Kann man mit einer Kandare den Kopf des Pferdes stellen?


Viele meinen: „Nein!“, denn sowohl die Trensenkandare als auch der Kandare mit ungebrochenem Mundstück wirken „falsch“ ein, falls man, z.B. bei getrennter Zügelführung, den Zügel vom Pferdehals zur Seite weg zieht: dann wird ja das betreffende Seitenteil der Kandare so vom Pferdekopf  weggezogen, dass das Unterbaumende mit dem Zügelring vom Pferd weg ins Innere des Zirkels zeigt, und deshalb ein starres, ungebrochenes Mundstück innen höher gegen den Oberkiefer steigt und außen tiefer sinkt.

Auch beim gebrochenen Mundstück geschieht dies, wenn man den Zügel vom Pferd zur Seite weg führt, weil die Schaumkette für einen Höchstabstand der Unterbäume voneinander sorgt: so zieht der innere Unterbaum über die Schaumkette ebenfalls den äußeren Unterbaum zur Seite nach innen unter den Pferdekopf, mit derselben Auswirkung wie bei einem ungebrochenen Mundstück.

Wenn man den Zügel vom Pferd zur Seite weg führt kommt somit bei beiden der innere Teil des Mundstücks höher und der äußere Teil des Mundstücks tiefer zum (und ggf. sogar auf den) äußeren Laden, was zu einer Verschiebung des Unterkiefers in dessen Innenstellung führt, was wiederum  eine Außenstellung des Pferdekopfes verursacht, die fast immer unerwünscht ist.

Zieht man jedoch (z.B. bei der einhändigen Zügelführung) den inneren Zügel nach hinten zum Reiter hin an, während er am Pferdehals anliegt, kippt der innere Teil des Mundstückes nach unten, und löst damit ein Verschieben des Unterkiefer des Pferdes nach außen aus: es kommt dann zur Innenstellung des Pferdekopfes, die ja in den allermeisten Fällen die gewünschte ist.

Hierbei zeigt sich ein Unterschied zwischen den beiden Kandarenarten: ein ungebrochenes Mundstück kommt, je mehr es auf einer Seite des Pferdemaules tiefer sinkt, in demselben Maße auf der gegenüberliegenden Seite höher, in Richtung des Oberkiefer des Pferdes und schiebt sich obendrein dort oben noch nach vorn, es liegt dann also schräg in beiden Ebenen.

Eine Trensenkandare hingegen tut dies nicht: hier sinkt ganz allein der innere Schenkel des gebrochenen Mundstücks tiefer, ganz ohne eine Beeinflussung des äußeren Schenkels, weil die Schaumkette nach hinten erst einmal sehr viel Spiel hat, bevor sie überhaupt beginnt, den äußeren Unterbaum mit zu bewegen.

Wenn man mit Hilfe einer Kandare eine Innenstellung des Pferdekopfes durch Einwirkung des inneren Zügels erreichen möchte, muss man also penibel darauf achten, hierbei (sowohl vom Sattel wie vom Boden aus) niemals das innere Kandarenseitenteil vom Pferdekopf zur Seite weg zu ziehen, sondern ein „Klingeln“ mit dem Mundstück nur durch ein Rückwärts ziehen des am Hals anliegenden inneren Zügels  zu verursachen. Andernfalls bekommt genau das gegenteilige Ergebnis!

Die Frage, ob man mit einer Kandare den Pferdekopf stellen kann, muss man also zweifach beantworten: Einerseits mit „Nein“, denn mit einer Kandare kann man nicht, wie mit einem Kappzaumzügel, einfach den Pferdekopf sehr stark zu einer Seite ziehen, da dann eine unerwünschte Innenstellung des Unterkiefers auftritt.

Andererseits mit „Ja“, denn man kann mit einer Kandare bei am Hals anliegenden Zügel ein Stellen des Pferdekopfes gut einleiten durch das Verschieben des Unterkiefers nach außen, das weitere Einstellen auf die Kreislinie muss der Reiter aber anders bewirken, etwa mit einem Anlegen/Klopfen des Inneren Schenkels am Gurt oder mit dem Zeigen der Gerte an der äußeren Halsseite.

Leider war Gueriniére in der Zwangslage, seine Schüler nur mit der Kandare allein ausbilden zu müssen, da er ihnen den Kappzaumgebrauch bei seinen kostbaren, hoch geschulten Pferde nicht gestattete, weil sie damit die Pferde zum Ziehen brachten und verdarben. Und leider  schrieb er nicht: „Weil ich denke, der Schaden an meinen Pferden durch die Reitschüler ist geringer, wenn ich Ihnen gestatte, den Pferdekopf mit dem Kandarenzügel herumzuziehen, als wenn ich ihnen eine Kappzaum gebe“, sondern verdrehte die Aussagen Cavendishs und Solleysels, indem er „Stellen“ mit „Kopf nach innen bringen“ gleichstellte: natürlich hat er Recht damit, dass man den Pferdekopf mit dem Kandarenzügel zu einer Seite ziehen kann, aber dabei geht, wie oben erklärt, die gewünschte Innenstellung verloren und das Pferd bildet eine S-förmige Halswirbelsäule: die hohe Schule ist das nicht! Ich werfe ihm nicht vor, seinen Anfängerreitschülern so eine Notlösung gestattet zu haben, aber sehr wohl, dass er dies dann als allgemeingültige Reitlehre auch für den fortgeschrittenen Reiter hinstellt.





William Cavendish /Jaques Solleysel



William Cavendish, der Herzog von Newcastle,  beschreibt in seinen beiden Büchern sehr viele wichtige  Hilfen und Vorgehensweisen, von denen viele heute vergessen sind, bzw. waren, bis die Wiedergeburt der akademischen Reitkunst vor ca. 20 Jahren eingeleitet wurde. Darunter betont er immer wieder seine „Neue Methode“. Auch wenn man diese Methode skeptisch sieht: man findet nicht sehr viele Kapitel, in denen er sie nicht erwähnt, und wenn man ihn übersetzen will, muss man diese Teile mit übersetzen, denn sonst ginge zu viel an Verständnis verloren.

Der Grund für diese neue Methode ist einerseits, dass manche Pferde sonst die Reiterhand bezwingen könnten (und natürlich durch die dann nötige Gegenkraft des Reiters dessen Sitz ruiniert würde), aber auch die Änderung der Einwirkungsrichtung.

Eine ausführlichere Beschreibung findet man unter Forschung; Update 07.09.2020

Hier, übersetzt von mir, Daniel Ahlwes, einige Auszüge aus:

William Cavendish: “ A New Method and Extraordinary Invention to Dress Horses, and work them According to Nature ... „ (London, 1667) Dieses Buch ist als durchsuchbares PDF zu lesen unter:

https://quod.lib.umich.edu/e/eebo/A53074.0001.001?rgn=main;view=fulltext

und: (mit Anmerkungen und Verbesserungen Solleysels bei seiner Übersetzung ins Französische) „Methode Nouvelle  pour dresser les cheveaux en suivant la nature… (Paris,1677), dieses Buch ist als Faksimile-PDF zu lesen unter Universität Oviedo:

http://digibuo.uniovi.es/dspace/handle/10651/32718  Download von  808497.pdf

[da die Texte Solleysels weit umfangreicher und manchmal deutlicher sind, und die meisten Menschen ausreichend gut Englisch verstehen und selbst nachlesen können, habe ich fast immer Solleysels Version übersetzt: der Übersetzer Daniel Ahlwes]

 Terminologie:

Wenn Cavendish sagt : „Das Pferd nimmt die Kruppe nach außen“, meint er damit nicht das heutige Kruppeheraus/Renvers, sondern er möchte, dass das Pferd in Innenbiegung bleibt, also das heutige Schulterherein.
 


Der Terre-a-Terre: Eine Art zweitaktiger Galopp seitwärts im rechten Winkel (ca. 85°), ohne Vorwärts, dient zum rasanten Umkehren des Pferdes in die Gegenrichtung am Ende einer geraden Linie, entweder als Demi-Volte oder pirouettenartig, wenn dabei die Hinterhand ihren Platz nicht verlässt. Zum Training auch "geradeaus" reitbar, d.h. seitwärts entlang einer Wand oder geraden Linie.









Teil II, Kapitel 10

Der Gebrauch der Kandare, während das Pferd geradeaus geht


Wenn das Pferd geradeaus in Trab, Galopp oder Courbetten geht und Sie die Zügelhand tief halten und in dieser Stellung zu sich ziehen, wirkt dies mehr auf die Laden als auf das Kinn, weil die Unterbäume nicht so sehr zu Ihnen gezogen werden (d.h. zum Hals des Pferdes), und dadurch die Kinnkette nicht sehr gestrafft wird und diese deshalb mehr Freiheit hat, und deshalb hält das Pferd nur ein wenig die Nase tief; wenn Sie die Hand aber höher stellen, bekommt die Kinnkette mehr Wirkung und stellt den Kopf höher, weil sie das Kinn stärker bearbeitet: der Grund dafür ist, dass wenn Sie die Unterbäume stark anziehen und dabei nach oben führen, Sie zwar das Mundstück abwärts ziehen, aber der Kopf des Pferdes höher gestellt wird durch die Wirkung der Unterbäume, weil diese stark die Kinnkette straffen, welche wiederum stark auf das Kinn des Pferdes einwirkt: denn es ist ganz klar, dass wenn die Unterbäume hochkommen, sich das Mundstück abwärts bewegt und dass die Kinnkettenwirkung von der Bewegung der Unterbäume abhängt. Also: wenn die Unterbäume sich hoch bewegen, senkt sich das Mundstück ab, und wenn die Unterbäume herunter gehen, steigt das
Mundstück höher: dies sind die Wirkungen der Kandare beim Geradeaus gehen.




Teil II, Kapitel 11

Andere Effekte der Kandarenzügel


Ich erklärte Ihnen, dass die Unterbäume schräg zu Ihnen stehen, und die Zügel noch schräger bevor sie in Ihre Hand laufen, und dass das Mundstück umso weniger das Pferd zwingen kann, je weiter Ihre Hand von der senkrechten Linie entfernt ist. Wenn die Unterbäume hoch gezogen werden, senkt sich das Mundstück, und in demselben Maße, wie sich die Unterbäume absenken, bewegt sich das Mundstück entgegengesetzt.
 Die senkrechte Linie bedeutet:  wenn Sie Ihre Hand so weit nach vorn schieben, dass sie senkrecht über den unteren Enden der Unterbäume steht, und Sie in dieser Haltung die Hand nach oben führen, wirken die Unterbäume sehr stark auf die Kinnkette ein: diese Bewegung mache ich niemals, ich beschreibe sie hier nur der Vollständigkeit halber,und um Ihnen ihre Wirkung zu erklären.





Teil II, Kapitel 12

Die Wirkungen der beiden Zügel, wenn sie getrennt in beiden Händen geführt werden



Ich hab schon beschrieben, wie der innere Zügel das Pferd zur äußeren Seite der Volte schiebt, und auch, dass er das Pferd in die Volte blicken lässt, und auch, wie der äußere Zügel das Pferd nach innen schiebt, und dass dieser es nach außen blicken lässt; und dass es für das Seitwärts [passager] auf der inneren Seite komprimiert sein soll, und man deshalb die Hilfe mit dem äußeren Zügel geben muss: damit es aber in die Volte sieht, helfe ich ihm auch mit dem inneren Zügel, so dass ich ihm mit beiden Zügeln helfe beim Seitwärts [passageant]; mit dem inneren  Zügel, um es in de Volte blicken zu lassen und mit dem äußeren Zügel, um seine äußere Schulter etwas nach innen zu führen und um es zur inneren Seite zu schieben aus vielerlei schon beschriebenen Gründen, unter anderen um den äußeren Beinen die Freiheit zu verschaffen, über die inneren zu kreuzen beim Seitwärts [passageant].



Teil II. Kap. 13

Das einhändige Arbeiten mit den Kandarenzügeln in der linken Hand


Dass der kleine Finger die  Zügel voneinander trennt, bewirkt, dass der linke Zügel unterhalb des kleinen Fingers, und der rechte Zügel oberhalb dieses Fingers verläuft.
 Auf der linken Hand strafft man den linken Zügel, indem man die Zügelhand auf die entgegengesetzte Seite des Halses führt [welche die rechte ist], die Fingerknöchel [MCP-Gelenke] zum Pferdehals gerichtet, zieht den Kleinfinger zu sich.
Zum Straffen des rechten Zügels führt man ebenfalls die Hand auf die entgegengesetzte Seite des Halses [dies ist jetzt die linke Seite], und hält ebenso die Knöchel [MCPs] zum Hals; weil der rechte Zügel aber über dem kleinen Finger liegt, muss man dabei die Hand zu sich nach innen beugen, und den kleinen Finger lockerer lassen: dies arbeitet den rechten Zügel, weil der linke Zügel den kleinen Finger streckt und den Ringfinger lockert. [In Solleysels Übersetzung dagegen wird das Wort „Knuckles“ (Knöchel) mit ongles“(Fingernägel) ersetzt, sodass bei ihm die Hände genau umgekehrt gehalten werden!].

Und damit der Körper des Pferdes sich nicht zu sehr erhebt, hält man die Zügelhand tiefer, was es auf die Hüften bringt: dies ist die Wahrheit und die Quintessenz der Zügelhand für den inneren Zügel auf jeder Hand.





Teil II. Kap. 14

Der Gebrauch des äußeren Kandarenzügels


Auf der rechten Hand muss man den kleinen Finger nach oben drehen und im selben Moment die Hand nach innen drehen, aber gleichzeitig muss man seine äußere Schulter vorwärts bringen; auf der linken Hand muss man im Gegenteil die Nägel nach unten drehen,  man muss die Hand ins Innere der Volte führen und seine rechte Hüfte, was Ihnen hilft die rechte Schulter vorwärts zu nehmen, was Sie nicht nur  besser dem Pferd helfen lässt, sondern auch Ihnen selbst einen besseren Sitz verschafft und Ihnen mehr Anmut auf dem Pferd gibt.









Teil II, Kap 15

Wie man zum Seitwärts [passager] mit beiden Kandarenzügeln in der Zügelhand arbeiten muss

 


Dieser Teil ist schwer zu übersetzen, deshalb zunächst das Original:


 


Cavendish: Auf der rechten Hand führt man die Zügelhand nach außen, auf der linken Hand vom Pferdehals weg nach innen, was den äußeren Zügel strafft und arbeitet: so kann man perfekt mit beiden Zügeln gleichzeitig arbeiten, was die Quintessenz des Seitwärts [Passager] ist, die Gründe hierfür habe ich vorher schon erklärt.

Solleysel: Auf der rechten Hand führt man die linke Hand ein wenig nach innen, und ebenso auf der linken Hand,  zum Ziehen und Arbeiten des äußeren Zügels beim Drehen der Hand nach innen auf beiden Händen:  denn die wichtigste Hilfe zum Seitwärts [passage] ist ein gleich gutes Wenden auf beiden Händen. Man muss immer daran denken, wie ich Ihnen für das Seitwärts [passege] erklärte, dass man sich der äußeren Zügels bedienen muss, was bedeutet, die Hand nach innen zu führen. Ich gebe nicht vor, Ihnen  den Gebrauchs des inneren Zügels zu verbieten, das heißt die Hand ohne Grund nach außen zu führen: zum Beispiel wenn man es nur unterstützen möchte, falls es zu schnell wird: aber ich meine, dass die wichtigste Hilfe mit dem äußeren Zügel gegeben wird und noch mehr, aber auch wenn man die Hand nach innen oder nach außen geführt oder gehalten hat,  muss man obendrein die Hand nachgeben und das Mundstück erleichtern. Das ist eine generelle Maxime wie all diese.










Teil II, Kap 16

Zum Gebrauch beider Kandarenzügel


Man gibt die Hilfe für die Pirouette mit dem äußeren Kandarenzügel, weil die Vorhand hierbei in Zwang kommt [S: „pressèe“; C: „straightend“ = gestreckt wird], und die Hinterhand in Freiheit ist. Auch für die Demi-Volten auf einem Hufschlag und denen der Passaden entlang einer Wand muss man mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, für die Demi-Volte an deren Enden in drei oder 5 Schlägen aus demselben Grunde, weil seine inneren Partien im Zwang sind, und die hinteren Partien in Freiheit, denn sie sind nichts anderes als eine Demi-Pirouette. So helfen Sie mit dem äußeren Zügel für Courbetten rückwärts auf einer geraden Linie, denn dann sind die vorderen Partien in Zwang und jene der Hinterhand in Freiheit, weil sie als erste angeht oder den Weg beginnen. Man hilft in derselben Weise  mit dem äußeren Kandarenzügel bei allen Sprüngen, Croupaden, Balotaden und Capriolen, sowohl im Geradeaus als auch auf den Volten: weil die Vorhand im Zwang ist, ist die Kruppe in Freiheit, andernfalls kann es nicht springen.

Für den Terre-a-Terre helfen Sie mit dem inneren Kandarenzügel: d.h.Ihre wichtigste Hilfe ist das Nach-außen-führen der Hand, aber falls es nötig ist, die Hand nach innen zu eilen, im Falle dass die Schulter nicht genug geht, muss man die Hand ganz schnell wieder an ihren Platz zurückführen, welcher außen ist, weil die Hinterhand im Zwang ist, und die Vorhand erweitert ist. In derselben Weise muss man mit dem inneren Zügel arbeiten, für die Demi-Volten im Terre-a-Terre, weil die Kruppe im Zwang ist;
 Cavendish:  muss man für die Courbetten auf Volten mit dem äußeren Zügel helfen,  weil hierbei die Hinterhand untergeordnet ist und die Vorhand Erweitert, um  voranzugehen und zu führen.

Solleysel: auch muss man für die Courbetten auf Volten mit zwei Hufschlägen mit dem inneren Zügel helfen,  weil hierbei die Hinterhand untergeordnet ist und die Vorhand in Freiheit, um  den Weg voranzugehen; man muss es genauso machen für die Courbetten vorwärts, mit dem inneren Zügel, wegen der Unterordnung der Hinterhand und der Freiheit oder der Erweiterung der Vorhand, um vorwärts zu kommen,  weil sie marschiert, damit sie vorangeht.











Teil II, Kap 17

Hinweise zum Halten der Kandarenzügel


Jedes Mal wenn Sie die Kandarenzügel in der Höhe des Sattelknaufs halten, lockert dies die Kinnkette, wenn Sie die Zügel ein wenig tiefer als den Sattelknauf halten, ist sie lockerer und gehalten auf dem Pferdehals ist sie noch lockerer, weil die Hand am weitesten weg von der senkrechten Linie ist, die am unteren Ende der Unterbäume beginnt; und je höher Sie die Zügelhand über dem Sattelknauf halten, desto mehr wird die Kinnkette angezogen, weil Sie sehr stark ziehen können und somit in dieser Höhe sehr dicht an  die senkrechte Linie annähern.
Die Zügelhand soll nie mehr als als zwei oder drei Querfinger über dem Sattelknauf stehen, und ein wenig davor, sanft und stet gehalten werden. Es gibt nichts, was einem Pferd so sehr die Hüften herbeiholt wie die lockere und stete Hand: denn wenn es nichts findet, worauf es seine Vorhand anlehnen kann, kommt es auf die Hinterhand, weil es sich ja notwendigerweise anlehnen muss, entweder an die eine oder die andere. Und falls dies die Hinterhand ist, dann ist es ohne Schwierigkeit auf den Hüften. Die lockere, sanfte und stete Hand ist eines der größten Geheimnisse, dass wir haben: aber es gibt überhaupt kein Pferd,  das stet und ruhig in der Hand ist, falls es die Kinnkette nicht duldet und ihr nicht gehorcht: das alles also ist die Quintessenz für das Arbeiten mit der Kandare und dem Kappzaum.












Teil II, Kapitel 32

Exzellente Anmerkungen zum Erreichen der Lockerung der Pferdeschultern


[Diese Lektion wird von Gueriniére m.E. zu Recht abgelehnt und sollte besser als Croupe-au-mur ausgeführt werden; DA]



Ich habe Ihnen die Art und Weise gezeigt, wie man die Schultern der Pferde arbeitet und lockert mit der inneren Kappzaumleine, ohne sie am Sattelknauf festzubinden, was schon mehr als die Hälfte  des Werks ist; jetzt möchte ich Ihnen den anderen Teil zeigen, welcher der Gehorsam zwischen Hand und Fersen ist und Schultern und Kruppe gleichzeitig zu arbeiten, die innere Kappzaumleine immer in der Hand und nicht festgebunden am Sattelknauf.
Um die Kruppe entlang einer Wand im Seitwärts [passager] zu arbeiten, müssen Sie sich der inneren Kappzaumleine bedienen und Ihres äußeren Beines, die innere Kappzaumleine in Ihrer Hand und nach innen gezogen, um so die äußere Schulter dorthin zu ziehen und um das Pferd auf seiner inneren Seit zu komprimieren, damit seine äußeren Beine frei sind, sich über das andere zu schieben und über das innere Bein zu kreuzen, was wir passagieren mit der Kruppe einwärts nennen. Obwohl dieses Seitwärts [passager] die Aktion des Trabes haben soll, ist es trotzdem nicht so heftig wie der Trab, aber doch heftiger als der Schritt: dies ist die beste Lektion, um das Pferd zu lehren gehorsam zu werden und ausbalanciert zwischen den beiden Fersen, und in den Gehorsam der einen und der anderen Ferse zu kommen, und im Seitwärts [passager] einen zusammengenommen Schritt einzuhalten, versammelt und und stark die Beine eines über das andere beim Seitwärts [passeagent] übereinander kreuzend.
Die erste Lektion die Sie ihm durch diese Aktion des Seitwärts mit dem Kopf zur Wand geben  
ist, die innere Kappzaumleine mit Kraft anzuziehen, und gleichzeitig mit Ihrem äußeren Bein zu helfen: dann geht das Pferd schräg und seitwärts an der Wand entlang, wobei die Schultern vor der Kruppe gehen sollen, was es hinten verengt und dadurch auf die Hüften bringt, weil es in der Aktion des Trabes ist, die Beine überkreuz bewegt [diagonal].
[…….] Wenn das Pferd so geht, ist es innen komprimiert. Falls es auf der linken Hand geht, muss man die Kandarenzügel in die rechte Hand nehmen, und die linke Kappzaumleine in die linke Hand, und letztere kräftig zu sich nach innen in die Volte ziehen. Legen Sie Ihr äußeres Bein (jetzt das rechte) dabei an und lassen sie es arbeiten auf der linken Hand so wie Sie es auf der rechten getan haben, die Kappzaumleine auf der einen und Ihr Bein der entgegengesetzten Seite  […..]. Führen Sie diese Lektion fort, bis es beiden Fersen gut gehorcht, sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand, und wenn es leicht und frei auf beiden Händen geht, können Sie es seitwärts arbeiten im freien Gelände, auf dieselbe Art mit denselben Hilfen, denn wenn Ihr Pferd einen feinen Mund hat und den Fersen gehorcht, ergibt das dieselbe Wirkung wie entlang einer Wand.











Teil II, Kapitel 33


Das Seitwärts [Passager] auf Volten



Gehorcht das Pferd perfekt den Fersen in dieser Lektion des Seitwärts [de costé au passager] mit dem Kopf gegen die Wand , dann bringen Sie es auf große Volten im Schritt oder im Seitwärts [passage], ziehen die innere Kappzaumleine zu sich, um seine äußere Schulter nach innen zu bringen, und setzen Ihr entgegengesetztes Bein ein, d.h. das äußere, denn die Leine und das entgegengesetzte Bein müssen seinen Hals immer extrem biegen, und wenn es nicht genug dem äußeren Bein gehorcht, [….] legen Sie Ihre äußere Ferse an, und führen dies danach auf der anderen Hand aus, und wenn Sie finden, dass es beim Seitwärts [passager] ein wenig weit gehorcht, mit der Kruppe innen, was es auf die Hüften bringt, weil seine Kruppe innen ist und weil dies die Aktion des Trabes ist, und weil die Kruppe auf einem kleineren Kreis geht, und sie einen kürzeren Weg geht als die Schultern, die viel weiter gehen, weil sie einen größeren Kreis ziehen und längere Zeit in der Luft sind als die Hüften, die sie begleiten und den ganzen Körper des Pferdes die ganze Zeit tragen, weil sie einen kürzeren Weg gehen: Sie sehen also, dass ein Pferd, das auf Volten geht, mehr auf den Hüften ist, und kann seine Schultern in der Luft haben beim Arbeiten, wenn es nicht notwendigerweise die Hüften unter sich bringt, um sich zu unterstützen. Denn das Pferd hat ja nur diese zwei Möglichkeiten der Vorhand und der Hinterhand um sich zu unterstützen, und es gilt absolut: wenn eine von beiden benutzt oder beschäftigt wird, lockert sich die andere.
Wenn es perfekt der Hand und den Fersen auf den etwas größeren Volten gehorcht, passagieren Sie es auf einem Raum, der ein wenig größer als seine Körperlänge ist, und wenn es im Schritt Hand und Fersen gehorcht, treiben Sie es ein wenig voran, und wenn es sich dann in einem Galopp mit stark untergeordneter Kruppe präsentiert, lassen Sie es einige Takte machen, falls es sie von sich aus anbietet; danach bringen Sie es zurück in den Schritt, Trab und Galopp, immer mit der Kruppe einwärts. In diesem Stadium ist das Pferd sehr fortgeschritten und schon halb fertig [demy dressé]:  denn wenn das Pferd Hand und Fersen im Seitwärts gehorcht, welches eine sanfte Bewegung ist, und deshalb sehr geeignet, ein Pferd auszubilden, weil sie es geduldig macht und ihm das Gedächtnis stärkt; ich sage: wenn es gehorsam ist in dieser Lektion, die wunderbar für die Pferdeausbildung ist, kann ich es mit der Zeit und der Gewöhnung all das machen lassen, was seine Kräfte ihm gestatten.  
Ist das Pferd gut eingeübt in den vorhergehenden Lektionen, dann bringen Sie es in dieser Weise im kleinen Galopp [petit galop] auf die Volten mit der Kruppe einwärts, ziehen kräftig die innere Kappzaumleine zu Ihnen und legen Ihr äußeres Bein an, um ihm zu helfen, beschweren den äußeren Steigbügel mehr als den inneren, und biegen seinen Hals extrem, so dass es auf seiner äußeren Seite komprimiert wird: dies ist richtig für den kleinen Galopp mit der Kruppe einwärts, und helfen ihm mit der Zunge, um von Zeit zu Zeit gute Paraden zu machen. Wenn es dann in all diesem unterrichtet ist, ist es zweifellos sehr fortgeschritten und mehr als halb fertig [plus que demy dresseé], und braucht nichts weiter, als sich daran zu gewöhnen, denn es gibt hier keinen großen Unterschied zwischen  dem kleinen Galopp und dem Terre-a-Terre.
 Ist das Pferd perfekt gehorsam in all diesen Lektionen, gehorcht es also auf Hand und Fersen, lehren Sie es, die Vorhand zu erheben, aber nicht eher, aus vielerlei Gründen; das Erheben der Vorhand ist absolut notwendig, um ein Pferd vollständig auszubilden; aber merken Sie sich gut, dass es die Vorhand nicht erheben soll, bevor es nicht zwischen Hand und Fersen ist und bevor es nicht auf einem und auf zwei Hufschlägen weit und eng galoppiert, und auch nicht auf weiten und engen Volten seitwärts geht [passage], korrekt zwischen beiden Fersen. Jene, die ihre Pferde  schon früher levadieren, geben ihnen Anlass und wirklich Gelegenheit, sich zu wehren, sich zu versteifen, und zu verderben; ich habe häufig brave, für eine gute Manege fähige Pferde gesehen, die verdorben und dumm wurden, weil man schon vorher mit dem Erheben begann. Um diese Fehler zu vermeiden: Sie können es erheben, wenn sie ganze Paraden auf einem weiten Kreis auf einem Hufschlag erzielt haben: aber diese Parade aus dem Tab oder dem Galopp muss immer in der Hand   erfolgen, danach hilft man sanft mit der Zunge, den Beinen und der Gerte.
Wenn es sich erhebt, loben sie schon für ein wenig und schicken es vorwärts mit den Waden und lassen es sich noch ein zweites Mal erheben, wenig oder viel, vorausgesetzt, die Vorhand verlässt die Erde: dann ist es genug. Lassen Sie es niemals sehr hoch erheben, denn dies ist eine Abwehr. Erhebt es sich aber von allein, ohne dass Sie es gebeten haben, treiben Sie es vorwärts  um zu verhindern, dass es sich ohne Ihre Aufforderung erhebt. So wird es in kurzer Zeit gehorchen und sich in der Hand erheben, worauf man gut achten sollte, und vor allem auf einem Hufschlag.
Wenn es sich sehr gut erhebt, d.h. wenn es seine Hüften beugt und man spürt, dass es in der Hand ist, auf großen Kreisen auf einem Hufschlag, dann bringen Sie die Kruppe nach innen, und erheben es, während sie spüren dass es in der Hand ist, so dass es sich durch Gehorsam und nicht dann, wann es möchte erhebt. Ist es an dem Punkt angekommen, dass es sich leicht erhebt, hält man es in der Erhebung:das bringt es wieder zwischen Hand und Fersen.
Seit ich Ihnen oben erklärt habe, dass man es nicht erheben solle, bevor es zwischen Hand und Fersen ist: das ist deshalb, um die Unordnungen zu verhindern, die es auslösen würde, weil ihm Anlehnung an die Hand verloren ginge, und ihm beibringen würde, zu steigen [cabrer] und auch störrisch zu werden. Viele Pferde, ja der größte Teil, erheben sich aus Abwehr, nicht aus Gehorsam, um dem Reiter Widerstand zu leisten, oder weil sie nicht vorwärts gehen oder wenden wollen. Denn bevor sie nicht perfekt der Hand gehorchen und den Fersen fliehen, bevor sie nicht sehr frei sind, darf man sie gar nicht erheben, wenn man sie nicht in Abwehr und Ungehorsam bringen will: dies ist eine der großen Wahrheiten in der Kunst.
In der Folge, wenn das Pferd gehorcht, und eine, zwei oder drei Pesaden macht, können Sie es auf großen Kreisen mit der Kruppe auswärts arbeiten, und ab und zu Pesaden machen lassen, wenn sie es dazu geneigt finden, und beenden Ihre Reprise, indem Sie seine Kruppe nach innen bringen; levadieren Sie es sanft in der Hand in beiden dieser Lektionen.
Hat das Pferd dies trainiert und wenn es gut alle vorhergegangen Lektionen ausführt, befestigen Sie die innere Kappzaumleine fest und etwas kurz am Sattelknauf: weil diese Aktion aber sehr Zwang erzeugt, muss man dass Pferd zuerst langsam, nach und nach daran gewöhnen, und sie nur nach und nach verkürzen. So arbeiten Sie durch alle diese Lektionen mit der inneren Kappzaumleine und Ihrem gleichseitigen Bein, und kommen dann zur Lektion der inneren Kappzaumleine mit der äußeren Ferse, dabei immer die innere Kappzaumleine am Sattelknauf angebunden, und helfen mit dem äußeren Kandarenzügel, um es nach innen zu schieben für das Seitwärts [passager]. Aber wenn Sie es in Pesaden erheben, tun Sie dies mit dem inneren Kandarenzügel, während die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist, weil Sie keine andere Möglichkeit in der Hand haben.
Die Hilfengebung mit der Kandare allein auf großen Kreisen mit der Kruppe auswärts und dem Kopf einwärts erfolgt mit dem inneren Bein und dem inneren Kandarenzügel und dazu mit dem äußeren Zügel, aber immer mit Ihrem inneren Bein. Wenn die Schultern nicht ausreichend weit genug innen gehen, führt man die Hand weiter nach innen, wie auch beim Seitwärts [passager] mit Kandare alleine, denn man ist gezwungen sich des inneren  Zügels zu bedienen, wenn es nicht ausreichend der Ferse gehorcht. Wenn es sich von der Hand löst, muss man sich des äußeren Zügels bedienen, denn dies ist die wichtigste Hilfe, um die äußere Schulter nach innen zu bringen, dies lockert die äußere Schulter.
Eine exzellente Lektion ist, das Pferd geradeaus galoppieren zu lassen und es durchzuparieren, und dann mit der Kandare allein es zu levadieren, und es danach zu wenden, ihm  dabei mit dem äußeren Zügel helfend, um es für die Passaden vorzubereiten, über die wir hiernach sprechen werden.
Eine andere gute Lektion mit der am Sattelknauf befestigten Kappzaumleine ist, auf einem Hufschlag zu galoppieren und die vier Ecken zu machen: das bedeutet, einen engen Kreis  auf jedem Viertel des großen Kreises zu machen. Von einer Ecke zur nächsten reiten Sie Ihr Pferd auf einer geraden Linie, und man muss dies auf dieselbe Weise fortführen, bis man  vier gemacht hat, und das alles auf einem Hufschlag; danach macht man dasselbe mit der Kruppe einwärts im kleinen Galopp, um es dann dannach im Terre-a-Terre auszuführen. Man beginnt auf einem großen Kreis oder Volte, die man in vier aufteilt, und macht eine oder zwei Touren auf jeder Ecke oder Viertel des Kreises; um das nächste zu nehmen, reitet man auf einer geraden Linie und erreicht die nächste Ecke,ohne das Pferd sich einengen zu lassen; führen Sie dies fort so sehr und so lange wie Sie einschätzen, dass es passend ist diese Lektion zu wiederholen, welche es aufmerksam auf Hand und Fersen macht und sehr gehorsam auf beides.
Der innere Zügel bringt das Pferd nach außen und sein ganzer Körper stützt sich auf sein äußeres Hinterbein, und er hält die Vorhand hoch: dies bringt es auf die Hüften.
Der äußere Zügel bringt das Pferd nach innen und hält es tief in der Vorhand, und deshalb mehr auf die Schultern als der innere Zügel.
Sie müssen diese Methode beachten, und häufig all diese exzellenten Lektionen, eine nach der anderen wiederholen, andernfalls werden Sie niemals ein Pferd  im Terre-a-Terre ausbilden wie es sein soll, um perfekt zu arbeiten.



















Teil II, Kapitel 38


Die wahre und korrekte Methode für den Terre-a-Terre



Für den Terre-a-Terre ist die Arbeit auf einem Karreé gut, falls ein Pferd mit den Schultern voraus eilt, es ist aber nicht die beste Methode, weil sie in den Ecken des Vierecks die Hüften eines Pferdes zu stark unterordnet und in Zwang bringt, so dass es nicht mit der erforderlichen Freiheit und Leichtigkeit gehen kann, denn in den Ecken ist es sehr schwer zu verhindern, dass das innere Hinterbein vor der Schulter geht, was falsch wäre, und was man als „entabler“ bezeichnet. Deshalb ist die folgende Methode die bessere und leichteste von allen:

Man muss korrekt, gerade und fest im Sattel sitzen, den äußeren Bügel etwas beschweren ohne seinen Körper zu einer Seite zu neigen; das äußere Bein soll nur ein wenig näher am Pferd sein und etwas gerader nach unten hängen als das innere, welches ein bisschen weiter vorn liegen soll als das äußere; und Sie müssen auf Ihrem Spalt [enfourcheure] sitzen, und sehr fest in den Bügeln  Anlehnung halten. Ihr Bauch soll den vorderen Rand des Sattels berühren, das äußere Bein und Knie nach innen gedreht und bereit, bei Bedarf leicht die Wade anlegen zu können. Auf der rechten Hand soll man die Zügelhand nach außen führen mit den Nägeln nach oben, den kleinen Finger etwas nach oben gedreht, ohne dabei die Nägel zu stark nach oben zu bringen; denn man dreht sie, um den inneren Zügel anzuziehen, der unter dem kleinen Finger verläuft. Den Arm und Ellenbogen nahe der Hüfte ohne den Körper oder die linke Schulter zu versteifen, letztere etwas nach vorn nehmen, aber  auf gleicher Höhe halten wie die andere. Beide Schultern ein wenig nach vorn nehmen und Ihren Hals gerade halten, und Ihre Knöpfe ein wenig nach rechts gedreht. All dies führt notwendigerweise dazu, dass das Pferd seitwärts geht; Sie müssen zwischen seinen Ohren hindurchsehen und Ihr Gesicht geradeaus halten, ohne in die Volte zu sehen, mit einer heiteren Haltung und Ihren Körper ruhig und ohne Bewegung: dies hält Ihre Hand ruhig. Wenn Sie dagegen in die Richtung Ihrer inneren Schulter sehen, macht dies eine schlechte Figur, die diejenigen abstößt, die Sie bei der Arbeit beobachten; überdies erzeugt dies eine zu starke Affektiertheit.

 [Cavendish hatte geschrieben: „Sie müssen nach innen sehen bzw. Ihren Kopf wenden, zur Innenseite des Pferdekopfes, was Ihre Hand ruhig hält; würden Sie zu Ihrer inneren Schulter sehen, würde Ihre Hand zu weit nach innen geführt, sähen Sie aber durch die Ohren Ihres Pferdes, käme die äußere Schulter nicht weit genug nach vorn“].

 Ihre äußere Schulter muss unbedingt nach vorn kommen und dafür müssen Sie so stark Sie können die äußere Hüfte nach vorn bringen, damit Sie schräg sitzen; Ihre Hand soll rund  gehen oder kreisförmig mitziehen mit dem Pferd, und ruhig sein, ohne etwas anderes zu machen als zu fühlen in Ihrer Hand und in Ihren beiden Fersen.
Geht das Pferd also seitwärts oder schräg, weil der innere Zügel in der Weise angezogen ist, wie ich es erklärte (d.h. dass die Zügelhand von Zeit zu Zeit nach außen geführt wird), verkürzt sich der innere Zügel, was bewirkt, dass das Pferd nach innen sieht, und auch, dass das Pferd die Vorhand erweitert, durch Verlängern des Abstandes seines inneren Vorderbeines zu dem äußeren, was sein inneres Hinterbein dem äußeren annähert, so dass es sich hinten zusammenzieht und die Hüften beugt (vor allem die äußere, auf die es sich stützt), und das innere Hinterbein unter seinen Bauch und den Sattelgurt schiebt, was es extrem auf die Hüften bringt und in das wahre Gleichgewicht. Und weil es auf der äußeren Seite komprimiert ist, muss es notwendigerweise in die Volte sehen; und da seine Vorhand erweitert ist, ergreift diese die Volte viel mehr, und weil seine Hinterhand innerhalb der Hufspur der Vorderbeine geht, ist es gezwungen, sich auf die Hüften zu setzen. Und da sein inneres Vorderbein sich weiter entfernt von seinem äußeren Vorderbein, das einen Kreis beschreibt, ist,  muss sein inneres Vorderbein notwendigerweise weiter ausgreifen als das äußere, um ihn zu gehen, wie es korrekt ist: es zieht so den größten Kreis, und sein äußeres Vorderbein den zweiten Kreis, und sein inneres Hinterbein den dritten, weil es vor das äußere Hinterbein und unter den Bauch gesetzt wird; das äußere Hinterbein zieht den vierten und kleinsten Kreis, weil das Pferd sich auf dieses stützt und seine Sprunggelenke beugt. So erklärt sich, dass das Pferd vier ganze, perfekte  Kreise um den Pilaren, bzw. das Zentrum zieht, so wie es erklärte.

Wenn also immer die Hälfte der Vorhand, also die innere Schulter vor der Mitte der Kruppe geht (das heißt das innere Vorderbein vor dem inneren Hinterbein), kann das Pferd niemals falsch gehen, sondern ist sehr korrekt und in der Ordnung bzgl. des Kopfes, des Halses, der Beine und allem, was davon abhängt. Dies ist bisher noch nie von jemandem erwähnt worden, oder zumindest be ich es nirgends niedergeschrieben gefunden.
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 Sie erkennen dies gut auf der Skizze B, wo Sie die vier Kreise  1. - 4. sehen, sowie die vier Hufeisen 1 – 4. Sie sehen z.B. bei „rechte Hand“, dass der innere Vorderfuß 1 weiter vorn als der innere Hinterfuß 3 geht, und das äußere Vorderbein 2 einen kleineren Kreis zieht als das innere Vorderbein 1.  Sie sehen auch, dass das innere Hinterbein 3 vor dem äußeren Hinterbein 4 geht, und dass die vier Füße vier Kreise ziehen, von denen 1 und 2 vor gehen und die Volte ergreifen mit der Hälfte der Schultern, wie man an dem halben Durchmesser bzw. der punktierten Linie erkennen kann. Dasselbe kann man auf der linken Hand erkennen, wo ebenfalls die Hälfte der Schultern der Kruppe vorangeht.
 Man muss auf der linken Hand dieselben Dinge beachten wie auf der rechten, und in derselben Weise: den Platz der Hand, des Körpers und des Beines; nur die Kandarenzügelhand, weil Sie jetzt auf der linken Hand gehen, dass Sie die Hand ein wenig auf die gegenüberliegende (jetzt die rechte) Halsseite führen, so dass der linke Kandarenzügel verkürzt wird und das Pferd dadurch gezwungen ist, nach innen zu sehen: dazu muss der Arm oder Ellbogen nah am Körper liegen, und die Fingernägel der Zügelhand zum Mähnenkamm gedreht werden: dies hält den inneren Zügel kürzer,  weil er unter dem kleinen Finger verläuft, was bewirkt, dass Sie es gebogen halten und nach innen gestellt, und ihre rechte Schulter weiter vor als die linke.  Und alles, was ich für die rechte Hand erklärte, gilt ebenso für die linke Hand und erzielt denselben Effekt: ich rate Ihnen aber, um Ihre rechte Schulter leicht nach vorn zu bekommen auf der linken Hand, so wie es immer sein muss, dass Sie dazu äußere Hüfte nach vorn bringen, was nicht nur das Vorführen der äußeren Schulter erleichtert, sondern auch dazu führt, dass Sie etwas schräger im Sattel sitzen, so dass Ihr Körper auf eine Art Teil des Kreises wird, den Ihr Pferd auf den Volten geht.



Durch dieses Mittel ist das Pferd zwischen Hand und Fersen, und wenn Sie Ihre Hand und Fersen gut koordinieren, ist das Pferd in einem Zustand Ihnen zu gehorchen und überall hin zu gehen, wohin Sie möchten, und alles zu tun, was Sie wünschen, und wie Sie es wünschen: schneller, langsamer, höher oder tiefer. Aber denken Sie daran, dass Ihre Hand nicht zu hoch gehalten werden darf, damit das Pferd niedrig und stramm gehen kann, denn wenn Sie die Hand tief halten, geht das Pferd tief, wenn Sie sie aber hoch halten, geht das Pferd hoch und langsamer: denn gewöhnlich geht das Pferd entsprechend der Handhöhe, und der Terre-a-Terre soll ja immer tief gedrückt und stramm auf den Hüften sein, und vernünftig erhoben in der Vorhand, so dass es raumgreifend gehen kann.

Ich habe es Ihnen häufig genug erklärt, so dass Sie wissen, dass der innere Zügel das Pferd außen komprimiert und es hoch erhält, und dass er es auf die Hüften setzt und vor allem auf das äußere Hinterbein, so dass sein ganzer Körper sich auf die äußere Seite stützt; und dass es nicht seine äußere Schulter nach innen bringen kann, denn sie ist arretiert und seine inneren Beine sind in der Führung. Sie können an seinem Hals ablesen, ob es sich auf seine äußere Seite stützt oder nicht: denn wenn es seinen Hals ebenso zur selben Seite neigt, und Ihr Körper der Bewegung des Pferdes folgt, und er konkav ist oder gebogen auf der Außenseite und konvex innen, dann ergibt das einen schlechten Anblick; deshalb sollte man sich gegen diese Haltung wehren.Das Pferd bringt die Hüfte nach innen, wenn es außen komprimiert ist, so wie es sein soll: es hat drei Beine in der Luft, seine beiden Vorderbeine und sein inneres Hinterbein, mit einem Sprung vorwärts tief und stramm. Das also ist die reine Wahrheit über den Terre-a-Terre, mit aller Feinheit und aller Sanftheit der Hilfen welche man erdenken kann; sollte wenn jemand es besser beobachtet haben als ich, so hat er dies jedenfalls nicht öffentlich bekanntgemacht.

[Cavendish hatte geschrieben: „Ihr Körper muss außen konkav und innen konvex sein, denn ist er außen konkav, macht er auch das Pferd außen konkav“].


















Teil II, Kapitel 39

Handwechsel im Terre-a-Terre



Zum Handwechsel im Terre-a-Terre muss Ihr Körper schräg gestellt sein, d.h. Ihre äußere Schulter etwas vorn, und um sie leicht nach vorn zu bringen, muss man seine äußere Hüfte nach vorn bringen; dies erzeugt eine leicht schräge Stellung Ihres Körpers, die aber für den Zuschauer unmerklich ist: dann sitzen Sie so wie Sie sollen. Halten Sie die Fingernägel nach oben oder nach unten, und die Hand außen, je nachdem auf welcher Hand sie gehen. Wenn es Terre-a-Terre auf der rechten Hand geht, führen Sie vor dem Handwechsel die Schultern des Pferdes etwas nach innen und helfen ihm gleichzeitig mit Ihrem rechten Bein, lassen die Hand aber außen, was es im Wechsel unterstützt. Der Grund, warum man die Schultern kurz vor dem Wechsel nach innen führt, ist die Kruppe zu fixieren und ein Ausfallen der Kruppe zu verhindern, und um sich ein wenig schräg im Sattel zu platzieren und die Hand lassen Sie außen aus demselben Grunde. Im Zeitpunkt des Wechselns müssen Sie es immer ein wenig voran treiben.
Wenn Sie vor dem Wechseln auf der linken Hand sind, bringen Sie die linke Schulter des Pferdes ein wenig nach innen um die Kruppe zu fixieren bzw. festzustellen; und damit Sie sich korrekt im Sattel platzieren und um ihm zu helfen, treiben Sie es es mit Ihrem linken Bein ganz wenig, und unterstützen es durch die Handhaltung außen. Ich beginne den Wechsel aus dem oben erwähnten Grund mit meinem Bein; denken Sie aber daran, sich ruhig zu halten, Ihre Sprunggelenke zu strecken um die Steigbügel zu belasten, und sich zwanglos anzuspannen, und die Fersen tief zu halten um die Waden anzulegen in derselben Weise wie auf den Demi-Volten: also ganz genau so für diesen Handwechsel im Terre-a-Terre.














Teil II, Kapitel 40

Der Handwechsel auf Terre-a-Terre-Demi-Volten   


Wenn Sie auf den Demi-Volten die Hand außen halten und das äußere Bein nahe seines Körpers, sitzen Sie schräg genug, wie ich Ihnen schon erklärt habe, Ihre Fingernägel dabei je nach Erfordernis entweder nach oben oder nach unten gedreht. Während seiner Demi-Volte muss es dann die Stelle eines Viertels einer großen Volte [= Radius; DA] einnehmen, um der Demi-Volte eine gute Form zu geben und um seine Kruppe zu fixieren, bevor Sie wechseln; und während des Wechselns helfen Sie vor allem mit Ihrem inneren Bein und stützen es, indem sie die Hand ein wenig außen halten.
[Der folgende Absatz bezieht sich auf die von Gueriniére unerwünschte Stellung des Pferdes mit dem Kopf zur Wand während eines Terre-a-Terres geradeaus entlang der Wand; er gilt nicht für den Terre-a-Terre mit der Kruppe zur Wand, denn in diesem kann ja das Pferd die für den Wechsel nötige kleine Vorwärtsbewegung problemlos ausführen; DA]:
 Diesen Handwechsel im Terre-a-Terre praktiziert man besser nicht an einer Wand; falls er aber doch dort gemacht wird, geht es so nicht, weil Sie nicht durch die Wand reiten können, deshalb ist hier ein Wechsel nur über eine halbe Volte zum Bahninneren möglich, welche man Demi-Volte nennt, und in der Sie mit dem inneren Zügel helfen können, wenn sie möchten, oder dem äußeren, vorausgesetzt Sie halten ihm die Kruppe zur Mauer, damit es seine Linie ansieht und nicht zu sehr die Demi-Volte verfälscht: dies kann man mit dem einen oder dem anderen Zügel machen, wenn dies kunstreich und mit einer Aufforderung wie von einem großen und sehr erfahrenen Meister erfolgt: denn ohne sehr viel Kunstfertigkeit und ohne viel Erfahrung ist es unmöglich, irgendetwas zu tun, was in der Manege Wert hat. [Das bedeutet also ein kreisförmiges Wegschwenken des Pferdes im Terre-a-Terre von der Wand weg und Ausführen des Terre-a-Terre-Wechsels am Ende dieser Demi-Volte, wenn das Pferd gerade auf deren Radiuslinie in 90° zur Wand mit dem Kopf zum Bahninneren steht; und nach dem Wechsel reitet man auf derselben Demi-Volte zurück zur Wand, und wenn es wieder an der Wand ankommt, den Terre-a-Terre geradeaus zurück entlang der Wand; DA]














Teil II, Kapitel 41


Galopp und Wechsel nach Soldatenart

(Du galop & des changemens à la soldatte)


Wenn Sie ein Pferd galoppieren, reiten Sie es immer vorwärts am äußeren Zügel, das heißt durch Hereinführen der Hand nach innen von Zeit zu Zeit und helfen mit Ihrem äußeren Bein. Falls die äußere Kruppe nach außen ausfällt, führen Sie Ihre Hand  nach außen über den Mähnenkamm, um ihm mit dem inneren Zügel zu helfen: dies aber einzig um die Kruppe zu unterstützen, damit sie nicht ihre Spur verlässt. Aber hauptsächlich helfen Sie mit dem äußeren Zügel und Ihrem äußeren Bein. Um so auf Kreisen auf einem Hufschlag zu wechseln, soll dieser Wechsel immer die Hälfte einer Volte lang sein, dies ebenso wenn man am Ende einer geraden Linie auf einem Hufschlag wechselt; hat das Pferd allerdings sehr freie Schultern und ist gut an der Hand, benutzt man dazu nur ein Viertel einer Volte oder gar nur ein Achtel. Und diese Handwechsel macht man in fünf Takten des Galopps, so dass der letzte, fünfte Takt die Demi-Volte schließt und so das Pferd imstande ist, seinen Galopp auf der Linie wieder aufzunehmen von der es gekommen ist.
Wenn es sich aber um eine Demi-Volte auf zwei Hufschlägen handelt, darf man dazu nur ein Viertel einer ganzen Volte von ca. 25 oder 30 Fuß Durchmesser [7-9m] benutzen, ein Viertel entspricht dann ungefähr 2m Durchmesser für die Demi-Volte.












 

Teil II, Kapitel 42

Vorbereitung des Pferdes für die Passaden


Promenieren Sie Ihr Pferd entlang einer Wand, eines Grabens, eines Zaunes oder einer gleichartigen  anderen Einrichtung, zum Beispiel auf einem Feld entlang einer Furche, und machen dann eine ganze Parade am Ende. Nachdem deren letzter Takt beendet ist, erheben Sie es zwei oder dreimal in Pesaden und formen zum Wenden eine Demi-Volte auf zwei Hufschlägen, helfen ihm mit dem äußeren Zügel und dem äußeren Schenkel und geben gut Acht, dass es im Seitwärts die Demi-Volte nicht verfälscht, weder mit seinen Schultern noch mit der Kruppe, und die ganze Zeit weiter zum Schließen der Volte, d.h. bis Sie auf die Wand treffen, von der sie begonnen haben nur noch seitwärts zu gehen. Am Ende der Demi-Volte erheben sie es in einer oder zwei Pesaden auf der Stelle, an der sie auf die Wand oder etwas ähnliches treffen.

Machen Sie dasselbe auf der anderen Hand und traben dann auf der geraden Linie. Halten an, erheben es und und wenden es wie zuvor, und nachdem es gut geübt ist in allen seinen Lektionen, lassen Sie es im kleinen Galopp auf einer geraden Linie gehen, parieren es durch, erheben es, lassen es aber diesmal die Demi-Volte in seiner Air ausführen, hierbei den inneren Zügel und den äußeren Schenkel benutzend. Wäre es nur eine Demi-Volte im kleinen Galopp mit der Kruppe einwärts, müsste man sich des äußeren Zügels und des äußeren Schenkels bedienen, befindet es sich aber in seiner Air (führte es also eine Terre-a-Terre Demi-Volte aus), dann so wie ich es oben beschrieben habe. Sobald die Demi-Volte geschlossen ist, erheben Sie es oder lassen es rückwärts gehen.
 Wenn es darin sicher ist, lassen Sie es eine Passade im kleinen Galopp ausführen ohne an ihrem Ende anzuhalten, sondern machen nur einen halbe Parade, ohne es zu erheben, was es nach den vorhergegangenen Übungen leicht machen wird, man muss aber seinen Kopf ein wenig von der Mauer wegnehmen, damit es auf seine Linie sieht. Und damit es nicht die Demi-Volte verfälscht, muss man es Ende der Linie, vor der Demi-Volte, um ihm die halbe Parade anzuzeigen die immer der Demi-Volte vorausgehen muss, ein wenig animieren, das heißt es antreiben, damit es zwei oder drei Falkaden machen kann, welche die halbe Parade bilden, um es mehr zu festigen und es seine Hüften senken zu lassen, damit es mit mehr Anmut wenden kann. Falls Sie es in vollem Galopp reiten wollen, nachdem die Demi-Volte vollendet ist, halten Sie ihm den Kopf entlang der Wand um seine Kruppe anzunähern und seinen Rücken zu lösen. Sie drücken mit Ihren Beinen um zwei oder drei gute Falkaden auszulösen, welche die halbe Parade bilden, welche es auf die Hüften setzt und es gerade und unter sich hält. Dann nehmen Sie es an den inneren Zügel (führen also Ihre Hand nach außen), und benutzen Ihre äußeres Bein, um es die Demi-Volte beginnen und schließen zu lassen, genauso wie auf der anderen Hand. Die Passaden sollen fünf- oder sechsmal so lang wie die Länge des Pferdes sein zwischen den beiden Demi-Volten. In dieser Manier wird das Pferd alle Arten von Passaden perfekt ausführen und auch die furiosen, welche der Prüfstein des ausgebildeten Pferdes, das gut an Hand und Fersen ist in allen Arten, ist. Nebenbei bemerkt: die furiosen Passaden sind diejenigen, die man erreicht durch Ansprengen des Pferdes in vollem Galopp geradeaus und in denen man die die halbe Paraden mit zwei oder drei Falkaden markiert, bevor es die Demi-Volte nimmt: diese macht es hierbei in drei Takten auf einem Hufschlag: der dritte muss die Demi-Volte schließen und das Pferd auf die gerade Linie stellen, damit es in der Lage ist, wieder an zu gehen und seine Passade fortzuführen .Diese Art der Passaden sind die welche man im Zweikampf benutzt mit dem Schwert in der Hand. Man könnte einwenden, dass meine Parade einen Zeitverlust bewirkt und man in der Zeit, in der man die Falkaden ausführt, schon die Kruppe des Gegners erreicht haben könnte: das stimmt, allerdings kann man ohne diese Falkaden die Demi-Volte in drei Takten nicht ausführen, ohne einen Sturz des Pferdes zu riskieren; diese aber ist die einzige Möglichkeit, die Kruppe seines Gegners zu erreichen.
Falls Ihr Pferd in Courbetten geht, oder im Mezair, dann machen Sie die Demi-Volte am Ende der Linie in seiner Air der Courbetten, was im viel Anmut verleiht. In Frankreich nennt man diese Passade die erhobene Passade; welches meiner Meinung weder eine passende noch eine aufschlussreiche Bezeichnung für diese Art ist. Diese Demi-Volte sollte begonnen werden wie eine, die man im Terre-a-Terre ausführt, dann aber, um sie zu schließen, bedient man sich des äußeren Zügels, das heißt, man führt die Hand etwas nach innen und lässt wieder nach, und hält so das Pferd gerade im Hals, dan gibt man die Zügel nach. Bei all dem bedient man sich zwar des äußeren Beins als Haupthilfe, das innere Bein aber soll das Pferd stützen und im Respekt halten vor den inneren Fersen.




 

Kapitel 43

Über die Pirouette


Die Beinaktion eines Pferdes, das auf Pirouetten geht ist einzigartig: die Hand hält man außen über den Mähnenkamm damit es in die Volte sieht und führt sie schnell und kräftig nach innen; der äußere Zügel soll die Vorhand schließen. Man verleiht der Hinterhand mehr Freiheit unterzutreten, indem man mit seinen Beinen nur hilft durch Anspannen in den Bügeln; und falls die Kruppe ausfällt, muss das äußere Bein zur Hilfe kommen: dies ist die Aktion der Pferdebeine auf der rechten Hand. [Diese letzte Bemerkung bleibt unklar: Es wird weder bei Cavendish noch bei Solleysel erklärt, ob es auf der linken Hand anders wäre, oder ob sie vielleicht die Pirouette nur nach rechts ausführen; DA].
Wenn es seine Vorderbeine anhebt, hebt es im selben Moment das äußere Hinterbein,so dass es drei Beine  gleichzeitig in der Luft hat und sich allein auf das innere Hinterbein stützt, und wenn die drei Beine auf den Boden gesetzt werden, kommt seine äußere Schulter so schnell nach innen um den Kreis zu bilden und nach innen zu blicken, dass das innere Hinterbein sich gleichzeitig fast genau auf ein- und derselben Stelle bewegt. Und ich sage, dass in diesem selben Moment, in dem die drei anderen Beine auf den Boden gesetzt werden, das innere Hinterbein anhebt, um dem Kreis zu folgen, aber so dass im Effekt  das innere Hinterbein das Zentrum ist, um dass sich das Pferd auf seinem Platz kreisend bewegt. Wenn das Pferd beim Wenden fühlt, dass es nicht mehr weiter kann und in Gefahr wäre zu stürzen, bringt es sein inneres Hinterbein weiter nach vorn um anzuhalten.
Dies sind die Hilfen und Bewegungen der Pferdebeine wenn es pirouettiert, anders wäre es ihm unmöglich mit einer solchen Geschwindigkeit wie erforderlich zu wenden; es ist in solcher Manier auf den Schultern, weil es auf der Innenseite komprimiert ist, genauso wie in der Demi-Pirouette, die man an den beiden Enden einer  Passade macht anstelle einer Terre-a-Terre Demi-Volte. Eine Demi-Volte auf einem Hufschlag und eine Demi-Pirouette müssen beide  mit Unterstützung des äußeren Zügels ausgeführt werden.










Kapitel 44


Sehr wichtige Anmerkungen für die Manege, welche bisher durch keinen anderen Autoren niedergeschrieben wurden 

 



Das innere Hinterbein ein wenig nach außen zum anderen Hinterbein zu bringen ist bei allem die beste und sicherste Aktion welche ein Pferd in der Manege machen kann (sowohl mit der Kruppe nach außen, wie auch nach innen); falls sie innen ist, lässt die Hilfe der äußeren Wade, bei nach oben gedrehten Fingernägeln, das Pferd gut gehen mit Unterstützung der über den Mähnenkamm nach außen gehaltenen Hand.
Um aber das innere Hinterbein näher beim äußeren zu halten, müssen Sie das Pferd mit Ihrem inneren Bein unterstützen, in der Art, dass das Pferd nicht einen einzigen Takt macht aus Furcht vor Ihrem äußeren, den Ihr inneres nicht erlaubt hat: so ist das Pferd im Gleichgewicht zwischen Ihren beiden Fersen, und die innere unterstützt es dabei das innere Hinterbein näher an das äußere zu führen. So geht es leichter und ist mehr in seiner Kraft, und das Ganze macht man mit häufigem Hereinführen der Hand nach innen und darauffolgendem Nachgeben, womit man es bei Bedarf unterstützt; aber die wichtigste Hilfe hierbei ist der innere Zügel durch das Herausführen der Hand bei Bedarf. Mit Unterstützung Ihres inneren Beines lässt all dies das Pferd gut gehen, allerdings hat es  dadurch ein wenig Freiheit in der Kruppe und ist nicht so sehr untergeordnet in seinem Terre-a-Terre, doch dies ist gut so, weil es so besser und fleißiger die Volte nehmen kann und fester wird auf den Hüften, wie es auch der Kopf gegen die Wand es noch besser macht [besser wäre die Kruppe gegen die Wand; DA].
Geht [im Seitwärts oder im Terre-a-Terre, DA] die Hälfte der Schultern so vor der Kruppe wie es sein soll, bringt dies das innere Hinterbein näher an das äußere Hinterbein, welches eine exzellente Übung für die Manege ist, weil so seine Hinterbeine nahe beieinander sind, was es ganz sicher auf die Hüften bringt und es sorgfältiger macht beim Gehen auf der Volte.
Es muss also [im Seitwärts oder im Terre-a-Terre, DA] immer das innere Vorderbein vor dem inneren Hinterbein gehen, wie man auf der Skizze B sehen kann [hier ist der Terre-a-Terre dargestellt, DA],






an der Stelle „Auf den Volten nach rechts“, wo dieses Vorderbein (mit 1 bezeichnet), auf seinem Kreis vor dem inneren Hinterbein (3) geht, so dass die Hälfte der Schultern, so wie sie es immer sollte, der Kruppe voran geht, wie man sehen kann  in dieser Skizze B wo die beiden Vorderfüße (1 + 2) an der mit „sur les voltes a gauche“ [auf den Volten nach links] bezeichneten Stelle vor den Hinterfüßen (3 + 4)  gehen, also hier die Mitte der Vorhand vor dem inneren Hinterfuß (3) geht, wie man an dem dem punktiert dargestellten Radius, der durch die Mitte zwischen den beiden Vorderfüßen verläuft erkennen kann So kann das Pferd niemals falsch gehen: die Vorhand kann so besser die Volte nehmen, und das äußere Hinterbein wird auf der Volte ausreichend zurückgehalten, und beide Hinterbeine bleiben so hinter der Mittellinie der Vorderbeine, wie man erkennen kann an der Stelle „“sur la voltes a droit“ (auf der Volte nach rechts), wo Sie bei Beachtung der punktierten halben Durchmesser-Linie  die beiden Hinterbiene (3 + 4) sehen, und dass diese hinter der Mittellinie der Vorderbeine sind, was es auf die Hüften setzt und seine Vorhand führen lässt, wie man  in der Skizze sieht und wie es die Pferde immer machen sollten: denn nicht die Hinterhand, sondern der Kopf und die anderen Teile der Vorhand müssen voran gehen.
Denken Sie daran, dass ein Pferd nicht auf den Hüften sein kann, wenn diese nicht gebeugt sind und wenn es seine Hinterbeine nicht unter sich bringt! Und je weiter die Hinterbeine nach vorn unter den Bauch gesetzt werden, desto mehr beugt es die Hüften: es kann sie nicht beugen, wenn sie nicht nach vorn kommen, und je mehr die Sprunggelenke nach vorn kommen bis unter den Sattelgurt, desto mehr ist es auf den Hüften. Sind die Hinterfüße unter dem Schwerpunkt, dann können sie den ganzen Körper in der Luft und im Gleichgewicht halten.
Denken Sie auch daran dass es eine echte Tatsache ist, dass kein Pferd  auf den Hüften sein kann, wenn seine Kruppe oder sein Gesäß nicht nach hinten geschoben ist; man kann dies bezeichnen als „Verlängern des Gesäßes nach hinten durch das Unterschieben der Hinterbeine unter seinen Bauch“. Zum Beispiel gehen die Hinterbeine unter den Bauch, wenn Sie ein Pferd auf den Hüften anhalten oder durchparieren und seine Kruppe oder sein Gesäß schiebt sich nach hinten: es beugt die Hüften oder besser gesagt, es bringt sie unter sich. So bleibt es darüber im wahren Gleichgewicht, weil es hier den Schwerpunkt des ganzen Körpers unterstützt. Ist es sehr locker im kleinen Galopp mit der Kruppe einwärts, werden seine Hinterbeine mehr oder weniger weit unter den Bauch geschoben: dies geht nicht, ohne dass die Kruppe sich nach hinten verlängert beim Beugen der Hüften und dem  Vorwärtsbringen der Hinterbeine unter den Bauch, was das Pferd auf die Hüften setzt; dies geht noch viel besser, wenn das Pferd im Terre-a-Terre geht, weil diese Aktion viel heftiger ist als der Galopp, und obendrein ist er viel sicherer und die Hüften kommen noch tiefer.
Wenn Sie Ihr Pferd rückwärts richten, kommt immer ein Bein unter den Bauch, dies schiebt die Kruppe nach hinten, beugt die Hüften, und es bleibt immer auf dem einen oder dem anderen. In den Pesaden wird die Kruppe nach hinten gebracht, und es beugt die Hüften und soll oben ruhig sein. Wird es aber in eine zu hohe Pesade erhoben, wird das Über-den-Hüften verhindert,  weil es in den Sprunggelenken gerade und steif wird, und auch weil es sein Kruppe zu sich bringt: beides verhindert, dass es auf den Hüften ist. Diese zu hohen Pesaden, in denen es die Sprunggelenke versteift, nennt man Ziegenpesade, und darum soll man niemals zu hohe Pesaden ausführen, denn das wichtigste Ziel der Pesaden ist es, das Pferd sicherer zu machen und es auf die Hüften zu setzen, und ganz gewiss ist  seine Haltung falls es die Sprunggelenke versteift, völlig entgegengesetzt zu der, wie sie sein muss um auf den Hüften zu bleiben.
Meine Methode am einzelnen Pilaren in der Courbette schiebt die Kruppe nach hinten, beugt ihm die Hüften und bringt es dazu sich zu setzen, weil es sich nicht hoch erheben kann, und schiebt deshalb die Kruppe gerade nach hinten: so beugen sich  die Hüften und es bleibt ruhig und tief. Außerdem kommt unfehlbar alles, was das Pferd auf die Hüften setzt von der Vorhand: soll heißen, dass die Kappzaumleine das Pferd tief hält, so dass es nicht zu hoch erhebt, und unterstützt durch die Kandare die Hinterhand dazu bringt, sich zu senken und zu setzen.
Das innere Hinterbein wird vorn unter dem Bauch gehalten durch die innere Kappzaumleine: diese erzielt einen gute Wirkung in der Manege, denn sie schiebt die Kruppe oder das Gesäß des Pferdes nach hinten, um die Hüften zu beugen und ihm die Beine bis unter den Gurt zu schieben. In dieser Haltung kann das Pferd nur auf den Hüften sein, welches das wichtigste Ziel aller Lektionen der Manege ist. Ich meine damit nicht, dass die Kruppe aus der Volte in Bezug auf den Kreis oder auf eine gerade Linie kommt, sondern dass sie sich nach hinten verschiebt, in Bezug auf auf seine Beine und seine Sprunggelenke, welche dann unter ihm sind und darum die Kruppe mehr hinten ist, so muss das Pferd auf den Hüften sein, weil es die Hüften gebeugt und seine Hinterbeine weiter vorn hat.
Auch wenn man mich anklagen könnte, dass ich mich zu sehr wiederhole, halte ich dies bei einigen Sachverhalten für sehr notwendig, weil ich mir wünsche, Sie merken sich, dass alles, was es auf die Hüften setzt, in den Partien der Vorhand liegt, so dass es, wenn es die Nase tief hält, das heißt, wenn sein Kopf gut platziert ist, und wenn man ihn nach innen stellt, gezwungen ist, sich auf die Hüften zu setzen, weil die Kruppe sich verlängert und sich nach hinten schiebt, seinen Beine unter den Bauch wandern, beugt es die Hüften, und ist deshalb gut auf die Hüften gesetzt. Das soll heißen, dass das Pferd hinten viel niedriger ist als vorn; denn so beugt es die Hüften und und bleibt darüber im Gleichgewicht. Beispielsweise hat ein Pferd, das einen Berg herunter geht seine Kruppe höher als die Vorhand, und seine Kruppe schiebt sich nach hinten, beugt ihm dies deshalb die Hüften und es ist extrem über ihnen, denn sie unterstützen völlig die Vorhand, was in dieser Situation deutlich sichtbar ist.
Ganz genauso wenn man ihm die Kruppe an den Trog in einem Stall stellt, der sehr geneigt ist, dann ist die Kruppe höher als die Vorhand, sie ist verlängert und es beugt die Hüften, und um es sich leichter zu machen, setzt es sich dann auf die Hüften; deshalb muss man sich auf ebenen Untergrund eines Kunstgriffs bedienen, um den Berg oder Hügel zu ersetzen, der Sie hier nicht haben, indem Sie es dazu bringen seine Nase zu senken, d.h. durch Beizäumen des Kopfes dahin, wie er sein soll um gut platziert zu sein und durch Stellen seines Kopfes nach innen so sehr Sie können, um es vorne höher zu bekommen als hinten: dies lässt es seine Kruppe verlängern, was es nicht kann ohne seine Hüften zu beugen. So kann es  nicht anders sein als was man „auf den Hüften“ nennt. Dasselbe macht man beim Durchführen einer ganzen Parade und ebenso beim Rückwärtsrichten, sowie beim Seitwärts gehen, beim Gehen im Kleinen Galopp, oder beim Terre-a-Terre: alles dies betone ich, erhebt ihm die Vorhand und schiebt seine Kruppe oder verlängert sie nach hinten. und dies bringt es auf die Hüften.
Wenn die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist, oder wenn Sie sie kräftig mit der Hand anziehen, bringt dies es auf die Hüften, weil das das innere Hinterbein nach außen bringt zum anderen Hinterbein, sodass es nicht zu sehr nach innen  kommen kann, in einer Manier,  wie es sein soll, und dies bringt es auf die Hüften; ganz genauso wie in den Pesaden oder den Courbetten: die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt bringt das innere Hinterbein zum äußeren, was es auf die Hüften setzt, denn dies lässt es seine Kruppe nach hinten verlängern. Haben Sie nur die Kandare in der Hand, dann muss der innere Kandarenzügel dieselbe Wirkung ausüben.
 Es ist sehr wahr, das man es beim Seitwärts mit dem äußeren Zügel arbeitet, weil dieses ja die Aktion des Trabes hat, welcher seitwärts und gekreuzt ist; und in dem Maße, wie die Beine kreuzen, kann dieses ermöglicht werden. Dies ist auch sehr gut, weil das Pferd im Seitwärts auf seiner inneren Seite komprimiert, und auf seiner Außenseite in Freiheit ist, denn andernfalls könnten seine äußeren Beine nicht über die inneren kreuzen im Seitwärts. Wenn Sie aber nur die Kandare haben würde es [bei Benutzung nur des äußeren Zügels;DA] nach außen gestellt, sodass Sie hierbei beide Zügel benutzen müssen. Aber wenn Sie es Pesaden erheben, die innere Kruppe außen, dann muss man ihm mit dem inneren Zügel helfen, um das innere Hinterbein nach außen zu schieben, was es die Hüften beugen lässt, denn seine Hinterbeine sind gebaut wie unsere Arme: deshalb müssen sie sich beugen, wenn die Kruppe nach hinten geschoben und verlängert wird.
Es ist ganz sicher, dass auf weiten Volten mit der Kruppe auswärts und dem Kopf innen, die Leine und das Reiterbein auf derselben Seite, das innere Hinterbein nach außen geschoben und gebeugt wird. Auch ist es wahr, dass dies es nicht auf die Hüften bringt, sondern sehr auf die Schultern, denn diese Lektion der  Kruppe nach außen ist nicht dazu da, es auf die Hüften zu setzen, sondern nur dazu, ihm die Schultern zu lockern. Wollen Sie es dagegen auf die Hüften bringen, müssen Sie ihm die Kruppe nach innen bringen, weil die Partien der Vorhand auf einem größeren Kreis gehen, haben Sie einen längeren Weg als die Hinterhand, die auf einem kleineren geht, und trotzdem ist die Hinterhand mehr komprimiert, weil sie auf einem engeren Kreis geht, und weil sie den ganzen Körper unterstützt, da die Vorhand länger in der Luft ist als sie um mehr Strecke zu gehen: es ist deshalb auf den Hüften.
Es gibt einige, die glauben, wenn man ein Pferd entable, das heißt, ihm die Kruppe zu weit nach innen bringt, desto mehr sei es auf den Hüften: das glaube ich nicht, denn wenn das innere Hinterbein vor der Mitte der Schultern geht, und also zu weit ausgreift, oder hinten zu weit geöffnet ist, ist es nicht mehr auf den Hüften, auch wenn es den Unwissenden so scheint. Aber wenn sein Kruppe innen ist bringen Sie sein inneres Hinterbein nach außen, so bringt es seine  Sprunggelenke und Beine nach vorn, diese sind hinten eingeengt, und es ist auf den Hüften und ist es noch mehr wenn es seitwärts oder schräg geht, weil dadurch die Hinterbeine des Pferdes dicht beieinander sind,  und es dadurch mehr auf den Hüften ist. Dieses ist sehr wahr: denn wenn das innere Hinterbein vor dem inneren Vorderbein ginge, geht es nicht nur falsch, sondern die Hinterbeine werden nur in den Sprunggelenken gebeugt, und dadurch ist es nicht auf den Hüften, sondern auf den Sprunggelenken; schieben Sie aber das innere Hinterbein nach außen, so beugt es die Hüften, denn seine Hinterbeine sind gestaltet wie unsere Arme, außer dass sie ein Gelenk mehr haben, nämlich das starke Gelenk nahe der Rolle.

Durch all das, was ich sagte kann man deutlich erkennen und verstehen, welche Auswirkungen erreicht werden durch Herausführen des inneren Hinterbeines bei allem, was man in der Manege macht, und in einer Art, wie es sein soll, damit sie es arbeiten können: dies ist die sicherste Art für das Pferd und für den Menschen, der auf ihm sitzt, und ohne dies wird nichts genau. Aber alles ist falsch und voller Fehler falls man es nicht auf diese Art ausführt, wie ich schon sagte, all dies genau wie in der Musik.
Diese  Anleitungen sind sehr aufmerksam und gründlich überprüft worden und seien Sie versichert, dass sie nicht falsch sind bei der Ausbildung der Pferde. Und zum Schließen oder Untergeordnet halten der Kruppe bedienen Sie sich beider Beine: Ihres äußeren Beines, um es untergeordnet zu halten,  ihres inneren Beines um das Innere Hinterbein dem äußeren anzunähern, denn dann muss es die Hüften beugen, weil seine Hinterbeine nach vorn unter seinen Bauch kommen, und wenn seine Hinterbeine nahe beieinander sind, bekommt das Pferd mehr die Fähigkeit, auf den Hüften zu bleiben.

Diese Wahrheit hat bis heute niemand entdeckt, oder zumindest wurde sie bisher nicht aufgeschrieben; deshalb merken Sie es sich und praktizieren es, wenn Sie können. Wenn Sie es weder machen noch tadeln, weil Sie es nicht in die Praxis umsetzen können, oder weil Sie es nicht verstehen:  zweifellos gibt es Menschen, die nicht das Glück haben, die nötigen Qualitäten zu besitzen, um alle Arten der Berufe gut auszuüben: diese Qualitäten  kommen nicht durch eine  angeborene Tugend, sondern eher durch viel Studium, Kümmern, Fleiß, Geduld, und lange Praxis, denn in der ganzen sieht man keinen Menschen, der mit einem so erhaben Geist geboren wurde,dass er kann alle Arten machen kann, sobald er sie gesehen hat; deshalb wendet man im Allgemeinen eine so große Anzahl von Jahren auf, um erfolgreich alle Arten ausführen zu können bei denen man Erkenntnisse, Geist, Körperbeweglichkeit und viel Urteilsvermögen braucht.











 

Kapitel 45


Wie man ein Pferd auf die Hüften setzen soll



Ein Pferd kann niemals gut auf die Hüften gesetzt werden [estre bien assis sur les hanches], wenn man ihm nicht zuvor die Vorhand gelockert und gelöst hatte, und doch befinden sich viele Reiter in dem Irrtum und beginnen die Ausbildung aller Arten von Pferden zwischen zwei Pilaren, und strapazieren und quälen sie darin, damit sie die Vorhand erheben, und erwarten es dadurch auf die Hüften zu bringen. Und obwohl sie bereits eine unendliche Zahl von Pferden abgestoßen haben, beharrt der größte Teil von ihnen auf dieser Methode und darauf, dass sie es damit nicht sehr verdürben: so wollen sie es gar noch mehr erheben  und mit Courbetten beginnen, was gegen die Regeln ist. Denn die Vorhand des Pferdes muss erst gelockert werden, bevor man versucht, es auf die Hüften zu setzen.
Schauen wir nun, was man machen muss, damit  seine Schultern frei werden: Sie müssen Folgendes  praktizieren, wenn Sie Ihr Pferd anhalten oder durch parieren: ziehen Sie die Vorhand zu sich, um es auf die Hüften zu bringen. Dies gelingt, wenn sie gelockert ist und es leicht wird, die Vorhand zu sich zu ziehen. Ebenso ermöglichen Sie es ihm durch das Rückwärtsrichten, auf den Hüften zu sein, wobei Sie dieselbe Leichtigkeit spüren, weil die Vorhand frei wird. Im Terre-a-Terre benutzen Sie den inneren Zügel auf welcher Hand es auch geht, und komprimieren es dadurch auf seiner äußeren Seite und führen seine äußere Hüfte nach innen, und bringen es so mit dem inneren Kandarenzügel auf die Hüften, weil Sie es auf seiner Außenseite halten, auf der einen wie der anderen Hand.
Genauso mit dem am Sattelknauf und am Sattelgurt befestigten inneren Kappzaumzügel: weil es so außen komprimiert ist und seine äußere Hüfte nach innen gebracht wird, wird es auf die Hüften gesetzt, denn der Kappzaum stellt ihm seinen Kopf und die Nase tief und nach innen, und der so angewendete Kappzaum setzt es zuverlässiger auf die Hüften als alles Andere; wenn Sie es aber auf seiner inneren Seite komprimieren, weil Sie seinen Kopf nach innen ziehen, dann ist es nicht mehr auf den Hüften, weil seine äußere Hüfte nach außen wandert: dadurch kommt es auf die Schultern.
So kann man erkennen, dass alles, was den Kopf in eine schöne Haltung bringt und ihn nach innen zieht, es auf die Hüften bringt oder dazu beiträgt. Und ebenso, wenn man seinen Kopf natürlich an seinen Platz bringt und es ihn so platziert hat: wenn Sie dann nach innen ziehen, wird es immer Wege suchen, sich zu wehren, und sich auch bewehren, was die Italiener incapuciato nennen,  das bedeutet, wenn es sich zu sehr beizäumt und sich einrollt, auch dann wird es leicht auf die Hüften gebracht, und wenn es auf den Hüften ist, ist es immer leicht an der Hand.
Touchieren Sie ein Pferd mit der Gerte auf die Vorderknie während es sich erhebt, damit senkt man ihm augenblicklich seine Nase, aber man darf diese Methode weder häufig noch niemals anwenden, und es handelt sich hier nur um einen Moment im Zeitpunkt des Touchierens. Kein Pferd, das seine Nase vor streckt und hoch hält, ist in der Lage, auf die Hüften gebracht zu werden; wenn es seine Vorhand zu hoch nimmt, ist es überhaupt nicht auf den Hüften; dagegen  gibt es kein Pferd, das nicht leicht auf die Hüften gesetzt werden kann, wenn sein Kopf gut platziert ist und es ihn entweder natürlicherweise oder durch die innere Kappzaumleine innen trägt, und ist es gut gearbeitet, ist dieser Erfolg unsere Belohnung. Der Grund ist, dass kein Pferd auf den Hüften sein kann, wenn es sie nicht beugt, und dass andererseits ein Pferd, das seine Vorhand zu sehr erhebt, notwendigerweise steif in den Sprunggelenken ist und dadurch nicht mehr auf den Hüften,  und wie ich schon erklärte, kann ein Pferd seine Nase nicht sehr weit nach vorn halten, d.h. seinen Kopf schlecht, wenn es nicht zugleich dabei die Sprunggelenke versteift und dadurch nicht mehr auf den Hüften ist. Ebenso ist bei jedem Pferd, das mit tiefer Vorhand geht, sei es beim bergab gehen, an einem Gefälle, die Hinterhand höher als die Vorhand; hält man es aber locker in der Vorhand, beugt es dabei ganz ungezwungen seine Hüften und bringt sich in diesem Moment auf die Hüften (wenn Sie es hierbei ganz gerade halten und die Kruppe nicht seitwärts ausfällt und schräg geht). Falls aber hierbei seine Kruppe ausfällt und es sich quer stellt, dann ist es auf den Schultern. Deshalb soll sein Kopf gut platziert sein und seine Nase tief, aus den Gründen die ich viele Male zuvor erwähnt habe, und wenn es so viele Pferde aller Arten gibt, Hengste, Wallache, Jagdrennpferde, Reisepferde, oder andere die schrecklich auf den Schultern gehen, auch wenn sie ihren Kopf gut platziert und die Nase tief tragen, ist es wahr, dass sie fast alle auf den Schultern gehen: einigen fehlt die Kraft oder Lockerheit, aber noch mehr fehlt ihnen, dass sie in ihrer Jugend keinen Reiter hatten, der ein Pferdemensch war und ihnen das Mittel und die Leichtigkeit gegeben hätte, sich auf die Hüften zu setzen und so zu gehen, was ihnen die Vorhand gelockert hätte, welche ja der schwächste Teil ist. Ganz besonders müssen die Pferde die in der Manege geschult werden, auf den Hüften sein. Um all dies gut zu verstehen, muss man wissen, dass die Vorderbeine eines Pferdes gemacht sind wie die unsrigen: die Vorderknie vorn oder außen, seine Hinterbeine aber so wie unsere Arme, genau das Gegenteil; denn wie unser Ellenbogen sich nach hinten biegt, biegen sich auch die Sprunggelenke der Pferde nach hinten, derart dass jedes Mal, wenn das Pferd seine Vorhand zu hoch erhebt, es seine Sprunggelenke streckt und versteift, und wenn es seinen Kopf nach vorn und seine Nase zu nimmt, kann es nicht auf die Hüften gebracht werden, bevor man diese beiden Fehler nicht korrigiert hat.
Aber senkt im Gegenteil das Pferd seine Nase, und platziert seinen Kopf gut, muss es notwendigerweise  seinen Hüften beugen, es wird versammelt und unterstützt durch die Hand und  die Beine des Reiters, und sonst nichts, denn es muss zusammengenommen werden  mit den Waden oder den Beinen (oder den Fersen), und dazu unterstützt werden durch die Kandare oder den Kappzaum  um es dazu zu bringen, sich auf die Hüften zu setzen. Man muss anmerken, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem einfachen Beugen der Sprunggelenke und auf den Hüften zu sein: denn ein Pferd zwischen zwei Pilaren ist normalerweise auf den Sprunggelenken, aber nicht auf den Hüften: in Wirklichkeit treibt die Furcht vor der langen Peitsche es in die Leinen und beugt ihm die Hüften und die Leinen erhalten es in der Air der Vorhand, weil es aber nicht sehr  durch die Leinen gestützt wird, ist dies eine zu heftige Haltung in der das Pferd nicht lange bleiben kann, denn seine Sprunggelenke leiden zu sehr, weil die Hinterfüße nicht im Gleichgewicht sind; sind dagegen die Hüften gebeugt, wandern die Sprunggelenke nach vorn unter den Bauch, die Kruppe schiebt sich nach vorn, die Beine und Füße des Pferdes wandern unter den Sattelgurt und befinden sich im Gleichgewicht, um den ganzen Körper des Pferdes zu unterstützen, was es leicht in der Luft bleiben lässt:  dies ist es, was mit „auf den Hüften sein“ bezeichnet wird, und nur auf diese Weise möglich ist. Denn ein Mittel, es in dieses Gleichgewicht zu bringen, wenn es nicht locker in den Schultern, den Hüften und in seinem ganzen Körper ist, ist schädlich und man verdirbt das Pferd, in der Absicht es auf die Hüften zu bringen, mithilfe von zwei Pilaren oder anderem, wenn es nicht zuvor sehr gelockert wurde, vor allem in der Vorhand.
Ich halte mich explizit bei diesem Punkt auf, damit Sie klar begreifen können, was ein Pferd auf die Hüften bringt und was dieses verhindert oder es vermindert, so dass Sie so etwas vermeiden können und von dem anderen profitieren, durch ernsthaftes Nachdenken über das, was ich Ihnen beschrieben habe, denn dies ist das Ziel und das Ende unserer Arbeit und der Prüfstein durch den die Manege fundiert wird,und ist ein Pferd nicht auf den Hüften, kann es niemals als ausgebildet durchgehen, denn es wird weder locker noch bequem an der Hand sein und es gibt keine derart allgemeine Regel  die keinerlei Ausnahme hat. Diese ist, dass Sie ihm den Kopf in der schönsten Haltung, die ihm möglich platzieren können, ohne dass es dadurch auf den Hüften ist, nämlich wenn Sie die Schultern des Pferdes arbeiten, um es auf einem Hufschlag zu lockern,mit Ihrem inneren Bein und der inneren Leine, wodurch der Kopf gut platziert wird: hierbei kann es überhaupt nicht mehr auf den Hüften sein, denn hat es keinerlei Lockerheit, und Sie arbeiten um ihm diese zu verleihen, und bringen in dieser Arbeit die Kruppe nach außen, und komprimieren es innen, verhindert dies, dass es auf den Hüften ist; ebenso, wenn die Kruppe etwas innen ist, wenn seine Kruppe nach innen komprimiert ist, sie aber etwas ausfällt, kann es deshalb nicht gut auf den Hüften sein.
 Auch wenn sein Kopf gut gestellt und platziert ist, und das Pferd locker ist, weil Sie die Hüfte nach außen bringen, ist diese Lektion des Schultern nach innen und die Kruppe heraus gut, um ihm Anlehnung an den Laden zu verschaffen und und seine Schultern zu lockern, aber es kann sich nicht  darauf bringen durch etwas, was sie verhindern wollen, denn dieses wäre ein Wunder oder eher gesagt, völlig  unmöglich zu erreichen.
Nehmen wir an, sein Kopf sei gut platziert, und Sie erzielen gute ganze Paraden mit Ihren Waden, Ihrem Körper und Ihrer Hand, das Ganze im Takt, so wird dies ganz sicher seine Hüften beugen und es auf sie setzen; so wie es auch Leichtigkeit erreichen wird zum Beugen der Hüften durch häufiges Rückwärtsrichten: falls Sie es in der Hand behalten, und Sie sich gut Ihrer beiden Beine bedienen, bringen Sie es auf Hüften.Und wenn Sie es außen komprimieren beim Terre-a-Terre, bringt dies es auch auf die Hüften, wenn sein Kopf gut platziert und nach innen gestellt ist (sei es mit dem Kappzaum oder auch mit der Kandare), denn indem Sie sich des inneren Kandarenzügels bedienen, muss es ganz sicher sein Gesäß beugen und sich auf die Hüften setzen; genauso wie beim Promenieren und sorgfältigen Kreuzen lassen seiner Vorderbeine im Seitwärts-passagieren: dann ist ganz sicher schon die Hälfte des Weges zurückgelegt, um es auf die Hüften zu bringen, wenn Sie Hand und Fersen gut koordinieren.
Schließlich kann man sagen, dass dies das einzige Ziel sein sollte: dass der Reiter sein Pferd auf die Hüften bringt, und die ganze Manege davon beherrscht wird, was es dazu bringt: den Kopf hoch und es nach innen stellend durch Drücken mit den Beinen oder den Fersen und sonst nichts. Und ich nehme an, Ihr Pferd wird ausreichend gelockert in den Schultern und seinem gesamten Körper durch die Lektionen, die ich Sie gelehrt habe: durch das Bein und die Leine auf derselben Seite, was gemeint ist mit: „den Kopf innen und die Kruppe außen“. Und Sie beim Ausführen dieser Lektion sorgfältig darauf achten, dass die äußere Schulter nach innen kommt, denn gibt man sich schon damit zufrieden, ihm nur den Hals zu biegen, ohne seine äußere Schulter nach vorn und die innere nach hinten zu führen, kann man ihm nicht die Schultern lockern. Zurückkommend zu der Arbeit das Pferd auf die Hüften zu bringen: wenn ein Pferd seinen Kopf senkt um zu trinken oder am Boden zu fressen, ist es nicht auf den Hüften, denn dabei beugt es eher die Vorhand als die Hinterhand, was bedeutet, dass es auf den Schultern ist. Daraus folgt, dass es erhoben und unterstützt werden muss. Wenn es also seinen Kopf hoch hält, ist es gar nicht auf den Hüften, falls die Beine des Reiters und seine Hand es nicht dazu bringen, d.h. wenn er Hand und Ferse nicht ausreichend koordiniert zum Unterstützen der Vorhand.
Ein zusammengenommener Trab, der die Vorhand unterstützt, bringt ein Pferd unter sich, was es dazu vorbereitet, auf die Hüften gebracht zu werden, wenn man sich dabei des äußeren Beines bedient um zu verhindern, dass die Kruppe eine größeren Kreis geht als die Schultern (mit innerem Zügel und entgegengesetztem Bein); derselbe Trab auf einem Hufschlag, aber mit Zügel und Bein derselben Seite, und Unterstützen des Pferdes im Takt, lockert ihm die Schultern ohne dass die Vorhand auseinanderfällt, wie am Anfang, als man begann, es in dieser Lektion zu trainieren. Den Kopf zur Wand [besser die Kruppe zur Wand; DA] bringt es auf die Hüften, aber nichts bringt es besser auf die Hüften als eine sanfte, lockere Reiterhand und erfahrene Waden, denn wenn es vorne nichts hat auf das es sich lehnen kann, muss es sich auf die Hinterhand stützen, d.h. auf die Hüften. Ich habe Sie zuvor viele Gründe erkennen lassen, warum wir so schwer arbeiten, um ein Pferd auf die Hüften zu setzen, aber eines muss noch erwähnt werden, das vernünftig ist: die Kruppe bzw. die Hüften tragen nur den Schweif der locker genug ist. Die Vorderbeine aber müssen den Kopf und den Hals tragen, die viel schwerer sind, und Kopf, Hals und Schultern werden von ihnen beim Arbeiten genauso gestützt wie in Ruhe. Das ist der Grund, warum wir es auf die Hüften bringen: um  ein Gegenbalance zu erzeugen und um die Vorhand zu lockern, weil es seine schwächste Partie ist.  Dies ist das universelle Mittel, um es locker an der Hand zu bekommen, und es lange halten zu lassen und es es sehr komfortabel zu bekommen.
Dies sollte ausreichen, um die Art zu erkennen um ein Pferd voran gehen zu lassen und es Hand und Fersen verstehen zu lehren,  ihm den ganzen Körper zu lockern und es auf die Hüften zu bringen, um schließlich in Krieg zu dienen, und in Friedenszeiten nicht nutzlos zu sein für das Vergnügen und galante Feste, und Pomp und Carousells.











Teil III, Kapitel 1


Ausbildung des Pferdes für alle Arten von Airs



Für jede Art der Airs muss man sich anpassen an Kraft, Lebhaftigkeit und Neigungen des Pferdes, und es arbeiten entsprechend all seiner Qualitäten, ohne jemals gegen seine Natur zu handeln. Denn die Kunst ist nichts anderes als die Imitation und das Folgen der Natur, um diese in einen guten Zustand und eine gute Ordnung zu bringen. Vernünftigerweise darf man nicht erwarten, das Pferd zwingen zu können durch häufiges Galoppieren und Handwechseln, indem man es damit zu schnell überfällt, ebenso wenig durch die Ausführung eines für seine Natur viel zu geschwinden Terre-a-Terres, oder wenn man es viel mehr ausführen lässt als es kann, und man es durch diese Arten von Zwang außerhalb seiner Kapazitäten und seines Könnens in eine große Wut versetzt, so dass es sich wehrt bis es stürzt. Alle Reiter, die ein ähnliches Vorgehen probieren, erzielen damit nichts außer Verwirrung. Das gleiche passiert in den Pesaden: denn ist das Pferd ungeduldig, verstärken diese ihm seine Unruhe, vor allem, wenn das Pferd nicht perfekt zwischen Hand und Fersen ist und man es nicht extrem gelockert hat oder wenn es keine große Schulterfreiheit besitzt: dann lehren es die Pesaden zusätzlich zu der Unruhe noch, sich zu wehren.
Deshalb muss man sich den Regeln der Kunst unterwerfen und diese nie verlassen. Letztendlich wird ja ein Pferd,  wenn Sie es etwas ausführen lassen wozu es nicht fähig ist, auch wenn es sich nicht sehr wehrt, sehr bald in einigen Körperpartien ruiniert sein.
Man soll das Pferd weder sehr zwingen noch unter Druck setzen für eine Air, zu der es keine Neigung hat, Vorsicht und Wissen des Reiters werden ihm erlauben jene Air zu erkennen und auszuwählen, zu der die Natur es bestimmt und ihm die Kraft und Beweglichkeit zum Erfolg verliehen hat, und zu der es mehr Lust und Neigung aufweist, was man leicht erkennen kann an seinen Aktionen, und an der Mühe oder der Leichtigkeit, die man aufwenden muss, um es zu lockern. Man kann dies auch gut erkennen wenn es kurz an einem Einzelpilaren angebunden ist, wie ich gezeigt habe.
Um es für die Courbetten zu schulen, muss man ein Pferd wählen welches außer der Neigung zu dieser Manege auch sehr viel Geduld besitzt, um sie ausführen zu können. Man sagt zwar, diese Air verschaffe dem Pferd Geduld, vorausgesetzt es werde von einem geduldigen und vorsichtigen Menschen geritten: aber erstens glaube ich, dass die Anzahl solch geduldiger und vorsichtiger Reiter nicht groß ist, und zweitens, selbst wenn man einen solchen gefunden hat, bin ich überzeugt, dass man sich täuscht: denn es ist das Pferd, das sehr viel Geduld hatte, nur dies ist der Grund, warum es gut in Courbetten geht; man glaubt aber, dass die Courbetten ihm die Geduld verschafft hätten, obwohl es in Wirklichkeit anders herum ist. Denn es ist die Geduld, die das Pferd hatte, welche der Grund dafür ist, dass es gut in Courbetten geht, und es ist sehr schwer, fast unmöglich für ungeduldige und stürmische Pferde, gut in Courbetten zu gehen, zumindest kommt dies äußerst selten vor. Aber gelegentlich meint man zu sehen, dass ich nur fast Recht habe: denn trotzdem gehen einige junge Pferde gelegentlich für einige Zeit in Courbetten, und die Menschen glauben, es erreicht zu haben: aber sobald die Pferde, die von Natur aus die Unterordnung vermeiden, erkennen, welche Mühe es macht, das auszuführen, was man von ihm verlangt, widersprechen sie völlig oder teilweise. Ich kann Ihnen aus Erfahrung versichern, dass man bei den meisten viel Zeit dafür braucht, verbunden mit gut geregelten Übungen. Man braucht außerdem eine kontinuierliche Praxis mit häufigen Wiederholungen, um es in den Courbetten zu festigen: und weil sie häufig schon älter sind, bevor sie ruhig und gefestigt genug werden, um korrekt und geduldig zu gehen (sowohl geradeaus, als auch auf Volten), glaube ich deshalb, dass es ein großer Irrtum ist derer, die glauben ein Pferd zwingen zu können in Courbetten zu gehen, wenn es eine Abneigung dagegen hat und nicht die erforderlichen Qualitäten besitzt, denn ich habe viele gesehen, die man niemals zu Courbetten zwingen konnte, weil sie von Natur  aus keinerlei Neigung dazu hatten. Aber selbst eine natürliche Neigung allein reicht nicht aus: man braucht viel Kunstfertigkeit, um sie darin gehen zu lassen, und all das anzuwenden, was nötig ist,um sie in dieser Air der Courbetten zu festigen. Denn erstens, falls ein Pferd nicht gut zwischen Hand und Fersen ist, falls es nicht sehr frei und leicht auf einem Hufschlag geht, und es nicht sehr auf die Hüften gesetzt ist in seinem Terre-a-Terre (welchen es exakt ausführen können muss, es also in komplettem Gehorsam sein muss), wird es niemals gut in Courbetten gehen; dennoch wage ich zu sagen, dass diese neue Methode Pferde in Courbetten hat gehen lassen, die nie vorher erfolgreich darin wurden durch irgendeine andere Praxis oder Methode, welche es auch sei, und die nicht fehlgeht (oder nur selten) falls die Pferde die nötige Veranlagung haben, und wenn sie gelernt haben im Terre-a-Terre zu arbeiten bevor man versucht, sie in Courbetten zu bringen: denn es wäre, als würde man durch das Fenster steigen anstatt bequem die Tür zu benutzen, ein Pferd in Courbetten zu bringen, oder vielmehr zu versuchen, dies zu tun, bevor Sie es auf geraden Linien locker und gehorsam bekommen und es danach im Terre-a-Terre gearbeitet haben, so gut es dazu fähig ist. Danach wird es sehr bald in Courbetten geschult sein, denn ein guter Terre-a-Terre in Gehorsam zeigt an, dass man schon mehr als die Hälfte des Weges zu den Courbetten zurückgelegt hat. Alle anderen Methoden stoßen das Pferd mehr ab als es zu schulen, das wäre so, als spanne man den Pflug vor die Ochsen.

Es gibt vier verschiedenen Airs für Springer, nämlich Croupaden, Balotaden, Kapriolen und Schritt&Sprung: die Höhe mag dieselbe sein, aber nicht die Art zu springen: und das Pferd, welches am längsten in der Luft ist, springt sicher am höchsten, daran ist nicht zu zweifeln.

Die Croupade ist ein Sprung, in dem das Pferd sein Hinterbeine hoch anzieht, als wenn es sie Verkürzt oder gegen seinen Bauch zieht.

Die Balotade ist ein Sprung, in dem das Pferd ein Ausschlagen andeutet, dies aber nicht tut, sondern nur halb ausschlägt, indem es nur seine Eisen präsentiert, ohne auszuschlagen.

Die Kapriole ist der perfekteste aller Sprünge, worin, während das Pferd in der Luft ist, auf dem höchsten Punkt, es ausschlägt und seine Hinterbeine sehr dicht beieinander sind, und es sie außerdem lang macht, so weit es sie ausstrecken kann, was man ausstreichen nennt. Wenn es diese Aktion ausführt, knallen seine Sprunggelenke und machen ein Geräusch wie die Peitsche eines Kutschers, die einen lauter, die andren leiser, je nach der Wut, mit der es ausstreicht.

Der Schritt&Sprung besteht aus drei Airs: der Schritt ist der Terre-a-Terre, das Erheben ist die Courbette, und dann folgt der Sprung. Diese Airs können, trotz der Benutzung des Stachels  und der Gerte, niemals erzwungen werden: wenn man es trotzdem tut, wird Ihr Pferd niemals gefällig springen,  denn wenn die Natur es nicht geneigt und sehr locker geschaffen hat, ist alle Arbeit vergeblich, und es wird niemals die Zustimmung noch die Lebhaftigkeit haben, die aus den Pferden Springer macht. Und ich erwähnte oben über den Schritt&Sprung, dass man ihn in Frankreich den munteren Galopp [galop gaillard] nennt, und wenn man es in Kapriolen schulen will, nimmt es von selbst den galop gaillard, um es sich zu erleichtern, mit der Zeit wollen auch die Kaprioleure nur noch Balotaden oder Croupaden machen, wenn man nicht Sorge trägt, dass sie sie getrennt ausführen. Tatsächlich gibt es Springer, die  mit Wut und Aufbrausen springen und so lange immer Kapriolen machen wollen, bis sie lustlos oder müde sind: dann nehmen sie zur Erleichterung den Schritt&Sprung.
Nach alter Meinung, und dieser Meinung ist auch M. de la Broue, der berühmtesten aller französischen Autoren, welcher exakt über die Manege geschrieben hat, dass es, wie ich schon sagte, um einen Springer zu machen, einen exzellenten Mund und lange und kräftige Beine und perfekte Füße braucht. Für die Beine ist das vernünftig, denn gute Beine sind äußerst wichtig, andernfalls  kann das Pferd sich niemals auf sie stützen/verlassen, wegen der Schmerzen, die sonst auftreten. Und ein Pferd mit schwachen oder schmerzenden Füßen will sich genauso wenig erheben wie ein gichtiger Vorkoster zum Voltigieren oder Ballett tanzen. Ich wünsche  mir einen Mund, der eine gute Anlehnung an die Hand hat, stet und locker, weder zu stark noch zu schwach, ohne daran zu schlagen oder zu stottern: und wenn das Pferd so eine Anlehnung hat, hat es sicher einen exzellenten Mund. Trotzdem muss ich bekennen, dass ich einen der besten Springer der Welt gesehen habe, der nur sehr wenig Anlehnung hatte, und auch dass die Kinnkette bei ihm keinen Effekt hatte, das Mundstück nur ganz wenig Anlehnung an die Zunge und die Lippen nahm: alles Dinge, die ich dafür nicht gutheiße, aber er sah gut aus beim Springen, weil es ein so exzellentes und seltenes Pferd war. Denn kann man keinen Springer machen durch noch so viel Versuche, wenn es nicht so eine Anlehnung hat, wie ich sie beschrieben habe: und es ist der Fehler bei vielen Springern, eins von beiden Extremen zu haben: entweder gar keine Anlehnung oder zu viel davon, und  die Vorderbeine zu nicht korrekt zu halten, wenn sie von Wut ergriffen werden oder von Mattigkeit.
Ein nicht zu unterstützender Irrtum ist die Überzeugung, dass Springer eine sehr große Kraft besitzen müssen: denn es sind gar nicht die Pferde mit der größten Kraft, welche die geeignetsten sind für das Vergnügen der Manege und vor allem um Springer zu werden. Ich habe viele Pferde mit sehr großer Kraft gesehen, die sehr lange galoppieren konnten, bevor sie die Kraft ihres Rückens verloren; zu gebunden und zu steif, und wenn sie über dem Rücken gingen, hatten sie den Kopf tief und die Hinterhand in der Luft, und wenn man ihnen den Kopf heben wollte, gingen sie contretemps [Gegentakt = hartes Umspringen in den anderen Galopp aus Aufregung oder als Abwehr]  so ungeordnet, so regellos und so grob, dass die besten Pferdemenschen sie nicht  zu guten Springern machen konnten: diese Art von Pferden springen niemals regelrecht,  sie sind nur dazu geeignet, den Rücken ihrer Reiter zu verwirren und deren Blut zu verspritzen durch ihre regellosen contretemps: eine gute Lehre um die Illusion zu verlieren, dass die Kraft der Pferde das Nötigste sei,  anstatt vielmehr seine Neigung, Agilität, Ruhe und Lockerheit. Denn die besten Springer die ich jemals sah, waren die, die wenig Kraft hatten aber viel Neigung, Lockerheit und Nerven mit einer mittleren Stärke.

Nehmen Sie den kräftigsten Schweizer den man finden kann: man findet kleine Menschen, die verglichen mit ihm unvergleichlich besser springen können als dieser, und trotzdem kann dieser Schweizer sie in den Armen zerquetschen und sie mit seiner Kraft ersticken; glauben Sie meinen Worten, dass nicht Kraft, sondern Veranlagung und Lockerheit ein Pferd zum Springer macht. Aber einige sagen  mir, dass die Kraft des kleinen Menschen  trotzdem in Proportion über seinem Gewicht liegt, und die der großen darunter; aber das ist nicht das, was ich meine, im Gegenteil: denn die Kraft der großen liegt mehr über seinem Gewicht, als die der kleinen entsprechend über ihrem; und wenn der kleine springt, und länger als der große es kann, ist das viel mehr: nehmen Sie zwei kleine Menschen mit der gleichen Kraft,  so springt einer wunderbar, und der andere gar nicht; und häufig bei zwei kleinen Menschen springt der schwächere besser, manchmal springt ein schwacher, magerer und fehlerhafter Mensch besser als einige mit einem starken und robusten Rücken, sodass dies nur von der Veranlagung und Leichtigkeit, nur durch die Natur und sehr wenig durch die Kunst verliehen wird. Gelegentlich übertrifft ein großer, starker und robuster Mensch beim Springen; aber das passiert selten, weil seine Sinne mehr erweitert sind, und mehr verteilt, und weniger vereinigt als beim kleinen Menschen. Ich kann Ihnen also versichern, dass es bei den Pferden genauso wie bei den Menschen ist, dass man ein Pferd mit großer Kraft finden kann, welches zum Springen veranlagt und zweifellos sehr gute Springer sind, im allgemeinen aber sind es nur Pferde mit mittlerer Kraft, locker und nervös, welche zum Springen Veranlagung haben Manchmal fühlte ein Pferd sich in den Courbetten derart gezwungen und auf die Hüften gedrückt, dass es, trotzdem es schwach ist, Entlastung durch das Springen findet.
So kann man urteilen, dass man glauben sollte, es sei nicht die Kunst, sondern die Natur, die den Springern die Veranlagung gab, sie erfüllend mit dem Geist der sie locker werden lässt, und dass die Bereiter keine andere Wahl haben zum Ausbilden von Springern, als ihnen die Zeit zu geben, welches alle Kunst ist, die man ihnen anbieten kann, vorausgesetzt sie sind sehr locker und gehorsam an Hand und Fersen, und dass diejenigen, die versuchen, ein Pferd das Springen zu lehren welches nicht perfekt gelöst und gehorsam ist an Hand und Fersen, im Trab und Galopp, nur ihre Zeit vergeuden, denn man dressiere einen Springer, wann es ihm gefällt, und nicht dem, der ihn reitet. Das finde ich nicht falsch, sondern rate es denen im Gegenteil als eine unverzichtbare Weise an, die ein Pferd korrekt springen lassen möchten: es nicht nur in den Schultern zu lösen und leicht auf einem Hufschlag in allen Wendungen, sondern es ebenso gemäß der Regeln im Terre-a-Terre arbeiten zu lassen, und es an gute ganze Paraden zu gewöhnen: danach kann man es leicht lehren zu springen. Aber falls dieser Weg jemandem nicht passt, wird es niemals korrekt springen,  oder sich einen gehorsamen Springer nennen lassen können.
Der Schritt&Sprung ist eine Air, in der die Pferde normalerweise gehen, wenn sie keine gute Anlehnung haben; denn der Schritt bringt sie in die Hand und gibt ihnen die Kraft zum Springen, ganz genauso wie diejenigen, die rennen, bevor sie springen, höher und weiter springen können als diejenigen mit vereinten Füßen. Auch möchte ich Sie erkennen lassen, dass bei diesen Airs der Courbetten, der Croupaden, der Balotaden, der Kapriolen und des Schritt&Sprung die Natur vielmehr ausrichten kann als die Kunst.
Zwei oder drei Schritte und ein Sprung hat keine Anmut und kein Ansehen und sollte deshalb eher als Galopp gaillard denn als eine Air bezeichnet werden.
Noch eine Anmerkung: wenn die Springer alt werden, nehmen von sich aus die Air des Schritt&Sprungs, um sich zu entlasten, was ein Hinweis darauf ist, dass letztere Air sie mehr entlastet als die andere.











Band III, Kapitel 3


Über die Art ein Pferd gut in Courbetten auszubilden, ohne einen Pilaren, welches die sicherste Art ist


Bevor Sie ein Pferd in Courbetten gehen lassen können, müssen Sie es im Terre-a-Terre arbeiten, und wenn es Terre-a-Terre geht, muss es die Hand wechseln können, auf einer Spur und auf zwei Spuren, sowie angehen und gut durchparieren können; weiterhin muss es sich mit Leichtigkeit in Pesaden erheben mit seiner Vorhand in ausreichender Höhe: um es mit der Hand zu unterstützen, bedienen Sie sich immer des Kappzaums, und all dies am Anfang nur geradeaus vorwärts und keinesfalls auf Kreisen. Um es dann in Courbetten gehen zu lassen, befestigen Sie die rechte Kappzaumleine am Sattelknauf, wenn Sie auf der rechten Hand arbeiten (d.h. Ihre linke Schulter ist hierbei näher an der Wand). Sie befestigen also die Kappzaumleine an der Bahninnenseite, um es dazu zu bringen, das innere Hinterbein dem äußeren anzunähern, und beginnen mit zwei oder drei Courbetten, lassen es danach zwei oder drei Schritte gehen, dann wieder zwei oder drei Courbetten, und so weiter, und wenn Sie es in der Hand spüren und es sich vorwärts treiben lässt ohne Unordnung oder Unruhe, und es sich nicht schräg stellt aus Wut, dann wird es sehr bald geschult sein. Falls es aber zu stark vorwärts geht, lassen Sie es die Courbetten auf einer Stelle machen, oder häufig rückwärts gehen: nachdem es drei Courbetten gemacht hat, richten Sie es rückwärts, danach wieder die Courbetten, und wieder rückwärtsrichten und so weiter. Wenn Sie die rechte Schulter zur Mauer haben, müssen Sie die linke Kappzaumleine am Sattelknauf befestigen, also die innere Kappzaumleine; dies hält es rückwärts, nicht nur das innere Hinterbein, sondern erhält auch die Schultern des Pferdes in ihrer Lockerheit, ohne dass die sich in irgendeiner Weise versteifen kann, und es vorbereitet für die Courbetten, und Sie werden finden, dass die so befestigte Leine eine bessere Fähigkeit verschafft um es die Air der Courbetten zu lehren. Und es wird nicht nur geradeaus gehen, sondern auch eine in die Lage versetzen, auf Volten zu arbeiten.
Hier noch eine andere exzellente Lektion: Befestigen Sie die rechte Kappzaumleine am Sattelknauf, und wenn es mit dem Kopf innen und der Kruppe außen geht, Leine und Bein auf derselben Seite, als hätte es seinen Kopf zum Pilaren, erheben Sie es in diesem Zustand in einige Pesaden. Danach , wenn es sich leicht in die Pesaden erhoben hatte, lässt man es immer mit der Kruppe nach außen gehen, zwischen den Pesaden, und danach erheben Sie es in Courbetten, ein-, zwei-, dreimal, und promenieren es danach im Schritt, immer die Hinterhand nach außen, richten es dann rückwärts, und danch vorwärts gehend drei oder vier, so wie Sie können. Man muss es von Zeit zu Zeit anhalten und es loben, wenn es seine Sache gut gemacht hat, dann erneut beginnen: Diese Arten von Übungen halten sein inneres Hinterbein außen, was es geduldig und perfekt Hand und Fersen gehorchen lässt, und wenn es auf der rechten Hand geht, wird die linke Schulter durch diese Übung gelockert, die Vorhand wird leicht und es wird zunehmend gut geschult.
Um dann im Gegenteil auf der linken Hand in Courbetten zu gehen, wird die linke Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt: Sie lassen es auf der linken Hand gehen mit der Kruppe außen und dem Kopf innen und geben ihm die Hilfen mit Leine und Schenkel auf derselben Seite (welche jetzt die linke ist), und machen genau dasselbe wie zuvor; dies verhindert den Zustand,den man mit „entier“ [steif,fest]  bezeichnet, und macht es gelöst und gehorsam an Hand und Fersen und lockert ihm die rechte Schulter, welche hier die äußere ist.
Um es in Courbetten auf Volten zu bringen soll die innere Kappzaumleine immer am Sattelknauf befestigt sein, und die Kruppe darf nicht ganz innen sein, sondern anfangs fast nur auf einer Linie gehen, auch um sein inneres Hinterbein außen zu halten, welches ein wichtiger Punkt ist, und eine große Auswirkung auf das Versammeln hat. Helfen Sie ein wenig mit dem äußeren Kandarenzügel, d.h. führen Sie Ihre Hand ein wenig nach innen, denn wenn der äußere Zügel arbeitet und verkürzt wird um es gehorchen und es wenden zu lassen, und lassen es drei oder vier Courbetten machen und danach im Schritt (immer zwischen Ihren beiden Fersen) fünf oder sechs Schritte gehen zu lassen, und machen Sie weiter mit dem Erheben in Courbetten und dem Gehen im Schritt. Verringern Sie dann nach und nach das Gehen, und vergrößern im selben Maße den Anteil der Courbetten und wiederholen sie solange, bis es die ganze Volte in Courbetten auf einem Hufschlag geht.
Wenn es dann erst daran gewöhnt und gefestigt und bestärkt ist durch viele Übungen und durch die Gewohnheit, dann lassen Sie es seitwärts oder schräg auf den Volten gehen, was ja das Ziel auf den Volten ist. Man muss hier anmerken, dass, wenn hier von Volten die Rede ist, man die auf zwei Hufschlägen meint. Normalerweise bedeutet ja alles Kreisförmige „Volte“, aber wenn man in Frankreich sagt: „das Pferd arbeitet auf Volten“ heißt das immer: die Kruppe innen, oder auf zwei Hufschlägen. Aber für die Airs, wenn man sagt, das Pferd geht auf Volten, muss man immer dazu sagen, ob auf einem oder auf zwei Hufschlägen, denn wenn man einfach nur sagt, es geht in Airs auf Volten, glaubt man eher auf einem, statt auf zwei Hufschlägen, weil man sehr selten Pferde in Courbetten auf Volten mit der Kruppe einwärts gehen sieht.
Für die Courbetten muss man dem Pferd immer mit dem äußeren Zügel helfen, nicht nur, um es in der Air zu erhalten sondern auch, um es zu biegen und es voran zu treiben, ohne ihm mit den Waden zu helfen, d.h. nur so  wenig wie Sie können. Wenn es zu schnell oder zu langsam geht, habe ich Ihnen schon die Mittel, dem abzuhelfen, beschrieben.
Wenn Ihr Pferd zu hastig geht, „klopft es nur Staub“ (battre le poudre): dann muss man es sich hoch erheben lassen und es mit der Hand unterstützen. Man muss ihm auch mit der Gerte an den Schultern und an den Beinen helfen, damit die Vorderknie beugt: dies verleiht dem Pferd Anmut in allen Airs. Bei der Arbeit auf den Volten in dieser Manier kann man es nicht falsch machen,  sowohl auf einem Hufschlag wie auch mit der Kruppe einwärts; wenn man Pesaden macht, soll es dabei  seine Vorhand lange in der Luft halten. Nach dieser Übung geht es in Courbetten in all der Genauigkeit die ihm.
Um ein Pferd seitwärts in Courbetten gehen zu lassen, helfen Sie ihm nur mit den Kandarenzügeln,
halten ihm den Kopf gegen die Wand, z.B. nach rechts helfen Sie ihm immer mit dem äußeren Kandarenzügel, d.h. führen Sie ihre Hand nach rechts, denn der äußere Zügel, welcher hier der linke ist, verkürzt sich dann und lässt die Schultern gehen. So geht es seitwärts und quer. Gehen die Schultern zu sehr vor, bedienen Sie sich des inneren Zügels, indem sie Ihre Hand nach außen führen, so dass die  Schultern vor der Kruppe gehen, und wenn es drei oder vier Courbetten gemacht hat, passagieren es danach immer seitwärts [Seitwärts-Schritt], und lassen es erneut so viele in Courbetten seitwärts und quer gehen, und verkürzen dann nach und nach das Seitwärts im Schritt und verlängern und wiederholen die Courbetten, bis es nur noch in ihnen geht ohne Unterbrechung und eine ganze Volte mit der Kruppe einwärts macht, was es machen wird, wenn Sie ihm darin Gewohnheit verschafft haben.
Auf der linken Hand seitwärts muss man es genauso machen, wie ich es für die rechte Hand erklärt habe: Sie bedienen sich des äußeren Kandarenzügels und halten das Pferd seitwärts, und in kurzer Zeit wird es auf dieser Hand genauso gehen wie auf der anderen.  Man soll auf der einen Hand nach der anderen arbeiten, und öfter auf der schwierigeren.
Um das Pferd in Courbetten rückwärts gehen zu lassen, richten Sie es rückwärts, und machen dann drei oder vier Courbetten auf der Stelle, und richten es danach wieder rückwärts, lassen es erneut Courbetten auf der Stelle ausführen, dann wieder rückwärts gehen und dann Courbetten auf einer Stelle: immer abwechselnd eins nach dem anderen, wenn es sie friedlich auf einer Stelle gemacht hat, was man „ferme à ferme“ nennt.
 Wenn es erwartet, rückwärts gerichtet zu werden nach der letzten Courbette, muss dies eine Courbette ferme à ferme gewesen sein.: wenn es die zweite gemacht hat im Zeitpunkt, wenn das Pferd die Vorderbeine wieder auf den Boden setzt, und es fühlt, dass Ihre Hand einmal annimmt (wie wenn Sie es im Schritt rückwärts richten wollen und es der Hand ein wenig Widerstand entgegensetzt), und nachdem der Takt mit der Hand erfolgt ist die Kandarenzügel nachgeben, und so weitermachen in allen Courbetten, weniger oder mehr die Zügel annehmend, je nachdem wie es Widerstand leistet, vermindert dies nach erfolgten Courbetten, und vermehrt die Anzahl der Courbetten rückwärts, was es tun wird, wenn Sie beim Weiterführen alle Dinge beachten, und ihm dadurch die Gewöhnung verschaffen, und wenn Sie gut den Takt ihrer Hand herausfinden.
Wenn es die Hüften nachschleppt, d.h. wenn ein Hinterbein nach dem anderen geht, zwickt man es hinten vorsichtig mit beiden  Sporen und findet es in der Hand, wenn die Vorhand zu Boden kommt. Falls es sich dadurch nicht versammelt, helfen Sie mit der Gerte auf der Kruppe, indem Sie das dicke Ende in Ihrer Hand drehen  und es auf der Kruppe im Takt berühren, dies lässt es sehr korrekt erneut die Courbetten schlagen.
Um in Courbetten rückwärts zu gehen muss man ihm immer mit dem Kandarenzügel auf der Seite der Wand helfen, d.h. dem äußeren, um es vorn zu verengen und hinten zu verlängern, wo es in Freiheit ist, denn es ist die Hinterhand, die führt und von der Vorhand gefolgt wird um den selben Raumgewinn zu erzielen wie die Hinterhand: die Hinterhand ist in Freiheit während die Vorhand komprimiert (pressé) ist. Man muss die Hand tief halten, sodass das Pferd nicht zu hoch geht, und der Körper des Reiters ein wenig nach vorn, um den Hinterbeinen mehr Freiheit zum Gehen zu verschaffen; und man soll gar keine Hilfen mit den Beinen geben, außer wenn man es mit den Sporen zwicken muss, falls es seine Hinterbeine nachschleppt; außerdem mit der Gerte auf der Kruppe helfen um es zu versammeln und die Hüften zurück zu bringen. Falls das Pferd sich nicht von selbst versammelt, gibt man zusätzlich den Takt mit der Zügelhand an während das Pferd zum Boden kommt: man muss dabei die Kandare zu sich ziehen und es rückwärts ziehen durch diesen Takt der Hand.
Wenn man die Hilfen kennt zum Gehen in Courbetten geradeaus, seitwärts nach rechts und nach links, bringen Sie alle zusammen und können es so das Kreuz machen lassen, wann es Ihnen gefällt und ohne jede Schwierigkeit.
Um in Courbetten seitwärts  zu gehen, muss man mit äußerem Kandarenzügel und äußerem Bein helfen, d.h. man muss die Zügelhand ein bisschen nach innen führen, es dann bei Bedarf unterstützen und ihm helfen mit Ihrem äußeren Bein: dies ist die Methode, das Pferd seitwärts gehen zu lassen.
Für die Sarabande in Courbetten ist es erforderlich, dass Sie den äußeren Zügel an einer Seite anziehen für eine oder zwei Courbetten, und dann den an der anderen Seite, und die Courbetten außerdem vor allem nicht nur mit der Hand unterstützen, sondern auch mit dem Bein. Das Pferd soll all dies genau ausführen, manchmal zwei Courbetten rückwärts, zwei weitere vorwärts, und alles in einem Zuge: um auf diese Weise zu tanzen, muss das Pferd sehr genau sein, und der Mensch auch gut seine Hilfen einsetzen.
Alle Arten der Airs müssen prompt den Boden verlassen beim Erheben, und man soll sie lange in der Luft halten, um sie zu verbessern. Darüber hinaus, wenn sie den Boden verlassen haben, muss man sie in der Hand spüren, und sie dann stützen/unterhalten, allerdings in einer Art, dass die Hand stet und locker ist, um subtil zu helfen in all seinen Zeitpunkten, ohne dass dies dem Zuschauer auffällt.
Wenn ein Pferd an der Hand schlägt, kommt das daher, dass es einen zu feinen, oder zu empfindlichen oder zu schwachen Mund hat, oder das es das Mundstück noch nicht kennt. Um das in Ordnung zu bringen, muss man es hoch in Pesaden erheben und in der Luft halten, was es in die Hand bringt; wenn das nicht ausreicht, galoppieren Sie es entlang einer Mauer oder ähnlichem, und parieren es aus dem Galopp sanft durch in die Hand, und lassen es in Courbetten gehen, oder auch im kleinen Galopp vorwärts und parieren es durch, und danach erheben Sie es drei- oder viermal in Pesaden, hoch genug um es in der Hand zu stützen, während die Vorhand in der Luft ist und es sich erhebt, dies verschafft ihm Anlehnung. Wenn dies den Fehler des Schlagens an die Hand nicht verbessert, traben Sie es zunächst und lassen es etwas verlängerte ganze Paraden machen und richten es rückwärts: nichts auf der Welt macht es ruhiger an der Hand: Ihre Steigbügel in gleicher Länge (zumindest wenn nicht eines Ihrer Bein kürzer ist als das andere), und eher ein halbes Loch zu kurz als zu lang. Sitzen Sie immer auf Ihrem Spalt ganz  gerade im Sattel, und die Bügelriemen nicht zu kurz, wie es die Italiener, noch wie bei den Spaniern, die sie noch kürzer als die Italiener machen, sondern halten Sie sich gerade und die Beine gestreckt und fest in den Bügeln.

 

 

















 


Teil III, Kapitel 4

 

Die richtige Methode für Courbetten



Der Sitz muss korrekt sein wie im Terre-a-Terre, aber immer sehr leicht und mit Freiheit, die Zügelhand über dem Mähnenkamm und die Fingernägel nach oben, zu welcher Seite es auch geht; jedoch soll die Hand normalerweise zwei oder drei Fingerbreit über dem Sattelknauf und ein wenig davor stehen, ohne andere Hilfengebung als es im Takt zu unterstützen, den Bewegungen  des Pferdes folgend, denn jedes Pferd wählt seinen eigenen Takt und seine passende und spezielle Air.
Der Takt der Hand muss prompt und agil sein, um ihm die Vorhand zu erheben und vom Boden zu lösen, und um sie stützen, wenn sie in der Luft ist, muss man es in der Hand spüren. Ihren Körper müssen Sie ein wenig weiter vorn nehmen als normalerweise, d.h. nur die Schultergelenke ein wenig nach vorn Richtung des Pferdekopfes, solange es erhoben ist, aber so unmerklich, dass Zuschauer dies nicht wahrnehmen.
Trotzdem muss man immer so dicht am Sattelknauf sitzen wie man vermag, sehr gerade und sehr gestreckt, aber ohne sich anzuspannen. Ihre Oberschenkel und Knie so dicht am Sattel dass es scheint als seien sie angeklebt, aber die Fußspitze hoch und vor allem ohne jede Verhärtung in Ihren Sprunggelenken, d.h. Sie müssen die Sehnen der Sprunggelenke schlaff halten und von den Knien aufwärts kräftig und lebhaft, ohne das Pferd mit den Beinen zu berühren oder ihm auf irgendeine Art mit ihnen zu helfen, sondern lassen Sie seine Kruppe frei der Vorhand zu folgen; denn wenn das Pferd zwischen den Pilaren ist, oder an einem einzelnen Pilaren wie ich beschrieben habe, und keine Person auf ihm sitzt, geht es ja so schnell wie es ihm möglich ist, obwohl es gar keine Reiterbeine spürt um ihm zu helfen, da es überhaupt nicht nötig ist, Wadenhilfen einzusetzen; aber wenn Ihre Sprunggelenke locker sind, finden Ihre Beine den Takt, und das ist besser, da Sie ihn ohnehin nicht geben können. Die Beine sollen also dem Takt der Courbetten folgen ohne ihn zu suchen; wenn es sich querstellt, wenn man es beibehalten lassen will, oder wenn es sich zurück hält, animiert man seine Sprunggelenke oder setzt die Waden ein und zwickt es auch bei Bedarf, wenn das nötig ist; und wenn es sich querstellt, muss man die Wade einsetzen auf der Seite zu der es ausbricht, oder zwicken, falls es Widerstand listet, dies aber alles mit Kunst und ohne den Takt zu unterbrechen, falls das möglich ist. Wenn sich Ihr Pferd beim Gehen in Courbetten zurückhält und Sie es mit den Waden zu lebhaft treiben, komprimiert es sich zu sehr und seine Courbetten werden weder aufmerksam noch gleichmäßig. Das Beste ist also, ihm keinen Takt mit den Beinen zu geben, sondern ein wenig Ihre Sprunggelenke weicher werden zu lassen, denn wie ich schon sagte: die Hilfen Ihrer Waden ergeben sich von ganz allein, und sie wirken besser, wenn Sie es schaffen, sie nicht mit Absicht zu geben und es diese nicht wahrnimmt: vorausgesetzt, es stellt sich nicht quer,   oder hält sich zurück, oder verlangsamt das Tempo nicht zu sehr. Also ist es das Sicherste, ihm keinerlei Hilfen mit Ihren Beinen zu geben, wie schon gesagt.
Was ich oben gesagt habe, gilt für die Arbeit mit einem Pferd, welches schon in der größten Perfektion ist; wenn aber ein Pferd am Anfang seine Kruppe zu weit nach innen bringt, treiben Sie die Kruppe zwanglos mit Ihrem inneren Bein hinaus; passen Sie Ihre Hilfe an den Bedarf an, und falls es seine Kruppe zu weit nach außen führt, müssen Sie sie mit Ihrem äußeren Bein nach innen bringen, aber beim Ausführen dieser Aktion muss Ihr anderes Bein gegenhalten, sodass das Pferd nicht überschießend reagiert. Also für die Pferde, die Courbetten vorwärts machen, denken Sie daran: was immer auch Ihr Pferd tut, sei es seitwärts gehen oder auf den Volten, dass die Vorhand immer führen soll. Dies ist die veritable Methode für die Courbetten.








Teil III, Kapitel 5

Courbetten auf Volten und wie man den Handwechsel machen soll



So, dass Ihr Sitz gerade gestreckt ist, und nur etwas quer, d.h. Ihre äußere Hüfte und äußere Schulter ein wenig mehr vorn, und Sie gar nicht helfen mit der Wade, bis zum Wechsel; Ihre Fußspitze hoch aber die Sehnen Ihrer Sprunggelenke entspannt, und Ihre Hand dazu über dem Hals und unterstützend nur bei Bedarf (und nicht bei jedem Takt, als schlage man einen Takt zur Musik, passend zur Kadenz des Pferdes): denn jedes Pferd ergreift seinen eigenen passenden Takt und Kadenz, dennoch sollen alle Airs prompt und agil erfolgen beim Anheben der Vorhand vom Boden, und ein wenig in der Luft gehalten werden durch die stützende Zügelhand. Man kann aber mit der Gerte in der korrekten Kadenz gekreuzt über den Pferdehals helfen, oder auch außen, so wie Sie möchten und wie es sich aus der Gelegenheit ergibt. Wenn das Pferd also z.B. auf Volten auf zwei Hufschlägen in Courbetten auf der rechten Hand geht, und Sie möchten die Hand wechseln, dann nähern Sie sanft Ihr rechtes Bein an und unterstützen es ein wenig mit Ihrer nach außen gehaltenen Hand. Die Fingernägel zum Hals, um von der rechten auf die linke Hand zu wechseln, in einem Takt, und, wenn es schon fast gewechselt hat, nehmen Sie dazu Ihr rechtes Bein wieder weg wie zuvor und helfen ihm gar nicht mit Ihren Beinen, außer dass das Gegengewicht des Körpers ein wenig auf der inneren Seite  ist.
Wenn Sie auf der linken Hand sind und wechseln wollen, nähern Sie Ihr linkes Bein an, und halten es dann ein wenig außer der Volte, nehmen Ihr Bein weg wie zuvor und helfen ihm in keiner Weise mit den Beinen. Der Grund, warum ich in den Wechseln mit dem Bein beginne und nicht mit der Hand ist, dass wenn ich mit der Hand begänne, es stehen bliebe und wenn ich die Hand drehte, die Kruppe ausfiele und verloren wäre. Also beginne ich mit dem Bein, aber gleichzeitig  unterstütze ich es mit der Hand eins dicht beim anderen, was Zuschauer nicht bemerken. Kommen die Schultern des Pferdes nicht weit genug nach innen, müssen Sie Ihre Hand drehen, um mit dem äußeren Zügel zu helfen: dies das muss innerhalb eines Momentes geschehen und trotzdem mit so viel  Anmut und Geschick wie möglich.  Dies ist die wahre Methode für die Wechsel auf den Volten in Courbetten.
Für die Demi-Volten in Courbetten, muss man genauso agieren, mit denselben Hilfen, und auch für die Demi-Air gilt dasselbe.
Die Air der Courbetten ist für schwache Pferde weder geeignet noch zweckmäßig, ebenso wenig  für stürmische und unruhige, denn die schwachen halten ihre Kräfte zurück, als seien sie störrisch und ebenso ist die Air der Courbetten ist ungeeignet für Pferde mit viel Feuer und Ungestüm, die ungeduldig sind: all diese Arten von Pferden sind ungeeignet für Courbetten, genauso wie für Demi-Airs oder Sprünge  denn all diese Airs verstärken die Wut bei den cholerischen und ungeduldigen Pferden, welche ihnen das Gedächtnis und den Gehorsam nimmt; sie sind aber geeignet für den Galopp und den Terre-a-Terre.
Der beste Rat, den ich Ihnen geben kann, ist dass die erste Lektion in Courbetten friedlich und ohne Druck gegeben wird, aber mit etwas höheren Pesaden (allerdings nicht so hoch, dass sie die Sprunggelenke des Pferdes versteifen), und davon viele zu machen. Die Zeit, die die Vorhand in der Luft verweilt bevor es die Füße zu Boden setzt, gibt ihm die Mittel, seine Hüften zu beruhigen und seine Kopfhaltung zu festigen, seine Vorderbeine zu beugen und es von Abneigungen, Ängsten und Unruhen zu befreien; und je gemächlicher die Pesaden sind, desto mehr verhindern sie, dass es zittert, denn die eine generelle Regel lautet, dass schöne Courbetten aufmerksam, hoch und  gleichmäßig geschlagen werden sollen.






Band III, Kapitel 6

 

Zur Ausbildung von Springern



Promenieren sie Ihr Pferd in einem zusammengenommenen, aufmerksamem, unterstützen und unter sich greifenden Schritt und lassen es einen Sprung ausführen, und erheben dann sofort seine Vorhand in eine oder zwei Pesaden, und unterstützen es mit Ihrer Hand in der Luft. Vermehren Sie so nach und nach die Sprünge, und verringern die Anzahl der Pesaden, und so springt es allmählich so viel wie es kann.
Haben Sie es zuvor im Terre-a-Terre und in den Courbetten ausgebildet, was es frei in den Schultern, locker zwischen Hand und Fersen gemacht hat, und wenn es gut gelernt hat, geradeaus vorwärts zu gehen, bringen sie es auf die Volte auf einem Hufschlag, aber anfangs dies muss auf großen Kreisen geschehen, um dem Pferd das Springen zu erleichtern, und machen weiter auf diese Weise.
Wenn Sie es zum Springen erheben, müssen Sie Hilfen für die Hinterhand geben, mit einem oder zwei oder mehr Gertentouchées, so wie es Ihnen geeignet erscheint, während es seine Vorhand in der Luft hat, und sorgen immer dafür, es am Ende immer hohe Pesaden machen zu lassen, nachdem es gesprungen ist. Aber bei diesen Pesaden danach muss man aufpassen, ihm nicht seine Sprunggelenke zu versteifen durch die Aufforderung, sich hoch zu erheben, was dann aussähe wie  Ziegen, wenn sie steigen.
Versäumen Sie auch nicht, gerade zu sitzen und fest in den Steigbügeln, welche sie ein Loch kürzer als normal schnallen sollten; sollten sie allerdings zu kurz sein, würde das Ihr Gesäß aus dem Sattel heben, wären sie aber zu lang, verlören sie Ihren Sitz und Ihre Positur, und könnten auch nicht so gut darauf achtgeben. Nehmen Sie Ihre Fußspitze ein wenig tiefer, um Ihre Sprunggelenke zu entspannen, andernfalls geht Ihr Pferd zu weit vorwärts: ein Springer soll niemals mehr als anderthalb Fuß [45cm] vorwärts kommen bei jedem Sprung. Und wenn Sie es erheben, schieben Sie   Ihren Bauch nach vorn, das erleichtert es Ihnen, Ihre Schultern sehr weit hinten zu halten: bringen Sie sie nie nach vorn, sondern halten Sie für auch für eine lange Zeit, in der es springt immer Ihre Schultern hinten, aber unmerklich für den Zuschauer. Denn halten sie Ihre Schultern nicht hinten, während es die Vorhand hebt, kommt es zweifellos zu spät zum Ausstreichen, sei es als Ausschlagen oder als Erheben seiner Kruppe. Je mehr Sie Ihre Schultern nach hinten führen wenn es ausstreicht, und sie wieder nach vorn nehmen, wenn es sich erhebt, imitieren Sie die Haltung der Glöckner, und man muss dies umkehren, wenn das Pferd begonnen hat zu springen, d.h.  die Schultern stark nach hinten bringen und sie überhaupt nicht nach vorn bringen bis es fertig ist.
Sie sind schon häufig genug darauf hingewiesen worden, dass Ihre Knie und Waden am Pferd anliegen sollen und Sie mit ihm eins seien sollen, und bezgl. der Zügelhand, dass Sie mit dem äußeren Kandarenzügel helfen sollen, um die äußere Schulter nach innen zu formen, um es vorn zu verkürzen und es hinten zu verlängern, um es auf der inneren Seite zu komprimieren, so dass seine Kruppe ein wenig nach aussen gehen kann, um frei zu werden, denn wie sollte es springen können, wenn seine Kruppe untergeordnet und im  Zwang wäre? Deshalb muss man sich des äußeren Zügels bedienen durch Hereinführen der Hand für alle Arten von Sprüngen vorwärts oder auf Kreisen.
Falls ein Pferd das sie springen lassen wollen, sich bewehrt, oder sich tief trägt, was verhindern würde, dass es seine Vorhand lange in der Luft halten kann, nehmen Sie die Kandarenzügel ein wenig länger als normal und schieben Ihre Hand bei jedem Takt ein wenig nach vorn, und halten Ihre Hand etwas vorn, als schwebe  sie in der Luft, und helfen Sie auf diese Weise bei jedem Sprung, und nehmen Ihren Takt genau wie einen Ball am Band: dann wird es viel besser springen, vor allem, wenn das Pferd sich bewehren möchte oder die Neigung hat, den Kopf tief zu tragen.
Alle Sprüngen werden in der Hand ausgeführt (oder sollten ausgeführt werden) und nicht anders, geben Sie deshalb acht, dass das Pferd gut gefestigt ist in der Hand bevor Sie es es zum Springen bringen; denn nichts  verfälscht den Mund so sehr wie die Sprünge. Für den Schritt und Sprung soll man es genauso machen, und ein Pferd, welches keine ausreichende Veranlagung hat in Kapriolen zu gehen, nimmt ja von sich aus die Air des Schritt und Sprungs.










Band III, Kapitel 7

 

Sehr wichtige Anmerkungen für ein gutes Arbeiten mit dem Pferd



Alle Menschen, die nicht sehr berührt werden durch Harmonie, und die nicht  die Süße bei der Ausbildungen  schmecken, haben weder eine Neigung zur Musik, noch zum Erfassen von Akkorden. Ein solcher Mensch, der eine harte und fast gefühllose Seele hat, kann kein exzellenter Pferdemensch werden, denn alle Pferde müssen mit geregeltem Takt und Kadenz gearbeitet werden, was die Musik nachahmt, auch wenn diese Takte bei jedem Pferd anders sind: bei einigen schnell, bei anderen gemächlich, andere weniger gemächlich, andere schneller und wieder andere mehr oder weniger gemächlich. Man muss diese entsprechend ihrer speziellen Art regeln und so, dass ihre Kadenz gleichmäßig ist. Und wie sollen auch diejenigen, die kein Gefühl für Harmonie besitzen,  all diese verschiedenen Kadenzen erkennen, wenn sie gleichmäßig und regelrecht sind? Man findet keine Person die Laute spielen kann, die nicht mit der rechten Hand die Saiten zupft, welche die linke Hand berührt, andernfalls würde keine Harmonie entstehen, genauso wie beim Pferd, wenn es  Kadenzen hat, die an die Maße der Musik erinnern, dazu müssen alle Hilfen und alle Einwirkungen der Zügelhand entweder begleitet oder gefolgt werden von denen der Fersen oder der Waden, und deshalb darf ein guter Pferdemensch nie versäumen, Hand und Fersen zusammen spielen zu lassen, wie der Lautenspieler am besten seine Hände miteinander koordiniert um sehr schön spielen zu können, denn wenn er das nicht tut, spielt er schlecht. Mit einem Wort kann man sagen, dass das Ziel des Metiers ist, Hand und Fersen miteinander zu koordinieren.



 
 


































 

Zusammenfassung der Kunst, ein Pferd zu reiten

Cavendish: An Epitomy of horsemanship, S. 321 /

Solleysel: Abrégé de l‘art de monter a cheval, S. 242

 

 





 

Epitomy/Abrégé § 1

Wie man in den Airs die Hilfen geben soll

 

Für Courbetten muss man das Pferd zunächst mit dem äußeren Zügel leiten, wenn es aber nicht ausreichend auf den Hüften [hanches] ist, muss man es mit dem inneren Zügel unterstützen, um es mehr zu setzen, und danach den äußeren Zügel einsetzen. Wenn die Kruppe nach außen ausfällt, muss man ein wenig mit der äußeren Wade helfen, falls es aber seine Kruppe zu weit nach innen bringt, muss man ebenso leicht die innere Wade annähern, und ein wenig die rechte Hand über dem Hals drehen, und nur sie hoch halten, aber nicht zu sehr nach innen.
Man muss den äußeren Zügel einsetzen, um die äußere Schulter herein zu führen, denn wenn sie gar nicht nach innen kommt, kann man gar nicht wenden auf den Volten; auf diese Weise hat die Kruppe ein wenig Freiheit, was sie bei jedem Takt freier vorwärts gehen lässt.
 Um schräg zu gehen oder seitwärts auf der einen wie der anderen Hand, muss man immer mit dem äußeren Zügel helfen und ggf. mit dem inneren unterstützen, die Hand außen ein wenig höher ohne ihm einen großen Takt der Hand zu geben; aber zunächst die Hand nach innen bringen, das heißt, sich des äußeren Zügels zu bedienen, daraufhin die Hand nachgeben und es machen lassen; denn das Pferd kann besser selbst seinen Takt finden als dass Sie ihm diesen geben könnten; und man muss mit der äußeren Wade helfen, falls es seine Kruppe nicht ausreichend untergeordnet hält.
 Um in Courbetten rückwärts  zu gehen, bedienen Sie sich des äußeren Zügels; aber Sie müssen ihm mit der Hand  bei jeder Kadenz, die es macht, einen Takt geben: die Hand dichter am Körper, wie beim Rückwärtsrichten, und es immer in der Hand empfangen, wenn es fällt; diese Takte mit der Hand lässt es die Courbetten rückwärts besser ausführen, aber nicht mehr als eine Fingerbreite Raum.  Ihr Körper soll ein wenig vorwärts gehen, Ihre Beine ein wenig nach hinten und Sie nicht sollen nicht steif auf dem Pferd sitzen, sondern mit großer Freiheit und Leichtigkeit.





Epitomy/Abrégé § 2


Man muss dieselben Hilfen anwenden, die man für alle Arten der Courbetten gegeben hat, denn sobald die Kruppe in der Volte ist und Sie dann die Hilfen wie beschrieben geben, vorausgesetzt Sie treiben das Pferd voran, wird es korrekt und leicht gehen, denn ein Pferd soll immer vorwärts gehen in allen Arten der Manege, was man mit dem inneren Schenkel bewirkt, ihm sehr sanft helfen und nur mit Ihren beiden Beinen das Pferd voran bringen; und ist Ihr inneres Bein nicht schwach, schwächt es oder stärkt es die Kruppe: so muss man beide Beine annähern, um das Pferd vorwärts zu schicken, aber das äußere muss stark genug sein, um das Pferd untergeordnet zu halten; und es außerdem mit dem inneren Bein vorwärts schicken, und falls das innere zu schwach ist, weil ja nur dieses das Pferd vorwärts schicken soll: diese Hilfe kann nur von denen ausgeübt werden, die Meister ihrer Beine sind und wissen, wie.








Epitomy/Abrégé § 3

Über die Sprünge


Bedienen Sie sich hierzu immer des äußeren Zügels; aber man muss hierbei stärker unterstützen, nämlich ihn stet und hoch halten, ohne ihm einen Takt der Hand zu geben, denn das Pferd kann seinen Takt am besten selbst finden, und geben Sie keine Hilfe mit den Beinen, sondern nur mit der Gerte in folgender Manier: Drehen Sie Gerte in Ihrer Hand, das dicke Ende  gegen den Daumen, und die Nägel nach unten [proniert]  und helfen Sie mit der Gertenspitze so nah wie Sie können über dem oberen Ende des Schweifs oder des Schweifriemens, und dieses genau im Takt, damit es ausschlägt, oder gar korrekt mit beiden Hinterbeinen parallel so weit wie möglich nach hinten ausschlägt mit höchster Längsstreckung seines Körpers („noüer l‘eguilette“.)
 Für die Sprünge auf Volten muss man für gewöhnlich den äußeren Zügel benutzen, und dies sehr häufig, man muss auch die Hand außen halten, um das Pferd zu erheben, aber man muss trotzdem zuerst die Hand nach innen führen, was als „arbeiten mit dem äußeren Zügel“ bezeichnet: denn im Endeffekt ist es dies, was die ganze Wirkung erzeugt, und was es dazu bringt, die Kruppe ganz wenig nach außen zu nehmen, um mehr Freiheit zu haben; denn es kann nicht gehen, wenn seine Hüften eingeengt und untergeordnet sind; auch muss man es hierzu auf weiten Volten gehen lassen, so dass es vorwärts geht  mit aller möglichen Freiheit, denn dies ist eine Air, die das Pferd sehr in Zwang bringt.





Epitomy/Abrégé § 4

Die Passaden auf einem Hufschlag



Bedienen Sie sich immer des äußeren Zügels, um die äußere Schulter nach innen zu führen, auch in den Demi-Volten auf nur einem Hufschlag. Dasselbe gilt auch für die Pirouette, aber dabei darf man nicht zu sehr die Hand nach innen führen sondern das Pferd tief in der Vorhand halten.
Zum Galoppieren und zum Handwechsel auch immer den äußeren Zügel.





Epitomy/Abrégé § 5

Für den Terre-a-Terre


Für den Terre-a-Terre arbeitet man den inneren Zügel, denn man muss jetzt die äußere Schulter nach hinten führen, und der inneren Freiheit geben, so dass es in die Volte sehen kann und sich anlehnt an die äußeren Beine, und die inneren in Freiheit lässt, was Sie daran sehen und beurteilen können, ob sein Hals sich nach außen neigt.
Sie müssen wissen, dass der äußere Zügel die äußere Schulter nach innen zurückführt, weil dieser das Pferd nach innen schiebt, und weil er die äußeren  Beine in Freiheit bringt; dies führt die Kruppe ein bisschen nach außen.
Beim Seitwärts [passager] benutzen Sie den äußeren Zügel: denn wird die äußere Schulter nicht nach innen geführt, wie soll es dann ein Bein über das andere nehmen und kreuzen? (Das nennen die Italiener „incavalare“, woraus die Franzosen das Wort „chevaler“ bildeten).
Man muss anmerken, dass alles, was die Kruppe nach außen führt, sowohl im weiten als auch im  engen Gallop die Schultern arbeitet, derart, dass wenn seine Kruppe außen ist, das Bein und die Leine auf einer Seite die Schultern arbeitet, weil das innere Pferdebein raus geht und das ganze Gewicht auf den inneren Beinen liegt, so dass die äußeren sich lockern, weil sie in Freiheit sind und die äußere Schulter sich entkrampft und locker wird. Aber vor allem muss man dafür sorgen, die äußere Schulter nach innen kommen zu lassen, indem man von Zeit zu Zeit den äußeren Zügel benutzt. Diese Art, die Schultern zu arbeiten ist exzellent sowohl für ein junges, wie für ein altes Pferd, für ein unwissendes wie für ein ausgebildetes: denn wenn die Schultern nicht gelockert und frei sind, wird es niemals gut gehen und man erreicht niemals Zufriedenheit. Wenn es aber gelöste Schultern hat, wird es nicht schnell ermüden und es wird die Manege lieben, weil sie ihm Freude und wenig Mühe bereitet. Außerdem verhindert dies ein entier-werden und die „credenza“ zu bekommen; denn wenn es entier ist, ist dies eine Art von störrisch [retif], da es sich weigert, zu wenden; was als die schlechteste Unart gilt, welche  ein Pferd nur haben kann. Diese Unart, entier zu werden wird bei den Italienern „credenza“ genannt.



Epitomy/Abrégé § 6

Um die Kruppe zu arbeiten


Bein und entgegengesetzte Kappzaumleine arbeiten die Kruppe beim Kopf-gegen-die-Wand (vorausgesetzt es ist die innere Kappzaumleine), die angezogen wird.
Kappzaumleine und entgegengesetztes Bein mit einwärts gestellter  Kruppe  arbeiten die Kruppe, denn wenn die innere Kappzaumleine stark über den Hals nach außen gezogen wird, hindert es den Hals sich zu dieser Seite zu neigen, und arbeitet so die Kruppe.
Erheben Sie ein Pferd in Pesaden in der Hand [dans la main] mit der Kruppe einwärts, dann arbeitet dies die Kruppe und hilft, es auf die Hüften zu setzen,  so sehr wie es dazu fähig ist und je nach der Kraft seines Rückens, was alles ist, was man von ihm fordern kann.
Beim Arbeiten der Kruppe muss man die Waden, oder die Fersen,  gelegentlich bei Bedarf dem Pferd annähern, um es im Gehorsam zu erhalten und ihm den Respekt vor den Sporen zu erhalten: denn was man „den Fersen gehorchen“ nennt, bedeutet dass es den einen oder beiden Sporen flieht, ohne dass es dabei nötig ist, die Wade bis zu seinem Fell zu bringen, wobei „den Sporen an das Fell annähern“ keine Strafe ist, sondern eine Hilfe, die man in der Fachsprache „klemmen“ [pincer] nennt: man kann sich dieses Klemmens auch in allen anderen Gelegenheiten bedienen, wenn es nötig ist. Aber für Pferde, die sehr fein auf den Sporn reagieren, ist dieses Klemmen eine sehr große Strafe, weil sie dermaßen sensibel sind auf dieses Klemmen, wie andre auf einen Spornstoß. Diese Art von Pferden können so gehorsam auf die Fersen werden,  dass man ganz entspannt sein muss, und sich auf Ihnen gar nicht verspannen darf, oder gar bei ihnen die Spornspitzen benutzen darf, anstatt sich zu lockern und im Sprunggelenk sehr weich zu werden: für diese ist ein Klemmen ganz sicher eine Strafe. Dies gilt aber nicht für sehr harte Pferde, die sehr träge sind oder nur ungern gehen: hier ist es gut, ihnen beide Sporen zu geben, um sie auf der Carriere anzutreiben, sie durchzuparieren und auch rückwärts zu richten; das bringt sie dazu, den Fersen zu gehorchen, oder mehr oder weniger die Fersen zu fürchten. Denn wenn diese trägen Pferde die guten Waden fühlen und ein straffes Sprunggelenk, fliehen sie mehr dadurch als durch einen Spornstoß: denn sie stoppen beim Spornstoß manchmal bevor sie von der Hand angehen, deshalb soll man ihn nicht zu häufig benutzen, aber gut und fest.
Wenn das äußere Bein durch den inneren Zügel gedrängt wird durch das Nach-außen-Führen der Hand und durch das äußere Bein des Reiters,  wird die Kruppe gearbeitet und das Pferd ist auf den Hüften, so dass der äußere Zügel die Schultern arbeitet, der innere dagegen zusammen mit dem äußeren Reiterbein die Kruppe gehen lässt wie es verlangt wird und das Pferd auf die Hüften bringt: dies um so mehr jedes Mal, wenn Sie es in Pesaden erheben.
Die Vorhand und die Hinterhand arbeiten; die äußeren Beine drängen und die inneren Beine in Freiheit lassen; ihm die inneren Beine im Inneren des Kreises pressen und ihm die äußeren erweitern; Hand und Fersen gehorchen; es auf den Hüften gehen lassen: das ist alles, was man tun kann: was ich geschrieben habe, zeigt und lehrt dies deutlich.
Bevor es nicht locker in den Schultern ist und nicht gut starke Paraden aus Trab und Galopp ausführen kann, oder nicht gut in der Hand ist mit einer steten und lockeren Anlehnung, ist es niemals  gut ausgebildet. Das beste Mittel, um die Schultern zu lockern, ist der Kappzaum, über den ich gesprochen habe: Sie müssen die innere Kappzaumleine gegen Ihr Knie und Ihren inneren Schenkel ziehen: dies bringt seine Schulter von außen nach innen, und der Galopp gibt ihm eine gute Anlehnung. Aber galoppieren Sie niemals, bevor es nicht eine gute Parade im Trab ausführen kann! Ist es aber schon so locker, wird es von sich aus im Trab den Galopp anbieten. Hat das Pferd eine guten Rücken, soll die Parade aus dem Trab fest und unerwartet erfolgen, und in einem Zug;  und falls das Pferd nicht ausreichend reagiert, und im Galopp, mit ein oder zwei Falkaden. Erheben Sie es niemals gleichzeitig mit dem Durchparieren, sondern halten sie es so an, wie ich es erklärt habe und erheben Sie es erst danach, denn eine Erheben ist keine Parade, wie auch immer sich das die Leute einreden lassen, die glauben, eine Parade nur mit der Gerte machen zu sollen, was die falscheste  Art der Welt ist: denn die Parade wird ausgelöst durch beide Waden, mit dem Körper nach hinten, und durch die Hand, die sie beendet. Erst danach wird die Gerte als Zeichen zum Erheben in ein oder zwei Pesaden eingesetzt: so macht man eine Parade!
Man muss dazu anmerken, dass, wenn man die Kappzaumleine gegen sein Knie zieht, man die äußere Schulter nach innen führt, und die Schultern lockert; man drückt es auf der Innenseite zusammen und macht es freier auf der äußeren Seite. Zieht man dagegen die Kappzaumleine kreuzend über den Hals, arbeitet man die Kruppe, das heißt, man bringt die äußere Kruppe nach innen (mit der Kappzaumleine und dem entgegengesetzten Bein), dann lehnt es sich ganz auf seine äußere Seite und das lässt es den Fersen gehorchen und komprimiert es außen und erweitert es innen; parieren Sie es niemals durch, ohne Ihr äußeres Bein anzulegen, sonst kann es nicht auf den Hüften sein.








Epitomy/Abrégé § 7

Sehr wichtige Hinweise, um gut zu reiten


Die Erfahrung lehrt uns, dass das Fundament nicht nur aller Airs, sondern all dessen, was  man in den am besten geregelten Schulen praktiziert, ist: des Trabes, des Galopps, und der ganzen Parade in Innenstellung: Eine leichte und feste Parade, die nach den Regeln ausgeführt wird, kann viel dazu beitragen ein Pferd auf die Hüften zu bringen und ihm die exzellente Anlehnung des braven Pferdes zu verleihen, wenn sie gleich, stet und locker gegeben wird, weil eine gute Parade die Hinterhand während dieser Aktion absenkt. Eine zu plötzliche und schlecht ausgeführte Parade aber hebt und erhöht die Vorhand zu sehr, versteift ihm die Gelenke und zwingt es als Folge, seine Kruppe zurück zu ziehen, auf diese Weise kommt es eher über die Hüften, was unerwünscht ist.
 Damit das Pferd in die Volte blickt (mit dem Kappzaum auf meine Art angewendet), bringt das Ziehen der inneren Kappzaumleine gegen Ihr Knie die äußere Schulter nach innen, und biegt man es dabei extrem in die Volte, lässt dies die äußeren Beine in Freiheit, und es ist durch das Herunterziehen der Nase nach unten gezwungen, eine gute Parade zu machen, die es unter sich bringt. Aber geben Sie acht, dass die äußere Schulter wirklich nach innen kommt: damit lassen sie es gute Paraden gestalten.
Bindet man die innere Kappzaumleine am Sattelknauf fest, bringt man das Pferd nach außen, wenn Ihre äußere Wade es untergeordnet hält; im Gegensatz dazu können Sie es nach innen bringen, wenn Ihr inneres Bein die Kruppe nach außen schiebt, denn es ist unfehlbar, wenn die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist, und Ihr äußeres Bein das Pferd untergeordnet hält (d.h. wenn man die Kruppe nach innen schiebt), dass sich dann das Pferd auf die äußeren Beine stützt und seine inneren frei werden. Wenn  aber Ihr inneres Bein an derselben Seite anliegt, auf der  die Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist, schiebt dies die Kruppe nach außen: die inneren Beine des Pferdes werden eingeengt: d.h. es ist auf den inneren, und die äußeren sind in Freiheit. Deshalb rate ich Ihnen, den inneren Kappzaumzügel sehr tief am Sattelgurt zu befestigen: das komprimiert  es innen und gibt den äußeren Beinen Freiheit, und bringt die Schultern nach innen. Ist der Kappzaumzügel am Sattelgurt befestigt, hat er eine stärkere Wirkung als wenn Sie ihn in der Hand halten, da viele Pferde Ihre Hand zwingen können, aber den Kappzaum nicht, und es so nach unten zu ziehen, bewirkt, dass es sehr gut durchpariert. Manchmal ist es auch gut, rückwärtszurichten, oder es rückwärts zu ziehen, um es auf die Hüften zu setzen, es in die Hand zu bekommen und es zu lockern. Nachdem man es rückwärtsgerichtet hat, muss man es wieder vorwärts gehen lassen.
Für das Seitwärts [passager] gibt es nichts besseres, als die innere Kappzaumleine am Sattelgurt zu befestigen, denn dies bringt die äußere Schulter einwärts, um ein Bein über das andere zu schieben oder zu kreuzen, was man chevaler nennt und die Schultern lockert.

Die Pesade oder Posade ist wunderbar geeignet, das Pferd in die Hand zu bringen und es für alle Arten von Airs vorzubereiten; außerdem setzen die Pesaden das Pferd auf die Hüften, und besonders für die Springer sind sie das Beste: dies alles ausgeführt mit dem inneren Kappzaumseil,  das am Sattelgurt befestigt ist.
Im Trab und Galopp wirkt es beschleunigend, und ist es notwendig, ihm die Fersen anzunähern, was man klemmen mit den Sporen nennt, um es zu veranlassen, zu fliehen und ihnen zu gehorchen; aber man muss stark klemmen, damit es nicht auseinanderfällt und auf den Hüften ist und nicht auf den Schultern; dies bewirkt man, indem Sie es während des Klemmens in der Hand behalten und Sie es bei Bedarf unterstützen.
Der Kappzaum ist das beste Mittel der Welt um Pferde auszubilden,und das nicht nur um ihren Mund gesund zu erhalten, sondern auch um ihnen eine Biegung zu geben, d.h. um sie zu biegen, um durch Anziehen der inneren Kappzaumleine zu erreichen, dass es in die Volte blickt, und all dies, um die Schultern zu lockern, was eine Grundlage für die Manege ist.
Der Kappzaum arbeitet auch die Schultern des Pferdes, mit dem Bein und gleichseitiger Kappzaumleine, und Kruppe außen, als sei es am einfachen Pilaren angebunden; oder gut seitwärts gehend [passager] mit dem Kopf zur Wand mit Bein und entgegengesetzter Kappzaumleine arbeitet die Kruppe, und setzt das Pferd auf die Hüften. Denn dies komprimiert die äußeren Beine und ordnet es der Ferse unter, ohne dass es sich entziehen kann; so sind Bein und entgegengesetzte Kappzaumleine für die Kruppe dieselbe Weise wie oben erwähnt für die Schultern und wenn sie  auf derselben Seite eingesetzt werden: denn dies komprimiert das Pferd innen und erweitert es außen; wenn Sie aber Bein und entgegengesetzte Kappzaumleine einsetzen, gebe ich den Rat, die Kappzaumleine in der Hand zu halten, weil Sie so besser helfen können.
Der Gebrauch des Kappzaums lehrt Sie den Wert und den Nutzen zum Lockern der Schultern  und zum Arbeiten der Kruppe, und alle andere notwendigen Dinge, das Pferd  in den Übungen der Manege zu perfektionieren; sodass ich sagen würde, es wäre besser, ein Pferd ohne Kandare, nur mit dem Kappzaum auszubilden, als mit Kandare ohne Kappzaum, falls sie ihn benutzen wie ich es Ihnen erklärt habe: andernfalls bringt er Ihnen sehr wenig Nutzen.
Weil der Trab und das Durchparieren aus dem Trab das Fundament nicht nur der Airs, sondern auch aller Arten der Manegen ist, wenn sie sehr exakt ausgeführt werden, würde ich sagen, Sie sollten nichts mit Ihrem Pferd machen, bevor es nicht gut aus dem Trab durchparieren kann, denn falls Sie das nicht beachten, können Sie sicher sein, dass Sie Ihr Pferd unwiederbringlich verderben.
 Wollen Sie Ihr Pferd durchparieren, sei es im Trab auf einem großen Kreis auf einem Hufschlag, falls das Pferd wenig Rücken oder Kraft im Rücken hat, versäumen Sie nicht ein wenig die Waden anzunähern, um das Pferd aufmerksam zu machen, dann Ihren Körper vorwärts zu nehmen, und die Zügelhand zu Ihnen zu ziehen, bis zum Ende der Parade, aber anfänglich nicht ganz plötzlich, oder  ganz  in einem Zuge, falls das Pferd nicht schon viel Male eine ganze Parade ausgeführt hat; denn wenn man es in einem Zuge auf die Hinterhand setzt, gibt man ihm Anlass sich zu wehren.  
Beim Ausführen einer ganzen Parade aus dem Trab achten Sie sorgfältig darauf, die innere Kappzaumleine anzuziehen und Ihr äußeres Bein anzulegen, um zu verhindern, dass die Kruppe ausfällt, dies setzt es auf die Hüften; so dass Sie nicht versäumen dürfen, ihm im Moment der Anhaltens mit dem äußeren Bein zu helfen, was es unfehlbar auf die Hüften setzt, welches das wichtigste Ziel unseres Manegetrainings ist. Praktizieren Sie diese ganze Parade häufig, aber mit Maß und Vorsicht, um dem Pferd  nicht viel Anlass zu geben, sich zu wehren: plötzlich und ohne Takt verärgert sie das Pferd: wird sie aber ausgeführt wie ich es sagte, stellt sie den Kopf und beugt die Hüften.












Epitomy/Abrégé § 8

Eine andere Lektion um das Pferd auf die Hüften zu setzen



Um das Pferd auf die Hüften zu setzen, befestigen Sie die innere Kappzaumleine am Sattelgurt und lassen es auf einer Hufspur passagieren [passager], oder im zusammengenommenen Trab gehen, oder im kleinen Galopp und unterstützen es mit beiden Waden gleichermaßen, um es gerade zu halten und zu verhindern, dass es seine Kruppe heraus oder herein bringt, denn sowohl bei dem einen wie dem anderen hat die Lektion keinen Effekt;  bleibt es aber im Trab unter ihnen gleich zwischen Ihren Fersen und bleibt es konstant, dann gibt es nichts besseres, um es auf die Hüften zu bringen. Um ein Pferd im Galopp gut untersetzen zu lassen (außer so, wie es schon erklärte), müssen Sie beide Beine weit nach hinten nehmen, um es dazu zu bewegen, seine Hüften unter den Bauch zu bringen, und gleichzeitig Ihre Hand eine Zeitlang hochnehmen, um die Vorhand in der Luft zu unterstützen,daraufhin zunächst nachgeben, danach wieder für einen Takt unterstützen, und dann  wieder nachgeben, und dauernd so weiter bis man fühlt, dass das Pferd die Hüften beugt und gesetzt galoppiert, ihm die Waden hinten andrückt, es auch klemmt, auch einen Spornstoß anwendet, alles im Takt, und es unter sich bringt und dadurch auf seine Hüften, und es damit auch an die Hilfen bekommt.   





Epitomy/Abrégé § 9

Erklärung der unterschiedlichen Wirkungen einer am Sattelgurt, zu einer am Sattelknauf befestigten Kappzaumleine



Innere Kappzaumleine plus innere Wade arbeiten die äußere Schulter, komprimieren die inneren Beine und lassen die äußeren in Freiheit; diese Lektion lockert deshalb notwendigerweise die äußere Schulter, und praktiziert man sie entsprechend der Regeln und lange Zeit, bekommt man das Pferd in einen Zustand, alles zu tun.  
Sie ist exzellent, um ein Pferd sowohl weit als auch eng auf einem Hufschlag zu traben und zu galoppieren, ohne die Kruppe heraus oder herein zu bringen, weil sie den ganzen Körper des Pferdes lockert. Schiebt man aber den Brustkorb und die Kruppe mit seinem inneren Bein nach außen, bringt das die äußere Schulter mehr einwärts, und lockert diese deshalb extrem.
Sie ist exzellent für das Seitwärts [passager] mit der Kruppe einwärts, um die Vorderbeine übertreten zu lassen, weil die äußere Schulter einwärts kommt; bringt man allerdings die Kruppe zu stark nach innen und geht dann nicht mehr die Hälfte der Schultern vor der Kruppe, wird es dem Pferd unmöglich, weiterzugehen: denn wenn die innere Kappzaumleine am Sattelgurt befestigt ist, wird die äußere Schulter gearbeitet und nach innen gebracht, und bringt man dann die Kruppe ganz nach innen, kommt die äußere Schulter nach hinten, was gegen die Regeln ist, und als Folge wird es unmöglich für das Pferd, weiterzugehen, da es nicht zwei gegensätzliche Aktionen gleichzeitig ausführen kann.
Dieselbe am Gurt befestigte Kappzaumleine zusammen mit dem gleichseitigen Reiterbein schieben die Kruppe nach außen und tragen unendlich viel dazu bei die Schultern zu lockern, was schon sehr häufig erwähnt wurde, und gar nicht zu häufig erwähnt werden kann. (Einige Miesepeter klagen ja, diese Ausgabe sei voll von Wiederholungen, und dass sie das ermüde: ihnen sage ich wirklich: würden sie doch nur mein Alter berücksichtigen, denn man weiß ja, dass die Alten aus Erfahrung sehr leicht in diesen Fehler verfallen, denn wenn sie eine Weise als gut erkannt haben, wiederholen sie diese unaufhörlich: ich halte diese Lektionen für dermaßen gut und nützlich für diejenigen, die sie wertschätzen können, dass ich glaube, sie nicht zu häufig zu wiederholen).
Die am Gurt befestigte innere Kappzaumleine  ist exzellent und sehr geeignet für die Courbetten, weil sie die äußere Schulter nach innen bringt, und dadurch der Kruppe ein wenig Freiheit verschafft, was das Pferd besser gehen lässt.
Wenn die Schultern in all diesen Lektion nicht genug nach innen kommen, muss man ein wenig die Hand mit den Kandarenzügeln über der äußeren Schulter drehen, was den äußeren Zügel agieren lässt und sie nach innen führt.
Diese Art die Schultern zu arbeiten, macht alle Pferde leicht, locker und gelehrig, und bewirkt, dass sie alles, was man von ihnen verlangt mühelos ausführen, was die Gelöstheit produziert: Diese Pferde, weit entfernt davon, sich zu wehren, werden immer mehr und besser, im Gegensatz zu denen, die an den Pilaren, den Leinen/Longen und den langen Peitschen immer schlechter ausgebildet werden.
Diese Art, die innere Kappzaumleine am Sattelgurt zu befestigen, erzeugt eine schräge Linie in der Volte, und arbeitet dadurch die äußere Schulter.
Auf Volten erzeugt die am Sattelknauf befestigte innere Kappzaumleine keine so schräge Linie, weil sie den Hals des Pferdes überquert: so wird die äußere Schulter nach hinten gebracht,
 und die innere Schulter nach vorn. Sie komprimiert die äußere Seite und verschafft den inneren Beinen Freiheit, deshalb ist sie sehr geeignet für den Terre-a-Terre: dies hat nie jemand vor mir praktiziert. Für Courbetten aber ist dies nicht geeignet, weil es die Kruppe zu stark in Zwang bringt, sowohl wenn Leine und gegensätzliches Bein arbeiten, aber auch wenn Bein und Leine an derselben Seite (mit der Kruppe auswärts) einwirken, und ebenfalls im Seitwärts [passager], sei es nur mit der Kruppe einwärts, oder in der Länge des Pferdes (bzw. eigentlich ja etwas größer) mit all seinen verschiedenen Lektionen.
Aber diese schräge, den Mähnenkamm bis zum Sattelknauf überquerende Linie hat nicht einen so großen Effekt als wenn ich sie bis zu meiner äußeren Hüfte ziehe, da dann die Linie viel länger wird, als wenn sie am Knauf angebunden ist.
 Geht das Pferd mit dem Kopf zur Wand: wenn Sie dabei die Schultern arbeiten wollen, ziehen sie den inneren Kappzaumzügel zu Ihrem Knie; wollen Sie dagegen die Kruppe arbeiten, ziehen sie ihn zu Ihrer äußeren Hüfte.
Es wird zweifellos auch gelockert und arbeitet seine Schultern, wenn die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt ist beim Trab oder Galopp auf weiten Kreisen, denn wenn die Kruppe außen ist, kommt die äußere Schulter nach innen, und wird so gelockert.
Wollen Sie nach diesen Regeln arbeiten und alle Lektionen benutzen, müssen Sie lernen zu erkennen, wo der Fehler beim jeweiligen Pferd liegt, und sicher sein, ob dieser in den Schultern oder in der Kruppe lokalisiert ist; wenn Sie das wissen, ist es unfehlbar, dass Sie alle Pferde, die Sie in die Hände bekommen, verbessern bei dem, wozu sie fähig sind. Wenn Sie aber den Fehler des Pferdes nicht erkennen können, und deshalb die falschen Mittel anwenden, ist das nicht meine Schuld; denn Sie nähmen dann  zwar die Anweisungen, die gut sind, können Sie aber nicht dort  anwenden, wo sie nötig wären. Allerdings liegt der Fehler fast immer in den Schultern und ohne es auf zwei Hufschläge zu bringen, können Sie nicht erkennen, ob die Schultern locker genug sind. Denn auch wenn Sie sie für locker genug halten, um es weit und eng traben und galoppieren zu lassen, kann dasselbe Pferd beim Seitwärts [promener] auf den Volten, wenn sie es dazu treiben wollen, in seiner Air eine halbe Volte oder mehr zu machen, es sich weigert und nicht weitergehen kann; was nicht passiert, wenn Sie seine nicht ausreichend lockere Schulter genügend gelöst haben, und dies danach dadurch erkennen, dass es die Volte leicht und ohne Mühe nimmt, was es zuvor nicht konnte. Wer nicht nach meiner Methode arbeitet, nimmt eine lange Leine an den Nasenriemen, und mit einer langen Peitsche um einen Pilaren herum, schlägt und ermattet das arme Pferd und will erreichen, dass es etwas macht, was es nicht kann, und wenn man sieht, dass alles nutzlos ist, und das Pferd es nicht macht, sagt man: das Pferd hat steife Schultern, und kann nicht arbeiten und lehnen es so ab. Oder lehren es mechanische Courbetten zu machen, ich nenne das mechanisch, wenn ein Pferd keine guten machen kann, weil es nicht gut im Terre-a-Terre gegangen ist, bevor man es die Courbetten lehrte. So schulen diese Messieurs nur Pferde, die von Natur aus lockere Schultern haben; meine Methode aber schult ausnahmslos alle. Denn die, die steife und eisenharte Schultern haben, bekommen mit der Zeit so lockere, dass sie so gut arbeiten, wie sie dazu fähig sind im Rahmen ihrer natürlichen Kräfte.
Für Courbetten geradeaus muss man mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, dabei die Hand nicht immer innerhalb des Pferdehalses, sondern bei Bedarf gerade darüber halten, den kleinen Finger nach oben gedreht um den äußeren Kandarenzügel beim Drehen der Hand zu unterstützen, und danach wieder an seinen Platz zurückführen; und man kann dazu ein wenig mehr als normal die Hand nach vorne führen, um es in seiner Air zu unterstützen, so dass die Kinnkette arbeitet und das Pferd um die Unbequemlichkeit der Kinnketteneinwirkung zu vermeiden, gezwungen ist, sich auf die Hüften zu setzen, was ja alle Welt möchte, oder anstreben sollte.
Zu welcher Seite die Unterbäume auch gehen: das Mundstück geht immer in die entgegengesetzte Richtung, Wenn Sie die Kandarenzügel anziehen, werden die Unterbäume nach oben gezogen, und der Mund und die Nase senken sich ab: dies hilft mit, das Pferd auf die Hüften zu setzen, denn kein Pferd kann gut gesetzt werden, wenn es lange Zeit die Nase vorn hat und wenn die Stirn nicht senkrecht steht. Dies also ist die richtige Methode für Courbetten und für alle Airs, welche es auch seien; man muss immer mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, wenn es erforderlich ist, ohne dabei jemals den Takt mit der Hand anzugeben, sondern es nur unterstützen falls nötig, denn das Pferd findet seinen Takt besser selbst, als sie ihn angeben könnten. In Courbetten rückwärts aber muss man bei jedem Takt helfen: mit dem äußeren Zügel, den Körper ein wenig nach vorn und die Schenkel genauso wenig nach hinten nehmen, und mit leichter Körperhaltung, ohne Steifigkeit.
In Courbetten auf Volten auf einem Hufschlag bedienen Sie sich des äußeren Kandarenzügels und
in allen Arten, wie ich Ihnen oben demonstriert habe, die nur das Pferd vorwärts gehen lassen, und es sich wenig wendet, was man auf allen Kreisen oder Zirkeln anwenden sollte, außer in der Pirouette; und allgemein gesprochen, dürfen Sie nicht sehr mit den Beinen helfen; wenn Sie sie aber  einsetzen, muss das äußere Bein ein wenig näher am Pferd sein; so entsteht die letzte Perfektion aller Airs, wie sie nur möglich ist.










Epitomy/Abrégé § 10


Exzellente Bemerkungen über die Kunst, ein Pferd zu reiten



Wenn das Pferd die Schultern nicht genug biegt (was ja überhaupt das erste sein sollte), befestigen Sie die innere Kappzaumleine so am Sattelgurt, wie ich es Ihnen erklärt habe, und so kurz wie möglich: man darf es dann allerdings nur auf großen Kreisen oder weiten Zirkeln oder aber sehr engen arbeiten, die Kruppe außen, lockert ihm dies zweifelsohne die Schultern; diese Lektion verfehlt niemals das Gelingen, wenn sie gut ausgeführt wird, und bildet die Grundlage für alle alle höheren, wie ich schon erklärt habe; aber wenn Sie nicht ausreichend üben und sie keine Zufriedenheit finden, üben Sie sie noch häufiger als ich dies wiederholt habe!



Um diese Lektion, die die Schultern lockert, gut zu verstehen, sehen Sie sich die Skizze C an



La croupe dehors a droit = die Kruppe auswärts auf der rechten Hand
galop d‘une piste = Galopp auf einem Hufschlag
la teste dedans a gauche = den Kopf einwärts auf der linken Hand
la teste dedans , la croupe dehors = den Kopf einwärts und die Kruppe auswärts

Sie sehen vier Hufeisen bei D. Diese Eisen zeigen, wie die Füße eines Pferdes gehen sollen, wenn es mit dem Kopf innen und der Kruppe außen geht: die Kruppe außen, um die Schultern zu lockern,
und geht das Pferd auf der rechten Hand, sind die Vorderfüße 1. und 2., die Hinterfüße 3. und 4. erkennt man, dass die Vorderfüße einen kleineren Kreis gehen als die hinteren. Und dies ist der Beginn der Lockerung: denn wenn Sie dagegen die mit E markierte Stelle ansehen, wo das Pferd auf der rechten Hand geht, folgen die Hinterfüße den vorderen auf derselben Spur, dies tun sie in D dagegen nicht, sondern machen einen deutlich größeren, wie er sein muss um die Schultern zu lockern. Aber das ist nicht genug; obendrein muss die äußere Schulter des Pferdes in Freiheit sein, und das ganze Gewicht des Pferdes auf dem inneren Bein, und dazu bringt man mit dem äußeren Zügel, d.h. durch häufiges Nach-innen-Führen der Hand, die äußere Schulter einwärts: ohne dies wird sich die Schulter niemals lockern und man wird vergeblich arbeiten.
Für das Arbeiten mit dem Kopf einwärts und der Kruppe auswärts führen Sie also die äußere Schulter nach innen; dieses geht nur, wenn das innere Hinterbein sich beim Traben und im Galopp dem äußeren annähert wie man bei H sehen kann, wo die Vorderfüße 1. und 2. einen kleineren Kreis gehen als die hinteren 3. und 4. Aber das allein reicht nicht aus: so muss, z.B. auf der rechten Hand, Ihre rechte Wade zusammen mit dem äußeren Zügel und der inneren Kappzaumleine, die rechts befestigt ist, das innere Hinterbein 3. näher an den Kreis schieben, den das äußere Hinternbein 4. geht: dies bringt sicher die äußere Schulter nach innen und lockert sie, wie Sie es bei H erkennen können, wo die Füße so auf den Boden gesetzt werden, wie  sie es beim Arbeiten in dieser Lektion tun sollen; vorher aber muss das Pferd viel Training in der Lektion „Kopf einwärts und Kruppe auswärts“ wie bei D erhalten haben, um die letztgenannte Lektion H ausführen zu können.
Aber ihm die Kruppe nach innen zu führen, mit kurz angebundener innerer Kappzaumleine, und gleichzeitig so stark gebogen, ist derart gegen die Natur und eine so stark zwingende und forcierte Weise, dass es ihm völlig unmöglich wird weiter zu gehen; und wenn Sie dann, um es sich so leicht zu machen wie möglich, und sie glauben, die Schultern zu lockern, indem Sie sie nach innen führen, bringt das Pferd sie nach hinten und Sie arbeiten die Schultern innen im Seitwärts [passager] gegen Ihren Willen, denn das Pferd sieht keinen anderen Weg, sich zu befreien, als seine äußere Schulter nach hinten zu bringen, worauf sich der ganze Körper des Pferdes stützt; stattdessen muss beim Seitwärts gehen [passageant] die äußere Schulter vorn und in Freiheit gehen, um über die andere kreuzen zu können, und deshalb täuschen sich ganz klar die Pferdemenschen, die nicht nur gegen ihre gute Absicht, sondern auch gegen die Natur an arbeiten.
Wenn Sie aber im kleinen Galopp die Schultern arbeiten und die Kruppe nach innen führen wollen, müssen Sie die innere Kappzaumleine in die Hand nehmen und sie gegen Ihr Knie ziehen und mit Ihrem äußeren Bein helfen; dies erzeugt keinen so großen Zwang und Kraft wie die andere Art,
und lässt trotzdem die äußere Schulter sehr leicht nach innen kommen,und verleiht der Kruppe ein wenig Freiheit, weil sie nicht so stark innen ist. So ist dies sehr geeignet im kleinen Galopp mit der Kruppe einwärts, und im Seitwärts [passager]; aber besonders im kleinen Galopp mit der Kruppe einwärts, und vor allem im Terre-a-Terre. Alle anderen Arten der Schulung sind reine Routinen. Bis heute gibt es nur meine Lektionen, die man eine Methode zur Ausbildung im Terre-a-Terre nennen kann, und ich bewundere und staune über die Reitmeister, die vor mir nicht wenige sehr gute  und leichte Lektionen hatten, und ich muss auch sagen, einzigartige, um ein Pferd gut arbeiten zu können und es in der größten Perfektion gehen zu lassen, derer es fähig ist. Denn mit der inneren Kappzaumleine am Sattelknauf befestigt und der Kruppe einwärts wird die äußere Schulter nach hinten geführt und die innere nach vorn. Die innere Kappzaumleine gegen Ihr Knie dagegen, wenn das Pferd auf einem Hufschlag geht, bringt die äußere Schulter nach innen und hält die innere Schulter zurück. Dies also ist der wahre Unterschied zwischen dem kleinen Galopp und dem Terre-a-Terre  auf großen Kreisen: Sie müssen dies alles auseinanderhalten können und sich einprägen, denn dies ist die beste Art der Welt, eine sehr scharfsinnige Tatsache.







Abrégé § 15

Das Seitwärts [passager] oder Promenieren [promener] im Schulschritt auf den Volten


Die Aktion des Seitwärts [passager] ist weder so emsig noch so heftig wie der Trab, aber sehr viel stärker als der Schritt: diese Lektion ist ungemein gut geeignet, um dem Pferd das Verständnis für die Reiterhand zu vermitteln und es zu lehren, die Balance zwischen den beiden Reiterfersen einzuhalten. Denn sie ist nicht grob und bringt es weder in Wut noch in die Flucht.
Hat man sein Pferd locker in den Schultern und danach gehorsam auf Hand und Fersen gemacht, promeniert man es im Seitwärts [passage], und muss dabei immer beachten, dass die Hälfte der Schultern der Kruppe vorausgeht, wie man auf der Skizze B sehen kann  [das Seitwärts/die Passage im Schritt ist sehr schwer als Skizze darstellbar,  wohl deshalb wählte Solleysel für die Darstellung der korrekten Abstellung (80-85°) eine Skizze des Seitwärts im Terre-a-Terre, je für die linke Hand und eine für die rechte Hand (die Abstellung im Schritt-Seitwärts wäre dieselbe, dabei geht das Pferd allerdings nur auf zwei Hufspuren, auf der einen mit den Vorder-, auf der anderen mit den Hinterfüßen; sowie eine falsche, da fehlende Abstellung: " Les espaules demeurent". Besser kann man es hier  sehen:  https://www.schimmerwald.de/page30.html    beim Update vom 4.10.2020;  DA]




[ Achtung: Diese Skizze ist für das Seitwärts nur richtig den Grad der Abstellung betreffend: ca.80-85°, bzw. dass „die Hälfte der Schultern vor der Kruppe geht“! Sie zeigt aber den Terre-a-Terre:  denn im Seitwärts geht das Pferd nur auf zwei Kreisen: den einen ziehen die Vorderfüße, den anderen die Hinterfüße!]


Auf der rechten Hand (die beiden Vorderbeine mit 1. und 2. bezeichnet) geht der innere Vorderfuß (1.) um die Hälfte der Körperbreite des Pferdes weiter vor auf der Kreislinie als der innere Hinterfuß (markiert mit 3.). Die punktierte Linie, die zum Zentrum des Kreises zieht, verdeutlicht dies: denn das innere Vorderbein (1,) ist vor dieser Linie, und das innere Hinterbein (3.) hinter ihr. Geht es in dieser Weise, dann geht es korrekt und kreuzt gut seine Vorderbeine.
Wenn es korrekt seitwärts geht [passege], kann man es mit der Zeit alles machen lassen, wozu seine Kräfte es befähigen.
Um es gut seitwärts gehen zu lassen [passager] muss die innere Kappzaumleine am Sattelgurt befestigt sein oder mit der Hand bis zum Reiterknie gezogen werden; so  arbeitet man die äußere Schulter des Pferdes. Diese Aktion ist sehr gut geeignet beim Seitwärts [passager], um es die äußeren Beine über seine inneren kreuzen zu lassen, und damit es dies noch besser tut, muss man ihm mit dem äußeren Kandarenzügel helfen, was man mit dem Wenden der Zügelhand nach innen erreicht, worauf man sie wieder an ihren normale Stelle zurückführt; danach wendet man sie wieder je nach Bedarf oder nimmt sie gerade hoch zurück. Aber das Wichtigste und Notwendigste bei dieser Lektion ist es, die Hand nach innen zu führen, um es bei jedem zweiten Takt das äußere Bein über das innere kreuzen zu lassen.













Epitomy/Abrégé § 18

Terre-a-Terre


Man muss sich des inneren Zügels und des äußeren Beines bedienen, wenn Sie den inneren Zügel bei geteilter Zügelführung gegen ihre äußere Seite ziehen, komprimiert dies das Pferd auf der äußeren Seite, bringt es auf die äußere Hüfte, und führt dazu, dass es sich auf die äußere Seite stützt, und weil es in den Kreis sieht, lässt dies es in Freiheit auf seiner inneren Seite das Vorderbein, das im Kreis ist führt, und das Hinterbein auf derselben Seit folgt ihm, aber das äußere ist zusammengenommen und trägt das ganze Gewicht des Pferdes.
Dieses Mittel führt die innere Schulter nach vorn, durch ihre nach außen geführte Zügelhand, und die äußere wird nach hinten geführt. Man muss das Pferd fest mit seinem Sitz unterstützen, dann zunächst mit der Hand nachgeben, danach die Hand nach außen führen. Und so wie der innere Zügel sich verkürzt durch die Zügelhand auf der äußeren Seite des Mähnenkamms, müssen Sie ungezwungen  geradeaus vor sich blicken, denn wenn sie zwischen beiden Ohren hindurch blicken, (wie man es gewöhnlich in Frankreich tut) wenn Ihr Pferd den Kopf extrem innen hält, verursacht das eine schlechte Anmut. Sie stützen sich ein wenig mehr auf den äußeren Steigbügel als auf den inneren, und drehen Ihre äußere Schulter nach vorn, was dem Pferd die Kruppe unterordnet, in der Weise, dass dies ihm erschwert, sie zu sehr nach innen zu führen: weil Sie sich sich auf die äußere Seite des Pferdes stützen,kann die Kruppe nicht vor die Schulter kommen. So ist es quasi gezwungen, Terre-a-Terre zu gehen , trotzdem es hatte und hat gehen  pa, ta, pa, ta, was ein Zweitakt ist, und  vor mir noch nie jemand geschrieben hat, obwohl  ich nicht zweifle, dass viele das genauso erfasst haben.
Sie müssen aber daran denken, falls Sie die innere Kappzaumleine am Sattelknauf befestigen, dass dies seine Kruppe arbeitet, es auf die äußere Hüfte bringt, und es den Fersen gehorchen lässt; aber nicht mit einer so großen Macht, als wenn Sie die innere Kappzaumleine zu Ihrer äußeren Seite ziehen weil die Linie zum Sattelknauf kürzer ist und deshalb nicht so eine große Kraft hat. Drängt aber das Pferd so stark voran, dass man Mühe hat, es zurück zu halten, muss man die innere Kappzaumleine am Sattelknauf festbinden, was es zurückhält und etwas ausgeglichener macht,und wenn es dadurch nicht ausreichend beruhigt wird, reitet an es zunächst in Schritt oder Trab mit dem Kopf herein und der Kruppe heraus: dieses beruhigt ein Pferd sehr und verhindert sehr die Unruhe.














Epitomy/Abrégé § 23

Weitere Folge zur vorhergegangen Wiederholung der Schulung des Pferdes:




Schon tausendfach habe ich alle Lektionen zum Erreichen des Zieles erteilt und beschrieben :
Aber um diese Materie noch einmal klarer zu machen, trotz der  Klagen über meine häufigen Wiederholungen, möchte ich noch einmal sagen: Ziehen Sie die Kappzaumleine stark in Richtung  Ihres Knies abwärts, damit die äußere Schulter des Pferdes nach innen kommt, welches die ganze Schwierigkeit beim Lösen der Schultern ist: in der Weise, dass Sie die innere Wade einsetzen und es Pferd biegen wie einen Kreis beim Arbeiten in dieser Art auf einem großen Zirkel, und von Zeit zu Zeit auf engen, Sie ihm sicher die Schultern lockern, aber nur wenn Sie sich nicht zu sehr ermüden mit dieser Lektion;  denn man soll sich niemals ermatten und sie zu häufig wiederholen über ganze Vormittage, was ich hier nochmals wiederhole. Wie auch immer man sich manchmal des inneren Zügels bedient, muss man umso häufiger die Hand nach innen führen, das heißt, sich des äußeren Zügels bedienen, um die äußere Schulter nach innen kommen zu lassen: denn ist sie nicht dort, erbringt Ihre Arbeit wenig Wirkung, und Sie lockern niemals die Schulter. Die Mittel dazu haben ich Ihnen gegeben: der Einsatz der inneren Wade beim Hereinführen der Hand nach innen, außer, wenn das Pferd sich gerade in der Vorhand zu sehr einengt, oder wenn es gegen den inneren Schenkel geht: bei diesen Gelegenheiten muss man sich des inneren Zügels bedienen, d.h. die Hand nach außen führen und dazu nachgeben, danach aber die Hand wieder nach innen führen, also sich des äußeren Zügels bedienen.
  Beim Seitwärts [passager] darf die Kruppe nicht mehr als Nr. 2, oder gar weiter, innen sein, denn wenn sie zu sehr in Zwang ist, führt dies die äußere Schulter heraus, was falsch ist und das Pferd aus der Volte blicken lässt, wie auch immer Sie den Zügel in einer Weise ziehen, die Ihnen gefällt, so dass es eine gefährliche Art ist, die Kruppe zu sehr nach innen zu bringen, wenn Sie die äußere Schulter arbeiten wollen. Hält man aber weniger als die halbe Kruppe innen, bekommen Sie das Pferd locker und sehr frei, um alles zu tun, was Sie von ihm möchten und mit diesem Mittel wird es bereit sein, leicht zu arbeiten und immer gut zu gehen.

 Sehen Sie hier die Skizze B  [das Seitwärts/die Passage im Schritt ist sehr schwer als Skizze darstellbar,  wohl deshalb wählte Solleysel für die Darstellung der korrekten Abstellung (80-85°) eine Skizze des Seitwärts im Terre-a-Terre, je für die linke Hand und eine für die rechte Hand (die Abstellung im Schritt-Seitwärts wäre dieselbe, dabei geht das Pferd allerdings nur auf zwei Hufspuren, auf der einen mit den Vorder-, auf der anderen mit den Hinterfüßen; sowie eine falsche, da fehlende Abstellung: " Les espaules demeurent". Besser kann man es hier  sehen:  https://www.schimmerwald.de/page30.html    beim Update vom 4.10.2020;  DA]





[ Achtung: Diese Skizze zeigt einen Terre-a-Terre, für das Seitwärts aber ist nur der Grad der Abstellung von ca.80-85°, bzw. dass „die Hälfte der Schultern vor der Kruppe geht“ richtig demonstriert!  Im Seitwärts dagegen geht das Pferd nur auf zwei Kreisen: den einen ziehen die Vorderfüße, den anderen die Hinterfüße!]

Auf Volten auf der rechten Hand geht das Vorderbein, das mit 1 bezeichnet ist, im Kreis weiter vor als das innere Hinterbein (bezeichnet mit 3). Die gepunkteten Linien, die zum Zentrum gehen,  zeigen für die rechte wie für die linke Hand, dass die Hälfte der Schultern vor der Kruppe geht. Dies erkannt man ganz deutlich im Vergleich zu der Stelle „Les Espaules demeurent“, wo die Schultern zurückbleiben: dort sind die Vorderbeine 1 und 2 genauso nahe der Linie, die zum Zentrum geht, wie die Hinterfüße 3 und 4, was falsch ist und gegen die Ordnung.

Im erhöhten Terre-a-Terre [terre à terre relevé] ist der Takt eins, zwei, pa ta, er wird ausgelöst mit dem inneren Zügel, den Sie gegen Ihre äußere Hüfte ziehen, und mit Ihrem äußeren Bein, und  versäumen Sie nicht, ihm die Kruppe sehr in Zwang zu halten: dies muss man, damit es gut geht, und damit die Hinterhand eingeengt ist und die Vorhand erweitert.

Der stramme oder entschlossene Terre-a-Terre ist eine völlig andere Art: denn das Pferd geht hierbei, als renne  es eine Carriere auf dem Zirkel, man darf es allerdings nicht so stark rennen lassen auf einer Volte seiner Länge, sondern nur auf einer großen, weiten Volte, die für einen derart entschlossenen ungefähr 25 oder 30 Schritte im Durchmesser haben müssen, welches die richtige Weite dieser Terre-a-Terre-Volten ist: denn der Rennkurs ist nichts anderes als eine Galoppaktion, hierbei man muss sich gelegentlich des äußeren Zügels bedienen, und gelegentlich des inneren, und des äußeren Schenkels um das Pferd in der Hinterhand  zu verengen. Bei Pferden, die die die Volten mit einer derart starken Geschwindigkeit gehen, benutzt man wenig die Hand um die großen Takte zu machen, sondern dreht nur leicht die Hand nach innen; man führt die Hand nach außen, oder hält sie dort, wenn die Schulter zu schnell wird, und der Reiter muss eine große Genauigkeit  besitzen, um Hand und Ferse gut abstimmen zu können; nur wenige Pferde sind fähig, die Volten in vollem Lauf auszuführen. Diese Air ist schön und entschlossen, aber sie verbraucht die Pferde sehr.

 Nichts ist vernünftiger, und nichts kann es besser erhalten in diesem Metier als jedes Mal, wenn das Pferd Terre-a-Terre geht, oder wenn man es auf Demi-Volten seiner Länge an den Enden der Passade gehen lässt, oder wenn man es passegiert [passage], damit es dabei in der Hinterhand verengt und gleichzeitig in der Vorhand  erweitert wird, und dann beim Erweitern der Hinterhand es eingeengt wird in der Vorhand.

Damit ein Pferd sehr untergeordnet geht wenn es sich von der Hand lösen will, soll man dies auf einem Karreé anstatt eines Kreises ausführen, was die Kruppe extrem unterordnet, aber nicht geeignet ist für Pferde, die sich akkülieren [entabler].

In Courbetten auf einem Kreis ist es gegen die Ordnung, mit dem inneren Zügel zu helfen, weil das Pferd nicht wenden kann; aber Courbetten auf einem Hufschlag dagegen werden besser mit dem inneren Zügel und dem äußeren Schenkel, dadurch geht das Pferd bei jedem Mal ein wenig vorwärts; deshalb ist das Karreé exzellent für die Courbetten auf einem Hufschlag; allerdings ist es falsch, auf dem Karreé sich des inneren Zügels zu bedienen, um es durch die Ecken zu führen: man muss den äußeren Zügel benutzen, um die Ecken abzurunden und die nächste gerade Linie zu erreichen.

Die Pesaden [heute Levaden] die man produziert durch Erheben des Pferdes und Erhalten, d.h. in der Luft halten, wenn es erhoben ist, sind das Fundament aller Arten der Airs, und wenn man es in Courbetten bringt, muss man die äußeren Zügel benutzen und den inneren Schenkel, damit sie auf einem Hufschlag bleiben. Man lässt es drei oder vier Courbetten auf einer Stelle ausführen und  dann einige Schritte gehen, bringt es dann wieder in die Courbetten wie zuvor: so bringt man ihm in kurzer Zeit bei, eine Tour in Courbetten zu machen.
Ist das Pferd so perfekt, muss man mit dem äußeren Zügel und äußeren Schenkel helfen, es unterstützen und immer ein wenig vorangehen, als würde es sich gar nicht wenden und das ist ein perfektes Gehen in Courbetten.




Epitomy/Abrégé § 24

Die Zügelhand



In Courbetten auf der rechten Hand muss man unterstützen, und den kleinen Finger der Zügelhand  hoch halten, was den äußeren Zügel betätigt und bewirkt, dass das Pferd aufmerksam wird für die Courbetten damit sie gut werden.
In Courbetten auf der linken Hand soll der Kandarenzügel an der Innenseite des Halses anliegen, und der kleine Finger nach unten gedreht, was den äußeren Zügel anzieht, man muss ebenfalls das Pferd in der Luft erhalten durch Heben der Zügelhand von Takt zu Takt.
Im Terre-a-Terre auf der rechten Hand mit geteilter Zügelführung muss man den inneren Zügel mit der rechten Hand bis zu seiner äußeren Hüfte ziehen und den kleinen Finger anheben, um den inneren Zügel anzuziehen und zu halten.
Im Terre-a-Terre auf der linken Hand mit geteilten Zügeln muss man den inneren Zügel mit der linken Hand bis zu seiner äußeren Hüfte ziehen, den kleinen Finger anheben und dort halten, was den inneren Zügel anzieht, dabei den äußeren Schenkel nach am Pferd halten.
Durch all das was ich Ihnen erklärt habe, ist leicht zu erkennen dass man sich des äußeren Zügels bedient in Courbetten, aber im Gegenstaz dazu im Terre-a-Terre des inneren, anders kann man es nicht machen.
In Croupaden, Balotaden und in Kapriolen benutzt man den äußeren Zügel, um der Kruppe Freiheit zu verschaffen, denn sonst kann das Pferd nicht springen, bei Bedarf mit dem inneren Schenkel helfend, dies ebenfalls, um der Kruppe mehr Freiheit zu verschaffen.