hand nach oben führen, wirken die Unterbäume sehr stark auf die Kinnkette ein: diese Bewegung mache ich niemals, ich beschreibe sie hier nur der Vollständigkeit halber,und um Ihnen ihre Wirkung zu erklären.





Teil II, Kapitel 12

Die Wirkungen der beiden Zügel, wenn sie getrennt in beiden Händen geführt werden



Ich hab schon beschrieben, wie der innere Zügel das Pferd zur äußeren Seite der Volte schiebt, und auch, dass er das Pferd in die Volte blicken lässt, und auch, wie der äußere Zügel das Pferd nach innen schiebt, und dass dieser es nach außen blicken lässt; und dass es für das Seitwärts [passager] auf der inneren Seite komprimiert sein soll, und man deshalb die Hilfe mit dem äußeren Zügel geben muss: damit es aber in die Volte sieht, helfe ich ihm auch mit dem inneren Zügel, so dass ich ihm mit beiden Zügeln helfe beim Seitwärts [passageant]; mit dem inneren  Zügel, um es in de Volte blicken zu lassen und mit dem äußeren Zügel, um seine äußere Schulter etwas nach innen zu führen und um es zur inneren Seite zu schieben aus vielerlei schon beschriebenen Gründen, unter anderen um den äußeren Beinen die Freiheit zu verschaffen, über die inneren zu kreuzen beim Seitwärts [passageant].



Teil II. Kap. 13

Das einhändige Arbeiten mit den Kandarenzügeln in der linken Hand


Dass der kleine Finger die  Zügel voneinander trennt, bewirkt, dass der linke Zügel unterhalb des kleinen Fingers, und der rechte Zügel oberhalb dieses Fingers verläuft.
 Auf der linken Hand strafft man den linken Zügel, indem man die Zügelhand auf die entgegengesetzte Seite des Halses führt [welche die rechte ist], die Fingerknöchel [MCP-Gelenke] zum Pferdehals gerichtet, zieht den Kleinfinger zu sich.
Zum Straffen des rechten Zügels führt man ebenfalls die Hand auf die entgegengesetzte Seite des Halses [dies ist jetzt die linke Seite], und hält ebenso die Knöchel [MCPs] zum Hals; weil der rechte Zügel aber über dem kleinen Finger liegt, muss man dabei die Hand zu sich nach innen beugen, und den kleinen Finger lockerer lassen: dies arbeitet den rechten Zügel, weil der linke Zügel den kleinen Finger streckt und den Ringfinger lockert. [In Solleysels Übersetzung dagegen wird das Wort „Knuckles“ (Knöchel) mit ongles“(Fingernägel) ersetzt, sodass bei ihm die Hände genau umgekehrt gehalten werden!].

Und damit der Körper des Pferdes sich nicht zu sehr erhebt, hält man die Zügelhand tiefer, was es auf die Hüften bringt: dies ist die Wahrheit und die Quintessenz der Zügelhand für den inneren Zügel auf jeder Hand.





Teil II. Kap. 14

Der Gebrauch des äußeren Kandarenzügels

 



Auf der rechten Hand muss man den kleinen Finger nach oben drehen und im selben Moment die Hand nach innen drehen, aber gleichzeitig muss man seine äußere Schulter vorwärts bringen; auf der linken Hand muss man im Gegenteil die Nägel nach unten drehen,  man muss die Hand ins Innere der Volte führen und seine rechte Hüfte, was Ihnen hilft die rechte Schulter vorwärts zu nehmen, was Sie nicht nur  besser dem Pferd helfen lässt, sondern auch Ihnen selbst einen besseren Sitz verschafft und Ihnen mehr Anmut auf dem Pferd gibt.









Teil II, Kap 15

Wie man zum Seitwärts [passager] mit beiden Kandarenzügeln in der Zügelhand arbeiten muss

 


Dieser Teil ist schwer zu übersetzen, deshalb zunächst das Original:


 


Cavendish: Auf der rechten Hand führt man die Zügelhand nach außen, auf der linken Hand vom Pferdehals weg nach innen, was den äußeren Zügel strafft und arbeitet: so kann man perfekt mit beiden Zügeln gleichzeitig arbeiten, was die Quintessenz des Seitwärts [Passager] ist, die Gründe hierfür habe ich vorher schon erklärt.

Solleysel: Auf der rechten Hand führt man die linke Hand ein wenig nach innen, und ebenso auf der linken Hand,  zum Ziehen und Arbeiten des äußeren Zügels beim Drehen der Hand nach innen auf beiden Händen:  denn die wichtigste Hilfe zum Seitwärts [passage] ist ein gleich gutes Wenden auf beiden Händen. Man muss immer daran denken, wie ich Ihnen für das Seitwärts [passege] erklärte, dass man sich der äußeren Zügels bedienen muss, was bedeutet, die Hand nach innen zu führen. Ich gebe nicht vor, Ihnen  den Gebrauchs des inneren Zügels zu verbieten, das heißt die Hand ohne Grund nach außen zu führen: zum Beispiel wenn man es nur unterstützen möchte, falls es zu schnell wird: aber ich meine, dass die wichtigste Hilfe mit dem äußeren Zügel gegeben wird und noch mehr, aber auch wenn man die Hand nach innen oder nach außen geführt oder gehalten hat,  muss man obendrein die Hand nachgeben und das Mundstück erleichtern. Das ist eine generelle Maxime wie all diese.










Teil II, Kap 16

Zum Gebrauch beider Kandarenzügel


Man gibt die Hilfe für die Pirouette mit dem äußeren Kandarenzügel, weil die Vorhand hierbei in Zwang kommt [S: „pressèe“; C: „straightend“ = gestreckt wird], und die Hinterhand in Freiheit ist. Auch für die Demi-Volten auf einem Hufschlag und denen der Passaden entlang einer Wand muss man mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, für die Demi-Volte an deren Enden in drei oder 5 Schlägen aus demselben Grunde, weil seine inneren Partien im Zwang sind, und die hinteren Partien in Freiheit, denn sie sind nichts anderes als eine Demi-Pirouette. So helfen Sie mit dem äußeren Zügel für Courbetten rückwärts auf einer geraden Linie, denn dann sind die vorderen Partien in Zwang und jene der Hinterhand in Freiheit, weil sie als erste angeht oder den Weg beginnen. Man hilft in derselben Weise  mit dem äußeren Kandarenzügel bei allen Sprüngen, Croupaden, Balotaden und Capriolen, sowohl im Geradeaus als auch auf den Volten: weil die Vorhand im Zwang ist, ist die Kruppe in Freiheit, andernfalls kann es nicht springen.

Für den Terre-a-Terre helfen Sie mit dem inneren Kandarenzügel: d.h.Ihre wichtigste Hilfe ist das Nach-außen-führen der Hand, aber falls es nötig ist, die Hand nach innen zu eilen, im Falle dass die Schulter nicht genug geht, muss man die Hand ganz schnell wieder an ihren Platz zurückführen, welcher außen ist, weil die Hinterhand im Zwang ist, und die Vorhand erweitert ist. In derselben Weise muss man mit dem inneren Zügel arbeiten, für die Demi-Volten im Terre-a-Terre, weil die Kruppe im Zwang ist;
 Cavendish:  muss man für die Courbetten auf Volten mit dem äußeren Zügel helfen,  weil hierbei die Hinterhand untergeordnet ist und die Vorhand Erweitert, um  voranzugehen und zu führen.

Solleysel: auch muss man für die Courbetten auf Volten mit zwei Hufschlägen mit dem inneren Zügel helfen,  weil hierbei die Hinterhand untergeordnet ist und die Vorhand in Freiheit, um  den Weg voranzugehen; man muss es genauso machen für die Courbetten vorwärts, mit dem inneren Zügel, wegen der Unterordnung der Hinterhand und der Freiheit oder der Erweiterung der Vorhand, um vorwärts zu kommen,  weil sie marschiert, damit sie vorangeht.











Teil II, Kap 17

Hinweise zum Halten der Kandarenzügel


Jedes Mal wenn Sie die Kandarenzügel in der Höhe des Sattelknaufs halten, lockert dies die Kinnkette, wenn Sie die Zügel ein wenig tiefer als den Sattelknauf halten, ist sie lockerer und gehalten auf dem Pferdehals ist sie noch lockerer, weil die Hand am weitesten weg von der senkrechten Linie ist, die am unteren Ende der Unterbäume beginnt; und je höher Sie die Zügelhand über dem Sattelknauf halten, desto mehr wird die Kinnkette angezogen, weil Sie sehr stark ziehen können und somit in dieser Höhe sehr dicht an  die senkrechte Linie annähern.
Die Zügelhand soll nie mehr als als zwei oder drei Querfinger über dem Sattelknauf stehen, und ein wenig davor, sanft und stet gehalten werden. Es gibt nichts, was einem Pferd so sehr die Hüften herbeiholt wie die lockere und stete Hand: denn wenn es nichts findet, worauf es seine Vorhand anlehnen kann, kommt es auf die Hinterhand, weil es sich ja notwendigerweise anlehnen muss, entweder an die eine oder die andere. Und falls dies die Hinterhand ist, dann ist es ohne Schwierigkeit auf den Hüften. Die lockere, sanfte und stete Hand ist eines der größten Geheimnisse, dass wir haben: aber es gibt überhaupt kein Pferd,  das stet und ruhig in der Hand ist, falls es die Kinnkette nicht duldet und ihr nicht gehorcht: das alles also ist die Quintessenz für das Arbeiten mit der Kandare und dem Kappzaum.












Zusammenfassung der Kunst, ein Pferd zu reiten

Cavendish: An Epitomy of horsemanship, S. 321 /

Solleysel: Abrégé de l‘art de monter a cheval, S. 242


[da die Texte Solleysels weit umfangreicher und manchmal deutlicher sind, und die meisten Menschen ausreichend gut Englisch verstehen und selbst nachlesen können, habe ich fast immer Solleysels Version übersetzt: der Übersetzer Daniel Ahlwes]


Epitomy/Abrégé § 1

Wie man in den Airs die Hilfen geben soll


Für Courbetten muss man das Pferd zunächst mit dem äußeren Zügel leiten, wenn es aber nicht ausreichend auf den Hüften [hanches] ist, muss man es mit dem inneren Zügel unterstützen, um es mehr zu setzen, und danach den äußeren Zügel einsetzen. Wenn die Kruppe nach außen ausfällt, muss man ein wenig mit der äußeren Wade helfen, falls es aber seine Kruppe zu weit nach innen bringt, muss man ebenso leicht die innere Wade annähern, und ein wenig die rechte Hand über dem Hals drehen, und nur sie hoch halten, aber nicht zu sehr nach innen.
Man muss den äußeren Zügel einsetzen, um die äußere Schulter herein zu führen, denn wenn sie gar nicht nach innen kommt, kann man gar nicht wenden auf den Volten; auf diese Weise hat die Kruppe ein wenig Freiheit, was sie bei jedem Takt freier vorwärts gehen lässt.
 Um schräg zu gehen oder seitwärts auf der einen wie der anderen Hand, muss man immer mit dem äußeren Zügel helfen und ggf. mit dem inneren unterstützen, die Hand außen ein wenig höher ohne ihm einen großen Takt der Hand zu geben; aber zunächst die Hand nach innen bringen, das heißt, sich des äußeren Zügels zu bedienen, daraufhin die Hand nachgeben und es machen lassen; denn das Pferd kann besser selbst seinen Takt finden als dass Sie ihm diesen geben könnten; und man muss mit der äußeren Wade helfen, falls es seine Kruppe nicht ausreichend untergeordnet hält.
 Um in Courbetten rückwärts  zu gehen, bedienen Sie sich des äußeren Zügels; aber Sie müssen ihm mit der Hand  bei jeder Kadenz, die es macht, einen Takt geben: die Hand dichter am Körper, wie beim Rückwärtsrichten, und es immer in der Hand empfangen, wenn es fällt; diese Takte mit der Hand lässt es die Courbetten rückwärts besser ausführen, aber nicht mehr als eine Fingerbreite Raum.  Ihr Körper soll ein wenig vorwärts gehen, Ihre Beine ein wenig nach hinten und Sie nicht sollen nicht steif auf dem Pferd sitzen, sondern mit großer Freiheit und Leichtigkeit.





Epitomy/Abrégé § 2


Man muss dieselben Hilfen anwenden, die man für alle Arten der Courbetten gegeben hat, denn sobald die Kruppe in der Volte ist und Sie dann die Hilfen wie beschrieben geben, vorausgesetzt Sie treiben das Pferd voran, wird es korrekt und leicht gehen, denn ein Pferd soll immer vorwärts gehen in allen Arten der Manege, was man mit dem inneren Schenkel bewirkt, ihm sehr sanft helfen und nur mit Ihren beiden Beinen das Pferd voran bringen; und ist Ihr inneres Bein nicht schwach, schwächt es oder stärkt es die Kruppe: so muss man beide Beine annähern, um das Pferd vorwärts zu schicken, aber das äußere muss stark genug sein, um das Pferd untergeordnet zu halten; und es außerdem mit dem inneren Bein vorwärts schicken, und falls das innere zu schwach ist, weil ja nur dieses das Pferd vorwärts schicken soll: diese Hilfe kann nur von denen ausgeübt werden, die Meister ihrer Beine sind und wissen, wie.








Epitomy/Abrégé § 3

Über die Sprünge


Bedienen Sie sich hierzu immer des äußeren Zügels; aber man muss hierbei stärker unterstützen, nämlich ihn stet und hoch halten, ohne ihm einen Takt der Hand zu geben, denn das Pferd kann seinen Takt am besten selbst finden, und geben Sie keine Hilfe mit den Beinen, sondern nur mit der Gerte in folgender Manier: Drehen Sie Gerte in Ihrer Hand, das dicke Ende  gegen den Daumen, und die Nägel nach unten [proniert]  und helfen Sie mit der Gertenspitze so nah wie Sie können über dem oberen Ende des Schweifs oder des Schweifriemens, und dieses genau im Takt, damit es ausschlägt, oder gar korrekt mit beiden Hinterbeinen parallel so weit wie möglich nach hinten ausschlägt mit höchster Längsstreckung seines Körpers („noüer l‘eguilette“.)
 Für die Sprünge auf Volten muss man für gewöhnlich den äußeren Zügel benutzen, und dies sehr häufig, man muss auch die Hand außen halten, um das Pferd zu erheben, aber man muss trotzdem zuerst die Hand nach innen führen, was als „arbeiten mit dem äußeren Zügel“ bezeichnet: denn im Endeffekt ist es dies, was die ganze Wirkung erzeugt, und was es dazu bringt, die Kruppe ganz wenig nach außen zu nehmen, um mehr Freiheit zu haben; denn es kann nicht gehen, wenn seine Hüften eingeengt und untergeordnet sind; auch muss man es hierzu auf weiten Volten gehen lassen, so dass es vorwärts geht  mit aller möglichen Freiheit, denn dies ist eine Air, die das Pferd sehr in Zwang bringt.





Epitomy/Abrégé § 4

Die Passaden auf einem Hufschlag



Bedienen Sie sich immer des äußeren Zügels, um die äußere Schulter nach innen zu führen, auch in den Demi-Volten auf nur einem Hufschlag.
Dasselbe gilt auch für die Pirouette, aber dabei darf man nicht zu sehr die Hand nach innen führen sondern das Pferd tief in der Vorhand halten.
Zum Galoppieren und zum Handwechsel auch immer den äußeren Zügel.





Epitomy/Abrégé § 5

Für den Terre-a-Terre


Für den Terre-a-Terre arbeitet man den inneren Zügel, denn man muss jetzt die äußere Schulter nach hinten führen, und der inneren Freiheit geben, so dass es in die Volte sehen kann und sich anlehnt an die äußeren Beine, und die inneren in Freiheit lässt, was Sie daran sehen und beurteilen können, ob sein Hals sich nach außen neigt.
Sie müssen wissen, dass der äußere Zügel die äußere Schulter nach innen zurückführt, weil dieser das Pferd nach innen schiebt, und weil er die äußeren  Beine in Freiheit bringt; dies führt die Kruppe ein bisschen nach außen.
Beim Seitwärts [passager] benutzen Sie den äußeren Zügel: denn wird die äußere Schulter nicht nach innen geführt, wie soll es dann ein Bein über das andere nehmen und kreuzen? (Das nennen die Italiener „incavalare“, woraus die Franzosen das Wort „chevaler“ bildeten).
Man muss anmerken, dass alles, was die Kruppe nach außen führt, sowohl im weiten als auch im  engen Gallop die Schultern arbeitet, derart, dass wenn seine Kruppe außen ist, das Bein und die Leine auf einer Seite die Schultern arbeitet, weil das innere Pferdebein raus geht und das ganze Gewicht auf den inneren Beinen liegt, so dass die äußeren sich lockern, weil sie in Freiheit sind und die äußere Schulter sich entkrampft und locker wird. Aber vor allem muss man dafür sorgen, die äußere Schulter nach innen kommen zu lassen, indem man von Zeit zu Zeit den äußeren Zügel benutzt. Diese Art, die Schultern zu arbeiten ist exzellent sowohl für ein junges, wie für ein altes Pferd, für ein unwissendes wie für ein ausgebildetes: denn wenn die Schultern nicht gelockert und frei sind, wird es niemals gut gehen und man erreicht niemals Zufriedenheit. Wenn es aber gelöste Schultern hat, wird es nicht schnell ermüden und es wird die Manege lieben, weil sie ihm Freude und wenig Mühe bereitet. Außerdem verhindert dies ein entier-werden und die „credenza“ zu bekommen; denn wenn es entier ist, ist dies eine Art von störrisch [retif], da es sich weigert, zu wenden; was als die schlechteste Unart gilt, welche  ein Pferd nur haben kann. Diese Unart, entier zu werden wird bei den Italienern „credenza“ genannt.



Epitomy/Abrégé § 6

Um die Kruppe zu arbeiten


Bein und entgegengesetzte Kappzaumleine arbeiten die Kruppe beim Kopf-gegen-die-Wand (vorausgesetzt es ist die innere Kappzaumleine), die angezogen wird.
Kappzaumleine und entgegengesetztes Bein mit einwärts gestellter  Kruppe  arbeiten die Kruppe, denn wenn die innere Kappzaumleine stark über den Hals nach außen gezogen wird, hindert es den Hals sich zu dieser Seite zu neigen, und arbeitet so die Kruppe.
Erheben Sie ein Pferd in Pesaden in der Hand [dans la main] mit der Kruppe einwärts, dann arbeitet dies die Kruppe und hilft, es auf die Hüften zu setzen,  so sehr wie es dazu fähig ist und je nach der Kraft seines Rückens, was alles ist, was man von ihm fordern kann.
Beim Arbeiten der Kruppe muss man die Waden, oder die Fersen,  gelegentlich bei Bedarf dem Pferd annähern, um es im Gehorsam zu erhalten und ihm den Respekt vor den Sporen zu erhalten: denn was man „den Fersen gehorchen“ nennt, bedeutet dass es den einen oder beiden Sporen flieht, ohne dass es dabei nötig ist, die Wade bis zu seinem Fell zu bringen, wobei „den Sporen an das Fell annähern“ keine Strafe ist, sondern eine Hilfe, die man in der Fachsprache „klemmen“ [pincer] nennt: man kann sich dieses Klemmens auch in allen anderen Gelegenheiten bedienen, wenn es nötig ist. Aber für Pferde, die sehr fein auf den Sporn reagieren, ist dieses Klemmen eine sehr große Strafe, weil sie dermaßen sensibel sind auf dieses Klemmen, wie andre auf einen Spornstoß. Diese Art von Pferden können so gehorsam auf die Fersen werden,  dass man ganz entspannt sein muss, und sich auf Ihnen gar nicht verspannen darf, oder gar bei ihnen die Spornspitzen benutzen darf, anstatt sich zu lockern und im Sprunggelenk sehr weich zu werden: für diese ist ein Klemmen ganz sicher eine Strafe. Dies gilt aber nicht für sehr harte Pferde, die sehr träge sind oder nur ungern gehen: hier ist es gut, ihnen beide Sporen zu geben, um sie auf der Carriere anzutreiben, sie durchzuparieren und auch rückwärts zu richten; das bringt sie dazu, den Fersen zu gehorchen, oder mehr oder weniger die Fersen zu fürchten. Denn wenn diese trägen Pferde die guten Waden fühlen und ein straffes Sprunggelenk, fliehen sie mehr dadurch als durch einen Spornstoß: denn sie stoppen beim Spornstoß manchmal bevor sie von der Hand angehen, deshalb soll man ihn nicht zu häufig benutzen, aber gut und fest.
Wenn das äußere Bein durch den inneren Zügel gedrängt wird durch das Nach-außen-Führen der Hand und durch das äußere Bein des Reiters,  wird die Kruppe gearbeitet und das Pferd ist auf den Hüften, so dass der äußere Zügel die Schultern arbeitet, der innere dagegen zusammen mit dem äußeren Reiterbein die Kruppe gehen lässt wie es verlangt wird und das Pferd auf die Hüften bringt: dies um so mehr jedes Mal, wenn Sie es in Pesaden erheben.
Die Vorhand und die Hinterhand arbeiten; die äußeren Beine drängen und die inneren Beine in Freiheit lassen; ihm die inneren Beine im Inneren des Kreises pressen und ihm die äußeren erweitern; Hand und Fersen gehorchen; es auf den Hüften gehen lassen: das ist alles, was man tun kann: was ich geschrieben habe, zeigt und lehrt dies deutlich.
Bevor es nicht locker in den Schultern ist und nicht gut starke Paraden aus Trab und Galopp ausführen kann, oder nicht gut in der Hand ist mit einer steten und lockeren Anlehnung, ist es niemals  gut ausgebildet. Das beste Mittel, um die Schultern zu lockern, ist der Kappzaum, über den ich gesprochen habe: Sie müssen die innere Kappzaumleine gegen Ihr Knie und Ihren inneren Schenkel ziehen: dies bringt seine Schulter von außen nach innen, und der Galopp gibt ihm eine gute Anlehnung. Aber galoppieren Sie niemals, bevor es nicht eine gute Parade im Trab ausführen kann! Ist es aber schon so locker, wird es von sich aus im Trab den Galopp anbieten. Hat das Pferd eine guten Rücken, soll die Parade aus dem Trab fest und unerwartet erfolgen, und in einem Zug;  und falls das Pferd nicht ausreichend reagiert, und im Galopp, mit ein oder zwei Falkaden. Erheben Sie es niemals gleichzeitig mit dem Durchparieren, sondern halten sie es so an, wie ich es erklärt habe und erheben Sie es erst danach, denn eine Erheben ist keine Parade, wie auch immer sich das die Leute einreden lassen, die glauben, eine Parade nur mit der Gerte machen zu sollen, was die falscheste  Art der Welt ist: denn die Parade wird ausgelöst durch beide Waden, mit dem Körper nach hinten, und durch die Hand, die sie beendet. Erst danach wird die Gerte als Zeichen zum Erheben in ein oder zwei Pesaden eingesetzt: so macht man eine Parade!
Man muss dazu anmerken, dass, wenn man die Kappzaumleine gegen sein Knie zieht, man die äußere Schulter nach innen führt, und die Schultern lockert; man drückt es auf der Innenseite zusammen und macht es freier auf der äußeren Seite. Zieht man dagegen die Kappzaumleine kreuzend über den Hals, arbeitet man die Kruppe, das heißt, man bringt die äußere Kruppe nach innen (mit der Kappzaumleine und dem entgegengesetzten Bein), dann lehnt es sich ganz auf seine äußere Seite und das lässt es den Fersen gehorchen und komprimiert es außen und erweitert es innen; parieren Sie es niemals durch, ohne Ihr äußeres Bein anzulegen, sonst kann es nicht auf den Hüften sein.








Epitomy/Abrégé § 7

Sehr wichtige Hinweise, um gut zu reiten


Die Erfahrung lehrt uns, dass das Fundament nicht nur aller Airs, sondern all dessen, was  man in den am besten geregelten Schulen praktiziert, ist: des Trabes, des Galopps, und der ganzen Parade in Innenstellung: Eine leichte und feste Parade, die nach den Regeln ausgeführt wird, kann viel dazu beitragen ein Pferd auf die Hüften zu bringen und ihm die exzellente Anlehnung des braven Pferdes zu verleihen, wenn sie gleich, stet und locker gegeben wird, weil eine gute Parade die Hinterhand während dieser Aktion absenkt. Eine zu plötzliche und schlecht ausgeführte Parade aber hebt und erhöht die Vorhand zu sehr, versteift ihm die Gelenke und zwingt es als Folge, seine Kruppe zurück zu ziehen, auf diese Weise kommt es eher über die Hüften, was unerwünscht ist.
 Damit das Pferd in die Volte blickt (mit dem Kappzaum auf meine Art angewendet), bringt das Ziehen der inneren Kappzaumleine gegen Ihr Knie die äußere Schulter nach innen, und biegt man es dabei extrem in die Volte, lässt dies die äußeren Beine in Freiheit, und es ist durch das Herunterziehen der Nase nach unten gezwungen, eine gute Parade zu machen, die es unter sich bringt. Aber geben Sie acht, dass die äußere Schulter wirklich nach innen kommt: damit lassen sie es gute Paraden gestalten.
Bindet man die innere Kappzaumleine am Sattelknauf fest, bringt man das Pferd nach außen, wenn Ihre äußere Wade es untergeordnet hält; im Gegensatz dazu können Sie es nach innen bringen, wenn Ihr inneres Bein die Kruppe nach außen schiebt, denn es ist unfehlbar, wenn die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist, und Ihr äußeres Bein das Pferd untergeordnet hält (d.h. wenn man die Kruppe nach innen schiebt), dass sich dann das Pferd auf die äußeren Beine stützt und seine inneren frei werden. Wenn  aber Ihr inneres Bein an derselben Seite anliegt, auf der  die Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist, schiebt dies die Kruppe nach außen: die inneren Beine des Pferdes werden eingeengt: d.h. es ist auf den inneren, und die äußeren sind in Freiheit. Deshalb rate ich Ihnen, den inneren Kappzaumzügel sehr tief am Sattelgurt zu befestigen: das komprimiert  es innen und gibt den äußeren Beinen Freiheit, und bringt die Schultern nach innen. Ist der Kappzaumzügel am Sattelgurt befestigt, hat er eine stärkere Wirkung als wenn Sie ihn in der Hand halten, da viele Pferde Ihre Hand zwingen können, aber den Kappzaum nicht, und es so nach unten zu ziehen, bewirkt, dass es sehr gut durchpariert. Manchmal ist es auch gut, rückwärtszurichten, oder es rückwärts zu ziehen, um es auf die Hüften zu setzen, es in die Hand zu bekommen und es zu lockern. Nachdem man es rückwärtsgerichtet hat, muss man es wieder vorwärts gehen lassen.
Für das Seitwärts [passager] gibt es nichts besseres, als die innere Kappzaumleine am Sattelgurt zu befestigen, denn dies bringt die äußere Schulter einwärts, um ein Bein über das andere zu schieben oder zu kreuzen, was man chevaler nennt und die Schultern lockert.

Die Pesade oder Posade ist wunderbar geeignet, das Pferd in die Hand zu bringen und es für alle Arten von Airs vorzubereiten; außerdem setzen die Pesaden das Pferd auf die Hüften, und besonders für die Springer sind sie das Beste: dies alles ausgeführt mit dem inneren Kappzaumseil,  das am Sattelgurt befestigt ist.
Im Trab und Galopp wirkt es beschleunigend, und ist es notwendig, ihm die Fersen anzunähern, was man klemmen mit den Sporen nennt, um es zu veranlassen, zu fliehen und ihnen zu gehorchen; aber man muss stark klemmen, damit es nicht auseinanderfällt und auf den Hüften ist und nicht auf den Schultern; dies bewirkt man, indem Sie es während des Klemmens in der Hand behalten und Sie es bei Bedarf unterstützen.
Der Kappzaum ist das beste Mittel der Welt um Pferde auszubilden,und das nicht nur um ihren Mund gesund zu erhalten, sondern auch um ihnen eine Biegung zu geben, d.h. um sie zu biegen, um durch Anziehen der inneren Kappzaumleine zu erreichen, dass es in die Volte blickt, und all dies, um die Schultern zu lockern, was eine Grundlage für die Manege ist.
Der Kappzaum arbeitet auch die Schultern des Pferdes, mit dem Bein und gleichseitiger Kappzaumleine, und Kruppe außen, als sei es am einfachen Pilaren angebunden; oder gut seitwärts gehend [passager] mit dem Kopf zur Wand mit Bein und entgegengesetzter Kappzaumleine arbeitet die Kruppe, und setzt das Pferd auf die Hüften. Denn dies komprimiert die äußeren Beine und ordnet es der Ferse unter, ohne dass es sich entziehen kann; so sind Bein und entgegengesetzte Kappzaumleine für die Kruppe dieselbe Weise wie oben erwähnt für die Schultern und wenn sie  auf derselben Seite eingesetzt werden: denn dies komprimiert das Pferd innen und erweitert es außen; wenn Sie aber Bein und entgegengesetzte Kappzaumleine einsetzen, gebe ich den Rat, die Kappzaumleine in der Hand zu halten, weil Sie so besser helfen können.
Der Gebrauch des Kappzaums lehrt Sie den Wert und den Nutzen zum Lockern der Schultern  und zum Arbeiten der Kruppe, und alle andere notwendigen Dinge, das Pferd  in den Übungen der Manege zu perfektionieren; sodass ich sagen würde, es wäre besser, ein Pferd ohne Kandare, nur mit dem Kappzaum auszubilden, als mit Kandare ohne Kappzaum, falls sie ihn benutzen wie ich es Ihnen erklärt habe: andernfalls bringt er Ihnen sehr wenig Nutzen.
Weil der Trab und das Durchparieren aus dem Trab das Fundament nicht nur der Airs, sondern auch aller Arten der Manegen ist, wenn sie sehr exakt ausgeführt werden, würde ich sagen, Sie sollten nichts mit Ihrem Pferd machen, bevor es nicht gut aus dem Trab durchparieren kann, denn falls Sie das nicht beachten, können Sie sicher sein, dass Sie Ihr Pferd unwiederbringlich verderben.
 Wollen Sie Ihr Pferd durchparieren, sei es im Trab auf einem großen Kreis auf einem Hufschlag, falls das Pferd wenig Rücken oder Kraft im Rücken hat, versäumen Sie nicht ein wenig die Waden anzunähern, um das Pferd aufmerksam zu machen, dann Ihren Körper vorwärts zu nehmen, und die Zügelhand zu Ihnen zu ziehen, bis zum Ende der Parade, aber anfänglich nicht ganz plötzlich, oder  ganz  in einem Zuge, falls das Pferd nicht schon viel Male eine ganze Parade ausgeführt hat; denn wenn man es in einem Zuge auf die Hinterhand setzt, gibt man ihm Anlass sich zu wehren.  
Beim Ausführen einer ganzen Parade aus dem Trab achten Sie sorgfältig darauf, die innere Kappzaumleine anzuziehen und Ihr äußeres Bein anzulegen, um zu verhindern, dass die Kruppe ausfällt, dies setzt es auf die Hüften; so dass Sie nicht versäumen dürfen, ihm im Moment der Anhaltens mit dem äußeren Bein zu helfen, was es unfehlbar auf die Hüften setzt, welches das wichtigste Ziel unseres Manegetrainings ist. Praktizieren Sie diese ganze Parade häufig, aber mit Maß und Vorsicht, um dem Pferd  nicht viel Anlass zu geben, sich zu wehren: plötzlich und ohne Takt verärgert sie das Pferd: wird sie aber ausgeführt wie ich es sagte, stellt sie den Kopf und beugt die Hüften.












Epitomy/Abrégé § 8

Eine andere Lektion um das Pferd auf die Hüften zu setzen



Um das Pferd auf die Hüften zu setzen, befestigen Sie die innere Kappzaumleine am Sattelgurt und lassen es auf einer Hufspur passagieren [passager], oder im zusammengenommenen Trab gehen, oder im kleinen Galopp und unterstützen es mit beiden Waden gleichermaßen, um es gerade zu halten und zu verhindern, dass es seine Kruppe heraus oder herein bringt, denn sowohl bei dem einen wie dem anderen hat die Lektion keinen Effekt;  bleibt es aber im Trab unter ihnen gleich zwischen Ihren Fersen und bleibt es konstant, dann gibt es nichts besseres, um es auf die Hüften zu bringen. Um ein Pferd im Galopp gut untersetzen zu lassen (außer so, wie es schon erklärte), müssen Sie beide Beine weit nach hinten nehmen, um es dazu zu bewegen, seine Hüften unter den Bauch zu bringen, und gleichzeitig Ihre Hand eine Zeitlang hochnehmen, um die Vorhand in der Luft zu unterstützen,daraufhin zunächst nachgeben, danach wieder für einen Takt unterstützen, und dann  wieder nachgeben, und dauernd so weiter bis man fühlt, dass das Pferd die Hüften beugt und gesetzt galoppiert, ihm die Waden hinten andrückt, es auch klemmt, auch einen Spornstoß anwendet, alles im Takt, und es unter sich bringt und dadurch auf seine Hüften, und es damit auch an die Hilfen bekommt.   





Epitomy/Abrégé § 9

Erklärung der unterschiedlichen Wirkungen einer am Sattelgurt, zu einer am Sattelknauf befestigten Kappzaumleine



Innere Kappzaumleine plus innere Wade arbeiten die äußere Schulter, komprimieren die inneren Beine und lassen die äußeren in Freiheit; diese Lektion lockert deshalb notwendigerweise die äußere Schulter, und praktiziert man sie entsprechend der Regeln und lange Zeit, bekommt man das Pferd in einen Zustand, alles zu tun.  
Sie ist exzellent, um ein Pferd sowohl weit als auch eng auf einem Hufschlag zu traben und zu galoppieren, ohne die Kruppe heraus oder herein zu bringen, weil sie den ganzen Körper des Pferdes lockert. Schiebt man aber den Brustkorb und die Kruppe mit seinem inneren Bein nach außen, bringt das die äußere Schulter mehr einwärts, und lockert diese deshalb extrem.
Sie ist exzellent für das Seitwärts [passager] mit der Kruppe einwärts, um die Vorderbeine übertreten zu lassen, weil die äußere Schulter einwärts kommt; bringt man allerdings die Kruppe zu stark nach innen und geht dann nicht mehr die Hälfte der Schultern vor der Kruppe, wird es dem Pferd unmöglich, weiterzugehen: denn wenn die innere Kappzaumleine am Sattelgurt befestigt ist, wird die äußere Schulter gearbeitet und nach innen gebracht, und bringt man dann die Kruppe ganz nach innen, kommt die äußere Schulter nach hinten, was gegen die Regeln ist, und als Folge wird es unmöglich für das Pferd, weiterzugehen, da es nicht zwei gegensätzliche Aktionen gleichzeitig ausführen kann.
Dieselbe am Gurt befestigte Kappzaumleine zusammen mit dem gleichseitigen Reiterbein schieben die Kruppe nach außen und tragen unendlich viel dazu bei die Schultern zu lockern, was schon sehr häufig erwähnt wurde, und gar nicht zu häufig erwähnt werden kann. (Einige Miesepeter klagen ja, diese Ausgabe sei voll von Wiederholungen, und dass sie das ermüde: ihnen sage ich wirklich: würden sie doch nur mein Alter berücksichtigen, denn man weiß ja, dass die Alten aus Erfahrung sehr leicht in diesen Fehler verfallen, denn wenn sie eine Weise als gut erkannt haben, wiederholen sie diese unaufhörlich: ich halte diese Lektionen für dermaßen gut und nützlich für diejenigen, die sie wertschätzen können, dass ich glaube, sie nicht zu häufig zu wiederholen).
Die am Gurt befestigte innere Kappzaumleine  ist exzellent und sehr geeignet für die Courbetten, weil sie die äußere Schulter nach innen bringt, und dadurch der Kruppe ein wenig Freiheit verschafft, was das Pferd besser gehen lässt.
Wenn die Schultern in all diesen Lektion nicht genug nach innen kommen, muss man ein wenig die Hand mit den Kandarenzügeln über der äußeren Schulter drehen, was den äußeren Zügel agieren lässt und sie nach innen führt.
Diese Art die Schultern zu arbeiten, macht alle Pferde leicht, locker und gelehrig, und bewirkt, dass sie alles, was man von ihnen verlangt mühelos ausführen, was die Gelöstheit produziert: Diese Pferde, weit entfernt davon, sich zu wehren, werden immer mehr und besser, im Gegensatz zu denen, die an den Pilaren, den Leinen/Longen und den langen Peitschen immer schlechter ausgebildet werden.
Diese Art, die innere Kappzaumleine am Sattelgurt zu befestigen, erzeugt eine schräge Linie in der Volte, und arbeitet dadurch die äußere Schulter.
Auf Volten erzeugt die am Sattelknauf befestigte innere Kappzaumleine keine so schräge Linie, weil sie den Hals des Pferdes überquert: so wird die äußere Schulter nach hinten gebracht,
 und die innere Schulter nach vorn. Sie komprimiert die äußere Seite und verschafft den inneren Beinen Freiheit, deshalb ist sie sehr geeignet für den Terre-a-Terre: dies hat nie jemand vor mir praktiziert. Für Courbetten aber ist dies nicht geeignet, weil es die Kruppe zu stark in Zwang bringt, sowohl wenn Leine und gegensätzliches Bein arbeiten, aber auch wenn Bein und Leine an derselben Seite (mit der Kruppe auswärts) einwirken, und ebenfalls im Seitwärts [passager], sei es nur mit der Kruppe einwärts, oder in der Länge des Pferdes (bzw. eigentlich ja etwas größer) mit all seinen verschiedenen Lektionen.
Aber diese schräge, den Mähnenkamm bis zum Sattelknauf überquerende Linie hat nicht einen so großen Effekt als wenn ich sie bis zu meiner äußeren Hüfte ziehe, da dann die Linie viel länger wird, als wenn sie am Knauf angebunden ist.
 Geht das Pferd mit dem Kopf zur Wand: wenn Sie dabei die Schultern arbeiten wollen, ziehen sie den inneren Kappzaumzügel zu Ihrem Knie; wollen Sie dagegen die Kruppe arbeiten, ziehen sie ihn zu Ihrer äußeren Hüfte.
Es wird zweifellos auch gelockert und arbeitet seine Schultern, wenn die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist beim Trab oder Galopp auf weiten Kreisen, denn wenn die Kruppe außen ist, kommt die äußere Schulter nach innen, und wird so gelockert.
Wollen Sie nach diesen Regeln arbeiten und alle Lektionen benutzen, müssen Sie lernen zu erkennen, wo der Fehler beim jeweiligen Pferd liegt, und sicher sein, ob dieser in den Schultern oder in der Kruppe lokalisiert ist; wenn Sie das wissen, ist es unfehlbar, dass Sie alle Pferde, die Sie in die Hände bekommen, verbessern bei dem, wozu sie fähig sind. Wenn Sie aber den Fehler des Pferdes nicht erkennen können, und deshalb die falschen Mittel anwenden, ist das nicht meine Schuld; denn Sie nähmen dann  zwar die Anweisungen, die gut sind, können Sie aber nicht dort  anwenden, wo sie nötig wären. Allerdings liegt der Fehler fast immer in den Schultern und ohne es auf zwei Hufschläge zu bringen, können Sie nicht erkennen, ob die Schultern locker genug sind. Denn auch wenn Sie sie für locker genug halten, um es weit und eng traben und galoppieren zu lassen, kann dasselbe Pferd beim Seitwärts [promener] auf den Volten, wenn sie es dazu treiben wollen, in seiner Air eine halbe Volte oder mehr zu machen, es sich weigert und nicht weitergehen kann; was nicht passiert, wenn Sie seine nicht ausreichend lockere Schulter genügend gelöst haben, und dies danach dadurch erkennen, dass es die Volte leicht und ohne Mühe nimmt, was es zuvor nicht konnte. Wer nicht nach meiner Methode arbeitet, nimmt eine lange Leine an den Nasenriemen, und mit einer langen Peitsche um einen Pilaren herum, schlägt und ermattet das arme Pferd und will erreichen, dass es etwas macht, was es nicht kann, und wenn man sieht, dass alles nutzlos ist, und das Pferd es nicht macht, sagt man: das Pferd hat steife Schultern, und kann nicht arbeiten und lehnen es so ab. Oder lehren es mechanische Courbetten zu machen, ich nenne das mechanisch, wenn ein Pferd keine guten machen kann, weil es nicht gut im Terre-a-Terre gegangen ist, bevor man es die Courbetten lehrte. So schulen diese Messieurs nur Pferde, die von Natur aus lockere Schultern haben; meine Methode aber schult ausnahmslos alle. Denn die, die steife und eisenharte Schultern haben, bekommen mit der Zeit so lockere, dass sie so gut arbeiten, wie sie dazu fähig sind im Rahmen ihrer natürlichen Kräfte.
Für Courbetten geradeaus muss man mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, dabei die Hand nicht immer innerhalb des Pferdehalses, sondern bei Bedarf gerade darüber halten, den kleinen Finger nach oben gedreht um den äußeren Kandarenzügel beim Drehen der Hand zu unterstützen, und danach wieder an seinen Platz zurückführen; und man kann dazu ein wenig mehr als normal die Hand nach vorne führen, um es in seiner Air zu unterstützen, so dass die Kinnkette arbeitet und das Pferd um die Unbequemlichkeit der Kinnketteneinwirkung zu vermeiden, gezwungen ist, sich auf die Hüften zu setzen, was ja alle Welt möchte, oder anstreben sollte.
Zu welcher Seite die Unterbäume auch gehen: das Mundstück geht immer in die entgegengesetzte Richtung, Wenn Sie die Kandarenzügel anziehen, werden die Unterbäume nach oben gezogen, und der Mund und die Nase senken sich ab: dies hilft mit, das Pferd auf die Hüften zu setzen, denn kein Pferd kann gut gesetzt werden, wenn es lange Zeit die Nase vorn hat und wenn die Stirn nicht senkrecht steht. Dies also ist die richtige Methode für Courbetten und für alle Airs, welche es auch seien; man muss immer mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, wenn es erforderlich ist, ohne dabei jemals den Takt mit der Hand anzugeben, sondern es nur unterstützen falls nötig, denn das Pferd findet seinen Takt besser selbst, als sie ihn angeben könnten. In Courbetten rückwärts aber muss man bei jedem Takt helfen: mit dem äußeren Zügel, den Körper ein wenig nach vorn und die Schenkel genauso wenig nach hinten nehmen, und mit leichter Körperhaltung, ohne Steifigkeit.
In Courbetten auf Volten auf einem Hufschlag bedienen Sie sich des äußeren Kandarenzügels und
in allen Arten, wie ich Ihnen oben demonstriert habe, die nur das Pferd vorwärts gehen lassen, und es sich wenig wendet, was man auf allen Kreisen oder Zirkeln anwenden sollte, außer in der Pirouette; und allgemein gesprochen, dürfen Sie nicht sehr mit den Beinen helfen; wenn Sie sie aber  einsetzen, muss das äußere Bein ein wenig näher am Pferd sein; so entsteht die letzte Perfektion aller Airs, wie sie nur möglich ist.











Abrégé § 15

Das Seitwärts [passager] oder Promenieren [promener] im Schulschritt auf den Volten


Die Aktion des Seitwärts [passager] ist weder so emsig noch so heftig wie der Trab, aber sehr viel stärker als der Schritt: diese Lektion ist ungemein gut geeignet, um dem Pferd das Verständnis für die Reiterhand zu vermitteln und es zu lehren, die Balance zwischen den beiden Reiterfersen einzuhalten. Denn sie ist nicht grob und bringt es weder in Wut noch in die Flucht.
Hat man sein Pferd locker in den Schultern und danach gehorsam auf Hand und Fersen gemacht, promeniert man es im Seitwärts [passage], und muss dabei immer beachten, dass die Hälfte der Schultern der Kruppe vorausgeht, wie man auf der Skizze B sehen kann:



Auf der rechten Hand (die beiden Vorderbeine mit 1. und 2. bezeichnet) geht der innere Vorderfuß (1.) um die Hälfte der Körperbreite des Pferdes weiter vor auf der Kreislinie als der innere Hinterfuß (markiert mit 3.). Die punktierte Linie, die zum Zentrum des Kreises zieht, verdeutlicht dies: denn das innere Vorderbein (1,) ist vor dieser Linie, und das innere Hinterbein (3.) hinter ihr. Geht es in dieser Weise, dann geht es korrekt und kreuzt gut seine Vorderbeine.
Wenn es korrekt seitwärts geht [passege], kann man es mit der Zeit alles machen lassen, wozu seine Kräfte es befähigen.
Um es gut seitwärts gehen zu lassen [passager] muss die innere Kappzaumleine am Sattelgurt befestigt sein oder mit der Hand bis zum Reiterknie gezogen werden; so  arbeitet man die äußere Schulter des Pferdes. Diese Aktion ist sehr gut geeignet beim Seitwärts [passager], um es die äußeren Beine über seine inneren kreuzen zu lassen, und damit es dies noch besser tut, muss man ihm mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, was man mit dem Wenden der Zügelhand nach innen erreicht, worauf man sie wieder an ihren normale Stelle zurückführt; danach wendet man sie wieder je nach Bedarf oder nimmt sie gerade hoch zurück. Aber das Wichtigste und Notwendigste bei dieser Lektion ist es, die Hand nach innen zu führen, um es bei jedem zweiten Takt das äußere Bein über das innere kreuzen zu lassen.













Epitomy/Abrégé § 18

Terre-a-Terre


Man muss sich des inneren Zügels und des äußeren Beines bedienen, wenn Sie den inneren Zügel bei geteilter Zügelführung gegen ihre äußere Seite ziehen, komprimiert dies das Pferd auf der äußeren Seite, bringt es auf die äußere Hüfte, und führt dazu, dass es sich auf die äußere Seite stützt, und weil es in den Kreis sieht, lässt dies es in Freiheit auf seiner inneren Seite das Vorderbein, das im Kreis ist führt, und das Hinterbein auf derselben Seit folgt ihm, aber das äußere ist zusammengenommen und trägt das ganze Gewicht des Pferdes.
Dieses Mittel führt die innere Schulter nach vorn, durch ihre nach außen geführte Zügelhand, und die äußere wird nach hinten geführt. Man muss das Pferd fest mit seinem Sitz unterstützen, dann zunächst mit der Hand nachgeben, danach die Hand nach außen führen. Und so wie der innere Zügel sich verkürzt durch die Zügelhand auf der äußeren Seite des Mähnenkamms, müssen Sie ungezwungen  geradeaus vor sich blicken, denn wenn sie zwischen beiden Ohren hindurch blicken, (wie man es gewöhnlich in Frankreich tut) wenn Ihr Pferd den Kopf extrem innen hält, verursacht das eine schlechte Anmut. Sie stützen sich ein wenig mehr auf den äußeren Steigbügel als auf den inneren, und drehen Ihre äußere Schulter nach vorn, was dem Pferd die Kruppe unterordnet, in der Weise, dass dies ihm erschwert, sie zu sehr nach innen zu führen: weil Sie sich sich auf die äußere Seite des Pferdes stützen,kann die Kruppe nicht vor die Schulter kommen. So ist es quasi gezwungen, Terre-a-Terre zu gehen , trotzdem es hatte und hat gehen  pa, ta, pa, ta, was ein Zweitakt ist, und  vor mir noch nie jemand geschrieben hat, obwohl  ich nicht zweifle, dass viele das genauso erfasst haben.
Sie müssen aber daran denken, falls Sie die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigen, dass dies seine Kruppe arbeitet, es auf die äußere Hüfte bringt, und es den Fersen gehorchen lässt; aber nicht mit einer so großen Macht, als wenn Sie die innere Kappzaumleine zu Ihrer äußeren Seite ziehen weil die Linie zum Sattelknauf kürzer ist und deshalb nicht so eine große Kraft hat. Drängt aber das Pferd so stark voran, dass man Mühe hat, es zurück zu halten, muss man die innere Kappzaumleine am Sattelknauf festbinden, was es zurückhält und etwas ausgeglichener macht,und wenn es dadurch nicht ausreichend beruhigt wird, reitet an es zunächst in Schritt oder Trab mit dem Kopf herein und der Kruppe heraus: dieses beruhigt ein Pferd sehr und verhindert sehr die Unruhe.














Epitomy/Abrégé § 23

Weitere Folge zur vorhergegangen Wiederholung der Schulung des Pferdes:




Schon tausendfach habe ich alle Lektionen zum Erreichen des Zieles erteilt und beschrieben :
Aber um diese Materie noch einmal klarer zu machen, trotz der  Klagen über meine häufigen Wiederholungen, möchte ich noch einmal sagen: Ziehen Sie die Kappzaumleine stark in Richtung  Ihres Knies abwärts, damit die äußere Schulter des Pferdes nach innen kommt, welches die ganze Schwierigkeit beim Lösen der Schultern ist: in der Weise, dass Sie die innere Wade einsetzen und es Pferd biegen wie einen Kreis beim Arbeiten in dieser Art auf einem großen Zirkel, und von Zeit zu Zeit auf engen, Sie ihm sicher die Schultern lockern, aber nur wenn Sie sich nicht zu sehr ermüden mit dieser Lektion;  denn man soll sich niemals ermatten und sie zu häufig wiederholen über ganze Vormittage, was ich hier nochmals wiederhole. Wie auch immer man sich manchmal des inneren Zügels bedient, muss man umso häufiger die Hand nach innen führen, das heißt, sich des äußeren Zügels bedienen, um die äußere Schulter nach innen kommen zu lassen: denn ist sie nicht dort, erbringt Ihre Arbeit wenig Wirkung, und Sie lockern niemals die Schulter. Die Mittel dazu haben ich Ihnen gegeben: der Einsatz der inneren Wade beim Hereinführen der Hand nach innen, außer, wenn das Pferd sich gerade in der Vorhand zu sehr einengt, oder wenn es gegen den inneren Schenkel geht: bei diesen Gelegenheiten muss man sich des inneren Zügels bedienen, d.h. die Hand nach außen führen und dazu nachgeben, danach aber die Hand wieder nach innen führen, also sich des äußeren Zügels bedienen.
  Beim Seitwärts [passager] darf die Kruppe nicht mehr als Nr. 2, oder gar weiter, innen sein, denn wenn sie zu sehr in Zwang ist, führt dies die äußere Schulter heraus, was falsch ist und das Pferd aus der Volte blicken lässt, wie auch immer Sie den Zügel in einer Weise ziehen, die Ihnen gefällt, so dass es eine gefährliche Art ist, die Kruppe zu sehr nach innen zu bringen, wenn Sie die äußere Schulter arbeiten wollen. Hält man aber weniger als die halbe Kruppe innen, bekommen Sie das Pferd locker und sehr frei, um alles zu tun, was Sie von ihm möchten und mit diesem Mittel wird es bereit sein, leicht zu arbeiten und immer gut zu gehen.

 Sehen Sie hier die Skizze B:




Auf Volten auf der rechten Hand geht das Vorderbein, das mit 1 bezeichnet ist, im Kreis weiter vor als das innere Hinterbein (bezeichnet mit 3). Die gepunkteten Linien, die zum Zentrum gehen,  zeigen für die rechte wie für die linke Hand, dass die Hälfte der Schultern vor der Kruppe geht. Dies erkannt man ganz deutlich im Vergleich zu der Stelle „Les Espaules demeurent“, wo die Schultern zurückbleiben: dort sind die Vorderbeine 1 und 2 genauso nahe der Linie, die zum Zentrum geht, wie die Hinterfüße 3 und 4, was falsch ist und gegen die Ordnung.

Im erhöhten Terre-a-Terre [terre à terre relevé] ist der Takt eins, zwei, pa ta, er wird ausgelöst mit dem inneren Zügel, den Sie gegen Ihre äußere Hüfte ziehen, und mit Ihrem äußeren Bein, und  versäumen Sie nicht, ihm die Kruppe sehr in Zwang zu halten: dies muss man, damit es gut geht, und damit die Hinterhand eingeengt ist und die Vorhand erweitert.

Der stramme oder entschlossene Terre-a-Terre ist eine völlig andere Art: denn das Pferd geht hierbei, als renne  es eine Carriere auf dem Zirkel, man darf es allerdings nicht so stark rennen lassen auf einer Volte seiner Länge, sondern nur auf einer großen, weiten Volte, die für einen derart entschlossenen ungefähr 25 oder 30 Schritte im Durchmesser haben müssen, welches die richtige Weite dieser Terre-a-Terre-Volten ist: denn der Rennkurs ist nichts anderes als eine Galoppaktion, hierbei man muss sich gelegentlich des äußeren Zügels bedienen, und gelegentlich des inneren, und des äußeren Schenkels um das Pferd in der Hinterhand  zu verengen. Bei Pferden, die die die Volten mit einer derart starken Geschwindigkeit gehen, benutzt man wenig die Hand um die großen Takte zu machen, sondern dreht nur leicht die Hand nach innen; man führt die Hand nach außen, oder hält sie dort, wenn die Schulter zu schnell wird, und der Reiter muss eine große Genauigkeit  besitzen, um Hand und Ferse gut abstimmen zu können; nur wenige Pferde sind fähig, die Volten in vollem Lauf auszuführen. Diese Air ist schön und entschlossen, aber sie verbraucht die Pferde sehr.

 Nichts ist vernünftiger, und nichts kann es besser erhalten in diesem Metier als jedes Mal, wenn das Pferd Terre-a-Terre geht, oder wenn man es auf Demi-Volten seiner Länge an den Enden der Passade gehen lässt, oder wenn man es passegiert [passage], damit es dabei in der Hinterhand verengt und gleichzeitig in der Vorhand  erweitert wird, und dann beim Erweitern der Hinterhand es eingeengt wird in der Vorhand.

Damit ein Pferd sehr untergeordnet geht wenn es sich von der Hand lösen will, soll man dies auf einem Karreé anstatt eines Kreises ausführen, was die Kruppe extrem unterordnet, aber nicht geeignet ist für Pferde, die sich akkülieren [entabler].

In Courbetten auf einem Kreis ist es gegen die Ordnung, mit dem inneren Zügel zu helfen, weil das Pferd nicht wenden kann; aber Courbetten auf einem Hufschlag dagegen werden besser mit dem inneren Zügel und dem äußeren Schenkel, dadurch geht das Pferd bei jedem Mal ein wenig vorwärts; deshalb ist das Karreé exzellent für die Courbetten auf einem Hufschlag; allerdings ist es falsch, auf dem Karreé sich des inneren Zügels zu bedienen, um es durch die Ecken zu führen: man muss den äußeren Zügel benutzen, um die Ecken abzurunden und die nächste gerade Linie zu erreichen.

Die Pesaden [heute Levaden] die man produziert durch Erheben des Pferdes und Erhalten, d.h. in der Luft halten, wenn es erhoben ist, sind das Fundament aller Arten der Airs, und wenn man es in Courbetten bringt, muss man die äußeren Zügel benutzen und den inneren Schenkel, damit sie auf einem Hufschlag bleiben. Man lässt es drei oder vier Courbetten auf einer Stelle ausführen und  dann einige Schritte gehen, bringt es dann wieder in die Courbetten wie zuvor: so bringt man ihm in kurzer Zeit bei, eine Tour in Courbetten zu machen.
Ist das Pferd so perfekt, muss man mit dem äußeren Zügel und äußeren Schenkel helfen, es unterstützen und immer ein wenig vorangehen, als würde es sich gar nicht wenden und das ist ein perfektes Gehen in Courbetten.




Epitomy/Abrégé § 24

Die Zügelhand



In Courbetten auf der rechten Hand muss man unterstützen, und den kleinen Finger der Zügelhand  hoch halten, was den äußeren Zügel betätigt und bewirkt, dass das Pferd aufmerksam wird für die Courbetten damit sie gut werden.
In Courbetten auf der linken Hand soll der Kandarenzügel an der Innenseite des Halses anliegen, und der kleine Finger nach unten gedreht, was den äußeren Zügel anzieht, man muss ebenfalls das Pferd in der Luft erhalten durch Heben der Zügelhand von Takt zu Takt.
Im Terre-a-Terre auf der rechten Hand mit geteilter Zügelführung muss man den inneren Zügel mit der rechten Hand bis zu seiner äußeren Hüfte ziehen und den kleinen Finger anheben, um den inneren Zügel anzuziehen und zu halten.
Im Terre-a-Terre auf der linken Hand mit geteilten Zügeln muss man den inneren Zügel mit der linken Hand bis zu seiner äußeren Hüfte ziehen, den kleinen Finger anheben und dort halten, was den inneren Zügel anzieht, dabei den äußeren Schenkel nach am Pferd halten.
Durch all das was ich Ihnen erklärt habe, ist leicht zu erkennen dass man sich des äußeren Zügels bedient in Courbetten, aber im Gegenstaz dazu im Terre-a-Terre des inneren, anders kann man es nicht machen.
In Croupaden, Balotaden und in Kapriolen benutzt man den äußeren Zügel, um der Kruppe Freiheit zu verschaffen, denn sonst kann das Pferd nicht springen, bei Bedarf mit dem inneren Schenkel helfend, dies ebenfalls, um der Kruppe mehr Freiheit zu verschaffen.