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Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald


Band II


Das Werk La Broues „Le cavalerice francois“ (Titel ab der zweiten Auflage 1602) erschien erstmals unter einem anderen Titel 1594 in La Rochelle und stellt in drei Bänden das damalige Wissen der besten Reiter Frankreichs dar, welches bis dahin nur mündlich überliefert wurde. Es lieferte die Schnittstelle zwischen der neapolitanischen/italienisch-spanischen und der französichen/mitteleuropäischen Reitkunst.

(bekannte Auflagen in 1602, 1608, 1610, 1612, 1613, 1617, 1620, 1628, 1646)

Er bezieht sich darin oft auf den angesehensten Reitmeister des italienischen Zentrums der akademischen Reitkunst, Gianbattista Pignatelli,dessen Schüler er in Neapel gewesen war, und auf die "großen französischen Reiter vor meiner Zeit" (von allen wurden keine schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen).

Sein guter Schreibstil, die sehr gut verständliche Abhandlung in aufeinander aufbauenden Kapiteln und die umfangreichen Zeichnungen zur Erklärung der Reitübungen waren ein enormer Fortschritt auf diesem Gebiet und ermöglichten von nun an sehr viel mehr Reitern, ein gutes Verständnis der Hohen Schule zu entwickeln.

Sein Werk beeinflusste viele der auf ihn folgenden großen Reitliteraten: F.R. de la Gueriniere schreibt:„.. sind unter der beträchtlichen Anzahl Schriftsteller nur zwei, deren Werke wahren Werth haben, und diese sind: de la Broue und der Herzog von Newcastle. De la Broue lebte unter der Regierung Heinrich des Vierten. Sein herausgegebenes Werk ist in Folio und enthält die Regeln seines Lehrers des Johann Baptist Pignatel, der als Lehrer der Reitkunst bei der Reitschule Neapel stand, und dessen Reitbahn in so großem Ruf stand, daß man sie als die vornehmste in der ganzen Welt ansahe. Alle, von dem französischen = und deutschen Adel, die sich in der Reitkunst vervollkommnen wollten, waren genöthigt, bei diesem berühmten Lehrer Unterricht zu nehmen.

Der Herzog von Newcastle sagte: de la Broue hätte seinen Unterricht zu einem so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, daß man in dieser Kunst höchst erfahren seyn müsse, um ihn in Ausübung bringen zu können. Ob gleich dieses Lob etwas kritisch ist, so beweist es gleich wohl die Vortrefflichkeit dieses Schriftstellers“ (aus der deutschen Übersetzung der „Ecole de cavalerie“, 1733, durch Daniel Knöll, 1791). 

 

Ironischerweise ist dieses Zitat,das Guerinieres Wertschätzung untermauern soll, gar nicht von Newcastle/Cavendish, der in seinem ersten, französischen Buch de la Broue gar nicht erwähnt, aber über ihn in seinem zweiten, englischen Buch abwertend schreibt, Broue habe im ersten Band nur Grisone wiederholt und im zweiten Band nur die Ausbildungsmethoden Pignatellis aufgeschrieben („stolen from Signior Pignatell's lessons“). Diese Worte bedeuten allerdings indirekt eine hohe Wertschätzung der aufgeführten Methoden, da auch Cavendish Pignatelli als einen großen Meister ansieht: „ But the most Famous man that ever was in Italy was at Naples, a Neapolitan, call'd Signior Pignatel; but he never Writ: Monsieur La Broue Rid under him five years... „(William Cavendish, „A New Method... to dress horses...“,(London, 1667, Tho. Milbourn(S.3).).

Gueriniere hingegen kannte anscheinend nur die Übersetzung des zweiten, englischen Buches ins Deutsche und Französische von Soleysel von 1677, in dem lobend über de la Broue gesprochen wird, und bezieht sich wohl auf den Satz:  "Es finden sich darin[im Cavalerice] schöne Lehren für die, so es begreifen können".


 

Dass der „Cavalerice“ nie in eine andere Sprache übersetzt wurde, war zu seiner Zeit kein großes Problem: wer sich damals ein Pferd ausschließlich für die akademische Reitkunst leisten konnte, sprach wohl in den allermeisten Fällen fließend französisch. So muss sich allerdings heute ein ambitionierter Schulreiter zumindest etwas Französisch aneignen, wenn er die teilweise in keinem anderen Buch so detailliert beschriebenen Übungen verstehen und ggf. erlernen will.

Wie bei allen guten Reitmeistern spielte auch bei La Broue die Erziehung der Reiter zum verantwortungsvollen, denkenden, ruhig planenden „Pferdemenschen“ eine sehr große Rolle: Immer wieder weist er darauf hin, der Reiter solle niemals aus Zorn, sondern immer überlegt handeln; das Erniedrigen des Pferdes wird als nicht akzeptabel angesehen. Er weist immer wieder darauf hin, dass alles Negative in der Arbeit mit dem Pferd vermieden werden müsse: ein ängstliches, nervöses, übermüdetes oder überfordertes Pferd könne niemals die Hohen Schulen erlernen, geschweige denn perfekt ausführen.

La Broue überführt den Begriff „Kunstreiter“ aus dem italienischen „Cavalerizzo“ als „Cavalerice“ ins Französische, um den Unterschied zum „Kampfreiter“/“Kriegsreiter“ hervorzuheben; Gueriniere folgt ihm darin 140 Jahre später, indem er die akademische Reitkunst als „L'art pour l'art“ (Kunst nur für die Kunst) bezeichnet.

Wer den „Cavalerice“ nur oberflächlich, nur stückweise und obendrein vielleicht mit geringen Französischkenntnissen liest, runzelt schnell die Stirn über die in den ersten Kapiteln zu findenden Bezüge zum Text Grisones, der 42 Jahre vorher erschienen und schnell in ganz Europa verbreitet war: hier gelangten auch einige mittelalterliche, rabiate Methoden in das Buch, das ansonsten eine ausgeprägt positive Reiterethik ausstrahlt. La Broue weist allerdings hier immer darauf hin, dass diese Mittel nur bei äußerst gefährlichen und völlig verdorbenen Pferden, die den Menschen angreifen oder auf andere Art schwer gefährden, eventuell versucht werden könnten, und dies ohnehin immer unter dem Vorbehalt, dass sie nur von sehr erfahrenen Reitmeistern angewendet werden dürften (Gueriniere erwähnt diese Methoden 140 Jahre später gar nicht mehr).

Er benutzt schon damals Leckerlis (friandises) und lobt das Pferd häufig durch Streicheln und Kraulen (caresser): niemals haben die alten Meister ja ihre Pferde geklopft, da Pferde das Klopfen als Schläge empfinden (die sie mit der Zeit aushalten lernen, aber kaum als Belohnung empfinden dürften).

Er empfiehlt bei ängstlichen oder unwissenden Pferden, ein älteres, gut ausgebildetes Pferd mit in die Bahn oder ins Gelände zu nehmen. (Bd. I S.45,57).

Immer und immer wieder weist er bei seinen „Preceptes“ (Regeln) auf die unbedingt erforderliche Beachtung der Eignung des Pferdes hin, z.B. bezüglich des Körperbaus, des Trainingszustandes, der Psyche oder der als Grundlage notwendigen vorgeschalteten Übungen. Fehlten diese Voraussetzungen, müsse man sie erst vollständig herstellen, bevor man die jeweilige Lektion beginnen dürfe.

Als erstes Gebiss empfiehlt er die kandarenähnliche "Canon", deren Mundstück aber einmal gebrochen ist,  und dazu den Kappzaum, von dem er schreibt, dass alle Pferde , bei denen er benutzt wird, sehr viel besser und leichter gehen, als jene, die allein mit Gebiss eingeritten wurden.

Der Kappzaum wurde erfunden um das Pferd zurückzuhalten, aufzurichten und leichter zu machen, um es das Wenden und das Parieren zu lehren, ihm den Hals zu biegen, die Kopfhaltung zu festigen, Kopf und die Kruppe zu stellen ohne Maul und Kinn zu stören und außerdem um die Schultern, die Beine und Füße der Vorhand freier zu machen. Er soll …. die Feinheit des Maules erhalten, das sehr entspannt und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein soll, um Genauigkeit und Losgelassenheit zu erreichen.




Zur nachfolgenden Übersetzung muss ich anmerken, dass ich auch im Französischen Autodidakt bin und mein Drang, diese Sprache zu verstehen, erst richtig durch die Geheimnisse,

die ich zu Recht im Cavalerice vermutete, enststand. Vor allem anfangs war es unendlich mühsam, Wort-für-Wort ein annehmbares Verständis zu erlangen;

einige Fehler sind deshalb zu erwarten und ich würde mich sehr freuen, wenn  man mich darauf aufmerksam machen würde!








Terminologie

 

Jeder Übersetzer muss sich ständig entscheiden, welche der vielen Wortbedeutungen an der jeweiligen Textstelle beutzt werden soll, denn eine Übersetzung kann niemals den vollen Bedeutungsumfang eines Wortes wiedergeben. Ich habe mich entschlossen, folgende Begriffe zu verwenden:

1. das Wort "entier" habe ich für das Versteifen des Pferdes, (meist) auf seiner "schlechten" Seite, als neuen Begriff in die akademische Reitkunst eingeführt; es bedeutet im Französischen z.B. ganz, fest, steif, etc. Man könnte zwar für "das Pferd wird entier" auch das deutsche "das Pferd macht sich fest" verwenden, da Letzteres aber aktiv ist, und deshalb als "Schuld" oder "Böswilligkeit" des Pferdes angesehen werden könnte, im Frz. dagegen passiv ist, habe ich das Wort "entier" unübersetzt beibehalten.

2. das Wort "serrer" habe ich mit"einengen" übersetzt, auch als neuen Begriff. Es hat die Bedeutungen: "pressen, zusammenschnüren, einklemmen, einschnüren, etc." La Broue benutzt es häufig, um das Gegenteil von entier zu bezeichnen, eine (häufig starke) Biegung der "guten" Seite des Pferdes. Man könnte es auch mit "zusammenziehen" übersetzen, dieser Begriff wird allerdings häufig für das Zusammenziehen der Unterlinie oder der Oberlinie des Pferdes verwendet, und so halt ich das neue "einengen" für präziser. Bei La Broue ist dies nicht selten ein unerwünschtes Überbiegen als Vermeidungshaltung des Pferdes.

3. "Légèreté" habe ich nicht im Original beibehalten, da "leger" im Deutschen eher "lässig" bedeutet, sondern mit "Lockerheit" übersetzt, dies klingt zwar steif, trifft den Sinn aber meist besser.

4. "Facilité" übersetze ich meist mit "Leichtigkeit", es bedeutet auch Mühelosigkeit, Ungezwungenheit.

5. "Chastiment" übersetze ich meist mit dem Wort "Rüge": eine Rüge erfolgt meist sofort und dient der Korrektur, eine Strafe dagegen hat bei vielen Reitern auch Rachecharakter, und Rache und Vergeltung haben in der Erziehung nichts zu suchen. Ich denke, Rüge trifft den Sinn La Broues genauer, da er immer die weichsten und die am wenigsten das Pferd verstörenden Mittel bevorzugte.












 

Band II Kapitel 3


Erste Anweisung für die Genauigkeit aller Airs und Manegen, und zum Leichtermachen und zur Verbesserung der Anlehnung des Maules der Pferde, die sich auf die Hand legen oder an ihr ziehen.


Das erste Ziel des Kunstreiters, der wünscht, durch seine Kunstfertigkeit und seine Sorgfalt das Pferd in seinen schönen Übungen zur Perfektion zu bringen, soll sein, es zunächst friedlich und gut an der Hand werden zu lassen, um Freiheit und Leichtigkeit für all die schönen Airs und Manegen zu erzeugen. Um das zu erreichen bei einem Pferd, das schon einen guten Anfang auf der guten Schule gemacht hat, aber trotzdem zur Schwere auf der Hand neigt oder dazu, aufbrausend auseinanderzufallen, sich anzuspannen oder sich zu sehr auf das Gebiss zu legen, beim Trab und im Galopp, sowohl auf den Volten als auch im Geradeaus, muss man es versammeln und zurückhalten zur Kontrolle seiner Kräfte. Manchmal ist es allerdings nötig, von den normalen Regeln abzuweichen: in dem Maße, wie diese häufig nutzlos werden bei diesen Pferden, wenn, wie ich schon im ersten Band erwähnt habe, die gewöhnlichen Übungen und Rügen lange und mit Gewalt durchgeführt wurden, weil dieses häufig die Biegsamkeit der Glieder verschlechtert anstatt sie geschmeidig zu machen, und die Anlehnung des Mauls härter statt leichter macht, als Folge der Müdigkeit, die leicht unerwartet auftritt bei schwachen oder zu sehr ziehenden Pferden, oder als Folge der Furcht, die gewöhnlich die Pferde befällt, die sehr temperamentvoll sind. Deshalb möchte ich empfehlen, dass der Kunstreiter bei jeder Runde vier große, normale Viertel beachtet, wie sie hier dargestellt werden.


 


Wenn der Kunstreiter dem Pferd diese normalen Runden zunächst im Schritt beibringen möchte, bevor es in den Trab gebracht wird, wird es sich zweifellos danach freier beim Traben und Wenden zeigen, als begänne man zu traben, ohne ihm vorher den Raum und die Rundung dieser Lektion gezeigt zu haben: allerdings, wenn das Pferd leicht eng und weit, auf beiden Händen gleich gut, traben und galoppieren und gut parieren kann, halte ich es nicht für gut, es immer weiter die Figur auf der Proportion seiner Manege promenieren zu lassen, denn durch die Gewohnheit an diese kann es nachlässig werden; aber an einigen Fehlern, die es am Beginn macht, gleich nachdem der Kunstreiter es zwei oder drei Volte im Trab auf jeder Hand hat ausführen lassen, bemerkt er, dass es zieht oder zu stark Anlehnung am Gebiss nimmt, wenn er es ganz kurz und gerade anhält, auf einem der Viertel, wie sie unten eingezeichnet sind (welches er frei wählen kann), und es, falls nötig, rückwärts gehen lässt, je nachdem ob es auseinanderfällt oder hart wird beim Anhalten, und ohne dass hierbei die vier Füße die runde Spur verlassen oder vergrößern.

Ist es auf diese Art versammelt, muss man es sanft wieder angehen lassen in einem guten Schultrab und es ganz genauso durchparieren beim nächsten Viertel, und weitermachen von Viertel zu Viertel auf jeder Hand, und auf der einen wie auf der anderen jedes Mal drei Touren, oder mehr oder weniger, je nachdem, wie viele nötig sind, um es im Gehorsam in diesen langen ersten Lektionen zu erhalten.

Man muss dieselbe Regel auch im Galopp beachten, außer dass, da die Bewegung stärker vorwärts geht, die Volte drei Paraden haben soll, statt der vier beim Beginn im Trab, vor allem wenn die Volte kleiner als die normalen und die mittleren Kreise ist.

 



 

Aber wenn das Pferd beim Ausführen dieser Lektionen die Überraschung dieser kontinuierlichen ganzen Paraden derart fürchtet, dass es nicht will oder nicht wagt, nach dem Parieren oder dem Rückwärtsrichten wieder vorwärts zu gehen, oder dass es bei der Ankunft am nächsten Viertel von allein anhält, muss man es darüber hinaus weiter gehen lassen, wenn möglich ohne den Trab oder Galopp zu unterbrechen, und an dem Viertel anhalten lassen, wo es dies am wenigsten erwartet, immer die Genauigkeit der ganzen Parade einhaltend. Durch das Überraschen auf allen Vierteln die es, durch die Ungeduld getrieben glaubt frei passieren zu können, oder wenn es zu schwer auf die Vorhand fällt, und durch das Treiben mit Drohungen und Rügen (angepasst an sein Naturell) zu allen den Vierteln, auf denen es gegen den Wunsch des Kunstreiters anhalten möchte, wird es zweifellos in kontinuierlicher Erwartung dieser Hilfen gehalten, so dass es weniger auf die Schultern fällt und auf die Anlehnung der Hand (falls es von Natur aus schwerfällig ist), und dass es seine Kräfte, seinen Willen und seine Veranlagung mit weniger Heftigkeit anwendet, wenn es zu empfindlich und temperamentvoll ist, so dass es durch die Art dieser Lektionen locker und leicht werden kann für die Übung und Manege des Trabes und des Galopps.

Wenn bei der o.g. Übung die Kreise so platziert werden wie unten skizziert,erlernt das Pferd weniger die Wechsel und Trennungen dieser, und wird als Resultat aufmerksamer für die Aktionen des Reiters.

 




A: um zu beginnen oder zu verlassen         B: um die Hand zu wechseln beim Kreuzen

Ich erwähne hier nebenbei, dass die Leinen des Kappzaumes und die Zügel gewöhnlich lang und hoch genug gehalten werden, um den Kopf des Pferdes zu heben und das Maul leichter zu machen, und falls dieses schwach oder zu schwer ist, mit dem richtigen Takt und der Air des Armes und der guten und lockeren Hand: dies bringt allerdings einem verfälschten oder schwachen Kopf und Maul nicht viel Festigkeit oder Entschlossenheit. Sind dagegen die Leinen und Zügel tief und geschlossen genug, senkt das die Nase und stellt den Kopf ruhig bei den Köpfen und Mäulern, die zu unbestimmt sind, verhärtet dagegen die Anlehnung derer, die an der ganzen Hand sind.

Das Mittelmaß der beiden Haltungen von Arm und Hand und des Maßes der Leinen und Zügel kann die normalen Köpfe und Mäuler gleichzeitig leichter machen und deren Nase absenken und die Haltung festigen.

 











 

Band II, Kapitel 4


Wenn das Pferd sich weigert, auf Kreisen zu galoppiert, sehr häufig aufgrund falschen Trainings oder weil es entmutigt ist


Weil ich weiß, dass das Pferd viele Fehler machen kann in den ersten, oben beschriebenen Lektionen im Galopp auf den normalen Kreisen, und auch, dass es manchmal entmutigt werden kann durch seine Verstocktheit, mit der es nicht nur verweigert zu wenden im Galopp, sondern sich auch wehrt oder die Flucht ergreift, wenn man es zwingen möchte, finde ich es richtig, falls diese Unarten auftreten, dass man die gewöhnlichen Hilfen und Rügen dieser Kunst anwendet, welche die Kopf- und Halshaltung gut formen und das Pferd frei machen können. Denn falls der Kunstreiter nicht erfahren und verständnisvoll ist, kann er es erniedrigen oder es verzweifeln lassen, wenn er die Mittel zu lange anwendet oder schlecht ausführt, je nachdem welches der verschiedenen Temperamente, Kräfte und Kondition es besitzt. Um in diesen Situationen jene Versteifung zu vermeiden, die meistens viele verschiedene und schädliche Ereignisse verursacht, rate ich, anstatt das Pferd zu schlagen oder zu bedrohen (beim Versuch, es seinen Fehler erkennen zu lassen) und unnachgiebig in den Clinch zu gehen und sehr heftigen Zwang auf unseren Schulen auszuüben, man besser durch die Reitkunst die Schläge, die Schmerzen und Drohungen vermeidet und den Raum der ersten, sehr großen Kreise stark vergrößert; dies zuerst im Schritt und im Trab. Wenn das Pferd die große Erweiterung verstanden hat, führt man es friedlich in einem kurzen Galopp auf derselben Spur und macht auf ihr eine Tour, und beginnt und beendet sie an der Stelle, die in dieser Skizze mit dem Buchstaben A bezeichnet ist; bringt es dann sofort in den Trab, und am Ende in den Schritt, während man den Kreis ruhig nach und nach immer weiter schneckenförmig verkleinert bis in sein Zentrum, bezeichnet mit B, und lässt es an dieser Stelle anhalten, gibt die Hand nach und lässt es ausruhen, wobei man es streichelt und beruhigt. Danach bringt man es sanft in den Schritt, um die Tour auf der anderen Hand auszuführen und befolgt dieselbe Regel an derselben, oder an einer anderen Stelle.



C: Spur zum Verlassen des Zentrums beim Handwechsel auf dem Umkreis

Hat man so begonnen, das Pferd mit dieser außergewöhnlichen Schule zu beruhigen, muss man den Galopp verstärken auf jedem Viertel oder Halbkreis auf demselben Rund und auf derselben Spur, immer darauf achtend, genauso wie oben beschrieben zu beenden, bis es zwei Runden im Galopp macht, ohne ihn zu unterbrechen. Danach macht man weiter in derselben Weise, um eine dritte Tour dazuzunehmen, beendet aber immer im Zentrum im Trab und Schritt. Denn mit dem Mittel dieses sich langsam verengenden Endes, und durch das Streicheln auf der Stelle B, verliert das Pferd nach und nach (und ohne verbissen gequält zu werden) den schlechten Wunsch, diese Schule zu fliehen, wie man aus langer Erfahrung weiß; und durch die gute Gewohnheit dieser ersten Proportion (wobei man den Raum unmerklich verkleinert) entsteht mit der Zeit die Fähigkeit für die Manege des Kampfes.











Band II, Kapitel 5


Die Pferde, die im Geradeaus mehr an der Hand ziehen als auf den Kreisen


Es geschieht häufig, dass die sehr mutigen Pferde mehr beim Geradeausreiten an der Hand ziehen oder sich auf die Hand legen, als auf den Volten, vor allem, wenn sie schwache Glieder haben: Der Grund ist, dass das beladene und schwerfällige Pferd sich natürlicherweise mehr für eine gute Wendung dazu zwingt, seine Kräfte zusammenzuhalten, als im Geradeaus. Denn wenn es ungeduldig ist, und weil es in der Aktion der Volte einen begrenzten Raum verkleinert und umrundet, benutzt es die Kraft des Rückens, das Gedächtnis und den Blick dabei sehr, was es nicht macht im Geradeaus, welches es im Gegenteil in Unruhe versetzt, in dem Maße, wie es gar nicht mehr, oder viel weniger beschränkt wird als auf den Volten. Man muss also gewöhnlich einen Teil, und ebenso das Ende der vorbeschriebenen Lektionen, im Geradeaus machen und die Abstände des Durchparierens kurz, mittellang, oder lang halten, je nachdem ob das Pferd zu stark vorwärtsdrängt, oder ob es den Galopp locker und aufmerksam, auf die Aufforderungen des Reiters lauschend ausführt. Vor allem soll man es niemals gleich wieder angehen lassen, nachdem man es hat anhalten lassen, damit es nicht beginnt, ungeduldig an der Hand zu ziehen, weil es wieder vorwärts gehen will, ohne auf die Aktion dessen, der es trainiert zu achten; es wird seinen Fluchtdrang nicht verlieren, wenn man es nicht wenigstens ein oder zwei Schritte in Geduld hat machen lassen: andernfalls wird diese Übung fehlerhaft und möglicherweise nutzlos.

Aber ausgeführt mit gutem Urteil bringt diese den Pferden mit besagtem Naturell in kurzer Zeit viel Lockerheit und Leichtigkeit, vorausgesetzt, sie sind kräftig genug und fest in den Gliedern, um die Übung auszuhalten.

Und weil eine Lektion, so exzellent sie auch sei, meist nicht zu allen Pferden genau passt, so sehr sie auch die selben Veranlagungen haben, weise ich den Kunstreiter darauf hin, dass es bei der vorgenannten Übung häufig passiert, dass das empfindliches Pferd mit einem langen Körper, oder mit einer Schwäche in Rücken, oder Schultern, oder Gliedern, oder in den Füßen, eine so große Mühe hat, sich beizuzäumen, um die erwähnten Paraden auf der Hinterhand gut aus- und weiterzuführen, dass es von drei Fehlern einen oder zwei macht, oder manchmal gar alle drei gleichzeitig. Einer ist, dass es sich weigert wieder anzugehen, wenn es häufig überrascht wird durch das Durchparieren, der zweite, wenn es angeht, dann zu zurückhaltend mit einem Tralopp [tracanart], weil es nicht wagt, die korrekte Bewegung des Galopps wiederaufzunehmen, und drittens, dass es, anstatt sich in einen leichten und angemessenen Galopp zu bringen, dessen Takt ohne Schwung ausführt, in der Hoffnung, durch diese Mittel der Überraschung und dem Gehorsam der ganzen Paraden zu entgehen oder zu entfliehen. In diesen Fällen ist es erforderlich, dass der gute Kunstreiter große Kunstfertigkeit und viel Geduld einsetzt, vor allem, dass er ihm häufig und im Takt subtil die Hand nachgibt. Denn dies bewirkt, dass die Ehrlichkeit des Mutes und die des Maules zurückkommen, und man sich erfreuen kann an dem Gehorsam. Auch soll man es nicht schlagen, wenn irgend möglich, um es nicht in eine große Verwirrung oder Verzweiflung zu stürzen, sondern es sich sanft seine Zeit im kurzen Galopp nehmen lassen. Man darf es nicht zu häufig durchparieren lassen, vor allem dann, wenn es schon zu sehr auf die Aufforderung zur ganzen Parade erwartet, sondern muss es nach und nach beruhigen und ihm weniger Gelegenheiten gibt, die Überraschung und die Mühe des Durchparierens zu fürchten. Man soll es lange genug so gemächlich wie möglich galoppieren lassen, um ihm die heftige Abneigung gegen den Rennkurs zu nehmen und um es zu beruhigen und Atem schöpfen zu lassen. Und schließlich, soll man es gewöhnlich vor einer Wand durchparieren, oder an einer anderen Stelle, die es zwingt, sich zurückzunehmen und der ganzen Parade zuzustimmen, ohne dass es nötig wird, sehr am Gebiss oder den Kappzaumleinen zu ziehen, und diese Übung weiterführen, bis das Training es in die Lage versetzt hat, der Parade leicht zu gehorchen. Kurz: man muss berücksichtigen, dass die schwachen Pferde, die nichtsdestotrotz mutig und sensibel sind, auch diejenigen sind, die besonders respektiert werden müssen, weil die rabiaten Rügen und Hilfen, ihre Kräfte und und ihren Willen so sehr schwächen können, dass sie sehr bald niedergedrückt, und häufig verzweifelt und abgeschreckt werden, und dadurch auch in Gedächtnis und Gehorsam sehr unfähig werden. Genauso ist es eine Maxime, immer, so sehr wie möglich jede Gelegenheit zu vermeiden, durch die das Pferd, das von Natur aus ein schlechtes Maul hat, Wege findet zu fliehen und die Unterordnung zu vermeiden, und zu versuchen, über längere Zeit und mit sehr sanften Mitteln, die Unart abzugewöhnen, den Arm und die Hand des Reiters zu zwingen, um es in die Flucht zu bringen, weil es keinen Vertrauen in seine eigen Kräfte hat, oder aber aus Böswilligkeit.













 

Band II, Kapitel 7

Regeln um das Pferd auf den Volten im Trab einzuengen [estrecier] und anzupassen


Die normalen Regeln für die diversen Lektionen im Trab wurden schon genug im ersten Band beschrieben, so dass für mich hier kein Bedarf besteht, vieles nochmal zu erzählen, aber ich möchte, dass der Kunstreiter zu seinem Vorteil die anderen Übungen trainiert, die man sehr kurz und sehr schön macht, wenn das Pferd dazu geneigt ist. Nämlich, dass jedes Mal, wenn man das Pferd wenden möchte, sei es am Ende der Passade oder beim Handwechsel im Zirkel, ohne geradeaus zu gehen, man es die erste Aktion der Volte mit der Hilfe des Kappzaumes oder der Gerte machen lässt, wobei man den Kopf des Pferdes ein wenig zu der Seite bringt, zu der es wendet (so wie ich es schon mehrfach erklärt habe), damit es sich angewöhnt, immer auf die Stelle zu sehen, auf die es seine Vorderbeine setzen soll, und durch dieses Mittel seine Manege leichter ausführt. Im selben Moment, in dem das Pferd ohne Unordnung den ersten Tritt zum Wenden mit freiem Vorwärtsgehen der Schulter und des äußeren Vorderbeines beim Passieren und Verkleinern macht, und dieser Vorderfuß über den inneren tritt, und um den passenden Moment bei diesem ersten Tritt finden zu können, muss der Kunstreiter immer spüren, welche Füße auf der Erde, und welche in der Luft sind. Ist er dazu fähig, dreht er und führt die Zügelfaust zu der Seite in die Volte, zu der er wenden möchte, wenn das Pferd den [inneren; DA] Vorderfuß noch in der Luft hat, und zwar während der Vorderfuß sich absenkt, nahe dem Moment, an dem er auf die Erde gesetzt wird, sodass danach das Pferd beim Anheben des äußeren Vorderfußes aufmerksam für das Wenden wird und gleichzeitig gehindert, äußere Schulter und Vorderbein vorwärts zu bewegen, damit es den ersten Tritt mit Übertretendes äußeren Vorderbeines über das innere macht, und um diese Bewegung gut auszuführen, muss man diskret das Pferd unterstützen und vorwärts treiben, mit dem Zügelarm und der Zügelhand, und mit dem Wadenmuskel, und es falls nötig, den Sporn fühlen lassen, um zu verhindern, das es sich zu sehr einengt, oder zurückhält, oder den Hals biegt, oder irgendeine falsche Bewegung mit dem Kopf macht, und auch, um ihm mehr die Möglichkeit zu geben, seine äußere Schulter und das Vorderbein nach vorn zu führen, damit es nicht die Sehne des anderen Beines mit dem Eisen verletzt, oder sich auf den anderen Fuß tritt. Man muss sehr genau darauf achten bei der Kürze der Zeit dieses Beginns und des ersten Trittes der Volte, was unbedingt sorgfältig ausgeführt werden muss, mit einer Leichtigkeit in den Hilfen, die nur durch viel Erfahrung erworben wird. Denn falls der Kunstreiter die Zügelfaust auf die Volte wendet, und schon beginnt, wenn das Pferd das Vorderbein innerhalb dieser noch zu hoch zu hoch in der Luft hat, wird es zweifellos durch das Erweitern des inneren Vorderbeines behindert den ersten Tritt zu machen, was eine Aktion ist, die ihm natürlicherweise viel weniger Bequemlichkeit gibt, den Kopf mit dem Blick auf der Volte zu tragen, als wenn es diesen ersten Tritt macht mit Vorwärtsbringen von äußerer Schulter und äußerem Vorderbein; wenn man aber beginnt, das Pferd zu wenden, indem man es überrascht, während es das innere Bein in der Volte schon auf dem Boden hat, ist ihm die Zeit zu kurz, um äußere Schulter und Arm vorwärts bringen zu können, und diesen ersten Tritt frei mit Übertreten über das innere zu machen, sodass diese Aktion fehlerhaft wird. Deshalb muss man sorgfältig den Zeitpunkt beachten, an dem das Pferd den Tritt und den inneren Fuß herunterbringt, und noch ungefähr vier Finger über dem Boden ist.

Das Pferd lässt sich nicht gut traben auf beiden Händen, ohne dass man eine solche Sorgfalt anwendet: aber man muss wissen, dass die besagten Bewegungen nicht nur schön sind, sondern auch viele Vorteile bringen, die von großer Bedeutung sind, vor allem zwei: Der erste ist, dass das Pferd, das die Volte mit dem Vorbringen der äußeren Schulter beginnt, sich nicht hinein lehnt, nicht einengt, und nicht entier werden kann auf der Volte, sofern man diese Aktion mit Hals und Kopf leitet; denn um es mit Leichtigkeit, und so, wie man will, wenden zu können, ist es eine Maxime, dass man es immer den Kopf auf der Volte halten lässt, d.h. gerade auf der runden Spur, ohne ihm jemals den Hals in irgendeiner Art zu biegen oder zu verfälschen. Die andere ist, ihm die Hanken so einzurichten, dass es nicht ein Vorderbein und das gleichseitige Hinterbein gleichzeitig anheben kann, und während es diesen ersten Tritt der Wendung mit Heben und Vorwärtsbringen von äußerer Schulter und Arm macht, ist es erforderlich, dass diese Bewegung die Hanke derselben Seite unterstützt, damit die Kruppe des Pferdes dem Kunstreiter nicht entwischen kann, deshalb soll dieser erste Tritt erst nach sorgfältigem Vorwärtsreiten gemacht werden, damit es nicht die Rundung der Volte verfälschen kann, bevor man nicht wenigstens ungefähr eine halbe Volte vollendet hat.

Der Kunstreiter soll nicht glauben, diese Regeln angemessen ausführen zu können, wenn er nicht vorher gelernt hat, bei allen diesen Rügen das Pferd, das er trainiert, gut im Gehorsam halten, ohne ihm zu sehr das Gedächtnis einzuschränken, es zu erschrecken, oder es verzweifeln zu lassen. Denn man findet viele Pferde, die niemals die Spornstöße leiden können (vor allem wenn sie zu lang und spitz sind), ohne sich zu erniedrigen oder irgendeine andere Unordnung auszulösen, und gewöhnlich haben sie weniger Mut, sich gegen den Schmerz zu wehren als gegen die Ordnung der Lektionen, fürchten aber die Gerte und und lassen sich mit ihr korrigieren. Andere dagegen, die sich verbessern durch die Hilfen und Rügen mit den Sporen, achten dagegen trotzdem sehr wenig die Gerte. Wieder andere können nicht der Unbequemlichkeit und dem Gehorsam des Kappzaums zustimmen, oder fürchten ihn überhaupt nicht, reagieren dagegen mit gutem Erfolg auf das Gebiss, und weitere, die jedes Mittel suchen, um die Wirkung des Gebisses verhindern zu können, so, wie die anderen sehr stark den Kappzaum fürchten. Nun muss der Kunstreiter das Pferd durch den Gebrauch der Hilfen und Rügen, die weniger Fehler in die Genauigkeit der guten Schule bringen, korrigieren, verbessern und anpassen und dadurch mit der Zeit es die guten Ergebnisse der anderen Hilfen und Rügen, die es noch nicht erdulden will, oder noch nicht versteht, lehren.

 

 








 

Band II, Kapitel 8


Wenn das Pferd im Trab die Kruppe aus der Volte wirft


Hat das Pferd eine sehr legere oder verfälschte Kruppe, so dass es sich bald nach dem ersten Tritt der Volte, oder an einem anderen Zeitpunkt oder Ort auf dieser, hinein lehnt durch Ausweiten mit den Hinterbeinen und diese aus der Volte wirft, was gewöhnlich die cholerischen und die Pferde mit schlechten Absichten tun, muss man jedes Mal sogleich vorsichtig die Rügen des Bügels, der Wade, des Sporns und des Kappzaums außen einsetzen, und auch die Gerte auf dieser Seite. Während des Einsatzes dieser Rügen bringt der Kunstreiter die Zügelfaust gar nicht in die Volte, er stärkt im Gegenteil die Anlehnung des Pferdemaules an den Zügel auf der Seite, zu der es sich wendet, lässt es drei oder vier Tritte geradeaus gehen, genug zurückgehalten und die genaue runde Proportion festigend, wie man auf dieser Skizze sieht, um die nötigen Mittel zu haben, die Kruppe zu korrigieren und sogleich, nachdem es in seinen normalen Trab zurückgebracht wurde, und ohne Zeit zu verlieren, das Wenden wieder aufzunehmen, wenn das Pferd sich im Geradeaus korrigiert hat, sei es nah oder fern der Stelle, auf der es den Fehler machte.

 

Für die rechte Hand:




A: Linie der Passade B: Anfang der ersten Runde C: um das Pferd im Geradeaus zu korrigieren D: um die Volte wieder aufzunehmen, nachdem das Pferd gerügt und angepasst wurde E: um sich wieder auf die gerade Linie der ersten Passade zurückzubringen, falls die Volte sauber ausgeführt wurde


An allen Stellen der Volte, auf denen das Pferd erneut mit der Hinterhand vergrößern will, muss man die besagte Aktion des Geradeaus-Vorwärtsreitens immer wieder einsetzen, ohne irgendeine bestimmte Stelle oder Größe der Volte einzuhalten, noch eine bestimmte Anzahl der Touren, je nachdem, wie gehorsam das Pferd ist, bis es schließlich die Spur der Vorhand gar nicht mehr mit den Hinterfüßen verlässt und den Körper und den Hals in einer geraden Haltung auf der Volte trägt, auf der einen wie der anderen Hand, ohne sich hinein zu lehnen, zu biegen oder einzuengen, was es ja zweifellos gelegentlich in diesen Lektionen gemacht hat. Und wie auch immer das Pferd diese besagten Fehler korrigiert, wird es keine großen Schwierigkeiten haben, sauber zu wenden, wenn man es gelegentlich seine normale Lektion auf der Volte mit dem Geradeaus-Vorwärtsreiten beenden lässt, nach besagter Skizze (und wie es hiernach besser erklärt werden wird), damit es in der korrekten Schule erhalten wird, vor allem, wenn es schwer zu korrigieren ist. Dieselbe Lektion kann auch dem Pferd nützlich sein, das von Natur aus seine Hanken zu sehr in die Volte trägt, und dem, das entier ist oder gefährdet, es zu werden, vorausgesetzt, dass man die genannten Rügen auf der Seite gibt, auf der es sich verengt, um die Hinterhand vergrößern zu lassen, gleichzeitig die äußere Kruppe heraus treibend, und es, um die Kreisbahn zu festigen, vorwärts gehen lässt, und nach der Wendung weitermacht, sobald es den Kopf zu der Seite trägt, auf der man es leichter machen möchte.

 







 

Band II, Kapitel 9


Regeln für die Volten im Galopp


Wenn man die Volte im Galopp nimmt, sei es im Geradeaus oder beim Handwechsel, soll das Pferd den ersten Takt in diesem Galopp, und danach alle folgenden, mit dem Vorderbein der Seite machen, zu der es sich wendet, was genau das Gegenteil ist zu der vorher beschriebenen Regel im Trab. Um dies besser zu erklären, muss man bedenken, dass wenn das Pferd auf der rechten Hand galoppiert, das rechte Vorderbein jederzeit den Takt angeben soll, d.h. dass es dem anderen vorausgehen soll beim Absetzen auf den Boden, und daraus folgend, dass auf der linken Hand das linke Vorderbein dasselbe tut. Dies ist die natürliche Bewegung, die fast alle Pferde machen, die locker galoppieren und sich frei bewegen, und wenn er nicht in dieser Weise ausgeführt wird, ist das ein Fehler und Reiter und Pferd sind in Gefahr zu stürzen, wenn das Terrain nur ein wenig schlecht ist. Um nun dem Pferd zu helfen, das nicht weiß oder nicht kann den ersten Takt machen, muss der Kunstreiter alle Phasen des Galopps spüren und gut verstehen und wissen, dass er, wenn er eine Volte reiten möchte (zur Unterstützung des Pferdes und um es vorwärts zu reiten), die Zügelfaust genau in dem Moment dreht, wenn es seine Schultern hebt, um die erste Galoppaktion zu beginnen, und in diesem Moment soll der Reiter mit Bein und Körper den Steigbügel an der Seite belasten, zu der er wenden möchte, sodass durch diese Aktion und durch das Gewicht das Pferd gezwungen wird, das (schon in der Luft befindliche) Vorderbein dieser Seite vorzubringen, hierdurch die Kadenz des Innengalopps auf der Volte erzeugend, und mit derselben Aktion kann man die Hand wechseln im Galopp geradeaus, durch der Andeutung dieser Hilfe oder mit der Zügelhilfe, falls das Pferd gut an der Hand ist.

Diese Aktion der Schulter oder des Vorderbeines gibt Pferd und Reiter neben der Bequemlichkeit, die ich noch erklären werde, viel Anmut, wenn sie sauber ausgeführt wird beim ersten Takt des Galopps, während man die Volte einleitet. Aber der Reiter muss seinen Körper deutlich zurücknehmen, sobald er diesen ersten Moment gut getroffen hat, wozu auch eine Neigung des Bodens viel beitragen kann, vor allem, wenn dass Pferd zu schwer auf den Schultern und Kopf ist, oder wenn es sich auf die Hand legt oder zieht, welches Fehler sind, die sehr stark gegen die besagte erste Bewegung wirken. Überhaupt muss man beim Ausführen dieses ersten Taktes dasjenige Pferd vorsichtig unterstützen, das leger auf der Vorhand ist, aber mit ganzer Hand eins, das viel Gewicht hat, damit die Anlehnung ihm das Mittel gibt, die Schulter und das Vorderbein auf der Seite der Volte besser zu erheben und vorwärts zu bringen. Jedes Mal, wenn es beim Galoppieren auf der Volte den sauberen Kreis verfälscht,muss man dieselbe Regel anwenden wie im letzten Kapitel für die Trablektion erklärt wurde, zu Beginn die Volten größer haltend, und nur nach und nach verkleinernd, je nachdem, wie das Pferd seine Fähigkeit trainiert.

 


Für beide Hände




Die Anzahl und die Verschiedenheit dieser Linien, die anfangs viele verwirren können, werden trotzdem dem klarsichtigen Kunstreiter zeigen, dass man das Pferd geradeaus gehen lassen muss, und bei Bedarf es an jeder Stelle auf ihnen vorwärts treiben muss, wenn es seine Hinterbeine zu weit vergrößert und die Kruppe aus der korrekten Kreisbahn herauswirft, oder wenn es hart werden oder sich einengen möchte, im Trab oder Galopp. Diese Linien soll man kurz oder lang halten, je nachdem wie sich das Pferd jedes Mal durch die angemessenen Rügen auf der Seite, auf der es den Fehler begeht oder nicht nachgibt, auf ihnen wieder einrichtet,. Und nachdem es sich gerade und gut gestellt hat, muss man die Volte auf derselben Seite wieder beginnen und fortführen, klein, mittel oder sehr groß, je nachdem, wie das Pferd Schwierigkeiten hat zu gehorchen beim Nachgeben zu der einen oder der anderen Seite, entier wird oder in irgendeiner anderen Weise die Aktion des Wendens fehlerhaft ausführt. Jedes Mal, wenn es diese Fehler macht, muss man diese Methode benutzen, bis es leicht und ruhig in seiner Manege ist. Deshalb sind die Kreise auf dieser Skizze ungleich platziert, und so gewählt, damit sich auf diese Weise keine feste, am Boden eingetretene Spur bilden kann, oder sie auf andere Weise markiert werden, damit das Pferd allein der Leichtigkeit und Genauigkeit der Schule gehorcht oder zustimmt. Das Beenden dieser Übungen soll immer durch das gute Urteil und die große Erfahrung des guten Kunstreiters geleitet werden, genauso wie auch ihre Ausführung. Wenn diese Skizze sehr lang aussieht, soll sie nicht bedeuten, dass das Pferd ihr komplett folgen und sie ganz vollenden soll, bevor es den Handwechsel macht, es sei denn, es handelt sich um ein im Gehorsam außergewöhnlich verstocktes Pferd. Denn im Gegenteil wünsche ich mir, dass der Kunstreiter sich davor hüte, es zu sehr unter Druck zu setzen und zu rügen, welchen Fehler es auch gemacht hat, denn exzessive Anstrengung oder zu großes Unbehagen erniedrigen es sehr oder lassen es verzweifeln. Man muss also berücksichtigen, dass diese Skizze nur gemacht wurde, um die diversen Stellen, an denen das Pferd Fehler machen könnte, von denen man es abbringen und rügen will, zu zeigen, und dass man sie so ausführen soll, dass man ihm immer das Gedächtnis erhält, und eine mittelstarke Kraft und seine Erschöpfung vermeidet; und wenn es sich auf diesen Volten im Galopp verweigert oder auf andere Weise gegen die Genauigkeit verstößt, mit großer Abwehr, so dass es weder Atem noch Kraft hat, muss man Galopp und Trab abwechseln, traben auf dem Kreis und galoppieren auf der Geraden, und ein anderes Mal galoppieren auf dem Kreis und traben auf der Geraden, um ein Mittel zu haben, diese Lektion sehr zu verlängern ohne das Pferd anzuhalten, und ohne ihm das Gedächtnis und den Vorwärtsdrang zu schwächen. Schließlich, wenn das Pferd, dass die Volte nach innen oder nach außen verfälscht, einige Male trainiert und gerügt wurde mit dieser Übung, und wenn sie angepasst ausgeführt wurde, wird es sich zweifellos korrigieren und eine viel größere Genauigkeit zeigen, als hätte man die gewöhnlichen und sehr rabiaten Hilfen angewandt

Um besser zu verstehen, wie dieses Training bequemer für die Erzielung der Genauigkeit ist als die anderen, gewöhnlichen Rügen, muss man bedenken, dass nach der gewöhnlichen Schule jedes Mal, wenn das Pferd die Kruppe aus dem Kreis wirft, man dort mit dem Sporn oder der Gerte strafen soll, an der Seite, zu der es ausfällt, aber das gilt eigentlich nur für das Vorwärts und das Wenden, und ohne dass die Vorderbeine die Kreisspur verlassen. Denn wenn das gehorsame Pferd diesen gewöhnlichen Rügen nachgeben möchte, hat es zweifellos, bevor es seinen Fehler repariert hat, schon die Stelle passiert, auf der es ihn gemacht hatte, so dass, anstatt es durch diese Strafe anzupassen, es beim Wunsch zu gehorchen den Kreis der Volte verkleinert und dies vielleicht gar an einer Stelle, an der es vorher die Genauigkeit besser eingehalten hatte.

Ich bin sicher, dass einige, die viel wissen, dazu einwenden möchten, dass die Rüge, die ohne ein Anhalten des Pferdes auf der Volte gegeben wird, es nicht den Kreis festigen lasse und es nicht aufmerksam machen könne; man solle es dagegen durch nochmaliges Passieren der Stelle, an der es gestraft wurde, erziehen, und erreiche diesen Gehorsam durch Furcht vor erneuter Strafe für denselben Fehler: ich möchte nicht sagen, dass dies nicht möglich ist: aber wenn man beim Geben dieser besagten Rüge die Zügelfaust auf die Volte gedreht hält, kann das Erschrecken und der Schmerz des Sporns und der Gerte das gehorsame Pferd häufig zu einer anderen Unordnung zwingen, bevor es die Stelle wieder erreicht, an der es vorher die Strafe bekommen hatte, und wenn der Kunstreiter glaubt, zum Abbringen von seinen Fehlern sei es angebracht, es zu rügen, jedoch gleichzeitig verhindert, dass es der Rüge zustimmen kann, stürzt er es dadurch in Unsicherheit und Verwirrung. Und schließlich ist es eine Maxime, dass jedes Mal, wenn man die Kruppe des Pferdes zu einer Seite lenken möchte, man ihm ein wenig den Kopf und die Schultern zur anderen Seite bringen muss, oder es zumindest gerade richtet; denn andernfalls macht man zwei gegensätzliche Aktionen, was nicht viel Nutzen für die Genauigkeit erzeugt, außer nach einer sehr langen Dauer. Um diese Bewegungen gut zu machen, ist es nötig, dass das Pferd ein ruhiges Maul hat, und dass es beginnt an der Seite nachzugeben, an der Sporn oder Gerte einwirken, so dass es weder hart noch entier wird, auf der einen wie auf der anderen Seite; wenn es trotzdem konfus galoppiert, ist es manchmal notwendig es beim Galoppieren häufig außergewöhnlich auf jeder Hand wenden zu lassen, bevor es wechselt, um es die Aktion des Vorderbeines üben zu lassen, das den Takt des Galopps bilden soll.

Wenn man ein Pferd, das von Natur aus feurig ist und gewöhnlich auf geradem, einheitlichem Terrain trainiert wurde, danach auf Brachland oder anderes schlechtes Gelände bringt, verfällt es leicht in Unordnung und Unruhe.

 














 

Band II, Kapitel 11


Die Beurteilung der Temperamente der Kunstreiterhand


 

Gewöhnlich sagt man, um einen Pferdemenschen zu rühmen, er habe eine sehr sanfte Hand, und um jemanden zu tadeln, dass sie extrem grob gewesen sei. Aber alle die, die sich einmischen in diese Bewertungen, wissen überhaupt nicht, woher die Sanftheit oder die Härte der Hand kommt. Das ist der Grund, warum ich diese Leute aufkläre, dass die sanfte Hand nicht verstanden werden darf als die träge und schwache, denn im Gegenteil, falls sie so ist, bringt sie häufig das Pferd zu einer Unbestimmtheit des Maules, weil sie keine normale Anlehnung verleiht, und deshalb empfindliche und sensible Laden sehr stark angreift, wenn der Kopf des Pferdes durch einen Anlass oder durch Misstrauen erschüttert wird und wie auseinandergefallen ist, denn durch die fehlende Anlehnung und Stetheit der Hand sind die Bewegungen der Hand sehr vage und sehr verschieden; dies ist ein Grund dafür, dass es erschrickt, weil es durch den schlecht geführten Zaum gewisse Schläge und Komplikationen auf die Laden und auf das Kinn erhält, so, als erhielte es starke Rucke in den Zügeln, so dass es diese manchmal mehr angreift, als wenn eine Hand sehr stet ist.

Die grobe Hand ist nicht nur zu verstehen als die sehr starke, durch die die Zügel sehr stramm gehalten werden; denn im Gegenteil, wenn sie so ist, bewirkt sie normalerweise, dass das Pferd, das eine zu starke Anlehnung oder ein sehr hartes Maul hat, sich beim Ziehen nach vorne löst ; und weil das wahr ist, sieht man gewöhnlich, dass, nachdem es die Hand des Reiters forciert hat, das sehr prompte und und nötige Gegenmittel ist, ihm häufig die Zügel nachzugeben so dass seine Furcht vor einem [ruckartigen?(„rabat de bride“);DA] Annehmen des Zaumes ihm die Bequemlichkeit, so stark an der Anlehnung zu ziehen, verdirbt oder verhindert. Am Ende sind die Grobheit und die Schwachheit der Hand nur die Folge von Fehlern in der Kunst, mangelnder Erfahrung und Urteilsfähigkeit; Sanftheit und Festigkeit dagegen entstehen aus einem soliden und subtilen Temperament, was man mit „wahrer Stetheit“ meint, die man erst nach langer Zeit der Beschäftigung mit den guten Schulen und mit den vielen verschiedenen Maularten erreicht. Denn diese Stetheit entsteht nicht nur aus den Aktionen der Hand und des Armes, sondern aus dem gesamten Sitz des Reiters, der straff und korrekt sein muss, denn wenn man den Körper wirr und fehlerhaft hält, kommen Arm und Hand durch Sprünge oder andere grobe, verschiedene Rückenbewegungen, die das Pferd ausführen kann, aus ihrer guten Stellung und der Reiter findet sich in einem derartigem Ausnahmezustand, dass seine Kräfte gänzlich damit beschäftigt sind, sich im Sattel zu halten, so dass er die Beurteilung und die Mittel verloren hat, nicht nur bezüglich des Temperaments der Hand, sondern auch all der anderen korrekten Proportionen der Schule.

Auch reicht es nicht in dieser Partie, stark zum Pferd zu sein oder die Qualität seines Maules gut zu erspüren und beurteilen; denn für ein promptes Ansprechen sind feinste und temperierte Wirkungen des Zaumes erforderlich, die aus den korrekten Bewegungen der Beine und der Gerte, zusammen mit denen der Gertenhand, entstehen sollen. Nämlich, wenn eine solche Hand den Kopf des Pferdes, das ein schwaches und nutzloses Maul hat, in eine gute Stellung bringt, beizäumt und zurückhält, muss man zu diesem Zeitpunkt durch die Bewegung der Beine (oder die Erwartung der Rüge mit diesen), die Aktion des Pferdes gemäßigt vorwärts oder treiben, gegen die Anlehnung der Hand, denn sonst wird es sich zu sehr zurückhalten oder sich einengen; falls es aber störrisch ist, oder wenn es einen anderen Anlass gibt, es lebhaft mit sehr starken Beinbewegungen anzutreiben, oder mit den Sporen, soll die Hand die forcierte Vorwärts-Aktion gut im Takt empfangen, erhalten und begleiten, sowohl im Geradeaus wie auch beim Wenden, so dass der begrenzte Gehorsam nicht verwirrt oder übereilt erfolgt, und vor allem der Kopf in seiner geraden und steten Haltung bleibt. Durch all diese Anweisungen kann man auch den Fehler derjenigen erkennen, die sagen, jemand habe zwar eine gute Hand, aber der Takt seiner Beine sei fehlerhaft; andere halten und klopfen ein richtiges Maß mit dem Bein und helfen und treiben richtig und fleißig mit dem Sporn, haben aber nicht die Korrektheit und Festigkeit der Hand. Dies richtig zu lernen ist nicht so leicht wie die meisten Reiter glauben. Am Ende ist die Stetheit und Temperiertheit der Hand korrekt, wenn durch die gut angekündigten o.g. Proportionen alle erforderlichen Bewegungen des Zaumes die richtige Anlehnung des Pferdemaules weder erzwingen noch verlieren.

 








 

Band II, Kapitel 12


Regel, das Naturell des Pferdes betreffend, das sich freier zeigt zum Springen als zum Terre à Terre


Häufig finden sich einige Pferde, die sich nach langem Stehen oder aus anderen Gründen in einer sehr lebhaften Stimmung befinden,und sich aufgrund ihrer Veranlagung von allein in gewisse holprige und unbequeme Sprünge bringen, und in ihrer Caprice bleiben, je mehr sie sich verspannt ["duis"] fühlen in ihrem sehr starken Rücken: darin kann man sie nur mit starker Erschöpfung korrigieren, und einer langen Zeitdauer, und selbst nachdem man ihnen all dies gegeben hat, unterlassen sie es nicht, jedesmal einen Anflug dieser heftigen Neigung zu zeigen: vor allem am Anfang einer einengenden Lektion oder nachdem man diese probiert hatte, abhängig davon, ob sie ihre Kräfte zu sehr zusammen halten. Ich habe schon im ersten Band erklärt, dass die Ordnung der wahren Mittel der Kunst, die man normalerweise beachten soll, um jene Pferde anzutreiben und zu lösen, die aufgrund eines üblen Mutes ihre Lebhaftigkeit und Lockerheit zu sehr zurückhalten und auch um jene zurückzunehmen, die auseinanderfallen oder stürzen durch Ungeduld oder Schwäche. Allerdings möchte ich an dieser Stelle dem Kunstreiter aufzeigen, dass wenn das Pferd über eine lange Zeit trotz der normalen Rügen in diesen falschen Sprüngen bleibt, es durch die erhobenen Schulen so werden kann, dass es ihm fast unmöglich ist, sich immer in der freien und leichten Kampfmanege zu halten, und sich durch eine beschwingte Emotion,manchmal erhebt, häufig in dem Moment, in dem es gewohnt ist, eine Rüge zu bekommen, in gleichen bösartigen Bewegungen: in der Weise, dass es, ergriffen von einer furchtsamen Ablehnung, anstatt sich in die Korrektheit zu bringen, ungeduldig seine Unausgeglichenheit und wirren Sprünge verstärkt, weil es glaubt, damit den Strafen zu entgehen, oder um sich zu wehren. Der Überfluss seiner heftigen Gefühle und seiner von Natur aus schlecht verteilten Lebhaftigkeiten kann sich aber doch manchmal vermindern oder gar verschwinden durch gut ausgeführte Courbetten oder Croupaden, und zwar besser, als wenn man nur Zuflucht nimmt zu den Drohungen und Rügen, welche man generell auf unseren Schulen verwendet um die Kräfte und den Mut des Pferdes, das sich böswillige Sprünge ohne den Willen des Reiters erlaubt, aufzulösen, einzugrenzen oder zurückzuhalten. Der Grund ist leicht genug erkennbar: denn das Pferd, das häufig von dieser Stimmung und lockeren Neigung besessen ist, wird durch die Aktion und die Ordnung der halb erhobenen Air besser seine Kräfte verteilen, als durch den Zwang völlig gegen seine Veranlagung zum Springen; und danach wird es durch eine gute Haltung in der Übung und Manege der Demi-Air besser der Leichtigkeit und Freiheit der Kampfmanegen zustimmen, als wenn man glaubt den Wunsch zu springen zu vertreiben, indem man es rigoros dazu bringen möchte, immer schon den ersten Sprung in einer niedrigeren Gangart zu machen, ohne es sanft durch eine mittlere Art herangeführt zu haben. Allerdings gebe ich diesen Rat nur für diejenigen, die das Naturell eines Pferdes sehr gut erkennen können, und aufmerksam, die möglichen Mutationen des Mutes, die es in dieser Schule machen kann, voraussehen können, falls sie nicht gut verstanden, geregelt, und ggf. angepasst wird, oder falls nötig, unterlassen wird, und außerdem nur wiederholt wird in einem gut abgemessen Takt, und je nachdem, wie ungleichmäßig das Pferd die Bewegungen ausführt.








 


 

Band II, Kapitel 13


Regeln für sehr korrekte Volten, die man beachten sollte in allen schönen Manegen


Ich möchte jetzt noch eingehen auf die schönsten und subtilen Regeln und Lektionen, durch die der gute Kunstreiter die Airs und Manegen des Schulpferdes anpassen und verfeinern kann, beginnend mit den Passaden und Demi-Volten. Nicht dass ich der Empfehlung glaube, der gewöhnlich besagt, dass man die Ausbildung des Pferdes damit beginnen sollte: denn ich habe schon im ersten Kapitel wiederholt, dass die Auswahl all der Übungen nach gutem Urteil, das heißt vor allem nach der Natur und der Kapazität des Pferdes getroffen werden soll; aber das ist eher um die Erklärung besagter Regeln leichter zu machen als die Kürze einer Demi-Volte. Und bevor ich das weiter ausführe, möchte ich dem forschenden Kunstreiter raten, der dies praktizieren möchte, dass sein Pferd bereits frei sein soll von zu großem Ungestüm und zu großer Abneigung, gut gelöst, es leicht und entschlossen von der Hand angehen muss, und leicht viele Male eng, oder wenig mittelgroß, wendet, im Trab und im Galopp, gehorsam in der ganzen Parade, beim Rückwärtsrichten und beim Seitwärts ist, einverstanden, wenn man es aufmerksam macht und forscht; nicht bösartig, verwirrt oder furchtsam, wie es gewöhnlich die Pferde sind, die ganz oder fast ganz abgestoßen sind, oder die von Natur aus störrisch sind oder eine cholerischen Charakter haben, oder hitzig, zu empfindlich oder verzweifelt sind. Aber weil mir scheint, dass ich im ersten Band zu kurzgefasst gesprochen habe über die Mittel, um ein Pferd zu lehren und es daran zu gewöhnen, der Wade, dem Sporn und der Gerte nachzugeben, um frei seitwärts zu gehen, und weil dieser Gehorsam eine der notwendigsten für die Korrektheit aller Manegen ist, werde ich in diesem Band noch einmal einige für diese Wirkung passenden Regeln besprechen.




Band II,Kapitel 14


Vom Gehorsam des Pferdes, das auf bestimmte Bewegungen des Reiters hin seitwärts geht


 

 Um dem Pferd ein leichtes Verstehen der Hilfen des Reiters zu verschaffen, die es seitwärts gehen lassen sollen, muss er vor allem, wie bei allen anderen Übungen, beobachten, welche Mittel der Natur dieses Pferdes am besten entsprechen. Wenn er erkannt hat, dass es sensibel, aufbrausend und leicht an der Hand ist, bringt er es an einen ebenen und großen Platz, auf dem er es in kurzem Schritt [petit pas] geradeaus gehen lässt, und es sanft seitwärts schiebt, unter Anwendung der üblichen Hilfen und Rügen, sei es mit dem Gebiss, dem Kappzaum, mit dem Unterschenkel, dem Sporn oder der Gerte, es dabei immer auch vorwärts gehen lassend, in der Art, dass es ohne holprig zu werden, so viel geradeaus und seitwärts geht, wie es hier durch die beiden Linien dargestellt ist.




An der Linie A kann man die ganz gerade und natürliche Haltung erkennen, die das Pferd beibehalten soll, ohne den Körper und den Hals zu biegen; durch die Linie B wird die Spur dargestellt, die von den Vorderbeinen während dieser ersten Übung eingehalten werden soll, wobei sie vorwärtsgehen und kreuzen [chevaler]. Linie C zeigt den Weg der Hinterbeine und die Übungsrichtung, wie sie auch durch die eingezeichneten Hufeisen angezeigt wird.

Hat man auf diese Art zwölf oder dreizehn Schritte auf einer Hand zurückgelegt, lässt man es für drei oder vier Schritte geradeaus vorwärts gehen, wie auf der Linie D in der nachfolgenden Skizze, danach lässt man es zur anderen Seite gehen, wobei man immer eine Biegung des Halses oder ein Tragen des Kopfes zu irgendeiner Seite verhindern muss.

Hat das Pferd allerdings große Schwierigkeiten, diesen Hilfen zu gehorchen, zum Beispiel durch fehlendes Verstehen, soll man dem nicht mit rabiaten Methoden begegnen und ihm damit eine Ursache zu großer Unordnung zu geben, sondern lieber einen Helfer zu Fuß auf der äußeren Seite gehen lassen und dabei mit einer Hand an der Schulter des Pferdes und der andern am Sattelblatt das Pferd schieben lassen, immer dann, wenn es das Vorderbein dieser Seite hebt, um es dazu zu bringen, dieses über das andere Vorderbein zu führen und angehoben zu kreuzen. Dabei muss man notwendigerweise das Vorwärtsgehen beibehalten und dann in dem Maße, wie das Pferd diese Aufforderungen und Hilfen zu verstehen beginnt, hält man es nach und nach zurück, bis es ganz ohne die Unterstützung des Helfers mit geradem Hals und Rumpf frei zur Seite traversiert, ohne vorwärts zu gehen und ohne seine Füße zu verletzen oder aus dem Rhythmus zu kommen.

Der Helfer zu Fuß sollte Kunstreiter sein, mit der Erfahrung zur Beurteilung des rechten Momentes zum Schieben, dann nämlich wenn das Pferd das äußere Vorderbein und die Schulter zum Vorwärtsgehen anhebt, die er vorwärts und kreuzen lassen will. Und derjenige, der darauf sitzt, soll es sorgfältig und aufmerksam unterstützen und vorwärts treiben, passend zum Schieben des Helfers zu Fuß und es auch anhalten und loben, wenn es sich gehorsam gezeigt hat.





Diese Übung soll auf beiden Händen gleichmäßig weitergeführt werden, da es wichtig ist, auf beiden Händen diese Fähigkeit gleich gut auszubilden. Sollte das Pferd nicht tolerieren, dass der Helfer zu Fuß es berührt oder gar schiebt, soll dieser trotzdem neben ihm gehen, mit einer guten Peitsche in der Hand, und ihm damit manchmal an Schulter und Flanke drohen, wenn es nötig ist, oder es bei Bedarf damit touchieren, aber niemals so, dass es aufbraust oder Angst bekommt, wenn es nicht völlig verstockt ist und man nicht schon lange alle erdenklichen sanftesten Mittel versucht hatte.

Weil diese Übung sehr stark gegen das Naturell der Pferde geht, muss man, wenn die vorherige Übung sich als zu schwer erweist, zunächst das Pferd nach einem oder zwei traversalen Schritten vier oder fünf geradeaus vorwärts machen lassen, und danach wieder traversal, wodurch es viel leichter die Hilfen annimmt, und der Helfer zu Fuß viel leichter den passenden Zeitpunkt zum Schieben trifft. In dem Maße, in dem das Pferd diese Übung erkennt und versteht, nimmt man subtil mehr und mehr das Vorwärts aus der Bewegung, und verstärkt das Travers, weiter und weiter, bis es frei seitwärts ohne jedes Vorwärts geht, wie in der folgenden Skizze zu erkennen.



 

An der Leichtigkeit bei der Ausführung kann man beurteilen, wie ich schon erklärte, ob sie für das sensible, ungeduldige Pferd, das gut an der Hand ist, geeignet ist. Denn hat es dieses Naturell, wird es auch ein Gegner der Unterordnung durch zu viel Zwang sein, und ebenso der sehr engen und genauen Lektionen und Hilfen, besonders zu Beginn neuer Übungen.

Ist es aber von Natur aus schwach, oder legt sich auf oder zieht an der Hand, kann der Kunstreiter die Bequemlichkeit einer geraden und langen Wand suchen, und das Pferd ca. einen Schritt gegenüber dieser mit dem Kopf zur Wand stellen.

Er kann dann versuchen, es nach und nach entlang dieser Wand seitwärts gehen zu lassen, zu einer Seite wie zur anderen, bei Beginn ohne volles Travers, damit es beim Übertreten nicht das stehende Bein verletzt; die Kruppe mehr zur äußeren Schulter haltend, sodass es besser auf den Weg sehen kann, den es gehen soll, und um die Schulter und das Vorderbein, das weitergehen und kreuzen soll, zu heben. In dem Maße, wie es diese Übung leichter ausführt, lässt er mehr und mehr die Kruppe auf die Höhe der Schultern aufschließen, bis ein ganz gerades Seitwärts erreicht wird, ohne Biegung des Rumpfes und des Halses und ohne Bewegung des Schweifes.

Die Hilfe des Kunstreiters am Boden zum Schieben des Pferdes, wie oben erwähnt, ist sehr nützlich am Beginn dieser Übung, weil er bei Bedarf das Pferd dazu bringen kann, seitwärts zu gehen, indem er ihm die Peitsche in seiner Hand zeigt.



 A: Wand     B: Spur der Vorderbeine     C: Spur der Hinterbeine

 

Der Grund, warum diese Übung gut geeignet ist für Pferde, die schwer auf der Hand sind, oder die an der Hand ziehen, ist, dass sie nah an der Wand mit dem Kopf zu dieser, nicht nur zum Seitwärtsgehen gezwungen werden, sondern auch dazu, sich zu versammeln und die Vorhand aufzurichten. Und wenn es stätig und störrisch ist, ist sie gut geeignet seine natürlichen Fehler zu verbessern.

[Der nächste Satz wird nicht übersetzt, da die Methode zu rabiat für heutige Verhältnisse ist;DA]

Über allem möchte ich dringend raten, dass der Kunstreiter in keiner Situation (wenn er nicht unbedingt dazu gezwungen ist) Gewalt anwendet mit neuen und unbekannten Strafen, besonders nicht bei Fohlen und jungen Pferden, sowie bei phlegmatischen oder furchtsamen, oder zu sensiblen, aufbrausenden oder hitzigen Pferden, um nicht bei den einen Kraft und Mut zu unterdrücken und zu schwächen, oder die anderen verzweifeln zu lassen.






 

Band II, Kapitel XV

 Regeln der Passaden und Demi-Volten

 
 Nachdem der erfahrene Kunstreiter sein Pferd nun die vorgenannten Gehorsamsübungen gelehrt hat, bringt er es an einen Ort mit ebenem und geradem Boden, auf dem er es geduldig promeniert und zunächst mindestens zwei Mal mit der Örtlichkeit und den ersten Proportionen der Passaden vertraut macht.

Wenn es die Umgebung kennt, lässt er es in einem schönen Schulschritt eine Passade von der Länge gehen, die er als richtig ansieht (je nach Naturell, Leichtigkeit, Wildheit, oder zu viel Entschlossenheit des Pferdes), und an deren Ende im gleichen Schritt eine Wendung nach rechts machen.

Er beginnt zu dem Zeitpunkt zu wenden, an dem es das rechte Bein am Punkt B auf den Boden setzt, so dass es durch die natürliche Bewegung der linken Schulter gezwungen ist, beim ersten Schritt in der Demi-Volte den linken Fuß über den rechten zu kreuzen, und weiter jedes Mal beim Weitergehen das linke Vorderbein frei über das rechte führt.

Dabei soll man ihm seinen Kopf rechts vom Weg stellen, dabei aber ein Durchhalten von Gebiss und Kappzaum verhindern und durch Anlegen und Benutzung des gegenüberliegenden Schenkels und Sporns und bei Bedarf der Gerte, ein Verkleinern oder Vergrößern vermeiden, ebenso wie ein Hinauswandern der Hinterbeine von der Linie der Passade und der Stelle, die mit A markiert ist, bis die Vorderbeine ohne Verwirrung am Buchstaben C angekommen sind.

 


 

D: erste Linie    E: zweite Linie    

F: dritte Linie, auf der Passade nach dem Schließen der Demi-Volte, die man bei B gestartet hatte

G: Passade


 

Sollte das Pferd, anstatt die Vorderfüße korrekt durch die Figur zu führen und sie direkt am Punkt C hinzustellen, zu stark verkleinern oder vergrößern, lässt man es vorwärts oder rückwärts oder zur Seite gehen, bis es gerade auf der zweiten Linie und über den darauf markierten Buchstaben steht.

Man lässt es genau an dieser Stelle auf der zweiten Linie stehen, so lange wie nötig um die Unruhe zu vertreiben und es wieder zu Gehorsam zu bringen und das Gedächtnis anzuregen.

Danach muss man es genauso durch den Rest der Demi-Volte führen und dann mit allen vier Beinen gleichzeitig auf der Linie der Passade enden lassen, und sofort, wenn es die Vorderfüße als Drittes genau auf dem Punkt D aufsetzt, wie die nachfolgende Zeichnung erklärt, es mehr vorwärts als zögerlich vorantreiben, dabei peinlich genau auf die korrekte Ausführung achtend.

 



Wenn das Pferd gut und geduldig begonnen und die Demi-Volte nach rechts beendet hat, lässt man es vorwärts geradeaus auf derselben Passade gehen, auf der man gekommen ist, und an deren Ende eine Demi-Volte links ausführen.


 

Aber jedes Mal, wenn das Pferd sich lange verweigert bevor es zustimmen will, oder bevor es überhaupt verstanden hat, diese ersten Proportionen der Demi-Volte im Schritt auf einer Hand auszuführen, muss man die Passade länger machen als normal, vor allem, wenn es dabei sehr viel Unbehagen empfindet, oder wenn irgendeine Unruhe in der oder beim Verlassen der Demi-Volte auftritt. Denn durch die Strecke, die es auf den Passaden zwischen den Demi-Volten zurücklegt, kann man ihm häufig viele Missempfindungen, Erstaunen oder schlechte Eindrücke, die es empfangen haben könnte, und die die gute Ausführung stören, vertreiben.

Sollte es jedoch leicht gehorchen und ohne sich zurückzuhalten, und gut an der Hand sein, kürzt man die Länge der Passade in dem Maße, wie es die Lektion besser ausführt, aber nicht kürzer als sechs Schritte.

Ist es hingegen wild oder hat es ein schwaches und zu nachlässiges Maul, würden die kurzen Passaden gegen die Entschlossenheit zur Manege und eine gute Anlehnung an die Hand arbeiten, und ich empfehle dem Kunstreiter dies stets zu berücksichtigen, wenn er in der Lage ist, das zu beurteilen.

Man muss sehr aufpassen, dass das Pferd, um diese erste Genauigkeit zu erzeugen, die Passade gerade, und die Runde der Demi-Volte mit den Vorderfüßen ohne Hast oder Zögern geht; die Hinterbeine sollen die Mitte beachten.

Der Sinn dieser Demi-Volte ist es, die Hankenbewegungen ausgewogen zu halten, ohne dass der Körper des Pferdes in Zwang kommt oder der Hals sich biegt, denn das sind meistens die Fehler derjenigen, die sich nicht an diese Regeln halten.

Mehrere Meister gehen sehr fehl, nicht an die Perfektionierung durch diese Genauigkeit des Schrittes und generell der drei Aktionen zu glauben, wohingegen der klarsichtige Kunstreiter erkennen kann, wie hilfreich diese Lektionen sind.

Ein wichtiger Irrtum ist, ein von Natur aus sensibles oder schwaches Pferd zu biegen oder ihm dieses zu gestatten, und dadurch seinen Kopf und seine Aufmerksamkeit außerhalb der korrekten Figur der Demi-Volte zu halten, und als Konsequenz die Schulter entgegen der Bewegung zurückzuhalten, die frei und unbedingt die weiter vorgehende sein soll, weil sie den Raum der Demi-Volte markiert, wovon die Leichtigkeit Letzterer abhängt.

Die anderen beiden häufigen Fehler bestehen darin, das ungeduldige Pferd hasten und zappeln zu lassen, oder, das wilde zurückzuhalten und zusammenzuziehen beim Beenden und Schließen der Demi-Volte auf der Linie der Passade.

Im Gegenteil möchte ich, dass das Pferd bei Beginn und beim Beenden einen abgemessenen, zurückgehaltenen und ganz gleichmäßigen Schritt geht, und dazu den Kopf, den Blick und den Mut auf die korrekte Bahn dieser Übung richtet, dabei den Körper von Kopf bis Schweif gerade und fest hält, und sich gleichmäßig auf seine Beinen stützt, und vor allem die Aktion der gegenüberliegenden Schulter frei und vorwärts gerichtet ausführt. Dazu soll der Kunstreiter eine gewandte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit benutzen, und trotzdem sehr aufmerksam sein, damit er weder seine Takt, noch seine korrekten Bewegungen stört.

 

Man sieht häufig cholerische und ungeduldige Pferde, die von Natur aus nicht erfreut über diese erste Unterordnung sind und große Schwierigkeiten machen, besonders beim erstmaligen Einwärtshalten der Kruppe an ihrem korrekten Platz in der Demi-Volte. Bei diesen soll der Kunstreiter niemals rabiate Strafen verwenden, wenn er es nicht vorher lange mit sanftesten Mitteln versucht hat. Falls nötig, kann man einen Helfer am Boden es streicheln und subtil mit den Händen schieben lassen oder ihm mit einer Gerte an der Seite drohen lassen, wenn die gewöhnlichen Mittel dessen, der darauf sitzt, nicht ausreichen um dagegen an zu gehen.

So muss man hier das Ende dieser Lektionen im Trab, oder im Galopp, auf einer ganzen Volte mit einem Hufschlag, oder mit zweien (redoublee), ausführen, wenn das Pferd eine explosive oder wilde Stimmung hat, damit es durch diese verschiedenen Bewegungen zu Abschluss der Übung von seinem Unbehagen bei der Unterordnung in dieser neuen Schullektion, die es noch nicht kennt oder die gegen seine Natur ist, abgelenkt wird.

Denn wenn bei diesen Anfängen das sensible Pferd mit einer sehr feurigen Stimmung, dass sich fürchtet und nachtragend ist, sehr rabiat geschlagen und gerügt wird, würde es in seiner Konfusion vielleicht stürzen, um solchen Taten der Verzweiflung zu entfliehen, oder könnte eine solchen Hass auf diese erste Übung entwickeln, dass der Kunstreiter sich gezwungen fühlt, zurück zu schlagen, mit gewissen anderen Mitteln der Schule, die sehr gewöhnlich und wenig perfekt sind.

 

Aber mit erfindungsreicher Geduld kann er es dazu bringen, diese ersten Regeln zu verstehen und sich daran zu gewöhnen, und zweifellos sehr viele andere sehr schöne nachfolgen zu lassen, und es ihm viel leichter zu machen, wenn es nicht die sehr ordinären gewalttätigen Strafen zu spüren bekommt.

 

 


A Linie der Passade     B Volte auf einer Spur     C zurück zur Linie der Passade      D zum Anfang der Volte

E um diese Volte zu schließen und gleichzeitig zu halbieren und um zurück zur Linie der Passade zu gehen


Ich überlasse dem Kunstreiter die Wahl zwischen den beiden Arten der Passaden: im Allgemeinen meine ich, dass die erste dem Pferd, das sich von Natur aus zurückhält, mehr Freiheit gibt und dass die Proportionen dieser Volten auf einer Spur zu erkennen ist, wenn die Vorder- und die Hinterfüße nicht denselben Weg gehen.

Wenn das Pferd diese erste Regel im Schritt gut verstanden hat, bringt man es auf der Linie der Passade in den Trab und hält es an den Enden an, darauf achtend, die Ausführung gemäß der Anforderungen seiner Natur zu gestalten, d.h. ob es schwer in der Hand ist oder an der Hand zieht, feurig ist, schwer gebaut, oder einfach schwach.

Man lässt es auf den Hanken anhalten, mit sehr starker Unterordnung, egal, ob es von Natur aus gehorsam und leicht in der Hand ist, oder ob es sich wild zurückhält oder nichts von alledem, denn man muss diesen Parade-Lektionen auf dieselbe Art bei allen Arten von Pferden, ohne ihre verschiedenen Naturelle zu beachten, in derselben Art und Weise ausführen!

Hat man das Pferd also schön durchpariert am Ende der Passade, lässt man es mindestens ein oder zwei Schritte vorwärts gehen auf der ersten Linie markiert mit B, um die Demi-Volte gut zu beginnen; sie soll genau so ausgeführt werden, wie ich es oben beschrieben habe; wenn aber das Pferd am Anfang hastet, sich eng macht, vergrößert, oder es diese Demi-Volte im Schritt falsch beginnt (weil es den Trab geradeaus nicht gewohnt ist und durch die Unterordnung beim Halt auf der Passade) führt es der Kunstreiter auf die zweite Linie, bezeichnet mit C, die das erste Viertel begrenzt, wie man es bei den Lektionen der ganzen Volten [oben,DA] besser sieht.


 

Sodann bringt man es zurück auf seine korrekte Passege, frei und ohne Unordnung auf dieselbe gezeichnete Spur, genau zum Punkt B auf der ersten Linie, ohne dass die Hinterfüße den Mittelpunkt, der mit A bezeichnet ist, verlassen, und streichelt es bei einer guten Ankunft der Vorderbeine auf dem Punkt B, oder lässt es weiter vorwärts gehen auf der vorgenannten ersten Linie: je nachdem wie es diese Wiederholung ausführt, lässt man es sich verkürzen, biegen oder strecken, oder auf dieser Linie rückwärts treten, abhängig davon, ob es zu sehr vorwärts drängt oder auf die Schultern fällt oder sich auf die Hand legt; oder man touchiert es auf der Seite, auf der es vergrößert, verengt oder fest wird.

Danach lässt man es wieder beginnen (auf der ersten Linie und an der Stelle, an der es am meisten Gehorsam gezeigt hat), auf demselben Viertel der Volte, das auf der zweiten Linie beendet werden soll bei C, was die Bewegung einer Demi-Volte ergibt, dabei Genauigkeit anwendend, mit so großer Geduld und Gewissenhaftigkeit wie man kann.



Weil die obige Zeichnung den Geist derjenigen verwirren könnte, die den zweiten Band bis zu dieser Anleitung nicht verstanden haben, sage ich nur, dass die oben zu sehenden Bahnfiguren, außer dem ersten Viertel, das man an den vorgenannten Buchstaben erkennen kann, zeigen, dass wenn das Pferd sich aufregt wegen der Strafen, die es aufgrund seiner Fehler bekommen hat, weil es fehlerhaft auf die erste Linie zurückkehrte (was ich noch erklären werde), oder es durch irgendeinem anderen Anlass gar nicht erst dieses erste Viertel beginnen will, während die Vorderbeine noch auf B stehen, so muss man es geradeaus gehen lassen, entlang der ersten Linie: nicht nur ein oder zwei Mal, sondern so häufig, wie es dieses vorgenannte Viertel nicht gut beginnen will. Denn in dem Maße, wie es gut geht während der ersten Lektionen, ist die Stelle gut, an der es auf der ersten geraden Linie gut begonnen hat.

Denn jedes Mal, wenn es auf der zweiten Linie, C, angekommen ist, bewertet der Kunstreiter jeden Fehler im ersten Viertel und bringt es häufig geduldig und korrekt zurück auf die erste Linie, wo er wieder beginnt und es dasselbe Viertel wiederholen lässt, und dabei nach und nach den Fehler erkennt, und um ihn, falls nötig, zu korrigieren.

Wenn es aber gut beginnt und korrekt wendet und auf der zweiten Linie ankommt, ohne die korrekte Form verfälscht zu haben, lässt er es weitergehen, und die Demi-Volte vollenden, im selben Schritt und in derselben Ordnung, ohne anzuhalten oder es in seiner gut gestalteten Aktion zu stören.

Dagegen muss er es jedes Mal bei einem Fehler während dieses letzten, zweiten Viertels der Demi-Volte das Pferd korrekt auf der zweiten Linie, C, versammeln, und es seinen Fehler wieder ausbessern lassen, genauso wie im ersten Viertel, und dann nach Wiedereintreffen auf der ersten Linie die komplette Demi-Volte wieder zu beginnen.

Wenn es sie genau und ganz ausgeführt hat, bringt der Kunstreiter das Pferd in den Trab geradeaus, um dasselbe dann auf der anderen Hand auszuführen. Diese Abfolge ist normalerweise geeignet für die sensiblen Pferde mit gutem Willen, die aber trotzdem unzufrieden sind durch den Zwang der Einwärtshaltung der Hanken in der Volte.



 

Es gibt einige Pferde, die von Natur aus einen harten und steifen Hals haben, oder zu beladene Schultern, eine zu feste Anlehnung an das Maul, oder irgendwelche Ängste oder die verzweifeln, und deshalb entier oder zurückhaltend werden auf dieser Demi-Volte im Schritt, durch die Wiederholungen und die Dauer, so dass sie häufig auf der zweiten Linie korrigiert werden müssen; und andere, die so sensibel und ungeduldig sind, dass diese Abfolgen sie häufiger konfus anstatt leichter machen bei der Ausführung der Lektion.

Oder solche, deren Stimmungen dazu führen, das man, anstatt sie auf der zweiten Linie anzuhalten, sie lieber die Demi-Volte vollenden lässt, ohne ihren Schritt zu unterbrechen, welche Fehler auch immer sie machen, aber dabei trotzdem so korrekt wie möglich reitet. Haben sie einen Fehler in der Genauigkeit gemacht, beim Beginn, in der Mitte oder am Ende der Demi-Volte, lässt man sie vorwärts gehen auf der Linie der Passade, zwei oder drei, oder mehr oder weniger Schritte, je nachdem, wie stark sie sich zurückhalten; oder aber man lässt sie rückwärts treten, sofern sie zu sehr voran drängen oder auf die Schultern fallen oder sich auf die Hand legen. Statt sie geradeaus vorwärts zu schicken, um zum anderen Ende der Passade zu gelangen, muss man sie korrekt versammeln, lösen und gerade auf die erste Linie, auf der sie vorher gestartet waren, zurückbringen, um danach wieder zu beginnen und dann die Demi-Volte genauer einzuhalten; dieses soll man weiter fortsetzen, immer dann, wenn sie Fehler in der Genauigkeit gemacht haben, aber nur, bis sie verstehen, dass sie nicht zum anderen Ende der Passade gehen dürfen, bevor sie diese Demi-Volte nicht gut begonnen und beendet haben.

Wenn sie sie jedoch gut und freundlich ausgeführt haben, soll man sie streicheln und dann weitergehen lassen, im Trab geradeaus und lebhaft auf der Linie der Passade, um von neuem eine weitere auf der anderen Hand auszuführen.



A: erste Demi-Volte        B: erste Wiederholung        C: Wiederholungen der ersten Demi-Volte, weiter vorn, wenn nötig


Der Kunstreiter muss bei seinen Wiederholungen der Viertel und der Demi-Volten, wie auch bei den Lektionen, die danach kommen werden, wissen: wenn das Pferd, anstatt frei auf beiden Händen zu wenden, von Natur aus oder erworben, hart und steif zu einer Seite ist, und sich auf der anderen Seite verengt, wie es häufig vorkommt, so muss er auf der schwierigen Seite die Spur größer für die Hinterfüße machen, um mit dieser Freiheit das Auftreten von Festwerden (entier) oder von Schwachwerden zu verhindern.

Wenn es aber die Anlehnung verliert oder die Hinterhand zu sehr ausfällt, soll man sie enger reiten als in der normalen Größe und auch zulegen, wenn erforderlich.

Ist es hingegen leicht und entschlossen im Trab und Galopp und auf jeder Hand gleich (was ja eigentlich die Voraussetzung für den Beginn dieser engen Lektionen sein sollte!), muss man trotzdem die Exaktheit beachten und die gleichen Proportionen bei allen Wiederholungen, wie in den richtigen Vierteln und Demi-Volten der Hauptlektion. Man muss auch berücksichtigen, dass die eingezeichneten Wiederholungen an den verschiedenen Stellen dieser Skizzen, außer der ersten Demi-Volte, zeigen sollen, dass man diese andern Stellen nicht braucht, wenn das Pferd sich willig zum Gehorsam und Gedächtnis zeigt, und man es nie vorwärts schicken oder zurückhalten muss auf der geraden geraden Linie der Passade vor der Verbesserung und Wiederholung des fehlerhaften Viertels (oder nach der Wiederholung), es sei denn bei Zurückhaltung oder Vorwärtsdrängen, oder bei Auseinanderfallen oder zu stark vorwärts drängen.

Denn besonders vor dem Ausführen der Wiederholungen dieser Demi-Volten oder der ganzen Volten, ist es in jedem Falle nötig, das das Pferd durch Drohungen oder Strafen erkennt, worin es gefehlt hat. Schließlich sollen alle Bewegungen dieser Übungen so gut beachtet werden, wie es möglich ist, denn ein guter Gehorsam ist sehr nützlich.

Die oben beschriebenen Lektionen entspannen und ermutigen das Pferd durch den Trab auf der Passade; dieser macht es leichter an der Hand, den Kopf sicherer und er verbessert die Anlehnung an das Maul durch die gut ausgeführten kontinuierlichen Paraden. Es wird befähigt und sein Gedächtnis wird gestärkt durch die geduldig und sorgsam ausgeführten Proportionen der Rückführungen und Wiederholungen der Demi-Volten







 

 

Zweite Regel der Passaden und Demi-Volten, terre à terre


Band II, Kapitel XVI

Wenn das Pferd frei frei und locker auf der Passade trabt, wenn es beim Parieren gehorsam und gut an der Hand ist, genau und leicht in der Demi-Volte im Schritt, muss der Kunstreiter sich Gedanken machen, welche Air oder Übung am meisten für das Naturell seines Pferdes geeignet ist.

Und wenn er herausgefunden hat, dass die Gangart Terre-a-Terre mehr seinen Kräften und seinem Körperbau entspricht als die hohen Schulen, macht er weiter die o.g. Figur, aber dann, wenn das Pferd im Schritt und gerade auf der zweiten Linie der Demi-Volte ankommt, versammelt er es und treibt es gleichzeitig weiter, um das letzte Viertel zu schließen, mit ein oder zwei Sprüngen in einem versammelten Galopp, der trotzdem niedrig und sorgfältig ist, und beendet so diese Demi-Volte ganz, indem das Pferd mit allen vier Füßen gleichzeitig ganz gerade auf der Linie der Passade ankommt, wobei die Vorderfüße auf Punkt D landen.



A: Spur der Passege in der o.g. Proportion     B: Spur der o.g. Sprünge im versammelten Galopp    C: Spur der Rücktour im Schritt

 

Ich wünsche mir, dass der Reiter viele Stellen und Gelegenheiten in Erwägung zieht, und empfehle die Genauigkeit und Leichtigkeit bei jedem Beginn dieser Figur, damit er es nicht macht wie die gewöhnlichen Reiter, die, wenn das Pferd seine Figur schlecht beginnt, es trotzdem nicht aus der Figur führen, sei es weil sie den Fehler nicht bemerken, oder weil sie glauben, es durch Weiterführen der Wendung zu korrigieren, und es den Fehler durch ein besseres Ende wiedergutmachen zu lassen. Ich möchte nicht sagen, dass man dieses nicht gelegentlich machen sollte, wenn das heftige und mit einem starkem Rücken ausgestattete Pferd sich beim Beginn seiner Air und seiner Manege zu sehr zusammenzieht, oder wenn es entier zu werden droht, aber bei diesen Lektionen des Gehorsams und des Gedächtnisses, die geeignet sind für ein Pferd mit gutem Temperament und guter Kraft, verstehe ich nur nicht, dass wenn das Pferd (falls es an diese Bahnfigur gewöhnt ist) ein Viertel der Volte fehlerhaft ausführt, man es auf der nächsten geraden Linie versammeln soll, und es von dort weggehen lassen soll.

So wünsche ich, wenn es in irgendeinem Teil innerhalb seiner Passege, oder bei irgendeinem Sprung seiner Air, auch zu Beginn, die korrekten Proportionen dieser Demi-Volten nur etwas verfehlt, der Kunstreiter es ganz kurz versammelt, so ruhig wie er kann, und ohne Unordnung auf der Stelle, an der es den Fehler begann, und auf einer etwas erweiterten Volte, es seinen Fehler wiedergutmacht, damit es ihn erkennen und korrigieren kann, wie ich es genauer erklärte bei den Lektionen der ganzen und redoublierten Volten.

Um alle diese Figuren besser auszuführen, soll der Kunstreiter zuallererst bei allen diesen Lektionen die Kräfte, den Atem und den Mut des Pferdes gestärkt haben durch ein gutes Training des Schrittes, des Trabes oder des Galopps, je nach seiner natürlichen Veranlagung, die er erkannt hat.

Mit großer Mühe macht das Pferd die letztere Lektion, ohne bei Beginn sich zu sehr zu schließen, einzuengen, zu biegen oder auszufallen; aber um beim Wenden die Hinterfüße genau auf im Zentrum der Demi-Volte zu halten, und auf dieser lebhaft die Bewegung der Schultern zu erleichtern, muss man ein wenig den Zügelarm und die Zügelfaust nach vorn führen, um das Pferd vorwärts zu leiten, ohne es jedoch aus dem Kreis der genannten Volte heraus zu treiben; ihm gleichzeitig mit der Gerte helfen, vorsichtig an der Schulter nahe dem Beginn des Rückens, oder an der anderen Schulter; es dabei verkürzend, vorwärtsgehend und immer aufmerksam haltend, durch subtile und genaue Bewegungen der [Reiter-]Beine, und dies viel stärker zu der Seite, auf der es sich verengt oder erweitert.

Jedes Mal, wenn es einen kleinen Fehler macht in dieser zweiten Art der Demi-Volte, sei es bei der Air oder bei der Genauigkeit der Bahnfigur, führt man es häufig wieder, ohne zu weit raus zu gehen, auf die erste Linie, um dort wieder die Demi-Volte zu beginnen und auszuführen, bis sie korrekt und schön proportioniert ist; ich sage deshalb auf die erste Linie, weil das erste Viertel, dass es im Schritt macht, zur Entschlossenheit der Air im versammelten Galopp dient, mit dem es das zweite Viertel und die Demi-Volte schließen soll.

Danach bringt man es an das andere Ende der Passade , um dort dieselbe Lektion auf der anderen Hand auszuführen.

In dem Maße, wie das Pferd leicht wird in diesen zwei oder drei versammelten Galoppsprüngen, mit denen es das letzte Viertel der Demi-Volte schließt, wird es zweifellos dazu neigen, sich schon in diese Air zu bringen, bevor es im Schritt die zweite Linie erreicht und von da an ist die Zeit erreicht, es ruhig auf der Linie der Passade geradeaus galoppieren zu lassen, aber nicht eher.

 







 









 

Band II, Kapitel 17


Dritte Regel der vorbeschriebenen Passaden und Demi-Volten


 

Sobald das Pferd sie ausführt wie ich bis hier erklärt habe, verstärkt der Kunstreiter die Anforderung dieser Lektion und lässt es die Passade im ruhigen oder kräftigen Galopp ausführen, je nachdem, ob es sich von Natur aus zurückhält oder hineinstürzt in den Galopp, und lässt es an deren Ende sorgfältig durchparieren, ohne es zu sehr auf den Hanken zusammenzunehmen, oder auf die Schultern fallen zu lassen, oder zu sehr Anlehnung nehmen zu lassen, sondern in einer Weise, die eine gute und stete Haltung ergibt, in der es aufmerksam seine Kräfte und Lockerheit auf die Air und den Gehorsam der Volte richtet. Jedes Mal aber, wenn sich die Parade als fehlerhaft erweist, lässt er das Pferd rückwärts, vorwärts oder seitwärts gehen, je nachdem ob es zu gestreckt, zu sehr auf der Hand oder zu zurückhaltend war, oder sich zu sehr eingeengt hatte, oder falls es die gerade Linie der Passade verlassen hatte, aber sonst nicht. Um die Ordnung und die Mittel zur Verbesserung dieser Paraden besser zu erläutern: jedes Mal, wenn das Pferd sich beim Durchparieren zurückhält oder sich biegt, soll der Kunstreiter es sofort wieder geradeaus angehen lassen und, ohne Zeit zu verlieren, lebhaft die vorausgeahnte Stelle verlassen, um die Parade anderenorts stärker und kräftiger zu wiederholen. Um wenn der Kunstreiter bei dem, oder nach dem Angehen fühlt, dass es erneut seine Kräfte zurückhält, soll er es stärker und weiter vorantreiben und nicht aufhören, die Passade bzw. den Rennkurs zu verlängern, bevor er das Bedürfnis stehenzubleiben vertrieben hat.

Wenn es sich aber im Gegenteil beim Durchparieren am Ende der Passaden zu sehr auf die Schultern legt, oder auf die Anlehnung der Hand, lässt man es jedes Mal, wenn es fehlerhaft war, rückwärts gehen bis zur Demi-Passade (gemessen von der Stelle des Anreitens), ohne es dabei von der geraden Linie abweichen zu lassen, und nachdem man ihm die Hand nachgegeben hat und es auf der Stelle stehen lassen hat, an der es den letzten Schritt im Rückwärts gegangen war, lässt der Kunstreiter es gut wieder angehen, ohne es zu überfallen, und nutzt die Gelegenheit und den Zeitpunkt, um es besser beizuzäumen und zu versammeln in der Aktion der Parade.

Und so wie ich möchte, dass das störrische Pferd stark vorangetrieben wird, falls es die fleißige Ausführung der Passade verweigert, möchte ich auch, dass man jenes locker und mit Geduld auf den Hanken zurückhält, das zu ungeduldig und zu entschlossen ist, oder das sich zu sehr auf die Vorhand legt, sei es aufgrund einer Schwäche der Glieder oder weil es von Natur aus schwer in der Vorhand ist. Denn durch diese Mittel kann man sowohl das eine als auch das andere zum Gehorsam bringen und zu den korrekten Proportionen der ganzen Parade.

Und sobald das Pferd bei diesen Passaden die Lockerheit und Fähigkeit erreicht hat, die es aufgrund der Vereinigung seiner Kräfte und seines Ausbildungsstandes durch das Training der vorangegangenen Lektionen erreichen kann, lässt der Kunstreiter es zwei oder drei Schritte ohne Konfusion vorwärts gehen, und es sodann gleichzeitig die Air und die Demi-Volte beginnen, es ohne Gewalt mit allen notwendigen Hilfen unterstützend, vor allem mit der Gertenhilfe, die die bestgeeignete zum Verbessern der Air dieser ersten Übungen ist; und bei allem verhindernd in diesen Anfängen, dass es sich einengt oder zu hastig wird, denn diese ersten Fehler können viele andere Fehler hervorrufen, nämlich u.a. die Kraftlosigkeit oder das Zittern in allen Airs, welche zwei verschiedene und ganz unansehnliche Fehler sind.



 



Wenn es dem Pferd vom Anfang bis zum Ende dieser Demi-Volte an Korrektheit und auch an der Air mangelt, muss man es jedes Mal in seine korrekte Passege zurückbringen auf der ersten Linie der Demi-Volte und ohne von dieser abzuweichen, um es darauf wieder beginnen und wiederholen zu lassen, bis es sie korrekt und sauber ausgeführt hat, und lässt es danach im Galopp wieder angehen, um genau dasselbe am anderen Ende der Passade auszuführen und auf der anderen Hand, dabei sorgfältig die genannte Ordnung einhaltend.

Sobald es in den Proportionen und der Air dieser Demi-Volte sicher ist, verbessert man es auf der Passade, nach und nach den Galopp beschleunigend, so dass in dem Maße, wie es entschlossener wird, es auch die Zeit und die Möglichkeit erhält zum Üben und Kräftigen der Aktion der ganzen Parade. Denn wenn man es vorzeitig im vollen Galopp geradeaus treibt (wenn es bereits die Fähigkeit und Sicherheit in der Demi-Volte hat), kann sich die Parade wegen fehlender Übung als schwach und auseinandergefallen erweisen, und die Demi-Volte danach dadurch fehlerhaft werden, weil ihre korrekte Proportion von der guten Fähigkeit zur Parade abhängt. Und nachdem das Pferd diese Lektionen begriffen und gut trainiert hat, muss man sie verbessern, indem man sorgfältig, und ohne es ganz anzuhalten, die Demi-Volte leicht, gut und stet an die furiose Geradeaus-Passade anschließt, und mit dem Mittel der festen und temperierten Proportion der ganzen Parade danach ohne Unterbrechung oder Zeitverlust es geradeaus lebhaft wieder ansprengen lässt, aber nur wenn die Demi-Volte vereinigt und sauber geschlossen wurde in einer gut ausgeführten, korrekten und lebhaften Air. War sie dagegen fehlerhaft, muss man das Pferd ganz kurz an der Stelle zurückhalten, an der es sie beendet hatte, und es danach einige Schritte wieder angehen lassen, es dabei in einer korrekten Passege auf der ursprünglichen Linie versammeln, um es die Demi-Volte im Terre a Terre wieder beginnen und wiederholen zu lassen, bis es wieder in seiner wahren und korrekten Proportion ist. Wenn es aber beim Schließen derart von Ungestüm ergriffen wird, dass es plötzlich wieder angeht ohne auf die Reiterhilfen zu achten, muss man es wieder ganz kurz anhalten, nachdem man die Volte geschlossen hatte, und es mit Geduld an dieser Stelle stehen lassen, bis seine übermäßige Hitze und das zu große Verlangen, an dieser Stelle anzugehen, es nicht mehr beherrscht und bestimmt. Hat es aber das Training und die Geduld, die Demi-Volte sauber zu beginnen und zu beenden, und erweist es sich bei der ganzen Parade gut und ruhig, aufmerksam lauschend auf die Aktion und die Ansprache des Reiters, darf man es gar nicht durchparieren, sondern soll in einem Zuge die Arbeit in dieser Manege weiterführen, ohne aber dabei die Kraft des Pferdes überzustrapazieren. Mit diesen Regeln kann der gute Kunstreiter mit der Zeit, mit Geduld, Urteilsvermögen und der guten Praxis der Kunst einige Pferde fähig, korrekt und entschlossen machen für die wahren Schwertkampfpassaden, was nicht alle wissen, die glauben, sie gut ausführen zu können.

Dazu wünsche ich mir, dass der Kunstreiter sorgfältig alle Bewegungen und Proportionen dieser Lektionen beachtet, um die vielen anderen zu erkennen, die dabei auftreten können, je nach den verschieden Gelegenheiten der Aktionen der Pferde, die er verbessern will. Aber ich weiß nicht, ob man viele junge Geister findet, die imstande sind, diese Empfehlungen gut zu verstehen, und sie mit der nötigen Geduld und Sorgfalt anzupassen, und erkennen, dass die Natur dieser Manege, wenn sie lebhaft und in Perfektion ausgeführt wird, das Gedächtnis und die Kräfte des Pferdes mehr beansprucht als alle anderen Lektionen, die wir auf unseren Schulen ausführen. Deshalb zählt ein Kunstreiter zu den guten Meistern, sobald er sein Pferd lange im Gehorsam und in der Entschlossenheit auf diesen Passaden hält. Daneben sieht man sehr viele Pferde, die sich leicht und gehorsam bewegen auf jeder Hand in der Manege des Galopps, des Terre a Terre und fast bei allen anderen, die man machen kann, außer den für die Kampfpassaden geeigneten: denn um diese Manege gut auszuführen, muss dass Pferd viele gute Partien besitzen, die nicht sehr häufig vereint auftreten. Vor allem muss es schnell und entschlossen sein, und so kräftig und furios von der Hand ansprengen können, als würde es explodieren, ohne die Stelle abzulehnen oder vorauszuahnen, an der es durchparieren soll, oder an der es abwenden soll. Nichtsdestotrotz soll sein Gehorsam im Einklang mit seinen Kräften stehen, und sein Maul so frei und seine Anlehnung so gut sein, dass, wenn der Reiter es auffordert, durchzuparieren, sei es zur Vorbereitung auf die Wendung, oder um es ganz anzuhalten, es sich kraftvoll auf seinen Hanken in Vorbereitung bringt, um zu gehorchen, ohne irgendeine falsche Bewegung zu machen, vor allem mit dem Kopf, dem Maul oder dem Schweif. Es soll auch einen steten Hals und lockere und starke Schultern haben, um die Demi-Volte korrekt und sauber ausführen zu können, ohne sich in irgendeiner Weise zu biegen oder einzuengen, um dann mit Macht wieder ansprengen zu können. Ohne alle diese Partien zusammen können die o.g. Passaden nicht in Perfektion ausgeführt werden, deshalb finden wir so wenige Pferde, die dazu fähig sind. Häufig sieht man, dass diejenigen, die sehr schnell und entschlossen sind, irgendwelche Fehler und Unbequemlichkeiten des Maules, der Füße, der Glieder, der Schultern, des Rückens, oder des Gedächtnisses haben, die sie daran hindern, ihre Kräfte zu versammeln, um sich korrekt auf das Wenden vorzubereiten, zu dem Zeitpunkt, an dem es nötig wäre. Und so gut man sie auch mit viel Kunstfertigkeit gearbeitet hat, wenn man sie die Übung der Passade hat ausführen lassen, wird doch zweifellos in kurzer Zeit deren Entschlossenheit und Furor sie mitreißen und danach zur Flucht bringen. Dann gibt es andere, die von Natur aus so störrisch sind, dass sie sich nicht entschließen können, lebhaft anzugehen, oder, selbst wenn sie drei oder vier Schritte gut gemacht haben, einfach von selbst anhalten, und nur in einem gewissen gezwungenen und spornstätigen Galopp weitergehen, um leichter durchparieren und wenden zu können nach ihrem Willen und Bequemlichkeit, in der Weise, dass sie sich manchmal entziehen, indem sie durchparieren und wenden, ohne dass der Reiter es möchte. Wieder andere haben so schwache oder schwere Schultern oder einen weichen Hals, dass sie zwar gut ansprengen, rennen und durchparieren, aber danach nicht auf den Hanken wenden können, ohne sich zu biegen oder sich einzuengen und dann auch nicht mehr die Möglichkeit haben, die Demi-Volte sauber zu schließen, um dann kräftig wieder anzugehen. So ist es nicht verwunderlich, wenn einige sagen, dass sie sich damit zufrieden geben, wenn ihre Pferde nur korrekt auf jeder Hand im Terre a Terre gehen und schöne und furiose Passaden machen. Und das heißt, dass es ihnen für ihren Gebrauch genüge, nur diese Manegen gut ausführen zu können, und nicht mehr zu wollen, weil sie erahnen oder gelernt haben, wie schwierig dieses Ziel zu erreichen ist.

Um die Demi-Volten dieser Passaden in ihrer Korrektheit zu verbessern, sollte man sie in zwei oder drei Takten (oder Schlägen) ausführen: aber heute findet man nur wenige Pferde, die das gut auf diese Art können, und auch wenn man durch Zufall ausnahmsweise einem begegnet, das den Gehorsam und die natürliche Behändigkeit für die prompte Leichtigkeit dieser Proportionen besitzt, und obendrein zugewandt ist, und seine Kräfte versammelt und gut verfügbar sind: so gut es auch geschult ist, wenn man versucht es zu verbessern, nachdem es nur zwei oder drei Meilen über Land zurückgelegt hat, wird es schon nicht mehr so fleißig gehorchen. Deshalb gebe ich den Rat, dass man das Pferd gewöhnlich in dieser Manege anpasst und sicherer macht mit drei oder höchstens vier Schlägen per Demi-Volte.

Nachdem das Pferd sicher auf diesen Passaden ist, muss der Reiter, um es zu verbessern in seiner Perfektion, sie vor allem dem Pferd ankündigen und es aufmerksam machen, damit es gut ansprengt; danach treibt er es gerade und in vollem Galopp normalerweise ungefähr dreißig Schritte voran, und bevor es an der Stelle, an der er es wenden möchte, angekommen ist, soll er es vorsichtig erhalten, zurückgenommen und versammelt haben,wie ich schon erklärte, damit es die Möglichkeit hat, die Demi-Volte in drei Tempi auszuführen, korrekt, sauber und auf den Hanken, es dabei die beiden Hinterfüße gleichermaßen in der Mitte hält, ohne dass es sich in irgendeiner Art einengt oder biegt, so gut, dass es zum selben Zeitpunkt, an dem es seinen Kopf zu der Seite gewendet hat, zu der es angehen will, sich alle vier Füße gleichzeitig (nachdem die Demi-Volte ganz und fest geschlossen wurde) korrekt gestellt auf der geraden Linie der Passade finden, um lebhaft wieder angehen zu können, gleichmäßig arbeitend beim ersten Takt des Kurses, mit beiden Hanken gerade und fest auf der genannten Linie der Passade.

Ich wiederhole und rate noch einmal ausdrücklich dem Reiter, dass er große Sorgfalt darauf verwendet, das Pferd mittelstark zu erhalten und zurückzuhalten am Ende der Passade; so dass es dort vor dem Wenden gut eingestellt ist; denn wenn es zu stark zurückgenommen wird, ist es gezwungen (durch zu starkes Versammeln auf den Hanken, was es nicht soll) die Demi-Volte gemächlich und eingeengt auszuführen und verliert dadurch die Möglichkeit, die Kräfte einzusetzen, um lebhaft anzusprengen, sobald es die Demi-Volte geschlossen hat. Wenn es dagegen nicht genug zurückgenommen wird, findet es sich notwendigerweise auf den Schultern oder auf der Anlehnung des Gebisses, seine Kruppe fällt aus dem korrekten Kreis der Demi-Volte, oder es macht diese zu groß, und dieser Fehler lässt das Pferd schief wieder angehen und außerhalb der geraden Linie der Passade. Im Gegenteil soll man es, falls möglich, von der Hand angehen lassen, und alle Wiederholungen gleich kraftvoll, mit allen vier Füßen des Pferdes zusammen auf der Linie der Passade und die Demi-Volten gleichmäßig bezüglich der Air, der Proportion und der Fläche, und als Resultat die gesamte Manege vom Beginn bis zum Ende mit gleicher Kraft und Entschlossenheit und Ordnung unterhalten.

 







Passade im Mezair

Band II, Kapitel XVIII

Wenn das Pferd sich locker und kräftig in der Mezair gezeigt hat, gegenüber dem verkürzten Galopp auf diesen Terre-a-Terre Demi-Volten, werden diese gewöhnlich nicht so schnell gemacht, sie sind aber sehr viel sicherer auf einem schlechten Boden, und sie verbessern Anmut von Reiter und Pferd, wenn sie mit einer sehr erhobenen Vorhand gemacht werden und deshalb sehr unterstützt von den Hanken. Für diese Figur der Demi-Volte im Mezair muss man dieselben Regeln und Lektionen beachten wie vorher beschrieben, außer dass man beim Parieren das Pferd im Vorwärts erhalten muss, es geradeaus ein oder zwei Male (oder Schläge) mehr machen lassen muss (wenn man möchte über die ganze Ausführung), und ein wenig mehr erhaben in der Vorhand, um ihm besser die Hanken und die Hinterfüße einzurichten, damit es durch diese Mittel besser seine Air an die Genauigkeit der Demi-Volte anpassen kann, die gut wird, wenn sie sehr erhaben ist, und genauso nach der Proportion auf dem Boden ausgerichtet sein soll wie im Terre-a-Terre und normalerweise beginnen und enden soll mit drei Schlägen, und an der Stelle des dritten (der direkt auf der Linie der Passade gemacht werden soll) kann man es auch noch eine oder zwei auf der Stelle machen lassen, im gleichen Maß und ganz wenig vorangehend, wie man sehen kann am Buchstaben D in dieser Skizze.



Um in dieser Passade einen Absprung von der Hand mit viel Anmut, Kunstfertigkeit und Elan auszuführen, muss man das Pferd beim zweiten oder dritten Schlag der Courbetten antreiben, geradegerichtet auf einer Stelle, zu dem Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorhand noch in der Luft hat, so, dass es von den Hanken abspringt bevor es die Vorderfüße auf die Erde setzt; allerdings muss man bei der Zeit des Absprunges aufpassen, das Pferd nicht zu treiben, während es seine Vorhand noch zu hoch hat, da es dann anstatt einer schönen und geschlossenen Bewegung einen unbequemen Schwung bekommt; treibt man es hingegen, wenn die Vorderfüße schon zu nah am Boden sind, ergibt das eine unerwünschte Aktion auf den Schultern mit Absenken des Kopfes, was nicht viel weniger Verdruss bringt. Deshalb treffen die allermeisten Pferdemenschen nicht sehr häufig den perfekten Zeitpunkt.

Wenn aber dieser Absprung ordentlich ausgeführt wird, ist er nicht nur sehr schön und furios, sondern verleiht auch Reiter und Pferd viel Anmut und Kraft; und in einem Schwertkampf hat der Reiter die Kenntnis und Übung, zu kämpfen wie er muss, und wenn sein Pferd ihm dabei wohl gehorcht, zweifellos wenn der Stoß gegen den Gegner genau in diesem Moment der großen Kraft und der Leichtigkeit des Absprunges von der Hand erfolgt, und vor allem sechs oder sieben Schritte nach der Stelle, an der das Pferd getrieben wurde, und an einem Zeitpunkt, an dem die Vorhand des Pferdes herunterkommt, die Masse und die Überraschung dabei sehr sehr groß ist.

Aber man findet weder viele Pferde, die entschlossen und mutig genug sind, und die die nötige Geduld haben, den Zeitpunkt abzuwarten, noch viele Menschen, die diese Lektion gut ausführen können.

Beim Halt und beim Ende dieser Lektion soll man zwei oder drei Pesaden oder Courbetten machen, oder so viele, wie man möchte, wenn das Pferd dazu ausreichend geschult ist.

Um es in seinem Gehorsam und seiner Genauigkeit bei dieser Lektion zu erhalten, soll es, in der Reitbahn, diese Passaden in einem versammelten Galopp [petite galop] beenden, man lässt es dann anhalten und streichelt es, bevor man eine Demi-Volte reitet, sowie auch nachdem sie gut ausgeführt und geschlossen wurde, besonders wenn sein Temperament abweisend und aufbrausend ist, oder wenn es sehr heftig an der Hand zieht: damit beruhigt man es und bringt es zurück zu seiner Sanftheit und Geduld, denn es muss abgelenkt werden von seiner Abneigung, die es aufgrund der Heftigkeit dieser Lektion normalerweise erfüllt, und man muss manchmal auch die ganz genauen Proportionen dieser Demi-Volten erweitern: damit, wenn sie von Natur aus mehr als nötig verengt ist (sei es aus Misstrauen oder Furcht vor den Hilfen und Rügen oder weil es ungeduldig oder störrisch ist), man am Ende der Übung die Demi-Volten großräumiger als üblich gestaltet; aber wenn das Pferd sie stärker erweitert, als der Reiter es möchte, muss er als Konsequenz beim Beenden diese Demi-Volten verkleinern, bis zur nötigen Unterordnung.

Durch dieses Mittel kann ein Reiter mit einem guten Urteilsvermögen immer besser das Pferd in seiner guten Schule erhalten auf diesen Passaden und Demi-Volten, als wenn er verlangt, dass sie immer gleich groß bleiben, ansonsten können sie nicht perfekt werden.

Ich glaube, einen sehr großen Teil der sehr exzellenten Pferdemenschen gesehen zu haben, die zu meiner Zeit lebten, und mit großer Mühe und Neugier ihre Praktiken und Nutzen, oder ihre anderen Mittel sowie den Stil der Schulen aus jedem Teil der Christenheit beobachtet zu haben, sodass ich vieles kenne.

Aber am Ende habe ich nie mehr gesehen, dass jemand diese vorherige Lektion mit soviel Kunstfertigkeit und Anmut ausführte, wie der Monseigneur Marschall de Dampville, Connestable von Frankreich. Ich habe ihn wirklich gesehen, wie er beim Ausführen dieser Passaden, in zwei Gefechten zwei Schwertstreiche ausführte gegen zwei mutige Reiter, die gut bewaffnet und so gut beritten waren, wie man es sich wirklich nur wünschen kann. Einer von ihnen war einer der großherzigsten und galantesten Prinzen, die man in diesem Königreich finden kann, und der andere hatte den Ruf, einer der besten Reiter seiner Zeit zu sein.

Jeder von ihnen erhielt einen mächtigen Schwertstreich, ausgeführt mit großem Mut und in einem Zeitpunkt so passend und glücklich, dass der eine rückwärts über die ganze Kruppe seines Pferdes stürzte, und der andere sich aus dem Sattel löste und zu Boden stürzte! Das ist so schwer zu glauben, dass ich nicht wagen würde, es zu niederzuschreiben, hätte nicht ein große Anzahl ehrenhafter Personen ebenfalls gesehen, was ich sah.

Der erste Streich wurde geführt in Bayonne, als die Königin von Spanien den Bruder des verstorbenen Königs Karl traf; und der andere in Paris, im Garten hinter dem Louvre und bei Gefechten während der Zeit der Hochzeitsfeiern des Monseigneur Prinz von Portian; und beide im Beisein des Königs, der Königinmutter und aller Prinzen, Prinzessinnen, Seigneurs und Damen des Hofes.

 Er hat überhaupt auch sehr gut alle die anderen sehr schönen Übungen, die auf dem Pferd gemacht werden können, ausgeführt; so beeindruckend, dass, so sehr wir professionell diese Kunst betreiben, es als Glück ansahen, diesen kräftigen und mutigen Seigneur sehen zu dürfen, und müssen freimütig bekennen, dass man eine solche Fähigkeit in allen ehrenhaften und großartigen Aktionen nie kannte in der Welt, und vielleicht nie dagewesen ist, und dies obendrein als Amateur der guten Pferdemenschen, wie er es war,und auch nicht so wie er mit so viel Anmut und Wissen alle diese sehr schönen Lektionen dieser Kunst praktiziert hat.

Um nun zurückzukommen auf unsere Passaden: man kann durch diese Lektionen verstehen, wie das Pferd die Dem-Volte ausführen soll: die beiden Hinterfüße im Zentrum dieser haltend, je nachdem wie es die Tour macht, während es mit denen der Vorhand einen Kreis beschreibt. Aber um eine ganze Volte zu erreichen, oder um mehrere zu machen, muss man die Fgur größer gestalten, ansonsten hat man weder Anmut noch Kraft, und es ist nicht so vereinigt wie erforderlich, wenn die redoublierten Volten sehr eng sind, so wie die Demi-Volten der Passaden, denn schließlich wird die eine und die andere Lektion geübt, um im Schwertkampf nützlich zu sein.

Um die Gründe gut zu verstehen, muss der Reiter sich beim Reiten der Passade vorstellen, er führe einen Schwertstreich gegen seinen Gegner, also äußerst sorgfältig nach der Wendung seines Pferdes am Ende der Passade, manchmal sehr nahe am Wiederstarten um einen neuen Schlag auszuführen: deshalb muss die Demi-Volte eng und sorgfältig ausgeführt werden. Ich wiederhole nochmals, dass diese auf den Hanken ausgeführt werden muss, weil wenn das Pferd schon versammelt ist und die Übung auf seinen Sprunggelenken unterstützt wird, die Hinterfüsse fest auf dem Boden gehalten werden, damit das Pferd nicht rutscht oder stürzt beim Wenden, ausser durch einen großen Zufall. Durch diese feste Haltung ist es immer nahe am Wiederstarten, wenn der Reiter es möchte, gleichmäßig auf beiden Hanken und mit geradem Körper auf der Linie der Passade, damit es nicht zu gebogen ist; dazu kommt noch, dass der Reiter bequemer sitzt.

Aber auf redoublierten Volten, deren Nutzen ist, wenn zwei Reiter sich angenähert haben und mit der Hand kämpfen, und der eine den anderen umrundet, sie sich mit den Schwertern schlagen und kämpfen, und jeweils versuchen, die Kruppe des Gegnerpferdes zu erreichen, ist hierbei leicht zu erkennen, dass diese Figur größer sein muss und freier auf der Vorhand, als die Demi-Volte der Passade. Manchmal sehe ich bei diesen ganzen und redoublierten Volten, dass das Pferd eine Hanke immer etwas in die Volte hält, so dass durch dieses Mittel verhindert wird, dass es zu niedrig oder in die Volte geneigt geht und dadurch die Übung sicherer auf schlechtem Boden wird und auch der Reiter einen geraderen und sichereren Sitz bekommt.






 

Band II Kapitel 19

Ganze und redoublierte Volten im Terre-a-Terre und im Mezair

 

Macht das Pferd leicht und sicher korrekte Demi-Volten im Terre-a-Terre, und möchte man es in derselben Air ganze Volten an beiden Enden der Passade ausführen oder redoublieren [= im Seitwärts mehrfach hintereinander:DA] lassen, wobei die vier Beine nicht auf einer Spur gehen, beginnt man die Volte im Trab, falls es leicht an der Hand ist und vor allem, wenn es seine Kräfte zurückhält; im Schritt dagegen, wenn es zu viel Anlehnung nimmt und wenn es kräftig genug ist, um mit Genauigkeit arbeiten zu können ohne in den Trab getrieben werden zu müssen; und in dieser Passege lässt man es die Kruppe ein wenig in die Volte halten.

                                                                                                                 Auf der linken Hand:


 

A Spur der Passade

B um obengenannte Volte zu beginnen und auszuführen

C Spur der Vorderbeine auf der o.g. Passege,

D Spur der Hinterbeine auf der o.g. Passege


Hat es ein oder zweimal die Volte in diesem Schritt oder im Trab vollendet, genau auf dem Buchstaben A in der nachfolgenden Skizze, lässt man es, wieder ohne anzuhalten, eine Demi-Volte im Terre-a-Terre ausführen, die größer ist als die der Hinterbeine, mehr als in der vorangegangenen Lektion, trotzdem die Genauigkeit so genau wie möglich beachtend, und beendet diese Terre-a-Terre-Demi-Volte mit den vier Füßen gerade auf der Linie der Passade, die Vorderbeine dabei auf den Buchstaben B setzend und lässt es danach geradeaus vorwärtsgehen im Schritt oder Trab, je nach seinen Kräften und seinem Gehorsam, um dasselbe auf der anderen Hand zu wiederholen.


D Spur der Vorderbeine, in der Air der o.g. Demi-Volte

E Spur der Hinterbeine in der Air dieser Volte

F einspuriger Teil der Demi-Volte, im Schritt oder Trab


Bei dieser Skizze muss man verstehen , dass die Markierung oder die Linie, die mit C bezeichnet ist, die Änderung der Spur der Hinterbeine anzeigt, und wie diese sich vereinigt mit der der Vorderbeine, sodass wenn das Pferd die Air des versammelten Galopps beginnt, dicht am Boden (= terre-a-terre; DA) auf dem Buchstaben A, den Trab auf der einspurigen Volte verlassend, die Hinterbeine diese Figur bei der Anpassung an und der Bewegung auf dem engen und rundem Raum einhalten sollen, und so seine Hanken die Air in dieser Aktion stützen sollen; für den Wiederbeginn des Trabes auf dem Kreis muss man dann für die Hinterbeine wieder dieselbe Proportion wie auf C beachten.

Wenn das Pferd diese Lektion verstanden hat, verstärkt man diese in derselben Bahnfigur, beginnt dafür die Demi-Volte im Terre-a-Terre, beendet sie mit den Vorderfüßen auf dem Buchstaben B und lässt es gleich, ohne anzuhalten, die ganze Runde weitermachen, im Schritt oder Trab, je nach den vorgenannten Gegebenheiten, dabei sorgfältig verhindernd, dass es sich einengt, biegt oder ausfällt, oder die Vorder- oder Hinterbeine von deren korrekten, vorbestimmten Plätzen abweichen, wie oben skizziert.

Sobald die Vorderbeine am Buchstaben A angekommen sind, muss man es wieder, in einem Zuge, eine andere Demi-Volte im Terre-a-Terre machen lassen, und diese genau auf der Linie der Passade mit allen vier Füßen auf dieser Linie beenden, mit den Vorderfüßen auf B. Ohne Zweifel wird es dem Pferd, wenn es diese beiden letztgenannten Lektionen gut ausgeführt hat, leicht fallen, die ganze Volte im Terre-a-Terre, oder in der Mezair, zu beginnen und zu vollenden, wie auf der folgenden Skizze, und dann kann man nach und nach die Lektion verstärken und, je nach nachdem wie es sein Gedächtnis trainiert, alle Proportionen redoublieren, so wie ihm seine Kräfte und sein Atem diese Anstrengung diese Arbeit erlauben.


 

C: Körperhaltung des Pferdes in der Übung auf der beschriebenen Volte

 


Ich weiß, dass das Pferd bei dieser Lektion einige Fehler in der Air oder in der Genauigkeit der Figur, oder in beiden zugleich machen kann, wenn man am Anfang unbedingt eine ganze Volte im Terre-a-Terre beginnen und durchführen möchte, mit den Vorderfüßen auf A und dem ganzen Körper auf der Linie der Passade, und auch danach, wenn man wieder eine Hälfte vergrößern möchte, genau an dem Buchstaben B, ohne die Air des fleißigen und versammelten Galopps zu unterbrechen. Hierbei muss man bedenken, dass diese Fehler gewöhnlich wegen der Überraschung des Pferdes durch die neue Lektion auftauchen. Aber zweifellos wird es, sobald es diese begriffen hat, die nötige Fähigkeit bekommen, vermittels der Geduld und der korrekten und subtilen Bewegungen des guten Kunstreiters.

Sollte das Pferd ein sehr schwaches Gedächtnis oder ein cholerisches Gemüt haben, so dass es nicht bald genug diese ganze Volte ausführen will oder kann, muss man sich bemühen, durch die passenden Hilfen und Rügen Druck aufzubauen. Ist es allerdings so sensibel und überfordert, dass es, anstatt sich bezwingen zu lassen, immer störrischer wird, muss man, damit es nicht abgestoßen wird, diesen Druck wegnehmen und auch die letzte Übung, um es in die vorherige Lektion zurückzunehmen, und dann, nachdem es in dieser wieder gut und sicher wurde, anstatt wie man es vorher probiert hatte im Terre-a-Terre auf der Demi-Volte, bis dahin ausgeführt im Schritt oder Trab, möchte ich jetzt empfehlen, nach und nach auf diesem Kreis die Air und die Sorgfalt der Demi-Volte zu beginnen (die ja schon erlernt wurde), bevor das Pferd die Vorderbeine am Buchstaben A aufsetzt, wie man in der nachstehenden Skizze sieht, gleichzeitig jedes Mal ein wenig vorwärtsgehend wie auf den Markierungen, die man hier auf dem Umfang der Figur sehen kann, und so mit der Zeit und in dem Maße, wie es dem Pferd leichter fällt durch die Übung dieser Regel, die Air und die ganze Volte vollendet, ohne rabiat zu werden.



Um nicht verwirrt zu werden durch die Reihenfolge, die man einhalten soll beim Beenden und Schließen dieser Volten im Terre-a-Terre, soll man beachten, dass wenn das Pferd sauber die Tour größer mit den Vorderfüßen und eine kleinere mit den Hinterfüßen macht (mit geradem und festem Körper und Hals), die Volte beendet ist, wenn alle vier Füße gleichzeitig auf der geraden Linie der Passade ankommen, ohne das Pferd auf der Seite einzuengen oder es vorwärts gehen zu lassen, außer ganz wenig mehr als die runde und saubere Proportion der Volten beim Beenden, weil diese halbiert werden durch die Linie der Passade, wie man auf der Skizze unten sieht.



Wenn aber die Manege gemacht wird nach der nächsten Skizze, muss man nötigerweise die Kruppe des Pferdes in die Volte treiben und halten, und es viel mehr vorwärts reiten beim Beenden, weil die Linie der Passade am Außenrand des Kreises liegt.



A Spur der Hinterbeine um sauber die Volte zu beginnen

B Spur der Vorderbeine, um zurückzukommen auf die Passade beim Verlassen der Volte

C Spur der Hinterbeine, um auf die Linie der Passade zurückzukommen

D Passade


Beim Seitwärtsschließen dieser Volte muss man die Anlehnung des Pferdekopfes erspüren mit dem inneren Kappzaumseil, um es damit ziehen und in seiner geraden Haltung erhalten zu können, falls es ausfallen will, sich zurückhält oder biegt, wie es gewöhnlich schwache, faule, stätige oder schlecht ausgebildete Pferde, die ihre Kräfte nicht für den längeren Gehorsam beisammen halten oder zur Verfügung stellen wollen oder können, bei diesen Gelegenheiten tun. Falsch sind jene anderen Aktionen, die gegen diese Genauigkeit arbeiten: der Spornstoß oder der Gertenschlag, denn durch die Furcht vor diesen bringt das Pferd den Kopf und den Mut zu der Seite, auf der es gewöhnlich diese Strafen erhält.

Hierbei muss man bedenken, dass man niemals das Pferd mit Schmerzen und extremer Unterordnung behandeln soll, wenn man nicht vorher versucht hat, es nach und nach mit den besten Mitteln der Kunst zu lehren. Schließlich wünsche ich mir, dass immer der Verstand und die Achtung und Wertschätzung des Pferdes alle Erziehungsaktionen leiten mögen, sei es beim Wenden oder im Geradeaus, und bei allem, das man mit den korrekten Bewegungen des Reiters zu erzielen versucht.

Einige, die viel zu wissen glauben, was hierbei das Richtige ist, möchten, dass beim Beginn und Weiterführen der Manege der redoublierten Volten im Terre-a-Terre das Pferd sich auf allen Vierteln der Volte gerade halten soll,wie es in einer der folgenden Skizzen gezeigt wird. Aber geht es nach mir (wenn es sich nur um die Frage handelt, welche Manege für das Handgefecht am besten geeignet ist), halte ich mich an die Figur, die ich oben erklärte, bezüglich des Nahkampfes zweier Reiter dicht beieinander. Denn wenn sich das Pferd auf diesen geraden Linien hält, jedes Mal wenn es auf den Vierteln beim Redoublieren der Volten passiert, in der Länge die für den Schwertkampf nötig ist, muss es nötigerweise dabei den ganzen Körper in den Kreis der Volte tragen, und durch diese Haltung kann man dem Gegner leicht die Möglichkeit geben, die Kruppe seines Pferdes direkt zu erreichen. Sind sie aber so weit wie die wahren Demi-Volten der Passaden sein sollen, ist es nicht nötig, sie zu redoublieren: schließlich besteht der Nutzen der redoublierten Volten nicht darin, fleißig und viele Male zu umrunden, sondern darin, kämpfen zu können, und es ist nicht nötig, auf einer Stelle der Manege zu redoublieren, wobei das Pferd immer den Punkt und das Zentrum der Volte mit den Hinterfüßen hält, die deshalb den ganzen Platz dieser besetzen, außer zum Vergnügen und um einen großen und genauen Gehorsam zu demonstrieren.

Durch diesen Diskurs scheint es einem subtilen Geist, dass wenn das Pferd sich mit den Schultern in die Volten hält, diese sehr sorgfältig werden, so gut wie sie sein sollen und obendrein, wenn sie so gemacht werden, der Ritter mehr Möglichkeiten hat, nicht die Kruppe seines Pferdes erreichen zu lassen; allerdings haben diese Volten weder Anmut, noch Festigkeit oder Lebhaftigkeit. Es ist besser, wenn sie normal proportioniert sind, in der Art, dass das Pferd gleichmäßig und kräftig seine Manege auf den Hanken unterhalten kann, und dabei innerhalb dieser einen ausreichen großen Platz frei lässt, ohne dass durch diese freie Aktion die Schultern des Pferdes behindert werden, oder die Bequemlichkeit, den Kopf, den Blick und den Mut nach vorn und auf die Spur der korrekten Kreises der Volte zu richten, gemäß dieser Skizze, in der die Stellung des Pferdekörpers durch A markiert ist.


                                                                                                              Für gut befundene Volte                                             Als für den Kampf schlecht abgelehnte Volte

A: Stellung des Pferdekörpers in der Air der obengenannten Volte


Um alle Proportionen gut zu beachten, darf der Kunstreiter weder Fehler in der Beurteilung machen noch beim Üben, und es dem Pferd weder an Gehorsam noch an einem guten Rücken mangeln, denn man findet häufig Pferde mit wenig Kraft, die trotzdem von Natur aus gehorsam und gut an der Hand sind, korrekt und sehr lange den Terre-a-Terre durchhalten und mit dieser Fähigkeit exerciert werden können, fast wie ein zehnjähriges Kind, allerdings ist dies dann eine Manege aus Gehorsam, ohne viel Lebhaftigkeit. Für mich glaube ich, dass diese so bequemen Volten nicht die besseren für den Kampf sind, im Gegenteil: wenn sie ein wenig auf dem Rücken gemacht werden, bringen sie einige Furiosität mit sich, die dem Reiter und dem Pferd sehr viel mehr Anmut und Kraft gibt, und wenn sie auch einige Unbequemlichkeit für den Sitz des Reiters, der sie trainiert, verursachen, bringen sie zu seinem Vorteil auch Unbequemlichkeiten für seinen Gegner im Kampf mit sich.

Ich werde nicht viel über die strenge Genauigkeit des Handwechsels sprechen, weil sie im realen Schwertkampf beim Duell nicht sehr nötig ist. Aber um diese Lektionen abzuschließen, sage ich noch einmal, dass der Kunstreiter sich an die Maxime halten soll, dass so sicher und genau sich das Pferd auf den Demi-Volten der erwähnten Passaden auch zeigt: wenn es nicht gelegentlich leger trainiert wird, beim Vergrößern und Redoublieren der Volten am Ende der Passaden, kann es gelegentlich so konfus sein und auseinanderfallen, dass es, anstatt die Demi-Volte gut zu beginnen und zu formen, sich einengt oder entier wird, oder wenigstens in eine solche Flucht kommt, dass es jedes Mal, bevor es die Demi-Volte schließen soll, gerade auf der Linie der Passade kommt, ohne die Aktion des Reiters zu beachten. Aber es die Volten redoublieren [im Seitwärts mehrfach hintereinander wiederholen;DA] zu lassen, manchmal im Galopp auf einer Spur, nutzt der guten Übung, um es aufmerksamer für die Manege zu machen, und geduldiger am Ende der Passaden und dadurch leichter und genauer auf den engen Demi-Volten.

Diese Manege der Volten im Terre-a-Terre, in der Genauigkeit, die man so sehr sucht in unserer Zeit, ist viel moderner als die erhobenen Volten und man kann wahrhaftig nicht bestreiten, dass ich deren Erfinder bin. Der Signeur Iean Baptiste Pignatel hat uns als erstes die Genauigkeit der erhobenen Volten beigebracht, und auf ihren ersten Proportionen begann ich schon vor mehr als dreißig Jahren den Gebrauch der Volten im Terre-a-Terre und seitdem habe ich sie weitergeführt und verbessert, wie ich konnte, und mir scheint, dass gut eingeübt, sie gut geeignet scheinen, den Gehorsam und die Sanftmut des Pferdes zu zeigen, und seine Aktionen verschönernd dem gelehrten Kunstreiter viel Anmut und Brillianz in dieser Kunst geben. Aber am Ende ist sie nichts anderes als eine Übung der Carriere. Denn zweifellos sind die für den Kampf geeigneten redoublierten Volten diejenigen auf einer Spur und die Demi-Volten der Passaden auf den Hanken, wie ich bei diesen Lektionen erklärte. Insgesamt, wenn das Pferd gut angepasst und fähig auf der Passege und der Volte auf zwei Spuren ist, erweist es sich in der einspurigen Manege perfekter, freier und sicherer auf einem schlechtem Untergrund.

 








Band II, Kapitel 20


Regeln für die erhobenen Airs auf den redoublierten sehr korrekten Volten


Unter all den schönsten Übungen, die man das Pferd lehren kann, gibt die Manege der erhobenen redoublierten Volten dem Kunstreiter umso mehr Befriedigung, je mehr die Air lebhaft und erhoben ist. Aber sie kostet ihn auch viel Mühe, bevor er es dahin gebracht hat, mit allen wahren Proportionen dieser Manege: nämlich der Stetheit und Lockerheit der Anlehnung des Maules, der Ausrichtung und Regelmäßigkeit der gut aneinandergereihten Schläge, dem Anziehen der Vorderbeine, der Korrektheit des Bodens, der Gleichmäßigkeit auf jeder Hand, der Leichtigkeit beim Wenden und der steten und geraden Haltung des Kopfes, des Halses, der Hanken und des Schweifs. Denn das Pferd kann eine Air schön ausführen, ohne dass dabei die Volten korrekt und gleich sind, oder letztere gut, aber mit einer unregelmäßigen und wirren Air. Ebenfalls können zwar beide, die Air und die Volten zusammenspielen in einer guten Ordnung, aber Kopf, Hals und Schweif fehlerhaft gehalten werden, oder aber, wenn Schweif, Hals und Kopf in einer guten Haltung sind, trotzdem die Air und der Raum fehlerhaft sein können; das Pferd kann beim Wenden hart in den Schultern, dem Hals, oder dem Maul sein, so dass man es nicht korrekt führen kann; aber es kann auch leicht und locker auf der Volte sein, aber dabei weder Kopf noch Hanken auf ihrer korrekten und erforderlichen Stelle halten. So muss der Kunstreiter viel Urteilsvermögen und viel Praxis in seiner Kunst besitzen, um das Pferd gleichzeitig gut und lange zu all diesen Proportionen zustimmen zu lassen, wie es für die Perfektion der Volten erforderlich ist, besonders wenn er sich mit einem Pferd beschäftigt, das von Natur aus schwer, ungehorsam und ohne Gedächtnis ist.

 

Denn es kommt häufig dazu, dass das furchtsame, tückische oder zu empfindliche und aufbrausende Pferd, manchmal auch eines, das von besserem Temperament ist, sich ärgert, sich senkt, sich verwirrt oder sich wehrt auf vielerlei Arten, wenn man versucht, es an die Perfektion der o.g. Volten zu bringen, bevor es durch die guten Regeln daran gewöhnt worden ist; und gewöhnlich fällt es mit der Kruppe aus dem Rund der Lektion oder hält sich zurück und engt sich ein, oder gerät in eine große Unruhe und beginnt zu zittern, oder kommt mit dem Kopf oder Schweif in Unordnung, oder es wird entier auf einer Hand, oder hart in der Anlehnung der Hand.

Ich zweifle nicht, dass der gute Kunstreiter weiß, dass das Pferd, das nachlässig oder schlaff die Air seiner Manege ausführt, aufgeweckt und animiert werden soll, durch die aufmunternde Stimme des Menschen und der Gerte, und auch durch harte Bewegungen des Armes, der Hand und der Beine des Reiters; und dass man diejenigen lebhaft vorwärts treiben soll, die sich einengen, und diejenigen mit den Sporen und der Gerte rügen, die hereinkommen oder herausfallen, an der Seite, zu der sie abweichen, bis sie auf die korrekte Spur zurückgebracht wurden; dass man auch diejenigen geduldig zurückhalten oder erheben und unterstützen muss, die unruhig sind und zittern, und den Hals, den Kopf und den Schweif ruhig halten soll bei denjenigen, die zu empfindlich und ablehnend sind, durch die Stetheit der Hand, des Armes und der Beine desjenigen, der es trainiert. Überhaupt reicht es nicht, nur zu wissen, wie man die Hilfen und die Rügen je nach der Bewegung und den Fehlern, die das Pferd machen kann, anpassen muss; sondern es ist obendrein nötig, dass der gute Meister beim Anwenden dieser Mittel berücksichtigt, diese an das jeweilige Naturell des Pferdes anzupassen, andernfalls erweisen sie sich normalerweise als nutzlos und verursachen Fehler; was dann nur dem Anschein nach gut ausgewählt scheint, weil die Fehler falsch beurteilt wurden.

Auch die Sorgfalt ist eine sehr schöne Partie bei einem Kunstreiter: zumal selbst die besten Hilfen und Rügen, falls sie außerhalb ihres Taktes gegeben werden, gelegentlich eher die Konfusion vermehren als die Korrektheit und den Gehorsam. Am Ende schätze ich zwar jene Mittel sehr, die das Pferd jedes Mal, wenn es einen Fehler gemacht hat, angemessen korrigieren und rügen, aber in Wahrheit schätze ich noch viel mehr die Regeln und Mittel, die (ohne viel Gewalt) schon die Anlässe vermeiden, die die Bewegungen und die korrekten Proportionen fehlerhaft machen können, vor allem in den engen Lektionen, die für die erhobenen Volten in einer guten Air angebracht sind, wodurch man leicht erkennen kann, ob das Wissen des Kunstreiters groß und ausreichend ist; denn dies ist die kraftraubendste, angespannteste und am meisten begrenzte und am längsten durchzuhaltende Manege: deshalb muss der Kunstreiter hierfür sehr klug und subtil die Kräfte und den Willen des Pferdes verteilen und ihm dabei die Freiwilligkeit und das Gedächtnis erhalten, wie man es mit den Regeln und Lektionen erreichen kann, die im Folgenden erklärt werden, um sie besser verstehen und sorgfältig ausführen zu können.

Um das Pferd in die Lektionen der korrekten Volten zu bringen, soll es zuvor gelöst und frei im Trab und Galopp auf jeder Hand sein, durchparieren können, rückwärts und in beide Richtungen seitwärts gehen können durch Rügen und den Respekt vor dem Sporn, und einige Pesade oder Courbetten geradeaus zumindest mittelmäßig gut ausführen können.

Danach lehrt man es die Voltenpassege, die die Gleichförmigkeit der Air und den Gehorsam und den korrekten Raum der Manege erzeugt. Dafür muss die Passege perfekt rund sein und zwei getrennte, begrenzte Spuren haben, entsprechend der Kräfte und des Willens des Pferdes: die eine Spur wird durch die Vorderfüße, die andere mit den Hinterhufen produziert, wie auf dieser Skizze:



 

Beim Befolgen dieser Anordnung der zwei Spuren soll das Pferd, ebenso wie mit den Vorderfüßen, entsprechende Bewegungen und Schritte mit den Hinterfüßen machen: aber viel kleinere, weil ihr Raum und ihr Kreis ist kleiner ist; und weil der Ring der Vorderfüße größer ist, muss das Pferd notwendigerweise größere Schritte mit der Vorhand machen, deshalb soll die Aktion der äußeren Schulter freier und stärker vorwärts sein, als die der Hinterfüße, so dass das Vorderbein die Möglichkeit hat, überzutreten, ohne den Kreis zu verfälschen und ohne die Hinterfüße in Unordnung zu bringen, die ebenso gehen sollen, nämlich mit Übersetzen des äußeren über den inneren, aber nicht so stark kreuzend wie die vorderen, weil ihre Strecke kleiner ist; und schließlich soll das Pferd bei dieser Passege niemals drei Füße gleichzeitig am Boden haben.

Bei dieser Voltenpassege muss man diese drei Hauptdinge anmerken: nämlich erstens, dass die Schritte der Hinterfüße genauso beobachtet werden müssen wie die der Vorderfüße; denn gewöhnlich, wenn das Pferd sich einengen oder wenn es die richtige Spur und den Kreis verkleinern will, hält es die Hinterfüße auf einer Stelle und bewegt sie dabei nicht, bevor die der Vorhand nicht einen oder zwei (oder manchmal drei) Schritte gemacht und den Raum der Volte verfälscht haben, ohne dass ein in dieser Genauigkeit schlecht geschulter Kunstreiter dies bemerkt; auch weiß ich nicht, ob jeder, der diese falsche Bewegung spürt, eine ausreichend sorgfältige Hand und eine ausreichend herzhafte Ferse hat, um hier rechtzeitig zu helfen, ohne dabei das Pferd zu erschrecken oder zu beunruhigen, auch wenn der größte Teil der Menschen in dieser Kunst glaubt, die Perfektion dieser Passege gut zu verstehen.

Zweitens, dass die Bewegung der äußeren Schulter frei und vorwärts gerichtet sein soll, so dass dieses Vorderbein genug vorwärts greift und bei jedem Schritt leicht übertritt ["chevaler"] über das andere und durch dieses Mittel dem zu sensiblen oder störrischen Pferd die Möglichkeit genommen wird, entier zu werden, oder sich zu biegen oder in die Volte zu legen, wie es normalerweise häufig in diesen Lektionen passiert, wegen des Unbehagens, das es durch den Zwang der Hinterbeine und der Hanken erhält, vor allem wenn es von Natur aus ungehorsam und flegelig ist; dadurch kann man gelegentlich den Fehler jener erkennen, die regellos das Pferd, das entier ist, strafen, indem sie mit dem inneren Sporn, der inneren Wade oder der Gerte innen die Flanken bearbeiten, um die Hinterfüße und die Hanken an der richtigen Stelle zu halten, weil sie nicht erkennen, dass die einzige Ursache für das Zurückhaltung der äußeren Schulter die Härte des Halses und des Kopfes ist, denn die Leichtigkeit und Schwierigkeit einer dieser Partien hängt ja unzweifelhaft von der der anderen ab; deshalb empfehle ich, dass man bei diesen Anfängen die erste Bewegung macht, indem man den Kopf auf die Spur oder Proportion der Volte richtet.

Danach muss man mit der Freiheit und Leichtigkeit des Schrittes eine korrekte Gleichmäßigkeit in ihre Ordnung bringen, ohne die das Pferd weder gut versteht, noch die richtigen Proportionen dieser Passege erreicht.

Es gibt auch eine schöne Berücksichtigung im Abstand der Spur der Hinterfüße zu der der Vorderfüße, den man je nach dem Naturell des Pferdes verschieden einhalten soll, und je nachdem, wie es die Hanken und den ganzen Körper auf der Volte trägt, aber diese Erklärung schiebe ich auf für eine dafür besser geeignete Stelle.

Denn um zu erreichen, dass durch die Anwendung der guten Regeln das Pferd lernen kann, diese Passege gut zu proportionieren, ohne dass es dazu durch harte und unbestimmte Rügen gezwungen wird, wie man es gewöhnlich sieht, und um zu vermeiden, dass es durch die dadurch entstehenden Fehler abgestoßen und verwirrt wird, wie es normalerweise geschieht, wenn das Naturell des Pferdes konträr gegen viele dieser erwähnten Strafen ist (und ebenso, wenn der Kunstreiter verstockt ist und schlecht geschult in dieser Kunst), bringt man es auf einen ebenen und gleichmäßigen Boden, auf dem man, nachdem man das Gebiss und den Kappzaum in eine gute Anlehnung gebracht hat, das Pferd drei oder vier Schritte geradeaus gehen lässt, wobei der Kunstreiter sich im Geiste eine Linie vorstellt, wie sie unten gezeichnet ist. An deren Ende am Punkt B lässt er das Pferd zu dem Zeitpunkt wenden, an dem es das innere Vorderbein zu Boden setzen will, und führt es so mit der Zügel- und Kappzaumfaust und dem gegenüberliegenden Bein, dass es die Hinterbeine nicht eher von der besagten Linie auf dem Buchstaben A abkommen lässt, bis es ein Viertel der Volte vollendet hat auf dem Punkt C, wie auf dieser Skizze.

Für die rechte Hand

 



 

Am Ende dieses Viertel der Volte kommt das Pferd mit den Vorderfüßen am Punkt C an, dann muss man es erneut geradeaus gehen lassen, wie auf einer Linie im rechten Winkel, ebenso im Schritt und ganz genauso, wie es das im ersten Teil gemacht hat, und lässt es sodann ein anderes Viertel einer gleichen Volte wie der ersten gehen, gemäß dieser zweiten Skizze.


Für die rechte Hand

 



 


Nach dem sorgfältigen Beenden dieses zweiten Viertels lässt man das Pferd erneut geradeaus gehen, einer dritten gleichen Linie folgend, und nachdem man es ohne Verwirrung gewendet hat, genauso wie es schon an den Enden der beiden vorigen Linien gezeigt wurde, beachtet man dieselbe Ordnung, bis die vierte Linie das Carree dieser Lektion schließt und beendet, gemäß der beiden untenstehenden Entwürfe.

Für die rechte Hand

 



 


Ein Pferd mit einem guten Naturell versteht diese Lektion leicht nach drei oder vier Ritten; ist es aber aufbrausend und ungehorsam, kann es ihm einige Schwierigkeiten bereiten, die Hinterbeine stets auf dem besagten Buchstaben A zu halten beim Ausführen der Voltenviertel; und um dagegen an zu arbeiten, wirft es häufig die Kruppe aus der Volte, oder trägt sie vielleicht zu weit hinein, vor allem, wenn man ihm vorher nicht ausreichend beigebracht hat, auf die Hilfe des einen oder anderen Sporns, und die Bewegung des Beines und der Gerte hin seitwärts zu gehen. Überhaupt soll der Kunstreiter bei diesen ersten Fehlern ein starkes Strafen vermeiden, wenn die Verstocktheit des Pferdes ihn nicht dazu zwingt, und es lieber nach und nach korrigieren und schulen, beim Zurückführen auf die geraden Linien und durch mittelstarke Rügen beim Vorwärts- und beim Seitwärtsgehen. Denn am Ende sollen diese drei oder vier (oder mehr, oder weniger) Schritte geradeaus nach dem Viertel als Hilfe dienen, um die Gelegenheit zu vermeiden, die korrekte Proportion der Volte zu verfälschen, falls es sehr dazu neigt, und um ihm den Hals einzustellen oder zu biegen, oder ihm den Kopf zu der Seite zu ziehen, auf der es sich hart oder entier macht, ohne zu große Gewalt dabei anzuwenden, und um es besser vorzubereiten, mit den folgenden Vierteln weiter zu machen. Falls es derart verstockt ist, das es durch die sanftesten Mittel nicht im Gehorsam halten will, muss man notwendigerweise den Sporn oder die Gerte an der Flanke, dem Schenkel oder der Seite einsetzen, die es vermeidet, oder auf der es die Korrektheit verweigert. Allerdings sollen diese sorgfältig eingesetzt, und entsprechend des natürlichen Temperamentes, das man bei ihm erkannt hat. Und während des Rügens unterstützt man dies durch Vorwärtsgehen oder wie ich schon sagte, schiebt man es zur Seite auf die Linie, nachdem es mindestens zwei Schritte im Wenden gemacht hat, damit das Viertel beginnend. Denn man muss immer, so gut man kann, alle Gelegenheiten vermeiden, die beim neuen, unwissenden Pferd Unbehagen erzeugen, auch beim Beginn der Volte, damit im Gehorsam diese erste Bewegung auch von Leichtigkeit und dem Gedächtnis begleitet sein soll, denn dadurch kann man alles zusammen auslösen und nutzen: die Air, den Takt, und den korrekten Raum der Manege, und folglich kann der Reiter beurteilen, dass er viel lieber möchte, dass das Pferd dazu neigt, die Kruppe aus der Volte zu tragen, und den Kopf vorne innen, als dass es von Natur aus hart oder entier wäre.

Normalerweise soll diese Übung unter häufigem Wechsel der Stelle an diversen Orten ausgeführt werden, um das Pferd mehr anzuregen, und um ihm weniger Gelegenheiten zum Missvergnügen an seiner Lektion zu geben. Allenfalls wenn es sehr ungeduldig und ungestüm ist, oder ein sehr schlechtes Gedächtnis hat, dass es nötig ist, es häufig dieselbe Art wiederholen zu lassen, nur an zwei ausgesuchten Stellen, nämlich einer für die rechte Hand, und einer anderen für die linke Hand, tut man gut daran, diese nah genug aneinander zu halten; und weil es bei dieser Regel nicht solche Viertel gibt, zum vollenden wie man soll, um eine Linie zu ziehen entlang der das Pferd bequem gehen und zurückgehen kann, von der Bahnfigur auf einer Hand zu der auf der anderen, ohne vier Stellen und vier Linien zu benutzen, überlasse ich diese Besonderheit von geringer Konsequenz dem Kunstreiter, der diese Gelegenheit gut zu nehmen weiß.


Für die linke Hand                                                       Für die rechte Hand

 



 


In dem Maße, wie das Pferd diese Proportionen versteht und frei trainiert, muss man nach und nach die Schritte zurücknehmen, die vorwärts auf der Skizze oben gemacht wurden, bis die Viertel vereinigt sind, und dann die Carree-Spur der Hinterbeine abrunden, wie auch die der Vorderfüße. Und wenn man zwei Viertel zusammengelegt hat, was eine Demi-Volte ergibt, gemäß dem dritten Entwurf, der hiernach präsentiert wird, lässt man sogleich das Pferd wieder ca. zwei Schritte geradeaus vorwärts gehen, bis zum Punkt D, danach lässt man es erneut eine Demi-Volte gehen, durch Zusammenfügen der anderen beiden Viertel, wie man es auch auf der vierten dieser Figuren sehen kann.


Für die rechte Hand

 



 

 

D um geradeaus vorwärts zu gehen

E Piste der Vorderfüße, um die Demi-Volte zu beginnen und auszuführen

F Piste der Hinterfüße

G um eine andere Demi-Volte neu zu beginnen



Durch weiteres Reduzieren der Schritte geradeaus auf dieser vierten Figur wird die Volte rund und schließlich in ihre Perfektion gebracht, ohne dass das Pferd dies sehr wahrnimmt, selbst wenn es seinem Naturell nach ein Feind der Korrektheit ist.


Für die rechte Hand

 

 


Gemäß der Ordnung der besten Schulen muss das Pferd erst die Leichtigkeit zur korrekten Voltenpassege haben, bevor man es in die Air, die man es lehren will, bringt. Überhaupt kommt es normalerweise vor, wenn es sicher und leicht die Korrektheit der Passege erlernt hat, dass das aufbrausende, zu empfindliche und ungestüme, oder das böswillige Pferd, wenn man danach versucht es in eine erhobene Air auf einer angepassten Passege zu bringen, es leicht wieder in seine ersten Unruhezustände und flegelige Abwehr zurückfällt, so dass der Kunstreiter häufig sehr gehindert wird, es die ersten und o.g. Proportionen im Schritt verstehen zu lassen, nicht nur deshalb, weil dem Pferd die Anfänge der Airs unbekannt sind, sondern auch, weil es zuvor schon viele Mittel der Abwehr gegen die gute Schule eingesetzt haben kann, an die es sich erinnert, um sich der neuen Lektionen zu widersetzen. Denn es ist eine Maxime, dass man viel lieber möchte, dass das superbe, cholerische und böswillige Pferd sich sehr lange gegen die Mittel des Gehorsams wehrt (vorausgesetzt man kann es am Ende bezwingen), als dass es in kurzer Zeit zustimmt, sich aber danach wieder in seine bizarren und ungehorsamen Stimmungen bringt und darin bleibt, vor allem wenn diese Versuche häufig passieren: denn die Ursache ist eine sehr große Verstocktheit der schlecht beschaffenen Pferde, die schon durch die Hände vieler Reiter gegangen sind, die vielleicht nicht alle diese Rücksicht genommen hatten. Deshalb rate ich nicht, in diesen Lektionen, in denen wir uns befinden, immer zu erwarten, dass das Pferd ruhig bleibt, auch in der Leichtigkeit der korrekten Passege, und dass es völlig frei ist von Abneigung gegen und von der Erwartung aller Rügen, die es bekommen haben könnte, bis zur Perfektion des korrekten Kreises der Volte im Schritt.

Wenn das Pferd dann angekommen ist in der Proportion der genannten letzten Figur, durch das gute Training in der Ordnung aller vorangegangen Lektionen, bringt man es zurück auf die erste Carreefigur, die man unten noch einmal sieht; und anstatt der drei oder vier Schritte geradeaus, darf man es nur ein oder zwei machen lassen und auf dem Rest ihrer Linie erhebt man das Pferd, so gut und so sanft wie möglich, wie man kann, ein oder zwei Schläge, passend zu der Air, von der man weiß, dass es die Veranlagung dazu hat; und hat man es nach den Schlägen erneut eine Anzahl Schritte friedlich vorwärtsgehen lassen, auf derselben geraden Linie, lässt man es eine Viertelvolte wenden, und beachtet auf dieser sorgfältig die erste Ordnung der Passege, und lässt es danach im selben Stil weitermachen, auf allen Linien, und in allen Vierteln, bis das Pferd verstanden hat und geübt ist.


Für die linke Hand                                                      Für die rechte Hand

 



 

Diese langen Linien, auf denen es weiter vorgeht als bei den normalen Vierteln, wie auch die anderen Unterschiede, die man in der folgenden Figur sieht, bedeuten, dass ein Pferd, das von Natur aus zu erdgebunden oder zu phlegmatisch und furchtsam ist, und das, anstatt friedlich auf den geraden Linien die vorgenannten Schläge zu heben, stehen bleibt, sich einengt, oder sich erniedrigt, oder wenn es ein anderes Temperament hat, cholerisch, empfindlich oder bizarr, und in Ungestüm und Unruhe verfällt, oder wenn das eine oder andere seinen Schritt zurückhält oder beschleunigt, oder wenn es sich weigert, sich zu erheben, oder sich fehlerhaft oder bereits vor der Aufforderung des Reiters erhebt: dann lässt man es im Schritt geradeaus vorwärts gehen, entlang der Linie, die die erste Figur überschreitet, um es zu beruhigen und zu einem besseren Schritt und zu besseren Schlägen zu bringen. Nachdem es diese locker ausgeführt und gehorsam sanft gewendet hat, und in Ruhe auf einem Teil der Linie, wo es sich gerade und beruhigt findet und es korrekt auf dem Carree gewendet hat, lässt man es erneut vorwärtsgehen, und führt diese Regel fort, in einem Teil, in dem man meint, es sei in einem Zustand zu gehorchen in dieser Lektion, so wie es hier skizziert ist.


Für die rechte Hand

 



 


Hat das Pferd diese Carreelektion verstanden und leicht ausgeführt, ohne nachlässig zu werden oder die Ordnung des Schrittes oder der Schläge im Geradeaus vorauszunehmen, ganz korrekt für die Voltenviertel; dann muss man diese Lektion verstärken und beginnen, das Pferd zu erheben und in seine Air zu bringen, zu dem Zeitpunkt, wenn man das Viertel im Schritt beendet hat, auf der geraden Linie, ohne anzuhalten oder es noch einen Schritt machen zu lassen, bevor es nicht vier oder fünf Schläge im Geradeaus vorwärts auf der genannten Linie gemacht hat; nach diesen lässt man es erneut friedlich ein oder zwei Schritte vorwärts gehen, um das andere Viertel korrekt zu wiederholen, dazu immer auf dem inneren Vorderfuß beginnend (wie ich schon genauer an anderer Stelle erklärte), und macht danach weiter in Perfektion, gemäß dieser nächsten Figur: und wenn es passiert, dass der Kunstreiter sehr viel Mühe hat, jedesmal den Zeitpunkt dieses ersten Schrittes zu finden, soll er zumindest bei dieser ersten Aktion dieser Viertel den Kopf zu der Seite wenden, zu der er es wenden möchte, aber ohne irgendwie den Hals zu biegen oder die Aktion der Schulter zurückzuhalten.


Für die rechte Hand

 



 

 

 

A Piste im Schritt geradeaus vorwärts

B Piste der Passege auf dem Voltenviertel

C Piste der Schläge geradeaus nach dem Beenden des Viertels



Wenn das Pferd den Zeitpunkt und die Stelle erkannt hat, an der es gewohnt war, sich jedes Mal in seine Air zu erheben, beim Beenden oder nachdem es im Schritt diese o.g. Viertel beendet hatte; wird es zweifellos geneigt sein, sich von selbst zu erheben, bevor die Vorderfüße die gerade Linie auf dem Buchstaben C erreicht haben, den man auf der folgenden Skizze sehen kann, und mit einem Verstärken seiner Air muss man ihm diskret helfen, seine Air sanft zu beginnen, bevor das Viertel im Schritt beendet wurde, und in dieser Weise, ohne irgendwie die genanten Proportionen zu verfälschen, schließt man das Viertel mit einem oder zwei leichten Schlägen, und macht sogleich danach weiter seine Air geradeaus, ohne Intervall, nach der genanten Ordnung; und danach, je nachdem wie es verstanden und geduldig und locker diese Lektion praktiziert hat, lässt man es nach und nach versuchen, vorwärts, auf der Tour und dem Raum des Viertels, in dem Maße, wie es seine Air nimmt, wie es unten dargestellt ist, bis dass es das Viertel korrekt und besonnen beginnt und beendet, ohne die wahre Ordnung und die Gleichmäßigkeit der Schläge zu unterbrechen, was es in kurzer Zeit tun wird, wenn es dazu geeignet ist und wenn die Lektionen gut beachtet werden.


Für die rechte Hand                            Für die linke Hand



 

 

D Piste der Passege der Vorderfüße

E Piste der Schläge der Vorderfüße um das Vierte zu schließen und geradeaus zu beenden

F Piste der Hinterfüße auf der besagten Passege

G Piste der Hinterfüße, erhebend zum Schließen des Viertels

 


Alle Proportionen dieser Figuren, die gestrichelt dargestellt sind, bezeichnen die Pisten der Schläge der Air des Pferdes, während die im Schritt oder Trab durch die anderen Zeichen und Linien dargestellt sind.

Nachdem das Pferd gelernt hat, diese Viertel leicht und korrekt, und ohne den Takt seiner Air zu unterbrechen, auszuführen, muss man nach und nach die geraden Linien verkürzen und vermindert dadurch die Anzahl der Schläge, bis es ganz ohne geradeaus vorwärts zu gehen, die runde Piste der Vorderfüße und die der Hinterfüße auf den Vierteln verlängert, und so zwei Viertel zu einer Dem-Volte zusammensetzen kann, wie ich es für die vorige Passege beschrieben habe. Danach lässt man das Pferd wieder einen oder zwei Schritte geradeaus vorwärts gehen, wie es hier erneut skizziert ist, und hält es so für einige Zeit an, und wenn es passend erscheint, krault oder streichelt er es, ohne die Stelle zu verlassen.


Für die rechte Hand

 



 

 

A Piste der Vorderfüße im Schritt geradeaus vor dem Wenden

B Piste der Hinterbeine, die im Schritt begleiten geradeaus vor dem Wenden

F Piste der Vorderbeine im Schritt beim Beginn des Voltenviertels

C Piste der Vorderbeine während der Schläge auf dem Voltenviertel

H Piste der Hinterbeine die die Schläge begleiten

D Piste der Schläge der Vorderfüße geradeaus nach beenden des Viertels

I Piste der Hinterbeine begleiten die Schläge nach beenden des Viertels


Hat man so diese Demi-Volte beendet und das Pferd einige Schritte auf der geraden Linie vorwärts gehen lassen, lässt man es eine andere ausführen, in derselben Air und denselben Proportionen des Bodens, dabei die beiden anderen Viertel zusammenbringend, wie es hier unten dargestellt ist, um damit das Pferd sich frei zu der Air und der Tour der Demi-Volten entschließt, muss man beginnen mit einem oder zwei Schritten auf der beschriebenen Tour und danach die ersten erhobenen Takte dieser viel weniger gezwungen und ein wenig niedriger als die darauffolgenden ausführen, denn zweifellos muss man beim Ausführen dieser ersten Takte sorgfältig verhindern, das sich das Pferd einengt, verhärtet oder sich zur Seite lehnt, wie es häufig passiert, wenn der Kunstreiter nicht erfahren und sorgfältig genug ist.




 


A Piste der Vorderfüße geradeaus angehend vor dem Beginn der Demi-Volte

D Piste der Hinterfüße begleitend den o.g. Schritt

B Piste der Vorderfüße, beim Beginn der Demi-Volte

E Piste der Hinterfüße diesen schritt begleitend beim Beginn der Dem-Volte

C Piste der Vorderfüße und der erhobenen Air dieser Demi-Volte

F Piste der Hinterfüße begleitend die erhoben Air der Demi-Volte

G Piste der Vorderfüße im Geradeaus die erhobene Ait beibehaltend, in der die Demi-Volte ausgeführt wurde

H Piste der Hinterfüße, begleitend diese beibehaltene erhobene Air

 

Man findet häufig derart empfindliche und ungeduldige Pferde, die anfangs, anstatt die Schläge der vorgenannten Viertel oder Demi-Volten gleichmäßig und ohne Ungestüm zu erheben, sich zu sehr einengen oder zittern, und gelegentlich auch das Erheben verweigern, welches Anzeichen dafür sind, dass es keine Neigung zu den erhobenen Manegen hat; wenn dies passiert, muss man sie in die Lektion des einen Schlages, der von einem Schritt gefolgt wird, bringen, und sogleich wieder beginnen und weitermachen, somit die Schritte einreihen zwischen die Schläge, auf der korrekten Spur der genannten Demi-Volten. Und jedes Mal, wenn es ungeduldig hastet, nimmt man es zurück und hält es ganz an, präzise auf dem korrekten Boden, an dem die Unruhe es erfasst hat, und bevor man von hier wieder angeht, lässt man es locker gehorchen (ohne es hastig werden zu lassen), sei es durch Sanftheit oder Zwang. Dabei berücksichtigt man immer, je nach dem Naturell des Pferdes, welches dieser beiden den besseren Effekt erzielen könnte. Und wenn das Pferd außerdem sehr entier wird in dieser Lektion, wird es notwendig, die Hinterhand vergrößern zu lassen, und so die vier Füße auf eine Spur zu bringen, es dann wieder zurück anpassend nach und nach in diversen Ritten, bis das Pferd durch gute Gewöhnung, Ordnung und die Leichtigkeit der richtigen Proportionen dieser Lektionen dies verstanden hat. Und überhaupt muss Kunstreiter gewissenhaft sein, wenn er die Vorhand eines erdgebunden Pferdes sehr anhebt, vor allem beim ersten Ausführen der engen erhobenen Lektionen; andererseits soll aber er durch Sanftheit und Geduld verhindern, dass die sehr lockeren, oder die, die (ohne Takt) ausschlagen wollen, sich nicht zu hoch erheben; und, ob der Kunstreiter die Schläge so außerordentlich stark erhebt, oder stark zurückhält: sein Absicht sollte am Ende sein, dass er das Pferd, das eine zu starke Anlehnung hat, kurz und stark auf den Hanken hält, jenes aber, das zu locker ist, vorwärts angehen lässt, denn andernfalls wird die Lektion fehlerhaft.

In dem Maße, wie das Pferd die Regel der letzten Demi-Volten geübt hat, wie hier unten skizziert, lässt man es beim jedem Schlag weniger geradeaus gehen an ihrem Ende, bis es sie ohne Verwirrung zur ganzen Volte zusammensetzen und abrunden kann, danach lässt man es erneut einen oder zwei Schritte geradeaus vorwärts gehen, was hier durch die Hufeisen dargestellt wird.




 


Wenn das Pferd diese ganze Volte so ausgeführt hat, dass der Kunstreiter fühlt, es sei genug geschult, mit ausreichendem Gedächtnis, Kraft und guter Neigung zum Redoublieren, verstärkt er die Ordnung dieser Regel in dieser Weise: nachdem er es für kurze Zeit hat anhalten lassen und es gestreichelt hat, und je nachdem wie frei es gehorcht hatte, wendet er es in einem oder zwei Schritten, um so Hals und Kopf auf die Tour der Volte zu stellen und einzurichten, und um es aufmerksam zu machen für die Proportion der korrekten Spur, und um ihm das Mittel zu geben, sich leichter in seine Air zu bringen, in der man ohne Unterbrechung versucht (durch die guten Hilfen der Hand, des Beines und der Gerte, passend zur Aktion und Bewegung in dieser Lektion) es eineinhalb Volten machen zu lassen, auf einem perfekten Kreis. Und um diese Lektion mit einer weiteren Demi-Volte zu vereinen, was zwei ganze Volten erzeugt und ihm zur besseren Unterstützung (wenn man es kann, durch die guten Regeln und entsprechend seiner Kräfte), muss man jedesmal die gleiche Einleitung beachten, wie oben beschrieben, mit einem oder zwei Schritten auf der Tour: denn dies ist ein Mittel, um das Pferd zu lösen, und ihm zu helfen, die Volte leichter zu vollenden; dabei muss man darauf achten, dass es frei und ruhig wird in der Korrektheit der Manege und im gleichmäßigen Takt einer guten Air, und danach kann man es, ohne einen Schritt zu machen, in seine erhobene Air bringen, wobei man wachsam, stet und aufmerksam sein muss, und in dieser die Volte nehmen, beim zweiten oder dritten Schlag, und später zu den Zeitpunkten, wann man möchte.

Durch diesen Diskurs über die Regeln dieser Carrees soll der gut ausgebildete Kunstreiter bis hier vier Hauptbeurteilungen treffen: Die erste, die zu einem Pferd passt, das von Natur aus nicht sehr erfreut darüber ist, die Kruppe und die Hinterfüße auf irgendeine korrekte Art innerhalb der kreisförmigen Spur der Vorderbeine zu halten, wie auch über jeden anderen Gehorsam, und bei dem die harten Rügen ganz kontraproduktiv sind: wenn man es überrascht mit dem Beginn des Schrittviertels, wie ich es erklärt habe, indem man es, wenn es vorwärts geradeaus geht, die Bewegung des Anhebens und Vorwärtsbringens von äußerer Schulter und Vorderbein auslöst, kann es zu diesem Zeitpunkt nicht so leicht mit der Kruppe ausfallen, und diese nicht so einfach ihren korrekten Platz verlassen: denn äußere Hanke und äußeres Hinterbein sind natürlicherweise damit beschäftigt, die Bewegung von äußerem Vorderbein und Schulter zu unterstützen, die sich durch diese Überraschung (wenn sauber ausgeführt) vorwärts, kreuzend und übertretend über das innere bewegen, und so beim Wenden die erste Aktion des Viertels erzeugen: in der Weise, dass, falls es beginnen möchte, die Kruppe herauszubringen, es dies notwendigerweise nach diesem ersten Schritt tun müsste, und auch nachdem es genauso das äußere Hinterbeines gehoben hat, und das innere Vorderbein; doch der sorgfältige Kunstreiter kann beim diesem zweiten Zeitpunkt und und dieser Bewegung das Pferd erhalten und vorwärtsbringen durch Anwendung der Androhung einer Rüge mit dem gegenüberliegenden Bein oder Sporn, so dass es auf die gerade Linie gebracht wird, die das Viertel schließt, bevor die Kruppe zu sehr ausgefallen ist. Sodann lässt er das Pferd geradeaus auf dieser Linie gehen, wenn er keinen zwingenden Anlass hat, die Hinterbeine von der Spur der Vorderbeine abweichen zu lassen, und abhängig davon, ob der Kunstreiter die Möglichkeit hat, den korrekten Zeitpunkt zu Beginn des anderen Viertels, wenn das Pferd sein inneres Vorderbein zu Boden setzt, zu wählen und wieder zu beginnen. So kann das Training dieser Regeln des Carrees nach und nach ohne Gewalt die Kruppe des Pferdes einrichten, und als Folge Kopf und Hals, fast ohne dass es Unterordnung empfindet.

Und durch die Schritte, die es auf dieser geraden Linie macht, soll der gute Kunstreiter zweitens beurteilen, ob diese Lektionen auch dem Pferd eine große Hilfe ist, das von Natur aus locker an der Hand und sehr empfindlich ist: denn der Schritt geradeaus, der bei jedem Viertel wiederaufgenommen wird, nimmt ihm die Möglichkeit, sich zu sehr zurückzuhalten, oder sich einzuengen oder anzuhalten beim Wenden auf den Hanken. Und dadurch ist er ein Mittel, seinen Gehorsam anzupassen und für die Korrektheit der Volten leicht und sanft zu lösen, immer seine Spannkraft lebhaft zu beschäftigen, ohne es die Schule oder die Herrschaft des Reiters hassen oder zu sehr fürchten zu lassen.

Die dritte Beurteilung, die man treffen soll, berücksichtigt, dass, wenn das Pferd irgendeinen Mangel an Kraft oder Mut hat, es sich durch die Freiheit, die es in diesen ersten Lektionen spürt (beim Vorwärtsgehen geradeaus im Schritt, jedes Mal wenn es durch eine Unterordnung das Voltenviertel beendet hat), weniger erschreckt über den Gehorsam der Schule.

Am Ende soll man auch noch beurteilen, wenn das von Natur aus cholerische, ungehorsame Pferd, das obendrein Feind der engen Proportionen ist, häufig abgelenkt wird von den vielen liederlichen Fantasien und Boshaftigkeiten durch die generelle Größe und Freiheit dieser Regeln des Carrees und vor allem durch die Erlaubnis, sie zu vergrößern oder zu verengen, durch Verlängern und Verkürzen der geraden Linien und beim Wechseln der Stelle, je nach Ausschweifung des Pferdes; und besonders, wenn es einen schwachen Hals und einen unruhigen Kopf hat, soll man die korrekten und verschiedenen Bewegungen in diesen Lektionen mit einer fleißigen Sorgfalt beachten; und vor allem sind die subtilen, steten und temperierten Aktionen der Hand des guten Kunstreiters und die daraus folgenden guten Wirkungen des Zaumes und des Kappzaumes, solche hervorragenden Hilfen, nicht nur für die Stetheit des Kopfes und des Halses, sondern auch für die korrekte und kräftige Haltung des ganzen Pferdekörpers.

 
















Band II, Kapitel 21


Dieselben Regeln der Carrees, angepasst für das Pferd, das schwer an der Hand ist oder an der Hand zieht


 

Welche auch immer die geeignete der o.g. Carreelektionen ist zum Beruhigen von Maul, Kopf und Hals eines Pferdes, das von Natur aus locker an der Hand und von gutem Willen ist, und auch um es in Aktion zu erhalten zum Lösen im Vorwärts und für eine gute Anlehnung an die ausgebildete Hand und seine Bereitwilligkeit, oder wenigstens um es ohne Gewaltanwendung daran zu hindern, dass es sich zu sehr einengt oder zu sehr ausfällt, je nachdem was man versucht gut zu erreichen bei den ersten Korrektheiten der Volten. Dieselben Lektionen erzielen auch eine gute Wirkung zum Erleichtern jenes Pferdes, das im Gegensatz dazu schwer an der Hand ist oder zieht, und um ihm die Schultern und die Anlehnung des Maules leichter zu machen; denn der Gehorsam und das Training der Voltenviertel, wenn sie in dieser Art auf den Hanken ausgeführt und unterhalten werden, mit den Hinterfüßen platziert in der Mitte des Kreises den die Vorderfüße machen, versammelt diese Haltung und nimmt notwendigerweise die gesamte kräftige Aktion des Pferdes zusammen, verlagert seine Kräfte auf die Hinterhand und erleichtert dadurch die Vorhand und macht die Kruppe ruhiger; und der Schritt geradeaus auf den Linien gibt dem Kunstreiter zusätzlich die Möglichkeit, die Hand bei einem Pferd nachzugeben, das zu viel Anlehnung an das Gebiss hat, und ebenso den richtigen Zeitpunkt der Bewegung von äußerer Schulter und äußerem Vorderbein zu wählen, um die Tour des Viertels zu beginnen, und die Korrektheit beim Vorwärtsbringen und Überkreuzen dieses Vorderbeines über das innere zu erleichtern. Aber in diesem Fall muss man es normalerweise versammelter auf den Hanken arbeiten, vor allem beim Beenden dieser Figur, und die Linien viel kürzer, als wenn das Pferd locker in der Vorhand ist, damit man ein Mittel hat zum Lösen und gegen die Möglichkeit auf die Schultern zu fallen und auf die Anlehnung des Gebisses; und wenn der Überdruss oder das Unbehagen der Unterordnung

die Unruhe oder der Ungehorsam dazu führt, dass es sich außergewöhnlich auf die Hand legt oder an ihr zieht, lässt man es manchmal sogar auf den geraden Linien rückwärts gehen gemäß der unten gezeigten Skizze. Und zwar so, dass man es nach dem Rückwärtsrichten bis zum Ende der Linie (wo man anfangs dieser erste Linie begonnen hatte), wenden lässt, wenn die Hinterfüße auf dem Buchstaben A angekommen sind, und die Tour beginnt, indem die Vorderfüße den Ort B verlassen, und eine Viertelvolte auf dem Punkt C vollenden, ohne dass die Hinterfüße von ihrem korrekten Platz auf A abweichen.

  

Bahnfigur für die rechte Hand

 



 

 

D Erste Linie zum Rückwärtsrichten bis zum Buchstaben A



Danach lässt man es erneut rückwärts gehen auf der zweiten Linie, um das nächste Viertel nach dieser Carreeregel zu machen, und in dem Maße, in dem es von Ungestüm oder zu starkem Vorwärtsdrang erfasst wird, und wenn es seinen Kopf erhaben in einer guten Haltung trägt, ohne sich zu sehr auf die Hand zu legen, lässt man es wieder vorwärts gehen zu der Stelle, von der an es auf der geraden Linie zurückgegangen war. Und alles genauso, wie ich erklärte beim Pferd mit einer lockeren Vorhand, denn nach einem Fehler in diesen Korrektheiten soll man es durch die Distanzen des Carrees korrigieren, indem man es vorwärts und seitwärts gehen lässt, die Kruppe schiebt und den Kopf zieht auf den Teil, auf dem es die Korrektheit und die Leichtigkeit des Carrees verweigert hatte; und ich möchte auch, dass man alles genau gleich ausführt, sowohl beim Rückwärts wie beim Vorwärts bei denen, die sich von Natur aus zu sehr auf das Mundstück oder den Kappzaum legen. Ist es aber empfindlich, ablehnend oder cholerisch, lässt man es beim Vorwärts schräg oder seitwärts gehen, oder geradeaus auf den Carrees, und hält es hierbei normalerweise in Erwartung eines Durchparierens oder Rückwärtsgehens, damit es sich nicht auf die Schultern oder auf die Anlehnung der Hand wirft. Beim Rückwärtsrichten muss man es auch häufig in eine Aktion bringen, die geeignet ist, es wieder vorwärts gehen lassen, um zu verhindern, dass es störrisch oder spornstätig wird.

 


 

 

Skizze für die rechte Hand

 



 

 

D Linie zum Rückwärtsrichten bis zum Punkt A

E Erstes Viertel

F Zweites Viertel

G Drittes Viertel

H Viertes Viertel

 

 I Erste Linie

 

 

 

Denn wenn man so das Pferd schräg vorwärts oder rückwärts auf dieser Linie gehen lässt, falls es nicht korrekt gewesen war, lässt man es notwendigerweise die geraden Linien verlassen, und deshalb ist diese Regel nicht sehr carreemäßig und die Viertel werden scheinbar fehlerhaft platziert werden. Überhaupt muss man berücksichtigen, dass diese Art, auf der Distanz des Viertels vorwärts oder rückwärts zu gehen, die ganze Aktion des Körpers seitwärts schiebend, eine ausreichend sanfte Rüge ist die man nur darauf beschränkt, falls das Pferd sich nicht in den Gehorsam begibt. Aber ich werde andernorts diese Art des Vorwärts- und Seitwärtsgehens noch besser und mit Zeichnungen erklären.

Es ist auch fast unmöglich, beim Rückwärtsrichten den richtigen Zeitpunkt für die Bewegung von äußerer Schulter und äußerem Vorderbein zu finden, zu dem es bei Beginn des Viertels über das innere übertreten soll. Aber ebenso wie man diese spezielle Bewegung von Schulter und Vorderbein nur versuchen soll, um dem Pferd beim Wenden die Kruppe besser innerhalb der kreisförmigen Spur der Vorderfüße zu halten, ohne dass es sich fehlerhaft einengt oder seine Lebhaftigkeit zurückhält, soll man es auch nur dann nach der guten Ordnung der Regeln rückwärtsrichten, wenn man ein zu großes Verlangen, böswillig vorwärts zu drängen, erspürt hat oder wenn es sich zu sehr auf die Anlehnung der Hand legt. In diesem Falle ist es also nicht erforderlich, diese erste und dermaßen vorteilhafte Aktion von äußerer Schulter und Vorderbein zu Wenden zu gebrauchen: im Gegenteil muss man das Pferd, das diese Fehler macht, zurückhalten und dadurch verhindern dass es sich auf die Schultern legt, oder auf die Anlehnung des Gebisses oder des Kappzaumes.

Um diese Lektionen im Rückwärts zusammenzulegen, muss man nach und nach die Anzahl der Schritte auf der geraden Linie verringern, bis man beide Viertel zusammenlegen kann, und nun, ohne Unterbrechung, eine Demi-Volte mit den Hanken auf A produziert: man fängt beim Angehen mit den Vorderfüßen auf B an, und beendet auf C, gemäß der nachfolgenden Skizze. Danach lässt man es wieder auf der geraden Linie rückwärts gehen, bis die Hinterfüße auf dem Buchstaben A angekommen sind, und setzt dann in guter Ordnung genauso die anderen beiden Viertel zusammen, um die andere Hälfte der Volte zu bekommen. Schließlich muss man hier beim Rückwärtsrichten beachten, sowohl in der Ordnung der Schläge, als auch in jener des Schrittes, dieselben Proportionen einzuhalten, wie ich in den vorherigen Vorwärts- und Carreeregeln erwähnte, außer dass man das Pferd, das schwer ist oder an der Hand zieht, um es auf den Volten zu rügen und leichter zu machen, normalerweise zurückhaltender und geschlossener auf den Hanken halten soll beim Beenden dieser Demi-Volten. Vor allem muss man ihm seinen Körper gerade halten, und es dazu bringen, immer den Hals, den Kopf und den Blick und den Mut beim Wenden gerade vor sich auf der Spur zu halten.

 

 

Für die rechte Hand

 



 

 

D Linie der Piste zum Rückwärtsrichten bis die Hinterfüße auf A angekommen sind und die Vorderfüße auf B

E Piste der Vorderfüße beim wenden nach rechts bis auf C, wo sie die Demi-Volte auf der geraden Linie beendend

F Piste der Hinterfüße

 


Durch allmähliches Verkürzen der geraden Linien können diese Demi-Volten dann leicht zu einer ganzen Volte zusammengefügt werden, und um dort zu redoublieren, muss man, wie gesagt, gleichmäßig sowohl die Schläge der Air des Pferdes wie auch den Schritt verstärken, nämlich von Viertel zu Viertel, oder von Demi- zu Demi-Volte, bis zur echten Grenze seiner Kräfte. Falls das Pferd beim Ausführen dieser versammelten und auf den Hanken engen Lektionen weiter macht mit der Härte oder Schwere des Kopfes, des Maules oder der Schulter, ist es gut, gelegentlich die Stelle zum Rückwärtsrichten zu wechseln, um dort diese Demi-Volten oder ganzen Volten fortzuführen. Aber dieses Rückwärtsrichten soll immer proportional zu der Anlehnung des Pferdemaules und dem Gehorsam, den es liefert, sein: soll heißen, dass in dem Maße, in dem der Kunstreiter ein Leichterwerden der Vorhand und ein Selbsttragen des Kopfes spürt, er es weniger und sanfter rückwärtsrichten soll, als wenn es sich mehr anlehnt oder auf die Hand fällt. Und nachdem es in der ganzen Lockerheit, die seine Kräfte und Statur ihm erlauben, angekommen ist, und wenn Hals und Kopf in ihre schönste Haltung gebracht sind, und das Maul in seiner Anlehnung schön temperiert ist, muss man aufhören mit der Ordnung dieser Rückwärtsregeln, sie aber nichtsdestotrotz wiederaufnehmen, sobald man spürt, dass das Pferd wieder in seine Fehler zurückfällt. Denn wenn man dies erst dann bemerkt, wenn sie wieder völlig zurückgekehrt sind, hat dies Mittel viel weniger Effekt: und deshalb soll der gute Kunstreiter gelegentlich das Pferd, das von seiner Natur locker an der Hand und gelegentlich störrisch ist, in die Lektionen geradeaus vorwärts zurückbringen, um es in der lebendigen Aktion seiner Air und seiner Manege zu erhalten, damit es sich beim Arbeiten weder einengt, noch seine Lebhaftigkeit in irgendeiner Weise zurückhält; ich möchte auch für diesen ausdrücklichen Zweck, dass er gelegentlich in diesen Lektionen im geraden Geradeaus, gehorsam und rückwärts, ein Pferd mit einer zu schweren Vorhand, oder eines, das sich von Natur aus trotz des Trainings der guten Schule schwer auf die Hand legt oder an ihr zieht, sich gut versammelt und seine Manege auf den Hanken erhält und in seiner sehr lockeren Anlehnung bleibt; denn beim Verbessern, gelegentlich zum einen oder zum anderen, sind die Regeln, durch die sie zum Gehorsam und der Freiheit der korrekten Proportionen ihrer Manege kamen, zweifellos ein Mittel, um sie immer in der guten Schule zu halten.

Durch den Diskurs dieser Carreelektionen auf den Hanken, und gegebenenfalls im Rückwärts, erkennt der gute Kunstreiter leicht, dass diese ein Pferd, das eine zu beladene Vorhand oder von Natur aus eine zu harte oder schwere Anlehnung des Maules hat, gut versammeln und verbessern können. Bei diesen verhelfen auch sehr die gut gegebenen Lektionen in der Reitbahn an der Stelle des „filets“ (?), wobei die Kappzaumleinen am Sattelknauf oder anderer geeigneter Stelle befestigt werden, zu Lockerheit und Leichtigkeit in allen Airs, sowohl beim Erheben der Vorhand wie auch der Hinterhand. Denn zweifellos hält die Gewöhnung an diese zwingende und begrenzende Unterordnung das schwere, beladene, erdgebundene oder auseinanderfallende Pferd (wenn es nicht zu empfindlich oder ablehnend ist) leichter zurück, versammelt und erhebt es, wie es viele andere gewöhnliche Mittel nicht tun. Im Gegenteil können dieselben dermaßen unterordnenden Mittel aber ein sehr hitziges, empfindliches oder sehr ablehnendes Pferd verwirren oder verzweifeln lassen, oder schwach machen oder ängstlich; und gewöhnlich auch die schlechten Gewohnheiten derer verstärken, die böswillig und störrisch sind, sodass man sie nur dann etwas Schönes ausführen sieht, solange sie am Sattelknauf angebunden sind oder wenn man sie an einer bekannten und erwarteten Stelle trainiert. Und weit entfernt davon, dass es beim spornstätigen Pferd nötig wäre, die Aktion und die erhobene Air zu verkürzen in dieser so gezwungenen und auf eine Stelle begrenzten Weise, soll man dieses normalerweise lieber treiben und jagen, dabei verschiedentlich den Platz wechseln bei den meisten seiner Bewegungen, die es böswillig zurückhält, und auch wenn es schlägt, balottiert oder springt, ohne vorwärts zu gehen oder ohne Anlehnung an die Hand, welches ein Zeichen für seine böswilligen Absichten ist, durch die es am Ende völlig störrisch wird, falls es nicht durch die gute Praxis des Kunstreiters davon abgebracht werden kann. Und als empfehlenswerte Regel wünsche ich, dass man sich daran erinnert, dass ein Pferd nicht ohne Grund, wie ich es zuvor schon an diversen Stellen erklärt habe, notwendigerweise voll von der Hand angehen können soll, dass es locker durchparieren kann, aber nichtsdestotrotz mit steter Anlehnung der Hand, dass es frei und entschlossen wenden kann, weit und eng, sei es im Galopp oder im Trab, gleich auf beiden Händen, bevor man es auf den korrekten, erhabenen Volten trainiert, vor allem auf diesen zuletzt beschriebenen, die im Rückwärtsgehen gemacht werden. Andernfalls gibt das kontinuierliche Rückwärtsgehen normalerweise dem schweren oder ungeduldigen Pferd, vor allem wenn es einen zu harten und steifen Hals hat, manchmal Anlass, auf den Volten nachlässig oder entier zu werden, weil eine derart versammelte Aktion völlig gegen die für das gute Wenden nötige lockere Entspanntheit arbeitet.

Aber wenn ein Pferd, mit welchem Naturell auch immer, das bereits die niedrigen, entschlossenen und redoublierten Volten akzeptiert hatte, und der Kunstreiter danach spürt, dass es zu allen möglichen Aktionen bereit ist, die gegen alle schönen erhobenen Airs und guten Manegen arbeiten, kann er diese häufig vertreiben, indem er die Volten zunächst vergrößert und dann wieder verkleinert im Trab, Galopp oder im lebhaften Terre-a-Terre und durch diese Freiheit und Entschlossenheit das Ausführen der engen Lektionen ermöglicht, die ihm diverse fehlerhafte Zwischenfälle verursacht hatten.

Damit der Kunstreiter die Ordnung der o.g. Regeln und Lektionen beim Beginn und am Ende der nach und nach zusammengelegten Carrees besser verstehen kann, habe ich deren Kapitel sehr lang ausgeführt, ohne abzuschweifen auf die Handwechsel und auch, weil ich nicht beabsichtige, dass der Pferdemensch in Verlegenheit gerät und seinen Geist in der Verwirrung der modernen Korrektheiten plagt, bevor er in der Praxis der guten Schulen seiner Kunst gut fundiert ist, durch die er befähigt werden soll, nicht nur mit Sorgfalt und angemessenem Urteil alle korrekten und delikaten Proportionen ausführen zu können; sondern auch um gut erkennen zu können, wann das Pferd es verdient hat gerügt oder gestreichelt zu werden, wann beim Fortführen der Lektion die Stelle gewechselt werden sollte, und wann man aufhören sollte, auf der einen Hand, um dann weiterzumachen im selben Stil auf der anderen, und vor allem, wann die rechte Zeit ist, die Ordnung der Lektionen zu verstärken, und manchmal auch zu vermindern, je nach den Kräften und dem Gedächtnis und dem Status seines natürlichen Temperamentes. Und in dem Maße, wie selbst die bestausgebildeten Pferdemenschen gelegentlich fehlgehen können bei diesen Gelegenheiten, möchte ich auch erneut ausdrücklich den Kunstreiter darauf hinweisen, dass es beim Praktizieren dieser Lektionen zweifellos selten vorkommt, dass ein Pferd auf beiden Händen gleichermaßen zustimmt und profitiert: im Gegenteil ist es normalerweise mehr geneigt, gut zu arbeiten auf der einen als auf der anderen Hand, und am häufigsten schlecht auf beiden. Und wie es auch sei: ich wünsche mir, dass der Kunstreiter für sein Hauptziel immer diese Regeln und Proportionen im Geiste präsent hat, aber auch, dass er nichtsdestotrotz gelegentlich davon abweicht, und anders und durch verschiedene Mittel versucht, das Pferd zu verbessern, das die richtige Ordnung unserer Korrektheiten nicht verstehen kann oder will. Nämlich dass, wenn es die guten Effekte dieser Lektionen auf einer Hand versteht, und gehorcht und sorgfältig den Bewegungen des Reiters nachgibt, er es subtil und korrekt auf dieser Hand gehorchen lässt, wie ich schon sagte, gemäß der Ordnung der nächsten Skizzen; wenn es sich aber auf der anderen Hand einengt, sei es von Natur aus, oder aus irgendeinem Anlass oder Veränderung, und wenn es bei seinem Fehler bleibt, soll man es vergrößern lassen oder falls nötig, aus den Grenzen, die unten skizziert sind, heraustreten lassen, und ebenso, im entschlossenen Trab oder Galopp, an verschiedenen Stellen, wenn es sich beim Zusammenlegen der Figuren versteift oder auf der Volte beginnt, entier zu werden. Wenn es aber im Gegenteil die Figur vergrößert entgegen der Aktion oder der Absicht des Kunstreiters, muss man es rügen, zurückhalten, einengen und ggf., wenn es verstockt ist, zusammenziehen innerhalb des generellen Kreises der genannten eingehaltenen Regeln: derart, dass man in der selben Aktion der einen Hand sehr leicht die gute beabsichtigte Ordnung der korrektesten Figuren einhalten kann, und auf andere Art versucht, so wie man kann, auf der schwierigeren Hand die notwendige Entschlossenheit und Leichtigkeit, Mut und Aktion des Pferdes zu erreichen, bis es nach und nach gleichwertig ausgebildet ist auf beiden Händen zur Freiheit und Sorgfalt in den genannten Lektionen.


 

Für die rechte Hand


 
  

 


Falls die Fortführung dieser genau beachteten Regeln das Pferd häufig in eine böswillige Unruhe bringt, oder in Verzweiflung, falls seine Natur heißblütig, cholerisch oder ungeduldig ist; oder wenn dieselben Lektionen den Mut und Lebenskraft einschläfern bei denen, die einen phlegmatischen oder melancholischen Charakter haben, ist es gelegentlich nötig, die Ordnung der korrekten besagten Lektionen zu unterbrechen, und das eine oder andere mit den runden Lektionen auf einer Spur zu trainieren, lange genug, und in einem normalen, aber trotzdem gut bedachten Stil, nämlich im Trab und kleinen Galopp bei einem Pferd, das zu ungestüm ist, das an der Hand zieht, oder dass ausreißen will oder völlig die Schule vermeiden möchte; jenes aber, das seine Kräfte zurückhält oder sich erniedrigt, ausreichend entschlossen im furiosen Galopp oder Terre-a-Terre, sodass durch diese gut erwogenen Mittel, das eine sich besonnener und das andere sich entschlossener zeigt, und alle beide mehr die Sanftheit und das Streicheln genießen, das sie danach erhalten, wenn sie die korrekt geregelten Lektionen mit mehr Kunst und Geduld ausgeführt haben und dass sie sich durch diesen Weg resoluter am Gehorsam verbessern, und schließlich freier und ruhiger zur Perfektion der schönsten und besten Manege, zu denen ihre Kräfte imstande sind.

 















Band II, Kapitel 22

Andere Regeln für die erhobenen, redoublierten Volten


Von allen Regeln, die ich bis heute praktiziert habe, passen die besprochenen Carrees das Pferd, das ein Feind des Gehorsams ist, am leichtesten an die Airs und die Korrektheit der Volten an: sei es nachdem man begonnen hat, es zu schulen, oder wenn man es, nachdem es abgestoßen war oder anderweitig verdorben wurde, erneut zur guten Schule zurückbringen möchte. Aber wenn es sich dann locker und mit gutem Willen wieder an die Hand zurückgebracht hat, mit ausreichender Kraft und Lockerheit, erweist sich die Ordnung, die im Folgenden präsentiert wird, leichter: in der Weise, dass man hierbei nicht so viele verschiedene Lektionen benutzt und diese nur sehr viele gute Effekte haben. Denn ich habe schon an vielen Stellen gesagt, dass, um gut den Geist, die Kräfte und gute Bewegungen zu verbessern bei einem kräftigen, lebhaften und lockeren Pferd mithilfe der besten und korrektesten Lektionen, es normalerweise jedes Mal notwendig ist, es aufzuwärmen und zu lösen im Trab oder im Galopp, falls es eine zu sehr zurückgehaltene und verspannte Kraft im Rücken hat, denn dieser Beginn des Trainings ist nicht nur dem Atem und dem Gedächtnis des Pferdes, oder der Fähigkeit aller guter Lektionen und korrekten Proportionen der schönsten Manegen angemessen, sondern er kann häufig auch dem cholerischen und superben Pferd vertreiben, sich zu verstockt dem Gehorsam der Schule zu verweigern und zu wehren, wie es dies gelegentlich macht, wenn es derartig die normalen Mittel und Rügen des Kunstreiters ablehnt, weil es sich infolge sehr langen und rigorosen Strafens und vorhergehender sehr starker schlechter Behandlung, das Pferd (wegen der Schläge und der Erschöpfung) schließlich in der Air oder der Korrektheit seiner guten und sehr aufmerksamen Lektionen weder gut reagieren noch ihnen zustimmen kann, sondern es im Gegenteil häufig derart rückwärts geht in seiner Lektion und gelegentlich derart erschreckt, verwirrt und völlig angewidert ist, dass, um es gut zurückzubringen in seinen ersten guten Stand des Gehorsams und der Leichtigkeit man viel mehr Zeit, Mühe und Fleiß aufwenden muss, als hätte man diese von Anfang an eingesetzt für das Anpassen und Verbessern bis zu seiner letzten und am weitesten fortgeschrittenen Lektion. Vor allem gebe ich zu diesem Zweck, und bevor ich die Ordnung der vorgeschlagenen Regeln erkläre, hiernach zunächst einen Hinweis über die Natur bestimmter Pferde mit solchen Rücken, die im Gegenteil vor ihrer Lektion der Korrektheit weniger gelöst werden sollen, als viele andere.


Band II, Kapitel 23

Über einige Pferde, die für störrisch gehalten werden, aber trotzdem von guter Natur sind


Es reicht nicht aus nur zu wissen, warum es nötig ist, ein Pferd, das von Natur aus locker und lebhaft ist, im Trab und gelegentlich im Galopp zu bewegen, bevor man es zusammen nimmt in einer korrekten Proportion der Schule; man muss diese erste Lektion auch, je nach der Neigung und den Kräften bei allen Arten von Pferden, gut abwägen und begrenzen, ohne sich festzuhalten an Aktionen, die scheinbar besser sind. Denn es gibt darunter einige, die einen sehr starken Rücken haben, der vor allem eine schöne Air kräftig begleitet, so bald sie ihre Kräfte versammelt haben. Wenn der Kunstreiter deren Atem durch langes Traben und Galoppieren verbessern will, weil er glaubt, dass er ihnen durch diese Mittel mehr Kraft und Munterkeit verschaffen könne, findet er danach im Gegenteil ihre Kräfte derart auseindergefallen, dass anstatt besser zu werden, sie die Air ihrer Manege schlurfend absolvieren, ohne jede Leichtigkeit und Entschlossenheit. Man findet auch viele andere von gutem Naturell und mit kräftigem Rücken, die trotzdem schwache Glieder haben und sich beim Traben und Galoppieren zurückhalten, verbiegen, und sich zusammenziehen, und sich deshalb nicht frei an den Kurs halten können, weil sie gemeinhin nicht wagen, ihre Kräfte und Entschlossenheit anzuwenden, denn sie misstrauen von Natur aus den Fähigkeiten der Schultern, der Beine, der Fesseln oder der Füße; vor allem, wenn sie hoch über der Erde sind. Und solche Pferde sind störrisch, oder werden unter den guten Kunstreitern dafür gehalten, weil sie sehr ihre kräftige und lockere Aktion zurückhalten, allerdings nicht für sehr störrisch oder spornstätig, in dem Maße, wie ihre Unentschlossenheit ja die Folge eines natürlichen Gefühls ist, wenn sie eine Schwäche der Glieder haben; und häufig können sie in einer schönen Air und einer engen und erhobenen Manege glänzen, falls sie in einer guten Schule trainiert wurden. Denn nach der gewöhnlichen Regel, die man anwenden sollte bei diesen Pferden, die sehr buckeln während der ersten Bewegungen in ihrer Übung, sei es bei der Trab- oder der Galopparbeit, bis die große Kraft ihres Rückens ausgeglichen ist, bevor man mit den Proportionen der korrekten Lektionen beginnt; und bei diesen möchte ich dem Kunstreiter besonders raten, wenn er erkannt hat, dass seine Entschlossenheit nicht die Folge einer ungehorsamen Natur ist, sondern nur der Defekte der Glieder, die durch einen Unfall oder von Natur aus geschwächt oder unfähig sind, dann sollte er nicht zu rigorose Rügen oder Mittel anwenden, oder versuchen, die zu große Kraft in seinem Rücken, die es dadurch zeigt, mit Trab- oder Galopparbeit völlig zu erschöpfen, bevor er es aufmerksam in die Ordnung der versammelten und korrekten Regeln bringt. Denn es wäre viel besser, wenn es die ersten Proportionen seiner korrekten Lektionen gelegentlich holprig und zurückgehalten beginnt, als wenn man ihm die Schultern, Beine oder Sprunggelenke so sehr schwächt, dass es sich sehr bald danach einengt oder sich auf das Gebiss legt, und man dann keine Mittel mehr hat, die Air und die Korrektheit der genannten Lektionen lebendig und locker bis zu ihrem Ende durchzuführen, gemäß der Ordnung der guten Schulen, und genauso in allen munteren und mittleren Airs, welche man normalerweise mit Lebhaftigkeit beenden sollte, um das Pferd in seinem Mut zu erhalten; das ist der Grund, weshalb der Kunstreiter nicht nur voraussehen und wählen muss, welche Air am besten geeignet ist für die jeweilige Neigung des Pferdes, sondern auch seine Kräfte so verteilen soll, mit solchem Fleiß und Diskretion, dass alle seine Lektionen schön werden können und gut nutzbar.

Es gibt auch störrische Pferde der Manege, welche gelegentlich bei der Arbeit schreien und dadurch ihre Ängstlichkeit zeigen, die schlechte Absichten erzeugt, die man ihnen nicht erlauben soll; andererseits gibt es andere, die deshalb schreien, weil sie in die Air einer erhobenen Manege gebracht werden, einzig bewegt durch die heitere Stimmung des Mutes und auch weil sie ihre Kräfte spüren beim lebhaften Beginn einer großen Anstrengung. Wenn das Pferd also schreit aus Bösartigkeit, infolge bestimmter fehlerhafter oder anderer unangenehmer und unordentlicher Sprünge, zeigt dies sein schlechtes Naturell und besonders seinen Antrieb an, den Reiter abzuwerfen; während bei denen, die aus Munterkeit und Leichtigkeit schreien, diese häufig durch diese gelegentliche flegelige Aktion zeigen, dass sie eine solche überschießende Kraft spüren, welche sie locker benutzen und damit von sich aus die gewohnte Air verstärken, ohne dass sich dadurch der Reiter unbequem findet, so dass er hierdurch sogar mehr Zufriedenheit und einen sicheren Sitz bekommt: dieses sollte man nicht rügen wie bei einem bösen Pferd, sondern es reicht aus, es aufmerksam und in Erwartung zu halten, dass, wenn es weitermacht seine Unregelmäßigkeiten zu verteilen, man sogleich bereit ist, als Rüge es zurückzubringen in seine normale und begrenzte Air.






Band II, Kapitel 24


Erste Lektion der genannten Regeln


Wenn also ein Pferd mit einem guten Naturell sich geneigt zeigt zur Manege der Volten in einer erhobenen Air, und wenn es ausgebildet ist mit einem guten Fundament in Trab und Galopp, und zu einem steten und lockeren Gehorsam beim Durchparieren, kann der Kunstreiter sicher sein, es danach in kurzer Zeit (wenn diese anderen Regeln gut beachtetet werden) zu der Perfektion zu bringen, die seine Kräfte ihm ermöglichen. Um mit ihnen die guten Lektionen der Air und der Korrektheiten auf diesen Volten zu beginnen, lässt man es in einem guten, gleichmäßigen und und gut zugewandten Schulschritt promenieren, es dabei den Kopf in seiner mittleren und schönsten Haltung halten, und es zunächst eine Spur von zwei geraden Linien machen, die an beiden Enden durch eine Demi-Tour verbunden werden, was dann eine fast ovale Bahnfigur ergibt, wie sie hier dargestellt ist, und auf der man die Hinterbeine in keiner Weise von der Spur der Vorderbeine abweichen lässt.


 

 

Für die rechte Hand

 



 

In allen Skizzen sollen die Linien, Strahlen oder Punkten auf den Volten und Demi-Volten einzig die Art der erläuterten Ordnung der Regeln und Lektionen, die Proportionen und Entfernungen des angepassten Schrittes und der erhobenen Schläge anzeigen; die Anzahl der Markierungen aber muss man unbeachtet lassen.

Nachdem das Pferd diese erste Passege auf jeder Hand kennengelernt hat, kann der Kunstreiter am Ende der Linien beginnen, es dazu zu bringen, seine Air auszuführen: auf dieser hier unten dargestellten Spur lässt er es auf dem Punkt A einen Schlag machen, und mit diesem gleichzeitig auf die Demi-Tour gehen, lässt es darauf zwei Schritte geradeaus machen, und nach diesen im selben Moment einen anderen Schlag, und nach zwei weiteren Schritten wieder, und so weiter bis zum Punkt B, geht danach auf der geraden Linie weiter, ohne seinen normalen Schritt zu unterbrechen, um dann am Punkt A ohne Unterbrechung wieder einen Schlag auf der Demi-Tour zu machen, und wieder zwei Schritte, und gleich angeschlossen erneut einen Schlag, gefolgt von zwei oder drei Schritten, und kommt dann in dieser Weise auf B an; dann geht man geradeaus auf der Linie weiter, wie zuvor, um dann wieder im selben Stil zu beginnen und aufzuhören, bis es Zeit ist, dasselbe auf der anderen Hand auszuführen.

 


Für die linke Hand                                            Für die rechte Hand


 

 

C erste Linie geradeaus

D Piste der Demi-Volte

E Piste zum Handwechsel

F Piste um wieder auf die erste Hand zurück zu wechseln

 


Diese Lektion ist so weiträumig und so leicht, dass auch ein Pferd mit einem nur sehr schwachen Gedächtnis, nur wenig guter Neigung oder wenig gutem Beginn der Schule fähig ist, um sie in fünf oder sechs Ritten zu verstehen und anzufangen, ihr zuzustimmen. Und wenn es leicht reagiert auf diese besagte Lektion, ohne von Unruhe oder Böswilligkeit befallen zu werden, muss man die zwei oder drei Schritte, die zwischen den Schlägen gemacht werden so reduzieren, dass man dahin kommt, nicht mehr als einen Schritt zwischen den Schlägen auszuführen, und nur einen Schlag zwischen den Schritten.



 

Nachdem man diese Lektion gut geübt hat, muss man sie verstärken, indem man zwei Schläge hintereinander, und danach einen Schritt ausführt, um dann wieder zwei Schläge zu machen, und so weiter, vom Buchstaben A bis zum Buchstaben B, aber dieser folgende Schritt darf nicht konfus ausgeführt werden, und die Schläge nicht unter Zwang der Hand, der Gerte oder des Sporns: sondern sie sollen im Gegenteil entstehen durch eine gewisse Leichtigkeit der Hilfen, frei und allgemein, die, anstatt das Pferd zu zwingen, es überzeugen, sich lebhaft zu erheben, aber trotzdem gehorsam die Air seiner Lektion, und die Schläge ordentlich aneinanderreihen, mit denen es (ohne seinen Takt zu unterbrechen) wendet und die Enden und Demi-Touren dieser Bahnfigur vollendet.



Wenn es auf diesen geraden Linien passiert, dass das Pferd, weil es in Ungetüm verfällt, seine Air konfus oder seitwärts strampelt, oder wenn seine Ungeduld, der Unwillen oder ein extremes Verlangen, sich böswillig zu erheben, es zu einem Fehler bringt, bevor es ankommt, oder nachdem es angekommen ist am Buchstaben A ( an dem es bis dahin gewohnt war, die Schläge dieser Lektion zu beginnen), dann muss man, anstatt es zu wenden, oder diese flegelige Air aus seinem eigenem Antrieb zu akzeptieren, es vorwärts gehen lassen im Schritt oder Trab, oder es lebhaft antreiben, je nach seiner zu zurückhaltenden Aktion, und weit über die gerade Linie hinaus; es rügen (wenn sein Temperament sich als geeignet erweist für die guten Rügen) mit dem Sporn, der Gerte, dem Kappzaum oder dem Gebiss; oder aber es friedlich beruhigen durch eine verlangsamte Schrittgeschwindigkeit geradeaus, falls es von Natur aus sehr empfindlich ist oder es durch irgendeine Begebenheit eine extreme Abneigung erworben hat. Aber wenn es sich beim Erkennen dieser Stelle am Buchstaben A sehr unwillig zeigt zum Erheben, oder wenn es von einer anderen cholerischen und bizarren Stimmung erfasst wird, oder es auf die Vorhand fällt, um den Gehorsam aufzugeben, muss man es im Gegenteil rückwärts gehen lassen auf dieser selben geraden Linie, dies je nachdem, ob es sich zu sehr anlehnt oder vorwärts geht. Überhaupt muss man gut entscheiden je nach dem Temperament des Pferdes, welche Grobheit oder Sanftheit man benutzen will bei all diesen Gelegenheiten, vor allem bei dieser letztgenannten Aktion des Rückwärtsrichtens, weil diese die am stärksten unterordnende ist. An dem Platz, an dem man es sehr bereitwillig findet zur Geduld und dem Gedächtnis, muss man es wenden und zurückführen in den Stil seiner Lektion und nicht anders; so, dass es durch diese gut durchgeführten Mittel erkennen kann, dass es die Anweisungen und Bewegungen des Reiters beachten soll, ohne sich ungeduldig oder durch einen störrischen Mut von selbst in die Schläge und Proportionen dieser korrekten Lektionen zu bringen, vor ihrer Zeit und ihrem Ort, und auch damit die närrischen Stimmungen vertrieben werden, die es die Schule hassen und vermeiden lassen. All diese Berücksichtigungen gelten übrigens nicht nur für diese Lektion, sondern auch für alle vorhergehenden und nachfolgenden!



Um die Lektionen des Pferdes voranzubringen, sobald es in einer guten Air so frei wendet und gleichmäßig und abwartend die Enden und Demi-Touren dieser letztgenannten Regeln ausführt, muss man die Schläge einen nach dem anderen vermehren beim geduldigen Weiterführen ihrer Ordnung, bis es zwei geradeaus macht, bevor es die Linie verlässt und dann die Demi-Tour beim dritten beginnt, sorgfältig verhindernd, dass es strampelt oder die Schläge seiner Air hastet oder in irgendeiner Weise unterbricht, und nachdem es auf der anderen Linie angekommen ist, mit dem Ausführen wieder zwei auf B, in gleicher Ordnung geradeaus, und es vor dem Durchparieren nicht in den Schritt bringen, um dann auf die andere Hand zu gehen.


 

Wenn das Pferd in diesen Anfängen beim Wenden sehr dazu neigt, die Kruppe nach außen zu bringen, oder zu sehr nach innen, und der Kunstreiter es mit den normalen Mitteln nicht dazu bringen kann, die Hinterfüße auf der Linie der Vorderfüße zu halten, möchte ich nicht, dass er starke Gewalt einsetzt, um es damit zu wenden; denn dieser exzessive Schmerz der außergewöhnlichen, rigorosen Mittel, oder das Erschrecken über diese, können es abstoßen, es entier oder auf andere Weise verwirrt machen, und zu einem Feind der Volte oder zumindest seiner Air, und es dann nicht wieder ruhig zu bekommen ist, wenn es unterbrochen wurde, in einer Weise, dass es für lange Zeit danach nicht wieder zurück korrigiert werden kann; sondern man darf es beim fehlerhaften Ausführen der Wendung der genannten Proportion und dem Geradeausgehen danach, im Stil dieser Regel, nur diskret rügen zum Einstellen auf die gerade Linie, mit Sporn und Gerte, und an der Seite, an der es den Fehler begangen hatte: in der Art, dass, wenn es den Rügen nachgibt, es wie im Seitwärts geht, wie ich es andernorts erklärt habe, bis es gerade auf der Linie angekommen ist. Danach muss man es in seine Air zurückbringen, um zu wenden, und durch dieses Mittel wird es nach und nach verstehen, und üben zu gehorchen, und vor allem den korrekten Platz der Kruppe einzuhalten, ohne dass das Unbehagen, zu sehr geschlagen worden zu sein, es die Air oder Volte hassen lehrt.

Wenn dann das Pferd leicht und gut alle die Lektionen ausführt, zwei-, oder dreimal, oder mehr, darf man sie nicht verstärken, bevor es nicht die Proportionen, die es ausführt, versteht und mag; andernfalls erzeugt dies einen verwirrten Gehorsam und als Folge eine unbestimmte und unruhige Manege. In dem Maße, wie das Pferd diese letzte Regel übt, muss man diese allgemein und nach und nach verkleinern, durch Verkürzen der geraden Linien, und mit leichtem und gewaltlosem allmählichen Einschwenken der Kruppe des Pferdes in die Demi-Tour, bis seine erhobenen Bewegungen mittelstark auf den Hanken erhalten werden; und wenn durch dieses Mittel die korrekte und stete Haltung des Kopfes, des Halses und des Schweifes erscheint, zusammen mit der Lockerheit der Schultern, und dem Anwinkeln und Zurückführen des Vorderbeines, wird es zur Perfektion der Volten kommen.

 


Um das Pferd leichter und entschlossener zu machen, nicht nur in den vorhergehenden Lektionen, sondern auch denen, die hiernach erklärt werden, lässt man es anstatt der Schläge geradeaus beim letzten Takt der genannten Tour und Air eine Demi-Tour im Schritt, im Trab oder im Galopp anschließen, je nach dem Zustand seiner Neigung und Kräfte, und weitermachen mit dem Wenden von einer Linie zur anderen, auf einer runden und einspurigen Spur, bis es die ganze Tour so oder redoubliert ausgeführt hat, und zwar in Schritt oder Trab, falls es sehr empfindlich, ungestüm und entschlossen ist; oder im sehr starken Trab oder kleinen Galopp, wenn es eine sehr zurückhaltende Stimmung hat; oder sehr lebhaft im Galopp mit Vergrößern der Volte oder mit Wechseln der Stelle, wenn es störrisch ist. Wird diese Regel ordentlich und zu passender Zeit trainiert, vertreibt dies dem Pferd viele Aktionen und Mutationen gegen den Gehorsam und dies vor allem, wenn es sich zurückhält oder einengt, und auch wenn die Gefahr besteht, dass es entier wird. Beim Beenden dieser Volten im Schritt, Trab oder Galopp kann man das Pferd auf der geraden Linie durchparieren, und es ungefähr drei Schläge geradeaus ausführen lassen, wenn es gehorcht und reagiert mit Geduld und lebhaft, und wenn es eine gute Anlehnung hat. Hält es aber seine Kräfte zurück, oder nimmt es nur eine schwache Anlehnung, muss man diese Enden der Volten niedrig und vorwärts gehend ausführen; und um danach anzugehen und die vorhergehende Air und die Tour wieder aufzunehmen, auf derselben Seite oder um die Hand zu wechseln, ist es gelegentlich nötig, es auf der geraden Linie in den Trab zurück zu bringen, und bei diesem Trab, wie auch dem Schritt, soll man die Proportionen gemächlich oder stark halten, je nach der Anlehnung des Pferdemaules; und wenn seine Stimmung sich geneigt zeigt, und es sich auf einer Hand besonders gut wendet und seine Air ausführt, ohne irgendeine Schwierigkeit, ist es nicht nötig, auf dieser häufig diese letzten Volten im Schritt, Trab oder Galopp zur Hauptlektion zu vereinen.


Für die linke Hand                                               Für die rechte Hand


 

 

C Piste der Vorderfüße auf der redoublierten erhobenen Demi-Volte

D Piste der Hinterfüße auf dieser Demi-Volte

E Demi-Volte im Trab

F um die Hand zu wechseln

G um die erste Hand wieder aufzunehmen

 

 

Beim Training dieser Lektionen muss man nach und nach die geraden Linien verkürzen, bis das Pferd nicht mehr als einen Schritt Abstand geradeaus hat zwischen den Schlägen am Ende und denen des Wiederbeginns, und wenn sich dann beim Weglassen dieses Schrittes die ganze Volte bildet, rundet man sie ab und vollendet sie, ohne die Air zu unterbrechen.



 

Um diese Volte zu redoublieren, muss man das Pferd für einige Zeit anhalten und streicheln, nachdem sie ganz vollendet wurde, und wenn es zu starke Anlehnung an die Hand nimmt, es bei Bedarf versammeln und in eine rückwärts gehende Aktion bringen; oder es vorwärts gehen lassen, falls es sich mehr zurückhält als nötig. Danach lässt man es zwei oder drei Schritte geradeaus gehen, eilig oder zurückgehalten, je nachdem, ob es seine Kräfte ungern oder frei einsetzt; dann wendet man es im selben Schritt (mit Angehen der Vorderbeine vom Buchstaben A) und lässt es das Rund der Volte wieder aufnehmen auf dem Buchstaben B, wie es in der folgenden Skizze dargestellt ist, um es hier sofort wieder in seine Air zu bringen und damit weiterzumachen in einem gleichmäßigen Takt, bis man am Ende die Vorderfüße auf den Buchstaben C bringt, falls es an der Hand zieht oder sich auf sie legt, oder falls es zu sehr vorwärts drängt; oder auf den Buchstaben D, wenn die Anlehnung des Maules gemächlich und schwach ist, oder wenn es einen unentschlossenen Mut hat. Zum Schluss lässt man es vorwärts gehen auf der geraden Linie, um die Lektion separat auf der anderen Hand auszuführen.

 


Je nachdem wie das Pferd kräftiger wird in der Air seiner Manege und in all seinen Bewegungen, und wie gut es die Aktion dieser zwei Volten trainiert hat, kann man eine dritte an diese Lektion anschließen, sodass man dann drei Volten in dieser Ordnung ausführt, aber ohne es jemals zu überfallen, bevor man die Stelle oder die Hand wechselt. Danach, falls es die korrekten Proportionen seiner Übung verstanden hat, und wenn es Gehorsam zeigt, muss man nach und nach die Zeiten reduzieren, an denen man es beruhigt hat bei jedem Ende der besagten Volten, und auch die Anzahl der Schritte verringern, mit denen man die Air auf der Tour auf B wiederaufgenommen hat, bis durch subtile Vereinigung der Schläge dieser Manege, ganz ohne Unterbrechung, zwei Volten entstehen, ganz durchgeführt und beendet, ohne dass die Air der Schläge unterbrochen wurde. Nach diesen muss man das Pferd erneut anhalten und eine kurze Zeit streicheln, um ihm Muße zu geben, sein Gedächtnis, seine Kräfte und seinen Atem zu beruhigen, und lässt es dann wieder die dritte Volte mit zwei oder drei Schritten im Schritt beginnen, auf ihrem Rund, wie zuvor, sodass diese sehr schwere Lektion nicht seinen Geist und seinen Willen verwirrt; danach kann man die Stelle und die Hand wechseln. Ohne Zweifel wird man nach wenigen dieser Übungen, wenn sie mit Geduld und ordentlich ausgeführt werden, diese dritte Volte zur Perfektion der beiden anderen bringen und sie an die anderen anschließen können, wenn die Kräfte des Pferdes dazu ausreichen.



Wenn das Pferd schon so weit fortgeschritten ist, bis zu dieser letzten Lektion, aber nur auf einer Hand, und falls es sich auf der anderen Hand sehr zurückhält, weil es auf dieser weniger Neigung dazu hat, muss man es häufig im Schritt oder Trab trainieren, auf der Hand, auf der es eine bessere Ausführung erreicht hat, und sucht auf verschiedene Weise die Leichtigkeit, und die Dirigierbarkeit zu erhöhen, und verbessert so nach und nach die Lektionen auf der schwierigen Hand. Denn falls man die Air und die Korrektheit immer auf der Hand weiterführt, die ihm gefällt, und zu der es Bereitschaft zeigt, reduziert es seine Fähigkeit auf der Hand, die ihm besonders unbequem ist, um besser zu reagieren und auszuführen auf der, die von Natur aus oder durch irgendeine Veränderung ihm leichter ist, ich meine aber trotzdem nicht, dass man die weiter fortgeschrittene Lektion so sehr unterbrochen wird, dass ihre Freiheit und gute Praxis verloren gehen. Im Gegenteil möchte ich, dass man bei jedem Ritt das Pferd erkennen und erinnern lässt, wenigstens ein- oder zweimal; und um ihm den Mut zu erhalten, und zu erreichen, dass der Gehorsam und die Unterordnung der Schule ihm weniger missfällt, soll man ihm gelegentlich die Ordnung seiner sehr beengten Lektion erleichtern und ihm eine leichte Übung im Trab oder kleinen Galopp auf beiden Händen geben; dabei nichtsdestotrotz vergrößern oder verkleinern, zulegen oder zurückhalten. Dadurch erhält man es immer aufmerksam für die Aktionen des Reiters und nimmt dann an einem anderen Tag den Stil der sehr engen Lektionen wieder auf. Und nachdem es sich gleichmäßig auf beiden Händen verbessert hat, muss man es erneut seine Manege normal beginnen und vollenden lassen auf der Hand, die ihm weniger leicht fällt, und sich dabei vor allem gut davor hüten, es so sehr zu treiben und zu zwingen, dass es Gelegenheit bekommt, abgestoßen zu werden.

Es passiert häufig, dass das schwache, ängstliche oder störrische Pferd, das zu einer erhobenen Manege auf den Volten geschult ist, bei der Arbeit seine Lebhaftigkeit und die gute Anlehnung des Maules zurückhält, so dass derjenige, der es trainiert, gezwungen ist, es mit Hilfen aufzufordern, die zu auffällig sind. Für diese Anlässe sind die erklärten und skizzierten Proportionen, wenn sie gut verstanden wurden gelegentlich, und in kurzer Zeit, von besserem Effekt, wenn sie praktiziert werden wie folgt: Sobald der Kunstreiter fühlt, dass das geschulte Pferd auf den redoublierten Volten nachlässig oder störrisch wird, muss er, sobald er eine Hälfte der Volte ausgeführt hat, beim Ankommen aller vier Füße auf einer der geraden Linien, wie ich es erklärte, es treiben und gerade angehen lassen auf dieser geraden Linie im Trab, oder Galopp oder in vollem Galopp, auf einer Länge, die nötig ist, je nachdem wie es seine Kräfte und die Anlehnung seines Maules zurückhält, und beim Zurücknehmen erhebt er es dann sorgfältig in seine Schläge, um es erneut eine halbe Volte ausführen zu lassen, und beendet auf der anderen, parallelen geraden Linie und lässt es von neuem wieder angehen auf dieser anderen Linie, und bringt es beim Durchparieren genauso in die Schläge seiner Air, um diese Demi-Volten fortzuführen, in einer Größe, die ihm angemessen ist, je nachdem, ob das Pferd vorwärts drängt oder sich zurückhält. Man darf nicht zweifeln, dass der Widerwillen gegen das Angetriebenwerden und Gerügtwerden in dieser Art, bei diesen Anritten von der Hand, nicht einige Festigkeit der Anlehnung des Maules erzeugt bei dem Pferd, das geneigt und fähig ist, sich zurückzunehmen, und deshalb keine lebhafte Aktion vorwärts einhält. Hält man es so aufmerksam und entschlossen, kann der Kunstreiter nach und nach diese beiden Hälften der Volte zusammenfügen, indem er die geraden Linien verkürzt und erreicht, dass so ein Pferd lebendiger seine Kräfte einsetzt auf der Manege der redoublierten Volten. Aber man darf es nicht vorwärts jagen auf diesen geraden Linien mit einer so großen Gewalt, und auch nicht so häufig, dass es Gelegenheit bekommt, sich in eine extreme Unruhe zu bringen. Kurz gesagt, muss man notwendigerweise beim Ausüben jeder schönen Kunst immer, wie der taktvolle Italiener es ausdrückt, “sempre il cervello in caza“(sein Hirn im Haus halten!).