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Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald



Das Werk La Broues „Le cavalerice francois“ (Titel ab der zweiten Auflage 1602) erschien erstmals unter einem anderen Titel 1594 in La Rochelle und stellt in drei Bänden das damalige Wissen der besten Reiter Frankreichs dar, welches bis dahin nur mündlich überliefert wurde. Es lieferte die Schnittstelle zwischen der neapolitanischen/italienisch-spanischen und der französichen/mitteleuropäischen Reitkunst.

(bekannte Auflagen in 1602, 1608, 1610, 1612, 1613, 1617, 1620, 1628, 1646)

Er bezieht sich darin oft auf den angesehensten Reitmeister des italienischen Zentrums der akademischen Reitkunst, Gianbattista Pignatelli,dessen Schüler er in Neapel gewesen war, und auf die "großen französischen Reiter vor meiner Zeit" (von allen wurden keine schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen).

Sein guter Schreibstil, die sehr gut verständliche Abhandlung in aufeinander aufbauenden Kapiteln und die umfangreichen Zeichnungen zur Erklärung der Reitübungen waren ein enormer Fortschritt auf diesem Gebiet und ermöglichten von nun an sehr viel mehr Reitern, ein gutes Verständnis der Hohen Schule zu entwickeln.

Sein Werk beeinflusste viele der auf ihn folgenden großen Reitliteraten: F.R. de la Gueriniere schreibt:„.. sind unter der beträchtlichen Anzahl Schriftsteller nur zwei, deren Werke wahren Werth haben, und diese sind: de la Broue und der Herzog von Newcastle. De la Broue lebte unter der Regierung Heinrich des Vierten. Sein herausgegebenes Werk ist in Folio und enthält die Regeln seines Lehrers des Johann Baptist Pignatel, der als Lehrer der Reitkunst bei der Reitschule Neapel stand, und dessen Reitbahn in so großem Ruf stand, daß man sie als die vornehmste in der ganzen Welt ansahe. Alle, von dem französischen = und deutschen Adel, die sich in der Reitkunst vervollkommnen wollten, waren genöthigt, bei diesem berühmten Lehrer Unterricht zu nehmen.

Der Herzog von Newcastle sagte: de la Broue hätte seinen Unterricht zu einem so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, daß man in dieser Kunst höchst erfahren seyn müsse, um ihn in Ausübung bringen zu können. Ob gleich dieses Lob etwas kritisch ist, so beweist es gleich wohl die Vortrefflichkeit dieses Schriftstellers“ (aus der deutschen Übersetzung der „Ecole de cavalerie“, 1733, durch Daniel Knöll, 1791). 

 

Ironischerweise ist dieses Zitat,das Guerinieres Wertschätzung untermauern soll, gar nicht von Newcastle/Cavendish, der in seinem ersten, französischen Buch de la Broue gar nicht erwähnt, aber über ihn in seinem zweiten, englischen Buch abwertend schreibt, Broue habe im ersten Band nur Grisone wiederholt und im zweiten Band nur die Ausbildungsmethoden Pignatellis aufgeschrieben („stolen from Signior Pignatell's lessons“). Diese Worte bedeuten allerdings indirekt eine hohe Wertschätzung der aufgeführten Methoden, da auch Cavendish Pignatelli als einen großen Meister ansieht: „ But the most Famous man that ever was in Italy was at Naples, a Neapolitan, call'd Signior Pignatel; but he never Writ: Monsieur La Broue Rid under him five years... „(William Cavendish, „A New Method... to dress horses...“,(London, 1667, Tho. Milbourn(S.3).).

Gueriniere hingegen kannte anscheinend nur die Übersetzung des zweiten, englischen Buches ins Deutsche und Französische von Soleysel von 1700, in dem lobend über de la Broue gesprochen wird, und bezieht sich wohl auf den Satz:  "Es finden sich darin[im Cavalerice] schöne Lehren für die, so es begreifen können".


 

Dass der „Cavalerice“ nie in eine andere Sprache übersetzt wurde, war zu seiner Zeit kein großes Problem: wer sich damals ein Pferd ausschließlich für die akademische Reitkunst leisten konnte, sprach wohl in den allermeisten Fällen fließend französisch. So muss sich allerdings heute ein ambitionierter Schulreiter zumindest etwas Französisch aneignen, wenn er die teilweise in keinem anderen Buch so detailliert beschriebenen Übungen verstehen und ggf. erlernen will.

Wie bei allen guten Reitmeistern spielte auch bei La Broue die Erziehung der Reiter zum verantwortungsvollen, denkenden, ruhig planenden „Pferdemenschen“ eine sehr große Rolle: Immer wieder weist er darauf hin, der Reiter solle niemals aus Zorn, sondern immer überlegt handeln; das Erniedrigen des Pferdes wird als nicht akzeptabel angesehen. Er weist immer wieder darauf hin, dass alles Negative in der Arbeit mit dem Pferd vermieden werden müsse: ein ängstliches, nervöses, übermüdetes oder überfordertes Pferd könne niemals die Hohen Schulen erlernen, geschweige denn perfekt ausführen.

La Broue überführt den Begriff „Kunstreiter“ aus dem italienischen „Cavalerizzo“ als „Cavalerice“ ins Französische, um den Unterschied zum „Kampfreiter“/“Kriegsreiter“ hervorzuheben; Gueriniere folgt ihm darin 140 Jahre später, indem er die akademische Reitkunst als „L'art pour l'art“ (Kunst nur für die Kunst) bezeichnet.

Wer den „Cavalerice“ nur oberflächlich, nur stückweise und obendrein vielleicht mit geringen Französischkenntnissen liest, runzelt schnell die Stirn über die in den ersten Kapiteln zu findenden Bezüge zum Text Grisones, der 42 Jahre vorher erschienen und schnell in ganz Europa verbreitet war: hier gelangten auch einige mittelalterliche, rabiate Methoden in das Buch, das ansonsten eine ausgeprägt positive Reiterethik ausstrahlt. La Broue weist allerdings hier immer darauf hin, dass diese Mittel nur bei äußerst gefährlichen und völlig verdorbenen Pferden, die den Menschen angreifen oder auf andere Art schwer gefährden, eventuell versucht werden könnten, und dies ohnehin immer unter dem Vorbehalt, dass sie nur von sehr erfahrenen Reitmeistern angewendet werden dürften (Gueriniere erwähnt diese Methoden 140 Jahre später gar nicht mehr).

Er benutzt schon damals Leckerlis (friandises) und lobt das Pferd häufig durch Streicheln und Kraulen (caresser): niemals haben die alten Meister ja ihre Pferde geklopft, da Pferde das Klopfen als Schläge empfinden (die sie mit der Zeit aushalten lernen, aber kaum als Belohnung empfinden dürften).

Er empfiehlt bei ängstlichen oder unwissenden Pferden, ein älteres, gut ausgebildetes Pferd mit in die Bahn oder ins Gelände zu nehmen. (Bd. I S.45,57).

Immer und immer wieder weist er bei seinen „Preceptes“ (Regeln) auf die unbedingt erforderliche Beachtung der Eignung des Pferdes hin, z.B. bezüglich des Körperbaus, des Trainingszustandes, der Psyche oder der als Grundlage notwendigen vorgeschalteten Übungen. Fehlten diese Voraussetzungen, müsse man sie erst vollständig herstellen, bevor man die jeweilige Lektion beginnen dürfe.

Als erstes Gebiss empfiehlt er die kandarenähnliche "Canon", deren Mundstück aber einmal gebrochen ist,  und dazu den Kappzaum, von dem er schreibt, dass alle Pferde , bei denen er benutzt wird, sehr viel besser und leichter gehen, als jene, die allein mit Gebiss eingeritten wurden.

Der Kappzaum wurde erfunden um das Pferd zurückzuhalten, aufzurichten und leichter zu machen, um es das Wenden und das Parieren zu lehren, ihm den Hals zu biegen, die Kopfhaltung zu festigen, Kopf und die Kruppe zu stellen ohne Maul und Kinn zu stören und außerdem um die Schultern, die Beine und Füße der Vorhand freier zu machen. Er soll …. die Feinheit des Maules erhalten, das sehr entspannt und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein soll, um Genauigkeit und Losgelassenheit zu erreichen.




Zur nachfolgenden Übersetzung muss ich anmerken, dass ich auch im Französischen Autodidakt bin und mein Drang, diese Sprache zu verstehen, erst richtig durch die Geheimnisse,

die ich zu Recht im Cavalerice vermutete, enststand. Vor allem anfangs war es unendlich mühsam, Wort-für-Wort ein annehmbares Verständis zu erlangen;

einige Fehler sind deshalb zu erwarten und ich würde mich sehr freuen, wenn  man mich darauf aufmerksam machen würde!








Band I, Kapitel 3

 

Empfehlung für das Training unter dem Strohsattel [Bardelle], mit einer ausführlichen Erläuterung der Vorteile der einfachenTrensenkandare [canon ordinaire]


Weil das wichtigste Fundament der Reitkunst von der Fähigkeit abhängt, die natürlichen Veranlagungen der Pferde beurteilen zu können, ist es notwendig eine lange Zeit die Aufzucht und das Anlernen praktiziert zu haben, das bei der Ausbildung der Fohlen, und genauso der wilden Pferde, beachtet werden soll. Denn in dieser zarten und schwachen Jugendlichkeit lernt man die verschiedenen Charaktere zu erkennen und die ganz natürlichen Bewegungen des Pferdes, ebenso die Auswirkungen vieler Unfälle, denn man kann all dies ohne diese Erfahrungen nicht gut verstehen, und dem Pferdemenschen ("homme de cheval") fehlt ohne sie eine ausreichend gute Basis für seine Kunst. Ich würde sogar sagen, dass die Geduld, der Eifer und die Sorgfalt immer viel mehr Vorbedingung und erforderlich sind für die Strohsattelreiter, als für die, die sich nur daran beteiligen, die Airs eines gut angerittenen Pferdes auszuführen, anzupassen und zu verfeinern. Aber obwohl das erste Training unter dem Strohsattel so wichtig ist, sieht man meistens, dass dafür nur Personen mit wenig Geist und Urteilskraft eingesetzt werden. Trotzdem ich vorher beteuert habe, dass ich mich nicht mit Instruktionen abgeben würde, die andere schon vor mir sehr gut erklärt haben, regele ich die Ordnung meiner Lektionen nach dem Stand, in dem das Pferd sein soll, wenn der Kunstreiter beginnen möchte, es auszubilden oder wieder zur guten Schule zurückzubringen, falls es verdorben wurde oder abgeschreckt ist, oder wenn es wirr oder schlecht ausgebildet wurde.

Und weil die Einwirkung der Zäumungen weniger natürlich ist als die aller anderen Hilfen, Rügen und Mittel der Kunst, und deshalb schwerer zu verstehen sind (vor allem für das Pferd), beginne ich mit ihnen in Nachahmung der großen Meister, die darüber geschrieben haben. Unter all den Vorschriften, die sie uns hinterlassen haben, wird uns besonders und einhellig nichts anderes als die einfache Trensenkandare [canon simple] empfohlen, und auch, dass man nicht auf den Kappzaum verzichten darf, besonders beim Arbeiten auf der Schule, bis dass Pferd ausgebildet ist oder, wie man sagt, „seine Knappenzeit beendet hat“. In diesen wird uns gezeigt, dass es fast unmöglich ist, ihm den Kopf ruhig zu stellen und es gut an der Hand und in der Manege zu bekommen, wenn das Maul nicht gesund und vollkommen erhalten wurde. Dafür ist die einfache Trensenkandare zweifellos besser geeignet als als alle anderen Zäumungen, die man erfunden hat, wie man leicht an ihrer Form erkennen kann: denn sie ist außen an der den Seitenteilen groß und rund, sodass das Äußere des Zahnfleisches und der Lippe helfen kann, die Umhüllung des Unterkieferknochens zu erhalten, die für eine gute Einwirkung des Gebisses der wichtigste Teil des Pferdes ist. Zu diesem Zweck ist sie schmaler in der Mitte, sodass die Freiheit zwischen dem Loch für die Seitenteile und dem Gelenk, das das Mundstück teilt und verbindet, an dieser Stelle weniger die Zunge einengt, wie man sehen kann an der Linie, die unter der Skizze des Mundstückes gezogen ist, und dadurch weniger drückt, und diese hierdurch zur Entlastung der Laden das Gewicht und die Kraft des Mundstückes unterstützen kann. Auf diese Weise kann man die gute Anlehnung eines zu sensiblen Pferdemauls sicherer und steter machen, und es auch mit dem Zügel rügen, falls es gelegentlich dagegen arbeitet. Denn außer dass dieses Mundstück immer eine gleichmäßige Anlehnung gibt, ist es zudem nicht verletzend oder rabiat, und kann das Pferdemaul nicht verfälschen oder beschädigen. Wer gut ausgebildet ist in dieser Kunst, weiß auch genau, dass man unter dem Strohsattel beim freien Traben auf beiden Händen und beim Durchparieren auf den Hanken nur mit dem Kappzaum, oder der Serrata beginnt, und danach im Galopp die einfache Trensenkandare nur hingegeben und ohne Kinnkette benutzen soll, bevor man andere Arten von Zäumungen anwendet. Denn dieses ist das richtige Vorgehen, um eine Unzahl von Unordnungen zu verhindern, die ja häufig schon verursacht werden, bevor das Pferd nur zu traben und galoppieren gelernt hat, und es dann schon ein dermaßen verletztes und eiterndes oder verhärtetes Maul bekommt, dass es danach nur sehr schwer seine Natur wieder zurückerlangen kann.









Band I, Kapitel 4

Wirkungen und Eigenschaften des Kappzaums

Der Kappzaum wurde erfunden, um das Pferd zurückzuhalten, es aufzurichten und es lockerer zu machen, um ihm das Wenden und das Durchparieren beizubringen, ihm den Hals einzustellen, um ihm Kopf und Kruppe ruhiger zu machen und zu stellen, ohne sein Maul oder sein Kinn zu beschädigen; und auch um ihm die Schultern, Vorderbeine und -füße zu lösen. Deshalb wenden ihn alle an, die diese guten Wirkungen kennen, mit der Fähigkeit, damit zu helfen wie es gemäß der Kunst sinnvoll ist, ihre Pferde, die gewöhnlich auf die Reitbahn gebracht werden, so gut wie sie können, auszubilden. Denn wenn das Pferd so leicht und so gut angepasst ist, dass man nichts nötig hat außer dem Kappzaum, kann es durch ihn keinen Schaden nehmen. Wenn es aber passiert, dass es nachlässig oder falsch seine Lektionen ausführt, oder beginnt, böswillig Sprünge zu machen, was ja häufig auch bei sehr leichten und ruhigen Pferden auftritt, erweist sich der Kappzaum immer als bereit und geeignet, um augenblicklich zu helfen und dabei sogar mit einem entspannten Maul. Einige glauben, dass das Pferd, das an das Training mit dem Kappzaum gewöhnt ist, weniger gehorsam sei, wenn man ihm ihn abnimmt, solange, bis man ihn ihm wieder anlegt. Aber im Gegenteil zeigen sich die meisten Pferde, die ihn normalerweise tragen, viel leichter und besser in der Bewegung, als wenn sie mit einer Zäumung ohne Kappzaum geritten wurden, falls der Kunstreiter ihn benutzte wie man es soll. Der leicht zu erkennende Grund hierfür ist, dass der innere Bereich des Maules, in dem die hauptsächliche Anlehnung des Gebisses stattfindet, sehr empfindlich ist, was nicht der Fall ist an der Stelle der Nase, auf der man gewöhnlich den Kappzaum anlegt: darum wird das Pferd, dass plötzlich nicht mehr die gewohnte Unterstützung durch den Kappzaum hat, was ihm ja die Ehrlichkeit des Maules erhielt, sehr leicht und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein, so dass nicht anders so gut geeignet ist zum Üben des Pferdes in Genauigkeit und Leichtigkeit auf der Schule, wie die mit dem Kappzaum kombinierte einfache Trensenkandare.


 

Alle Pferdemenschen jener Zeit, die viele Arten von Kappzäumen erfanden, haben sich vielleicht nicht mehr der Suche nach Bequemlichkeit gewidmet, die aus ihnen hervorgehen können, als ich es früher gemacht habe, wie ich noch demonstrieren werde in einer Aufstellung der vielen Modelle, die ich in meinem Leben gezeichnet habe. Aber am Ende kam ich schließlich zu der sehr vernünftigen Einsicht, keine besseren gefunden zu haben, als jene, die man hier oben skizziert sehen kann, und die die ältesten und normalsten sind. Es gibt viele, die zu irgendeiner Zeit sehr stark die Pferde unter Zwang setzen wollten, aber ich stimme ihnen gar nicht mehr darin zu, dass der Kappzaum nicht die Härte des Kopfes oder des Halses des Pferdes korrigieren könne, und auch keine Freiheit gebe, wenn der Kunstreiter Leinen so stark anzieht oder lockerlässt, wie Zustimmung oder Abwehr des Pferdes das als Hilfe oder als Rüge erfordern. Denn dieses ist hierbei angebracht für die Wirkung: man benutzt die Kappzaumleinen nicht, ohne sie anzupassen; denn sie begrenzen oder geben Freiheit nur, wenn man sie bei Bedarf anzieht oder nachgibt. Auch rate ich ihnen, dass sie keine anderen probieren, es sei denn, es liegt eine sehr ungewöhnliche Situation vor, die sie dazu zwingt.

Ich würde diesbezüglich sagen, dass viele Neider, aber nur wenige Kenner dieser Kunst, häufig dem großen und wissenden Sieur Iean Baptiste Pignatel vorwerfen, sich nicht sehr der Verschiedenheit der Zäumungen und der Kappzäume gewidmet hat, und sozusagen wünschen, dass man glaubt , das ihm deren Wirkungen unbekannt waren.

 

Aber im Gegenteil ist es das, was mich häufig sein Wissen hat bewundern lassen, und mir bei vielen Gelegenheiten Erkenntnisse und Nutzen gebracht hat, mich überzeugend, dass, wenn es die Pferde dermaßen gehorsam werden lässt und so genau reitbar in den schönen Airs, wenn man sie nutzte in seiner Schule, gewöhnlich ohne jemals andere Gebisse als eine Trensenkandare zusammen mit dem normalen Kappzaum benutzt zu haben, seine Regeln und seine Erfahrung mehr Wirkung erzielten als die Art und Weise all derer, die sich abarbeiten an einer so unendlichen Anzahl von Zäumungen, deren besondere Geheimnisse meist nutzlos sind, worauf sie aber trotzdem zurückgriffen, weil ihnen die sehr schönen und wichtigsten Mittel der Kunst fehlten. Ich will nicht die verurteilen, die neugierig sind und die die nötige Erfahrung haben, eine Zäumung gut und sorgfältig anzupassen, je nach der Qualität und Form des Pferdemauls, wie ich an einer passenderen Stelle erläutern werde; ich schätze ihren Eifer und ihre Erfahrung sehr, wenn sie durch ein gutes Urteil geleitet werden und wenn sie ihre Kunstfertigkeit nur anwenden, wenn das Pferd zu gehorchen weiß, je nach seiner Kapazität, mit einer Trensenkandare wie hier gezeigt. Denn schließlich muss man berücksichtigen, dass auch der Mensch, der zum Nachdenken fähig ist, nicht gut ohne viele Schwierigkeiten etwas machen kann, was er nie zuvor gemacht oder gelernt hat. Es ist also ein Fehler zu glauben, ein unvernünftiges Tier plötzlich zwingen zu können.

Man sieht hier die Skizze einer einfachen Trensenkandare mit der besten Art von Seitenteilen, die bis heute für die generelle Anwendung bei jungen Pferden erfunden wurde. Und weil sie außerdem so schön wie gut ist, nutzt sie vielen Kunstreitern im Normalfall, und nahezu allen Pferdetypen, denn sie zäumt bei, erhebt und erhält die Haltung. Es stimmt allerdings, dass sie häufig eine zu fleischige Zunge zwischen dem Mundstück und dem Kinnkettenhaken einengt und drückt: um diese Unbequemlichkeit zu vermeiden oder zu vermindern, muss man das Mundstück länger machen, oder das äußere Ende des Mundstückes dünner als die gewöhnlichen anderen Bäume, und die Kinnkettenhaken so wie hier dargestellt:





Band I, Kapitel 5


Wird das Mundstück der einfachen Trensenkandare so durch das Seitenteil [banquet] durchbohrt, dass das Loch an der Oberseite weiter entfernt vom Seitenteil [hier: fonceau] ist als das untere Loch, wie man auf dieser Zeichnung sieht, ist das Gelenk in der Mitte höher als bei dem normalen; dadurch hat die Zunge mehr Freiheit und kann nicht in eine Unordnung gezwungen werden. Denn die normale Lücke, die man zwischen den Schenkeln und der Linie A sehen kann, ist nicht nur nutzlos, sondern gibt häufig der empfindlichen und der geschlängelten Zunge Anlass, aus dem Kanal zu kommen, und sich zwischen Gaumendach und Mundstück zu schieben. Andererseits, wenn die Schenkel noch höher sind, wie es in dieser Darstellung nicht gezeigt wird, passiert es, dass das dicke Äußere des Mundstückes zu sehr gegen das äußere Zahnfleisch und die Lippe drückt, und diese zurückschiebt, oder sehr stark berührt und kneift, wie ich sagte; derart, dass das Zahnfleisch unbedeckt bleibt, und auch der Hengstzahn; und dass man, je häufiger die Bäume sich so schlecht bewegen, eine feste Stange am Ende der Unterbäume anbringt, um zu verhindern, dass sie sich unten zu sehr einander annähern, was ein ausreichender Beweis für die Fehlerhaftigkeit dieses Mundstücks ist.


 


Es gibt Pferde, die einen so engen Kiefer haben, dass die Zunge keinen ausreichenden Platz in ihrem Kanal findet, und sie sie deshalb hoch halten, was sie häufig größer erscheinen lässt als sie ist. Falls die erste Canon auf diese mit Gewalt drückt, wird sie verbreitert, sodass sie nicht nur die Laden bedeckt, sondern sogar seitlich darüber hinaus kommt, und zwischen Mundstück und Laden eingequetscht wird, und sie dadurch nicht nur verletzt wird, sondern außerdem verhindert wird, dass das Mundstück auf die Laden wirkt, und im Laufe der Zeit das Mundstück sie abschürft und sie auf diese Weise häufig halbiert wird oder sogar fast ganz abgeschnitten, bevor man es sehen kann. Bei diesen Verhältnissen ist das zweite, oben beschriebene Mundstück besser geeignet als das erste, weil es mehr auf der äußeren Seite der Laden liegt und deshalb der Zunge mehr Platz lässt unter der Mitte des Mundstückes, weil es sie weniger plattdrückt und verbreitert als die erste.

Hat das Pferd einen ausreichend weiten Kiefer und einen sehr weiten und großen Kanal, wirkt die Zunge aber trotzdem hoch, ist sie unzweifelhaft zu groß, man muss dann dieses andere Mundstück „à piston“ benutzen, um ihr diese kleine Freiheit zu geben, die man in der Mitte des Gebisses sehen kann.

 



Bei diesem Mundstück muss man sehr genau das Maß der Zungenfreiheit beachten; denn wenn der Platz zu groß ist, wie es hier nicht dargestellt ist, können die beiden dicken, runden Enden, die die Freiheit geben und begrenzen, leicht die Laden verletzen oder stören, oder beim Stolpern oder beim Annehmen außerdem den Platz und und den Abstand, den diese dicken, runden Enden der Zunge geben sollen, nutzlos machen. Falls dieser Abstand sehr eng ist, ist es für die Zunge sehr oft unbequem anstatt lösend, weil das Gebiss sie schmerzt oder gegen die Laden quetscht. Deshalb soll man niemals die Piston benutzen, wenn der Kiefer zu eng ist: überhaupt, wenn man dieses Mundstück vorziehen möchte, muss der Kiefer von Natur aus empfindlich und weich sein; ist er dagegen zu fleischig, träge oder hart, macht dieses Mundstück die Anlehnung zweifellos sehr taub, und sehr schwer, weil die Stelle, die die Laden berühren soll, dick ist und das Maul mehr ausfüllt als die anderen Gebisse und deshalb das Pferd weniger drückt und seine Anlehnung vermehrt.

Wenn die Laden zu fleischig oder hart sind, bei einer dicken Zunge, ist das hier unten gezeigte Mundstück aus einem Stück, das dieselbe Zungenfreiheit wie die Piston aufweist, ihnen sehr angemessen, aus dem einfachen Grunde, weil es den Platz über den Laden weniger füllt und belegt: denn obwohl es ganz ist, ist es nicht sehr viel grober, welcher Meinung viele Personen sind, was meiner Ansicht nach völlig unbegründet ist. Denn im Gegenteil beruhigt es häufig das unruhige Maul und löst es an die stete Hand, weil die Stellen, die auf den Laden aufliegen, eins, sehr glatt, und dick genug sind und es auch gelegentlich bewirkt, dass das Pferd seine Kräfte einsetzt, d.h. wenn es seinen Unterkiefer zu einer oder zur anderen Seite verdreht und verschiebt, weil es die Anlehnung fürchtet und vermeiden will, die das Mundstück auf den Laden verursacht, wodurch die Ursache deutlich genug wird. Denn dieses Mundstück bleibt in seiner Genauigkeit im Maul, ohne es einzuengen, zu vergrößern, oder irgendeine falsche Bewegung zu machen, da es aus einem Stück ist.



Weder die Dicke, noch die Größe dieser Mundstücke können angemessen erklärt werden. Bei ihrem Gebrauch soll man sich allerdings davon leiten lassen, ob das Pferdemaul eng ist oder weit, ob der Maulspalt klein oder groß ist; und wie er auch sei, muss man das Gebiss lieber zu lang als zu kurz machen. Denn diese Mundstücke sollen größer sein als die anderen Arten der Zäumung: weil sie außen so dick sind, füllen sie sehr die Wangen und überschreiten oder biegen sie zurück, und dadurch vergrößern sie sie. Aus diesen Gründen soll das Mundstück nicht so dick sein, dass es nicht im Maul ruhen kann ohne den Hengstzahn zu berühren oder ein Grinsen der Wangen auszulösen. Und sollte das Pferd so jung sein, dass es den Hengstzahn noch nicht geschoben hat, muss man Vorsicht walten lassen, dass das Mundstück nicht auf dessen Stelle liegt, so dass man abschätzen muss, wo sie herauswachsen werden; denn dies passiert häufig, und kann dem Pferd dann einen solchen Schmerz bereiten, dass es sich leicht angewöhnt, das Maul zu verdrehen oder schlechte und schwer zu korrigierende Kopfbewegungen ausgelöst werden. Falls der Maulspalt so klein ist, dass man das Mundstück fast so schmal machen muss wie einen Stock, oder sogar einen Stock benutzt, ist das nicht gefährlich, wenn die Laden gleichmäßig und fest genug sind. Aber wenn sie sehr empfindlich sind, soll man besser bei den ersten Übungen das Mundstück dick genug lassen, häufig die Spielkette [ceciliane] weglassen, sodass das Mundstück höher anliegen kann, ohne irgendeinen anderen Teil seiner Anlehnung zu verändern oder zu zwingen. Denn schließlich dient die Spielkette mehr dazu, den Platz des Mundstückes füllen zu helfen und um der Zunge Spaß zu geben, als dazu, die Aktion der Zäumung zu verstärken.



 







Der korrekte Sitz des Kunstreiters


Band I, Kapitel IX


Der Cavalerice soll nicht nur sorgfältig seine Ausrüstung prüfen und das Pferd richtig behandeln, sondern auch einen korrekten und schönen Sitz haben:

Den Kopf gerade und das Gesicht gegenüber dem Nacken des Pferdes: die Schultern gleich gerade und gleich hoch, die Schulterblätter eher ein wenig nach hinten, als zu weit nach vorn, ohne dass das rechte weiter hinten ist als das linke, wie es gewöhnlich passiert, wenn man nicht aufpasst, da die Zügelhand notwendigerweise etwas weiter vorn steht, und auch wegen der verschiedenen Bewegungen mit Degen oder Gerte, die leichter hinten als vorn durchgeführt werden.

Die Zügelfaust in der Höhe des gleichseitigen Ellenbogens und gewöhnlich drei oder vier [Quer-]Finger über dem oberen Rand der Sattelgallerie und zwei [Quer-]Finger davor.

Der Ellenbogen des Gertenarmes gewöhnlich ein wenig vor dem Beckenknochen, ein wenig offener und längs des Körpers als der des Zügelarmes.

Die Gerte meistens mit der Spitze nach oben; der Bauch ein wenig nach vorn, damit die Schultern nicht rund werden. Das Gesäß auch nach vorn, nicht zu dicht an der hinteren Galerie, denn das ist besonders unschicklich.

Den Rücken gerade und straff, die Oberschenkel fest wie angeklebt am Sattel.

Die Knie geschlossen, und eher nach innen als nach außen gedreht. Die [Unter-]Schenkel so nah am Pferd wie nötig, straff und gerade, so als stünde man aufrecht auf seinen Füßen auf geradem Boden, wenn der Reiter groß oder mittlere Statur ist; hat er aber eine kleine Statur, soll er, wenn möglich, seine Unterschenkel nach vorn und den Pferdeschultern benachbart halten.

Die Ferse tiefer als die Fußspitze, weder nach außen noch nach innen gedreht (also ca. 30° außenrotiert wie im normalen Stehen), die Fußsohle soll gerade und mit sicherer Anlehnung an die Steigbügelplatte aufliegen, und so, dass die Stiefelspitze die Steigbügelplatte ungefähr um eine Daumenbreite überragt.

Nicht ohne Grund halten wir uns gewöhnlich an die Regel, den rechten Steigbügel etwas kürzer einzustellen als den linken: denn das ist bei den meisten Bewegungen des Körpers und auch des rechten [doict]Armes des Reiters vorteilhaft. Und es ist wahr, dass man keinen starken Stoß mit dem Degen oder der Gerte ausführen kann, wenn der Reiter nicht durch eine viel stärkere Anlehnung an die rechte, als an die linke Steigbügelplatte dabei unterstützt wird; und ebenso, wenn er einen Lanzenstoß abbekommt, dann geht dieser gewöhnlich gegen seine linke Seite, er drückt folglich gegen den rechten Bügel; und auch wenn man selbst denselben Stoß ausführt, geht auch dieser gegen dieselbe Seite, denn die Lanze soll quer über den Pferdehals, ein wenig gegen das linke Pferdeohr geneigt, geführt werden.

Ein weiterer, weniger wichtiger, Grund, den linken Bügel etwas länger zu schnallen, ist, das Aufsteigen etwas zu erleichtern."







 

Band I, Kapitel 15


Hinweis für den Kunstreiter, der das Pferd lösen und leichter machen möchte durch das Training im Trab und im Galopp


Die erste Übung, die man auf unseren Schulen unterschiedslos fast allen jungen Pferden gibt, die an der Hand ziehen und eine schwache Vorhand haben, ist der Trab, gewöhnlich auf dem und durch das Brachland oder in anderem hügeligen, holprigen und schwierigen Gelände: so, dass die Vorteile dieses Terrains zusammen mit der Erwartung der Rügen, die es gewöhnlich erhält, wenn es strauchelt, gegen die Unruhe wirkt und dazu die Beine gut zu heben.

Dieses Mittel befürworte ich sehr und halte es für nötig, falls es mit Verstand eingesetzt wird.

Aber wird es ohne nachzudenken benutzt, wie man es häufig genug sieht, ist es falsch und abzulehnen. Der Kunstreiter muss also zunächst abwägen, ob die Ursache für den Mangel an Mut, Kraft oder natürlicher Losgelassenheit eine Festigkeit oder Steifheit der Schultern oder der Beine ist, oder aber falsche Übung oder zu viel Anstrengung. Und wenn er erkennt, dass das Pferd schwere Schultern hat, oder dass deren Bewegungen hart und gebunden sind, durch fehlende natürliche Lockerheit, es aber trotzdem gute und ausreichend kräftige Beine hat, und dass diese Kraft von Natur aus gebunden und zurückgehalten ist, dann kann der Kunstreiter sicher sein, das die mittelstarke und andauernde Übung im Trab und gelegentlich im Galopp, auf diesem unbequemen Gelände häufig die Kraft dieser Pferde freisetzt, und die Aktion der Schultern und Beine viel freier wird. Schiebt es aber zusätzlich den Kopf vor und liegt mehr auf der Hand oder zieht an der Hand, kann die Fortführung dieses unbequemen Terrains die Anlehnung an das Gebiss noch schwerer und träger machen.Und wie diese schwierigen Böden gut geeignet sind, die Kraft und die Glieder des Pferdes zu lösen, dienen sie auch dazu, die Anlehnung an das Gebiss zu verbessern, falls das Maul schwach oder zu empfindlich ist, und führen dazu, dass es sich vorteilhaft löst, falls es von Natur aus schwer auf der Hand liegt.

Ist ein Pferd mit guter Stärke gut an der Hand, aber trotzdem von Natur aus gebunden in den Gliedern und schwer auf der Schulter, soll man es lange genug auf diesen unebenen und holprigen Böden trainieren. Ist es dagegen schwer auf der Hand und zieht, soll man es allerdings kürzere Zeit auf jedem Boden trainieren, sich aber die Mühe machen, es häufiger zu reiten. Denn um das Maul leichter zu machen bei jungen, alten oder Pferden mittleren Alters, muss man normalerweise die Übung beenden und absteigen, bevor die Müdigkeit es befällt oder es dazu bringt, sich zu sehr auf den Kappzaum oder das Gebiss zu stützen; denn es ist ein großer Irrtum, die Glieder des Pferdes lösen zu wollen, indem man die Anlehnung des Maules verfälscht und verhärtet, wie es häufig geschieht, wenn der Kunstreiter von den guten Regeln abweicht oder diese gar nicht kennt.

Ist das Pferd aber im Gegenteil steif und schwach nur aufgrund schwacher Beine oder eines schwachen Rückens, sind diese unbequemen Böden häufiger schwächend als lösend, und schädlich in vielen anderen Beziehungen: denn das Hauptmittel, das man beachten muss, um die Kräfte des Pferdes, das wenig hat, gut einschätzen zu können, ist zuallererst die Kondition zu verbessern durch leichtes Training, und die Übungen nur nach und nach zu verstärken. Die, die nicht auf diesem schweren Gelände arbeiten können, auf denen das schwache Pferd eine so große Mühe hat, dass es keine tausend Schritte traben oder galoppieren kann, ohne sich aufzuregen, und sich ganz zu verweigern, soll man niemals zwingen, außer im dringenden Notfall, um diese großen Unordnungen zu vermeiden: denn wenn das Pferd genug Herz hat, kann es durch diese Gewalt leicht in eine große Unruhe versetzt werden, und wenn es wenig hat, durch diese Mittel erschreckt und abgestoßen werden. Daher soll man ein leichteres Terrain wählen, wo das schwache oder mittelstarke Pferd langes Arbeiten gut aushalten kann, dieses Gelände soll aber trotzdem an einigen Stellen etwas hügelig und holprig sein, damit das Pferd besser lernt, auf den Boden zu achten und die Bewegungen der Schultern und Beine herzhafter ausführt. Und auch, damit es sich so daran gewöhnt, immer auf den Weg vor sich zu sehen.

Hat das Pferd die Biegsamkeit der Glieder und die Kraft der Schultern und des Rückens verloren, weil es zu sehr gearbeitet wurde, oder durch einen anderen Unfall, ist das ein sehr starker Grund gegen ein Training im Trab und Galopp auf sehr beschwerlichem Gelände. Allerdings sah ich Pferde mit zurückgehaltener Vorhand, die man verbesserte, indem man sie wenig, aber häufig durch das Gelände und vor allem durch Brachland promenierte.

Auch die Pferde, die eine sehr hohe Bewegung der Schultern und der Arme zeigen, was die meisten Personen sich wünschen, werden sicherer auf diesem holprigen Untergrund, in der Weise, dass sie sich angewöhnen, besser die Stellen auszusuchen, auf denen sie sicherer ihre Füße setzen können, weil dass nicht ihrem Naturell entspricht. Manche finden dies befremdlich, weil es scheint, dass diese unbequemen Böden gar nicht notwendig sind bei Pferden mit hoher und freier Aktion der Beine: darin irren sie sich aber. Denn gewöhnlich sind diese schwächer und weniger fest beim Straucheln, auch beim Springen über Gräben, und weniger arbeitsfreudig als die mit weniger hohem und mehr gebundenem Trab.

In diesen ersten Übungen im Trab und Galopp zum Lösen des Pferdes soll der Kunstreiter nicht sehr am Kappzaum oder am Gebiss ziehen, im Glauben dadurch den Hals und den Kopf anheben und ruhiger stellen zu können (und es dadurch gleich am Anfang des Trainings zu versammeln und in eine ausreichend gute Hals- und Kopfposition zu bringen), denn wenn es von Natur aus eine Anlehnung des Maules an die ganze Hand hat, wird diese Aktion des herzhaften und sehr ausgreifenden Trabes oder Galopps normalerweise zurückgehalten auf dem hügeligen und holprigen Gelände durch diesen Zwang des Kappzaumes und des Gebisses, so werden zweifellos diese ihm Nase, Laden, Zunge und Kinn abstumpfen, wodurch es in kurzer Zeit eine dermaßen harte Anlehnung bekommt, dass es aufgeben kann bei eine solchen Kraft, und es danach schwierig wird, es wieder gut an der Hand werden zu lassen. Ist aber im Gegenteil das Maul empfindlich und schwach, wird derselbe unbedachte und zu früh angewandte Zwang dieser Mittel die genannten Partien des Mauls und des Kinns schädigen, auf denen doch die wahre Anlehnung des Gebisses erfolgen sollte.

Deshalb muss der Kunstreiter Urteilsvermögen und Erfahrung haben, um dem Pferd sanft, mit der richtigen und wohldosierten Anlehnung der Hand den Kopf und Hals nach und nach gut formen zu können, dabei häufig mit der Hand nachgebend, und überhaupt in den Anfängen häufig den Kopf unbestimmt lassend, damit es es sich nicht durch diesen schweren Zwang angewöhnt zu ziehen, oder schwer in der Hand zu werden oder sich entier zu machen. Denn es gilt die Maxime, dass es viel leichter ist, einem Pferd, das nicht genug Anlehnung hat, mehr davon zu verschaffen, als denen, die zu viel haben: und viel leichter die dazu bringen, die Nase zu senken, die ihre Nase zu weit vorn tragen, als die zu erheben, die davonrennen und sich wehren. Durch die gute Übung dieser Mittel und mit der notwendigen Zeit wird das Pferd sich eine schöne Haltung geben, je nachdem, wie seine Natur es ihm erlaubt, in dem Maße wie es leichter wird, sich lockert und wie seine Kondition zunimmt.

Viele Reiter haben andererseits geglaubt, wie es auch heute noch viele tun, dass, um ein Pferd mit schwerer Vorhand, das an der Hand zieht und häufig stolpert, leichter zu machen [alleger], es gut sei, es mehrmals einen Pflug ziehen zu lassen, aber dies ist ein großer Irrtum! Denn diese Übung gibt im Gegenteil häufig denen eine Anlehnung, die nicht genug haben; denn um die kräftige Aktion des Ziehens auszuüben, richtet das Pferd von Natur aus alle seine Kräfte gegen den Hals und um diese sehr starke Aktion durch die Anstrengung des Widerristes zu machen, muss es nötigerweise den Hals länger machen und den Kopf viel tiefer senken als in seiner natürlichen Haltung. Es ist also leicht zu verstehen, dass all diese Anstrengungen und Bewegungen die Härte oder das Ziehen der Anlehnung an die Hand verstärken und sie deshalb völlig gegen die Lockerheit arbeiten. Um einfach zuerkennen, dass dies ein ähnlicher Fehler ist, wie zu glauben, dass dieses Mittel sehr nützlich sei,um ein Pferd, das häufig strauchelt, zu lösen, muss man berücksichtigen, dass in dem Maße, wie man die Heftigkeit oder die Kraft zum Ziehen des Pfluges oder des Wagens anwendet, um so weniger die Schwierigkeit dieses Ziehens ihm eine freie Bewegung der Schultern und der Vorderbeine gestattet; so wie man auch sieht, dass das Pferd, dass den Boden bearbeitet, häufig die Erdklumpen des Brachlandes mit den Vorderfüßen schabt und anstößt. Und in dem Maße, wie die Anlehnung des Kummets es stützt und verhindert, dass es ins Straucheln kommt, kann der Gebrauch und die Gewöhnung an den Pflug auch bewirken, dass das Pferd, obwohl es leger und locker war, gebunden und schwach wird beim Heben und Vorwärtssetzen seiner Füße bei Hindernissen und holprigen Stellen, so dass es häufig strauchelt und seine Nase zur Erde bringt, weil es nicht sich nicht halten kann durch die Gewöhnung an die Schar und den Kolter, und nicht gestützt wird durch das Kummetgeschirr.






 

Band I, Kapitel 16

Das Training, das dem Pferd sehr leicht fallen sollte

Die Übungen, die dem Kunstreiter beim Training des Pferdes sehr leicht fallen sollten, sind das Galoppieren, das Rennen und das Wenden, nicht zuletzt deshalb, weil die Natur den ersten Unterricht hierzu schon erteilt hat. Deshalb sieht man das junge Pferd vermeiden, viel zu traben, wie zuvor in der Freiheit im Gelände, und wenn es ihm gefällt galoppieren oder rennen; und um seinen Lauf zu beenden, anstatt anzuhalten, sich zur einen oder anderen Seite zu wenden, aber nicht zwei oder dreimal, und normalerweise nicht eng und auf den Hanken, so wie es künstlich durch den Kunstreiter gelehrt und gewöhnt wird; aber wenigstens wendet es seinen Kopf normalerweise zu der Seite, zu der es seine Strecke begonnen hatte. Man kann daraus schließen, dass das Rennen und Wenden ihm natürlicher ist als das Traben oder das Durchparieren, oder viele der anderen Arten, die man ihm mit der Kunst beibringen kann; und wenn man sich damit zufrieden geben kann, dass es nicht mehr als ein oder zweimal auf jeder Hand auf einem mittelgroßen Raum wendet, und in der Art, in der man es gewöhnlich die Manegen und die alten Passaden machen lässt, hat man es zweifellos nicht so sehr ruiniert, wie man es sehen kann, über die Notwendigkeit, oder eher die Neugier hinaus, durch die Erfindung des sehr starken Zurückziehens der Hand und der mehrfach hintereinander ausgeführten ganzen Paraden und Redoublieren der Volten, und der anderen Arten der Manege und der Airs, die eine Unzahl von Personen eher schlecht als gut angepasst praktizieren wollen. Derart, dass ein solches Verlangen der Partien und Perfektionen beim Training des Pferdes besteht, dass man Mühe hat, unter hundert, die man mit einem gutem und schönem Körperbau sieht, zehn ausmachen zu können, von denen man annehmen kann,dass sie würdig sind, dem Kunstreiter zu dienen und ihm Ehre zu verschaffen; denn wenn man einigen begegnet, die locker und stark, und mit guter und mutiger Neigung ausgestattet sind, um sich passend genug zu erweisen für diese seltene, so sehr gesuchte Eignung, fallen sie normalerweise der Gnade gewisser rabiater Menschen anheim, die so überheblich und schlecht ausgebildet in dieser Kunst sind, dass sie, anstatt diese lebendige Lockerheit und das gute Naturell, die diese Pferde in die gute Perfektion der guten Manege bringen könnten, wertzuschätzen, im Gegenteil versuchen, sie mit so einer Ungenauigkeit und Rohheit zu strapazieren, dass die armen Tiere schon verkrüppelt sind, bevor sie dienen können und mit dem, wofür die Natur sie bestimmt hat, Zufriedenheit verschaffen können, so dass viele so verwirrt und häufig dermaßen verzweifelt sind, dass sie, anstatt von der Hand zu starten, sich wehren und rückwärts gehen, oder den Reiter in den Fuß beißen wollen, oder sich zu Boden werfen und schließlich, mit allen diesen Mitteln, die ihnen durch die Wut gegeben werden, sie durch diese verdorben werden; andere, die anstatt durchzuparieren, nachdem sie von der Hand starteten, oder am Ende einer langen und bestimmten Strecke, die Anlehnung aufgeben und das Gebiss und den Kappzaum vermeiden und ablehnen wollen; wieder andere, die nicht wenden wollen, oder falls sie wenden, nur zu der Seite, die die biegsamere ist; und solche, die sich nicht wieder besteigen lassen wollen von denen, die sie rabiat geschlagen hatten oder von anderen, bei denen sie das erwarten.

 

Alle diese Mängel können auch einem ängstlichen und böswilligen Charakter vorausgehen, der natürlicherweise das Pferd ergreifen kann aufgrund eines viel zu starken Trainings, oder durch irgendeinen anderen Unfall, oder einen Fehler der Natur. Überhaupt passiert es häufig bei denen, die sehr empfindlich und cholerisch sind. Um die Ursachen und Vorfälle besser erklären zu können und um es zu lehren und leichter die Abhilfen gegen diese anwenden zu können, sehen wir zunächst, wodurch das Pferd stätig werden kann.

 







Band I, Kapitel 17

Die jungen, störrischen Pferde

Man sieht einige sehr junge und frisch angerittene Pferde, die gelegentlich anstatt entsprechend den Hilfen und dem Willen des Reiters vorwärts zu gehen, stehenbleiben oder rückwärts gehen, oder irgendeine andere Vermeidungsbewegung machen. Die Hauptursache für diesen Ungehorsam ist, dass sie von Geburt an bei ihren Müttern waren und in ihrer Freiheit im Gestüt normalerweise in der Gesellschaft vieler anderer Fohlen und Heranwachsender, bis sie begannen, kräftiger zu werden und unter sich zu kämpfen und die jungen wahrzunehmen und besteigen zu wollen; dies ist der rechte Zeitpunkt, zu dem man sie aus aus dem Gestüt entfernen soll, sowohl um die ersten Mühen zu vermeiden, die sie schon in diesem zarten und schwachen Alter verderben können, als auch um zu beginnen, sie an den Reitstall zu gewöhnen und daran, sich alle vier Füße heben zu lassen, sich führen und ziehen zu lassen an der Hand, und sie gleichzeitig vertraut zu machen mit dem Strohsattel [bardelle], dem Schweifriemen und dem Vorderzeug, und nach und nach mit diesen zu üben; sie danach ruhig zu bekommen an der Aufstiegshilfe, wenn sie das Alter und die Kraft erreicht haben, um die ersten Übungen des Trainings auszuhalten und der Strohsattelreiter die Möglichkeit bekommt, sehr leicht aufzusitzen, ohne es zu verärgern oder zu erschrecken und ohne ihm viele Möglichkeiten zu geben, sich bei der Ausbildung sich zu widersetzen und aufzuregen. Um einen stichhaltigen Beweis zu geben, dass die jungen und unerfahrenen Pferde häufig diese Schwierigkeiten haben, dorthin zu gehen, wohin der Bereiter sie treiben will, wegen dieser vorher gewohnten Freiheit, und weil sie erschrecken durch das Bedrängen und und den Zwang und durch die Trennung von ihrer vorherigen, natürlichen Gesellschaft: es sind genau deshalb die sehr ängstlichen jene, die am häufigsten diese Fehler aufweisen. Und wenn sie, was immer man auch macht, darauf bestehen, nicht von der Stelle gehen zu wollen, oder rückwärts zu gehen, soll man ihnen ein Pferd vorher gehen oder an ihrer Seite gehen lassen, denn dann verlassen die meisten den Platz und folgen freiwillig diesem Pferd, welches vorangeht. Dazu ist eines der sehr sicheren Mittel, das man bei den Fohlen praktiziert beim ersten Reiten, hauptsächlich, um das Buckeln und viele andere Abwehrmechanismen und wilde Unordnungen zu verhindern, es führen zu lassen von einem Pferdemenschen, der es am Kappzaum hält und der die Aufstiegshilfe verlässt, wenn der Anreiter auf dem noch wilden Fohlen aufgesessen ist.

Bei diesen entschuldbaren und normalen Fehlern, die den ersten Eindrücken und Gewohnheiten vorausgehen, soll der Anreiter eine große Geduld und Sanftheit anwenden, besonders bei neuen, dem Pferd unbekannten Mitteln, und diese sollen auch nur ganz kurz gegeben werden, um so sehr wie möglich den natürlichen Mut und die Leichtigkeit des jungen Pferdes zu erhalten: dies ist eine der wichtigsten Berücksichtigungen in dieser Kunst. Deshalb darf der Einreiter niemals Zuflucht nehmen zu Gewalt und Härte, wenn er nicht vorher alle sanftesten Mittel, die man sich einfallen lassen kann, eingesetzt hat. Wenn dann trotzdem das junge Pferd, weil es nicht geübt ist, verweigert vorwärts zu gehen, muss man es die Begleitung eines anderen Pferdes, das nicht rebellisch wird oder andere falsche Dinge tut, beobachten lassen, auf dem ein Mensch sitzt, der in der Kunst, es in den Trab und Galopp zu treiben ausgebildet ist; und je nachdem, ob das junge Pferd zustimmt, oder den Rücken versteift oder anders abwehrt, und in dem Maße, wie es zu gehen beginnt, lässt der Mensch, der es führt, es näher an die Schulter und zur Vorhand dieses Pferdes kommen, um es zu begleiten, wenn möglich, ohne dass es das bemerkt. Und wenn es beim Begleiten erschrickt und es von neuem angehalten hat, versucht der Anreiter, es nur mit der Stimme oder einer mittleren Rüge anzutreiben: denn es ist ein sehr großer Irrtum, es zu schlagen oder hart zu treiben, bevor es nach und nach die Bewegungen, die Stimmhilfen und die Touchees, mit denen man es vorwärts treiben will, erlernt hat. Abhängig davon, wie sicher der auf dem Pferd ist, gewinnt er sorgfältig die Vorhand zurück, und, gleichzeitig mit Rufen und mit der Stimme drohend, gibt er einige Touchees mit der Gerte auf die Hinterhand, so leicht, dass es nicht erkennen kann, welcher von beiden den Touchee ausgeführt hat, damit es bei Fortführung dieser Hilfe den fürchtet, der hinter ihm geht. Und wenn es mit der Zeit beginnt, ruhiger zu werden und zu gehorchen, lässt man es einige Male dasselbe durchführen durch einen Helfer am Boden, der gut zu Fuß ist mit einer guten Kondition, bis es seinen Fehler des Stehenbleibens und Rückwärtsgehens gegen den Willen des Anreiters verloren hat, was zweifellos in kurzer Zeit geschehen wird, falls die Mittel angemessen und zu ihrer rechten Zeit benutzt werden. Überhaupt muss man bedenken, dass, wenn das Pferd, sei es jung oder alt, einen hitzigen und cholerischen Charakter hat, sich sonst Böswilligkeit und Furchtsamkeit häufig zu diesen schlechten Gewohnheiten leicht dazugesellen; und als Konsequenz man es nicht ungewöhnlich finden mag, dass man hier mehr Zeit, mehr Mittel und mehr Geduld anwenden muss, um es zu lösen und zum Gehorsam zu bringen. Denn häufig werden die Pferde mit diesem Temperament ihr ganzes Leben lang schwierig, als Resultat oder aus ihrem eigenen Antrieb, was auch immer man macht.



 

Band I, Kapitel XXV


Pferde, die auf einer Hand unwillig oder fest sind;  über den Unterschied zwischen „unwillig“ und "entier [= fest,unbiegsam]“ auf den Volten.

 


 

Man sieht viele willige Pferde, die immer vorwärts gehen, wo auch immer sie sollen, aber dennoch auf einer Hand störrisch oder fest sind, und auf dieser sich nur mit großen Schwierigkeiten biegen: dies passiert häufiger, wenn sie schon in jungen Jahren stark gearbeitet wurden. Hier muss der Kunstreiter berücksichtigen, dass es kein Pferd gibt, das nicht von Natur aus Rechtshänder oder Linkshänder ist, und sich deshalb nicht sehr leicht zu der Seite biegen lässt, die die schwächere ist, und darum auf dieser Hand einen größeren Kreis gehen muss. Die Menschen sind ja genauso: mir wurde berichtet, dass wenige, die keine Linkshänder sind, beim Tanzen die seltene Fähigkeit haben, aufgrund ihrer Natur leichter zur Linken eine starke Passage mit Drehung oder mit einer falschen Rundung zu machen, als zur Rechten,.

Die meisten Pferde haben mehr eine Neigung zur linken als zur rechten Seite.

Diese Schwäche schreibt man ja gewöhnlich dem Umgang des Pferdepflegers zu: aber bevor ein Pferd nicht auf einer guten Schule ausgebildet wurde, biegt es sich zweifellos immer leichter zu einer Seite als zur anderen. Wenn dies die rechte Seite ist, ist das auch ein Zeichen dafür, das es ein Linkshänder und deshalb häufig von schlechtem Charakter ist. Und tatsächlich weiß man aus Erfahrung, dass diejenigen, die von Natur aus auf der linken Hand störrisch oder fest sind, sich länger wehren und dem Kunstreiter mehr Kummer bereiten als diejenigen, die sich weigern, sich rechts zu biegen.

Den Unterschied von "fest" [„entier“(Ausspr: ɑ̃tje) = unbeugsam, gerade, ganz] zu "unwillig"[„retif“ = störrisch, unwillig, widerspenstig] kann man so beschreiben: das feste Pferd wendet sich massiv und auf einmal, ohne in die Volte sehen zu wollen, aufgrund der Schwäche des Halses oder mangelnder Übung oder fehlender Neigung oder als Folge von diversen Arten von Unfällen, von denen ich in den folgenden Kapiteln erzählen werde.

 Das unwillige Pferd dagegen weigert sich zu wenden immer, wenn es ihm gefällt, gleich wie viel es geschult ist und wie viel man ihm auch beigebracht hat, und es vermeidet auch die gute Seite und das Geradeausgehen, immer wenn der Reiter es dazu treiben will: die Abhilfen dazu sind häufig langwierig und schlecht wirksam da es nicht vorwärts gehen will.

Zur Vermeidung aller dieser Fehler, finde ich es falsch, was der Kunstreiter an seiner einfachen Reitschule einhalten soll: die alte Regel, nach der man die Arbeit mit jungen, gerade angerittenen Pferden immer auf der rechten Hand beginnen und beenden soll.

Ich möchte beim ersten Mal, wenn ich zum Ausbilden aufsteige, das Pferd an eine Stelle im Gelände reiten, wo es frei traben oder großräumig galoppieren kann, um seine natürliche Biegungsneigung zu erforschen und zu erkennen, und weiterhin, ob es gewöhnlich den Beginn, den Verlauf und das Ende der Lektionen ohne Widerstreben auf der rechten Hand oder eher auf der linken Hand erträgt, gemäß der Regeln der Kunst und der korrekten Abhilfen von schlechten Gewohnheiten (oder Ungehorsamkeit, falls man es dem Pferd bereits erklärt hatte) und wie häufig und und in welchen Lektionen sie auftauchen, da ja die Auswirkungen von Strenge am Ende nie die Leichtigkeit und Perfektion erbringen, wie die wahren Mittel der Kunst, durch die man nach und nach die Zustimmung und das Wesen des Pferdes erreichen kann.

Hat der Kunstreiter erkannt, ob das Pferd sehr große Schwierigkeiten hat, sich zu einer Seite zu biegen, oder ob es sich nur nicht biegt, weil es ihm passt, soll er beobachten, in welchen Fällen die Begleitung durch ein anderes, friedfertiges und ausgebildeten Pferdes das Ausführen derselben Übungen verbessert (wie ich es schon bei den im Geradeaus unwilligen Pferden erklärt habe).

Man führt man es dann auf einen geraden und gleichmäßigen Boden mit markierten sehr großen Kreisen. Diese Bahnfiguren geben ihm genügend Gelegenheit, nach unten zu sehen und sehr frei den runden und begrenzten Hufschlag entlang zu gehen.

In diesen Runden spaziert man es geduldig im großen und im kleinen Schritt für zwei Stunden pro Tag und gewöhnlich auf der Hand, auf der es sich wehrt; häufig das Rund wechselnd, um es nicht zu langweilen, und manchmal die Hand, damit es nicht durch zu langes Gehen auf einer Hand ohne Handwechsel abgestumpft wird. Und immer, wenn es sich zu schlechten Seite wendet, bringt der Kunstreiter es dazu, den Hals zu biegen und bringt mit dem Kappzaumzügel seinen Kopf in die Volte, ohne Einwirkung des Trensengebisses, und wenn nötig, mit der Spitze der Gerte, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen: denn je weniger Unbehagen man ihm am Beginn bereitet, um so besser.

Man bringt es viele Male auf unbekanntes Terrain, wo man es zehn oder zwölf Schritte geradeaus gehen lässt, und dann eng wendet; ein, zwei oder drei Mal, je nachdem, ob es frei zu der Hand wendet, die man herausgefunden hat oder nicht; und dann unregelmäßig entweder eine gleichlange Strecke geradeaus, oder mal weiter, mal kürzer, um es dann von Neuem an einem anderen Ort wieder zu derselben Seite zu wenden, und manchmal auch zur guten Seite, damit das Pferd nicht aufgeregt oder verzweifelt wird.

Diese Schrittlektion ist sehr nutzbringend, wenn sie effektiv und immer mit Geduld und Kunstfertigkeit ausgeführt wird, denn man kann sie ausführen, solange man möchte, und auch deshalb, weil die Schrittlektion geeignet sind das Gedächtnis der Pferde zu stärken, die ein schwaches besitzen, und um diejenigen zu lösen und ihren Hals zu biegen, die entier sind; denn sie wirkt wenig massiv ein und die Aktion des Pferdes ist deshalb hierbei weniger angespannt.

Wenn das Pferd vielleicht aufgeregt ist, sich viel an einem Ort zu wenden, oder zu eng zu wenden, und es macht zur Vermeidung einen Sprung, oder flieht vorwärts, oder zur anderen Seite, (dies sind gewöhnlich die cholerischen oder furchtsamen), versucht der Kunstreiter, sie durch geradeaus gehen zu beruhigen (wenn möglich ohne sie zu strafen), und wechselt häufig die Hand, dabei manchmal zur guten Seite wechselnd, gleich nachdem seine schlechten Fantasien etwas verschwunden sind, um danach an einer anderen, größeren Stelle wieder zu beginnen, es zur schlechten Seite zu biegen, indem er den Kappzaumzügel leicht, aber unregelmäßig und mit wechselnder Stärke anzieht, was meist einen viel besseren Effekt hat, als den Zügel immer mit der gleichen Stärke angespannt zu lassen; besonders bei den cholerischen und verzweifelten Pferden, die, anstatt den Hals zu biegen und den Kopf zu der Seite des Zügels zu stellen und sich so auf die Volte locken lassen, dauernd gegen den Zügel arbeiten und daran ziehen.

Bei einigen Pferden ist es gelegentlich auch nötig, den Zügel ganz locker zu lassen, um ihm aus der Nähe mit der Gertenspitze ganz leichte Touchees auf die Oberlippe auf der gegenüberliegenden Seite zu geben, was anfangs dem Pferd ein großes Unbehagen bereiten kann: deshalb muss man dabei sehr genau abwägen, ob es einen guten Nutzen bringt.

Und um mehr Leichtigkeit zu erreichen, kann der Kunstreiter beim Loben es daran gewöhnen, zunächst im Stehen und ohne Biegungt, Kräuter zu bekommen, die er zwischen seinem Fuß und dem Steigbügel hält, an der Seite, zu der es sich schlecht biegt; und wenn das Pferd dieses Vergnügen erkannt hat, mit der Lektion fortfahren. Und jedes Mal, wenn das Pferd sich weigert, sich zur schlechten Seite zu biegen, soll der Kunstreiter anstatt dagegen an zu kämpfen und es zu schlagen, ihm die Freiheit von Trensen- und Kappzaumzügel geben, um ihm den steifen Hals zu lösen und ihm durch Vorschieben des Fußes so nahe wie möglich an seine Nase die Kräuter zu zeigen: und sobald das Pferd den Hals biegt und den Kopf zur Seite dreht, um die Kräuter zu erreichen, zieht der Kunstreiter nach und nach den Fuß zurück, und damit sanft das Pferd auf die Volte, wobei er gleichzeitig die Zügel auf das rechte Maß kürzt.

Dieses Mittel ist sehr nützlich für Pferde mit einem friedlichen Gemüt; sollten sie aber cholerisch und rachsüchtig sein, und falls sie beim Nehmen der Kräuter an ihrer Seite einen Schmerz fühlen, oder falls sie schnell lernen, sich aufzulehnen und in den Fuß des Reiters zu beißen, anstatt die Kräuter zu nehmen, muss man in diesen Fällen genauso verfahren, allerdings die Kräuter am Ende eines Stocks befestigen.

Es kann auch helfen, den Kappzaumzügel für zwei Stunden täglich festzustellen, wenn es in der Escurie steht, so dass es ein wenig den Kopf zur schlechten Seite halten muss und es so an einen Platz stellt, von dem aus es auf dieser Seite zur Tür der Reitbahn sieht und den Mut aufbringt, beim Hereinbringen des Futters, dem Eintritt von Personen oder dem Geräusch des Siebes und der Ankunft des Hafers den Kopf zu stellen und den Hals zu biegen.

In dem Maße, in dem das Pferd sich leichter im Schritt biegt, lässt der Kunstreiter es gelegentlich zulegen und die Volte vergrößern, bis es von selbst in einen Trab fällt, und bevor es von selbst zu traben beginnt, führt der Kunstreiter es sanft zurück in den Schritt, ohne anzuhalten und verkleinert den Zirkel unter Loben auf die ursprüngliche Größe.

Wenn diese Maßnahmen ordentlich und mit Bedacht weitergeführt werden, lernt das Pferd, sich leicht im Schritt auf jeder Hand zu biegen und wird dann auf großen Zirkeln mit diesen Übungen ohne sehr großen Druck vom Schritt zum Trab gebracht.

Ist das Pferd soweit ausgebildet, bringt der Kunstreiter es in einen lebhaften Trab auf beiden Händen, und übt es häufig um Pfähle oder Erdhaufen herum, um ihm zu helfen, die Kruppe außerhalb der Volte zu halten [heute: „Schulterherein“, D.A.] welches eine ganz entgegengesetzte Aktion ist als diejenigen, die das Pferd fest werden lassen.

So, wie man den Trab aus dem Schritt entwickelt hat, bringt man es in genau derselben Weise vom Trab zum Galopp, wobei man es häufig mit der Stimme und dem Zungenschlag oder mit Bewegungen der Arme oder der Gerte anfeuert, und ihm, wenn nötig, beim Biegen auf der schwierigen Seite innen mit dem Sporn und an der äußeren Schulter mit der Gerte unterstützt, oder, wie ich schon gesagt habe, an der Oberlippe.

In allen Lektionen soll man nie eine feste Größe des Zirkels einsetzen, auch nicht in einer allgemeinen Reitschulordnung: denn ob ein großer oder kleiner Zirkel genutzt wird, ergibt sich je nach Härte des Halses oder des Maules, der Abwehr oder dem Gehorsam, der Statur und der Stimmung des Pferdes.

Falls sich das Pferd sehr gegen diese Hilfen wehrt, billige ich die Unterstützung durch einen Menschen, der im Zirkel zu Fuß die Longe zum Kappzaum so hält, wie es ein Kunstreiter macht, und an dieser Leine Zug nur dann ausübt, wenn das Pferd den Zirkel verlassen will und niemals sonst. Dieser soll immer in seine Händen Kräuter oder andere Leckereien halten, um es auf sanfte Weise anzulocken (weil das Pferd von Natur aus Unangenehmes abwehrt), damit es, wenn er sich nähert, nicht flieht, um einem zu langen und schlecht ausgeführten Druck zu entgehen.

Deshalb soll der Kunstreiter, während der Mann zu Fuß die Leine hält, immer versuchen, das Pferd ohne seine Hilfe zu biegen, dass der Kunstreiter, wenn er kann, wenden ohne den Mann auf dem Boden, es sei denn,  das Pferd will die Hand des Reiters bezwingen; und wenn möglich sollte das Pferd immer den ersten und den letzten Druck durch die Hilfen des Reiters bekommen, damit es mehr auf ihn hört; und auch, damit es den Mann am Boden weniger fürchtet.


[ …. Die nächsten 4 Absätze beschreiben rabiate, mittelalterliche Methoden, deren Übersetzung ich mir spare, und die La Broue selbst kritisch sieht.; D.A. …..]


Um diese Mängel zu beheben findet es auch meine Zustimmung, die Mähne auf die andere Seite zu bringen und häufig zu der Seite zu kämmen, zu der sich das Pferd schwerer biegen lässt (normalerweise liegt sie ja auf der guten Seite). Denn natürlicherweise fördert die Mähne die Durchblutung und kann deshalb dem Pferde die Ursache geben, sich zu wenden und den Kopf frei zu der Seite zu nehmen, zu der man sie bringt.

Trotz allem kann allerdings der ungeduldige oder schlecht ausgebildete Kunstreiter häufig herunter fallen oder die Erfolge der schönen und natürlichen Mittel dieser Kunst verhindern, wenn er diese nicht korrekt und zur ihrer Zeit anwendet!








Band I, Kapitel XXVII

 

Gründe, die ein Pferd daran hindern, eine Parade gut auszuführen


Der größte anerkannte Prüfstein, mit dem das Pferd gleichzeitig seine Kräfte und seinen Gehorsam demonstriert, ist die Ausführung einer schönen Parade, geschlossen und leicht, am Ende einer langen und furios gerittenen Strecke. So manche könnten das bezweifeln, denn man sieht viele Pferde mit großem Mut und guten Beinen und Kräften, die trotzdem nur mit großer Mühe parieren; dagegen andere mit wenig Kraft und Vitalität, die mit Leichtigkeit eine Parade ausführen. 

Hierbei muss man nun zunächst wissen, dass eine große Leichtigkeit erst auf  die  Zustimmung folgt, die das Pferd mitbringt. Danach erst muss man seine Statur und Proportionen bedenken, sowie die Art und Weise, mit der es seine Kräfte beim Rennen einsetzt. Denn wie stark es auch in den Beinen, den Schultern und dem Rücken ist: wenn der Widerrist tief liegt, oder es von Natur aus auf der Vorhand läuft,  hat es zweifellos große Mühe, sich für eine gute Parade auf den Hanken zusammen zu nehmen.

Sind Schultern und Halsung aber im Gegenteil gut aufrichtet, so dass es sich auf der Hinterhand trägt, kann es mit Leichtigkeit durchparieren (es sei denn, es hat nicht viel Kraft) weil es sich von Natur aus setzt und ein Gegengewicht auf die Hanken bringt, um schöne Paraden zu machen. Immer aber, wenn es schwach ist und schlecht gebaut, besonders auf der Vorhand, besteht die Gefahr, dass es stürzt und  sich überschlägt, weshalb man bei der Parade vom Pferd fallen kann! 

Wenn es schwach ist und  auf der Vorhand läuft, kann es sich nur mit großer Mühe in eine gute Haltung für eine gute Parade bringen.

Wenn es aber gut anfängt, mit aufgerichteter Vorhand und sich auf der Hinterhand trägt und den Rücken gerade halten kann, besitzt es fast alle wichtigen Qualitäten, um leicht und mit schöner Anmut durchzuparieren, ohne dem Kunstreiter viel Mühe zu bereiten.

Pferde mit zu langem Rumpf parieren gewöhnlich mit wenig Anmut und mit schlechter Kopfhaltung, wegen der Schwierigkeit, ihre Kräfte nur selten nach hinten verlagern zu können, um eine Versammlung auf den Hanken zu erreichen.

Sehr kurze Pferde mit mächtigem Hals dagegen parieren gewöhnlich auf der Vorhand.  Allerdings scheint es, dass die, die einen sehr kurzen Rumpf haben, gegenüber denen mit einem zu langen Rumpf es leichter  haben, eine starke Parade auf der Hinterhand zu machen. Man muss aber bedenken: wenn das Pferd kurz ist, arbeiten sämtliche Kräfte des Rückens, der Hinterhand und der Sprunggelenke daran, den Körper des Pferdes vorwärts zu schieben; die der Schultern und der Vorderbeine aber daran, diese Aktion zu unterstützen und dennoch ausgreifenden Bodengewinn zu erzielen.

Wenn die Hinterhandkräfte furios eingesetzt werden und das zu nahe an den Vorderbeinen, bewirken sie solche Gewalt, dass die Schultern und die Vorderbeine weder ausreichend unterstützen, noch die Aktion versammeln können, um mit Aufrichtung korrekt und schön durchzuparieren, wie ein Pferd, das eine weniger verkürzte und beschwingtere Statur besitzt: denn dieses wäre in der Lage, beim Zurückverlagern und lebhaftem Verteilen seiner Kräfte, ein gewisses Gegengewicht auf die Hanken zu schieben, was allerdings unter den bon hommes de cheval (guten Pferdemenschen) nicht sehr bekannt ist. 

Man muss also beachten: eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Leichtigkeit der Parade erwächst aus der Kraft der Schultern und der Vorderbeine, und nicht nur aus der der Hanken und des Rückens, wie die meisten Reiter glauben. Es gibt auch noch andere Dinge zu berücksichtigen: besonders die Proportionen des Halses, der Unterkiefer, der Zustand der Füße sowie das Temperament, das das Pferd von seiner Natur aus mitbringt.

Um die Parade leicht und schön ausführen zu können, muss das Pferd zunächst seinen Hals und seine Kopf zurücknehmen: davon hängt die Leichtigkeit,  der Gehorsam und die Anmut der Parade ab. Falls der Hals fehlerhaft ist und von Natur aus falsch steht, wenn der Unterkiefer eng ist oder wenn der Hals so massig ist, dass die Luftröhre nicht frei an ihrem natürlichen Platz zwischen den Unterkiefern liegt, kann die oben genannte Aktion kann nicht gut werden, und deshalb die Parade weder gut noch ansprechend sein.

Hat das Pferd einen zu stark gewölbten oder geschlängelten Hals, wird es, anstatt sich auf den Hanken zu versammeln, sich auf die Vorhand legen und die Parade wird holprig, hart und hässlich.

Wenn es schwache und schmerzende Füße hat, führt dies zum Hass auf die Parade und zur Vermeidungshaltung des Pferdes, oder zu plötzlichem Verlieren der Schultern und der Anlehnung an das Gebiss aus Angst, denn die Schwäche führt zu Unsicherheit der Beine und Schultern.

Und selbst wenn diese Fehler nicht zu finden sind an Hals, Kiefern oder Füßen: streckt das Pferd von Natur aus die Nase nach vorn, und hat es einen schwachen und eingesunkenen Rücken (was man gewöhnlich als „encellé“ [von selle = Sattel; DA] bezeichnet), ist es ihm quasi unmöglich, den Kopf zurück zu nehmen, um sich gut zu formen und seine Vorhand für die Parade zu präsentieren, denn die Kraft für Nacken und Hals kommt aus der des Rückens.

Sind diese Kräfte nicht vereinigt, oder fehlen ganz, pariert das Pferd notwendigerweise mit zu weit vorgestreckter  Nase und gewöhnlich auf den Schultern.  

Schlussendlich sind dies alles Ursachen dafür, dass man nur wenige schlecht proportionierte Pferde sieht, die von Natur aus für das Rennen geeignet und gleichzeitig stark sind in den Paraden, zwei der wichtigsten Qualitäten, die man von einem Kriegspferd verlangen muss; weiterhin ein gut gebauter Körper, damit man nicht große Kraft anwenden muss, um durchzuparieren. Aber diese sind die Ausnahme und eine Laune der Natur; allerdings ist bei denen, die in irgendeinem Bereich ihres Körperbaus Fehler haben, selten ein Überfluss an Leichtigkeit in einem anderen vorhanden; außerdem muss das Pferd noch viel Gehorsam mitbringen.

Hierbei muss man verstehen, dass die Kenntnis der Psyche und des Charakters des Pferdes, welche Mähne und Körperform es auch hat, eine Wissenschaft ist, die sehr wichtig für den Kunstreiter ist: denn selbst, wenn Statur, Proportionen und Kraft stimmen, alle wenig bedeuten, wenn der gute Wille des Pferdes fehlt.

Ebenso kann man sagen, dass einer der besten Prüfsteine für das Können, den ein Kunstreiter liefern kann, ist, bei einem von Natur aus cholerischen und ungeduldigen Pferd, sowohl in der Bahn als auch draußen und bei der Parade, leicht und gut in der Hand zu bleiben, vor allem, wenn es ein hartes oder falsches Maul besitzt, und die Parade trotzdem sehr gut zu proportionieren.

Denn immer, wenn die Neigung zu fliehen auftritt und es davon ergriffen wird, verstärkt dies die Macht, Kraft und Atmung und behindert sein Denken und die Sensibilität im Maul, so dass die meisten Regeln und Abhilfen unserer Schulen wirkungslos werden, und es ihm unmöglich wird, die Gehorsamslektionen der Manege zu versuchen oder zu verstehen, und auch nicht zu parieren, wenn es  nicht zuallererst von dieser extremen Unruhe befreit wird. 

Dafür braucht der Kunstreiter ein sehr gutes Urteilsvermögen, viel Praxiserfahrung und viel Geduld, um die passenden Mittel dieser Kunst auszuwählen, durch die man die vorgenannten von der Natur verteilten Unvollkommenheiten verbessern kann.

Anscheinend spielen aber diese Ursachen nach Meinung unzähliger Personen keine große Rolle, da sie glauben, dass ein Gebiss gegen alle Unpässlichkeiten bezüglich der Leichtigkeit des Maules helfen und dieses auch für die Leichtigkeit der Aktion bei der Parade sorgen könne!

Die Beschreibung der vielen Arten der Pferdemäuler und der Effekte der verschiedenen Gebisse verschiebe ich jedoch auf eine andere Gelegenheit, um zu erzählen vom Stil, der doch in der Kunst zu wahren ist, um ein Pferd zu lehren, es je nach seiner Fähigkeit parieren zu lassen, und zu beurteilen, ob es ausgeglichen und gelöst ist mit einer „simple canon“, der Mutter aller guten Gebissstücke. 
















Band I, Kapitel XXVIII

 Über die Pferde, die ein gestörtes Maul haben oder entmutigt sind

 

Wenn der Kunstreiter bei einem Pferd,das auf irgendeine Art stätig ist, ein gestörtes Maul hat oder entmutigt ist, nutzbringend die Lektionen des Parierens anwenden möchte, um es wieder zum Gehorsam zu bringen, muss er zunächst die Abneigung des Pferdes gegen das Rennen und die zu starke Parade und die zu starken Rügen beseitigen, die es abschrecken könnten: ansonsten ist es unmöglich, die Zustimmung dieses Pferdes zu erreichen (ohne die alle seine Mittel und Mühen nutzlos sein werden).

Dazu lässt er es zunächst ganz normal auf dem Rennkurs spazieren, oder an anderen angsteinflößenden Orten und es ruhig halten bei Erschrecken, indem der Kunstreiter geduldig versucht, es mit Streicheln zu beruhigen. Er hält es dann jeweils nach 15 bis 20 Schritten an, und richtet es dann vier bis fünf Schritte rückwärts, dabei häufig mit der Hand nachgebend.

Und wenn Anfälle von Aufbrausen und Unruhe einige Unordnung verursachen, soll der Kunstreiter weder in den Kampf einsteigen noch irgendeine gewalttätige Hilfe einsetzen, sollte es sich weigern rückwärts zu treten, oder zur Seite oder zu traversieren, sondern wiederum das Pferd mit den sanftesten Mitteln beruhigen, wie ich schon angeraten habe, und es im kurzen Schritt geradeaus gehen lassen.

Wenn der Fluchtgedanke vorbei ist, lässt er es von neuem anhalten und versucht sofort wieder rückwärts zu richten, wie ich es gesagt habe. Und wenn es sich wieder im Zustand des Aufbrausens und der Unruhe weigert zurückzutreten, soll er ihm mit dem Kappzaum und manchmal mit dem Mundstück helfen, sofern dies eine simple canon ist, und wenn nötig, mit einer Gerte Vorderbein oder Oberlippe zu touchieren, dabei aber vor allem immer vorsichtig sein.

Immer wenn es cholerisch, aufbrausend und sehr empfindlich ist, ist es gelegentlich besser, seinen Kopf eng zu der guten Seite zu wenden, statt zu der, gegen die es opponiert, und dann versuchen, es rückwärts zu richten. Durch dieses Mittel wird es leichter gehorchen, denn sehr häufig ärgert sich das cholerische und ungeduldige Pferd über das Anhalten und Rückwärtsrichten, wenn es den Kopf geradeaus hält, hin zu der Stelle, die es vermeiden will, besonders wenn es sich in einer Fluchtaktion befindet.

Viele Pferdemenschen glauben, es sei ein Fehler, das Pferd, das einen sehr großen Fehler macht, nicht sofort und an derselben Stelle zurechtzuweisen, besonders wenn das im Gelände geschieht.

Ich stimme dem in der Regel zu: aber zweifellos ist es für das Verbessern der cholerischen, starken Pferde und derjenigen mit viel Feuer häufig nötig, ihnen viele Fehler zu gestatten und zu entschuldigen: denn gewöhnlich sind sie verärgert und verzweifelt über die Hilfen und Rügen, die diejenigen korrigieren würden, die ein leichtes und sanftes Temperament haben.

Aus diesem Grunde ist es manchmal besser bei den Pferden, die nicht zustimmen können oder wollen, einige ihrer schlechten Fantasien und Gewohnheiten zuzulassen, als sie korrigieren und bezwingen zu wollen, um am Ende nicht  gezwungen zu sein, die Hilfen unvollkommen und nutzlos werden zu lassen, was dann nachher zu Erfolg in ihrem Starrsinn führen würde.

Ist es nun so unruhig,  dass es nicht still hält, oder auf der Rennstrecke geradeaus gehen will, so lässt ein Mensch zu Fuß, der sich fünf oder sechs Schritte vor dem Pferd hält, es rückwärts gehen: damit nimmt er ihm einen Teil der Abneigung, indem er ihm die Sicht auf das Ende der Rennbahn nimmt. Dieser Mensch soll sich häufig nähern, um das Pferd zu streicheln und ihm Leckereien zu geben, und soll ihm gewöhnlich direkt in die Augen sehen, um dessen Blick mit seinem eigenen beschäftigt zu halten, und er muss wissen, falls nötig, wie er dem Kunstreiter helfen kann, um das Pferd zu stellen oder es rückwärts zu treiben durch Androhen oder Berühren oder vorsichtiges Klopfen mit der Gerte an den Vorderbeinen, an der Brust, an der Oberlippe oder an den Flanken und gelegentlich mit der Hand gegen die Schnalle oder die Mitte des Kappzaumbogens zu schieben, um ihm zu helfen, rückwärts zu gehen, oder auch gegen die Schulter oder die Flanke, um es zu stellen, anstatt der Sporen oder der Gerte; dieser Mensch soll sich auch mal mehr, mal weniger, nähern und entfernen, je nachdem, wie das Pferd die Abneigung und den Wunsch zu flüchten verliert.

Allerdings soll der Kunstreiter das Gebiss so wenig wie er kann annehmen, und im Gegenteil häufig mit der Hand nachgeben.

Nachdem das Pferd bei dieser ersten Lektion im Schritt sicherer wird und wenn es beginnt, die Ausführung des Parierens und Rückwärtsrichtens zu verbessern oder zu verstehen, versichert man es auf dieselbe Weise im Trab und im kleinen Galopp, immer dieselben Regeln beachtend, dabei aber es nicht zu häufig anhalten lassend.

Wenn diese Übungen lange und häufig weitergeführt werden und das Pferd zu sehr belästigen, ist es gut und nötig, ihm gelegentlich viel Freiheit zu lassen und es im Gelände lange Zeit zu traben und zu galoppieren, über mittellange Strecken auf jeder Hand und geradeaus, ohne es direkt beim Beenden anzuhalten.

Und um ihm auf ganz leichte Weise seine Fluchtgedanken oder seine Furcht vor der Rennbahn zu nehmen, soll dieser Galopp so langsam wie möglich sein und so wenig wie möglich von der Hand abhängen; in allen diesen ersten Übungen soll man es beim Anhalten gar nicht zwingen, welchen unangenehmen Bewegungen man auch begegnet: im Gegenteil, man lässt es ganz nach seiner Annehmlichkeit anhalten. Denn die hauptsächlichen Hilfen und Rügen gegen die Abwehr, die die wilden und verzweifelten Pferde, die Furcht vor dem Halt haben, gewohnt sind zu machen,verschwinden nach und nach durch die Geduld und Sanftheit des Kunstreiters, und vor allem durch die Leichtigkeit und Bequemlichkeit beim Rückwärtsrichten, das mit Kunstfertigkeit und Urteilskraft ausgeführt wird.

Alle diese Mittel können das Pferd mit der Zeit beruhigen und zum Üben und zur Leichtigkeit beim Anhalten bringen, viel besser als die gewalttätigen Mittel.

Hat er so das Pferd, das zuvor temperamentvoll und wild war, sicherer gemacht und beruhigt, reitet der Kunstreiter es, nach langen Strecken im kleinen Galopp häufig an die Hand und ohne Sporeneinsatz oder es in irgendeiner Art zu schlagen, und wenn die Fluchtgedanken und die Abneigung gegen das Rennen völlig verschwunden sind, besteht keine große Gefahr beim Beschleunigen mehr, und nach und nach kann er zulegen, zuletzt im vollen Galopp, ohne ihm immer wieder Missempfindungen mit den Sporen oder der Gerte zu verursachen, und ohne ein Ende der Carriere mehr als das andere beim Start oder Ende der Strecke zu bevorzugen, damit es nicht zu sehr den Startplatz ablehnt.

Und um zu verhindern, das seine Heftigkeit und Unruhe es behindert/zurückwirft, versammelt man es im kurzen Schritt auf derselben Strecke, (plötzlich, wenn es gerannt war und pariert wurde), genau an der Stelle, von der es starten soll, um es erneut eine oder zwei Carrieren im Galopp zurücklegen zu lassen und danach im Trab eine weitere, oder mehrere, wenn nötig, und lässt es schließlich im kurzen Schritt spazieren, hin und zurück auf derselben Spur, um es zu beruhigen, bevor man es stehen lässt oder man es wieder auf die Carriere zurückschickt. Denn es erinnert sich gewöhnlich besser an die letzte Art und Weise, in der es seine Lektion beendet hatte (besonders wenn es irgendein Missbehagen hatte), als an den ganzen anderen Rest der Lektion; und aus diesem Grunde soll der gute Kunstreiter ihm immer ein gutes Maul lassen.

Wird diese Reihenfolge gut eingehalten und fortgesetzt, bin ich sicher, dass das Pferd sich wieder auf der Reitschule einfügt und weitergebracht werden kann, vorausgesetzt man gibt ihm die erforderliche Zeit gibt, je nach seinem Naturell und seinem Gedächtnis.

Bevor aber die cholerischen und flüchtenden Pferde, wie ich es gesagt habe, die niedergeschmettert und verzweifelt gewesen waren, gut zur Ordnung dieser Schule zurückgebracht wurden und lernen, geduldig zuzustimmen,  fallen sie zweifellos häufig zurück in die Angst vor den vorhergegangen Unannehmlichkeiten, die vielleicht die vielen Unordnungen hervorgebracht haben.Unter anderem die mit einem harten oder schlechten Maul,die sich aufregen wenn sie an einer Stelle still stehen sollen und noch mehr, wenn sie zurückgehen sollen, ziehen gewöhnlich an der Hand des Reiters und am Gebiss, um dem schulmäßigen Gehorsam zu entgehen wie einer Folter; und die, die zu sensibel und verwirrt waren, steigen und laufen Gefahr, sich zu überschlagen, mit Lebensgefahr für die, die auf ihnen sitzen; und jene, die gemäßigt waren,aber dennoch cholerisch, empfindlich und störrisch wurden, den Kopf senken und das Maul fast zwischen die Beine bringen und rückwärts gehen oder in den Sand beißen, oder in die Beine des Kunstreiters oder gelegentlich auch sich selbst beißen in Aufruhr und Verzweiflung.

Hierbei ist zu beachten, dass das Pferd möglicherweise dermaßen sensibel und ablehnend ist, weil der Zwang und ein Schmerz durch den Kappzaum es zu diesen Unordnungen bringen; wenn diese auftreten, soll man einen Kappzaum aus Leder oder aus Seilen versuchen, auch wenn diese nicht so stark einwirken: denn durch die Anlehnung dieser akzeptiert es manchmal mit der Zeit den eisernen; wenn es aber weder den einen noch den anderen akzeptiert, kann es besser arbeiten nur mit der simple canon und falschen Zügeln und der Gerte, als zu lange Zeit im Clinch gegen sein Naturell zu liegen; so können die Strafen und Hilfen mit dem Kappzaum manchmal Hass auf die meisten anderen guten Mittel der Schule erzeugen. Und deshalb ist es eine Maxime, dass bei diesen cholerischen und ablehnenden Pferden alles vermieden werden muss, was sie womöglich aufregt beim Training der Schule, weil sie andernfalls unglücklich sind anstatt es glücklich zu bewältigen.

Und weil einige glauben, dass die falschen Zügel das Maul belästigen, rate ich ihnen nochmals dass sie das nicht befürchten müssen, sofern das Mundstück, an dem man sie befestigt nicht eine simple canon ist, und man nicht zu stark daran zieht, oder sie gedankenlos einsetzt, aber dennoch gebrauche ich sie selten in meiner Schule.




 





Allgemeine Regeln zur Verbesserung der Kopfhaltung und des Pferdemaules, und um es das Parieren zu lehren


Band I, Kapitel XXXIII

 

Die sichersten Mittel zum Vereinen der Kräfte des Pferdes, um ihm Kopfhaltung und die Hanken zu verbessern, es leicht an der Hand werden zu lassen, und es zu Genauigkeit und Festigkeit in allen Arten der Lektionen und Schulen zu befähigen, hängen alle ab von der Perfektion der Parade.

Um die Übungen für die sehr schönen Lektionen dazu ordentlich zu beginnen,ist es zuallererst nötig, dass das Pferd auf jeder Hand wenden kann, im Trab und Galopp, und nie verweigert von der Hand zu starten. Denn es ist viel zu schwer, eine Genauigkeit beim Anhalten zu erzielen, falls es zurückhaltend oder störrisch beim Geradeaus oder entier auf einer Hand ist, oder wenn, wie ich andernorts erwähnte, die Abhilfen, die den Hals und den Kopf des Pferdes mehr stärken sollen, es im Gegenteil eher entier oder zurückhaltend werden lassen, wenn es nicht zuerst auf jeder Hand frei wenden kann.

Ist es also soweit vorbereitet, einen Nutzen aus den guten Regeln des Parierens zu ziehen, beginnt der Kunstreiter: für die ersten Übungen lässt er es eine lange, gerade und ebene Strecke traben, die Zügel und die Kappzaumleinen so in den Händen haltend, dass er mittelstark die Anlehnung von Kopf und Maul des Pferdes fühlen kann. Nach ungefähr 60 Tritten lässt der Kunstreiter es anhalten, indem er den Oberkörper etwas nach hinten führt und die Kappzaumleinen gleichbleibend fest und gleich stark annimmt. 

Nach dem Anhalten lässt er es vier oder fünf Tritte zurücktreten, wobei er die Leinen wechselweise eine nach der anderen anzieht. Diese Art des Annehmens entspannt häufig den Hals und verhindert eine starke Anlehnung gegen den Kappzaum, oder reduziert diese zumindest gegenüber dem gleichzeitigen Annehmen und Durchhalten der Leinen.

Wenn das Pferd zurückgetreten ist, lässt der Kunstreiter die Hände nach, um es auf derselben Bahn im kurzen Schritt gehen zu lassen, ungefähr eine gleichlange Strecke wie beim Rückwärtstreten, ohne dabei den Kopf oder die Anlehnung zu verlieren; danach streichelt er es und lässt es ein wenig in Ruhe stehen.

Danach lässt er es wieder ein oder zwei Schritte geradeaus gehen und dann zwei oder drei Mal zu der Seite zu wenden, zu der er möchte, im Schritt oder im Trab, eng oder weit, je nach Können des Pferdes.

Hat er die zwei oder drei Wendungen vollendet, lässt der Kunstreiter es wieder zurücktreten, vorangehen und wenden, wie oben beschrieben. Auf der Hand, die er für nötig erachtet,und seinen den Hals und Körper immer so sehr gerade haltend, wie es möglich ist auf der geraden Spur; um danach wieder zum Trab zurückzukehren; und dann einen weiteren Halt weiter vorn oder an einer Stelle gegenüber der, von der er gestartet war, genau dieselben Wendungen zu machen, sobald das Pferd die Lektion begriffen hat und wenn er möchte, kann er es auf der einen Hand wie auf der anderen wenden, bevor er den Platz verlässt.

Diese Übungen werden immer wieder durchgeführt, bis das Pferd beginnt, zu ermüden und dann gewöhnlich mit einer Wendung beendet.

Mit der Zeit verlängert man den Weg und die Abstände zum Anhalten, je nachdem wie das Pferd lernt und die Aktion des Parierens beachtet, oder verkürzt die Strecke, wenn es die die Anlehnung an Gebiss und Kappzaum beim Geradeausgehen verliert.

Wenn das Pferd nicht rückwärts treten will durch den Druck des Kappzaumes und das oben beschriebene wechselweise Annehmen der Leinen, muss man die Zügel dazu nehmen; und immer, wenn es sich versteift und gegen Gebiss und Kappzaum angeht, lässt der Kunstreiter locker um das zu beseitigen, und lässt es frei im Schritt gehen, zwei oder drei Schritte oder so viele er möchte.

So lehrt er es sich aufzurichten, um friedlich rückwärts zu treten; und wenn es wieder nicht nachgeben will, oder wenn es sich höchstens einen Schritt zurückziehen lässt, lässt er es von neuem und sofort von der Hand, lässt es ein wenig vorwärts gehen, und versucht sodann wieder, es zurück zu richten, ohne zu sehr die Leinen oder die Zügel anzuziehen. Durch diese Mittel erreicht er mehr Leichtigkeit, als durch den Gebrauch großer Gewalt!

Und, zum Erreichen einer besseren Zustimmung beim Parieren und Rückwärtsrichten, soll man dieses Training nur anwenden, bevor es müde wird oder atemlos: vor allem, wenn es nicht viel Kraft besitzt.

 










 
Band I,Kapitel XXXIIII
Perfektion der Parade aus dem Trab
 

Perfektes Durchparieren aus dem Trab bedeutet, dass das Pferd kurz und unvorhergesehen nach Belieben des Reiters anhält, ohne zu zögern und in einem Zuge, wobei das Pferd sich versammeln, zusammenziehen und seine Kräfte auf die Hanken und Sprunggelenke zurückbringen, und seinen Schweif ruhig halten soll, dabei die beiden Hinterfüße weiter auseinander stellen und sie ganz gerade und nebeneinander auf der Erde verankern.

Von diesen Voraussetzungen hängen die feste Aktion und die korrekte Haltung von Hals und Kopf des Pferdes und schlussendlich die Leichtigkeit und die Anmut beim Parieren ab, wenn das Pferd von Natur aus locker und mit einer guten Neigung ausgestattet ist.

Hat man bereits lange die vorherigen Übungen im Trab geradeaus weitergeführt, und auch im Galopp, weiterhin Wendungen (nur im Schritt und im Trab) gemacht, besitzt man die Mittel, die Lektion am ruhigsten, am längsten und am lohnendsten zu nutzen.

Wenn der Kunstreiter diese Regeln mit viel Überlegung einhält, und er nur dann, wenn es nötig ist, geringste Bewegungen macht, soll er diesen oben erwähnten großen und langen Weg (welcher keine Bahnfigur der Schule ist) nutzen, um zu verhindern, dass das Pferd vorhersehen kann, an welcher Stelle es anhalten soll, und an welcher es wenden soll. So bleibt es genauso aufmerksam gegenüber den Aktionen des Reiters, als wenn man es in einer Lektion der Schule trainierte.

Das Rückwärtsrichten nach dem Halt ist ein Mittel der Rüge, das dazu dient, dem Pferd seinen Fehler bekanntzumachen, nicht sorgfältig genug beim Parierengehorcht zu haben, aber auch ein Mittel, seine Kräfte auf den Hanken zu versammeln und hierdurch die Kruppe und den Schweif zu festigen, die Sprunggelenke zu stärken, die Hinterfüße einzurichten und anzupassen, und ihm den Kopf und die Vorhand leichter zu machen. Allerdings wäre es ein Fehler, es rückwärts gehen zu lassen, wenn es die Parade locker und korrekt ausgeführt hat. Wenn es aber zu plötzlich anhält, muss man es im Gegenteil vorwärts gehen lassen, und auch dann, wenn es zu kurz und rückwärts gehend anhält.

Die zwei oder drei kurzen Schritte geradeaus nach dem Rückwärtsrichten werden ausgeführt, wenn es leicht der Handaktion zugestimmt hat, um seine Abneigung zu reduzieren, und seine Angst vor der Unterordnung beim Rückwärtsgehen, besonders wenn es gerade erst angeritten ist. Wenn es aufbrausend ist und eine harten Kopf und Hals hat, dienen diese kleinen Schritte auch dazu, es aufzulockern, wenn es fliehen möchte, und zu sehr gegen Kappzaum und Gebiss angeht; und genauso wenn es sensibel und stätig ist (falls es die Lektion des Rückwärtsrichtens nicht in irgendeine Bosheit umgewandelt hat).

Die Wendung nach dem Halt macht man, um das Pferd sehr leicht für die Manege zu erhalten oder zu machen, und um die Unruhe abzulenken und die meisten jener schlechten Einfälle, die durch die ersten korrekt angewandten Hilfen und Rügen verursacht werden können.

Die zwei oder drei Schritte rückwärts nach der Wendung sollen beim Pferd ein zu großes Verlangen, den Platz des Anhaltens und dem der Wendung zu früh zu verlassen, das vorhanden ist oder das es bekommen könnte, reduzieren.

Wenn man dagegen ohne Auftreten dieser Fehler, gleichgültig und ohne Grund die oben genannten Mittel anwendet, wie es die meisten einfachen Pferdemänner tun, kann man sie zu wirklichen Unordnungen treiben, die das Gedächtnis und den Gehorsam der Pferde leicht verwirren können.

[die nächsten 4 Absätze habe ich nicht übersetzt, da zu rabiat;DA]

 


 

 






 

 

Der Nutzen eines Gefälles für das Parieren

Band I, Kapitel 35

 


 

Die allermeisten Kunstreiter nutzen ohne zu differenzieren heftige [gaillard] Gefälle, um dem Pferd leichter beizubringen, auf den Hanken zu parieren; aber nicht alle kennen die unterschiedlichen Auswirkungen.

Für mich billige ich sie sehr und nichts anderes als diese sind notwendig bei Pferden, die von Natur aus langgestreckt und auf den Schultern sind und an der Hand ziehen, vor allem, wenn sie auf den Schultern parieren, denn dieses Mittel ist angebracht, um sie auf den Hanken zu versammeln, Kopf und Schweif ruhig zu stellen und ihnen die Vorhand leicht zu machen, wenn die fehlenden Kräfte der Füße, der Schultern, des Rückens und des Mutes es daran hindern.

Andererseits verurteile ich völlig ein starkes Gefälle, weil ein Pferd dabei leidet und es ruiniert werden kann: aufgrund der fehlenden Kapazität der obengenannten, unbedingt notwendigen Eigenschaften will es vielleicht nicht mehr weitergehen nachdem es geschoben und pariert wurde. Es gibt so einen sichtbaren Beweis seiner erlittenen Mühe und Unannehmlichkeit, indem es gar nicht mehr weitergehen will, oder, falls es geht, mit solchem Widerwillen, dass es bei Annäherung an das Gefälle häufig zur Seite fliehen will oder buckelt und sich zurückhält gegen den Willen des Kunstreiters: sodass es manchmal gezwungen wird durch Sporen- und Gerteneinsatz, den Hang herunter zu gehen. Seine Furcht davor kann das Pferd manchmal lehren, auszureißen, oder ein Misstrauen zu entwickeln gegen die voraussichtlichen Stellen für Paraden, anstatt gut in einer kräftigen, aufmerksamen und lockeren Weise durchzuparieren.

Man muss wohl nicht extra betonen, das man niemals ein schwaches Pferd auf einem Gefälle parieren darf, und dass diese selten einen Nutzen für diese Pferde bieten, und niemals viel.

Es ist notwendig, dass der Kunstreiter das Urteilsvermögen und die Erfahrung besitzt, ein passendes Gefälle aussuchen zu können: leicht oder stark, je nach dem Naturell und den Kräften des Pferdes; und auch wenn es willig ist, soll es nur im Trab, im kleinen Galopp oder im mittleren Galopp gehen: je nach der Art des Gefälles, nach der Kapazität der Kräfte und der Stimmung des Pferdes. Aber mein Rat ist, niemals ein Pferd, welcher Art es auch sei, im vollen Galopp auf einem starken Gefälle zu parieren, wenn es nicht ganz unbedingt erforderlich ist.

Wenn der Kunstreiter sein Pferd pariert, vor allem auf einem Gefälle, muss er seine Aktion und seine Kraft auf die Oberschenkel und Knie legen, denn zieht er an den Kappzaumzügeln, hält er seine Beine zu angespannt und zu weit nach vorn in den Steigbügeln und zieht dadurch den Sattel auf die Schultern des Pferdes, entgegen dem beabsichtigten Nutzen des Gefälles, das ja die Vorhand leichter machen soll. Er stört es dadurch sehr stark, ebenso beim Rückwärtsrichten, weil dies eine schwere Arbeit und unangenehm ist für die ängstlichen oder schwachen Pferde, oder für jene, die zu müde oder außer Atem sind, wenn sie gegen den Abhang rückwärtsgerichtet werden, umso mehr, wenn dieser steil ist.

In diesen Fällen soll man deshalb so wenig wie möglich auf der Vorhand des Pferdes sitzen; und weil die Schräge den Kunstreiter daran hindert, dem Pferd die Vorhand gut zu erleichtern, ist es manchmal viel besser, eine Wand zu benutzen, vor allem bei schwachen Pferden mit schlechtem Gedächtnis, die sich auf die Schulter legen, aber dabei trotzdem aufbrausend und mutig sind.

 


 





 

Band I, Kapitel 41

Um das Pferd vom Trab in den Galopp zu bringen

 

Man soll niemals das Pferd im Galopp trainieren, wenn es im Trab schwer auf der Hand liegt oder an der Hand zieht, sondern erst, wenn es locker und leicht in der Trabaktion geworden ist, denn andernfalls wird es zweifellos durch die Galoppbewegung die Anlehnung des Gebisses verlieren und sich mehr auf die Vorhand bringen. Aber wenn es gut einen freien Trab geht auf den ersten großen Kreisen, und wenn der Kunstreiter beginnen möchte, es auf dieser Spur zu galoppieren, muss er es einige Tage vorwärts auf einem engeren als den gewöhnlichen Raum traben lassen, ungefähr ein Drittel kleiner, oder halb so groß, um es nachher leichter anzusprechen; denn es zu überfallen im Glauben, es auf einmal in den Galopp zu bringen, auf derselben Kreisgröße die man nur im Trab geübt hatte, kann ihm Gelegenheit geben sich zu wehren oder die erste Spur zu verlassen, oder sich mit irgendwelchen anderen Mitteln zu widersetzen und entier zu werden. Wenn es aber vorher außergewöhnlich verengt wird und gezwungen im Trab geht, und man danach vergrößert, lässt diese Freiheit es leichter zuzustimmen zur Galoppaktion auf den ersten Kreisen; und um ihm weniger Ausreißen und mehr Lockerheit und Gehorsam zu verschaffen, muss man diese Aktion im selben Trab und derselben engen Proportion der Tour beenden, wie man sie begonnen hatte: überhaupt muss man, wenn das Pferd schwer wendet, es lange promenieren am Ende der Lektion, sehr viel enger als man es im Trab oder Galopp machte, ohne es immer sehr unter Druck zu setzen; denn sehr häufig, wenn der Kunstreiter geduldig und gut geschult ist, kann diese Passage gleichermaßen nützlich sein wie der Rest der Lektion. Wenn aber das Pferd ein so leichtes oder sehr schwaches Maul hat, dass es im Trab keine gute Anlehnung nehmen kann, ist es gut, seine Lektion im Galopp beginnen zu lassen, nachdem man es hat promenieren und ein wenig versucht hat, es traben zu lassen.

Und wenn der Kunstreiter spürt, dass es beginnt Anlehnung an das Gebiss zu nehmen, bringt er es nach und nach in einen ausgreifenden und feurigen Trab, in dem er sehr häufig diese Lektion beendet. Diese Mittel können mit der Zeit eine gut temperierte Anlehnung des Maules hervorbringen, im Trab so wie im Galopp. Und wenn das Pferd, locker oder schwer auf der Hand, frei auf jeder Hand im Trab oder Galopp auf mittelgroßen Kreisen und beim Durchparieren macht, wird es Zeit zu beginnen, es an kleinere zu gewöhnen, wozu man es zunächst geradeaus in die ersten Regeln der Passaden bringt.

 





Band I, Kapitel 42


Das Pferd je nach seinem Naturell an den Trab anpassen


Man kann schon bis hier verstehen, dass das Training des Trabes die erste und äußerst wichtige Grundlage ist für seine Lockerheit und alle Lektionen, die das Pferd gerade und gehorsam machen, und auf denen sich alle Arten der Manegen aufbauen; aber bei dieser Übung muss man sorgfältig die wichtigsten Berücksichtigungen beachten: nämlich, wenn das Pferd von Natur aus locker an der Hand ist, der Trab ihm angemessen ausgreifend und resolut, so wie es nötig ist, man ihm damit die Glieder lösen kann, den Kopf und die Hanken ruhigstellen, den Hals und die Schulter an die Leichtigkeit der Volten anpassen, und ihm gemeinhin das erste Gefühl und das Kennenlernen des Zaumes geben kann. Wenn aber im Gegenteil das Pferd schwer auf der Hand liegt, oder es durch irgendeinen anderen Fehler an der Hand zieht, legt es sich auf die Schultern und verstärkt das Ziehen durch einen langen und resoluten Trab. Deshalb muss man in diesen letztgenannten Fällen, und vor allem wenn das Pferd einen langen Körper hat, versuchen, es einen so kurzen und erhabenen Trab wie möglich gehen zu lassen, um es so gleichzeitig zusammenzubringen und zusammenzuhalten, ohne immer zu sehr am Zaum oder am Kappzaum zu ziehen, und auch dass mit diesem Mittel es sich angewöhnt, den Kopf in einer schönen und guten Haltung zu tragen.



Band I, Kapitel 43


Der Unterschied der Pferde, die schwer auf der Hand liegen zu denen, die an der Hand ziehen


Der Unterschied zwischen den Pferden, die schwer an der Hand sind, zu denen, die an der Hand ziehen, ist, dass die, die schwer sind, sich an den Zaum und Kappzaum anlehnen und sich auf die Schultern legen, weil sie schwach sind oder schwer oder weil sie von Natur aus ein fleischiges und träges Maul haben; die jedoch, die ziehen, harte und gewöhnlich runde und magere Laden haben: darum versteifen sie den Hals und die Kiefer, um sich zu wehren und den Arm und die Faust des Reiters zu bezwingen, wenn sie nicht können oder wollen, was man zu erreichen versucht. Diejenigen, die schwer sind, können leichter werden durch die Kunst, indem sie gekräftigt werden durch das Training des Trabes; und jene, die ziehen, können sich durch das Üben des Trabes und des kleinen Galopps beizäumen und weicher werden und so durch Verbessern der Kondition ihren Ungestüm vermindern. Aber letztendlich sind die, die schwer auf der Hand sind, normalerweise die begriffsstutzigen und schwachen; die dagegen, die ziehen, ungeduldig und ungehorsam, und deshalb die gefährlicheren und schlecht korrigierbaren.

 





 

Band I, Kapitel 44


Der Unterschied eines zu empfindlichen zu einem schwachen und zu einem steten Maul


Das zu empfindliche und misstrauische Maul fühlt sich angeriffen durch alle Arten Zäumungen und führt gewöhnlich zum Kopfschütteln und Schlagen an die Hand. Das schwache ist eines, das zu locker ist: das heißt, dass es keine Anlehnung an irgendeinen Zaum nimmt, so sanft dieser auch sei, aber es schlägt niemals an die Hand. Aber das stete Maul ist eines, das man anstreben will mit einer mittleren Anlehnung, soll sagen: fest und temperiert, was die guten Pferdemenschen sehr ausdrücklich empfehlen.




 

Band I, Kapitel 45


Erste Trablektion auf den Passaden


 

Um mit dem Üben und dem Anpassen des Pferdes an die Passaden und die Volten im Trab zu beginnen, und zu vermeiden, dass man beim Beginn dieser Lektionen viele der gewöhnlichen Fehler macht, oder dass man zumindest weniger macht, muss man es am besten zum Kennenlernen zwei oder drei mal die Proportion der Passaden und der Kreise im Schritt gehen lassen, und zwar im Schulschritt, der aufmerksam, verkürzt und locker sein soll, denn es gibt einen Unterschied vom Schulschritt zu dem, den es auf den Schultern macht und der gemächlich über Land benutzt wird oder beim Promenieren des Pferdes vor oder nach einer Lektion. Die Proportion dieser Kreise und Passaden sollen abhängig davon danach ausgewählt werden, ob das Pferd versammelt, gelöst oder schwer ist (d.h. wenn es sich auf die Vorhand legt und auf die Anlehnung des Gebisses): dann muss man die Passade kürzer und die Kreise enger halten, als wenn es locker oder störrisch ist. Aber für den Normalfall soll die Passade ungefähr dreißig Schritte lang sein und jeder Kreisdurchmesser vier Schritte betragen. Denn je nachdem, wie der Kunstreiter sein Pferd anspricht, hat er die Mittel, den Rücken anzupassen an den Punkt innerhalb der Voltenlinie und in einer so guten und temperierten Anlehnung, dass er den Kopf des Pferdes in einer schönen Haltung unterstützen kann, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen. Auch soll er sich besser in den Sattel setzen, seinen Körper und seine Beine nach hinten bringen, sicher in die Steigbügel treten und seinen Hut gut richten. All dies soll aber in solcher Kürze geschehen, dass die Zuschauer Mühe haben, es zu bemerken. Und alles so, dass der Kunstreiter nicht dick aufträgt in seinem Gehabe, und nicht affektiert wirkt. Danach soll er an einem Ende der Passade beginnen, indem er das Pferd in einem Trab, der zu dem Naturell des Pferdes passt, geraderichtet.

Viele sind der Meinung, dass, wenn das Pferd fast am Ende der Passade angekommen ist, und bevor es auf eine Hand gewendet wird, es besser ein wenig nach außen gelenkt wird, um damit vorzutäuschen, eine Wendung zur anderen als der beabsichtigten Seite anzustreben. Ich begrüße diese Regel sehr, wenn man sie anwendet zur Überlistung und Korrektur eines störrischen Pferdes, das sich zurückhält oder sich der Volte entziehen will, bevor der Reiter sie angekündigt hat; ebenfalls, wenn es beim Ausführen der Volte seine Hinterhand zu sehr herauswirft, hat der Kunstreiter durch diese Vortäuschung ein Mittel, ihm manchmal die Kruppe ruhig zu stellen. Aber macht das Pferd nicht diese Fehler, wünsche ich, dass die Passade gerade sein soll,um sie genau an ihrem Ende zu verlassen, an dem man sorgfältig die Aktion und den Weg der Volte oder Demi-Volte beginnen soll, sonst wird die Ausführung fehlerhaft. Der Grund dafür ist klar ersichtlich: denn die Zeit und der Raum, die man verliert bei der o.g. Vortäuschung vor dem Wenden, verfälscht nicht nur die gerade Linie der Passade, sondern bewirkt auch, dass der Beginn der Volte ebenso verzögert wird.

Andere machen auch zur allgemeinen Regel, das Pferd jedes Mal ganz anzuhalten, wenn sie an einem Ende der Passade angelangt sind, bevor sie mit der Tour beginnen; wieder andere halten das Pferd niemals ganz an in diesen großen, ersten Lektionen geradeaus; ich aber möchte, dass der Kunstreiter weiß, dass dieser Stil beim Parieren aus dem Trab, vor der Volte, nicht benutzt werden soll, besonders wenn das Pferd nicht auseinandergefallen ist oder schwer ist oder an der Hand zieht. Denn es wäre ein großer Fehler, zu wenden, während das Pferd auf den Schultern liegt oder auf der Anlehnung des Gebisses und eine andere schwere Unangemessenheit, es durchzuparieren, obwohl man am Ende der Passade fühlt, dass es schon seine Kraft versammelt hat und die Aktion locker macht mit gutem Beginn und guter Ausführung der Wendung. Schlussendlich pariert man es in diesen Lektionen nur, um das Pferd leichter zu machen, falls es nicht dazu disponiert ist

Wenn das Pferd am Ende der Passade in einem guten und lockeren Trab angekommen ist, bringt der Kunstreiter es auf den Kreis auf der Hand, die er will, und lässt es zwei oder drei gut geformte Runden machen im Stil der gewöhnlichen Schule, und am Ende bringt er das Pferd ohne Verwirrung zurück auf die gerade Linie der Passade, um dies am anderen Ende auf der andren Hand zu wiederholen, wenn möglich, ohne zu verstärken, zu vermindern, oder den korrekten Takt des Trabes, passend zur Anlehnung des Maules, seiner Statur und seinem Naturell, zu unterbrechen. Und macht weiter in dieser Lektion, bis das Pferd es je nach seiner Fähigkeit verstanden hat und es Zeit ist, es anzuhalten. Und damit es sich angewöhnt, im Normalfall dahin zu sehen, wohin es seine Vorderbeine setzen soll, und dieses Mittel es freier und leichter in der Manege werden lässt, ist es nötig, dass der Kunstreiter mit der Kappzaumleine oder der Gerte dafür sorgt, dass es bei Beginn und der gesamten Durchführung der Volte den Kopf ein wenig einwärts hält. Diese erste Aktion soll man einleiten, indem man vorher, oder zumindest gleichzeitig die Zügelfaust in die Volte bringt, ohne dadurch das Pferd zu beschleunigen, es von der Kreisspur abkommen lässt oder den korrekten Takt des Trabes zu unterbrechen.

Man sieht sehr wenige Pferde, die sich bei diesen ersten, ungewohnten Lektionen geradeaus und und auf den Volten nicht in den Kreis lehnen, mit Ausfallen der Hinterhand und dabei die Kruppe herauswerfe, vor allem jene, die cholerisch, empfindlich und ungeduldig sind: weil sie jedes Mal, wenn sie eine Tour machten, geradeaus gehen wollen oder vorzeitig die Volten beenden wollen: so dass das Unbehagen, dass sie fühlen bei der korrekten Ausführung, sie auch am anderen Ende der Passade dazu bringt, die korrekte Rundheit der Figur zu verfälschen. Schlussendlich geht diese unangenehme Bewegung des Herausbringens oder -schleuderns der Hinterhand aus der korrekten Bahn der Volte sehr häufig der Hinterlistigkeit voraus.

 




 

Band I, Kapitel 47


Die wichtigsten Effekte des Galopps


Der Nutzen des Galopps besteht darin, das Maul des Pferdes ruhigzustellen, denn wenn dieses schwach oder zu empfindlich ist, hat der Kunstreiter mit dem Galopp ein Mittel (gleichermaßen in der Bahn wie im Gelände), es nach und nach an die Anlehnung des Gebisses heranzubringen und zu lösen. Und auch wenn das Pferd an der Hand zieht, weil es zu viel Flucht- und Renndrang hat, oder weil es sich böswillig oder aus Furcht entziehen will, kann der gemächliche und sanft zurückgehaltene Galopp seinen Geist befrieden und beruhigen und die Kondition verbessern, und dadurch die übermäßige Furcht ausgleichen. Und er ist generell nötig, um die schlechten Absichten der Pferde, die ein doppelbödiges und störrisches Herz haben, zu vertreiben, und die überschießende Heftigkeit im Rücken der zu munteren [gaillard] Pferde zu entspannen und zu beseitigen. Wenn das Pferd sich in einen sehr freien Trab bringen kann, nachdem es im Schritt noch aufmerksamer geworden ist, sollte es sich normalerweise im Galopp sehr leicht lösen, nachdem es vorher ein wenig getrabt hat.




Band I,Kapitel 48


Um zu beginnen, das Pferd vom Trab in den Galopp zu bringen auf den weiten und den zweifachen Volten der normalen Passaden

 

Wenn das Pferd die genannten Lektionen frei ausführt und der Kunstreiter es in die ersten Übungen des Galopps bringen will, beginnt er gewöhnlich die Lektion im Trab, nach dem o.g. Stil, und trabt weiter bis das Pferd ausreichend gelöst ist. Ungefähr vier Schritte vor dem Ende der Passade legt der Kunstreiter dann leicht zu und treibt es geradeaus, und je nach seinem Vorwärtsdrang und seiner Lockerheit bringt er das Pferd in den leichtesten Galopp, der ihm möglich ist, und lässt es in diesem die Volte beginnen, und sobald es wenigstens ein Viertel zurückgelegt hat bringt er es sanft zurück in den vorherigen Trab, und ohne es sehr zu stören lässt er es weiter wenden und wenigstens zwei Volten vollenden und diese schließen, wie ich in den vorigen Lektionen erwähnt habe; dann lässt er es demselben Trab zum anderen Ende der Passade weitergehen und dort genau dasselbe machen.

Nachdem das Pferd diese Einleitung und den Beginn der Volte im Galopp geübt hat, verlängert der Kunstreiter nach und nach die Dauer des Galopps und des Weges auf der korrekten Linie der Volte, ohne das Pferd zu überfallen, bis er mit der Zeit und der guten Übung leicht diese Manege vervollständigen kann, ohne den Galopp zu unterbrechen, und im Galopp genau die Proportionen der obengenannten Trabspur einzuhalten.

Ist der Boden bei dieser Lektion ein wenig zur Seite der Volte geneigt, wie ich es vorher schon beschrieben habe, bringt dies zweifellos viel Bequemlichkeit, falls er eben und gleichmäßig ist. Denn ist das Pferd locker, mit einem empfindsamen Maul, kann, außer dass dieses Gefälle es anzieht und und es dazu bringt, die Volte sehr leicht zu nehmen, festigt diese Bequemlichkeit ihm auch die Hanken, und genauso den Kopf und die Anlehnung an den Zaum, weil sich das Pferd dadurch natürlicherweise beizäumt [ramener] und sich auf dem Gefälle besser im Galopp halten kann, als auf jeder anderen Art von Gelände.

 

Hat das Pferd statt einer guten eine sehr harte oder schwere Anlehnung an das Maul, sei es von Natur aus oder durch irgendeinen Unfall oder Veränderung, ist es gut, vor allem bei diesen ersten Lektionen und dieser Art des Bodens, es häufig überraschend auf die Spur zu bringen, die die Volte schließt, und es auf dieser den Kreis in Gegenrichtung und bergauf beginnen zu lassen; und wenn es die Anzahl dieser Touren ausgeführt hat, man es wieder gerade auf die Passade treten lässt, im Gegensatz zur normalen Regel; denn diese Bequemlichkeit gibt ihm weniger Möglichkeit, beim Nehmen der Volte auf die Vorhand zu kommen, und hilft auch sehr für die Bewegung im Galopp und für das Ruhigstellen des Kopfes, weil diese Überraschung mit Beginn der Volte bergauf und mit einer bestimmten Finte und Aktion des Körpers ihm die Hanken ruhiger stellt und anpasst, wie die Erfahrung den guten Kunstreiter spüren lässt.



Band I, Kapitel 49


Die Korrektheit der Manege des Galopps


 

In dem Maße, wie das Pferd die vorgenannten Lektionen des Galopps trainiert und es sich leicht anpasst an die Volten, richtet der Kunstreiter nach und nach den Galopp entsprechend der Kräfte, der Lockerheit, dem Naturell des Pferdes und der Disposition des Maules aus: nämlich zulegend und die Volte vergrößernd, falls es schwach oder störrisch ist, oder es sich zurückhält, wenn es seinen Rücken einsetzt oder sich einengt oder in die Volte legt, wenn es sich in Wut bringt oder an der Hand zieht; aber den Kreis verkleinert, wenn es sich frei gibt und sich damit begnügt, bis die Manege des Galopps gemäß der Proportion ausgeführt wird, die besser zum Naturell und der Erfahrung des Pferdes passt.

Und wenn das Pferd trabt oder galoppiert auf den Volten, wiederhole ich, dass jedes Mal, wenn der Kunstreiter spürt, dass es die Kruppe aus dem korrekten Kreis seiner Manege herauswerfen will, er es sorgfältig nach vorn korrigieren soll, ohne die Zügelfaust innen zu halten, sondern eher außen, dabei außen am Kappzaum zieht und gleichzeitig schwer in den Bügel auf der Gegenseite tritt, mit diesem die Schulter des Pferdes berührt und dagegen drückt. Wenn es sich aber einengt und die Kruppe zu sehr nach innen nimmt, bringt der Kunstreiter die Zügelfaust auch nach vorn, hält sie abgesenkt zu der Seite, zu der es wendet, zieht innen am Kappzaum, und unterstützt es stark im Steigbügel auf derselben Seite, und macht dabei überhaupt so wenig Bewegung mit seinem Körper wie möglich. Auf der einen Hand wie auf der anderen verhindert er dabei, so wie er kann, durch alle seine notwendigen Bewegungen, dass das Pferd nicht den Takt oder die Proportion seiner Manege unterbricht. Und wenn der Effekt des Zaumes und des Kappzaumes oder des Gegengewichtes auf den einen oder den anderen Steigbügel nicht ausreicht, es auf die korrekte Spur der Volte zurückzubringen, muss man die Rüge mit dem Sporn oder der Gerte anwenden oder beides gleichzeitig, an der Seite, an der es den Fehler begeht und an den Stellen, die vorher erwähnt wurden: aber immer nur sehr vorsichtig. Denn man muss bedenken, dass wenn diese Rügen immer wieder extrem sind, und schon für kleine Fehler gegeben werden, die meist entschuldbar sind, kann man das phlegmatische und furchtsame Pferd auch zu stark erschrecken oder dasjenige verzweifeln lassen, das von Natur aus cholerisch, heißblütig und empfindlich ist, anstatt das eine wie das andere zu verbessern, vor allem, wenn diese Fehler durch Unwissen oder Unmöglichkeit entstehen.

 




 

Band I, Kapitel 50


Weitere wichtige Ratschläge für die Air und die Korrektheit des Galopps

 


Es gibt u.a. noch drei Dinge, die der Kunstreiter beim Üben des Galopps sorgfältig beachten muss, sei es im Gelände oder bei den normalen Lektionen. Das erste und wichtigste ist, die Air des Pferdes mit einer solchen Lockerheit und Feinheit der Hand zu begleiten, dass er damit ein Mittel hat, die Anlehnung des Maules zu erspüren und ihm den Kopf in eine schöne Haltung zu stellen, ohne an den Zügeln zu ziehen: denn das gäbe ihm viele Möglichkeiten sich aufzulehnen, z.B. durch eine Verhärtung im Hals oder auf den Laden. Deshalb sieht man gewöhnlich, dass das Pferd, das von Natur aus an der Hand zieht, oder das gewohnt ist, böswillige und hinterhältige Eskapaden zu machen, leichter zurückkehrt zu seinen Fehlern und dies häufig stärker als zuvor, wenn man glaubt, es mehr am Gebiss halten zu müssen. Das zweite ist, dass das Pferd korrekt mit den Hinterfüßen deíe Vorderfüße begleitet und ihnen folgt in derselben Spur, und dabei weder den Kopf noch die Hinterhand nach innen oder nach außen bringt, wie ich es in den letzten Trablektionen erklärte. Das dritte, dass je nach seiner Vorwärtsdrang, den es im Galopp geraudeaus auf der Passade bekommt, das Pferd vor dem Wenden aufmerksam, versammelt und erhalten wird durch eine gute und temperierte Anlehnung an das Gebiss und den Kappzaum und in einem so gutem Takt, dass es nicht gezwungen ist, in der Volte zu sehr auf die Schultern zu fallen, und sich aber auch nicht zu sehr auf den Hanken beizäumt [ramener] und zurückhält. Das vierte, die Übung immer zu beenden, bevor das Pferd verdrossen oder erschöpft ist und deshalb gezwungen wäre, auf die Schultern zu fallen und sich auf die Hand zu legen, denn dann wird die Lektion am häufigsten unnütz.

 




Band I, Kapitel 51


Allgemeine Ratschläge für die vorigen Lektionen


 

Was die allgemeinen Regeln betrifft, die normalerweise beachtet werden sollen bei den guten Schulen, ist es den besseren Meistern gestattet, sie in vielen Fällen abzuändern: denn wenn das Pferd immer von Natur aus eine bessere Neigung zu einer Hand hat als zu der anderen, oder wenn es diverse Abweichungen macht in seinen Lektionen, ist es häufig notwendig, es auf einer Hand eng zu machen und auf der anderen es weit werden zu lassen; es zulegen oder sich zurückhalten zu lassen; und auch es auf einer Hand zu traben und auf der anderen zu galoppieren; die Anzahl der Volten zu vermehren oder zu verringern; einen Wechsel auf die eine oder die andere Hand zu machen; die Passaden zu verkürzen oder zu verlängern und diese mal im Trab, mal im Galopp oder je nach Erfordernis im vollen Galopp auszuführen; und alle diese Variationen zu nutzen, je nachdem ob das Pferd Schwierigkeiten macht oder gehorsam ist. Wenn es aber leicht ist und von gutem Naturell, besonders wenn man es in seiner Lektion zeigen und erscheinen lassen möchte, beachtet der Kunstreiter die Proportionen der normalen Regel: nämlich nicht mehr als zwei oder drei Volten hintereinander auf jeder Hand, gleich in Stärke, Air und Form auszuführen; die Passaden mit gleicher Geschwindigkeit und Länge; beginnend und endend auf der Schwerthand; und überhaupt zusätzlich zur Korrektheit die ganze Lektion lebendig unterhaltend; nämlich wenn sie im Trab ausgeführt wird, soll dieser sehr erhaben sein mit gleichmäßigem Takt und in dieser Art weiter bis zum Ende der Lektion; und im Galopp, die Air auch gleichmäßig und kräftig, bis zum Durchparieren eher die Energie verstärkend als vermindernd, aber ohne es jemals zu überfallen.

Hat das Pferd den Gehorsam und Festigkeit der ganzen Parade geübt, soll das Anhalten aus dem Galopp durch nur minimales Annehmen in Gebiss und Kappzaum ausgelöst werden, nicht ruckartig und nur mit ganz wenig Veränderung in der Anlehnung des Maules und mit leichter Zurücknahme des Körpers diese Aktion begleitend und hierdurch auch die Schultern des Pferdes lösend. Diesen Zeitpunkt soll man wählen, ohne starken Zug durch die Festigkeit des Armes und auch des Körpers, genau dann, wenn das Pferd im Takt des Galopps seine Vorderfüße auf den Boden setzt; sodass sobald es sie danach in der natürlichen Bewegung wieder anhebt, als Folge das Pferd Anlehnung an die Hanken findet. Sollte der Kunstreiter aber im Gegenteil die erste Aktion des Durchparierens machen, wenn die Schultern des Pferdes vorwärtgehen oder in der Luft sind, gibt ihm das Anlass, die Anlehnung an das Gebiss zu verhärten, und lässt es häufig auf den Schultern und auf dem Maul parieren und es auch falsche Bewegungen mit dem Kopf machen, weil es dadurch überrascht wird im Zeitpunkt des Herunterkommens der Schultern. Weil ich nicht gut genug erklären kann, zu welchem Zeitpunkt diese ganzen Paraden aus dem Galopp und auf dem Kurs gemacht werden sollen, überlasse ich dies dem Verstand des guten Kunstreiters, der das Wissen und die Urteilsfähigkeit besitzt, sich angemessen zu verhalten, je nach dem Vorwärtsdrang, den er dem Pferd gab und den Kräften, die er in den Zügeln, den Schultern den Beinen und den Füßen fühlt, und auch gemäß der Ruhe des Kopfes und der Anlehnung im Maul.

 






 

Band I, Kapitel 52


Um die Pferde, die an der Hand ziehen aus Fluchtdrang oder Schwerfälligkeit an die Manege der Passaden anzupassen und leichter zu machen


Die vorbeschriebenen Regeln im Geradeaus und auf den Volten, sowohl im Trab wie auch im Galopp, können eine unbegrenzte Zahl von anderen Lektionen bilden, passend zu den geduldigen und an der Hand lockeren Pferden; und auch die geradeaus auf die Passaden bringen, die störrisch sind; und auch jenen die Anlehnung an das Gebiss festigen, die ein schwaches Maul haben. Für die jedoch, die schwer auf der Hand sind und sich auf die Schultern legen, oder die, die an der Hand ziehen aufgrund ihres zu starken Vorwärtsdranges, oder für andere, muss man generell einen anderen Stil beachten, nämlich, dass wenn es ein Ende der Passade verlässt und fast am anderen Ende angekommen ist, der Kunstreiter das Pferd vor dem Wenden gerade und fest [ferme] durchparieren soll. Diese Regel ist üblich, wird aber wird häufig genug schlecht ausgeführt. Deshalb wünsche ich mir, dass der Kunstreiter weiß, dass dieses Parieren in einem gut abgewogenen Design gemacht soll, entsprechend den Kräften und der Neigung des Pferdes, und nicht wie von denen, die auf den Lektionen der Passaden regellos im Geradeaus durchparieren und bei allen Pferden auf dieselbe Weise vorgehen, ohne zu beachten, dass, wie ich zuvor erklärte, das feste und ganze Durchparieren nicht bei allen Gelegenheiten gemacht werden soll, sondern nur, um das Pferd daran zu gewöhnen, sich beizuzäumen und seine Kräfte auf den Hanken zu versammeln, falls es von Natur aus, oder auf andere Art, auseinandergefallen ist, und falls es beim Galoppieren und Rennen auf die Schultern und auf die Anlehnung des Gebisses fällt; es also durch die Aktion und die Proportion des Parierens die Möglichkeit bekommt, die Volte sicher, korrekt und locker in der Vorhand, und mit einem ruhigen Kopf auszuführen, weil alle diese notwendigen Partien von der festen Haltung der Hanken abhängen. Falls das Pferd jedoch mit zu viel Anlehnung an die Hand und zu sehr auf den Schultern durchpariert, lässt man es ganz anhalten, um es sauber zwei oder drei Schritte rückwärts treten zu lassen, und noch mehr, wenn es nicht zum Anhalten gebracht wurde durch die Aktion des Kunstreiters; und es sogleich, oder ein wenig danach, vorwärts gehen lassen im selben Schritt bis auf die Stelle, an der es vorbereitet werden soll, die Volte gut zu nehmen: an dieser Stelle lässt man es gerade und ruhig für einige Zeit stehen, entsprechend dem Vorwärtsdrang, den es hat, und der Anlehnung und der Qualität des Maules; ohne loszugehen, bevor die Unruhe es verlassen hat, oder es locker der Unterordnung an Gebiss und Kappzaum nachgegeben hat; danach lässt der Kunstreiter es friedlich zwei oder drei Schritte geradeaus gehen, um dann wieder mit dem Wenden zu beginnen, gemäß der Ordnung dieser Lektion.

 

Nochmal, wie schon, als ich die Aktion erklärt habe, die der Kunstreiter beim Parieren beachten soll, unterlasse ich nicht zu sagen, dass er die Zügel gerade halten soll, die Schultern ein wenig zurückgenommen, seine Ellenbogen fest und nahe genug am Körper, nämlich wenn er den Kappzaum hat und es keinen anderen Grund gibt, meine ich, dass nur der Zügelellenbogen nahe der Flanke gehalten werden soll, der andere aber in Freiheit, ohne ihn zu sehr zurückzubringen; die Oberschenkel und Knie steif eingedreht, die Unterschenkel parallel gehalten und sehr nahe am Pferd, um mit dem Sporn drohen zu können ohne große Bewegungen zu machen, um es gerade zu halten beim Anhalten auf der Passade .

Und in dem Maße, wie das Pferd durch den Gehorsam die Proportion der ganzen Parade lernt und übt, zur Vorbereitung auf die Korrektheit und Leichtigkeit der Volte, macht der Kunstreiter die Bewegungen mit der Hand und dem Körper immer weniger stark, lässt es weniger rückwärtsgehen, und stoppt es weniger häufig auf der Stelle des Anhaltens, und mit diesem Mittel lernt das Pferd nach und nach, die Volte an die Parade ohne Unterbrechung anzuschließen, und macht schließlich die eine und die andere locker und mit gleichbleibender Lebhaftigkeit.

Wenn das feurige Pferd beim Parieren und vor dem Beginn des Wendens von Unruhe ergriffen wird, wird es natürlich die Volten in Ungeduld durchführen, schließen und wieder starten, ohne auf die Bewegungen und den Willen des Kunstreiters zu hören oder zu gehorchen. Um diese Ungeduld zu korrigieren, muss man es nach dem Schließen der Volten auf der Passade gerade durchparieren und es je nach dem Ungehorsam rückwärts richten und geduldig still halten, an der Stelle an der es im Geradeaus die Volte geschlossen hat. Und nachdem die Unruhe verschwunden ist, lässt der Kunstreiter es wieder starten, wie ich schon in den vorigen Lektionen erklärte, und es die Ordnung einhalten, bis es, wenn die Gewohnheit dieser Regeln es gelehrt hat, aufmerksam für die Aktion und die Bewegung des Reiters wird, sowohl beim Beginn und während des Schließens, wie auch nachdem es die Volte geschlossen hat.

Aber wenn diese Übung dass Pferd störrisch macht beim Erkennen oder Vermuten einer bestimmten Stelle für die Parade, es sich bei der Parade zurückhält oder die Volte nimmt, ohne auf den Reiter zu hören, treibt man es geradeaus und darüber hinaus vorwärts, bis es freiwillig mit einem freien Mut gleichmütig wendet, sei es zur vermuteten Seite oder unerwartet an einer neuen unbekannten Stelle, ohne angehalten zu werden, und nicht störrischer als es von seiner Natur aus ist.

Oder falls es so wenig Kraft hat, dass man es nach der ganzen Parade auf den Hanken nicht lange ruhen lässt, um die Volte auszuführen, muss man es sogleich nach dem Durchparieren kräftig drei oder vier Schritte geradeaus vorwärts schicken, was ebenso wie der Kurs dazu dient, ihm zu helfen lebhafter zu wenden.

Dieselbe Regel in dieser Art vorwärts zu reiten, ist auch geeignet für gewisse Pferde, die kräftig genug sind, aber deren natürliche Lockerheit der Schultern und des Kopfes oder der große Gehorsam, den sie aufweisen beim Parieren, und manchmal die Lockerheit ihres Maules, ihre Kräfte derart in Anspruch nimmt, oder sie in solcher Aufmerksamkeit hält, dass sie keine Möglichkeit haben, die Volte zu machen oder zu wagen, sie weiterzuführen. Letztere sollen normalerweise nicht mehr als eine halbe Parade machen, und diese nur, um ihnen die Volte zu präsentieren, bevor man die Hand dreht: und außerdem soll man sie ein wenig geradeaus gehen lassen beim Beginn der Tour.

Es ist nicht selten nötig, dass der Kunstreiter diese Aktion der halben Parade begleitet mit einem Zurücklegen des Körpers, wenn auch nur wenig, um seinen Sitz zu verbessern. Denn, wie ich schon bei den ersten Regeln der Paraden erklärte, das Zurückbringen der Reiterschultern dient dazu, Zügelarm und -faust zu unterstützen und dadurch ein gewisses Gegengewicht zu setzen, welches manchmal das Pferd löst, dass sich beim Parieren zu schwer auf die Schultern legt.

Aber es ist ein großer Fehler, ein Pferd am Ende der Passade durchzuparieren, falls es sich zurückhält beim Beginn der Volte, wie auch, wenn es in zu großem Ungestüm ist, und bevor man es in eine gute und feste Haltung bringt, um die Volte gut zu beginnen, durchzuführen und schließen, es heftig zu treiben, damit es von der Hand gehe auf der Passade, während es noch ungestüm ist; andererseits auch, es nicht genug anzutreiben, falls es sich zurückhält. Deshalb möchte ich die Lektion in diesem Stil und in dieser Stärke nicht gutheißen, wenn sie nicht begleitet wird durch die Zustimmung des Pferdes. Aber variiert er seine Aktionen und Bewegungen, möchte ich, dass von dem Moment an, in dem der Kunstreiter die Ordnung der Lektion, je nach den verschiedenen Bewegungen des Pferdes verändert, bis es angepasst ist an die korrekte Proportion der Manege, die man ihm beibringen möchte, dies vor allem passend zu seinem Naturell erfolgt.

Es gibt viele Pferdemenschen, die für den Beginn dieser Lektionen im Geradeaus, sei es im Trab oder im Galopp, die generelle Regel aufstellen, an jedem Ende der Passade nur eine Demi-Volte zu reiten: die einen sagen, um das Pferd nicht zu verwirren, wenn man auf einmal eine zu schwere Lektion beginnt; die anderen haben einfach die Maxime, dass die wichtigste und erste Manege, die der Kunstreiter das Pferd lehren soll, die der einfachen Passade sein soll: also die, die nur eine Demi-Volte am Ende der Passade macht, um zu wenden und wieder anzugehen. Dies ist ein Stil,den auch ich früher eingehalten habe, aber inzwischen bin ich anderer Ansicht: weil mich die Praxis gelehrt hat, dass das Pferd zunächst lernen soll, zwei Volten am Ende der Passade zu machen, denn zweifellos, nachdem es sich daran gewöhnt hat, nur eine Demi-Volte zu machen, fällt es ihm viel schwerer, wenn man versucht nach vorn zu wenden; deshalb verliert der Kunstreiter dadurch nur Zeit, wenn er zuerst die Demi-Volten benutzt. Deshalb sind am Ende die zwei oder drei Touren, die man das Pferd gewöhnlich am Ende der Kampfpassaden machen lässt, die Verbesserungsmittel um es freier zu bekommen im Nehmen und Schließen der einzelnen Demi-Volte: so, dass, um das Pferd gut hinein zu bringen und zu halten in der Schule, der Kunstreiter auf den einfachen Passaden im Terre-a-Terre normalerweise die Volten verdoppeln soll, und vor allem am Ende der Lektionen, um es mehr in Gehorsam und Atem zu lassen. Und das Pferd muss notwendigerweise, wie ich schon sagte, auf beiden Händen auf den ersten mittelgroßen Kreisen frei traben oder galoppieren können und gut, oder wenigstens passabel, durchparieren können, bevor man es auf die Lektionen geradeaus bringt. Und für die generelle Korrektheit dieser Manege muss man es, falls es die Passade sehr lebendig verlässt, vor der Volte gut angepasst an seine Kräfte und Gehorsam durchparieren, die Demi-Volte oder die ganzen Volten oder die doppelten Volten kraftvoll und sorgfältig beginnen, durchführen und beenden, ohne Flucht oder Verwirrung, und gleichmäßig in der Air, der Kraft und in allen Proportionen, sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand, vom Beginn bis zum Ende der Lektion; und die letzte ganze Parade korrekt ausführen mit dem Gegengewicht auf den Hanken, gerade, leicht und kraftvoll, ohne eine falsche Bewegung des Kopfes, des Maules oder des Schweifs, und vor allem nicht überfallartig oder zu lang ausgedehnt. Aber diese Korrektheit soll man nicht eher einzuhalten versuchen, als bis das Pferd durch die Zeit und die Übung dazu in der Lage ist.






 

Band I, Kapitel 53


Die normalen Lektionen für die einfachen Passaden [passades simples]


 

Alle Pferde, die frei die Volten im Trab und Galopp verdoppeln können, schließen die Demi-Volten der einfachen und sehr resoluten Passaden zunächst nicht korrekt, denn diese sind enger und schwieriger als die doppelten Volten. Gewöhnlich tragen sie die Kruppe bei den ersten Lektionen so nach außen, dass zwangsläufig die Demi-Volte offen oder auf andere Weise fehlerhaft bleibt, und sie aus diesem Grunde wieder starten mit den Vorderfüßen auf der Linie der Passade und den Hinterfüßen noch zu weit und entfernt von dieser Linie, sodass sie dermaßen schräg starten, dass sie auf die Schultern fallen und den Körper nicht vorwärts bringen, sondern mit den Hanken zur Seite der Volte. Deshalb sind sie fast schon auf der Mitte der Passade angekommen, bevor sie alle vier Füße auf der geraden Linie haben.

Ein Boden, der zu der Seite hin abfällt, zu der die Volte begonnen werden soll, ist ein sehr gutes Mittel gegen diesen Fehler, und befindet er sich auf diesem Boden, oder auf einem anderen, soll der Kunstreiter sich helfen auf der rechten Hand mit dem Schließen des linken Beines an das Pferd und dabei die Zügelfaust etwas nach oben drehen; sodass er mit äußerer Kappzaumleine und äußerem Zügel den Kopf des Pferdes unterstützen und ihm Hals und Schultern so einstellen kann (es dabei trotzdem vorwärts bringt mit Zügelarm und Zügelfaust, oder wenigstens verhindert, dass es sich einengt [acculer] ), so dass es mit der Zeit nach und nach lernt und sich daran gewöhnt, die Volte so korrekt zu schließen, dass die Hinterfüße fast gleichzeitig mit den Vorderfüßen auf der geraden Linie der Passade ankommen, um durch dieses Mittel immer versammelt [ferme] zu sein und bereit zum lebhaften Wiedervorwärtsgehen mit einem geraden Körper und beiden Hanken gleichmäßig und gleich stark schiebend, sobald es die Demi-Volte geschlossen hat, oder zu irgendeiner anderen Zeit die der Reiter wählen möchte. Auf der linken Hand nimmt er die Zügelfaust zurück, sie immer stet haltend und ebenso den Zügelarm; und den Kopf des Pferdes mit der rechten Kappzaumleine unterstützend, je nachdem, ob es die Hinterbeine vergrößert, oder wenn er eine anderen Anlass erspürt, und sie normalerweise am oder sehr nah am Pferdehals hält. Und um es besser daran zu hindern, die Kruppe herauszuwerfen, und es so zu leichter zur Korrektheit der Demi-Volte zu bringen, tritt der Kunstreiter als Gegengewicht so stark er kann in den äußeren Steigbügel, diesen an der Schulter haltend, während das Bein auf dieser Seite stark gegen das Pferd drückt und er ihm gelegentlich den rechten Sporn vor dem Gurt und die Gerte an dem Oberschenkel und häufig an der Stelle des Sporns auf derselben Seite spüren lässt und es damit touchiert und rügt, falls es ungehorsam ist. Diese Hilfen nutzen dem Pferd, das ein lockeres, ruhiges gleichmäßiges Maul hat, sehr. Hat es aber ein hartes Maul und wenn es zieht, oder sich auf die Hand legt, oder wenn es zu viel Anlehnung an die Hand hat, dann muss man diese Lektion an einer Wand ausführen.

 



Band I, Lektion 54


Lektion für das Dirigieren und Erleichtern des Pferdes auf der einfachen Passade


 

Wenn also das Pferd beim Ausführen der Demi-Volten der gewöhnlichen Passaden auseinanderfällt, auf die Schultern und das Gebiss, zwingt die Hand des Kunstreiters es, wenn er es exerziert, und dabei die Passaden zunächst im Trab entlang einer geraden Wand ausführt, zu Beginn zwei große Schritte von dieser entfernt.

Nachdem er nahe dem Ende der Passade eine ganze oder eine halbe Parade ausgeführt hat, entsprechend der Disposition des Maules und der Kräfte des Pferdes, und nachdem er es wenig oder viel wieder geradeaus vorwärts getrieben hat, je nachdem ob es beim Parieren auseinandergefallen war oder sich zurückgehalten hat, wendet der Kunstreiter sanft im Schritt, zur Seite der Wand, lässt es die Demi-Volte schließen auf der geraden Linie der Passade, so gut er kann, schickt es dabei vor allem vorwärts, wenn möglich, ohne es zu schlagen oder sehr unter Druck zu setzen.

 

Nachdem das Pferd diese erste Übung verstanden hat, lässt er es im Trab wenden, ansonsten die vorherige Ordnung beachtend. Überhaupt ist es gut am Beginn, falls es auf den Volten entier ist, oder sehr empfindlich oder aufbrausend, und vor allem wenn ihm die Lektion unbekannt ist, es geradeaus traben und wenden zu lassen im selben Trab, ohne anzuhalten, um die Passade entlang der Wand zu reiten; denn vielleicht verursacht ihm diese neue Anweisung, so dicht an der Wand zu gehen, solches Aufbrausen und Unruhe, dass es mit vielen Unordnungen dagegen angeht.

 

Wenn das Pferd frei frei geradeaus und auf der Demi-Volte trabt, ohne die Nähe der Wand zu fürchten, muss man es in den kleinen Galopp bringen, und wenn es Schwierigkeiten macht beim Ausführen der Demi-Volte in diesem Galopp, benutzt der Kunstreiter eine halbe Parade, falls es locker an der Hand ist; hat es dagegen zu viel Anlehnung, macht er eine ganze Parade, und lässt es danach besonnen im Trab angehen, drei oder vier Tritte geradeaus (ich meine hier die, die locker sind), und in diesem Trab die Demi-Volte machen, ohne zu eilen. Wenn es aber an der Hand zieht , lässt er es im Gegenteil sehr eng im Schritt und im kleinen Trab wenden, ohne es vor dem Wenden geradeaus gehen zu lassen, außer ein oder zwei Schritte vor die Stelle, auf der er es durchpariert hatte, und lässt es die Volte schließen auf der geraden Linie der Passade, um es sogleich wieder angehen zu lassen auf dieser, und am anderen Ende dieselbe Übung auf der anderen Hand auszuführen.

Und weil das Missbehagen einer zu lange andauernden Übung gelegentlich beim sensiblen und aufbrausenden Pferd einige bösartigen Mutationen auslösen kann, und die, die von Natur aus furchtsam sind, erschrecken und abstoßen könnte, ist es nötig, diese Regel häufig zu variieren: nämlich wenn das Pferd diese Lektionen gut erlernt hat, soll man es in einen Trab entlang der Passade bringen, und wenn es ca. drei Tritte vor dem Ende der Passade ist, treibt der Kunstreiter es vorsichtig, ohne zu parieren, drei oder vier Tritte geradeaus, um es in einen niedrigen und leichten Galopp zubringen, in dem er es lehrt, die Demi-Volte zu nehmen und durchzuführen, und wenn er sie geschlossen hat, es sogleich wieder in den Trab zurücknimmt und in diesem weiterreitet auf der geraden Linie der Passade, und dasselbe auf der anderen Hand macht. Und wenn es bei diesem Beginn passiert , dass das verwirrte Pferd verunsichert den Galopp auf der Demi-Volte unterbricht, darf der Kunstreiter keine Gewalt anwenden, außer es geht sehr stark dagegen an. Wenn es nahe dem Ende der Passade ist, man macht gewöhnlich für die erste Bewegung des Galopps zwei oder drei Sprünge geradeaus, um diese Demi-Volte zu beginnen, und weil zur selben Zeit, wenn das Pferd diese schließt, wie es dies im Schritt oder im Trab gemacht hatte (gemäß der vorigen Ordnung), lässt der Kunstreiter es sorgfältig im Galopp angehen, geradeaus auf der Linie der Passade, so wird das Pferd zweifellos durch die Übung in kurzer Zeit und ohne Verwirrung die Air des Beginns der Terre-a-Terre Volte mit der Ordnung des Angehens im Galopp aus der vorhergehenden Lektion verbinden; und durch dieses Mittel wird es die Demi-Volten dieser Passaden mit der Zeit erlernen und sicherer ausführen in ihrer wahren Korrektheit.

Manchmal passiert es, dass wenn das Pferd beginnt, den Zeitpunkt der Demi-Volte gut zu nehmen, es in so eine Unruhe verfällt, dass es ungeduldig sofort wieder angehen möchte, ohne die Demi-Volte zu schließen und zu vollenden: um diesen Fehler zu verbessern, muss man es im Trab eine ganze Volte ausführen lassen (ohne Zeit zu verlieren, es einzuengen oder es zu überfallen) in dem Moment, in dem es die Demi-Volte im Galopp oder im Terre-a-Terre vollendet hat, und es danach durchparieren, ohne ihm zu gestatten, auf der geraden Linie der Passade vorwärtszugehen bei jedem Mal, bis durch dieses Mittel das unruhige Verlangen, wieder anzugehen, bevor die Volte korrekt geschlossen wurde, verschwunden ist.

Durch dies Erklärungen kann der Reiter verstehen, dass die Wand nicht nur geeignet ist, um die schwerfälligen Pferde, und die, die zu viel Anlehnung haben, durch diese Lektionen leichter zu machen [allegrir], sondern auch die, die aufbrausend und bizarr sind, leichter zustimmen zu lassen, und dies ohne die Anwendung extremer Strafen. Um diese Lektionen besser zu verstehen, werde ich von dem gewöhnlichen Irrtum über die Bequemlichkeit der Wand erzählen, dem die meisten, die maßgebend sein wollen in diesen Passaden, unterliegen.






Band I, Kapitel 55


Hinweise zur guten Ausführung der Passaden entlang einer Wand und der Volten zur Wand.


Quasi alle, die die vorgenannten Lektionen ausführen, legen die Piste der Passade sehr nahe an die Wand, und um zur Seite dieser zu wenden, weichen sie vorher notwendigerweise zur anderen aus, um den Platz zu vergrößern, auf dem sie danach die Demi-Volte ausführen wollen. Hier irren sie sehr, denke ich, hauptsächlich aus zweierlei Gründen: der erste ist, dass sie die Passade verfälschen, welche aus Gründen, die ich bereits weitschweifig andernorts erklärt habe, ganz gerade sein soll von der Stelle, an der das Pferd von der Hand los geht, bis zu der ersten Bewegung der Tour: darunter verstehe ich die erste Bewegung, die man macht zu der Seite, auf der man die Volte beginnen und schließen möchte. Der andere, dass sie verhindern, dass das Pferd die Möglichkeit hat, zu der Seite zu sehen und den Kopf zu stellen, zu der es wenden und die Volte schließen soll; welches die Aktion ist, die ich häufig vor allem empfehle, um zu verhindern, dass es entier oder störrisch wird auf irgendeiner Hand. Einige werden sich erinnern, dass ich andernorts zugestimmt habe, dass diese Finte zu einer Seite, um sodann zur anderen Seite zu wenden, manchmal dazu dienen kann, die Hanken eines Pferdes einzurichten, das auf der Volte zu sehr ausfällt. Das ist wahr, wird aber nur selten genutzt, und nur wenn das Pferd die Hanken nicht festigen kann oder dem nicht zustimmen will, und auch wenn es sich entzieht, um sich ungeduldig zu wenden (ohne überhaupt auf die Hand des Reiters zu hören), sobald man beginnt, es durchparieren zu wollen; generell aber ist dies als Fehler anzusehen. So habe ich nun die ganz offensichtlichen Gründe für die Regeln der vorhergegangenen Lektionen im Geradeaus und der ganzen, gedoppelten Volten beschrieben.

Um diese Lektionen profitabler zu machen, sei es entlang einer Wand oder ohne deren Unterstützung, muss man gewöhnlich die eine Passade kurz, die andere lang und wieder eine andere mittellang machen, und danach eine andere sehr kurz, oder sehr lang, und auf diese Weise die Entfernung zwischen den Volten verändern, je nachdem, ob das Pferd sich zurückhält oder auseinanderfällt, um es dauernd aufmerksam für die Aktion der Hand und der Schenkel des Reiters zu halten und ihm nicht zu erlauben, die Stelle der Parade oder der Volte zu erahnen oder zu fürchten; und überhaupt sollen die ersten Übungen im Trab oder im kleinen Galopp gemacht werden, ohne die Lebhaftigkeit der Manege zu verstärken, außer in dem Maße, wie das Pferd den Gehorsam und die Leichtigkeit trainiert hat. Denn nichts schadet der Korrektheit der Passaden mehr als ein zu großes Ungestüm. Aus diesem Grunde, um das Pferd lange in der Schule zu halten und in gutem Zustand auf den lebendigen und entschlossenen Passaden, soll der Kunstreiter das Feingefühl besitzen, das Ende dieser Übungen für gewöhnlich im kleinen oder mittleren Galopp, und manchmal im Trab zu machen, nämlich wenn das Pferd an der Hand zieht, und falls es ein aufbrausendes, heißblütiges und ungeduldiges Temperament besitzt. Ist es dagegen störrisch, ist es gut, diese Übungen lebhaft und häufig nach einem ausreichend langen, furiosen Galopp zu beenden. Denn bald nach dem Antreten durchzuparieren und kurze Passaden wirken extrem gegen die Entschlossenheit stätiger Pferde. Wie all diese Varianten der Schule ja nur dazu erfunden wurden, um dem Pferd die schlechten Fantasien zu vertreiben und es schließlich zum Gehorsam und zur Genauigkeit und Leichtigkeit in den guten Lektionen zu bringen. Und bezüglich der korrekten, letzten Proportionen dieser Manege habe ich schon gesagt, dass die Passaden und Demi-Volten gleichmäßig ausgeführt werden sollen in Bezug auf den Raum, die Lebhaftigkeit, ihre Air und allen Bewegungen.

Je nachdem, wie das Pferd zusammengesetzt ist und welche dieser Lektionen sich für seine Neigungen am passendsten herausstellen, macht der Kunstreiter normal weiter, dabei alle Genauigkeiten geduldig beachtend, sodass das Pferd davon profitiert, und wechselt die Lektion, den Platz und die Form des Bodens, je nach den Fehlern und Anlässen die ich schon beschrieben habe, und die gelegentlich den verschiedenen Mutationen vorausgehen können, die das Pferd macht, bevor es gut geschult ist, vor allem bei dem, dass sich die Übungen besser merkt, das sich besser erinnert an die Rügen, und das ein aufbrausendes Gemüt hat, oder ein hitziges, böswilliges, oder zu empfindliches und störrisches. Daher kommt es, dass nachdem man einen Tag lang eine Lektion mit viel Hingabe und Geduld und einigen passenden Rügen gegeben hat, um das Pferd, das in seiner Manege zu sehr ausfällt, ein wenig mehr zu schulen, dieses sich beim nächsten Training dermaßen einengt, dass der Kunstreiter manchmal dieselbe Mühe hat, es wieder herauszubringen, und danach wieder dasselbe umschulen zu müssen. Das sind die Pferde, die ich meine, die man häufig die Ordnung und die Stelle der Schule wechseln lässt, um zu verhindern, dass sie den Willen des Reiters erahnen und vorausdenken, um sie durch dieses Variieren aufmerksam und zugewandt zu halten für die Aktionen und genauen, aber trotzdem verschiedenartigen Anweisungen der Faust und der Schenkel zu Reiters.

Bei diesen kann man überhaupt lernen, dass die Erinnerung eine gute Partie ist und sehr nötig für das Pferd mit einem guten Temperament, um die Übungen gut regulieren zu können, um es gut an die Air und die Korrektheit der guten Schule heranzuführen; aber das Pferd von schlechter Natur, das stätig oder zu empfindlich ist, kann sich manchmal ebenso diese Partie des Gedächtnisses zunutze machen, um die gewöhnlichen Übungen falsch auszuführen, und auch um sich den notwendigen Rügen zu widersetzen. Überhaupt bedeutet das nicht, dass man einen Fehler macht wenn das böswillige Pferd gar kein mangelndes Gedächtnis hat, noch dass man nicht gelegentlich die Lektionen variieren bei dem, das von guter und friedlicher Natur ist. Aber es ist nötig, dass der Kunstreiter sorgfältig mit vielen guten Mitteln arbeitet bei einem Pferd, welches die o.g. Fehler hat. Denn es reicht nicht aus, es rügen zu können, nachdem es einen Fehler begangen hat, sondern es ist vielmehr notwendig, dass der gute Kunstreiter die Urteilsfähigkeit und die Erfahrung zur Vorbeugung nutzt, um zu versuchen das Fehlverhalten, zu dem es neigt, schon zu verhindern, bevor es auftritt.

Ich will den Stil derer, die für gewöhnlich feste Figuren mit festen Abmessungen benutzen, nicht völlig verurteilen, denn viele der guten Personen in dieser Kunst sind davon überzeugt und nutzen sie auch; aber ich bin ganz sicher, wenn man das Pferd häufig auf der Schule trainiert, an Stellen die es nicht gewohnt und ihm unbekannt sind, und unter anderen Pferden, es dabei leichter und aufmerksamer wird, und der Kunstreiter viel mehr Bequemlichkeit bekommt, die Zeitpunkte auszusuchen und zu nutzen, in jener Proportion der Schule, und mit solchen Rügen, die er möchte, besonders wenn das Pferd störrisch, oder zu locker und empfindlich im Trab oder Galopp ist, oder in anderen Arten der Air und der Manege: denn wenn das Pferd sich zurückhält und sich einengt auf der Volte, wird der Kunstreiter zum Meister des Feldes, um es nach seinem Willen kräftig voranzutreiben, so kurz oder so weit wie nötig, um es an einem neuen Ort zu lösen. Verlässt es dagegen mit zu viel Ungestüm eine Stelle, kann der Kunstreiter es zurückhalten und rückwärts gehen lassen, so wie er möchte, um dann danach wieder weiterzumachen, oder seine Manege zu verändern an dem Ort, den er für besser geeignet hält, und wenn es sich zu sehr einengt auf einer Hand, oder ausfällt auf der anderen Hand, hat der Kunstreiter immer den freien Platz zum Erweitern oder Verkleinern wann immer es auftritt; und kann die Anzahl der Volten erhöhen oder reduzieren, auf der einen oder der anderen Hand, je nachdem, welche gute oder schlechte Fantasie er bei dem Pferd spürt. Und meiner Meinung nach ist es die bessere Schule, die man einem zum Krieg bestimmten Pferd geben kann, vorausgesetzt, es hat eine lockere Anlehnung: denn wie ich vorher schon gesagt habe, benötigen die schweren Pferde, die sich zu stark anlehnen und an der Hand ziehen, gewöhnlich bestimmte geplante Stellen, begrenzt und passend zu ihrer Neigung, um sie mit großer Kunstfertigkeit an den Gehorsam, die Übung und die Leichtigkeit einiger guter Manegen heranführen. Aber am Ende geben sich jene, die von Natur aus kräftig und gut an der Hand sind, perfekter in den Manegen, vor allem in denen für das Trainieren des Schwertkampfes an verschiedenen und unterschiedlichen Stellen (ich meine mit gut an der Hand, wenn das Maul nicht hart und nicht zu zart ist, was man am treffendsten als „fest“[ferme] oder „an der ganzen Hand“ bezeichnen kann).

Sobald das Pferd frei und ruhig seine Manegen macht, gestatte ich dem Reiter den normalen Stil der Übungen zu variieren, sei es, es die Volten redoublieren zu lassen, oder Handwechsel auf einem selben Kreis, oder zwei verbundenen, zu machen; die Schlangenlinie, anstatt geradeaus zu reiten; oder loszugehen von einer Stelle, um die Hand an einer anderen Stelle zu wechseln; oder durch Ausführen der Schnecke und vieler anderer, verschiedener Figuren der Manege. Am Ende ist er frei, es zu arbeiten, wie es ihm gefällt, denn ist das Pferd leicht und gut in seiner Schule, dann gehorcht es ihm ohne Erschrecken oder Verwirrung auf alle seine korrekten Bewegungen hin; aber wenn er es, schon bevor es daran gewöhnt ist, frei viele Male sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand zu wenden, häufig die Schlangenlinie gehen lässt oder es damit überrascht, nur Demi-Volten zu machen oder manchmal nur eine einzige ganze Volte, verweigert es ohne Zweifel danach häufig mehr zu tun, wenn man es dann möchte. Und sobald es frei und entschlossen ist beim Wenden, variiert man gewöhnlich das Ende der Lektion mit dem Redoublieren der Volten, um es noch gelöster und gehorsamer werden zu lassen.

 




Band I, Kapitel 64

 

Über die Unterschiede der erhobenen Airs, die man bis heute praktiziert und die, die verschwunden sind

 

 In meinen jungen Jahren exerzierte man sieben Arten der erhobenen Airs, nämlich Levaden, Hammelsprünge, den munteren Galopp [galopp gaillard], (der heute Schritt und Sprung genannt wird), Sprünge auf der Stelle, die man danach Kapriolen genannt hat; Ballotaden, die wir heute Croupaden nennen; und Courbetten, die die modernsten sind und die nicht den Namen gewechselt haben.

Seitdem sind sie reduziert worden auf drei, nämlich Kapriolen, Croupaden und Courbetten, die in Wahrheit die angemessensten und vornehmsten sind. Dennoch scheint mir, dass Schritt und Sprung (das man fast ganz aufgegeben hat), außer dass es die erste und natürlichste ist, auch die ist, die den Reiter besser aussehen lässt beim Einreiten bei einem Turnier oder einer Maskerade zu Pferd, denn diese Air bringt große Heftigkeit, Munterkeit und etwas Martialisches mit sich, was die anderen nicht haben. Und alle, die meinen, in alle Arten der Manegepferde gut gehen lassen zu können, verstehen nicht gut die Proportionen dieses Galopp galliards, wie leicht er auch zu sein scheint.

Und weil ich ihn besonders liebe, und ich mir eine gewisse Reputation in meinen ersten Übungen erworben habe, habe ich mir freiwillig vorgenommen, ihren Gebrauch zu erneuern, falls die Gesundheit es mir erlaubt und ich die Mittel dazu habe. Aber die am wenigsten heftige und die am weitesten verbreitete dieser vier letztgenannten Lektionen ist die der Courbetten, über deren Regeln ich zuerst schreiben will.

 

 




 


 

Band I, Kapitel 65

 

Regeln für die Air der Courbetten und Croupaden

 

 Um das Pferd zu der Air der Courbetten bringen zu können, muss es vorher eine ruhige Kopfhaltung haben, leicht und entschlossen in Trab und Galopp sein, auf engen und auf weiten Volten, und auf beiden Händen; gehorsam sein in der ganzen Parade, zugewandt und sicher in den Aktionen und den üblichen Bewegungen der Hand und der Beine des Reiters. Auf dieser Grundlage wird es normalerweise eine gute Anlehnung zeigen in einer so feinen und lockeren Art, dass man es leicht in die Air der Courbetten oder der Croupaden bringen kann, aus dem Trab oder dem versammelten Galopp, es zurücknehmend durch eine sanfte Anlehnung, und es munter antreibend mit der Stimme, und ihm helfend mit dem Gertenende an der Schulter, um es nach und nach, ohne Gewalt, im Takt des Galopps sich erheben zu lassen, je nachdem wie es ihn verkürzen und sich in ihm halten kann, durch das Mittel bestimmter langer Paraden, angepasst an die Losgelassenheit des Pferdes. Und in dieser Übung bringt ein leichtes oder und mittleres Gefälle viel Bequemlichkeit zur Festigung der Hanken und damit zum lockeren Erheben der Schultern.

 Nachdem das Pferd gemäß dieser Regeln begonnen hat, eine Air entsprechend seiner Kraft und Veranlagung auszuführen, kann man es für seine ersten Lektionen auf die Demi-Volte im Vorwärts geradeaus bringen. An jedem Ende einer ganz geraden Passade lässt man es eine Demi-Volte machen. Um diese Regel besser zu erklären, sage ich, dass man das Pferd ungefähr 30, oder mehr, oder weniger, Schritte geradeaus im Trab machen lässt, je nach Ungeduld oder Schwierigkeit, oder Freiwilligkeit, die es zeigt beim sauberen Schlag im Trab, gleich, fest und entschlossen: dies muss man nötigerweise entscheiden, bevor man aufhört geradeaus zu gehen: falls nötig soll man die Passade auf 50 Schritte verlängern, oder noch mehr. Aber wenn es sich frei in einen guten Trab bringt, ist das richtige Maß 30 Schritte, welches dann für alle Arten von Pferden richtig ist.

Wenn das Pferd flink vorwärts trabt, macht man eine halbe Parade (oder, um diesen Ausdruck besser zu verstehen: hält man es nach und nach zurück), ihm dabei sanft in losgelassener Weise in seine Air helfend, bis es auf der geraden Linie der Passade mindestens drei Courbetten gemacht hat, die um so besser proportioniert und umso ebenmäßiger werden, je besser sein Beginn in den ersten Lektionen der guten Schule gewesen ist und je mehr Training in diesen das Pferd bekommen hat. Denn die Perfektion zu suchen in irgendeiner Air, wenn diese Übungen ganz neu sind, verursacht häufig viele Fehler.

Nachdem man es wieder hat vorwärts gehen lassen, ungefähr drei Schritte im selben Trab, falls es sich zurückhält, oder im Schritt, wenn es sich zu sehr stützen lässt; und in dem einen oder dem anderen die Demi-Volte etwas eng reitet, falls es sie ausweiten will, oder weit genug, wenn es sich einengt oder schließt; und wenn er auf der rechten Hand ist beim Schließen der Demi-Volte, dreht der Kunstreiter die Zügelfaust nach innen, und ein wenig nach oben, ohne sie irgendwie zu erschüttern, und gleichzeitig das gegenüberliegende Bein gegen das Pferd nahe an der Schulter schließt, ihm damit hilft und gegen sein Misstrauen arbeitet, oder mit einem mittelmäßigen Sporndruck, um es zurückzubringen, seitwärts gehend und nah der Seite, auf die gerade Linie der Passade (den Kopf nach rechts haltend zu der Stelle, an der es losgegangen war), um es so viele Schläge seiner Air wiederholen zu lassen wie es gemacht hatte, bevor es die Demi-Volte begann. Wenn diese Schläge beendet sind, lässt der Kunstreiter es geradeaus diese Stelle verlassen, um eine andere auf der anderen Hand auszuführen: dabei muss es sich vor allem gut vorwärts bewegen, damit es sich nicht einengen kann, und die geraden Schläge nicht zu sehr hasten kann.

 Weil es nötig ist, dass der Kunstreiter den Unterschied dieser Begriffe „heben“[haulser], „erhalten“ [soustenir] und „dazu bringen“ [porter] kennt, bemerke ich hier nebenbei, dass „heben“ nur das Erheben und in seine erhobene Air bringen ist; „erhalten“ heißt, dass es nicht zu schnell hintereinander die Füße auf die Erde zurücksetzt und dabei weder rück- noch vorwärts geht; und „dazu bringen“ das ordentliche Erheben, Unterhalten und Vorwärtsgehen zusammen bedeutet, wenn es in der Air ist.

   Es kann sein, dass das Pferd so locker und mit so großer Leichtigkeit ausgestattet ist, dass man es beim Wiedererheben (in der ganzen Parade aus dem kurzen Galopp) in die Courbetten, wenn es den Takt und die Bewegungen erlernt und trainiert hat, leicht auf die Demi-Volte bringen kann, ohne die Air zu unterbrechen, und es dort nach und nach sicherer zu machen. Und um es darin noch mehr zu festigen, soll der Kunstreiter die Geduld aufbringen, das Pferd die vorhergegangenen Übungen praktizieren zu lassen, bis es in diesen stark ist; denn zweifellos während der kontinuierlichen Übungen zum Erlernen des Taktes der Air, nach dem Schließen der Demi-Volte im Schritt, entsteht nach dem Schließen dieser das Bedürfnis,sich auf die gerade Linie der Passade zurück zu begeben, wo es gewohnt ist, die letzten Schläge zu machen, was dazu führt, dass es sich nach kurzer Zeit von selbst in seine Air bringt, bei der Ankunft auf dem Halbrund der Demi-Volte im Trab oder Schritt (und gelegentlich eher), um freiwillig das Ende und die Hälfte der Demi-Volte in der erhobenen Air zu festigen und zu beenden, wie es entsteht durch diese Gewohnheit.

Es ist es andererseits nicht ganz falsch, wenn der Kunstreiter schon beim Ausführen der Schläge vor der Parade beginnt, es zu wenden, vorausgesetzt es macht jene, die zuvor die letzten geradeaus gewesen sind, und erhält durch diese die erste Aktion und bald die ganze erhobene Demi-Volte.

Beim Ausführen dieser Lektion soll der Kunstreiter das Pferd sorgfältig vorwärts reiten, und, um es weniger einzuengen, oder zu hastig zu werden, es dabei immer dazu bringen, auf die Spur der Demi-Volte zu sehen, auch schon beim Beginn: durch diese Mittel bringt man es leicht zur Verbesserung, ohne die Gleichmäßigkeit seiner Air zu unterbrechen. Und wenn es beim Beginn der ersten Aktion der erhobenen Volte (weil es durch die Schläge geradeaus überrascht wird) einige kleine Fehler macht, soll man es dafür nicht rigoros bestrafen, um es nicht zu erschrecken oder zu verärgern. Denn durch Fortsetzen dieser Übung mit Geduld wird es nach kurzer Übung die ganze Proportion der Air verstehen und auch die der Demi-Volte.

Um es eher und leichter zur Zustimmung in dieser Lektion zu bringen, kann man sich der Bequemlichkeit eines Bodens bedienen, der sich ein wenig zu der Seite, auf der das Pferd die Demi-Volte beginnt, neigt. Man muss anmerken, dass in dem Maße, wie es dazu neigt, die Kruppe aus dem Kreis der Demi-Volte zu bringen, man dies verbessert, indem man die Hand durchhält und dabei nach vorn führt, ohne sie innerhalb der Spur zu bringen, und auch durch das Anlegen des gegenüberliegenden Beines beim Beenden der Demi-Volte, und man auch die Neigung des Bodens sehr munter zu der Seite nehmen soll, zu der es wendet. Und in dem Maße, wie es sich anpasst, verringert man nach und nach die Neigung des Bodens.

Wenn das Pferd diese Demi-Volte sauber und gut ausführen kann, sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand, und wenn der Kunstreiter erkennt, dass es genug Kraft hat, seine Air vorwärtsgehend auf den Volten auszuführen, wechselt er die Stelle und verstärkt die Lektion auf einem ebenen und geraden Boden, und anstatt die vorbeschriebenen Schläge im Geradeaus oder auf einer Stelle auf der geraden Linie der Passade zu machen, und das Pferd anzuhalten nachdem es die Demi-Volte geschlossen hat, lässt er es auf dem Kreis gehen, sobald der Schlag, der die vollendete Demi-Volte schloss, gemacht wurde, und bringt es in den Trab oder einen großen Schritt, um darin mit dem Wenden weiterzumachen, und erweitert die Figur zur ganzen Volte, bis es mit den Vorderbeinen auf der Stelle angekommen ist, an der es gewohnt ist, die vorangegangene Demi-Volte zu beginnen, und dort, ohne anzuhalten oder den Takt zu verlieren, nimmt der Kunstreiter es an und hilft ihm, erneut eine Demi-Volte in seiner Air zu beginnen, auf einem sauberen Kreis, wie vorher; und dann am Ende dieser lässt er es wenigstens drei Schläge seiner Air im Geradeaus schlagen (oder auf der Stelle, falls die Anlehnung des Mauls schwach oder ziehend ist), und wenn möglich, ohne sein sauberes und ordentliches Maß zu unterbrechen.

Wie ich in schon der vorigen Lektion sagte, führt die Gewöhnung an die Schläge, die die Demi-Volte schließen sollen, dazu, dass das Pferd sich von selbst in seine Air bringt, schon bevor es an deren Ende ankommt; es passiert auch, dass durch die Gewohnheit der Wiederholung dieser Schläge, beim Traben oder beim Schrittgehen während des Vergrößerns zur ganzen Volte, und beim Ankommen an der Stelle, an der es gewohnt war, seine Air zu beginnen, es sich immer häufiger von allein wieder in seine erhobene Air bringt, anstatt dieses Halbrund im Trab oder Schritt zu machen (das man beginnt am Ende der Schläge der ersten Demi-Volte, um zum ganzen Kreis der Volte zu vergrößern).

Je nachdem, wie das Pferd geneigt ist, kann man es beim Wenden seine Air weitermachen lassen, ohne es in Trab oder Schritt zu bringen, und ohne Unterbrechung die Volte auf der geraden Linie der Passade normal beenden und schließen, als gute Basis zum Weitergehen an deren anderes Ende. Durch das Üben dieser Lektion festigt man in kurzer Zeit die Air der ganzen Volte und kann dann in derselben Ordnung die Lektion weiter verstärken: von einer Volte zu zwei, und weiter zu drei, wenn es dem Pferd nicht an Kraft und Losgelassenheit fehlt, sodass es nicht pausiert, wenn es den Handwechsel beginnt. Wenn sich das Pferd allerdings dabei zu sehr einengt oder es entier wird, liegt das daran, dass es sich angewöhnt hat, vor sich zu schauen und auf die Spur der Volte; ich werde im zweiten Band diese Regel genauer erklären.












Band I, Kapitel 66

Erste Regel für den Handwechsel auf redoublierten Volten


 Wenn das Pferd die Volten sauber auf beiden Händen doubliert [d.h. im Seitwärts auf zwei Spuren; DA], dabei die Air seiner Manege gleichmäßig erhält, ohne die Kraft zu verlieren oder außer Atem zu kommen, verkürzt der Kunstreiter nach und nach die Passade und damit den Abstand der Volten, in derselben oben beschriebenen Ordnung, bis die beiden fast vereinigt und nur noch einen Schritt auseinander sind, um die Volten wiederaufzunehmen und verwandelt diesen Schritt am Ende dabei in einen Schlag vorwärts, und kann so die Hand wechseln, ohne den Takt seiner Air zu stören, um die Übung auf der Stelle zu redoublieren [mehrfach hintereinander wiederholen;DA], immer der einen Spur und dem sauberen Rund folgend.

Wenn beim Befolgen dieser Ordnung der Kunstreiter fühlt, dass Kraft und Stimmung des Pferdes nicht dazu ausreichen, kräftig die erhobene Air der redoublierten Volten auf einer Stelle zu unterhalten, sei es in Courbetten, oder in Croupaden, rate ich ihm, sich mit denen zu begnügen, die er erzielen kann, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen. Denn, wie ich schon vorher gesagt habe, gibt es nichts, dass so sehr die Gefühllosigkeit oder die Unwissenheit des schlecht ausgebildeten Kunstreiters zeigt, als ihn zu sehen bei starrsinnigen Versuchen, das Pferd zu etwas zwingen, was es nicht ausführen kann: und nichts erfreut den gut ausgebildeten Reiter weniger, als eine gezwungene Manege, ohne Lebendigkeit und die durch die Gewalt der Hilfen und rigorosen Strafen hervorgebracht wird. Dann ist es doch viel lohnender, sich auf getrennten einfachen oder doublierten Volten oder auf Demi-Volten und einfachen Passaden zu halten, sofern diese dann sauber, schön und gleichmäßig in ihrer Air und allen Proportionen sind.

 







 

Band I,Kapitel LXX

Andere sehr ausführliche Regeln für die Courbetten und Croupaden mit einigen besonderen Anleitungen um das Pferd gut einzuschätzen, das diese Airs besser ausführen kann

[Anmerkung DA:  La Broue verwendet nie das Wort Levade, aus dem Text geht aber eher hervor, dass er mit Pesade tatsächlich eine Levade meint (auch die Abbildung bei Gueriniere mit dem Titel "Pesade" zeigt ja eine Levade), deshalb habe ich im Folgenden nur den Ausdruck Levade benutzt!]


Für ein Pferd, das leicht in den Airs der Courbetten und der Croupaden in den zuvor erklärten Lektionen geht, gibt es hundert mit anderer Beschaffenheit, die beim Beginn völlig die vorgenannten Regeln verweigern, aber man darf bei diesen nicht aufgeben, nach guten Mitteln der Kunst zu suchen. Denn es gibt kein Pferd, dass sich extrem der guten Schule verweigert, aber trotzdem am Ende fertig, gut führbar und sehr leicht ist.

Wenn also das Pferd ruhig in Kopf und Maul ist, sicher im Trab und im weiten und großen Galopp, und den normalen und guten Hilfen gehorcht, bringt der Kunstreiter es (wenn es leicht an der Hand ist) im Schritt geradeaus an verschiedene ebene und gleichförmige Stellen, und versucht ohne anzuhalten die Vorhand des Pferdes zu erheben, mit durchhaltender Hand und Unterstützung der Waden, dem Gertenende, der Stimme und Zungenschnalzen. Und wenn es von Natur aus aufbrausend, erdgebunden oder sehr empfindlich ist, und es anstatt sich zu heben, zittert, sich eng macht, sich freimacht, oder sich wehrt, muss man häufig die Stelle wechseln, im Trab oder gelegentlich im Galopp, je nachdem wie stark es sich zurückhält, denn damit kann man gut die schlechten Absichten vertreiben.

Und wenn sich trotz all diese Maßnahmen nicht munter erheben will, oder gehorchen, besteht keine große Gefahr, wenn man es im Extremfall mit dem Gebiss, der Gerte oder den Sporen stark unter Druck setzt, bis es gut die Vorhand hebt, es dabei immer am Stehenbleiben und Rückwärtsgehen hindernd, um ihm Möglichkeiten des Verweigerns zu nehmen.

Danach, wenn es eine gute oder schlechte Levade ausgeführt hat, gibt der Kunstreiter die Hand nach und streichelt es im Schritt geradeaus und lässt ihm Leckereien durch einen Helfer am Boden reichen, der sich betont immer vor dem Pferd hält.

Ist es einige Male so gegangen, und die Abneigung gegen diese außergewöhnliche und unwissend begonnene und sehr anstrengende Lektion vorbei, beginnt der Kunstreiter wieder es zurückzunehmen und sanft zu versuchen, es die Vorhand heben zu lassen, und wenn nötig, wieder Druck aufzubauen, damit es noch eine Levade macht, wie die vorherige, ohne zu viel Wert auf eine genaue Ausführung zu legen, falls es nicht den Rumpf gerade halten will, oder andere Fehler in der Haltung der Vorderbeine oder des Kopfes auftreten sollten: denn am Anfang würde die Verschiedenheit der Hilfen und Rügen eine Verbesserung verhindern.

Weitergeführt mit gutem Urteil und Geduld, lässt man es weitergehen, nach und nach von einer Levade zu zwei, und dann zu drei; hoch, vorwärts und trotzdem leicht, die Anzahl und das Streicheln vermehrend, in dem Maße, wie das Pferd sicherer und zustimmender zur Anzahl und zu den Bewegungen der Hand und der Waden wird.

In dem Maße, wie man danach aufhört, zulegt und versammelt, nach und nach, und durch Üben des Taktes der Levaden, wandeln sie sich zu Courbetten.

Der Unterschied der Courbetten zu den Levaden ist, dass die Levaden langsamer, mit höher erhobener Vorhand und weniger begleitet durch die Hinterhand ausgeführt werden; die Courbetten sollen mit tieferer Vorhand und mehr vorwärts, mit schnelleren Schlägen und mit einer geschlossenen Kruppe sein: die Sprunggelenke gebeugt und straff, die Hinterbeine gleich und gleichzeitig arbeitend, im Vorwärtsgehen und Aufsetzen bei jedem Takt und Schlag, mit einer zusammengezogenen Bewegung, sehr genau und begrenzt, so dass eine nicht höher oder mehr vorwärts geht als die andere.

Zurückkommend auf die Ordnung dieser Lektion: ist das Pferd schwer auf der Vorhand, lässt man es halten vor dem Erheben, im Gegensatz zu denen, die locker sind; und wenn es zu viel Anlehnung hat, lässt man es vor den Schlägen gelegentlich zwei oder drei Schritte rückwärts gehen, um ihm die Hinterbeine lockerer und sicherer zu machen. Und um es dazu zu bringen, dass sich besser auf den Sprunggelenken hält und die Vorhand leichter erhebt, ohne zu viel Anlehnung an der Hand, nutzt man ein Gefälle und macht darauf genauso weiter, falls es schon frei drei oder vier Levaden machen kann, denn durch das Üben dieser erhält es weniger Unbehagen am Gefälle.

Courbetten sind sehr angebracht bei den dazu fähigen Pferden, sie sind nicht nur schön und erfreuen den Reiter, sondern sie sind quasi notwendig um den Kopf des Pferdes sicherer zu machen: in dem Maße, in dem sie auf die Anlehnung des Maules gegründet und daran angepasst sind, oder sein sollen. Sie sind auch gut geeignet zum Erleichtern der Vorhand des Pferdes, denn sie können nicht ausgeführt werden, wenn das Pferd nicht seine Kräfte auf der Hinterhand zusammennimmt, und darum muss man die Vorderbeine und Schultern entlasten, besonders bei der ganzen Parade.

Auch bedienen wir uns der Aktion der Levade als ein Hauptmittel für die Pferde, die eine niedrige Vorhand haben und deshalb naturgemäß schwerfällig auf den Schultern parieren.

Hat das Pferd aber gar keine Neigung zu Courbetten, und man lässt es sie üben, indem man es häufig durch ermüdende Lektionen davor bei Bedarf zwingt, kann man es dadurch wirklich ruinieren, und ebenso durch viele Rügen und langes, starkes Strafen, wenn es die Courbetten, Croupaden oder Sprünge nicht ausführt.

[Randnotiz: Die Lektionen, die das Pferd bei irgendeiner Air zu sehr gegen seine Veranlagung zwingen, können es verderben.]

Wenn das Pferd schlechte und schmerzende Füße hat, sind die Courbetten schädlich und werden normalerweise schlecht ausgeführt, welche Leichtigkeit und gute Körperteile es auch sonst haben mag, denn das Herunterkommen und die Kadenz bringen häufig den Kopf in schlechte Haltungen, oder bringen es zu irgendwelchen anderen schlechten Gewohnheiten, oder Fehlern, was auch immer der Kunstreiter tut, wegen der Schmerzen, die es erhält beim Aufkommen der Vorderbeine auf der Erde, besonders auf einem Pflaster oder anderem sehr harten Boden. Gemeinhin zeigt das Pferd die Schmerzen durch die Aktion des Kopfes beim Vorwärtsgehen an.

[Notiz am Seitenrand: Die erhabenen Schulen sind am schädlichsten bei schwachen Füßen.]


Wenn es aber von Natur aus störrisch ist, sind Courbetten häufig seine Beschwerde, wenn es sich dem Willen und der Aufforderungen des Reiters verweigert. Und sowieso kennt man keine Lektion, die mehr verbunden ist mit dem Übel des störrischen und zurückhaltenden Pferdes, als die der Courbetten, denn diese bewirken, dass sie durch eine einengende Lektion in Unterordnung gehalten werden. Um bei denen, die ihre Kräfte und ihren Mut zurückhalten, diese schlechten, erhitzten oder flegeligen Eindrücke zu vertreiben, sollen im Gegenteil die meisten der Lektionen bestimmt, variiert, und gewöhnlich an unbekannter Stelle oder unerwartet ausgeführt werden.

[Notiz am Seitenrand: Die Courbetten sind verknüpft mit dem Übel der Stätigkeit]

Das sehr feurige, empfindliche und entschlossene Pferd ist viel besser für das Geländereiten als für Courbetten oder Sprünge geeignet, weil die extreme Unruhe Gedächtnis und Gehorsam so sehr verschlechtern, dass es sehr häufig nur zittert, sehr verärgert und aufbrausend wird, anstatt die Schläge in einem genauen und guten Takt zu halten und der Aktion und der Bewegung des Reiters zuzustimmen: ein sehr unerfreulicher und schwer zu korrigierender Fehler, besonders wenn er zur Gewohnheit geworden ist. Denn die Hilfen und Lektionen der Courbetten verstärken normalerweise das Aufbrausen, das das Pferd in Ungeduld hält; andererseits kann man aber nicht gut die Unruhe vermindern ohne Rügen anzuwenden, damit es nicht immer zu früh herunterkommt, obwohl der Reiter das mit außergewöhnlicher Präzision zu erreichen sucht.

Die Hilfen und Rügen, die bei diesen Pferden erforderlich sind, lassen sich aber nicht von all denen anwenden, die hineinreden in deren Dressur, weil sie vielleicht beim Lesen der folgenden Lektionen glauben, sie gut zu verstehen: denn noch lange Zeit danach ist man sehr wenig in der Lage, sie so angemessen und geduldig anzuwenden, wie es nötig ist. Auch muss man wissen, dass es kein Mittel unserer Kunst gibt, dass besser die Erfahrung und gute Praxis des Reiters anzeigt, als die Hilfen, die die Unruhe des cholerischen Pferdes verhindern, besonders wenn es zittert.

Es gibt jedenfalls keinen wenigstens etwas Erfahrenen, der zitternde und böswillige Courbetten für sehr gut hält und negiert, dass diese eine rasche und zu abgekürzte Air sind.

Denn wird sie so ausgeführt, ist sie meistens konfus und vorzeitig: die wahre Schnelligkeit der schönen Air, sauber und vorwärts getrieben, beruht nicht auf der Eile des Pferdes beim Zurücksetzen der Vorderbeine auf die Erde, sofort nachdem sie erhoben wurden: wenn das passiert, hat man weder ausreichend Zeit, um die Vorhand gut zu erheben, noch die Vorderbeine gut zu biegen, welches die beiden schönsten Aktionen der erhabenen Schulen sind.

Das wahre und schönste Wiederaufsetzen erzielt man, wenn die Hinterbeine gut und locker mitmachen, und prompt die Vorderbeine antworten, die sich sofort wieder erheben, nachdem sie aufgesetzt haben.

[Notiz am Seitenrand: Das sehr feurige Pferd ist schlecht geeignet für die Genauigkeit der erhabenen Schulen.]

Es gibt verschiedene Arten der Ungeduld und der Unruhe, die häufig auftreten beim Pferd, aber zwei, die ganz gegen die nötige Freiheit der guten Regeln dieser Übung arbeiten: jene, die nur aus dem cholerischen, gewalttätigen und sehr mutigen Charakter hervorgehen, und die, die der Angst und Furchtsamkeit entstammen.

Beide können sehr stark das Gedächtnis des Pferdes behindern und deshalb auch die guten Absichten des Kunstreiters: denn die eine bringt das Pferd häufig zur Verzweiflung, in der sie sich meist den guten Mitteln, Hilfen und Rügen widersetzen, und diese weder erdulden noch verstehen; und die andere führt bei diesen Gelegenheiten auch noch dazu, dass das Pferd verwirrt ist, erschrickt und sich erniedrigt fühlt: derart, dass ich nicht gut sagen kann, welcher dieser beiden Mängel der tadelnswertere wäre, oder welchen man schwerer verbessern kann. Dennoch sieht man beim Diskurs dieser Lektionen, worauf man achten soll gemäß der Kunst, um einige der Unordnungen, die durch diese Mängel entstehen können, zu vermeiden.

Auch möchte ich diesbezüglich dringend dem Kunstreiter anzeigen, dass man gewöhnlich einen größeren Vorteil zieht aus dem cholerischen, blütigen und superben Pferd, das den Mut und die Kraft hat, seine Dummheiten und Fantasien auszuüben, wenn es ihm nicht an Gedächtnis fehlt, wie aus denen, die von Natur aus melancholisch, böse und ängstlich sind. Denn bei den einen kann man die Geduld und die Mittel der Kunst anwenden, um nach und nach die entschlossenen Versuche zu vertreiben, wenn sie den Gehorsam verweigern; aber bei den anderen kann man ihre schlechten Absichten nicht gut erkennen, da sie normalerweise ihre Aktionen zurückhalten und nur ganz misstrauisch gehorchen, wenn überhaupt. So passiert es häufig, dass die Rügen der Schule zu lange erfolgen, was bei ihnen leicht den Schwung unterdrückt und sie entmutigt, wohingegen Sanftheit und Respekt seinen doppelten und unartigen Mut noch verstockter machen und ihn gegen den Kunstreiter richten.

Nicht ohne Grund möchte ich, dass die ersten Lektionen der Courbetten bedächtig und mit sehr hoher Vorhand gemacht werden: denn durch diesen Abstand im Takt, den das Pferd einhält, bevor es die Vorderfüße wieder auf die Erde setzt, gibt man ihm das Mittel, seine Hanken und den Kopf ruhig zu halten, seine Vorderbeine zu beugen, ihm die Abneigungen und Unruhe zu vertreiben, und so das Zittern zu verhindern.

Durch diese Aktion kann mit der Zeit auch eine falsche und sehr schlechte Schweifhaltung verbessert werden; um ehrlich zu sein, sieht man sehr wenige Pferde, die beim Ausführen eine gute Anlehnung haben und sich auf den Hanken und Sprunggelenken halten (und sich trotzdem nicht einengen), die gleichmäßige und saubere Schläge ausführen im Takt einer guten erhobenen Schule, die nicht auch eine sichere Kruppe, Schweif und Kopf haben, sondern im Gegenteil fast nur jene, die die Vorhand tief und die Hinterhand hoch tragen, meistens die Vorderbeine gerade und Kopf, Kruppe und Schweif unsicher halten. Und wenn im Anfang das Pferd von sich aus eilig die Schläge in den ersten Übungen auf den Boden bringt, ist das ein Zeugnis seines Aufbrausens und seiner Ungeduld, und ein Anzeichen von drei Ereignissen: nämlich, dass seine Kraft nicht ausreicht, lange diese Manege der zufälligen starken Schläge der Vorhand auszuführen, dass es sehr bald zittert, oder sich fest macht [entier wird].

Wenn aber das Pferd sich frei und mit hoher Vorhand hebt, ohne Hast und ohne zu angespannt und straff zu sein, fällt es danach dem Kunstreiter sehr leicht, ihm den Takt zu erweitern und zu lösen, um die Air der guten Courbetten in ihre Perfektion zu bringen, je nach der Kraft und Leichtigkeit seines Pferdes.

[Notiz am Seitenrand: „ Die freiwillig und zu nah ausgeführten Schläge in dieser Air sind Anzeichen für verschiedene Mängel“]

 






 

 

 

Kapitel I, 71

 

Regeln für die Volten in der Air der Courbetten oder der Croupaden

 

 Der größte Teil der Kunstreiter stimmt darin überein, dass das Pferd zuerst die Courbetten frei geradeaus gelernt haben soll, bevor man es auf den Volten in diesen Airs arbeitet: und auch ich war früher dieser Meinung, aber ich habe dabei herausgefunden, dass man es besser machen kann: denn wenn das Pferd auf diese Weise nur gewohnt ist, geradeaus zu arbeiten, wird es, wenn man es erst danach auf den Volten versucht, bei den ersten Übungen des Wendens Gelegenheit erhalten die Volte zu hassen und sich zu entziehen oder irgendeinen anderen Fehler zu machen, und sich nicht bequem erheben, nicht auf einer Stelle biegen oder sich nur geradeaus vorwärts bewegen ohne die erhabene Air zu unterbrechen, wegen der neuen Anstrengung und seines Unbehagens.

Diese Regel ist häufig die Ursache dafür, dass viele Pferde sich weigern zu wenden, und entier werden. Es ist deshalb viel besser, sie schon zu Anfang den Takt und die Proportionen der Volte zu lehren, falls sie schon fünf oder sechs Levaden hintereinander machen können.

Nachdem das Pferd eine sichere Kopfhaltung erreicht hat, und wenn es auf jeder Hand frei und entschlossen in Trab und Galopp geht, und wenn es fünf oder sechs Levaden oder Courbetten geradeaus machen kann, promeniert der Kunstreiter es auf einer weiten Volte auf einem so perfekten Kreis wie möglich, in einem Schritt, der weder regellos, noch zu stark zurückgenommen ist, und lässt es den Kopf ein wenig in die Volte halten, so wie es normalerweise gewohnt ist, in die Volte zu sehen, ganz ohne ein Ausfallen der Hinterhand.

Hat man ihm so auf jeder Hand mit diesem Abschreiten einer ganzen Volte gezeigt, lässt der Kunstreiter es alle drei oder vier Schritte eine ruhige und lockere Levade ausführen ohne anzuhalten, und ohne dass die vier Füße den Kreis und die Spur verlassen. Wenn man auf diese Weise ungefähr zwei Volten auf einer Hand ausgeführt hat, lässt man es in einem Zug und in einem Atem ebenso viel im Trab gehen und hält es an ohne es zu erheben, und lobt es, bis es ausgeruht ist und Atem geschöpft hat. Danach wechselt man die Stelle, um dasselbe auf der anderen Hand zu wiederholen, denn dieser Ortswechsel erhält ihm nicht den Mut zu frei und macht so die Lektion weniger unerfreulich, als würde sie immer an einer Stelle ausgeführt.

Hat das Pferd diese Übung verstanden, lässt man es zwei Levaden zusammen hintereinander machen und dann vorwärts gehen, und diese Reihenfolge beachtend,

ohne irgendwie zu hasten, kann man die Anzahl der Levaden vermehren, und die Schritte reduzieren, je nachdem ob das Pferd leichter wird. Und durch dieses Mittel erreicht man in kurzer Zeit eine ganze Volte in der Air der Levaden und kommt nach und nach zu anderthalb und danach zu zwei und am Ende zu so vielen, wie seine Kraft zulässt.

Überhaupt muss man die Anfänge dieser ersten Übungen immer im Schritt machen, und deren Ende im Trab, deshalb um, wenn das Pferd sich daran gewöhnt hat seine Air auf der Volte munter auszuführen, zu verhindern, dass es entier wird, oder die Stelle voraussieht, an der die Übung beendet werden soll (beide: die Air und die Volte), ohne auf die passende Aktion des Reiters zu warten.

Und um zu erreichen, das es sich daran gewöhnt, sehr frei und lange zu wenden, macht man es niemals geschlossen, noch beendet man wenn möglich, die Volten dieser anfänglichen Übungen zwei Mal hintereinander an derselben Stelle, denn diese Gewöhnung gibt ihm gleichermaßen die Möglichkeit, jedes Mal anzuhalten, wenn man es an diese Stelle bringt, an der es gewohnt ist, den letzten Schlag auf der Volte zu machen.

Und wenn es bei diesen Übungen von Aufbrausen und Unruhe erfasst wird, sowohl im Geradeaus wie auf den Volten, kann man es gut ab und zu rückwärts schicken lassen durch einen Helfer am Boden genau auf der Spur zwei oder drei Schritte vor dem Pferd, der ein paar Leckereien in der Hand hält, um es zu beruhigen und häufig zu streicheln. Und bei jedem Ende der Übung, bevor der Kunstreiter absteigt, lässt er es einige Levaden geradeaus ausführen, um die Losgelassenheit und den Mut des Pferdes zu erhalten, aber diese erst nach dem Verlassen der Stelle, an der es die letzte Volte gemacht hatte. Denn um das Pferd sehr frei in der Manege zu bekommen, soll man die Air der Volten gewöhnlich im Wenden beenden und im Schritt oder Trab und weder auf der Stelle noch im Geradeaus, wie viele Kunstreiter es achtlos tun, beim Beenden aller Proportionen seiner erhabenen Lektionen. Denn um das Pferd gut geschult zu zeigen, bei einer Parade oder vor irgendwelchen Respektspersonen, lässt man es beim Beenden der hohen Lektionen sich für einige Schläge erheben, auf der Stelle oder im Vorwärts.

Nachdem das Pferd verstanden hat, und wenn es frei und ruhig auf den großen Volten geht, verengt der Kunstreiter diese nach und nach (ohne jede Hast), und in demselben Maße die Anzahl der Levaden bis die Air und die Volte gleich sind in ihrer Genauigkeit und ganzen Proportion, dabei mit Rügen oder dem Anlegen der Sporen oder der Gerte oder dem Kappzaum verhindernd, dass die Kruppe ausfällt oder zu weit in die Volte hineinkommt, und dass keine schlechte Kopfhaltung auftritt. Und um das zu erreichen, muss der Kunstreiter immer aufmerksam und wach das Temperament des Pferdes erhalten, und seine Beine fest und zum Pferd gedreht und nah am Pferd halten: damit man nicht den Takt beim Bemessen der Air verliert oder die Proportion des Bodens.

Wenn bei dieser Gelegenheit das Pferd die Kruppe zu weit nach innen nimmt, und sich einengt, möchte ich am liebsten, dass der Reiter als Rüge die innere Kappzaumleine, den inneren Sporn oder die Gerte benutzt, um seinen Kopf nach innen, und die Hanken auf ihr vorgesehenes Rund zurückzubringen. Wenn es aber mit der Kruppe ausfällt, stimme ich nicht zu, dass der Kunstreiter, um es zu reparieren, stark an der äußeren Kappzaumleine zieht, sie meistens festhält, oder den Sporen lange und fest am Bauch einsetzt, wie viele es tun: denn hierdurch wird viel zu sehr der Kopf und die Energie zur Seite der Rüge getragen, was eine sehr falsche und unschöne Aktion ergibt. So dass als generelle und altbewährte Regel gilt, dass das Pferd immer Auge und Herz auf den Boden und die Stelle, auf der es geht, richten soll, in allen Lektionen, weil es sonst nicht lange dauert, bis es entmutigt wird oder in irgendeine Unart verfällt.

Wenn also das Pferd beim Ausführen dieser Übungen mit der Kruppe aus der Volte ausfällt, rügt der Kunstreiter es zunächst mit der Gerte über der Mitte des Bauches oder am Hinterbein nahe des Sprunggelenkes auf der Außenseite und lässt es gleichzeitig zwei oder drei Schritte ohne zu wenden vorwärts gehen, wobei er die Zügelfaust eher nach außen führt, und sobald er fühlt, dass das Pferd sich korrigiert, macht er weiter mit dem Wenden an irgendeiner Stelle, wenn es sich gerade und gelöst zeigt; wenn aber das Pferd trotz dieser Hilfe weiterhin mit der Kruppe ausfällt, setzt er gleichzeitig den Sporn auf der Außenseite ein, oder einige Male stattdessen die Gerte oder die äußere Kappzaumleine, diese gleich darauf wieder nachlassend, wenn nötig dabei die äußere Oberlippe vorsichtig mit dem Gertenende touchierend, damit es wieder auf die Spur der Volte schaut, und den gleichzeitigen Leinenruck nicht um ihm den Kopf zu stellen (obwohl dies der natürliche Effekt ist), sondern nur um es zu rügen und die Kruppe an ihren richtigen Platz zu bringen. Vor allem muss man bei diesen Rügen, aber auch generell, diese zurückhaltend einsetzen: stark oder mittelmäßig, je nachdem, ob der Fehler groß oder klein war, denn andernfalls treten häufig eher Unordnungen statt Verbesserungen auf.

In dem Maße, wie das Pferd die Air und die Volte geübt hat, bringt der Kunstreiter es zu Handwechseln auf der Stelle, indem er nach und nach die Spur auf der rechten Hand an die auf der linken Hand annähert, bis die beiden dieselbe sind.

Um diese Übungen mit viel Bequemlichkeit und weniger Rügen ausführen zu können, bedient man sich dieser alten Schule und Figur, die aus dem Boden ausgegraben wird, ungefähr zwei Fuß (= 2x30cm) tief, in dieser eine lange Passade ungefähr zweieinhalb Fuß (= 75cm) [breit?], gerade und 15 bis 20 Schritte lang, und an jedem Ende der Passade zwei Rondelle, mit jeweils drei Schritten Durchmesser, und beide getrennt durch die Passade, und in der Mitte jeder eine Erhöhung wie ein Kern von der Größe eines Fasses oder einer Tonne mit einem Durchmesser von ungefähr zweieinhalb Fuß (= 75cm). Dadurch, dass der Hufschlag in der Volte durch Höhe und Umfang des Grabens begrenzt wird und durch den Kern in der Mitte wird das Pferd gezwungen, während seiner Übung alle vier Füße auf dem gleichen Rundweg zu halten und gerade auf den Weg zu sehen. So wird durch die Höhe der äußeren Wände verhindert, dass die Hinterhand ausfällt, und durch den Kern in der Mitte, dass das Pferd sich einengt, wie man an dieser Skizze sehen kann:





Wenn es mehrmals die Übung dieser Schule im Graben ausgeführt hat, profitiert das Pferd enorm, wodurch der Reiter, vorausgesetzt er versteht die Kunst, ihm gut den Kopf und die Anlehnung des Pferdemauls das weder furchtsam noch stätig sein soll, einrichten kann; und wenn er es gut macht, ihm dieselbe Schule in verschiedenen Lektionen dient, vor allem durch die Verhinderung des Einengens.

Und wenn es beim Ausführen der Lektionen an der Hand zieht, kann man es auch in dieser begrenzten Figur rückwärtsgehen lassen, sowohl beim Wenden als auch im Geradeaus: dieses ist ein sehr gutes Mittel zum Lösen, wenn es zur rechten Zeit und mit sauber ausgeführt wird.

Und in welchem Teil diese Übungen gemacht werden, der Kunstreiter soll bedenken, ob häufiges Wenden ohne die Hand zu wechseln, zur Leichtigkeit der Volte passt, denn macht man es zu sehr, kann leicht das Pferd abstumpfen und abgeschreckt werden, besonders wenn es ein schwaches Maul hat.

Diese Schule im Graben ist auch geeignet, um die Aufmerksamkeit des Pferdes beschäftigt zu halten mit seinem Mut und seinem Gedächtnis für die Lektion, die man ihm gerade gibt, denn ohne Aufmerksamkeit kann es eine gute Schule weder gut ausführen, noch sie erleichtern.

Um die Air und die Volten zu verbessern, nachdem dem Pferd die Vorhand erleichtert wurde, und wenn es ruhig und leicht wendet auf jeder Hand, proportioniert der Kunstreiter, ohne es zu verwirren, den Raum und die Rundung der Volte, je nach Größe, Veranlagung und Kraft des Pferdes: zunächst im zurückgehaltenen und erhabenen Schritt, wozu er es mit der Hand leicht oder annehmend unterstützt, je nachdem wie er die Anlehnung des Maules spürt, und es zurückhält meistens mit der Leine des Kappzaumes außerhalb der Volte, dort auch mit dem Gertenende an der Flanke, und wenn nötig, mit dem Oberschenkel auf derselben Seite, ohne dabei den Kopf, den Hals, oder den Schweif zu stören, und ohne es zu hindern, auf den Weg, den es gehen soll, zu sehen; er drückt außerdem mehr mit der äußeren, als mit der inneren Wade, um es untergeordnet zu halten und lässt es gelegentlich den Sporn fühlen, damit es immer vorwärts geht und die Hinterbeine nicht ausfallen und die Spur der Vorderbeine verlassen.

Hat er so die Bewegung an die Volte angepasst, versammelt der Kunstreiter das Pferd und bringt es auf derselben Spur in seine erhobene Schule, und während er genau die Rundung und Genauigkeit der Volte beachtet, macht er die Air weiter in der Anzahl der Volten, so wie er spürt, diese je nach Mut und Kraft des Pferdes fordern zu können.

So genau auch die Proportion der Volte ist, wird sie einen guten Pferdemenschen nicht zufriedenzustellen, wenn sie nicht begleitet wird durch die Perfektion seiner Air, so wie ich es schon erklärte, und wie ich es auch tat beim Unterschied der Courbetten zu den Levaden. Denn um das Pferd seine Manege sauber und in gleichförmigem Takt schlagen zu lassen, hält der Kunstreiter die Zügel in guter Anlehnung, Zügelarm und Zügelhand ruhig, die Beine nach vorn und gut geschlossen am Sattelgurt [nur, wenn der Gurt weit vorn liegt ?; DA], und klopft mit ihnen immer den Rhythmus zum selben Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorderbeine auf den Boden zurücksetzt, beim Schließen des Pferdes, nicht nur durch die Innenseite der Wadenmuskeln, sondern, wenn möglich, gewöhnlich ein wenig mit den Steigbügeln ungefähr an den Enden der Schultern, aber mehr auf der äußeren Seite. Dieses Klopfen bewirkt, dass die Beine nicht zu öffnen und nicht bestimmte schlechte Bewegungen vorwärts und rückwärts machen.

Denn durch Umschließen des Pferdes dicht an den Schultern, wie oben erklärt, und zum selben Zeitpunkt wie jene Bewegung, die man beim Paulme-Ballspiel macht [jeu de paulme:bei diesem Spiel wurde die Handfläche immer nach oben gehalten, wie beim Volleyball, es wurde später zum Tennis;DA], wenn man den Ball zwischen Bon und Flug nimmt, bringt der Kunstreiter das Pferd auch nach vorn, in der Art, dass es sich weder einengen, noch die Vorderfüße zu schnell hintereinander zur Erde herunterbringen kann, damit es sich nicht angewöhnt zu zittern.

Hier muss man anmerken, dass die Regel, die Füße normalerweise weit genug vorn und nah am Pferd zu halten, sehr wichtig ist, nicht nur um den Sitz des mittelgroßen Reiters zu festigen, sondern auch für die Genauigkeit der Airs und der Manegen. Denn wenn die Bewegung der Beine weit weg kommt (sei es als Hilfe oder als Rüge), bringt man das Pferd zweifellos in große Unsicherheit und unterbricht dadurch die gute Einhaltung der Reihenfolge dieser Lektionen. Aber die Ferse wird gewöhnlich an einer Stelle diesem Teil benachbart gehalten, was sehr geeignet ist für die Hilfen und Rügen mit dem Sporn, um das Pferd bei Bedarf zu warnen, und bei Gelegenheit Hilfen und Rügen zu geben, aber seltener, und es trotzdem dabei in einem sehr genauen Gehorsam haltend.

Dies zeigt, dass die kleinen und mittelgroßen Menschen sehr viel besser geeignet sind für die Genauigkeiten der Manegen und für den Eifer in allen Airs, als die sehr großen.

 


 

   




 


Band I, Kapitel 72


Regeln für den Handwechsel auf den redoublierten Volten


 

Um das Pferd für den Wechsel auf jeder Hand zu schulen, auf Volten, die mehrfach an einem Ort wiederholt [= redoubliert] werden, sei es in der Passege oder in einer erhobenen Air, lässt der Kunstreiter es vorwärtsgehen und versammeln durch einen oder zwei kurze Schritte [petit pas], oder, wenn es sich in einer Air befindet, durch gleich viele Schläge außerhalb der Volte. Gleichzeitig schiebt und schließt er dessen Kruppe mit dem Wadenmuskel oder dem Sporn in demselben Maße in den Kreis der Tour wie es vorwärts geht. Und sobald er durch dieses Mittel den Körper des Pferdes auf der Mittellinie bzw. dem Durchmesser der Volte eingestellt hat, wechselt er die Hand, indem er dieselbe Spur der Volte in derselben Größe weiterführt, und wiederholt so [redoubliert] die Volte an demselben Ort, ohne dabei weder die Genauigkeit, noch den Takt zu unterbrechen, oder zu hasten, bis zum Ende der Übung, welches wahlweise im Geradeaus oder auf der Stelle ausgeführt werden kann, vorausgesetzt, das Pferd ist nicht eingeengt und so kräftig und in derselben Air, wie während der gesamten Figur der Manege.

Ich will nicht den Stil derjenigen verurteilen, die die Hand wechseln durch Teilen der Volte in der Mitte, ohne den Kreis zu verlassen, denn diese Aktion erzieht die Pferde, die beim Wenden einen harten Hals oder steife Schultern haben, besonders, wenn sie einmalig begleitet wird von einem genau ausgeführten Druck mit dem inneren Sporn, und gelegentlich durch einen Zug an der Kappzaumleine, oder an dem inneren Zügel, oder auch an beiden Zügeln gleichzeitig, oder durch einen gelegentliches Touchieren der äußeren Schulter mit der Gerte und gelegentlich, falls nötig, ganz vorsichtig an der äußeren Oberlippe, aber immer mit Sorgfalt und dadurch verhindernd, dass es sich zurückhält oder einengt.

Ich halte auch den Handwechsel auf der Volte für gut, der gemacht wird durch Verlassen des Kreises mit den Schultern, ohne das Pferd zu stark vorwärts zu reiten; und ihm dadurch die Hanken untergeordnet zu halten auf der Spur der Volte, besonders wenn es eine lockere und unsichere Kruppe hat. Diese Überraschung kann helfen, ihm die Hinterbeine fest und vereinigt zu machen, bis dass die Vorderbeine wieder auf der Spur und dem Kreis der gewechselten Volte aufsetzen. Ist es aber frei und genau auf jeder Hand, und wenn es gut die Aufforderung des Sporns und der Waden versteht, ist die erste Art zu wechseln, wie ich erklären werde, die perfektere: weil sie den Pferdekörper gerade erhält, und es weniger den Kreis vernachlässigen lässt.

Während der Handwechsel ausgeführt wird, soll der Kunstreiter drei Dinge beachten: Ob das Pferd seine erste Lektion macht (sei es als Passege oder in einer erhobenen Air) mit dem Mut und dem Kopf: soll heißen, durch Sehen auf die Spur, ohne die freie Bewegung der Schultern zurückzuhalten, oder den Hals zu biegen; zweitens, dass es nicht vom Kreis der Volte abkommt beim Nachgeben der Hand im Handwechsel, damit man es nicht häufiger als an drei Zeitpunkten auf die so gebogene Spur zurückrichten muss. Drittens, dass es sich nicht einengt oder in irgendeiner Weise den Takt seiner Air ändert und dass es alles so macht, dass die Volten in allen Proportionen gleich sind, und dass es alle Wiederholungen ganz gleich ausführt.

Wenn das Pferd frei ist und ganz ruhig bei diesen Regeln, kann der Kunstreiter dann gelegentlich die Manege variieren, sei es beim Handwechsel auf jeder Volte, oder durch die Demi-Volte in der Demi-Volte, oder geradeaus, in der Art der sehr kurzen Passaden, oder in Schlangenlinien, je nach dem, wie er Können und Gehorsam des Pferdes fühlt, und deshalb habe ich hiervor gesagt, dass er es niemals zweimal hintereinander an derselben Stelle anhalten darf, während er auf der Schule ist, außer wenn es irgendwann einmal nötig scheint: sei es vor einer hochgestellten Person oder in Gegenwart von Damen oder anderen Respektspersonen; dann möchte ich, dass der Beginn und das Ende jeder dieser Lektionen geradeaus oder aber zur Seite derer, die am meisten geehrt werden sollen, gemacht werden; so dass diese besser den Anmut und das Gesicht des Kunstreiters und auch des Pferdes sehen können, und, wenn machbar, mit der rechten Seite.

 

So wie die Perfektion der Air der Courbetten im Geradeaus als auch auf den Volten hauptsächlich aus der Leichtigkeit der Levaden kommt, hängt die der Croupaden an diesen selben Regeln, außer, dass man den Umfang der Volte ein wenig größer hält, um weniger die Lebhaftigkeit und Losgelassenheit des Pferdes zu verringern, und die Aktion der Schultern weniger hoch zu erhalten, sodass die Kruppe freier, und dadurch besser und lockerer, die Air und die Manege gleichermaßen begleitet.

Denn die Croupaden sind anders als die Courbetten, derart, dass sie eine mehr erhobene Kruppe haben und deshalb Schläge in einem muntereren und mehr abwartenden Takt haben. Deshalb soll der Kunstreiter das Pferd gelegentlich das Gertenende am Gesäß spüren lassen, um ihm die Kruppe

bei sich zu halten, ihm ein bisschen weniger die Vorhand unterstützen, und er soll außerdem den Takt seiner Waden etwas weniger eilig und vorwärts halten, als in den Courbetten, im Allgemeinen nah genug am Pferd.

Allemal möchte ich, dass bei den Hilfen, die man mit der Wade gibt, oder mit dem Sporn, die Ferse nicht weiter nach hinten kommt als ungefähr vier Finger hinter dem hinteren Sattelgurt (außer manchmal um das Pferd zu rügen und zu treiben, wenn es sich zurückhält oder sich einengt); denn dies ist der wahre Ort, an dem der Sporn die Hilfe für alle munteren und schönen Airs gibt, wie ich es besser an einer anderen Stelle erklären werde. Und wenn der Kunstreiter die Volten und die Air der Croupaden anpassen und verfeinern möchte, beachtet er bei dem gesamten Rest die vorbeschriebenen Regeln und und Proportionen, und nutzt eine feste und zischende Gerte, wodurch sich das Pferd ganz sicher sehr viel vergnügter hebt. Allerdings ist es häufig der Fall, dass die Pferde, welche die Schläge der Courbetten eng und sauber ausführen, die Air der Croupaden nicht gut erlernen können.

Die Pferde, von denen ich erwarte, dass man sie zu den Croupaden bringt, müssen ein gutes Maul haben mit ruhiger Anlehnung und eine natürliche Veranlagung zu Kraft und Leichtigkeit: aber wenn der Kunstreiter glaubt, durch die Macht der Lektion und durch Spornstöße und die Gerte, eine neue Kraft und einer ausreichende Munterkeit erzeugen zu können, damit es die Manege der Croupaden auszuhalten und in ihr für lange Zeit gehalten werden kann, findet er sich am Ende im Irrtum: denn es ist eine mittlere Air und eine, die viel vorsichtiger als alle anderen ausgeführt werden muss, aufgebaut auf einer lockeren und energischen Grundlage und vereint mit einem guten Naturell. Die Italiener nennen diese Air auch Agropato, das heißt Knoten, und bedeutet deshalb kräftig, vereint und energisch zusammen.

Ich befürworte die Schule derer, die, um das Pferd in den vorgenannten Airs auf die Volten zu bringen, die ersten, gewöhnlichen Übungen im Geradeaus machen möchten, und dabei an jedem Ende der Passade jedes Mal eine Demi-Volte üben, beim Beginn und genauso am Ende, an den normalen und festgelegten Stellen, auf der geraden Linie, die die Demi-Volten trennt; und nachdem sie diese Demi-Volte geübt und verbessert haben, eine andere hinzufügen, um die Volte ganz zu machen, und sie dadurch zur Demi-Volte in der Demi-Volte zu steigern, und sie bis zur Perfektion verkleinern, je nach Kapazität des Pferdes, wie ich vorher erklärt habe. Diese Reihenfolge ist sehr schön, und wenn sie gut gemacht wird, gibt sie dem Reiter Anmut, und der Stil ist vorteilhaft und sehr nötig, um die Schüler zu verbessern, die schon geübt und in der Lage sind, die ersten Proportionen der Genauigkeit der Volten zu verstehen, und auch, dass jene Regeln insgesamt begrenzt sind.

Aber um in kürzerer Zeit behutsam Kraft und Losgelassenheit des Pferdes zu erzielen, und es gehorsam zu machen, als durch die Mittel der Kunst, so wie sie sein sollten, werden zweifellos die letzteren Lektionen, wie ich es erklären werde, sehr fehlerhaft, wenn der Kunstreiter nicht vorausdenkt. Der Grund ist leicht genug zu erklären, denn die Erfahrung lehrt, dass das Pferd sich die Stelle merkt, an der es die Demi-Volte oder die ganze Volte beenden soll, und es dann gewöhnlich versucht, sich mehrfach zu entziehen, oder dem Platz; häufig an der Stelle, wo es das Ende erwartet, als dort, wo man es möchte; und es ist schlecht, wenn der Kunstreiter es am Vorteil wenden möchte, weil dies häufig das Pferd dazu bringt, an dieser bekannten Stelle anhalten zu wollen. Wenn es aber im Gegenteil nicht weiß, wann und wo es die Figur dieser Lektionen beginnen oder beenden soll, wird es gut gehorchen, und wird deshalb viel besser und länger seine Veranlagung und seine Kraft einsetzen. Wahr ist allerdings, wenn man in diesen Lektionen achtlos und unersättlich ist, das Pferd sich leicht fürchten und die Freude verlieren kann. Deshalb empfehle ich diese Regeln nur für diejenigen, die sich gut helfen können mit guter Praxis und gesundem Verstand.

 







 

Band II Kapitel 3


Erste Anweisung für die Genauigkeit aller Airs und Manegen, und zum Leichtermachen und zur Verbesserung der Anlehnung des Maules der Pferde, die sich auf die Hand legen oder an ihr ziehen.


Das erste Ziel des Kunstreiters, der wünscht, durch seine Kunstfertigkeit und seine Sorgfalt das Pferd in seinen schönen Übungen zur Perfektion zu bringen, soll sein, es zunächst friedlich und gut an der Hand werden zu lassen, um Freiheit und Leichtigkeit für all die schönen Airs und Manegen zu erzeugen. Um das zu erreichen bei einem Pferd, das schon einen guten Anfang auf der guten Schule gemacht hat, aber trotzdem zur Schwere auf der Hand neigt oder dazu, aufbrausend auseinanderzufallen, sich anzuspannen oder sich zu sehr auf das Gebiss zu legen, beim Trab und im Galopp, sowohl auf den Volten als auch im Geradeaus, muss man es versammeln und zurückhalten zur Kontrolle seiner Kräfte. Manchmal ist es allerdings nötig, von den normalen Regeln abzuweichen: in dem Maße, wie diese häufig nutzlos werden bei diesen Pferden, wenn, wie ich schon im ersten Band erwähnt habe, die gewöhnlichen Übungen und Rügen lange und mit Gewalt durchgeführt wurden, weil dieses häufig die Biegsamkeit der Glieder verschlechtert anstatt sie geschmeidig zu machen, und die Anlehnung des Mauls härter statt leichter macht, als Folge der Müdigkeit, die leicht unerwartet auftritt bei schwachen oder zu sehr ziehenden Pferden, oder als Folge der Furcht, die gewöhnlich die Pferde befällt, die sehr temperamentvoll sind. Deshalb möchte ich empfehlen, dass der Kunstreiter bei jeder Runde vier große, normale Viertel beachtet, wie sie hier dargestellt werden.


 


Wenn der Kunstreiter dem Pferd diese normalen Runden zunächst im Schritt beibringen möchte, bevor es in den Trab gebracht wird, wird es sich zweifellos danach freier beim Traben und Wenden zeigen, als begänne man zu traben, ohne ihm vorher den Raum und die Rundung dieser Lektion gezeigt zu haben: allerdings, wenn das Pferd leicht eng und weit, auf beiden Händen gleich gut, traben und galoppieren und gut parieren kann, halte ich es nicht für gut, es immer weiter die Figur auf der Proportion seiner Manege promenieren zu lassen, denn durch die Gewohnheit an diese kann es nachlässig werden; aber an einigen Fehlern, die es am Beginn macht, gleich nachdem der Kunstreiter es zwei oder drei Volte im Trab auf jeder Hand hat ausführen lassen, bemerkt er, dass es zieht oder zu stark Anlehnung am Gebiss nimmt, wenn er es ganz kurz und gerade anhält, auf einem der Viertel, wie sie unten eingezeichnet sind (welches er frei wählen kann), und es, falls nötig, rückwärts gehen lässt, je nachdem ob es auseinanderfällt oder hart wird beim Anhalten, und ohne dass hierbei die vier Füße die runde Spur verlassen oder vergrößern.

Ist es auf diese Art versammelt, muss man es sanft wieder angehen lassen in einem guten Schultrab und es ganz genauso durchparieren beim nächsten Viertel, und weitermachen von Viertel zu Viertel auf jeder Hand, und auf der einen wie auf der anderen jedes Mal drei Touren, oder mehr oder weniger, je nachdem, wie viele nötig sind, um es im Gehorsam in diesen langen ersten Lektionen zu erhalten.

Man muss dieselbe Regel auch im Galopp beachten, außer dass, da die Bewegung stärker vorwärts geht, die Volte drei Paraden haben soll, statt der vier beim Beginn im Trab, vor allem wenn die Volte kleiner als die normalen und die mittleren Kreise ist.

 



 

Aber wenn das Pferd beim Ausführen dieser Lektionen die Überraschung dieser kontinuierlichen ganzen Paraden derart fürchtet, dass es nicht will oder nicht wagt, nach dem Parieren oder dem Rückwärtsrichten wieder vorwärts zu gehen, oder dass es bei der Ankunft am nächsten Viertel von allein anhält, muss man es darüber hinaus weiter gehen lassen, wenn möglich ohne den Trab oder Galopp zu unterbrechen, und an dem Viertel anhalten lassen, wo es dies am wenigsten erwartet, immer die Genauigkeit der ganzen Parade einhaltend. Durch das Überraschen auf allen Vierteln die es, durch die Ungeduld getrieben glaubt frei passieren zu können, oder wenn es zu schwer auf die Vorhand fällt, und durch das Treiben mit Drohungen und Rügen (angepasst an sein Naturell) zu allen den Vierteln, auf denen es gegen den Wunsch des Kunstreiters anhalten möchte, wird es zweifellos in kontinuierlicher Erwartung dieser Hilfen gehalten, so dass es weniger auf die Schultern fällt und auf die Anlehnung der Hand (falls es von Natur aus schwerfällig ist), und dass es seine Kräfte, seinen Willen und seine Veranlagung mit weniger Heftigkeit anwendet, wenn es zu empfindlich und temperamentvoll ist, so dass es durch die Art dieser Lektionen locker und leicht werden kann für die Übung und Manege des Trabes und des Galopps.

Wenn bei der o.g. Übung die Kreise so platziert werden wie unten skizziert,erlernt das Pferd weniger die Wechsel und Trennungen dieser, und wird als Resultat aufmerksamer für die Aktionen des Reiters.

 




A: um zu beginnen oder zu verlassen         B: um die Hand zu wechseln beim Kreuzen

Ich erwähne hier nebenbei, dass die Leinen des Kappzaumes und die Zügel gewöhnlich lang und hoch genug gehalten werden, um den Kopf des Pferdes zu heben und das Maul leichter zu machen, und falls dieses schwach oder zu schwer ist, mit dem richtigen Takt und der Air des Armes und der guten und lockeren Hand: dies bringt allerdings einem verfälschten oder schwachen Kopf und Maul nicht viel Festigkeit oder Entschlossenheit. Sind dagegen die Leinen und Zügel tief und geschlossen genug, senkt das die Nase und stellt den Kopf ruhig bei den Köpfen und Mäulern, die zu unbestimmt sind, verhärtet dagegen die Anlehnung derer, die an der ganzen Hand sind.

Das Mittelmaß der beiden Haltungen von Arm und Hand und des Maßes der Leinen und Zügel kann die normalen Köpfe und Mäuler gleichzeitig leichter machen und deren Nase absenken und die Haltung festigen.

 











 

Band II, Kapitel 4


Wenn das Pferd sich weigert, auf Kreisen zu galoppiert, sehr häufig aufgrund falschen Trainings oder weil es entmutigt ist


Weil ich weiß, dass das Pferd viele Fehler machen kann in den ersten, oben beschriebenen Lektionen im Galopp auf den normalen Kreisen, und auch, dass es manchmal entmutigt werden kann durch seine Verstocktheit, mit der es nicht nur verweigert zu wenden im Galopp, sondern sich auch wehrt oder die Flucht ergreift, wenn man es zwingen möchte, finde ich es richtig, falls diese Unarten auftreten, dass man die gewöhnlichen Hilfen und Rügen dieser Kunst anwendet, welche die Kopf- und Halshaltung gut formen und das Pferd frei machen können. Denn falls der Kunstreiter nicht erfahren und verständnisvoll ist, kann er es erniedrigen oder es verzweifeln lassen, wenn er die Mittel zu lange anwendet oder schlecht ausführt, je nachdem welches der verschiedenen Temperamente, Kräfte und Kondition es besitzt. Um in diesen Situationen jene Versteifung zu vermeiden, die meistens viele verschiedene und schädliche Ereignisse verursacht, rate ich, anstatt das Pferd zu schlagen oder zu bedrohen (beim Versuch, es seinen Fehler erkennen zu lassen) und unnachgiebig in den Clinch zu gehen und sehr heftigen Zwang auf unseren Schulen auszuüben, man besser durch die Reitkunst die Schläge, die Schmerzen und Drohungen vermeidet und den Raum der ersten, sehr großen Kreise stark vergrößert; dies zuerst im Schritt und im Trab. Wenn das Pferd die große Erweiterung verstanden hat, führt man es friedlich in einem kurzen Galopp auf derselben Spur und macht auf ihr eine Tour, und beginnt und beendet sie an der Stelle, die in dieser Skizze mit dem Buchstaben A bezeichnet ist; bringt es dann sofort in den Trab, und am Ende in den Schritt, während man den Kreis ruhig nach und nach immer weiter schneckenförmig verkleinert bis in sein Zentrum, bezeichnet mit B, und lässt es an dieser Stelle anhalten, gibt die Hand nach und lässt es ausruhen, wobei man es streichelt und beruhigt. Danach bringt man es sanft in den Schritt, um die Tour auf der anderen Hand auszuführen und befolgt dieselbe Regel an derselben, oder an einer anderen Stelle.



C: Spur zum Verlassen des Zentrums beim Handwechsel auf dem Umkreis

Hat man so begonnen, das Pferd mit dieser außergewöhnlichen Schule zu beruhigen, muss man den Galopp verstärken auf jedem Viertel oder Halbkreis auf demselben Rund und auf derselben Spur, immer darauf achtend, genauso wie oben beschrieben zu beenden, bis es zwei Runden im Galopp macht, ohne ihn zu unterbrechen. Danach macht man weiter in derselben Weise, um eine dritte Tour dazuzunehmen, beendet aber immer im Zentrum im Trab und Schritt. Denn mit dem Mittel dieses sich langsam verengenden Endes, und durch das Streicheln auf der Stelle B, verliert das Pferd nach und nach (und ohne verbissen gequält zu werden) den schlechten Wunsch, diese Schule zu fliehen, wie man aus langer Erfahrung weiß; und durch die gute Gewohnheit dieser ersten Proportion (wobei man den Raum unmerklich verkleinert) entsteht mit der Zeit die Fähigkeit für die Manege des Kampfes.











Band II, Kapitel 5


Die Pferde, die im Geradeaus mehr an der Hand ziehen als auf den Kreisen


Es geschieht häufig, dass die sehr mutigen Pferde mehr beim Geradeausreiten an der Hand ziehen oder sich auf die Hand legen, als auf den Volten, vor allem, wenn sie schwache Glieder haben: Der Grund ist, dass das beladene und schwerfällige Pferd sich natürlicherweise mehr für eine gute Wendung dazu zwingt, seine Kräfte zusammenzuhalten, als im Geradeaus. Denn wenn es ungeduldig ist, und weil es in der Aktion der Volte einen begrenzten Raum verkleinert und umrundet, benutzt es die Kraft des Rückens, das Gedächtnis und den Blick dabei sehr, was es nicht macht im Geradeaus, welches es im Gegenteil in Unruhe versetzt, in dem Maße, wie es gar nicht mehr, oder viel weniger beschränkt wird als auf den Volten. Man muss also gewöhnlich einen Teil, und ebenso das Ende der vorbeschriebenen Lektionen, im Geradeaus machen und die Abstände des Durchparierens kurz, mittellang, oder lang halten, je nachdem ob das Pferd zu stark vorwärtsdrängt, oder ob es den Galopp locker und aufmerksam, auf die Aufforderungen des Reiters lauschend ausführt. Vor allem soll man es niemals gleich wieder angehen lassen, nachdem man es hat anhalten lassen, damit es nicht beginnt, ungeduldig an der Hand zu ziehen, weil es wieder vorwärts gehen will, ohne auf die Aktion dessen, der es trainiert zu achten; es wird seinen Fluchtdrang nicht verlieren, wenn man es nicht wenigstens ein oder zwei Schritte in Geduld hat machen lassen: andernfalls wird diese Übung fehlerhaft und möglicherweise nutzlos.

Aber ausgeführt mit gutem Urteil bringt diese den Pferden mit besagtem Naturell in kurzer Zeit viel Lockerheit und Leichtigkeit, vorausgesetzt, sie sind kräftig genug und fest in den Gliedern, um die Übung auszuhalten.

Und weil eine Lektion, so exzellent sie auch sei, meist nicht zu allen Pferden genau passt, so sehr sie auch die selben Veranlagungen haben, weise ich den Kunstreiter darauf hin, dass es bei der vorgenannten Übung häufig passiert, dass das empfindliches Pferd mit einem langen Körper, oder mit einer Schwäche in Rücken, oder Schultern, oder Gliedern, oder in den Füßen, eine so große Mühe hat, sich beizuzäumen, um die erwähnten Paraden auf der Hinterhand gut aus- und weiterzuführen, dass es von drei Fehlern einen oder zwei macht, oder manchmal gar alle drei gleichzeitig. Einer ist, dass es sich weigert wieder anzugehen, wenn es häufig überrascht wird durch das Durchparieren, der zweite, wenn es angeht, dann zu zurückhaltend mit einem Tralopp [tracanart], weil es nicht wagt, die korrekte Bewegung des Galopps wiederaufzunehmen, und drittens, dass es, anstatt sich in einen leichten und angemessenen Galopp zu bringen, dessen Takt ohne Schwung ausführt, in der Hoffnung, durch diese Mittel der Überraschung und dem Gehorsam der ganzen Paraden zu entgehen oder zu entfliehen. In diesen Fällen ist es erforderlich, dass der gute Kunstreiter große Kunstfertigkeit und viel Geduld einsetzt, vor allem, dass er ihm häufig und im Takt subtil die Hand nachgibt. Denn dies bewirkt, dass die Ehrlichkeit des Mutes und die des Maules zurückkommen, und man sich erfreuen kann an dem Gehorsam. Auch soll man es nicht schlagen, wenn irgend möglich, um es nicht in eine große Verwirrung oder Verzweiflung zu stürzen, sondern es sich sanft seine Zeit im kurzen Galopp nehmen lassen. Man darf es nicht zu häufig durchparieren lassen, vor allem dann, wenn es schon zu sehr auf die Aufforderung zur ganzen Parade erwartet, sondern muss es nach und nach beruhigen und ihm weniger Gelegenheiten gibt, die Überraschung und die Mühe des Durchparierens zu fürchten. Man soll es lange genug so gemächlich wie möglich galoppieren lassen, um ihm die heftige Abneigung gegen den Rennkurs zu nehmen und um es zu beruhigen und Atem schöpfen zu lassen. Und schließlich, soll man es gewöhnlich vor einer Wand durchparieren, oder an einer anderen Stelle, die es zwingt, sich zurückzunehmen und der ganzen Parade zuzustimmen, ohne dass es nötig wird, sehr am Gebiss oder den Kappzaumleinen zu ziehen, und diese Übung weiterführen, bis das Training es in die Lage versetzt hat, der Parade leicht zu gehorchen. Kurz: man muss berücksichtigen, dass die schwachen Pferde, die nichtsdestotrotz mutig und sensibel sind, auch diejenigen sind, die besonders respektiert werden müssen, weil die rabiaten Rügen und Hilfen, ihre Kräfte und und ihren Willen so sehr schwächen können, dass sie sehr bald niedergedrückt, und häufig verzweifelt und abgeschreckt werden, und dadurch auch in Gedächtnis und Gehorsam sehr unfähig werden. Genauso ist es eine Maxime, immer, so sehr wie möglich jede Gelegenheit zu vermeiden, durch die das Pferd, das von Natur aus ein schlechtes Maul hat, Wege findet zu fliehen und die Unterordnung zu vermeiden, und zu versuchen, über längere Zeit und mit sehr sanften Mitteln, die Unart abzugewöhnen, den Arm und die Hand des Reiters zu zwingen, um es in die Flucht zu bringen, weil es keinen Vertrauen in seine eigen Kräfte hat, oder aber aus Böswilligkeit.













 

Band II, Kapitel 7

Regeln um das Pferd auf den Volten im Trab einzuengen [estrecier] und anzupassen


Die normalen Regeln für die diversen Lektionen im Trab wurden schon genug im ersten Band beschrieben, so dass für mich hier kein Bedarf besteht, vieles nochmal zu erzählen, aber ich möchte, dass der Kunstreiter zu seinem Vorteil die anderen Übungen trainiert, die man sehr kurz und sehr schön macht, wenn das Pferd dazu geneigt ist. Nämlich, dass jedes Mal, wenn man das Pferd wenden möchte, sei es am Ende der Passade oder beim Handwechsel im Zirkel, ohne geradeaus zu gehen, man es die erste Aktion der Volte mit der Hilfe des Kappzaumes oder der Gerte machen lässt, wobei man den Kopf des Pferdes ein wenig zu der Seite bringt, zu der es wendet (so wie ich es schon mehrfach erklärt habe), damit es sich angewöhnt, immer auf die Stelle zu sehen, auf die es seine Vorderbeine setzen soll, und durch dieses Mittel seine Manege leichter ausführt. Im selben Moment, in dem das Pferd ohne Unordnung den ersten Tritt zum Wenden mit freiem Vorwärtsgehen der Schulter und des äußeren Vorderbeines beim Passieren und Verkleinern macht, und dieser Vorderfuß über den inneren tritt, und um den passenden Moment bei diesem ersten Tritt finden zu können, muss der Kunstreiter immer spüren, welche Füße auf der Erde, und welche in der Luft sind. Ist er dazu fähig, dreht er und führt die Zügelfaust zu der Seite in die Volte, zu der er wenden möchte, wenn das Pferd den [inneren; DA] Vorderfuß noch in der Luft hat, und zwar während der Vorderfuß sich absenkt, nahe dem Moment, an dem er auf die Erde gesetzt wird, sodass danach das Pferd beim Anheben des äußeren Vorderfußes aufmerksam für das Wenden wird und gleichzeitig gehindert, äußere Schulter und Vorderbein vorwärts zu bewegen, damit es den ersten Tritt mit Übertretendes äußeren Vorderbeines über das innere macht, und um diese Bewegung gut auszuführen, muss man diskret das Pferd unterstützen und vorwärts treiben, mit dem Zügelarm und der Zügelhand, und mit dem Wadenmuskel, und es falls nötig, den Sporn fühlen lassen, um zu verhindern, das es sich zu sehr einengt, oder zurückhält, oder den Hals biegt, oder irgendeine falsche Bewegung mit dem Kopf macht, und auch, um ihm mehr die Möglichkeit zu geben, seine äußere Schulter und das Vorderbein nach vorn zu führen, damit es nicht die Sehne des anderen Beines mit dem Eisen verletzt, oder sich auf den anderen Fuß tritt. Man muss sehr genau darauf achten bei der Kürze der Zeit dieses Beginns und des ersten Trittes der Volte, was unbedingt sorgfältig ausgeführt werden muss, mit einer Leichtigkeit in den Hilfen, die nur durch viel Erfahrung erworben wird. Denn falls der Kunstreiter die Zügelfaust auf die Volte wendet, und schon beginnt, wenn das Pferd das Vorderbein innerhalb dieser noch zu hoch zu hoch in der Luft hat, wird es zweifellos durch das Erweitern des inneren Vorderbeines behindert den ersten Tritt zu machen, was eine Aktion ist, die ihm natürlicherweise viel weniger Bequemlichkeit gibt, den Kopf mit dem Blick auf der Volte zu tragen, als wenn es diesen ersten Tritt macht mit Vorwärtsbringen von äußerer Schulter und äußerem Vorderbein; wenn man aber beginnt, das Pferd zu wenden, indem man es überrascht, während es das innere Bein in der Volte schon auf dem Boden hat, ist ihm die Zeit zu kurz, um äußere Schulter und Arm vorwärts bringen zu können, und diesen ersten Tritt frei mit Übertreten über das innere zu machen, sodass diese Aktion fehlerhaft wird. Deshalb muss man sorgfältig den Zeitpunkt beachten, an dem das Pferd den Tritt und den inneren Fuß herunterbringt, und noch ungefähr vier Finger über dem Boden ist.

Das Pferd lässt sich nicht gut traben auf beiden Händen, ohne dass man eine solche Sorgfalt anwendet: aber man muss wissen, dass die besagten Bewegungen nicht nur schön sind, sondern auch viele Vorteile bringen, die von großer Bedeutung sind, vor allem zwei: Der erste ist, dass das Pferd, das die Volte mit dem Vorbringen der äußeren Schulter beginnt, sich nicht hinein lehnt, nicht einengt, und nicht entier werden kann auf der Volte, sofern man diese Aktion mit Hals und Kopf leitet; denn um es mit Leichtigkeit, und so, wie man will, wenden zu können, ist es eine Maxime, dass man es immer den Kopf auf der Volte halten lässt, d.h. gerade auf der runden Spur, ohne ihm jemals den Hals in irgendeiner Art zu biegen oder zu verfälschen. Die andere ist, ihm die Hanken so einzurichten, dass es nicht ein Vorderbein und das gleichseitige Hinterbein gleichzeitig anheben kann, und während es diesen ersten Tritt der Wendung mit Heben und Vorwärtsbringen von äußerer Schulter und Arm macht, ist es erforderlich, dass diese Bewegung die Hanke derselben Seite unterstützt, damit die Kruppe des Pferdes dem Kunstreiter nicht entwischen kann, deshalb soll dieser erste Tritt erst nach sorgfältigem Vorwärtsreiten gemacht werden, damit es nicht die Rundung der Volte verfälschen kann, bevor man nicht wenigstens ungefähr eine halbe Volte vollendet hat.

Der Kunstreiter soll nicht glauben, diese Regeln angemessen ausführen zu können, wenn er nicht vorher gelernt hat, bei allen diesen Rügen das Pferd, das er trainiert, gut im Gehorsam halten, ohne ihm zu sehr das Gedächtnis einzuschränken, es zu erschrecken, oder es verzweifeln zu lassen. Denn man findet viele Pferde, die niemals die Spornstöße leiden können (vor allem wenn sie zu lang und spitz sind), ohne sich zu erniedrigen oder irgendeine andere Unordnung auszulösen, und gewöhnlich haben sie weniger Mut, sich gegen den Schmerz zu wehren als gegen die Ordnung der Lektionen, fürchten aber die Gerte und und lassen sich mit ihr korrigieren. Andere dagegen, die sich verbessern durch die Hilfen und Rügen mit den Sporen, achten dagegen trotzdem sehr wenig die Gerte. Wieder andere können nicht der Unbequemlichkeit und dem Gehorsam des Kappzaums zustimmen, oder fürchten ihn überhaupt nicht, reagieren dagegen mit gutem Erfolg auf das Gebiss, und weitere, die jedes Mittel suchen, um die Wirkung des Gebisses verhindern zu können, so, wie die anderen sehr stark den Kappzaum fürchten. Nun muss der Kunstreiter das Pferd durch den Gebrauch der Hilfen und Rügen, die weniger Fehler in die Genauigkeit der guten Schule bringen, korrigieren, verbessern und anpassen und dadurch mit der Zeit es die guten Ergebnisse der anderen Hilfen und Rügen, die es noch nicht erdulden will, oder noch nicht versteht, lehren.

 

 








 

Band II, Kapitel 8


Wenn das Pferd im Trab die Kruppe aus der Volte wirft


Hat das Pferd eine sehr legere oder verfälschte Kruppe, so dass es sich bald nach dem ersten Tritt der Volte, oder an einem anderen Zeitpunkt oder Ort auf dieser, hinein lehnt durch Ausweiten mit den Hinterbeinen und diese aus der Volte wirft, was gewöhnlich die cholerischen und die Pferde mit schlechten Absichten tun, muss man jedes Mal sogleich vorsichtig die Rügen des Bügels, der Wade, des Sporns und des Kappzaums außen einsetzen, und auch die Gerte auf dieser Seite. Während des Einsatzes dieser Rügen bringt der Kunstreiter die Zügelfaust gar nicht in die Volte, er stärkt im Gegenteil die Anlehnung des Pferdemaules an den Zügel auf der Seite, zu der es sich wendet, lässt es drei oder vier Tritte geradeaus gehen, genug zurückgehalten und die genaue runde Proportion festigend, wie man auf dieser Skizze sieht, um die nötigen Mittel zu haben, die Kruppe zu korrigieren und sogleich, nachdem es in seinen normalen Trab zurückgebracht wurde, und ohne Zeit zu verlieren, das Wenden wieder aufzunehmen, wenn das Pferd sich im Geradeaus korrigiert hat, sei es nah oder fern der Stelle, auf der es den Fehler machte.

 

Für die rechte Hand:




A: Linie der Passade B: Anfang der ersten Runde C: um das Pferd im Geradeaus zu korrigieren D: um die Volte wieder aufzunehmen, nachdem das Pferd gerügt und angepasst wurde E: um sich wieder auf die gerade Linie der ersten Passade zurückzubringen, falls die Volte sauber ausgeführt wurde


An allen Stellen der Volte, auf denen das Pferd erneut mit der Hinterhand vergrößern will, muss man die besagte Aktion des Geradeaus-Vorwärtsreitens immer wieder einsetzen, ohne irgendeine bestimmte Stelle oder Größe der Volte einzuhalten, noch eine bestimmte Anzahl der Touren, je nachdem, wie gehorsam das Pferd ist, bis es schließlich die Spur der Vorhand gar nicht mehr mit den Hinterfüßen verlässt und den Körper und den Hals in einer geraden Haltung auf der Volte trägt, auf der einen wie der anderen Hand, ohne sich hinein zu lehnen, zu biegen oder einzuengen, was es ja zweifellos gelegentlich in diesen Lektionen gemacht hat. Und wie auch immer das Pferd diese besagten Fehler korrigiert, wird es keine großen Schwierigkeiten haben, sauber zu wenden, wenn man es gelegentlich seine normale Lektion auf der Volte mit dem Geradeaus-Vorwärtsreiten beenden lässt, nach besagter Skizze (und wie es hiernach besser erklärt werden wird), damit es in der korrekten Schule erhalten wird, vor allem, wenn es schwer zu korrigieren ist. Dieselbe Lektion kann auch dem Pferd nützlich sein, das von Natur aus seine Hanken zu sehr in die Volte trägt, und dem, das entier ist oder gefährdet, es zu werden, vorausgesetzt, dass man die genannten Rügen auf der Seite gibt, auf der es sich verengt, um die Hinterhand vergrößern zu lassen, gleichzeitig die äußere Kruppe heraus treibend, und es, um die Kreisbahn zu festigen, vorwärts gehen lässt, und nach der Wendung weitermacht, sobald es den Kopf zu der Seite trägt, auf der man es leichter machen möchte.

 







 

Band II, Kapitel 9


Regeln für die Volten im Galopp


Wenn man die Volte im Galopp nimmt, sei es im Geradeaus oder beim Handwechsel, soll das Pferd den ersten Takt in diesem Galopp, und danach alle folgenden, mit dem Vorderbein der Seite machen, zu der es sich wendet, was genau das Gegenteil ist zu der vorher beschriebenen Regel im Trab. Um dies besser zu erklären, muss man bedenken, dass wenn das Pferd auf der rechten Hand galoppiert, das rechte Vorderbein jederzeit den Takt angeben soll, d.h. dass es dem anderen vorausgehen soll beim Absetzen auf den Boden, und daraus folgend, dass auf der linken Hand das linke Vorderbein dasselbe tut. Dies ist die natürliche Bewegung, die fast alle Pferde machen, die locker galoppieren und sich frei bewegen, und wenn er nicht in dieser Weise ausgeführt wird, ist das ein Fehler und Reiter und Pferd sind in Gefahr zu stürzen, wenn das Terrain nur ein wenig schlecht ist. Um nun dem Pferd zu helfen, das nicht weiß oder nicht kann den ersten Takt machen, muss der Kunstreiter alle Phasen des Galopps spüren und gut verstehen und wissen, dass er, wenn er eine Volte reiten möchte (zur Unterstützung des Pferdes und um es vorwärts zu reiten), die Zügelfaust genau in dem Moment dreht, wenn es seine Schultern hebt, um die erste Galoppaktion zu beginnen, und in diesem Moment soll der Reiter mit Bein und Körper den Steigbügel an der Seite belasten, zu der er wenden möchte, sodass durch diese Aktion und durch das Gewicht das Pferd gezwungen wird, das (schon in der Luft befindliche) Vorderbein dieser Seite vorzubringen, hierdurch die Kadenz des Innengalopps auf der Volte erzeugend, und mit derselben Aktion kann man die Hand wechseln im Galopp geradeaus, durch der Andeutung dieser Hilfe oder mit der Zügelhilfe, falls das Pferd gut an der Hand ist.

Diese Aktion der Schulter oder des Vorderbeines gibt Pferd und Reiter neben der Bequemlichkeit, die ich noch erklären werde, viel Anmut, wenn sie sauber ausgeführt wird beim ersten Takt des Galopps, während man die Volte einleitet. Aber der Reiter muss seinen Körper deutlich zurücknehmen, sobald er diesen ersten Moment gut getroffen hat, wozu auch eine Neigung des Bodens viel beitragen kann, vor allem, wenn dass Pferd zu schwer auf den Schultern und Kopf ist, oder wenn es sich auf die Hand legt oder zieht, welches Fehler sind, die sehr stark gegen die besagte erste Bewegung wirken. Überhaupt muss man beim Ausführen dieses ersten Taktes dasjenige Pferd vorsichtig unterstützen, das leger auf der Vorhand ist, aber mit ganzer Hand eins, das viel Gewicht hat, damit die Anlehnung ihm das Mittel gibt, die Schulter und das Vorderbein auf der Seite der Volte besser zu erheben und vorwärts zu bringen. Jedes Mal, wenn es beim Galoppieren auf der Volte den sauberen Kreis verfälscht,muss man dieselbe Regel anwenden wie im letzten Kapitel für die Trablektion erklärt wurde, zu Beginn die Volten größer haltend, und nur nach und nach verkleinernd, je nachdem, wie das Pferd seine Fähigkeit trainiert.

 


Für beide Hände




Die Anzahl und die Verschiedenheit dieser Linien, die anfangs viele verwirren können, werden trotzdem dem klarsichtigen Kunstreiter zeigen, dass man das Pferd geradeaus gehen lassen muss, und bei Bedarf es an jeder Stelle auf ihnen vorwärts treiben muss, wenn es seine Hinterbeine zu weit vergrößert und die Kruppe aus der korrekten Kreisbahn herauswirft, oder wenn es hart werden oder sich einengen möchte, im Trab oder Galopp. Diese Linien soll man kurz oder lang halten, je nachdem wie sich das Pferd jedes Mal durch die angemessenen Rügen auf der Seite, auf der es den Fehler begeht oder nicht nachgibt, auf ihnen wieder einrichtet,. Und nachdem es sich gerade und gut gestellt hat, muss man die Volte auf derselben Seite wieder beginnen und fortführen, klein, mittel oder sehr groß, je nachdem, wie das Pferd Schwierigkeiten hat zu gehorchen beim Nachgeben zu der einen oder der anderen Seite, entier wird oder in irgendeiner anderen Weise die Aktion des Wendens fehlerhaft ausführt. Jedes Mal, wenn es diese Fehler macht, muss man diese Methode benutzen, bis es leicht und ruhig in seiner Manege ist. Deshalb sind die Kreise auf dieser Skizze ungleich platziert, und so gewählt, damit sich auf diese Weise keine feste, am Boden eingetretene Spur bilden kann, oder sie auf andere Weise markiert werden, damit das Pferd allein der Leichtigkeit und Genauigkeit der Schule gehorcht oder zustimmt. Das Beenden dieser Übungen soll immer durch das gute Urteil und die große Erfahrung des guten Kunstreiters geleitet werden, genauso wie auch ihre Ausführung. Wenn diese Skizze sehr lang aussieht, soll sie nicht bedeuten, dass das Pferd ihr komplett folgen und sie ganz vollenden soll, bevor es den Handwechsel macht, es sei denn, es handelt sich um ein im Gehorsam außergewöhnlich verstocktes Pferd. Denn im Gegenteil wünsche ich mir, dass der Kunstreiter sich davor hüte, es zu sehr unter Druck zu setzen und zu rügen, welchen Fehler es auch gemacht hat, denn exzessive Anstrengung oder zu großes Unbehagen erniedrigen es sehr oder lassen es verzweifeln. Man muss also berücksichtigen, dass diese Skizze nur gemacht wurde, um die diversen Stellen, an denen das Pferd Fehler machen könnte, von denen man es abbringen und rügen will, zu zeigen, und dass man sie so ausführen soll, dass man ihm immer das Gedächtnis erhält, und eine mittelstarke Kraft und seine Erschöpfung vermeidet; und wenn es sich auf diesen Volten im Galopp verweigert oder auf andere Weise gegen die Genauigkeit verstößt, mit großer Abwehr, so dass es weder Atem noch Kraft hat, muss man Galopp und Trab abwechseln, traben auf dem Kreis und galoppieren auf der Geraden, und ein anderes Mal galoppieren auf dem Kreis und traben auf der Geraden, um ein Mittel zu haben, diese Lektion sehr zu verlängern ohne das Pferd anzuhalten, und ohne ihm das Gedächtnis und den Vorwärtsdrang zu schwächen. Schließlich, wenn das Pferd, dass die Volte nach innen oder nach außen verfälscht, einige Male trainiert und gerügt wurde mit dieser Übung, und wenn sie angepasst ausgeführt wurde, wird es sich zweifellos korrigieren und eine viel größere Genauigkeit zeigen, als hätte man die gewöhnlichen und sehr rabiaten Hilfen angewandt

Um besser zu verstehen, wie dieses Training bequemer für die Erzielung der Genauigkeit ist als die anderen, gewöhnlichen Rügen, muss man bedenken, dass nach der gewöhnlichen Schule jedes Mal, wenn das Pferd die Kruppe aus dem Kreis wirft, man dort mit dem Sporn oder der Gerte strafen soll, an der Seite, zu der es ausfällt, aber das gilt eigentlich nur für das Vorwärts und das Wenden, und ohne dass die Vorderbeine die Kreisspur verlassen. Denn wenn das gehorsame Pferd diesen gewöhnlichen Rügen nachgeben möchte, hat es zweifellos, bevor es seinen Fehler repariert hat, schon die Stelle passiert, auf der es ihn gemacht hatte, so dass, anstatt es durch diese Strafe anzupassen, es beim Wunsch zu gehorchen den Kreis der Volte verkleinert und dies vielleicht gar an einer Stelle, an der es vorher die Genauigkeit besser eingehalten hatte.

Ich bin sicher, dass einige, die viel wissen, dazu einwenden möchten, dass die Rüge, die ohne ein Anhalten des Pferdes auf der Volte gegeben wird, es nicht den Kreis festigen lasse und es nicht aufmerksam machen könne; man solle es dagegen durch nochmaliges Passieren der Stelle, an der es gestraft wurde, erziehen, und erreiche diesen Gehorsam durch Furcht vor erneuter Strafe für denselben Fehler: ich möchte nicht sagen, dass dies nicht möglich ist: aber wenn man beim Geben dieser besagten Rüge die Zügelfaust auf die Volte gedreht hält, kann das Erschrecken und der Schmerz des Sporns und der Gerte das gehorsame Pferd häufig zu einer anderen Unordnung zwingen, bevor es die Stelle wieder erreicht, an der es vorher die Strafe bekommen hatte, und wenn der Kunstreiter glaubt, zum Abbringen von seinen Fehlern sei es angebracht, es zu rügen, jedoch gleichzeitig verhindert, dass es der Rüge zustimmen kann, stürzt er es dadurch in Unsicherheit und Verwirrung. Und schließlich ist es eine Maxime, dass jedes Mal, wenn man die Kruppe des Pferdes zu einer Seite lenken möchte, man ihm ein wenig den Kopf und die Schultern zur anderen Seite bringen muss, oder es zumindest gerade richtet; denn andernfalls macht man zwei gegensätzliche Aktionen, was nicht viel Nutzen für die Genauigkeit erzeugt, außer nach einer sehr langen Dauer. Um diese Bewegungen gut zu machen, ist es nötig, dass das Pferd ein ruhiges Maul hat, und dass es beginnt an der Seite nachzugeben, an der Sporn oder Gerte einwirken, so dass es weder hart noch entier wird, auf der einen wie auf der anderen Seite; wenn es trotzdem konfus galoppiert, ist es manchmal notwendig es beim Galoppieren häufig außergewöhnlich auf jeder Hand wenden zu lassen, bevor es wechselt, um es die Aktion des Vorderbeines üben zu lassen, das den Takt des Galopps bilden soll.

Wenn man ein Pferd, das von Natur aus feurig ist und gewöhnlich auf geradem, einheitlichem Terrain trainiert wurde, danach auf Brachland oder anderes schlechtes Gelände bringt, verfällt es leicht in Unordnung und Unruhe.

 






 

Band II,Kapitel 14


Vom Gehorsam des Pferdes, das auf bestimmte Bewegungen des Reiters hin seitwärts geht


 

 Um dem Pferd ein leichtes Verstehen der Hilfen des Reiters zu verschaffen, die es seitwärts gehen lassen sollen, muss er vor allem, wie bei allen anderen Übungen, beobachten, welche Mittel der Natur dieses Pferdes am besten entsprechen. Wenn er erkannt hat, dass es sensibel, aufbrausend und leicht an der Hand ist, bringt er es an einen ebenen und großen Platz, auf dem er es in kurzem Schritt [petit pas] geradeaus gehen lässt, und es sanft seitwärts schiebt, unter Anwendung der üblichen Hilfen und Rügen, sei es mit dem Gebiss, dem Kappzaum, mit dem Unterschenkel, dem Sporn oder der Gerte, es dabei immer auch vorwärts gehen lassend, in der Art, dass es ohne holprig zu werden, so viel geradeaus und seitwärts geht, wie es hier durch die beiden Linien dargestellt ist.




An der Linie A kann man die ganz gerade und natürliche Haltung erkennen, die das Pferd beibehalten soll, ohne den Körper und den Hals zu biegen; durch die Linie B wird die Spur dargestellt, die von den Vorderbeinen während dieser ersten Übung eingehalten werden soll, wobei sie vorwärtsgehen und kreuzen [chevaler]. Linie C zeigt den Weg der Hinterbeine und die Übungsrichtung, wie sie auch durch die eingezeichneten Hufeisen angezeigt wird.

Hat man auf diese Art zwölf oder dreizehn Schritte auf einer Hand zurückgelegt, lässt man es für drei oder vier Schritte geradeaus vorwärts gehen, wie auf der Linie D in der nachfolgenden Skizze, danach lässt man es zur anderen Seite gehen, wobei man immer eine Biegung des Halses oder ein Tragen des Kopfes zu irgendeiner Seite verhindern muss.

Hat das Pferd allerdings große Schwierigkeiten, diesen Hilfen zu gehorchen, zum Beispiel durch fehlendes Verstehen, soll man dem nicht mit rabiaten Methoden begegnen und ihm damit eine Ursache zu großer Unordnung zu geben, sondern lieber einen Helfer zu Fuß auf der äußeren Seite gehen lassen und dabei mit einer Hand an der Schulter des Pferdes und der andern am Sattelblatt das Pferd schieben lassen, immer dann, wenn es das Vorderbein dieser Seite hebt, um es dazu zu bringen, dieses über das andere Vorderbein zu führen und angehoben zu kreuzen. Dabei muss man notwendigerweise das Vorwärtsgehen beibehalten und dann in dem Maße, wie das Pferd diese Aufforderungen und Hilfen zu verstehen beginnt, hält man es nach und nach zurück, bis es ganz ohne die Unterstützung des Helfers mit geradem Hals und Rumpf frei zur Seite traversiert, ohne vorwärts zu gehen und ohne seine Füße zu verletzen oder aus dem Rhythmus zu kommen.

Der Helfer zu Fuß sollte Kunstreiter sein, mit der Erfahrung zur Beurteilung des rechten Momentes zum Schieben, dann nämlich wenn das Pferd das äußere Vorderbein und die Schulter zum Vorwärtsgehen anhebt, die er vorwärts und kreuzen lassen will. Und derjenige, der darauf sitzt, soll es sorgfältig und aufmerksam unterstützen und vorwärts treiben, passend zum Schieben des Helfers zu Fuß und es auch anhalten und loben, wenn es sich gehorsam gezeigt hat.





Diese Übung soll auf beiden Händen gleichmäßig weitergeführt werden, da es wichtig ist, auf beiden Händen diese Fähigkeit gleich gut auszubilden. Sollte das Pferd nicht tolerieren, dass der Helfer zu Fuß es berührt oder gar schiebt, soll dieser trotzdem neben ihm gehen, mit einer guten Peitsche in der Hand, und ihm damit manchmal an Schulter und Flanke drohen, wenn es nötig ist, oder es bei Bedarf damit touchieren, aber niemals so, dass es aufbraust oder Angst bekommt, wenn es nicht völlig verstockt ist und man nicht schon lange alle erdenklichen sanftesten Mittel versucht hatte.

Weil diese Übung sehr stark gegen das Naturell der Pferde geht, muss man, wenn die vorherige Übung sich als zu schwer erweist, zunächst das Pferd nach einem oder zwei traversalen Schritten vier oder fünf geradeaus vorwärts machen lassen, und danach wieder traversal, wodurch es viel leichter die Hilfen annimmt, und der Helfer zu Fuß viel leichter den passenden Zeitpunkt zum Schieben trifft. In dem Maße, in dem das Pferd diese Übung erkennt und versteht, nimmt man subtil mehr und mehr das Vorwärts aus der Bewegung, und verstärkt das Travers, weiter und weiter, bis es frei seitwärts ohne jedes Vorwärts geht, wie in der folgenden Skizze zu erkennen.



 

An der Leichtigkeit bei der Ausführung kann man beurteilen, wie ich schon erklärte, ob sie für das sensible, ungeduldige Pferd, das gut an der Hand ist, geeignet ist. Denn hat es dieses Naturell, wird es auch ein Gegner der Unterordnung durch zu viel Zwang sein, und ebenso der sehr engen und genauen Lektionen und Hilfen, besonders zu Beginn neuer Übungen.

Ist es aber von Natur aus schwach, oder legt sich auf oder zieht an der Hand, kann der Kunstreiter die Bequemlichkeit einer geraden und langen Wand suchen, und das Pferd ca. einen Schritt gegenüber dieser mit dem Kopf zur Wand stellen.

Er kann dann versuchen, es nach und nach entlang dieser Wand seitwärts gehen zu lassen, zu einer Seite wie zur anderen, bei Beginn ohne volles Travers, damit es beim Übertreten nicht das stehende Bein verletzt; die Kruppe mehr zur äußeren Schulter haltend, sodass es besser auf den Weg sehen kann, den es gehen soll, und um die Schulter und das Vorderbein, das weitergehen und kreuzen soll, zu heben. In dem Maße, wie es diese Übung leichter ausführt, lässt er mehr und mehr die Kruppe auf die Höhe der Schultern aufschließen, bis ein ganz gerades Seitwärts erreicht wird, ohne Biegung des Rumpfes und des Halses und ohne Bewegung des Schweifes.

Die Hilfe des Kunstreiters am Boden zum Schieben des Pferdes, wie oben erwähnt, ist sehr nützlich am Beginn dieser Übung, weil er bei Bedarf das Pferd dazu bringen kann, seitwärts zu gehen, indem er ihm die Peitsche in seiner Hand zeigt.



 A: Wand     B: Spur der Vorderbeine     C: Spur der Hinterbeine

 

Der Grund, warum diese Übung gut geeignet ist für Pferde, die schwer auf der Hand sind, oder die an der Hand ziehen, ist, dass sie nah an der Wand mit dem Kopf zu dieser, nicht nur zum Seitwärtsgehen gezwungen werden, sondern auch dazu, sich zu versammeln und die Vorhand aufzurichten. Und wenn es stätig und störrisch ist, ist sie gut geeignet seine natürlichen Fehler zu verbessern.

[Der nächste Satz wird nicht übersetzt, da die Methode zu rabiat für heutige Verhältnisse ist;DA]

Über allem möchte ich dringend raten, dass der Kunstreiter in keiner Situation (wenn er nicht unbedingt dazu gezwungen ist) Gewalt anwendet mit neuen und unbekannten Strafen, besonders nicht bei Fohlen und jungen Pferden, sowie bei phlegmatischen oder furchtsamen, oder zu sensiblen, aufbrausenden oder hitzigen Pferden, um nicht bei den einen Kraft und Mut zu unterdrücken und zu schwächen, oder die anderen verzweifeln zu lassen.






 

Band II, Kapitel XV

 Regeln der Passaden und Demi-Volten

 
 Nachdem der erfahrene Kunstreiter sein Pferd nun die vorgenannten Gehorsamsübungen gelehrt hat, bringt er es an einen Ort mit ebenem und geradem Boden, auf dem er es geduldig promeniert und zunächst mindestens zwei Mal mit der Örtlichkeit und den ersten Proportionen der Passaden vertraut macht.

Wenn es die Umgebung kennt, lässt er es in einem schönen Schulschritt eine Passade von der Länge gehen, die er als richtig ansieht (je nach Naturell, Leichtigkeit, Wildheit, oder zu viel Entschlossenheit des Pferdes), und an deren Ende im gleichen Schritt eine Wendung nach rechts machen.

Er beginnt zu dem Zeitpunkt zu wenden, an dem es das rechte Bein am Punkt B auf den Boden setzt, so dass es durch die natürliche Bewegung der linken Schulter gezwungen ist, beim ersten Schritt in der Demi-Volte den linken Fuß über den rechten zu kreuzen, und weiter jedes Mal beim Weitergehen das linke Vorderbein frei über das rechte führt.

Dabei soll man ihm seinen Kopf rechts vom Weg stellen, dabei aber ein Durchhalten von Gebiss und Kappzaum verhindern und durch Anlegen und Benutzung des gegenüberliegenden Schenkels und Sporns und bei Bedarf der Gerte, ein Verkleinern oder Vergrößern vermeiden, ebenso wie ein Hinauswandern der Hinterbeine von der Linie der Passade und der Stelle, die mit A markiert ist, bis die Vorderbeine ohne Verwirrung am Buchstaben C angekommen sind.

 


 

D: erste Linie    E: zweite Linie    

F: dritte Linie, auf der Passade nach dem Schließen der Demi-Volte, die man bei B gestartet hatte

G: Passade


 

Sollte das Pferd, anstatt die Vorderfüße korrekt durch die Figur zu führen und sie direkt am Punkt C hinzustellen, zu stark verkleinern oder vergrößern, lässt man es vorwärts oder rückwärts oder zur Seite gehen, bis es gerade auf der zweiten Linie und über den darauf markierten Buchstaben steht.

Man lässt es genau an dieser Stelle auf der zweiten Linie stehen, so lange wie nötig um die Unruhe zu vertreiben und es wieder zu Gehorsam zu bringen und das Gedächtnis anzuregen.

Danach muss man es genauso durch den Rest der Demi-Volte führen und dann mit allen vier Beinen gleichzeitig auf der Linie der Passade enden lassen, und sofort, wenn es die Vorderfüße als Drittes genau auf dem Punkt D aufsetzt, wie die nachfolgende Zeichnung erklärt, es mehr vorwärts als zögerlich vorantreiben, dabei peinlich genau auf die korrekte Ausführung achtend.

 



Wenn das Pferd gut und geduldig begonnen und die Demi-Volte nach rechts beendet hat, lässt man es vorwärts geradeaus auf derselben Passade gehen, auf der man gekommen ist, und an deren Ende eine Demi-Volte links ausführen.


 

Aber jedes Mal, wenn das Pferd sich lange verweigert bevor es zustimmen will, oder bevor es überhaupt verstanden hat, diese ersten Proportionen der Demi-Volte im Schritt auf einer Hand auszuführen, muss man die Passade länger machen als normal, vor allem, wenn es dabei sehr viel Unbehagen empfindet, oder wenn irgendeine Unruhe in der oder beim Verlassen der Demi-Volte auftritt. Denn durch die Strecke, die es auf den Passaden zwischen den Demi-Volten zurücklegt, kann man ihm häufig viele Missempfindungen, Erstaunen oder schlechte Eindrücke, die es empfangen haben könnte, und die die gute Ausführung stören, vertreiben.

Sollte es jedoch leicht gehorchen und ohne sich zurückzuhalten, und gut an der Hand sein, kürzt man die Länge der Passade in dem Maße, wie es die Lektion besser ausführt, aber nicht kürzer als sechs Schritte.

Ist es hingegen wild oder hat es ein schwaches und zu nachlässiges Maul, würden die kurzen Passaden gegen die Entschlossenheit zur Manege und eine gute Anlehnung an die Hand arbeiten, und ich empfehle dem Kunstreiter dies stets zu berücksichtigen, wenn er in der Lage ist, das zu beurteilen.

Man muss sehr aufpassen, dass das Pferd, um diese erste Genauigkeit zu erzeugen, die Passade gerade, und die Runde der Demi-Volte mit den Vorderfüßen ohne Hast oder Zögern geht; die Hinterbeine sollen die Mitte beachten.

Der Sinn dieser Demi-Volte ist es, die Hankenbewegungen ausgewogen zu halten, ohne dass der Körper des Pferdes in Zwang kommt oder der Hals sich biegt, denn das sind meistens die Fehler derjenigen, die sich nicht an diese Regeln halten.

Mehrere Meister gehen sehr fehl, nicht an die Perfektionierung durch diese Genauigkeit des Schrittes und generell der drei Aktionen zu glauben, wohingegen der klarsichtige Kunstreiter erkennen kann, wie hilfreich diese Lektionen sind.

Ein wichtiger Irrtum ist, ein von Natur aus sensibles oder schwaches Pferd zu biegen oder ihm dieses zu gestatten, und dadurch seinen Kopf und seine Aufmerksamkeit außerhalb der korrekten Figur der Demi-Volte zu halten, und als Konsequenz die Schulter entgegen der Bewegung zurückzuhalten, die frei und unbedingt die weiter vorgehende sein soll, weil sie den Raum der Demi-Volte markiert, wovon die Leichtigkeit Letzterer abhängt.

Die anderen beiden häufigen Fehler bestehen darin, das ungeduldige Pferd hasten und zappeln zu lassen, oder, das wilde zurückzuhalten und zusammenzuziehen beim Beenden und Schließen der Demi-Volte auf der Linie der Passade.

Im Gegenteil möchte ich, dass das Pferd bei Beginn und beim Beenden einen abgemessenen, zurückgehaltenen und ganz gleichmäßigen Schritt geht, und dazu den Kopf, den Blick und den Mut auf die korrekte Bahn dieser Übung richtet, dabei den Körper von Kopf bis Schweif gerade und fest hält, und sich gleichmäßig auf seine Beinen stützt, und vor allem die Aktion der gegenüberliegenden Schulter frei und vorwärts gerichtet ausführt. Dazu soll der Kunstreiter eine gewandte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit benutzen, und trotzdem sehr aufmerksam sein, damit er weder seine Takt, noch seine korrekten Bewegungen stört.

 

Man sieht häufig cholerische und ungeduldige Pferde, die von Natur aus nicht erfreut über diese erste Unterordnung sind und große Schwierigkeiten machen, besonders beim erstmaligen Einwärtshalten der Kruppe an ihrem korrekten Platz in der Demi-Volte. Bei diesen soll der Kunstreiter niemals rabiate Strafen verwenden, wenn er es nicht vorher lange mit sanftesten Mitteln versucht hat. Falls nötig, kann man einen Helfer am Boden es streicheln und subtil mit den Händen schieben lassen oder ihm mit einer Gerte an der Seite drohen lassen, wenn die gewöhnlichen Mittel dessen, der darauf sitzt, nicht ausreichen um dagegen an zu gehen.

So muss man hier das Ende dieser Lektionen im Trab, oder im Galopp, auf einer ganzen Volte mit einem Hufschlag, oder mit zweien (redoublee), ausführen, wenn das Pferd eine explosive oder wilde Stimmung hat, damit es durch diese verschiedenen Bewegungen zu Abschluss der Übung von seinem Unbehagen bei der Unterordnung in dieser neuen Schullektion, die es noch nicht kennt oder die gegen seine Natur ist, abgelenkt wird.

Denn wenn bei diesen Anfängen das sensible Pferd mit einer sehr feurigen Stimmung, dass sich fürchtet und nachtragend ist, sehr rabiat geschlagen und gerügt wird, würde es in seiner Konfusion vielleicht stürzen, um solchen Taten der Verzweiflung zu entfliehen, oder könnte eine solchen Hass auf diese erste Übung entwickeln, dass der Kunstreiter sich gezwungen fühlt, zurück zu schlagen, mit gewissen anderen Mitteln der Schule, die sehr gewöhnlich und wenig perfekt sind.

 

Aber mit erfindungsreicher Geduld kann er es dazu bringen, diese ersten Regeln zu verstehen und sich daran zu gewöhnen, und zweifellos sehr viele andere sehr schöne nachfolgen zu lassen, und es ihm viel leichter zu machen, wenn es nicht die sehr ordinären gewalttätigen Strafen zu spüren bekommt.

 

 


A Linie der Passade     B Volte auf einer Spur     C zurück zur Linie der Passade      D zum Anfang der Volte

E um diese Volte zu schließen und gleichzeitig zu halbieren und um zurück zur Linie der Passade zu gehen


Ich überlasse dem Kunstreiter die Wahl zwischen den beiden Arten der Passaden: im Allgemeinen meine ich, dass die erste dem Pferd, das sich von Natur aus zurückhält, mehr Freiheit gibt und dass die Proportionen dieser Volten auf einer Spur zu erkennen ist, wenn die Vorder- und die Hinterfüße nicht denselben Weg gehen.

Wenn das Pferd diese erste Regel im Schritt gut verstanden hat, bringt man es auf der Linie der Passade in den Trab und hält es an den Enden an, darauf achtend, die Ausführung gemäß der Anforderungen seiner Natur zu gestalten, d.h. ob es schwer in der Hand ist oder an der Hand zieht, feurig ist, schwer gebaut, oder einfach schwach.

Man lässt es auf den Hanken anhalten, mit sehr starker Unterordnung, egal, ob es von Natur aus gehorsam und leicht in der Hand ist, oder ob es sich wild zurückhält oder nichts von alledem, denn man muss diesen Parade-Lektionen auf dieselbe Art bei allen Arten von Pferden, ohne ihre verschiedenen Naturelle zu beachten, in derselben Art und Weise ausführen!

Hat man das Pferd also schön durchpariert am Ende der Passade, lässt man es mindestens ein oder zwei Schritte vorwärts gehen auf der ersten Linie markiert mit B, um die Demi-Volte gut zu beginnen; sie soll genau so ausgeführt werden, wie ich es oben beschrieben habe; wenn aber das Pferd am Anfang hastet, sich eng macht, vergrößert, oder es diese Demi-Volte im Schritt falsch beginnt (weil es den Trab geradeaus nicht gewohnt ist und durch die Unterordnung beim Halt auf der Passade) führt es der Kunstreiter auf die zweite Linie, bezeichnet mit C, die das erste Viertel begrenzt, wie man es bei den Lektionen der ganzen Volten [oben,DA] besser sieht.


 

Sodann bringt man es zurück auf seine korrekte Passege, frei und ohne Unordnung auf dieselbe gezeichnete Spur, genau zum Punkt B auf der ersten Linie, ohne dass die Hinterfüße den Mittelpunkt, der mit A bezeichnet ist, verlassen, und streichelt es bei einer guten Ankunft der Vorderbeine auf dem Punkt B, oder lässt es weiter vorwärts gehen auf der vorgenannten ersten Linie: je nachdem wie es diese Wiederholung ausführt, lässt man es sich verkürzen, biegen oder strecken, oder auf dieser Linie rückwärts treten, abhängig davon, ob es zu sehr vorwärts drängt oder auf die Schultern fällt oder sich auf die Hand legt; oder man touchiert es auf der Seite, auf der es vergrößert, verengt oder fest wird.

Danach lässt man es wieder beginnen (auf der ersten Linie und an der Stelle, an der es am meisten Gehorsam gezeigt hat), auf demselben Viertel der Volte, das auf der zweiten Linie beendet werden soll bei C, was die Bewegung einer Demi-Volte ergibt, dabei Genauigkeit anwendend, mit so großer Geduld und Gewissenhaftigkeit wie man kann.



Weil die obige Zeichnung den Geist derjenigen verwirren könnte, die den zweiten Band bis zu dieser Anleitung nicht verstanden haben, sage ich nur, dass die oben zu sehenden Bahnfiguren, außer dem ersten Viertel, das man an den vorgenannten Buchstaben erkennen kann, zeigen, dass wenn das Pferd sich aufregt wegen der Strafen, die es aufgrund seiner Fehler bekommen hat, weil es fehlerhaft auf die erste Linie zurückkehrte (was ich noch erklären werde), oder es durch irgendeinem anderen Anlass gar nicht erst dieses erste Viertel beginnen will, während die Vorderbeine noch auf B stehen, so muss man es geradeaus gehen lassen, entlang der ersten Linie: nicht nur ein oder zwei Mal, sondern so häufig, wie es dieses vorgenannte Viertel nicht gut beginnen will. Denn in dem Maße, wie es gut geht während der ersten Lektionen, ist die Stelle gut, an der es auf der ersten geraden Linie gut begonnen hat.

Denn jedes Mal, wenn es auf der zweiten Linie, C, angekommen ist, bewertet der Kunstreiter jeden Fehler im ersten Viertel und bringt es häufig geduldig und korrekt zurück auf die erste Linie, wo er wieder beginnt und es dasselbe Viertel wiederholen lässt, und dabei nach und nach den Fehler erkennt, und um ihn, falls nötig, zu korrigieren.

Wenn es aber gut beginnt und korrekt wendet und auf der zweiten Linie ankommt, ohne die korrekte Form verfälscht zu haben, lässt er es weitergehen, und die Demi-Volte vollenden, im selben Schritt und in derselben Ordnung, ohne anzuhalten oder es in seiner gut gestalteten Aktion zu stören.

Dagegen muss er es jedes Mal bei einem Fehler während dieses letzten, zweiten Viertels der Demi-Volte das Pferd korrekt auf der zweiten Linie, C, versammeln, und es seinen Fehler wieder ausbessern lassen, genauso wie im ersten Viertel, und dann nach Wiedereintreffen auf der ersten Linie die komplette Demi-Volte wieder zu beginnen.

Wenn es sie genau und ganz ausgeführt hat, bringt der Kunstreiter das Pferd in den Trab geradeaus, um dasselbe dann auf der anderen Hand auszuführen. Diese Abfolge ist normalerweise geeignet für die sensiblen Pferde mit gutem Willen, die aber trotzdem unzufrieden sind durch den Zwang der Einwärtshaltung der Hanken in der Volte.



 

Es gibt einige Pferde, die von Natur aus einen harten und steifen Hals haben, oder zu beladene Schultern, eine zu feste Anlehnung an das Maul, oder irgendwelche Ängste oder die verzweifeln, und deshalb entier oder zurückhaltend werden auf dieser Demi-Volte im Schritt, durch die Wiederholungen und die Dauer, so dass sie häufig auf der zweiten Linie korrigiert werden müssen; und andere, die so sensibel und ungeduldig sind, dass diese Abfolgen sie häufiger konfus anstatt leichter machen bei der Ausführung der Lektion.

Oder solche, deren Stimmungen dazu führen, das man, anstatt sie auf der zweiten Linie anzuhalten, sie lieber die Demi-Volte vollenden lässt, ohne ihren Schritt zu unterbrechen, welche Fehler auch immer sie machen, aber dabei trotzdem so korrekt wie möglich reitet. Haben sie einen Fehler in der Genauigkeit gemacht, beim Beginn, in der Mitte oder am Ende der Demi-Volte, lässt man sie vorwärts gehen auf der Linie der Passade, zwei oder drei, oder mehr oder weniger Schritte, je nachdem, wie stark sie sich zurückhalten; oder aber man lässt sie rückwärts treten, sofern sie zu sehr voran drängen oder auf die Schultern fallen oder sich auf die Hand legen. Statt sie geradeaus vorwärts zu schicken, um zum anderen Ende der Passade zu gelangen, muss man sie korrekt versammeln, lösen und gerade auf die erste Linie, auf der sie vorher gestartet waren, zurückbringen, um danach wieder zu beginnen und dann die Demi-Volte genauer einzuhalten; dieses soll man weiter fortsetzen, immer dann, wenn sie Fehler in der Genauigkeit gemacht haben, aber nur, bis sie verstehen, dass sie nicht zum anderen Ende der Passade gehen dürfen, bevor sie diese Demi-Volte nicht gut begonnen und beendet haben.

Wenn sie sie jedoch gut und freundlich ausgeführt haben, soll man sie streicheln und dann weitergehen lassen, im Trab geradeaus und lebhaft auf der Linie der Passade, um von neuem eine weitere auf der anderen Hand auszuführen.



A: erste Demi-Volte        B: erste Wiederholung        C: Wiederholungen der ersten Demi-Volte, weiter vorn, wenn nötig


Der Kunstreiter muss bei seinen Wiederholungen der Viertel und der Demi-Volten, wie auch bei den Lektionen, die danach kommen werden, wissen: wenn das Pferd, anstatt frei auf beiden Händen zu wenden, von Natur aus oder erworben, hart und steif zu einer Seite ist, und sich auf der anderen Seite verengt, wie es häufig vorkommt, so muss er auf der schwierigen Seite die Spur größer für die Hinterfüße machen, um mit dieser Freiheit das Auftreten von Festwerden (entier) oder von Schwachwerden zu verhindern.

Wenn es aber die Anlehnung verliert oder die Hinterhand zu sehr ausfällt, soll man sie enger reiten als in der normalen Größe und auch zulegen, wenn erforderlich.

Ist es hingegen leicht und entschlossen im Trab und Galopp und auf jeder Hand gleich (was ja eigentlich die Voraussetzung für den Beginn dieser engen Lektionen sein sollte!), muss man trotzdem die Exaktheit beachten und die gleichen Proportionen bei allen Wiederholungen, wie in den richtigen Vierteln und Demi-Volten der Hauptlektion. Man muss auch berücksichtigen, dass die eingezeichneten Wiederholungen an den verschiedenen Stellen dieser Skizzen, außer der ersten Demi-Volte, zeigen sollen, dass man diese andern Stellen nicht braucht, wenn das Pferd sich willig zum Gehorsam und Gedächtnis zeigt, und man es nie vorwärts schicken oder zurückhalten muss auf der geraden geraden Linie der Passade vor der Verbesserung und Wiederholung des fehlerhaften Viertels (oder nach der Wiederholung), es sei denn bei Zurückhaltung oder Vorwärtsdrängen, oder bei Auseinanderfallen oder zu stark vorwärts drängen.

Denn besonders vor dem Ausführen der Wiederholungen dieser Demi-Volten oder der ganzen Volten, ist es in jedem Falle nötig, das das Pferd durch Drohungen oder Strafen erkennt, worin es gefehlt hat. Schließlich sollen alle Bewegungen dieser Übungen so gut beachtet werden, wie es möglich ist, denn ein guter Gehorsam ist sehr nützlich.

Die oben beschriebenen Lektionen entspannen und ermutigen das Pferd durch den Trab auf der Passade; dieser macht es leichter an der Hand, den Kopf sicherer und er verbessert die Anlehnung an das Maul durch die gut ausgeführten kontinuierlichen Paraden. Es wird befähigt und sein Gedächtnis wird gestärkt durch die geduldig und sorgsam ausgeführten Proportionen der Rückführungen und Wiederholungen der Demi-Volten







 

 

Zweite Regel der Passaden und Demi-Volten, terre à terre


Band II, Kapitel XVI

Wenn das Pferd frei frei und locker auf der Passade trabt, wenn es beim Parieren gehorsam und gut an der Hand ist, genau und leicht in der Demi-Volte im Schritt, muss der Kunstreiter sich Gedanken machen, welche Air oder Übung am meisten für das Naturell seines Pferdes geeignet ist.

Und wenn er herausgefunden hat, dass die Gangart Terre-a-Terre mehr seinen Kräften und seinem Körperbau entspricht als die hohen Schulen, macht er weiter die o.g. Figur, aber dann, wenn das Pferd im Schritt und gerade auf der zweiten Linie der Demi-Volte ankommt, versammelt er es und treibt es gleichzeitig weiter, um das letzte Viertel zu schließen, mit ein oder zwei Sprüngen in einem versammelten Galopp, der trotzdem niedrig und sorgfältig ist, und beendet so diese Demi-Volte ganz, indem das Pferd mit allen vier Füßen gleichzeitig ganz gerade auf der Linie der Passade ankommt, wobei die Vorderfüße auf Punkt D landen.



A: Spur der Passege in der o.g. Proportion     B: Spur der o.g. Sprünge im versammelten Galopp    C: Spur der Rücktour im Schritt

 

Ich wünsche mir, dass der Reiter viele Stellen und Gelegenheiten in Erwägung zieht, und empfehle die Genauigkeit und Leichtigkeit bei jedem Beginn dieser Figur, damit er es nicht macht wie die gewöhnlichen Reiter, die, wenn das Pferd seine Figur schlecht beginnt, es trotzdem nicht aus der Figur führen, sei es weil sie den Fehler nicht bemerken, oder weil sie glauben, es durch Weiterführen der Wendung zu korrigieren, und es den Fehler durch ein besseres Ende wiedergutmachen zu lassen. Ich möchte nicht sagen, dass man dieses nicht gelegentlich machen sollte, wenn das heftige und mit einem starkem Rücken ausgestattete Pferd sich beim Beginn seiner Air und seiner Manege zu sehr zusammenzieht, oder wenn es entier zu werden droht, aber bei diesen Lektionen des Gehorsams und des Gedächtnisses, die geeignet sind für ein Pferd mit gutem Temperament und guter Kraft, verstehe ich nur nicht, dass wenn das Pferd (falls es an diese Bahnfigur gewöhnt ist) ein Viertel der Volte fehlerhaft ausführt, man es auf der nächsten geraden Linie versammeln soll, und es von dort weggehen lassen soll.

So wünsche ich, wenn es in irgendeinem Teil innerhalb seiner Passege, oder bei irgendeinem Sprung seiner Air, auch zu Beginn, die korrekten Proportionen dieser Demi-Volten nur etwas verfehlt, der Kunstreiter es ganz kurz versammelt, so ruhig wie er kann, und ohne Unordnung auf der Stelle, an der es den Fehler begann, und auf einer etwas erweiterten Volte, es seinen Fehler wiedergutmacht, damit es ihn erkennen und korrigieren kann, wie ich es genauer erklärte bei den Lektionen der ganzen und redoublierten Volten.

Um alle diese Figuren besser auszuführen, soll der Kunstreiter zuallererst bei allen diesen Lektionen die Kräfte, den Atem und den Mut des Pferdes gestärkt haben durch ein gutes Training des Schrittes, des Trabes oder des Galopps, je nach seiner natürlichen Veranlagung, die er erkannt hat.

Mit großer Mühe macht das Pferd die letztere Lektion, ohne bei Beginn sich zu sehr zu schließen, einzuengen, zu biegen oder auszufallen; aber um beim Wenden die Hinterfüße genau auf im Zentrum der Demi-Volte zu halten, und auf dieser lebhaft die Bewegung der Schultern zu erleichtern, muss man ein wenig den Zügelarm und die Zügelfaust nach vorn führen, um das Pferd vorwärts zu leiten, ohne es jedoch aus dem Kreis der genannten Volte heraus zu treiben; ihm gleichzeitig mit der Gerte helfen, vorsichtig an der Schulter nahe dem Beginn des Rückens, oder an der anderen Schulter; es dabei verkürzend, vorwärtsgehend und immer aufmerksam haltend, durch subtile und genaue Bewegungen der [Reiter-]Beine, und dies viel stärker zu der Seite, auf der es sich verengt oder erweitert.

Jedes Mal, wenn es einen kleinen Fehler macht in dieser zweiten Art der Demi-Volte, sei es bei der Air oder bei der Genauigkeit der Bahnfigur, führt man es häufig wieder, ohne zu weit raus zu gehen, auf die erste Linie, um dort wieder die Demi-Volte zu beginnen und auszuführen, bis sie korrekt und schön proportioniert ist; ich sage deshalb auf die erste Linie, weil das erste Viertel, dass es im Schritt macht, zur Entschlossenheit der Air im versammelten Galopp dient, mit dem es das zweite Viertel und die Demi-Volte schließen soll.

Danach bringt man es an das andere Ende der Passade , um dort dieselbe Lektion auf der anderen Hand auszuführen.

In dem Maße, wie das Pferd leicht wird in diesen zwei oder drei versammelten Galoppsprüngen, mit denen es das letzte Viertel der Demi-Volte schließt, wird es zweifellos dazu neigen, sich schon in diese Air zu bringen, bevor es im Schritt die zweite Linie erreicht und von da an ist die Zeit erreicht, es ruhig auf der Linie der Passade geradeaus galoppieren zu lassen, aber nicht eher.

 







 

Passade im Mezair

Kapitel XVIII

Wenn das Pferd sich locker und kräftig im Mezair gezeigt hat, gegenüber dem verkürzten Galopp auf diesen Terre-a-Terre Demi-Volten, werden diese gewöhnlich nicht so schnell gemacht, sie sind aber sehr viel sicherer auf einem schlechten Boden, und sie verbessern Anmut von Reiter und Pferd, wenn sie mit einer sehr erhobenen Vorhand gemacht werden und deshalb sehr unterstützt von den Hanken. Für diese Figur der Demi-Volte im Mezair muss man dieselben Regeln und Lektionen beachten wie vorher beschrieben, außer dass man beim Parieren das Pferd im Vorwärts erhalten muss, es geradeaus ein oder zwei Male (oder Schläge) mehr machen lassen muss (wenn man möchte über die ganze Ausführung), und ein wenig mehr erhaben in der Vorhand, um ihm besser die Hanken und die Hinterfüße einzurichten, damit es durch diese Mittel besser seine Air an die Genauigkeit der Demi-Volte anpassen kann, die gut wird, wenn sie sehr erhaben ist, und genauso nach der Proportion auf dem Boden ausgerichtet sein soll wie im Terre-a-Terre und normalerweise beginnen und enden soll mit drei Schlägen, und an der Stelle des dritten (der direkt auf der Linie der Passade gemacht werden soll) kann man es auch noch eine oder zwei auf der Stelle machen lassen, im gleichen Maß und ganz wenig vorangehend, wie man sehen kann am Buchstaben D in dieser Skizze.



Um in dieser Passade einen Absprung von der Hand mit viel Anmut, Kunstfertigkeit und Elan auszuführen, muss man das Pferd beim zweiten oder dritten Schlag der Courbetten antreiben, geradegerichtet auf einer Stelle, zu dem Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorhand noch in der Luft hat, so, dass es von den Hanken abspringt bevor es die Vorderfüße auf die Erde setzt; allerdings muss man bei der Zeit des Absprunges aufpassen, das Pferd nicht zu treiben, während es seine Vorhand noch zu hoch hat, da es dann anstatt einer schönen und geschlossenen Bewegung einen unbequemen Schwung bekommt; treibt man es hingegen, wenn die Vorderfüße schon zu nah am Boden sind, ergibt das eine unerwünschte Aktion auf den Schultern mit Absenken des Kopfes, was nicht viel weniger Verdruss bringt. Deshalb treffen die allermeisten Pferdemenschen nicht sehr häufig den perfekten Zeitpunkt.

Wenn aber dieser Absprung ordentlich ausgeführt wird, ist er nicht nur sehr schön und furios, sondern verleiht auch Reiter und Pferd viel Anmut und Kraft; und in einem Schwertkampf hat der Reiter die Kenntnis und Übung, zu kämpfen wie er muss, und wenn sein Pferd ihm dabei wohl gehorcht, zweifellos wenn der Stoß gegen den Gegner genau in diesem Moment der großen Kraft und der Leichtigkeit des Absprunges von der Hand erfolgt, und vor allem sechs oder sieben Schritte nach der Stelle, an der das Pferd getrieben wurde, und an einem Zeitpunkt, an dem die Vorhand des Pferdes herunterkommt, die Masse und die Überraschung dabei sehr sehr groß ist.

Aber man findet weder viele Pferde, die entschlossen und mutig genug sind, und die die nötige Geduld haben, den Zeitpunkt abzuwarten, noch viele Menschen, die diese Lektion gut ausführen können.

Beim Halt und beim Ende dieser Lektion soll man zwei oder drei Levaden oder Courbetten machen, oder so viele, wie man möchte, wenn das Pferd dazu ausreichend geschult ist.

Um es in seinem Gehorsam und seiner Genauigkeit bei dieser Lektion zu erhalten, soll es, in der Reitbahn, diese Passaden in einem versammelten Galopp [petite galop] beenden, man lässt es dann anhalten und streichelt es, bevor man eine Demi-Volte reitet, sowie auch nachdem sie gut ausgeführt und geschlossen wurde, besonders wenn sein Temperament abweisend und aufbrausend ist, oder wenn es sehr heftig an der Hand zieht: damit beruhigt man es und bringt es zurück zu seiner Sanftheit und Geduld, denn es muss abgelenkt werden von seiner Abneigung, die es aufgrund der Heftigkeit dieser Lektion normalerweise erfüllt, und man muss manchmal auch die ganz genauen Proportionen dieser Demi-Volten erweitern: damit, wenn sie von Natur aus mehr als nötig verengt ist (sei es aus Misstrauen oder Furcht vor den Hilfen und Rügen oder weil es ungeduldig oder störrisch ist), man am Ende der Übung die Demi-Volten großräumiger als üblich gestaltet; aber wenn das Pferd sie stärker erweitert, als der Reiter es möchte, muss er als Konsequenz beim Beenden diese Demi-Volten verkleinern, bis zur nötigen Unterordnung.

Durch dieses Mittel kann ein Reiter mit einem guten Urteilsvermögen immer besser das Pferd in seiner guten Schule erhalten auf diesen Passaden und Demi-Volten, als wenn er verlangt, dass sie immer gleich groß bleiben, ansonsten können sie nicht perfekt werden.

Ich glaube, einen sehr großen Teil der sehr exzellenten Pferdemenschen gesehen zu haben, die zu meiner Zeit lebten, und mit großer Mühe und Neugier ihre Praktiken und Nutzen, oder ihre anderen Mittel sowie den Stil der Schulen aus jedem Teil der Christenheit beobachtet zu haben, sodass ich vieles kenne.

Aber am Ende habe ich nie mehr gesehen, dass jemand diese vorherige Lektion mit soviel Kunstfertigkeit und Anmut ausführte, wie der Monseigneur Marschall de Dampville, Connestable von Frankreich. Ich habe ihn wirklich gesehen, wie er beim Ausführen dieser Passaden, in zwei Gefechten zwei Schwertstreiche ausführte gegen zwei mutige Reiter, die gut bewaffnet und so gut beritten waren, wie man es sich wirklich nur wünschen kann. Einer von ihnen war einer der großherzigsten und galantesten Prinzen, die man in diesem Königreich finden kann, und der andere hatte den Ruf, einer der besten Reiter seiner Zeit zu sein.

Jeder von ihnen erhielt einen mächtigen Schwertstreich, ausgeführt mit großem Mut und in einem Zeitpunkt so passend und glücklich, dass der eine rückwärts über die ganze Kruppe seines Pferdes stürzte, und der andere sich aus dem Sattel löste und zu Boden stürzte! Das ist so schwer zu glauben, dass ich nicht wagen würde, es zu niederzuschreiben, hätte nicht ein große Anzahl ehrenhafter Personen ebenfalls gesehen, was ich sah.

Der erste Streich wurde geführt in Bayonne, als die Königin von Spanien den Bruder des verstorbenen Königs Karl traf; und der andere in Paris, im Garten hinter dem Louvre und bei Gefechten während der Zeit der Hochzeitsfeiern des Monseigneur Prinz von Portian; und beide im Beisein des Königs, der Königinmutter und aller Prinzen, Prinzessinnen, Seigneurs und Damen des Hofes.

 Er hat überhaupt auch sehr gut alle die anderen sehr schönen Übungen, die auf dem Pferd gemacht werden können, ausgeführt; so beeindruckend, dass, so sehr wir professionell diese Kunst betreiben, es als Glück ansahen, diesen kräftigen und mutigen Seigneur sehen zu dürfen, und müssen freimütig bekennen, dass man eine solche Fähigkeit in allen ehrenhaften und großartigen Aktionen nie kannte in der Welt, und vielleicht nie dagewesen ist, und dies obendrein als Amateur der guten Pferdemenschen, wie er es war,und auch nicht so wie er mit so viel Anmut und Wissen alle diese sehr schönen Lektionen dieser Kunst praktiziert hat.

Um nun zurückzukommen auf unsere Passaden: man kann durch diese Lektionen verstehen, wie das Pferd die Dem-Volte ausführen soll: die beiden Hinterfüße im Zentrum dieser haltend, je nachdem wie es die Tour macht, während es mit denen der Vorhand einen Kreis beschreibt. Aber um eine ganze Volte zu erreichen, oder um mehrere zu machen, muss man die Fgur größer gestalten, ansonsten hat man weder Anmut noch Kraft, und es ist nicht so vereinigt wie erforderlich, wenn die redoublierten Volten sehr eng sind, so wie die Demi-Volten der Passaden, denn schließlich wird die eine und die andere Lektion geübt, um im Schwertkampf nützlich zu sein.

Um die Gründe gut zu verstehen, muss der Reiter sich beim Reiten der Passade vorstellen, er führe einen Schwertstreich gegen seinen Gegner, also äußerst sorgfältig nach der Wendung seines Pferdes am Ende der Passade, manchmal sehr nahe am Wiederstarten um einen neuen Schlag auszuführen: deshalb muss die Demi-Volte eng und sorgfältig ausgeführt werden. Ich wiederhole nochmals, dass diese auf den Hanken ausgeführt werden muss, weil wenn das Pferd schon versammelt ist und die Übung auf seinen Sprunggelenken unterstützt wird, die Hinterfüsse fest auf dem Boden gehalten werden, damit das Pferd nicht rutscht oder stürzt beim Wenden, ausser durch einen großen Zufall. Durch diese feste Haltung ist es immer nahe am Wiederstarten, wenn der Reiter es möchte, gleichmäßig auf beiden Hanken und mit geradem Körper auf der Linie der Passade, damit es nicht zu gebogen ist; dazu kommt noch, dass der Reiter bequemer sitzt.

Aber auf redoublierten Volten, deren Nutzen ist, wenn zwei Reiter sich angenähert haben und mit der Hand kämpfen, und der eine den anderen umrundet, sie sich mit den Schwertern schlagen und kämpfen, und jeweils versuchen, die Kruppe des Gegnerpferdes zu erreichen, ist hierbei leicht zu erkennen, dass diese Figur größer sein muss und freier auf der Vorhand, als die Demi-Volte der Passade. Manchmal sehe ich bei diesen ganzen und redoublierten Volten, dass das Pferd eine Hanke immer etwas in die Volte hält, so dass durch dieses Mittel verhindert wird, dass es zu niedrig oder in die Volte geneigt geht und dadurch die Übung sicherer auf schlechtem Boden wird und auch der Reiter einen geraderen und sichereren Sitz bekommt.






 

Band II Kapitel 19

Ganze und redoublierte Volten im Terre-a-Terre und Mezair

 

Macht das Pferd leicht und sicher korrekte Demi-Volten im Terre-a-Terre, und möchte man es in derselben Air ganze Volten an beiden Enden der Passade ausführen oder redoublieren [= im Seitwärts mehrfach hintereinander:DA] lassen, wobei die vier Beine nicht auf einer Spur gehen, beginnt man die Volte im Trab, falls es leicht an der Hand ist und vor allem, wenn es seine Kräfte zurückhält; im Schritt dagegen, wenn es zu viel Anlehnung nimmt und wenn es kräftig genug ist, um mit Genauigkeit arbeiten zu können ohne in den Trab getrieben werden zu müssen; und in dieser Passege lässt man es die Kruppe ein wenig in die Volte halten.

                                                                                                                 Auf der linken Hand:


 

A Spur der Passade

B um obengenannte Volte zu beginnen und auszuführen

C Spur der Vorderbeine auf der o.g. Passege,

D Spur der Hinterbeine auf der o.g. Passege


Hat es ein oder zweimal die Volte in diesem Schritt oder im Trab vollendet, genau auf dem Buchstaben A in der nachfolgenden Skizze, lässt man es, wieder ohne anzuhalten, eine Demi-Volte im Terre-a-Terre ausführen, die größer ist als die der Hinterbeine, mehr als in der vorangegangenen Lektion, trotzdem die Genauigkeit so genau wie möglich beachtend, und beendet diese Terre-a-Terre-Demi-Volte mit den vier Füßen gerade auf der Linie der Passade, die Vorderbeine dabei auf den Buchstaben B setzend und lässt es danach geradeaus vorwärtsgehen im Schritt oder Trab, je nach seinen Kräften und seinem Gehorsam, um dasselbe auf der anderen Hand zu wiederholen.


D Spur der Vorderbeine, in der Air der o.g. Demi-Volte

E Spur der Hinterbeine in der Air dieser Volte

F einspuriger Teil der Demi-Volte, im Schritt oder Trab


Bei dieser Skizze muss man verstehen , dass die Markierung oder die Linie, die mit C bezeichnet ist, die Änderung der Spur der Hinterbeine anzeigt, und wie diese sich vereinigt mit der der Vorderbeine, sodass wenn das Pferd die Air des versammelten Galopps beginnt, dicht am Boden (= terre-a-terre; DA) auf dem Buchstaben A, den Trab auf der einspurigen Volte verlassend, die Hinterbeine diese Figur bei der Anpassung an und der Bewegung auf dem engen und rundem Raum einhalten sollen, und so seine Hanken die Air in dieser Aktion stützen sollen; für den Wiederbeginn des Trabes auf dem Kreis muss man dann für die Hinterbeine wieder dieselbe Proportion wie auf C beachten.

Wenn das Pferd diese Lektion verstanden hat, verstärkt man diese in derselben Bahnfigur, beginnt dafür die Demi-Volte im Terre-a-Terre, beendet sie mit den Vorderfüßen auf dem Buchstaben B und lässt es gleich, ohne anzuhalten, die ganze Runde weitermachen, im Schritt oder Trab, je nach den vorgenannten Gegebenheiten, dabei sorgfältig verhindernd, dass es sich einengt, biegt oder ausfällt, oder die Vorder- oder Hinterbeine von deren korrekten, vorbestimmten Plätzen abweichen, wie oben skizziert.

Sobald die Vorderbeine am Buchstaben A angekommen sind, muss man es wieder, in einem Zuge, eine andere Demi-Volte im Terre-a-Terre machen lassen, und diese genau auf der Linie der Passade mit allen vier Füßen auf dieser Linie beenden, mit den Vorderfüßen auf B. Ohne Zweifel wird es dem Pferd, wenn es diese beiden letztgenannten Lektionen gut ausgeführt hat, leicht fallen, die ganze Volte im Terre-a-Terre, oder im Mezair, zu beginnen und zu vollenden, wie auf der folgenden Skizze, und dann kann man nach und nach die Lektion verstärken und, je nach nachdem wie es sein Gedächtnis trainiert, alle Proportionen redoublieren, so wie ihm seine Kräfte und sein Atem diese Anstrengung diese Arbeit erlauben.


 

C: Körperhaltung des Pferdes in der Übung auf der beschriebenen Volte

 


Ich weiß, dass das Pferd bei dieser Lektion einige Fehler in der Air oder in der Genauigkeit der Figur, oder in beiden zugleich machen kann, wenn man am Anfang unbedingt eine ganze Volte im Terre-a-Terre beginnen und durchführen möchte, mit den Vorderfüßen auf A und dem ganzen Körper auf der Linie der Passade, und auch danach, wenn man wieder eine Hälfte vergrößern möchte, genau an dem Buchstaben B, ohne die Air des fleißigen und versammelten Galopps zu unterbrechen. Hierbei muss man bedenken, dass diese Fehler gewöhnlich wegen der Überraschung des Pferdes durch die neue Lektion auftauchen. Aber zweifellos wird es, sobald es diese begriffen hat, die nötige Fähigkeit bekommen, vermittels der Geduld und der korrekten und subtilen Bewegungen des guten Kunstreiters.

Sollte das Pferd ein sehr schwaches Gedächtnis oder ein cholerisches Gemüt haben, so dass es nicht bald genug diese ganze Volte ausführen will oder kann, muss man sich bemühen, durch die passenden Hilfen und Rügen Druck aufzubauen. Ist es allerdings so sensibel und überfordert, dass es, anstatt sich bezwingen zu lassen, immer störrischer wird, muss man, damit es nicht abgestoßen wird, diesen Druck wegnehmen und auch die letzte Übung, um es in die vorherige Lektion zurückzunehmen, und dann, nachdem es in dieser wieder gut und sicher wurde, anstatt wie man es vorher probiert hatte im Terre-a-Terre auf der Demi-Volte, bis dahin ausgeführt im Schritt oder Trab, möchte ich jetzt empfehlen, nach und nach auf diesem Kreis die Air und die Sorgfalt der Demi-Volte zu beginnen (die ja schon erlernt wurde), bevor das Pferd die Vorderbeine am Buchstaben A aufsetzt, wie man in der nachstehenden Skizze sieht, gleichzeitig jedes Mal ein wenig vorwärtsgehend wie auf den Markierungen, die man hier auf dem Umfang der Figur sehen kann, und so mit der Zeit und in dem Maße, wie es dem Pferd leichter fällt durch die Übung dieser Regel, die Air und die ganze Volte vollendet, ohne rabiat zu werden.



Um nicht verwirrt zu werden durch die Reihenfolge, die man einhalten soll beim Beenden und Schließen dieser Volten im Terre-a-Terre, soll man beachten, dass wenn das Pferd sauber die Tour größer mit den Vorderfüßen und eine kleinere mit den Hinterfüßen macht (mit geradem und festem Körper und Hals), die Volte beendet ist, wenn alle vier Füße gleichzeitig auf der geraden Linie der Passade ankommen, ohne das Pferd auf der Seite einzuengen oder es vorwärts gehen zu lassen, außer ganz wenig mehr als die runde und saubere Proportion der Volten beim Beenden, weil diese halbiert werden durch die Linie der Passade, wie man auf der Skizze unten sieht.



Wenn aber die Manege gemacht wird nach der nächsten Skizze, muss man nötigerweise die Kruppe des Pferdes in die Volte treiben und halten, und es viel mehr vorwärts reiten beim Beenden, weil die Linie der Passade am Außenrand des Kreises liegt.



A Spur der Hinterbeine um sauber die Volte zu beginnen

B Spur der Vorderbeine, um zurückzukommen auf die Passade beim Verlassen der Volte

C Spur der Hinterbeine, um auf die Linie der Passade zurückzukommen

D Passade


Beim Seitwärtsschließen dieser Volte muss man die Anlehnung des Pferdekopfes erspüren mit dem inneren Kappzaumseil, um es damit ziehen und in seiner geraden Haltung erhalten zu können, falls es ausfallen will, sich zurückhält oder biegt, wie es gewöhnlich schwache, faule, stätige oder schlecht ausgebildete Pferde, die ihre Kräfte nicht für den längeren Gehorsam beisammen halten oder zur Verfügung stellen wollen oder können, bei diesen Gelegenheiten tun. Falsch sind jene anderen Aktionen, die gegen diese Genauigkeit arbeiten: der Spornstoß

oder der Gertenschlag, denn durch die Furcht vor diesen bringt das Pferd den Kopf und den Mut zu der Seite, auf der es gewöhnlich diese Strafen erhält.

Hierbei muss man bedenken, dass man niemals das Pferd mit Schmerzen und extremer Unterordnung behandeln soll, wenn man nicht vorher versucht hat, es nach und nach mit den besten Mitteln der Kunst zu lehren. Schließlich wünsche ich mir, dass immer der Verstand und die Achtung und Wertschätzung des Pferdes alle Erziehungsaktionen leiten mögen, sei es beim Wenden oder im Geradeaus, und bei allem, das man mit den korrekten Bewegungen des Reiters zu erzielen versucht.

Einige, die viel zu wissen glauben, was hierbei das Richtige ist, möchten, dass beim Beginn und Weiterführen der Manege der redoublierten Volten im Terre-a-Terre das Pferd sich auf allen Vierteln der Volte gerade halten soll,wie es in einer der folgenden Skizzen gezeigt wird. Aber geht es nach mir (wenn es sich nur um die Frage handelt, welche Manege für das Handgefecht am besten geeignet ist), halte ich mich an die Figur, die ich oben erklärte, bezüglich des Nahkampfes zweier Reiter dicht beieinander. Denn wenn sich das Pferd auf diesen geraden Linien hält, jedes Mal wenn es auf den Vierteln beim Redoublieren der Volten passiert, in der Länge die für den Schwertkampf nötig ist, muss es nötigerweise dabei den ganzen Körper in den Kreis der Volte tragen, und durch diese Haltung kann man dem Gegner leicht die Möglichkeit geben, die Kruppe seines Pferdes direkt zu erreichen. Sind sie aber so weit wie die wahren Demi-Volten der Passaden sein sollen, ist es nicht nötig, sie zu redoublieren: schließlich besteht der Nutzen der redoublierten Volten nicht darin, fleißig und viele Male zu umrunden, sondern darin, kämpfen zu können, und es ist nicht nötig, auf einer Stelle der Manege zu redoublieren, wobei das Pferd immer den Punkt und das Zentrum der Volte mit den Hinterfüßen hält, die deshalb den ganzen Platz dieser besetzen, außer zum Vergnügen und um einen großen und genauen Gehorsam zu demonstrieren.

Durch diesen Diskurs scheint es einem subtilen Geist, dass wenn das Pferd sich mit den Schultern in die Volten hält, diese sehr sorgfältig werden, so gut wie sie sein sollen und obendrein, wenn sie so gemacht werden, der Ritter mehr Möglichkeiten hat, nicht die Kruppe seines Pferdes erreichen zu lassen; allerdings haben diese Volten weder Anmut, noch Festigkeit oder Lebhaftigkeit. Es ist besser, wenn sie normal proportioniert sind, in der Art, dass das Pferd gleichmäßig und kräftig seine Manege auf den Hanken unterhalten kann, und dabei innerhalb dieser einen ausreichen großen Platz frei lässt, ohne dass durch diese freie Aktion die Schultern des Pferdes behindert werden, oder die Bequemlichkeit, den Kopf, den Blick und den Mut nach vorn und auf die Spur der korrekten Kreises der Volte zu richten, gemäß dieser Skizze, in der die Stellung des Pferdekörpers durch A markiert ist.


                                                                                                              Für gut befundene Volte                                             Als für den Kampf schlecht abgelehnte Volte

A: Stellung des Pferdekörpers in der Air der obengenannten Volte


Um alle Proportionen gut zu beachten, darf der Kunstreiter weder Fehler in der Beurteilung machen noch beim Üben, und es dem Pferd weder an Gehorsam noch an einem guten Rücken mangeln, denn man findet häufig Pferde mit wenig Kraft, die trotzdem von Natur aus gehorsam und gut an der Hand sind, korrekt und sehr lange das Terre-a-Terre durchhalten und mit dieser Fähigkeit exerciert werden können, fast wie ein zehnjähriges Kind, allerdings ist dies dann eine Manege aus Gehorsam, ohne viel Lebhaftigkeit. Für mich glaube ich, dass diese so bequemen Volten nicht die besseren für den Kampf sind, im Gegenteil: wenn sie ein wenig auf dem Rücken gemacht werden, bringen sie einige Furiosität mit sich, die dem Reiter und dem Pferd sehr viel mehr Anmut und Kraft gibt, und wenn sie auch einige Unbequemlichkeit für den Sitz des Reiters, der sie trainiert, verursachen, bringen sie zu seinem Vorteil auch Unbequemlichkeiten für seinen Gegner im Kampf mit sich.

Ich werde nicht viel über die strenge Genauigkeit des Handwechsels sprechen, weil sie im realen Schwertkampf beim Duell nicht sehr nötig ist. Aber um diese Lektionen abzuschließen, sage ich noch einmal, dass der Kunstreiter sich an die Maxime halten soll, dass so sicher und genau sich das Pferd auf den Demi-Volten der erwähnten Passaden auch zeigt: wenn es nicht gelegentlich leger trainiert wird, beim Vergrößern und Redoublieren der Volten am Ende der Passaden, kann es gelegentlich so konfus sein und auseinanderfallen, dass es, anstatt die Demi-Volte gut zu beginnen und zu formen, sich einengt oder entier wird, oder wenigstens in eine solche Flucht kommt, dass es jedes Mal, bevor es die Demi-Volte schließen soll, gerade auf der Linie der Passade kommt, ohne die Aktion des Reiters zu beachten. Aber es die Volten redoublieren [im Seitwärts mehrfach hintereinander wiederholen;DA] zu lassen, manchmal im Galopp auf einer Spur, nutzt der guten Übung, um es aufmerksamer für die Manege zu machen, und geduldiger am Ende der Passaden und dadurch leichter und genauer auf den engen Demi-Volten.

Diese Manege der Volten im Terre-a-Terre, in der Genauigkeit, die man so sehr sucht in unserer Zeit, ist viel moderner als die erhobenen Volten und man kann wahrhaftig nicht bestreiten, dass ich deren Erfinder bin. Der Signeur Iean Baptiste Pignatel hat uns als erstes die Genauigkeit der erhobenen Volten beigebracht, und auf ihren ersten Proportionen begann ich schon vor mehr als dreißig Jahren den Gebrauch der Volten im Terre-a-Terre und seitdem habe ich sie weitergeführt und verbessert, wie ich konnte, und mir scheint, dass gut eingeübt, sie gut geeignet scheinen, den Gehorsam und die Sanftmut des Pferdes zu zeigen, und seine Aktionen verschönernd dem gelehrten Kunstreiter viel Anmut und Brillianz in dieser Kunst geben. Aber am Ende ist sie nichts anderes als eine Übung der Carriere. Denn zweifellos sind die für den Kampf geeigneten redoublierten Volten diejenigen auf einer Spur und die Demi-Volten der Passaden auf den Hanken, wie ich bei diesen Lektionen erklärte. Insgesamt, wenn das Pferd gut angepasst und fähig auf der Passege und der Volte auf zwei Spuren ist, erweist es sich in der einspurigen Manege perfekter, freier und sicherer auf einem schlechtem Untergrund.

 












Band III:

 Vorwort

Nach der üblichen Meinung der Pferdemenschen [hommes de cheval] der heutigen Zeit soll die Erfindung unendlich verschiedener Zäumungen eine höchst empfehlenswerte Partie des Kunstreiters sein, um das Pferd im Gehorsam zu erhalten. Besonders die Deutschen legen sich darauf so fest, dass ich häufig staune über die große Diversität der Mundstücke, Unterbäume und Kinnketten, die ich in ihrem Gebrauch sehe, worin man den offensichtlichen Beweis sieht, dass sie in der Reitkunst nicht gut fundiert sind. Denn da die Kunst, ein Pferd gut auszubilden, heutzutage besser verstanden und um gute Regeln mehr bereichert ist als in der Vergangenheit, sollte man deshalb weniger verschiedene Zäumungen verwenden, so wie man es wegen dieser besseren Mittel seit langer Zeit in Frankreich und Italien macht. Bei diesem Irrtum entschuldige ich sehr freizügig die Fehler, die die alten Reiter machten, aber ich unterstütze nicht geduldig das schlechte Urteil all der anderen Reiter, die glauben gut auf dem Pferde zu sein; denn die Deutschen, die nicht ausreichend genug Erfahrungen in dieser Kunst haben, nehmen Zuflucht zu gewalttätigen Zäumungen, im Glauben, sie könnten das Pferd damit zu dem zwingen, was sie ihm nicht durch gut aufeinander aufbauende Lektionen beibringen können. Sie sind zudem zufrieden mit Pferden, wenn deren Maul frisch ist, wenn sie locker traben, und gelegentlich galoppieren und fleißig wenden auf jeder Hand, immer nur auf derselben Stelle, und ohne zu sehr auf Gleichheit, Genauigkeit oder Takt zu achten. Durch diese Wirkungen verhindert die wirre Zäumung, dass das Maul schäumt: im Gegenteil gibt sie häufiger der empfindlichen Zunge Anlass, sich kontinuierlich zu bewegen, wegen der Menge der verschiedenen und beweglichen Teile, die häufig in diesen Zäumungen vorhanden sind, und gewöhnlich die Laden und das Zahnfleisch angreifen beim Bewegen im Schritt, Trab oder Galopp, ganz anders, als wenn man das Pferd durch andere Bemühungen, Manegen und große Sorgfalt trainiert, wie es auf unseren modernen Schulen ausgeübt wird. Die guten Kunstreiter hassen es meist, mit so verschiedenen Gebissen zu arbeiten und halten sich lieber an die richtigen Regeln und Lektionen, mit denen sie durch eine gute Ordnung nach und nach das Naturell und die Zustimmung des Pferdes erreichen können, um es mit der einfachen Trensenkandare [simple canon] und dem Kappzaum, und mit der nötigen Zeit an einen festen Weg und den Gehorsam und die Leichtigkeit der Parade und der Manege zu gewöhnen: denn danach wird es sehr leicht sein, es gut zu zäumen. Überhaupt kann man nicht sagen, dass, wenn das Pferd ausgebildet ist, die mit Vernunft angewendete Hilfe des Zaumes nicht viel Leichtigkeit dem richtigen Temperament der Anlehnung des Maules und der korrekten Haltung von Hals und Kopf des Pferdes bringt: aber diese Gebissarten zu versuchen, in der Hoffnung, die alleinige Wirkung des Zaumes könne die Bequemlichkeit herbeibringen, oder den totalen Zwang, hat, so meine ich, keine angemessene Begründung, und mich verblüfft, dass es so viele Personen gibt, die glauben, eine Zäumung, wie auch immer sie gebaut sei, könne einem Pferd das Maul gut werden lassen, das von Natur aus ein schlechtes oder zu dünnhäutiges, ein zu trockenes oder zu weites, zu großes oder zu kleines, zu empfindliches oder zu hartes Maul hat, oder eines, das einfach durch irgendeinen Unfall oder Fehlbildung schlecht oder verdorben wurde: oder dass das Pferd in der größten Flucht seines Rennens sich leicht durchparieren lässt, obwohl es sehr schwach und außer Atem ist, oder es einen zu großen und zu engen Kiefer hat, einen von Natur aus umgekehrten oder zu stark gewölbten Hals oder einen zu dicken, zu kurzen, oder zu langen; oder zu schwache oder auf andere Weise fehlerhafte Schultern, Glieder und Vorderfüße oder Rücken; und es sei keine falsche Beurteilung zu glauben, dass diese Zäumungen angeblich alle diese Fehler auf die gleiche Weise aufheben kann, bei einem Pferd, das unfähig zum Durchparieren und zum Gehen ist? Und dies trotz all dieser natürlichen Behinderungen und Unfälle, ohne dass man es jemals lehrte, gut zu wenden und zu parieren, und auch wenn es von Natur aus ziehend oder fliehend, böswillig und ungehorsam ist, diesen Eindruck erweckt, dass man es mit der Künstlichkeit des Zaumes unfehlbar gesund, stark, locker, frei, fest und gut arbeitend machen kann, und durch dieses Mittel allein könne man die Erfahrung und die Übung der guten Manegen denen verleihen, die die Wirkungen dieser Zäumung ausprobieren, selbst wenn sie schlechte Pferdemenschen sind? Wenn dies machbar wären, bildeten wir die Pferde und die Menschen mit viel weniger Zeit und Mühe aus, ohne die Werkstatt des Gebissschmiedes zu verlassen, schon durch das Bestellen der Gebisse, die diese wundersame Ausbildung in nur einem Moment den Menschen und dem Pferd verleihen können, sowohl das, was sie vorher nicht kannten, als auch das, was außerhalb der Kapazitäten des Pferdes liegt. Es gibt gibt Gründe genug, die auszulachen, die durch ihre Hoffnung, einen Zaum zu entdecken, wie sie ihn sich vorstellen, gerne ein so hartes oder so schlechtmäuliges Pferd akzeptieren, das selbst der beste Kunstreiter der Welt sehr gehindert sein könnte, es gut an der Hand werden zu lassen, und dass sie, wenn sie sich getäuscht sehen in diesen schlecht begründeten Meinungen, man sie sagen hört, „Ich habe ein Pferd, dass tausend Ecus wert wäre, wenn es gut gezäumt wäre“: sie möchten, dass man glaubt, je häufiger sie ein schlechtes Maul haben, so hart oder verdorben, dass es nicht mal hundert wert wäre, es in Ruhe stark und forsch ist; so sehr, dass nach ihrer Rechnung die Zäumung, die sie vergebens herbeiwünschen, neunzig Ecus mehr wert wäre als das Pferd; und falls diese es zufällig in irgendeiner Unterordnung und außergewöhnlichen Lockerheit hält, werden sie sich zweifellos nach einige Zeit beklagen, dass es ohne diesen Zaum nicht mehr so gut ist, wie es sein soll.

Durch alle diese Berücksichtigungen kann der Kunstreiter erkennen, dass die so nötige Leichtigkeit des Pferdemaules Voraussetzung ist für die Lockerheit, den gutem Willen und seine Freimütigkeit; die natürliche Kapazität seiner Glieder und den guten Zustand seiner Kräfte und Atem kann man durch das Training der klugen, gut bedachten und gut erlernten Schule erreichen, ohne die seltenen Wirkungen, die man sich durch den Zaum verspricht und die nicht viel weniger unsicher sind, als die Erwartung derer, die versuchen, den Peter zum Philosophen zu machen; und geht es nach mir, habe ich den Rat, dass die Geister, die sich erfreuen an der korrekten Anpassung der sehr schönen Mundstücke ihren Wissensdurst umkehren, um ihn damit zu beschäftigen, dass das Pferd verschont wird (durch sein Ansprechen und seinen Gehorsam) von den Mühen und Strafen, die ihm die Laden und das Kinn verletzen können, und dass man sie nur zum Verschönern des Maules durch das Vergnügen eines zart proportionierten Mundstückes benutzt. Hierbei muss man viele wichtige Partien beachten, die man in diesem dritten Band erklärt findet, vielleicht nicht mit so subtilen Begründungen oder schönen Zeichnungen, von denen ich eher wenige zeigen werde, wobei ich willens wäre, diesen Beginn mit der Anzahl der sehr schönen Darstellungen zu schmücken, die ich in meiner Zeit angefertigt habe, und die ich noch einmal mache, wenn ich mein Gedächtnis aufsuche; aber nachdem ich lange Zeit damit verbrachte, viele Besonderheiten in der Anwendung unendlich vieler Zäumungen zu suchen, beschränke ich mich hier auf eine kleine Anzahl, die weder sehr selten noch sehr gewöhnlich sind, und durch die ich weniger verwirrt werde, und dadurch weniger der Natur entfremdet. Auch wollte ich den Diskurs auf diese beschränken, damit ich so die Mittel frei ans Licht bringe, um das Pferd entsprechend seinem Naturell gut zu zäumen. Und noch ein Grund dafür, dass ich nicht weit davon abweiche, ist die Versicherung, die ich dadurch habe, dass, obwohl der verstorbene Sieur Pyrre Anthoine Ferrare für mindestens dreißig Jahre an der Erforschung der Perfektionen all dieser Kappzäume, Serratas, Camarres, Mundstücke, Unterbäume und Kinnketten gearbeitet hat, er dabei wenig aufdeckte: denn ich weiß, dass er nicht nur einer der sehr exzellenten Kunstreiter seiner Zeit war, sondern auch sehr fähig in vielen anderen schönen und ehrlichen Qualitäten (wie man sie selten in einem einzelnen Reiter vereint findet) und vor allem in der Malkunst, deshalb zweifle ich überhaupt nicht, dass seine Beschreibungen und Darstellungen in seinem Buch überhaupt nicht aussehen, wie die, die vorher gedruckt wurden. Und weil man es nicht besser machen kann als er, und weil ich mich lieber an die guten Regeln der Reitkunst halte als an spezielle Mittel außergewöhnlicher Zäumungen, reicht es mir, denen, die meinen Rat suchen, einfach die normalen Maßstäbe zu präsentieren, die ich beim Anpassen von Mundstück und Zaum beachte, und wenn der Leser auch vielleicht nicht die von ihm gewünschte Subtilität findet, kann er wenigstens sicher sein, dass meine Abbildungen ihm das Pferdemaul gesund, vollständig, gerade, korrekt und die Anlehnung in gutem Temperament erhält, ohne sehr viel Gekünsteltes zu benutzen.











Band III, Kapitel 24

Die verschiedenen Wirkungen des Banketts und des oberen Auges


 

Für alle Arten von Mundstücken muss man verschiedenes beachten beim Falz des Banketts, und einige Dinge gut abwägen: denn je länger er ist, desto mehr verstärkt er und von seiner korrekten Proportionen hängt ein Gutteil der Wirkungen des oberen Auges ab, wie ich im Folgenden erklären werde.

 




Wenn das Bankett die Länge dieses Falzes hat, soll die Höhe des Auges ungefähr vier Querfinger sein, gemessen auf die gewöhnliche Weise: also von der Stelle, die unten mit A bezeichnet ist bis E. Für eine genauere Bestimmung dieser Strecke muss man dagegen die Mittellinie des Bankettfalzes nehmen, weil hier der Punkt des Hauptdruckes der steten Anlehnung des Mundstücks liegt; und von hier aus zum Punkt Y, wo die Kinnkette sich feststellt an ihrem korrekten Platz: denn die Stelle darüber dient allein dazu, die Kandare am Lederriemen zu befestigen, so dass man die Höhe des Auges nur gut und gemäß der Kunst messen kann, wenn man die beiden Punkte benutzt, die die Zirkelspitzen zeigen.

 

Um leicht zu erkennen, wie nötig ein korrektes Maß des Banketts ist, und dass jenes, das die Höhe des Banketts nach den Punkten A und E ausrichtet sehr ungenau ist, muss man berücksichtigen, ob das Bankett kürzer oder länger ist, als es in diesen Skizzen dargestellt ist, eine Kinnkette normaler Länge zu hoch oder zu tief liegt, weil das Auge des Banketts nicht von normaler Höhe ist, wie gemessen und gegeben nach den Buchstaben A und E. Aus diesen kann man sicher beurteilen, dass das richtige Maß für das Auge teilweise von dem des Banketts abhängt, und dass man für die richtige Höhe, die man zur Bequemlichkeit der Kette bei diesen Proportionen wählen soll, die Punkte dieses Zirkels benutzen soll.

 

Man muss alle Proportionen dieser Skizze sorgfältig beachten: denn um zu erreichen, dass bei der Beizäumung des Pferdes das Auge sehr gerade längs der Lippen des Pferdes steht, und auch, dass der ganze Zaum weniger instabil ist, und die Kinnkette sehr leicht auf ihrer richtigen Stelle am Kinn zu liegen kommt, ist es nötig, dass das Bankett auf der Innenseite des Falzes des Mundstückes gerade ist, und das Auge ein wenig rückwärts geneigt, wie es hier gezeigt wird durch die gerade Linie O.






Band III, Kapitel 25


Gegebenheiten, bei denen man das Auge des Banketts höher oder tiefer als normal legen soll

Die spezifischen Effekte der verschiedenen Partien, die in den Proportionen der Zäumung enthalten sind, sind dem größten Teil der Reiter wenig bekannt, und besonders diejenigen des Auges: denn nach der gewöhnlichen Meinung hebt das Auge, wenn es höher als normal angebracht ist, den Kopf des Pferdes; wenn es aber tiefer liegt, bewirke es das Gegenteil: aber so sehr diese Regel zutreffend ist, wenn das Auge höher steigt als eine gewöhnliche Proportion, zwingt das Pferd zur Beizäumung und häufig dazu, sich zu wehren, weil durch die exzessive Höhe dieser Partie die Aktion der Kinnkette in diesem Maße verstärkt wird und dadurch einen größeren Zwang ausübt; liegt das Auge dagegen tief genug, hält es das Pferd weniger im Zwang, weil die Kinnkette weniger Kraft ausübt.

Da der Zweck des Auges ist, die erforderliche Einwirkung der Kinnkette zu stärken, muss seine richtige Höhe beachtet werden, je nachdem, ob die Maulspalte des Pferdes groß, mittel oder klein ist, damit sich die Kinnkette während ihrer korrekten Aktion stets auf der richtigen Stelle des Kinns anlegt; wenn aber diese Proportionen nicht genau beachtet werden, kann die Zäumung keine gute Anlehnung erzeugen, und auch der Nasenriemen nicht an einer guten Stelle liegen. So muss man, wenn der Maulspalt zu groß ist, und das Auge des Banketts sehr hoch, zweifellos eine außergewöhnlich lange Kinnkette benutzen, oder sie steigt zu hoch, wenn man das Pferd beizäumen möchte, oder kommt zumindest sehr schwer an ihrer richtigen Stelle zu liegen, und der Nasenriemen liegt ebenfalls zu hoch,und verhindert deshalb weniger, dass das Pferd das Maul offen hält, als wenn er tiefer liegt. Bei einem sehr kleinen Maul aber, und einem sehr tiefen Auge, rutscht die Kinnkette zu tief und der Nasenriemen sitzt auf den Nüstern des Pferdes.

So ist es nötig, um diese Partien gut zu proportionierten, dass wenn das Maul wenig gespalten ist, die Höhe des Auges die normale in einem passenden Verhältnis überschreitet, und wenn das Pferdemaul sehr klein ist, man das Auge höher anbringen muss als in der mittleren Höhe.

Auch muss man wissen, dass (nach dem, was ich zuvor gesagt habe) die umgekehrt anliegenden Birnen und Glocken, die Melonen, Kugeln und Rollen mehr die Zungenfreiheit erhöhen und ansteigen lassen, als die gebrochenen Stangen [Canons], Abdeckungen [Escaches], die einfachen und normalen Oliven, oder die auf alte Weise angelegten Glocken und Birnen: und aus denselben Gründen das Auge höher sein soll und deshalb der Baum kürzer (wenn die Zügel bis zur richtigen und steter Anlehnung angezogen sind) wenn diese mit Hilfe des Zirkels auch in der richtigen Länge angepasst wurden.

 




 

Band III, Kapitel 30

Die gute Beurteilung der korrekten Höhe des Unterbaumbugs [coude de la branche]

Wie ich im ersten Band über die gewöhnlichen Wirkungen des Unterbaumbugs referiert habe, sage ich hier noch einmal, dass man, um keine großen Fehler in diesem Bereich zu machen, die Proportionen der nachfolgenden Skizzen beachten muss: d.h., um eine schöne Haltung des Pferdes zu erhalten, mit einem schön aufgewölbten Hals und dem Kopf an seinem rechten Platz und einer leichte Anlehnung des Maules, soll man, wie auf der nächsten Skizze zu sehen ist, die Höhe des Buges begrenzen an der am Bankett mit B bezeichneten Linie; um aber einen langen oder unsicheren Hals und eine zu weit vorgestreckte Nase beizuzäumen, muss der Schmied den Bogen des Buges höher legen bis zur Linie A; ist dagegen die Anlehnung des Maules schwach oder der Hals zu weich, vor allem bei der Aktion wenn das Pferd sich gegen seine Brust bewehrt, benutzt man die Linie C: es ist allerdings notwendig, dass der Rest des Verlaufes eines starken oder schwachen Unterbaumes an diese drei Proportionen angepasst ist, je nach dem Nutzen, den man aus den guten Wirkungen ziehen möchte, wie ich sagte: andernfalls sind diese Regeln nutzlos.

Der Bug des Unterbaums kann auf viele andere Arten gefertigt werden: wenn er allerdings niedriger ist, als in dieser Skizze gezeigt, verleiht er weniger Anmut und hält das Maul zu unruhig; ist er aber höher, kann er Gelegenheit geben, die Anlehnung der Kinnkette von ihrem korrekten Platz zu verschieben, und dadurch das Pferd einladen, das Gebiss hochzuziehen, wenn es dazu ein wenig Neigung hat. Darin sieht man auch einen Beweis dafür, dass das korrekte Maß des Bugs teilweise von dem des Banketts abhängt:denn wenn das Bankett zu kurz oder zu lang ist, lässt es den Bogen des Bugs zu hoch oder zu niedrig erscheinen, es sei denn, man hat ihm eine außergewöhnliche Form gegeben.







Band III, Kapitel 31

Beschreibung der heftigen und der schwachen Unterbäume

Weil der Sinn des Unterbaumes darin besteht, Hals und Kopf des Pferdes in eine schöne und stete Haltung zu bringen, ist es nötig, ihn in heftiger, schwacher oder mittlerer Kraft zu halten, je nachdem, ob sich das Pferd leicht oder schwer beizäumen lässt. Um gut zu verstehen, worin hier die Unterschiede in der Wirkung der Unterbäume bestehen, muss man die Linie beachten, die in der folgenden Skizze gezogen ist, und die ihren Ursprung am geraden Teil des Banketts nimmt, und dass, je mehr das Klobenloch der Rosette diese Linie vorkommen und verlängern lässt, nämlich hin zum Buchstaben A, in demselben Maße der Unterbaum die Kinnkette verstärkt; je mehr dagegen der Kloben hinter der Linie zurückbleibt, desto schwächer wirkt der Unterbaum ein, weil er leichter die Brust des Pferdes erreicht. Endet er auf der Linie, am Punkt O, beginnt man, ihn heftig oder hart zu nennen. Falls der Unterbaum zu heftig ist, ist es erforderlich, die Kinnkette in demselben Maße länger zu lassen, beim Gegenteil aber, wenn der Unterbaum zu schwach ausgeführt ist, muss man die Kinnkette verkürzen, so dass man durch dies gut herbeigeführten Proportionen die Anlehnung des Mundstückes ausgleichen kann. Bezüglich der verschiedenen Längen des Unterbaumes werde ich an wichtigeren Stellen sprechen.

 


 










Band III, Kapitel 32

Die gewöhnlichen Wirkungen der Unterbaumrosette

Die Rosette ist eine Partie, die mehr den Unterbaum verschönert, als dass sie nötig wäre zur Beizäumung oder zum Ruhigstellen des Pferdekopfes, denn auch ohne die Form dieser Rosette hat man ein gutes Mittel, den Unterbaum in der Weise zu drehen, dass das Ende des Unterteils sich an den Ort bringt, an dem man will, wie man erkennen kann an der letzten oben skizzierten Proportion und wie man besser sehen wird an einer passenderen Stelle: allerdings kann die Rosette den Unterbaum schwächen, der einen zu engen Bogen des Bugs hat und sehr vorkommt, weil sie das Klobenloch zurückzieht, und sie dadurch entschärft und unterstützt: das ist Grund, warum man sie groß oder klein ausführt, und verschieden weit vor oder zurück legt.


 


 



Band 3, Kapitel 39



Die richtige Messmethode für die Länge des Unterbaumes

Diejenigen, die sich bis heute an der Diskussion um wohl bedachte Zäumungen beteiligten, haben eine Länge der Unterbäume vorgegeben, die sie vom Boden des Banketts oder höher an dessen Bug bis zum Klobenloch für den Zügelring messen: dabei machten sie denselben Fehler, den ich oben schon verurteilte, als ich über die die Höhe des Auges sprach: denn wenn das Bankett kürzer oder länger als normal ist, kann es dadurch die generelle Länge des Unterbaumes verstärken oder vermindern: auf diese ungenaue Weise bestimmt man kein korrektes Maß. Um die besagten Längen gut anzupassen, ist es dagegen nötig, eine Spitze des Zirkels auf der Mitte des Banketts, auf A,zu setzen und die andere auf die Mitte der Dicke des Klobens, auf B, wie man auf der folgenden Skizze sieht. Der Grund für diese Regel ist leicht zu verstehen, denn die Hauptanlehnung auf den Laden und die Wirkung des Unterbaumes, die durch Neigen des Mundstückes auftreten, enden genau in der Mitte des Falzes des Banketts und deshalb ist diese Regel als richtig anzusehen.






Band III, Kapitel 41



Der Grund, warum diesem Band keine Zeichnungen der ungebrochenen und anderen Mundstücken beigefügt sind oder er gar ganz auf diese reduziert ist

Die weniger erfahrenen in dieser Kunst sind die, die es sehr befremdlich finden, dass ich in diesem Band keine ungebrochenen und ausstaffierten Gebisse gezeichnet habe in Nachahmung vieler Kunstreiter, die schrieben und und ihre Regeln an die Öffentlichkeit brachten; die besser gebildeten aber erkennen, dass ich nur mache, was meine Vorgänger hätten tun sollen. Denn um das Pferd gut zu zäumen, müssen notwendigerweise gut, und voneinander getrennt beurteilt werden: die Formen und Temperamente aller Partien des Pferdemaules, des Kinns, des Unterkiefers, des Halses,der Schultern und ebenso die Kräfte all ihrer anderen wichtigen Glieder, bevor man urteilt und sich zur gesamten Komposition der Zäumung entschließt, denn andernfalls täuscht man sich, in dem Maße wie es verschiedene Gelegenheiten gibt, wie oben aufgeführt, die die Anlehnung des Maules verschieden gut oder schlecht werden lassen: folglich möchte ich durch ein separates Kapitel alle diese genannten Proportionen so zeigen und vortragen, dass der forschende Kunstreiter besser die Mundstücke zusammenstellen und anpassen kann, gemäß der Statur, des Charakters und den Fähigkeiten des Pferdes.





Band III, Kapitel 42



Die Ordnung, die man einhalten soll, wenn man dem Pferd einen neuen, oder ihm unbekannten Zaum anpasst und: die Definition dieses dritten Bandes

Das Pferd, dass eine gute Neigung hat und eine von Natur aus stete und leichte Anlehnung des Mauls empfängt friedlich alle Arten von Mundstücken, die man ihm anlegt, aber dasjenige, das von cholerischem und bizarrem Gemüt ist, oder ein zu hartes oder zu zu empfindliches Maul hat, lässt sich nicht immer so leicht gewinnen: im Gegenteil passiert es normalerweise, so passend auch die Zäumung gefertigt wurde, dass es beim Anlegen einiges Unbehagen verspürt, bevor es sich gut daran gewöhnt und es gut annimmt, und häufig durch diese eine Gelegenheit es dieses lange Zeit danach nicht lieben wird, oder sich gar niemals vertrauensvoll an dieses anlehnen wird; das ist der Grund dafür, dass, wenn der erfahrene Kunstreiter dem empfindlichen, ablehnenden oder kapriziösem Pferd ein neues Gebiss anlegen möchte, er ihm für mindestens zwei Tage zur Eingewöhnung immer Leckereien geben soll und es am ersten Tag nur aufgezäumt im Stall lässt, und es am zweiten Tag nur vorsichtig unter dem Reiter Schritt gehen lässt, dabei die Kinnkette länger lassend als es normalerweise angebracht wäre, und auch beim ersten und zweiten Mal des Trainings unter dem Sattel mit der neuen Zäumung sich sorgfältig versichert, das Maul nicht anzugreifen oder ihm auf andere Art Missvergnügen zu bereiten, sodass es danach mehr Sicherheit am besagten Mundstück findet oder wenigstens weniger Gründe, es nicht zu mögen, oder gar zu fürchten.

Jene, die aus Notwendigkeit oder aus Wissensdurst die guten Effekte der Mundstücke, Kinnketten und Unterbäume, die in diesem dritten Band skizziert sind, erforschen, werden wirr und häufig vergeblich arbeiten, wenn sie nicht sämtliche Proportionen und Qualitäten des Maules, des Kinns, des Unterkiefers und des Halses kennen, und ebenso die des Mutes, der Neigung, der Fähigkeit oder der Unfähigkeit der generellen Kraft und besonders der Glieder des Pferdes, das sie korrekt zäumen wollen. Nur durch die Kenntnis der Beschaffenheit all dieser Teile des Pferdes kann er eine Wahl des Gebisses treffen, die am besten zum Interieur und Temperament des Pferdemaules passt; für das obere Auge und die Kinnkette, was sehr wichtig ist hinsichtlich Form und Länge des Maulspaltes und des Kinns, sowie für den Unterbaum, der die sehr schöne und gleichmäßige Haltung des Halses und des Kopfes des Pferdes herbeibringt und erhält; so dass durch ihre Zusammensetzung und die Bequemlichkeiten all dieser gut beurteilten Proportionen diese Zäumung sich als korrekt und sorgfältig zusammengesetzt erweist, um dem schwachen oder zu empfindlichen Maul eine solide Anlehnung zu geben, und um diejenigen leichter zu machen, die ziehen oder sich sehr auf die Hand legen; und diejenigen herbeizäumen und einen schön aufgewölbten Hals geben, die langgestreckt waren, und häufig die verbessern, die einen zu sehr gewölbten Hals haben und den unruhigen oder zu hoch getragenen Kopf beruhigen bzw. senken; und es vorwärts bringen und anheben, falls es beim Rennen die Nase zu sehr nach vorne bringt; allerdings, wie auch immer die Zäumung angefertigt wurde, wird sie nicht diese Perfektion haben, wenn sie nicht von einem erfahrenen und gut geübten Geist benutzt wird oder durch eine subtile und sorgfältige Hand unterstützt wird, und auch wenn die Natur des Pferdes direkt gegen die guten Mittel der Kunst wirkt; denn dadurch werden zweifellos diejenigen, die nicht sehr erfahrene Kunstreiter sind, in diesen Rezepten Mittel suchen, das Pferd zu zwingen (durch besonders fremdartige und grobe Mundstücke), worauf sie aber nicht aus Vernunft hoffen dürfen und keinen ihrer vermessenen Wünschen erreichen werden. Deshalb möchte ich noch einmal meine schon an vielen Stellen gemachten Hinweise bekräftigen, dass meine Absicht nicht ist, diese anzusprechen, und dass meine Arbeit allein für die da ist, die erfahren genug darin sind, die künstlichen Mittel, die auf allen Skizzen dieser letzten Abhandlungen gezeigt werden, umsichtig mit den Regeln und Lektionen der vorhergehenden zwei Bände anzupassen und zu verbinden, in dem Wissen, dass man auf keinem anderen Weg, als durch Verstehen die Zufriedenheit und der Nutzen erreicht werden kann.

Um mehr gefestigt zu sein in der Sicherheit, die man besitzen soll, dass die sehr nötigen Wirkungen die man erwarten kann nach den Proportionen der gut bedachten Zäumung unsicher und sehr häufig nutzlos sind, wenn sie nicht mit einem klaren Urteil bezüglich des guten Gehorsams und der Manege angewendet werden, mit dem das Pferd zuvor mit der einfachen Trensenkandare und dem Kappzaum gut ausgebildet wurde. Der Reiter kann durch all die obengenannten Gründe leicht erkennen, dass wenn das Pferd seiner Natur nach, oder durch eine erschöpfende Arbeit, schwach oder bei schlechtem Atem ist, oder eine ängstliche Neigung hat, oder eine extreme Fluchtneigung hat, zweifellos, wenn über lange Zeit irgendeinen Effekt erreichen will, man ihm das Maul öffnen und verdrehen kann, seine Zunge dick und blau werden lassen, seine Lippen ein- oder auswärts biegen, und seine Nase vorkommen lassen kann, wobei es den Hals verdreht und hart an den Zügeln zieht, um die Aktion der Reiterhand zu vereiteln oder sich schwer auf dessen Anlehnung zu legen: gegen die hierdurch entstehenden Unarten, wie Probleme mit der Atmung, der Ängstlickeit oder mit schlechter Losgelassenheit, großer Furchtsamkeit bleibt der Kunstgriff der Zäumung, in welcher Art sie auch angefertigt werden könnte, fast ohne irgendeinen guten Effekt. Wenn aber im Gegenteil das Pferd mit Geschick und Geduld schon ausgebildet, gestärkt, erleichtert ist und schließlich ruhig, aufmerksam und sicher auf die Aktionen und Bewegungen des guten Kunstreiters achtet, mit ruhigem Atem und dem leichten Gehorsam der Schule, und dabei die Kraft seines Rückens und seine unterstützende Munterkeit erhalten bleibt, kann sich sein Maul ohne Zweifel stet, richtig und frisch halten durch die korrekte Lage des wohl eingerichteten Mundstückes, und der Kopf mit dem Hals in einer schönen und leichten Haltung durch die beizäumende Wirkung, und die Unterstützung durch die gut gewählte Form und Länge des Unterbaumes, und auch durch die gute Anlehnung der Kinnkette, korrekt an ihrem Platz am Kinn und mit der nötigen Länge: das ist mein wichtiges und gewöhnliches Ziel in dieser Kunst, womit ich alles ausdrücke, was ich erreichen wollte mit diesem Ende.





Durch viel Arbeit und Geduld

 

Erreicht man diese schöne Kunst

 

Ohne diese beiden perfekten Mittel aber

 

Wird man deren schöne Ergebnisse niemals sehen.


Ende des dritten Bandes