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Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald


Band III


Das Werk La Broues „Le cavalerice francois“ (Titel ab der zweiten Auflage 1602) erschien erstmals unter einem anderen Titel 1594 in La Rochelle und stellt in drei Bänden das damalige Wissen der besten Reiter Frankreichs dar, welches bis dahin nur mündlich überliefert wurde. Es lieferte die Schnittstelle zwischen der neapolitanischen/italienisch-spanischen und der französichen/mitteleuropäischen Reitkunst.

(bekannte Auflagen in 1602, 1608, 1610, 1612, 1613, 1617, 1620, 1628, 1646)

Er bezieht sich darin oft auf den angesehensten Reitmeister des italienischen Zentrums der akademischen Reitkunst, Gianbattista Pignatelli,dessen Schüler er in Neapel gewesen war, und auf die "großen französischen Reiter vor meiner Zeit" (von allen wurden keine schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen).

Sein guter Schreibstil, die sehr gut verständliche Abhandlung in aufeinander aufbauenden Kapiteln und die umfangreichen Zeichnungen zur Erklärung der Reitübungen waren ein enormer Fortschritt auf diesem Gebiet und ermöglichten von nun an sehr viel mehr Reitern, ein gutes Verständnis der Hohen Schule zu entwickeln.

Sein Werk beeinflusste viele der auf ihn folgenden großen Reitliteraten: F.R. de la Gueriniere schreibt:„.. sind unter der beträchtlichen Anzahl Schriftsteller nur zwei, deren Werke wahren Werth haben, und diese sind: de la Broue und der Herzog von Newcastle. De la Broue lebte unter der Regierung Heinrich des Vierten. Sein herausgegebenes Werk ist in Folio und enthält die Regeln seines Lehrers des Johann Baptist Pignatel, der als Lehrer der Reitkunst bei der Reitschule Neapel stand, und dessen Reitbahn in so großem Ruf stand, daß man sie als die vornehmste in der ganzen Welt ansahe. Alle, von dem französischen = und deutschen Adel, die sich in der Reitkunst vervollkommnen wollten, waren genöthigt, bei diesem berühmten Lehrer Unterricht zu nehmen.

Der Herzog von Newcastle sagte: de la Broue hätte seinen Unterricht zu einem so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, daß man in dieser Kunst höchst erfahren seyn müsse, um ihn in Ausübung bringen zu können. Ob gleich dieses Lob etwas kritisch ist, so beweist es gleich wohl die Vortrefflichkeit dieses Schriftstellers“ (aus der deutschen Übersetzung der „Ecole de cavalerie“, 1733, durch Daniel Knöll, 1791). 

 

Ironischerweise ist dieses Zitat,das Guerinieres Wertschätzung untermauern soll, gar nicht von Newcastle/Cavendish, der in seinem ersten, französischen Buch de la Broue gar nicht erwähnt, aber über ihn in seinem zweiten, englischen Buch abwertend schreibt, Broue habe im ersten Band nur Grisone wiederholt und im zweiten Band nur die Ausbildungsmethoden Pignatellis aufgeschrieben („stolen from Signior Pignatell's lessons“). Diese Worte bedeuten allerdings indirekt eine hohe Wertschätzung der aufgeführten Methoden, da auch Cavendish Pignatelli als einen großen Meister ansieht: „ But the most Famous man that ever was in Italy was at Naples, a Neapolitan, call'd Signior Pignatel; but he never Writ: Monsieur La Broue Rid under him five years... „(William Cavendish, „A New Method... to dress horses...“,(London, 1667, Tho. Milbourn(S.3).).

Gueriniere hingegen kannte anscheinend nur die Übersetzung des zweiten, englischen Buches ins Deutsche und Französische von Soleysel von 1677, in dem lobend über de la Broue gesprochen wird, und bezieht sich wohl auf den Satz:  "Es finden sich darin[im Cavalerice] schöne Lehren für die, so es begreifen können".


 

Dass der „Cavalerice“ nie in eine andere Sprache übersetzt wurde, war zu seiner Zeit kein großes Problem: wer sich damals ein Pferd ausschließlich für die akademische Reitkunst leisten konnte, sprach wohl in den allermeisten Fällen fließend französisch. So muss sich allerdings heute ein ambitionierter Schulreiter zumindest etwas Französisch aneignen, wenn er die teilweise in keinem anderen Buch so detailliert beschriebenen Übungen verstehen und ggf. erlernen will.

Wie bei allen guten Reitmeistern spielte auch bei La Broue die Erziehung der Reiter zum verantwortungsvollen, denkenden, ruhig planenden „Pferdemenschen“ eine sehr große Rolle: Immer wieder weist er darauf hin, der Reiter solle niemals aus Zorn, sondern immer überlegt handeln; das Erniedrigen des Pferdes wird als nicht akzeptabel angesehen. Er weist immer wieder darauf hin, dass alles Negative in der Arbeit mit dem Pferd vermieden werden müsse: ein ängstliches, nervöses, übermüdetes oder überfordertes Pferd könne niemals die Hohen Schulen erlernen, geschweige denn perfekt ausführen.

La Broue überführt den Begriff „Kunstreiter“ aus dem italienischen „Cavalerizzo“ als „Cavalerice“ ins Französische, um den Unterschied zum „Kampfreiter“/“Kriegsreiter“ hervorzuheben; Gueriniere folgt ihm darin 140 Jahre später, indem er die akademische Reitkunst als „L'art pour l'art“ (Kunst nur für die Kunst) bezeichnet.

Wer den „Cavalerice“ nur oberflächlich, nur stückweise und obendrein vielleicht mit geringen Französischkenntnissen liest, runzelt schnell die Stirn über die in den ersten Kapiteln zu findenden Bezüge zum Text Grisones, der 42 Jahre vorher erschienen und schnell in ganz Europa verbreitet war: hier gelangten auch einige mittelalterliche, rabiate Methoden in das Buch, das ansonsten eine ausgeprägt positive Reiterethik ausstrahlt. La Broue weist allerdings hier immer darauf hin, dass diese Mittel nur bei äußerst gefährlichen und völlig verdorbenen Pferden, die den Menschen angreifen oder auf andere Art schwer gefährden, eventuell versucht werden könnten, und dies ohnehin immer unter dem Vorbehalt, dass sie nur von sehr erfahrenen Reitmeistern angewendet werden dürften (Gueriniere erwähnt diese Methoden 140 Jahre später gar nicht mehr).

Er benutzt schon damals Leckerlis (friandises) und lobt das Pferd häufig durch Streicheln und Kraulen (caresser): niemals haben die alten Meister ja ihre Pferde geklopft, da Pferde das Klopfen als Schläge empfinden (die sie mit der Zeit aushalten lernen, aber kaum als Belohnung empfinden dürften).

Er empfiehlt bei ängstlichen oder unwissenden Pferden, ein älteres, gut ausgebildetes Pferd mit in die Bahn oder ins Gelände zu nehmen. (Bd. I S.45,57).

Immer und immer wieder weist er bei seinen „Preceptes“ (Regeln) auf die unbedingt erforderliche Beachtung der Eignung des Pferdes hin, z.B. bezüglich des Körperbaus, des Trainingszustandes, der Psyche oder der als Grundlage notwendigen vorgeschalteten Übungen. Fehlten diese Voraussetzungen, müsse man sie erst vollständig herstellen, bevor man die jeweilige Lektion beginnen dürfe.

Als erstes Gebiss empfiehlt er die kandarenähnliche "Canon", deren Mundstück aber einmal gebrochen ist,  und dazu den Kappzaum, von dem er schreibt, dass alle Pferde , bei denen er benutzt wird, sehr viel besser und leichter gehen, als jene, die allein mit Gebiss eingeritten wurden.

Der Kappzaum wurde erfunden um das Pferd zurückzuhalten, aufzurichten und leichter zu machen, um es das Wenden und das Parieren zu lehren, ihm den Hals zu biegen, die Kopfhaltung zu festigen, Kopf und die Kruppe zu stellen ohne Maul und Kinn zu stören und außerdem um die Schultern, die Beine und Füße der Vorhand freier zu machen. Er soll …. die Feinheit des Maules erhalten, das sehr entspannt und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein soll, um Genauigkeit und Losgelassenheit zu erreichen.




Zur nachfolgenden Übersetzung muss ich anmerken, dass ich auch im Französischen Autodidakt bin und mein Drang, diese Sprache zu verstehen, erst richtig durch die Geheimnisse,

die ich zu Recht im Cavalerice vermutete, enststand. Vor allem anfangs war es unendlich mühsam, Wort-für-Wort ein annehmbares Verständis zu erlangen;

einige Fehler sind deshalb zu erwarten und ich würde mich sehr freuen, wenn  man mich darauf aufmerksam machen würde!








Terminologie

 

Jeder Übersetzer muss sich ständig entscheiden, welche der vielen Wortbedeutungen an der jeweiligen Textstelle beutzt werden soll, denn eine Übersetzung kann niemals den vollen Bedeutungsumfang eines Wortes wiedergeben. Ich habe mich entschlossen, folgende Begriffe zu verwenden:

1. das Wort "entier" habe ich für das Versteifen des Pferdes, (meist) auf seiner "schlechten" Seite, als neuen Begriff in die akademische Reitkunst eingeführt; es bedeutet im Französischen z.B. ganz, fest, steif, etc. Man könnte zwar für "das Pferd wird entier" auch das deutsche "das Pferd macht sich fest" verwenden, da Letzteres aber aktiv ist, und deshalb als "Schuld" oder "Böswilligkeit" des Pferdes angesehen werden könnte, im Frz. dagegen passiv ist, habe ich das Wort "entier" unübersetzt beibehalten.

2. das Wort "serrer" habe ich mit"einengen" übersetzt, auch als neuen Begriff. Es hat die Bedeutungen: "pressen, zusammenschnüren, einklemmen, einschnüren, etc." La Broue benutzt es häufig, um das Gegenteil von entier zu bezeichnen, eine (häufig starke) Biegung der "guten" Seite des Pferdes. Man könnte es auch mit "zusammenziehen" übersetzen, dieser Begriff wird allerdings häufig für das Zusammenziehen der Unterlinie oder der Oberlinie des Pferdes verwendet, und so halt ich das neue "einengen" für präziser. Bei La Broue ist dies nicht selten ein unerwünschtes Überbiegen als Vermeidungshaltung des Pferdes.

3. "Légèreté" habe ich nicht im Original beibehalten, da "leger" im Deutschen eher "lässig" bedeutet, sondern mit "Lockerheit" übersetzt, dies klingt zwar steif, trifft den Sinn aber meist besser.

4. "Facilité" übersetze ich meist mit "Leichtigkeit", es bedeutet auch Mühelosigkeit, Ungezwungenheit.

5. "Chastiment" übersetze ich meist mit dem Wort "Rüge": eine Rüge erfolgt meist sofort und dient der Korrektur, eine Strafe dagegen hat bei vielen Reitern auch Rachecharakter, und Rache und Vergeltung haben in der Erziehung nichts zu suchen. Ich denke, Rüge trifft den Sinn La Broues genauer, da er immer die weichsten und die am wenigsten das Pferd verstörenden Mittel bevorzugte.









Band III:

 Vorwort

Nach der üblichen Meinung der Pferdemenschen [hommes de cheval] der heutigen Zeit soll die Erfindung unendlich verschiedener Zäumungen eine höchst empfehlenswerte Partie des Kunstreiters sein, um das Pferd im Gehorsam zu erhalten. Besonders die Deutschen legen sich darauf so fest, dass ich häufig staune über die große Diversität der Mundstücke, Unterbäume und Kinnketten, die ich in ihrem Gebrauch sehe, worin man den offensichtlichen Beweis sieht, dass sie in der Reitkunst nicht gut fundiert sind. Denn da die Kunst, ein Pferd gut auszubilden, heutzutage besser verstanden und um gute Regeln mehr bereichert ist als in der Vergangenheit, sollte man deshalb weniger verschiedene Zäumungen verwenden, so wie man es wegen dieser besseren Mittel seit langer Zeit in Frankreich und Italien macht. Bei diesem Irrtum entschuldige ich sehr freizügig die Fehler, die die alten Reiter machten, aber ich unterstütze nicht geduldig das schlechte Urteil all der anderen Reiter, die glauben gut auf dem Pferde zu sein; denn die Deutschen, die nicht ausreichend genug Erfahrungen in dieser Kunst haben, nehmen Zuflucht zu gewalttätigen Zäumungen, im Glauben, sie könnten das Pferd damit zu dem zwingen, was sie ihm nicht durch gut aufeinander aufbauende Lektionen beibringen können. Sie sind zudem zufrieden mit Pferden, wenn deren Maul frisch ist, wenn sie locker traben, und gelegentlich galoppieren und fleißig wenden auf jeder Hand, immer nur auf derselben Stelle, und ohne zu sehr auf Gleichheit, Genauigkeit oder Takt zu achten. Durch diese Wirkungen verhindert die wirre Zäumung, dass das Maul schäumt: im Gegenteil gibt sie häufiger der empfindlichen Zunge Anlass, sich kontinuierlich zu bewegen, wegen der Menge der verschiedenen und beweglichen Teile, die häufig in diesen Zäumungen vorhanden sind, und gewöhnlich die Laden und das Zahnfleisch angreifen beim Bewegen im Schritt, Trab oder Galopp, ganz anders, als wenn man das Pferd durch andere Bemühungen, Manegen und große Sorgfalt trainiert, wie es auf unseren modernen Schulen ausgeübt wird. Die guten Kunstreiter hassen es meist, mit so verschiedenen Gebissen zu arbeiten und halten sich lieber an die richtigen Regeln und Lektionen, mit denen sie durch eine gute Ordnung nach und nach das Naturell und die Zustimmung des Pferdes erreichen können, um es mit der einfachen Trensenkandare [simple canon] und dem Kappzaum, und mit der nötigen Zeit an einen festen Weg und den Gehorsam und die Leichtigkeit der Parade und der Manege zu gewöhnen: denn danach wird es sehr leicht sein, es gut zu zäumen. Überhaupt kann man nicht sagen, dass, wenn das Pferd ausgebildet ist, die mit Vernunft angewendete Hilfe des Zaumes nicht viel Leichtigkeit dem richtigen Temperament der Anlehnung des Maules und der korrekten Haltung von Hals und Kopf des Pferdes bringt: aber diese Gebissarten zu versuchen, in der Hoffnung, die alleinige Wirkung des Zaumes könne die Bequemlichkeit herbeibringen, oder den totalen Zwang, hat, so meine ich, keine angemessene Begründung, und mich verblüfft, dass es so viele Personen gibt, die glauben, eine Zäumung, wie auch immer sie gebaut sei, könne einem Pferd das Maul gut werden lassen, das von Natur aus ein schlechtes oder zu dünnhäutiges, ein zu trockenes oder zu weites, zu großes oder zu kleines, zu empfindliches oder zu hartes Maul hat, oder eines, das einfach durch irgendeinen Unfall oder Fehlbildung schlecht oder verdorben wurde: oder dass das Pferd in der größten Flucht seines Rennens sich leicht durchparieren lässt, obwohl es sehr schwach und außer Atem ist, oder es einen zu großen und zu engen Kiefer hat, einen von Natur aus umgekehrten oder zu stark gewölbten Hals oder einen zu dicken, zu kurzen, oder zu langen; oder zu schwache oder auf andere Weise fehlerhafte Schultern, Glieder und Vorderfüße oder Rücken; und es sei keine falsche Beurteilung zu glauben, dass diese Zäumungen angeblich alle diese Fehler auf die gleiche Weise aufheben kann, bei einem Pferd, das unfähig zum Durchparieren und zum Gehen ist? Und dies trotz all dieser natürlichen Behinderungen und Unfälle, ohne dass man es jemals lehrte, gut zu wenden und zu parieren, und auch wenn es von Natur aus ziehend oder fliehend, böswillig und ungehorsam ist, diesen Eindruck erweckt, dass man es mit der Künstlichkeit des Zaumes unfehlbar gesund, stark, locker, frei, fest und gut arbeitend machen kann, und durch dieses Mittel allein könne man die Erfahrung und die Übung der guten Manegen denen verleihen, die die Wirkungen dieser Zäumung ausprobieren, selbst wenn sie schlechte Pferdemenschen sind? Wenn dies machbar wären, bildeten wir die Pferde und die Menschen mit viel weniger Zeit und Mühe aus, ohne die Werkstatt des Gebissschmiedes zu verlassen, schon durch das Bestellen der Gebisse, die diese wundersame Ausbildung in nur einem Moment den Menschen und dem Pferd verleihen können, sowohl das, was sie vorher nicht kannten, als auch das, was außerhalb der Kapazitäten des Pferdes liegt. Es gibt gibt Gründe genug, die auszulachen, die durch ihre Hoffnung, einen Zaum zu entdecken, wie sie ihn sich vorstellen, gerne ein so hartes oder so schlechtmäuliges Pferd akzeptieren, das selbst der beste Kunstreiter der Welt sehr gehindert sein könnte, es gut an der Hand werden zu lassen, und dass sie, wenn sie sich getäuscht sehen in diesen schlecht begründeten Meinungen, man sie sagen hört, „Ich habe ein Pferd, dass tausend Ecus wert wäre, wenn es gut gezäumt wäre“: sie möchten, dass man glaubt, je häufiger sie ein schlechtes Maul haben, so hart oder verdorben, dass es nicht mal hundert wert wäre, es in Ruhe stark und forsch ist; so sehr, dass nach ihrer Rechnung die Zäumung, die sie vergebens herbeiwünschen, neunzig Ecus mehr wert wäre als das Pferd; und falls diese es zufällig in irgendeiner Unterordnung und außergewöhnlichen Lockerheit hält, werden sie sich zweifellos nach einige Zeit beklagen, dass es ohne diesen Zaum nicht mehr so gut ist, wie es sein soll.

Durch alle diese Berücksichtigungen kann der Kunstreiter erkennen, dass die so nötige Leichtigkeit des Pferdemaules Voraussetzung ist für die Lockerheit, den gutem Willen und seine Freimütigkeit; die natürliche Kapazität seiner Glieder und den guten Zustand seiner Kräfte und Atem kann man durch das Training der klugen, gut bedachten und gut erlernten Schule erreichen, ohne die seltenen Wirkungen, die man sich durch den Zaum verspricht und die nicht viel weniger unsicher sind, als die Erwartung derer, die versuchen, den Stein zum Philosophen zu machen; und geht es nach mir, habe ich den Rat, dass die Geister, die sich erfreuen an der korrekten Anpassung der sehr schönen Mundstücke ihren Wissensdurst umkehren, um ihn damit zu beschäftigen, dass das Pferd verschont wird (durch sein Ansprechen und seinen Gehorsam) von den Mühen und Strafen, die ihm die Laden und das Kinn verletzen können, und dass man sie nur zum Verschönern des Maules durch das Vergnügen eines zart proportionierten Mundstückes benutzt. Hierbei muss man viele wichtige Partien beachten, die man in diesem dritten Band erklärt findet, vielleicht nicht mit so subtilen Begründungen oder schönen Zeichnungen, von denen ich eher wenige zeigen werde, wobei ich willens wäre, diesen Beginn mit der Anzahl der sehr schönen Darstellungen zu schmücken, die ich in meiner Zeit angefertigt habe, und die ich noch einmal mache, wenn ich mein Gedächtnis aufsuche; aber nachdem ich lange Zeit damit verbrachte, viele Besonderheiten in der Anwendung unendlich vieler Zäumungen zu suchen, beschränke ich mich hier auf eine kleine Anzahl, die weder sehr selten noch sehr gewöhnlich sind, und durch die ich weniger verwirrt werde, und dadurch weniger der Natur entfremdet. Auch wollte ich den Diskurs auf diese beschränken, damit ich so die Mittel frei ans Licht bringe, um das Pferd entsprechend seinem Naturell gut zu zäumen. Und noch ein Grund dafür, dass ich nicht weit davon abweiche, ist die Versicherung, die ich dadurch habe, dass, obwohl der verstorbene Sieur Pyrre Anthoine Ferrare für mindestens dreißig Jahre an der Erforschung der Perfektionen all dieser Kappzäume, Serratas, Camarres, Mundstücke, Unterbäume und Kinnketten gearbeitet hat, er dabei wenig aufdeckte: denn ich weiß, dass er nicht nur einer der sehr exzellenten Kunstreiter seiner Zeit war, sondern auch sehr fähig in vielen anderen schönen und ehrlichen Qualitäten (wie man sie selten in einem einzelnen Reiter vereint findet) und vor allem in der Malkunst, deshalb zweifle ich überhaupt nicht, dass seine Beschreibungen und Darstellungen in seinem Buch überhaupt nicht aussehen, wie die, die vorher gedruckt wurden. Und weil man es nicht besser machen kann als er, und weil ich mich lieber an die guten Regeln der Reitkunst halte als an spezielle Mittel außergewöhnlicher Zäumungen, reicht es mir, denen, die meinen Rat suchen, einfach die normalen Maßstäbe zu präsentieren, die ich beim Anpassen von Mundstück und Zaum beachte, und wenn der Leser auch vielleicht nicht die von ihm gewünschte Subtilität findet, kann er wenigstens sicher sein, dass meine Abbildungen ihm das Pferdemaul gesund, vollständig, gerade, korrekt und die Anlehnung in gutem Temperament erhält, ohne sehr viel Gekünsteltes zu benutzen.











Band III, Kapitel 24

Die verschiedenen Wirkungen des Banketts und des oberen Auges


 

Für alle Arten von Mundstücken muss man verschiedenes beachten beim Falz des Banketts, und einige Dinge gut abwägen: denn je länger er ist, desto mehr verstärkt er und von seiner korrekten Proportionen hängt ein Gutteil der Wirkungen des oberen Auges ab, wie ich im Folgenden erklären werde.

 




Wenn das Bankett die Länge dieses Falzes hat, soll die Höhe des Auges ungefähr vier Querfinger sein, gemessen auf die gewöhnliche Weise: also von der Stelle, die unten mit A bezeichnet ist bis E. Für eine genauere Bestimmung dieser Strecke muss man dagegen die Mittellinie des Bankettfalzes nehmen, weil hier der Punkt des Hauptdruckes der steten Anlehnung des Mundstücks liegt; und von hier aus zum Punkt Y, wo die Kinnkette sich feststellt an ihrem korrekten Platz: denn die Stelle darüber dient allein dazu, die Kandare am Lederriemen zu befestigen, so dass man die Höhe des Auges nur gut und gemäß der Kunst messen kann, wenn man die beiden Punkte benutzt, die die Zirkelspitzen zeigen.

 

Um leicht zu erkennen, wie nötig ein korrektes Maß des Banketts ist, und dass jenes, das die Höhe des Banketts nach den Punkten A und E ausrichtet sehr ungenau ist, muss man berücksichtigen, ob das Bankett kürzer oder länger ist, als es in diesen Skizzen dargestellt ist, eine Kinnkette normaler Länge zu hoch oder zu tief liegt, weil das Auge des Banketts nicht von normaler Höhe ist, wie gemessen und gegeben nach den Buchstaben A und E. Aus diesen kann man sicher beurteilen, dass das richtige Maß für das Auge teilweise von dem des Banketts abhängt, und dass man für die richtige Höhe, die man zur Bequemlichkeit der Kette bei diesen Proportionen wählen soll, die Punkte dieses Zirkels benutzen soll.

 

Man muss alle Proportionen dieser Skizze sorgfältig beachten: denn um zu erreichen, dass bei der Beizäumung des Pferdes das Auge sehr gerade längs der Lippen des Pferdes steht, und auch, dass der ganze Zaum weniger instabil ist, und die Kinnkette sehr leicht auf ihrer richtigen Stelle am Kinn zu liegen kommt, ist es nötig, dass das Bankett auf der Innenseite des Falzes des Mundstückes gerade ist, und das Auge ein wenig rückwärts geneigt, wie es hier gezeigt wird durch die gerade Linie O.






Band III, Kapitel 25


Gegebenheiten, bei denen man das Auge des Banketts höher oder tiefer als normal legen soll

Die spezifischen Effekte der verschiedenen Partien, die in den Proportionen der Zäumung enthalten sind, sind dem größten Teil der Reiter wenig bekannt, und besonders diejenigen des Auges: denn nach der gewöhnlichen Meinung hebt das Auge, wenn es höher als normal angebracht ist, den Kopf des Pferdes; wenn es aber tiefer liegt, bewirke es das Gegenteil: aber so sehr diese Regel zutreffend ist, wenn das Auge höher steigt als eine gewöhnliche Proportion, zwingt das Pferd zur Beizäumung und häufig dazu, sich zu wehren, weil durch die exzessive Höhe dieser Partie die Aktion der Kinnkette in diesem Maße verstärkt wird und dadurch einen größeren Zwang ausübt; liegt das Auge dagegen tief genug, hält es das Pferd weniger im Zwang, weil die Kinnkette weniger Kraft ausübt.

Da der Zweck des Auges ist, die erforderliche Einwirkung der Kinnkette zu stärken, muss seine richtige Höhe beachtet werden, je nachdem, ob die Maulspalte des Pferdes groß, mittel oder klein ist, damit sich die Kinnkette während ihrer korrekten Aktion stets auf der richtigen Stelle des Kinns anlegt; wenn aber diese Proportionen nicht genau beachtet werden, kann die Zäumung keine gute Anlehnung erzeugen, und auch der Nasenriemen nicht an einer guten Stelle liegen. So muss man, wenn der Maulspalt zu groß ist, und das Auge des Banketts sehr hoch, zweifellos eine außergewöhnlich lange Kinnkette benutzen, oder sie steigt zu hoch, wenn man das Pferd beizäumen möchte, oder kommt zumindest sehr schwer an ihrer richtigen Stelle zu liegen, und der Nasenriemen liegt ebenfalls zu hoch,und verhindert deshalb weniger, dass das Pferd das Maul offen hält, als wenn er tiefer liegt. Bei einem sehr kleinen Maul aber, und einem sehr tiefen Auge, rutscht die Kinnkette zu tief und der Nasenriemen sitzt auf den Nüstern des Pferdes.

So ist es nötig, um diese Partien gut zu proportionierten, dass wenn das Maul wenig gespalten ist, die Höhe des Auges die normale in einem passenden Verhältnis überschreitet, und wenn das Pferdemaul sehr klein ist, man das Auge höher anbringen muss als in der mittleren Höhe.

Auch muss man wissen, dass (nach dem, was ich zuvor gesagt habe) die umgekehrt anliegenden Birnen und Glocken, die Melonen, Kugeln und Rollen mehr die Zungenfreiheit erhöhen und ansteigen lassen, als die gebrochenen Stangen [Canons], Abdeckungen [Escaches], die einfachen und normalen Oliven, oder die auf alte Weise angelegten Glocken und Birnen: und aus denselben Gründen das Auge höher sein soll und deshalb der Baum kürzer (wenn die Zügel bis zur richtigen und steter Anlehnung angezogen sind) wenn diese mit Hilfe des Zirkels auch in der richtigen Länge angepasst wurden.

 




 

Band III, Kapitel 30

Die gute Beurteilung der korrekten Höhe des Unterbaumbugs [coude de la branche]

Wie ich im ersten Band über die gewöhnlichen Wirkungen des Unterbaumbugs referiert habe, sage ich hier noch einmal, dass man, um keine großen Fehler in diesem Bereich zu machen, die Proportionen der nachfolgenden Skizzen beachten muss: d.h., um eine schöne Haltung des Pferdes zu erhalten, mit einem schön aufgewölbten Hals und dem Kopf an seinem rechten Platz und einer leichte Anlehnung des Maules, soll man, wie auf der nächsten Skizze zu sehen ist, die Höhe des Buges begrenzen an der am Bankett mit B bezeichneten Linie; um aber einen langen oder unsicheren Hals und eine zu weit vorgestreckte Nase beizuzäumen, muss der Schmied den Bogen des Buges höher legen bis zur Linie A; ist dagegen die Anlehnung des Maules schwach oder der Hals zu weich, vor allem bei der Aktion wenn das Pferd sich gegen seine Brust bewehrt, benutzt man die Linie C: es ist allerdings notwendig, dass der Rest des Verlaufes eines starken oder schwachen Unterbaumes an diese drei Proportionen angepasst ist, je nach dem Nutzen, den man aus den guten Wirkungen ziehen möchte, wie ich sagte: andernfalls sind diese Regeln nutzlos.

Der Bug des Unterbaums kann auf viele andere Arten gefertigt werden: wenn er allerdings niedriger ist, als in dieser Skizze gezeigt, verleiht er weniger Anmut und hält das Maul zu unruhig; ist er aber höher, kann er Gelegenheit geben, die Anlehnung der Kinnkette von ihrem korrekten Platz zu verschieben, und dadurch das Pferd einladen, das Gebiss hochzuziehen, wenn es dazu ein wenig Neigung hat. Darin sieht man auch einen Beweis dafür, dass das korrekte Maß des Bugs teilweise von dem des Banketts abhängt:denn wenn das Bankett zu kurz oder zu lang ist, lässt es den Bogen des Bugs zu hoch oder zu niedrig erscheinen, es sei denn, man hat ihm eine außergewöhnliche Form gegeben.







Band III, Kapitel 31

Beschreibung der heftigen und der schwachen Unterbäume

Weil der Sinn des Unterbaumes darin besteht, Hals und Kopf des Pferdes in eine schöne und stete Haltung zu bringen, ist es nötig, ihn in heftiger, schwacher oder mittlerer Kraft zu halten, je nachdem, ob sich das Pferd leicht oder schwer beizäumen lässt. Um gut zu verstehen, worin hier die Unterschiede in der Wirkung der Unterbäume bestehen, muss man die Linie beachten, die in der folgenden Skizze gezogen ist, und die ihren Ursprung am geraden Teil des Banketts nimmt, und dass, je mehr das Klobenloch der Rosette diese Linie vorkommen und verlängern lässt, nämlich hin zum Buchstaben A, in demselben Maße der Unterbaum die Kinnkette verstärkt; je mehr dagegen der Kloben hinter der Linie zurückbleibt, desto schwächer wirkt der Unterbaum ein, weil er leichter die Brust des Pferdes erreicht. Endet er auf der Linie, am Punkt O, beginnt man, ihn heftig oder hart zu nennen. Falls der Unterbaum zu heftig ist, ist es erforderlich, die Kinnkette in demselben Maße länger zu lassen, beim Gegenteil aber, wenn der Unterbaum zu schwach ausgeführt ist, muss man die Kinnkette verkürzen, so dass man durch dies gut herbeigeführten Proportionen die Anlehnung des Mundstückes ausgleichen kann. Bezüglich der verschiedenen Längen des Unterbaumes werde ich an wichtigeren Stellen sprechen.

 


 










Band III, Kapitel 32

Die gewöhnlichen Wirkungen der Unterbaumrosette

Die Rosette ist eine Partie, die mehr den Unterbaum verschönert, als dass sie nötig wäre zur Beizäumung oder zum Ruhigstellen des Pferdekopfes, denn auch ohne die Form dieser Rosette hat man ein gutes Mittel, den Unterbaum in der Weise zu drehen, dass das Ende des Unterteils sich an den Ort bringt, an dem man will, wie man erkennen kann an der letzten oben skizzierten Proportion und wie man besser sehen wird an einer passenderen Stelle: allerdings kann die Rosette den Unterbaum schwächen, der einen zu engen Bogen des Bugs hat und sehr vorkommt, weil sie das Klobenloch zurückzieht, und sie dadurch entschärft und unterstützt: das ist Grund, warum man sie groß oder klein ausführt, und verschieden weit vor oder zurück legt.


 


 



Band 3, Kapitel 39



Die richtige Messmethode für die Länge des Unterbaumes

Diejenigen, die sich bis heute an der Diskussion um wohl bedachte Zäumungen beteiligten, haben eine Länge der Unterbäume vorgegeben, die sie vom Boden des Banketts oder höher an dessen Bug bis zum Klobenloch für den Zügelring messen: dabei machten sie denselben Fehler, den ich oben schon verurteilte, als ich über die die Höhe des Auges sprach: denn wenn das Bankett kürzer oder länger als normal ist, kann es dadurch die generelle Länge des Unterbaumes verstärken oder vermindern: auf diese ungenaue Weise bestimmt man kein korrektes Maß. Um die besagten Längen gut anzupassen, ist es dagegen nötig, eine Spitze des Zirkels auf der Mitte des Banketts, auf A,zu setzen und die andere auf die Mitte der Dicke des Klobens, auf B, wie man auf der folgenden Skizze sieht. Der Grund für diese Regel ist leicht zu verstehen, denn die Hauptanlehnung auf den Laden und die Wirkung des Unterbaumes, die durch Neigen des Mundstückes auftreten, enden genau in der Mitte des Falzes des Banketts und deshalb ist diese Regel als richtig anzusehen.






Band III, Kapitel 41



Der Grund, warum diesem Band keine Zeichnungen der ungebrochenen und anderen Mundstücken beigefügt sind oder er gar ganz auf diese reduziert ist

Die weniger erfahrenen in dieser Kunst sind die, die es sehr befremdlich finden, dass ich in diesem Band keine ungebrochenen und ausstaffierten Gebisse gezeichnet habe in Nachahmung vieler Kunstreiter, die schrieben und und ihre Regeln an die Öffentlichkeit brachten; die besser gebildeten aber erkennen, dass ich nur mache, was meine Vorgänger hätten tun sollen. Denn um das Pferd gut zu zäumen, müssen notwendigerweise gut, und voneinander getrennt beurteilt werden: die Formen und Temperamente aller Partien des Pferdemaules, des Kinns, des Unterkiefers, des Halses,der Schultern und ebenso die Kräfte all ihrer anderen wichtigen Glieder, bevor man urteilt und sich zur gesamten Komposition der Zäumung entschließt, denn andernfalls täuscht man sich, in dem Maße wie es verschiedene Gelegenheiten gibt, wie oben aufgeführt, die die Anlehnung des Maules verschieden gut oder schlecht werden lassen: folglich möchte ich durch ein separates Kapitel alle diese genannten Proportionen so zeigen und vortragen, dass der forschende Kunstreiter besser die Mundstücke zusammenstellen und anpassen kann, gemäß der Statur, des Charakters und den Fähigkeiten des Pferdes.





Band III, Kapitel 42



Die Ordnung, die man einhalten soll, wenn man dem Pferd einen neuen, oder ihm unbekannten Zaum anpasst und: die Definition dieses dritten Bandes

Das Pferd, dass eine gute Neigung hat und eine von Natur aus stete und leichte Anlehnung des Mauls empfängt friedlich alle Arten von Mundstücken, die man ihm anlegt, aber dasjenige, das von cholerischem und bizarrem Gemüt ist, oder ein zu hartes oder zu zu empfindliches Maul hat, lässt sich nicht immer so leicht gewinnen: im Gegenteil passiert es normalerweise, so passend auch die Zäumung gefertigt wurde, dass es beim Anlegen einiges Unbehagen verspürt, bevor es sich gut daran gewöhnt und es gut annimmt, und häufig durch diese eine Gelegenheit es dieses lange Zeit danach nicht lieben wird, oder sich gar niemals vertrauensvoll an dieses anlehnen wird; das ist der Grund dafür, dass, wenn der erfahrene Kunstreiter dem empfindlichen, ablehnenden oder kapriziösem Pferd ein neues Gebiss anlegen möchte, er ihm für mindestens zwei Tage zur Eingewöhnung immer Leckereien geben soll und es am ersten Tag nur aufgezäumt im Stall lässt, und es am zweiten Tag nur vorsichtig unter dem Reiter Schritt gehen lässt, dabei die Kinnkette länger lassend als es normalerweise angebracht wäre, und auch beim ersten und zweiten Mal des Trainings unter dem Sattel mit der neuen Zäumung sich sorgfältig versichert, das Maul nicht anzugreifen oder ihm auf andere Art Missvergnügen zu bereiten, sodass es danach mehr Sicherheit am besagten Mundstück findet oder wenigstens weniger Gründe, es nicht zu mögen, oder gar zu fürchten.

Jene, die aus Notwendigkeit oder aus Wissensdurst die guten Effekte der Mundstücke, Kinnketten und Unterbäume, die in diesem dritten Band skizziert sind, erforschen, werden wirr und häufig vergeblich arbeiten, wenn sie nicht sämtliche Proportionen und Qualitäten des Maules, des Kinns, des Unterkiefers und des Halses kennen, und ebenso die des Mutes, der Neigung, der Fähigkeit oder der Unfähigkeit der generellen Kraft und besonders der Glieder des Pferdes, das sie korrekt zäumen wollen. Nur durch die Kenntnis der Beschaffenheit all dieser Teile des Pferdes kann er eine Wahl des Gebisses treffen, die am besten zum Interieur und Temperament des Pferdemaules passt; für das obere Auge und die Kinnkette, was sehr wichtig ist hinsichtlich Form und Länge des Maulspaltes und des Kinns, sowie für den Unterbaum, der die sehr schöne und gleichmäßige Haltung des Halses und des Kopfes des Pferdes herbeibringt und erhält; so dass durch ihre Zusammensetzung und die Bequemlichkeiten all dieser gut beurteilten Proportionen diese Zäumung sich als korrekt und sorgfältig zusammengesetzt erweist, um dem schwachen oder zu empfindlichen Maul eine solide Anlehnung zu geben, und um diejenigen leichter zu machen, die ziehen oder sich sehr auf die Hand legen; und diejenigen herbeizäumen und einen schön aufgewölbten Hals geben, die langgestreckt waren, und häufig die verbessern, die einen zu sehr gewölbten Hals haben und den unruhigen oder zu hoch getragenen Kopf beruhigen bzw. senken; und es vorwärts bringen und anheben, falls es beim Rennen die Nase zu sehr nach vorne bringt; allerdings, wie auch immer die Zäumung angefertigt wurde, wird sie nicht diese Perfektion haben, wenn sie nicht von einem erfahrenen und gut geübten Geist benutzt wird oder durch eine subtile und sorgfältige Hand unterstützt wird, und auch wenn die Natur des Pferdes direkt gegen die guten Mittel der Kunst wirkt; denn dadurch werden zweifellos diejenigen, die nicht sehr erfahrene Kunstreiter sind, in diesen Rezepten Mittel suchen, das Pferd zu zwingen (durch besonders fremdartige und grobe Mundstücke), worauf sie aber nicht aus Vernunft hoffen dürfen und keinen ihrer vermessenen Wünschen erreichen werden. Deshalb möchte ich noch einmal meine schon an vielen Stellen gemachten Hinweise bekräftigen, dass meine Absicht nicht ist, diese anzusprechen, und dass meine Arbeit allein für die da ist, die erfahren genug darin sind, die künstlichen Mittel, die auf allen Skizzen dieser letzten Abhandlungen gezeigt werden, umsichtig mit den Regeln und Lektionen der vorhergehenden zwei Bände anzupassen und zu verbinden, in dem Wissen, dass man auf keinem anderen Weg, als durch Verstehen die Zufriedenheit und der Nutzen erreicht werden kann.

Um mehr gefestigt zu sein in der Sicherheit, die man besitzen soll, dass die sehr nötigen Wirkungen die man erwarten kann nach den Proportionen der gut bedachten Zäumung unsicher und sehr häufig nutzlos sind, wenn sie nicht mit einem klaren Urteil bezüglich des guten Gehorsams und der Manege angewendet werden, mit dem das Pferd zuvor mit der einfachen Trensenkandare und dem Kappzaum gut ausgebildet wurde. Der Reiter kann durch all die obengenannten Gründe leicht erkennen, dass wenn das Pferd seiner Natur nach, oder durch eine erschöpfende Arbeit, schwach oder bei schlechtem Atem ist, oder eine ängstliche Neigung hat, oder eine extreme Fluchtneigung hat, zweifellos, wenn über lange Zeit irgendeinen Effekt erreichen will, man ihm das Maul öffnen und verdrehen kann, seine Zunge dick und blau werden lassen, seine Lippen ein- oder auswärts biegen, und seine Nase vorkommen lassen kann, wobei es den Hals verdreht und hart an den Zügeln zieht, um die Aktion der Reiterhand zu vereiteln oder sich schwer auf dessen Anlehnung zu legen: gegen die hierdurch entstehenden Unarten, wie Probleme mit der Atmung, der Ängstlickeit oder mit schlechter Losgelassenheit, großer Furchtsamkeit bleibt der Kunstgriff der Zäumung, in welcher Art sie auch angefertigt werden könnte, fast ohne irgendeinen guten Effekt. Wenn aber im Gegenteil das Pferd mit Geschick und Geduld schon ausgebildet, gestärkt, erleichtert ist und schließlich ruhig, aufmerksam und sicher auf die Aktionen und Bewegungen des guten Kunstreiters achtet, mit ruhigem Atem und dem leichten Gehorsam der Schule, und dabei die Kraft seines Rückens und seine unterstützende Munterkeit erhalten bleibt, kann sich sein Maul ohne Zweifel stet, richtig und frisch halten durch die korrekte Lage des wohl eingerichteten Mundstückes, und der Kopf mit dem Hals in einer schönen und leichten Haltung durch die beizäumende Wirkung, und die Unterstützung durch die gut gewählte Form und Länge des Unterbaumes, und auch durch die gute Anlehnung der Kinnkette, korrekt an ihrem Platz am Kinn und mit der nötigen Länge: das ist mein wichtiges und gewöhnliches Ziel in dieser Kunst, womit ich alles ausdrücke, was ich erreichen wollte mit diesem Ende.





Durch viel Arbeit und Geduld

 

Erreicht man diese schöne Kunst

 

Ohne diese beiden perfekten Mittel aber

 

Wird man deren schöne Ergebnisse niemals sehen.


Ende des dritten Bandes