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Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald

Band I


Das Werk La Broues „Le cavalerice francois“ (Titel ab der zweiten Auflage 1602) erschien erstmals unter einem anderen Titel 1594 in La Rochelle und stellt in drei Bänden das damalige Wissen der besten Reiter Frankreichs dar, welches bis dahin nur mündlich überliefert wurde. Es lieferte die Schnittstelle zwischen der neapolitanischen/italienisch-spanischen und der französichen/mitteleuropäischen Reitkunst.

(bekannte Auflagen in 1602, 1608, 1610, 1612, 1613, 1617, 1620, 1628, 1646)

Er bezieht sich darin oft auf den angesehensten Reitmeister des italienischen Zentrums der akademischen Reitkunst, Gianbattista Pignatelli,dessen Schüler er in Neapel gewesen war, und auf die "großen französischen Reiter vor meiner Zeit" (von allen wurden keine schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen).

Sein guter Schreibstil, die sehr gut verständliche Abhandlung in aufeinander aufbauenden Kapiteln und die umfangreichen Zeichnungen zur Erklärung der Reitübungen waren ein enormer Fortschritt auf diesem Gebiet und ermöglichten von nun an sehr viel mehr Reitern, ein gutes Verständnis der Hohen Schule zu entwickeln.

Sein Werk beeinflusste viele der auf ihn folgenden großen Reitliteraten: F.R. de la Gueriniere schreibt:„.. sind unter der beträchtlichen Anzahl Schriftsteller nur zwei, deren Werke wahren Werth haben, und diese sind: de la Broue und der Herzog von Newcastle. De la Broue lebte unter der Regierung Heinrich des Vierten. Sein herausgegebenes Werk ist in Folio und enthält die Regeln seines Lehrers des Johann Baptist Pignatel, der als Lehrer der Reitkunst bei der Reitschule Neapel stand, und dessen Reitbahn in so großem Ruf stand, daß man sie als die vornehmste in der ganzen Welt ansahe. Alle, von dem französischen = und deutschen Adel, die sich in der Reitkunst vervollkommnen wollten, waren genöthigt, bei diesem berühmten Lehrer Unterricht zu nehmen.

Der Herzog von Newcastle sagte: de la Broue hätte seinen Unterricht zu einem so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, daß man in dieser Kunst höchst erfahren seyn müsse, um ihn in Ausübung bringen zu können. Ob gleich dieses Lob etwas kritisch ist, so beweist es gleich wohl die Vortrefflichkeit dieses Schriftstellers“ (aus der deutschen Übersetzung der „Ecole de cavalerie“, 1733, durch Daniel Knöll, 1791). 

 

Ironischerweise ist dieses Zitat,das Guerinieres Wertschätzung untermauern soll, gar nicht von Newcastle/Cavendish, der in seinem ersten, französischen Buch de la Broue gar nicht erwähnt, aber über ihn in seinem zweiten, englischen Buch abwertend schreibt, Broue habe im ersten Band nur Grisone wiederholt und im zweiten Band nur die Ausbildungsmethoden Pignatellis aufgeschrieben („stolen from Signior Pignatell's lessons“). Diese Worte bedeuten allerdings indirekt eine hohe Wertschätzung der aufgeführten Methoden, da auch Cavendish Pignatelli als einen großen Meister ansieht: „ But the most Famous man that ever was in Italy was at Naples, a Neapolitan, call'd Signior Pignatel; but he never Writ: Monsieur La Broue Rid under him five years... „(William Cavendish, „A New Method... to dress horses...“,(London, 1667, Tho. Milbourn(S.3).).

Gueriniere hingegen kannte anscheinend nur die Übersetzung des zweiten, englischen Buches ins Deutsche und Französische von Soleysel von 1677, in dem lobend über de la Broue gesprochen wird, und bezieht sich wohl auf den Satz:  "Es finden sich darin[im Cavalerice] schöne Lehren für die, so es begreifen können".


 

Dass der „Cavalerice“ nie in eine andere Sprache übersetzt wurde, war zu seiner Zeit kein großes Problem: wer sich damals ein Pferd ausschließlich für die akademische Reitkunst leisten konnte, sprach wohl in den allermeisten Fällen fließend französisch. So muss sich allerdings heute ein ambitionierter Schulreiter zumindest etwas Französisch aneignen, wenn er die teilweise in keinem anderen Buch so detailliert beschriebenen Übungen verstehen und ggf. erlernen will.

Wie bei allen guten Reitmeistern spielte auch bei La Broue die Erziehung der Reiter zum verantwortungsvollen, denkenden, ruhig planenden „Pferdemenschen“ eine sehr große Rolle: Immer wieder weist er darauf hin, der Reiter solle niemals aus Zorn, sondern immer überlegt handeln; das Erniedrigen des Pferdes wird als nicht akzeptabel angesehen. Er weist immer wieder darauf hin, dass alles Negative in der Arbeit mit dem Pferd vermieden werden müsse: ein ängstliches, nervöses, übermüdetes oder überfordertes Pferd könne niemals die Hohen Schulen erlernen, geschweige denn perfekt ausführen.

La Broue überführt den Begriff „Kunstreiter“ aus dem italienischen „Cavalerizzo“ als „Cavalerice“ ins Französische, um den Unterschied zum „Kampfreiter“/“Kriegsreiter“ hervorzuheben; Gueriniere folgt ihm darin 140 Jahre später, indem er die akademische Reitkunst als „L'art pour l'art“ (Kunst nur für die Kunst) bezeichnet.

Wer den „Cavalerice“ nur oberflächlich, nur stückweise und obendrein vielleicht mit geringen Französischkenntnissen liest, runzelt schnell die Stirn über die in den ersten Kapiteln zu findenden Bezüge zum Text Grisones, der 42 Jahre vorher erschienen und schnell in ganz Europa verbreitet war: hier gelangten auch einige mittelalterliche, rabiate Methoden in das Buch, das ansonsten eine ausgeprägt positive Reiterethik ausstrahlt. La Broue weist allerdings hier immer darauf hin, dass diese Mittel nur bei äußerst gefährlichen und völlig verdorbenen Pferden, die den Menschen angreifen oder auf andere Art schwer gefährden, eventuell versucht werden könnten, und dies ohnehin immer unter dem Vorbehalt, dass sie nur von sehr erfahrenen Reitmeistern angewendet werden dürften (Gueriniere erwähnt diese Methoden 140 Jahre später gar nicht mehr).

Er benutzt schon damals Leckerlis (friandises) und lobt das Pferd häufig durch Streicheln und Kraulen (caresser): niemals haben die alten Meister ja ihre Pferde geklopft, da Pferde das Klopfen als Schläge empfinden (die sie mit der Zeit aushalten lernen, aber kaum als Belohnung empfinden dürften).

Er empfiehlt bei ängstlichen oder unwissenden Pferden, ein älteres, gut ausgebildetes Pferd mit in die Bahn oder ins Gelände zu nehmen. (Bd. I S.45,57).

Immer und immer wieder weist er bei seinen „Preceptes“ (Regeln) auf die unbedingt erforderliche Beachtung der Eignung des Pferdes hin, z.B. bezüglich des Körperbaus, des Trainingszustandes, der Psyche oder der als Grundlage notwendigen vorgeschalteten Übungen. Fehlten diese Voraussetzungen, müsse man sie erst vollständig herstellen, bevor man die jeweilige Lektion beginnen dürfe.

Als erstes Gebiss empfiehlt er die kandarenähnliche "Canon", deren Mundstück aber einmal gebrochen ist,  und dazu den Kappzaum, von dem er schreibt, dass alle Pferde , bei denen er benutzt wird, sehr viel besser und leichter gehen, als jene, die allein mit Gebiss eingeritten wurden.

Der Kappzaum wurde erfunden um das Pferd zurückzuhalten, aufzurichten und leichter zu machen, um es das Wenden und das Parieren zu lehren, ihm den Hals zu biegen, die Kopfhaltung zu festigen, Kopf und die Kruppe zu stellen ohne Maul und Kinn zu stören und außerdem um die Schultern, die Beine und Füße der Vorhand freier zu machen. Er soll …. die Feinheit des Maules erhalten, das sehr entspannt und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein soll, um Genauigkeit und Losgelassenheit zu erreichen.




Zur nachfolgenden Übersetzung muss ich anmerken, dass ich auch im Französischen Autodidakt bin und mein Drang, diese Sprache zu verstehen, erst richtig durch die Geheimnisse,

die ich zu Recht im Cavalerice vermutete, enststand. Vor allem anfangs war es unendlich mühsam, Wort-für-Wort ein annehmbares Verständis zu erlangen;

einige Fehler sind deshalb zu erwarten und ich würde mich sehr freuen, wenn  man mich darauf aufmerksam machen würde!








Terminologie

 

 

Jeder Übersetzer muss sich ständig entscheiden, welche der vielen Wortbedeutungen an der jeweiligen Textstelle benutzt werden soll, denn eine Übersetzung kann niemals den vollen Bedeutungsumfang eines Wortes wiedergeben. Ich habe mich entschlossen, folgende Begriffe zu verwenden:

1. das Wort"entier"habe ich für das Versteifen des Pferdes, (meist) auf seiner "schlechten" Seite, als neuen Begriff in die akademische Reitkunst eingeführt; es bedeutet im Französischen z.B. "ganz", "fest", "steif", etc. Man könnte zwar für "das Pferd wird entier" auch das deutsche "das Pferd macht sich fest" verwenden, da Letzteres aber aktiv ist, und deshalb als "Schuld" oder "Böswilligkeit" des Pferdes angesehen werden könnte, im Frz. dagegen passiv ist, habe ich das Wort "entier" unübersetzt beibehalten.

2. das Wort "serrer" habe ich mit"einengen"übersetzt, auch als neuen Begriff. Es hat die Bedeutungen: "pressen, zusammenschnüren, einklemmen, einschnüren, etc." La Broue benutz es häufig, um das Gegenteil von entier zu bezeichnen, eine (häufig starke) Biegung der "guten" Seite des Pferdes. Man könnte es auch mit "zusammenziehen" übersetzen, dieser Begriff wird allerdings häufig für das Zusammenziehen der Unterlinie oder der Oberlinie des Pferdes verwendet, und so halte ich das neue "einengen" für präziser. Bei La Broue ist dies nicht selten ein unerwünschtes  Überbiegen als Vermeidungshaltung des Pferdes.

3. das Wort "acculer" bedeutet das Zurückweichen der Kruppe in Richtung des Zentrums der Volte/Demi-Volte (auch "Zurückkriechen"), was die Lektion in sich zusammenfallen lässt, ich habe deshalb "accülieren" als neues Wort für die akademische Reitkunst vorgeschlagen.

4. "Légèreté" habe ich nicht im Original beibehalten, da "leger" im Deutschen eher "lässig" bedeutet, sondern mi "Lockerheit"übersetzt, dies klingt zwar steif, trifft den Sinn aber meist besser.

5. "Facilité" übersetze ich meist mit "Leichtigkeit", es bedeutet auch "Mühelosigkeit, Ungezwungenheit".

6. "Chastiment" übersetze ich meist mit dem Wort "Rüge": eine Rüge erfolgt meist sofort und dient der Korrektur, eine Strafe dagegen hat bei vielen Reitern auch Rachecharakter, und Rache und Vergeltung haben in der Erziehung  nichts zu suchen. Ich denke, Rüge trifft den Sinn La Broues genauer, da er immer die weichsten und die am wenigsten das Pferd verstörenden Mittel bevorzugte.

7. „coucher sur le volte“ (wörtlich „in die Volte lehnen“) habe ich mit „nach außen gebogen“ übersetzt.

8. "redoublieren" heißt: "vielfach hintereinander wiederholen, ohne den Platz zu wechseln".

9. Das Wort „Pesade“ habe ich belassen, merke aber an, dass La Broue es in seinem ursprünglichen Sinn: „Setzen“ auf die Hanken, also Anheben der Vorhand mit gebeugten Hanken benutzte: heute bedeutet es dagegen ein Erheben auf gestreckten, geraden Hinterbeinen, was damals mit „cabrer“ = Steigen oder mit „faire des ponts-levis“ = „Zugbrücken machen“ bezeichnet wurde.

10. Aufgrund der großen Bedeutung des Pferdes für den Menschen wurde von den damaligen Reitern nicht das Wort "gueule" = Maul benutzt wie bei allen anderen Tierarten, sondern das Wort "bouche" = Mund, welches sonst nur für den Menschen reserviert ist.

 


 



 

 









Band I, Kapitel 3

 

Empfehlung für das Training unter dem Strohsattel [Bardelle], mit einer ausführlichen Erläuterung der Vorteile der einfachenTrensenkandare [canon ordinaire]


Weil das wichtigste Fundament der Reitkunst von der Fähigkeit abhängt, die natürlichen Veranlagungen der Pferde beurteilen zu können, ist es notwendig eine lange Zeit die Aufzucht und das Anlernen praktiziert zu haben, das bei der Ausbildung der Fohlen, und genauso der wilden Pferde, beachtet werden soll. Denn in dieser zarten und schwachen Jugendlichkeit lernt man die verschiedenen Charaktere zu erkennen und die ganz natürlichen Bewegungen des Pferdes, ebenso die Auswirkungen vieler Unfälle, denn man kann all dies ohne diese Erfahrungen nicht gut verstehen, und dem Pferdemenschen ("homme de cheval") fehlt ohne sie eine ausreichend gute Basis für seine Kunst. Ich würde sogar sagen, dass die Geduld, der Eifer und die Sorgfalt immer viel mehr Vorbedingung und erforderlich sind für die Strohsattelreiter, als für die, die sich nur daran beteiligen, die Airs eines gut angerittenen Pferdes auszuführen, anzupassen und zu verfeinern. Aber obwohl das erste Training unter dem Strohsattel so wichtig ist, sieht man meistens, dass dafür nur Personen mit wenig Geist und Urteilskraft eingesetzt werden. Trotzdem ich vorher beteuert habe, dass ich mich nicht mit Instruktionen abgeben würde, die andere schon vor mir sehr gut erklärt haben, regele ich die Ordnung meiner Lektionen nach dem Stand, in dem das Pferd sein soll, wenn der Kunstreiter beginnen möchte, es auszubilden oder wieder zur guten Schule zurückzubringen, falls es verdorben wurde oder abgeschreckt ist, oder wenn es wirr oder schlecht ausgebildet wurde.

Und weil die Einwirkung der Zäumungen weniger natürlich ist als die aller anderen Hilfen, Rügen und Mittel der Kunst, und deshalb schwerer zu verstehen sind (vor allem für das Pferd), beginne ich mit ihnen in Nachahmung der großen Meister, die darüber geschrieben haben. Unter all den Vorschriften, die sie uns hinterlassen haben, wird uns besonders und einhellig nichts anderes als die einfache Trensenkandare [canon simple] empfohlen, und auch, dass man nicht auf den Kappzaum verzichten darf, besonders beim Arbeiten auf der Schule, bis dass Pferd ausgebildet ist oder, wie man sagt, „seine Knappenzeit beendet hat“. In diesen wird uns gezeigt, dass es fast unmöglich ist, ihm den Kopf ruhig zu stellen und es gut an der Hand und in der Manege zu bekommen, wenn das Maul nicht gesund und vollkommen erhalten wurde. Dafür ist die einfache Trensenkandare zweifellos besser geeignet als als alle anderen Zäumungen, die man erfunden hat, wie man leicht an ihrer Form erkennen kann: denn sie ist außen an der den Seitenteilen groß und rund, sodass das Äußere des Zahnfleisches und der Lippe helfen kann, die Umhüllung des Unterkieferknochens zu erhalten, die für eine gute Einwirkung des Gebisses der wichtigste Teil des Pferdes ist. Zu diesem Zweck ist sie schmaler in der Mitte, sodass die Freiheit zwischen dem Loch für die Seitenteile und dem Gelenk, das das Mundstück teilt und verbindet, an dieser Stelle weniger die Zunge einengt, wie man sehen kann an der Linie, die unter der Skizze des Mundstückes gezogen ist, und dadurch weniger drückt, und diese hierdurch zur Entlastung der Laden das Gewicht und die Kraft des Mundstückes unterstützen kann. Auf diese Weise kann man die gute Anlehnung eines zu sensiblen Pferdemauls sicherer und steter machen, und es auch mit dem Zügel rügen, falls es gelegentlich dagegen arbeitet. Denn außer dass dieses Mundstück immer eine gleichmäßige Anlehnung gibt, ist es zudem nicht verletzend oder rabiat, und kann das Pferdemaul nicht verfälschen oder beschädigen. Wer gut ausgebildet ist in dieser Kunst, weiß auch genau, dass man unter dem Strohsattel beim freien Traben auf beiden Händen und beim Durchparieren auf den Hanken nur mit dem Kappzaum, oder der Serrata beginnt, und danach im Galopp die einfache Trensenkandare nur hingegeben und ohne Kinnkette benutzen soll, bevor man andere Arten von Zäumungen anwendet. Denn dieses ist das richtige Vorgehen, um eine Unzahl von Unordnungen zu verhindern, die ja häufig schon verursacht werden, bevor das Pferd nur zu traben und galoppieren gelernt hat, und es dann schon ein dermaßen verletztes und eiterndes oder verhärtetes Maul bekommt, dass es danach nur sehr schwer seine Natur wieder zurückerlangen kann.









Band I, Kapitel 4

Wirkungen und Eigenschaften des Kappzaums

Der Kappzaum wurde erfunden, um das Pferd zurückzuhalten, es aufzurichten und es lockerer zu machen, um ihm das Wenden und das Durchparieren beizubringen, ihm den Hals einzustellen, um ihm Kopf und Kruppe ruhiger zu machen und zu stellen, ohne sein Maul oder sein Kinn zu beschädigen; und auch um ihm die Schultern, Vorderbeine und -füße zu lösen. Deshalb wenden ihn alle an, die diese guten Wirkungen kennen, mit der Fähigkeit, damit zu helfen wie es gemäß der Kunst sinnvoll ist, ihre Pferde, die gewöhnlich auf die Reitbahn gebracht werden, so gut wie sie können, auszubilden. Denn wenn das Pferd so leicht und so gut angepasst ist, dass man nichts nötig hat außer dem Kappzaum, kann es durch ihn keinen Schaden nehmen. Wenn es aber passiert, dass es nachlässig oder falsch seine Lektionen ausführt, oder beginnt, böswillig Sprünge zu machen, was ja häufig auch bei sehr leichten und ruhigen Pferden auftritt, erweist sich der Kappzaum immer als bereit und geeignet, um augenblicklich zu helfen und dabei sogar mit einem entspannten Maul. Einige glauben, dass das Pferd, das an das Training mit dem Kappzaum gewöhnt ist, weniger gehorsam sei, wenn man ihm ihn abnimmt, solange, bis man ihn ihm wieder anlegt. Aber im Gegenteil zeigen sich die meisten Pferde, die ihn normalerweise tragen, viel leichter und besser in der Bewegung, als wenn sie mit einer Zäumung ohne Kappzaum geritten wurden, falls der Kunstreiter ihn benutzte wie man es soll. Der leicht zu erkennende Grund hierfür ist, dass der innere Bereich des Maules, in dem die hauptsächliche Anlehnung des Gebisses stattfindet, sehr empfindlich ist, was nicht der Fall ist an der Stelle der Nase, auf der man gewöhnlich den Kappzaum anlegt: darum wird das Pferd, dass plötzlich nicht mehr die gewohnte Unterstützung durch den Kappzaum hat, was ihm ja die Ehrlichkeit des Maules erhielt, sehr leicht und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein, so dass nicht anders so gut geeignet ist zum Üben des Pferdes in Genauigkeit und Leichtigkeit auf der Schule, wie die mit dem Kappzaum kombinierte einfache Trensenkandare.


 

Alle Pferdemenschen jener Zeit, die viele Arten von Kappzäumen erfanden, haben sich vielleicht nicht mehr der Suche nach Bequemlichkeit gewidmet, die aus ihnen hervorgehen können, als ich es früher gemacht habe, wie ich noch demonstrieren werde in einer Aufstellung der vielen Modelle, die ich in meinem Leben gezeichnet habe. Aber am Ende kam ich schließlich zu der sehr vernünftigen Einsicht, keine besseren gefunden zu haben, als jene, die man hier oben skizziert sehen kann, und die die ältesten und normalsten sind. Es gibt viele, die zu irgendeiner Zeit sehr stark die Pferde unter Zwang setzen wollten, aber ich stimme ihnen gar nicht mehr darin zu, dass der Kappzaum nicht die Härte des Kopfes oder des Halses des Pferdes korrigieren könne, und auch keine Freiheit gebe, wenn der Kunstreiter Leinen so stark anzieht oder lockerlässt, wie Zustimmung oder Abwehr des Pferdes das als Hilfe oder als Rüge erfordern. Denn dieses ist hierbei angebracht für die Wirkung: man benutzt die Kappzaumleinen nicht, ohne sie anzupassen; denn sie begrenzen oder geben Freiheit nur, wenn man sie bei Bedarf anzieht oder nachgibt. Auch rate ich ihnen, dass sie keine anderen probieren, es sei denn, es liegt eine sehr ungewöhnliche Situation vor, die sie dazu zwingt.

Ich würde diesbezüglich sagen, dass viele Neider, aber nur wenige Kenner dieser Kunst, häufig dem großen und wissenden Sieur Iean Baptiste Pignatel vorwerfen, sich nicht sehr der Verschiedenheit der Zäumungen und der Kappzäume gewidmet hat, und sozusagen wünschen, dass man glaubt , das ihm deren Wirkungen unbekannt waren.

 

Aber im Gegenteil ist es das, was mich häufig sein Wissen hat bewundern lassen, und mir bei vielen Gelegenheiten Erkenntnisse und Nutzen gebracht hat, mich überzeugend, dass, wenn es die Pferde dermaßen gehorsam werden lässt und so genau reitbar in den schönen Airs, wenn man sie nutzte in seiner Schule, gewöhnlich ohne jemals andere Gebisse als eine Trensenkandare zusammen mit dem normalen Kappzaum benutzt zu haben, seine Regeln und seine Erfahrung mehr Wirkung erzielten als die Art und Weise all derer, die sich abarbeiten an einer so unendlichen Anzahl von Zäumungen, deren besondere Geheimnisse meist nutzlos sind, worauf sie aber trotzdem zurückgriffen, weil ihnen die sehr schönen und wichtigsten Mittel der Kunst fehlten. Ich will nicht die verurteilen, die neugierig sind und die die nötige Erfahrung haben, eine Zäumung gut und sorgfältig anzupassen, je nach der Qualität und Form des Pferdemauls, wie ich an einer passenderen Stelle erläutern werde; ich schätze ihren Eifer und ihre Erfahrung sehr, wenn sie durch ein gutes Urteil geleitet werden und wenn sie ihre Kunstfertigkeit nur anwenden, wenn das Pferd zu gehorchen weiß, je nach seiner Kapazität, mit einer Trensenkandare wie hier gezeigt. Denn schließlich muss man berücksichtigen, dass auch der Mensch, der zum Nachdenken fähig ist, nicht gut ohne viele Schwierigkeiten etwas machen kann, was er nie zuvor gemacht oder gelernt hat. Es ist also ein Fehler zu glauben, ein unvernünftiges Tier plötzlich zwingen zu können.

Man sieht hier die Skizze einer einfachen Trensenkandare mit der besten Art von Seitenteilen, die bis heute für die generelle Anwendung bei jungen Pferden erfunden wurde. Und weil sie außerdem so schön wie gut ist, nutzt sie vielen Kunstreitern im Normalfall, und nahezu allen Pferdetypen, denn sie zäumt bei, erhebt und erhält die Haltung. Es stimmt allerdings, dass sie häufig eine zu fleischige Zunge zwischen dem Mundstück und dem Kinnkettenhaken einengt und drückt: um diese Unbequemlichkeit zu vermeiden oder zu vermindern, muss man das Mundstück länger machen, oder das äußere Ende des Mundstückes dünner als die gewöhnlichen anderen Bäume, und die Kinnkettenhaken so wie hier dargestellt:





Band I, Kapitel 5


Wird das Mundstück der einfachen Trensenkandare so durch das Seitenteil [banquet] durchbohrt, dass das Loch an der Oberseite weiter entfernt vom Seitenteil [hier: fonceau] ist als das untere Loch, wie man auf dieser Zeichnung sieht, ist das Gelenk in der Mitte höher als bei dem normalen; dadurch hat die Zunge mehr Freiheit und kann nicht in eine Unordnung gezwungen werden. Denn die normale Lücke, die man zwischen den Schenkeln und der Linie A sehen kann, ist nicht nur nutzlos, sondern gibt häufig der empfindlichen und der geschlängelten Zunge Anlass, aus dem Kanal zu kommen, und sich zwischen Gaumendach und Mundstück zu schieben. Andererseits, wenn die Schenkel noch höher sind, wie es in dieser Darstellung nicht gezeigt wird, passiert es, dass das dicke Äußere des Mundstückes zu sehr gegen das äußere Zahnfleisch und die Lippe drückt, und diese zurückschiebt, oder sehr stark berührt und kneift, wie ich sagte; derart, dass das Zahnfleisch unbedeckt bleibt, und auch der Hengstzahn; und dass man, je häufiger die Bäume sich so schlecht bewegen, eine feste Stange am Ende der Unterbäume anbringt, um zu verhindern, dass sie sich unten zu sehr einander annähern, was ein ausreichender Beweis für die Fehlerhaftigkeit dieses Mundstücks ist.


 


Es gibt Pferde, die einen so engen Kiefer haben, dass die Zunge keinen ausreichenden Platz in ihrem Kanal findet, und sie sie deshalb hoch halten, was sie häufig größer erscheinen lässt als sie ist. Falls die erste Canon auf diese mit Gewalt drückt, wird sie verbreitert, sodass sie nicht nur die Laden bedeckt, sondern sogar seitlich darüber hinaus kommt, und zwischen Mundstück und Laden eingequetscht wird, und sie dadurch nicht nur verletzt wird, sondern außerdem verhindert wird, dass das Mundstück auf die Laden wirkt, und im Laufe der Zeit das Mundstück sie abschürft und sie auf diese Weise häufig halbiert wird oder sogar fast ganz abgeschnitten, bevor man es sehen kann. Bei diesen Verhältnissen ist das zweite, oben beschriebene Mundstück besser geeignet als das erste, weil es mehr auf der äußeren Seite der Laden liegt und deshalb der Zunge mehr Platz lässt unter der Mitte des Mundstückes, weil es sie weniger plattdrückt und verbreitert als die erste.

Hat das Pferd einen ausreichend weiten Kiefer und einen sehr weiten und großen Kanal, wirkt die Zunge aber trotzdem hoch, ist sie unzweifelhaft zu groß, man muss dann dieses andere Mundstück „à piston“ benutzen, um ihr diese kleine Freiheit zu geben, die man in der Mitte des Gebisses sehen kann.

 



Bei diesem Mundstück muss man sehr genau das Maß der Zungenfreiheit beachten; denn wenn der Platz zu groß ist, wie es hier nicht dargestellt ist, können die beiden dicken, runden Enden, die die Freiheit geben und begrenzen, leicht die Laden verletzen oder stören, oder beim Stolpern oder beim Annehmen außerdem den Platz und und den Abstand, den diese dicken, runden Enden der Zunge geben sollen, nutzlos machen. Falls dieser Abstand sehr eng ist, ist es für die Zunge sehr oft unbequem anstatt lösend, weil das Gebiss sie schmerzt oder gegen die Laden quetscht. Deshalb soll man niemals die Piston benutzen, wenn der Kiefer zu eng ist: überhaupt, wenn man dieses Mundstück vorziehen möchte, muss der Kiefer von Natur aus empfindlich und weich sein; ist er dagegen zu fleischig, träge oder hart, macht dieses Mundstück die Anlehnung zweifellos sehr taub, und sehr schwer, weil die Stelle, die die Laden berühren soll, dick ist und das Maul mehr ausfüllt als die anderen Gebisse und deshalb das Pferd weniger drückt und seine Anlehnung vermehrt.

Wenn die Laden zu fleischig oder hart sind, bei einer dicken Zunge, ist das hier unten gezeigte Mundstück aus einem Stück, das dieselbe Zungenfreiheit wie die Piston aufweist, ihnen sehr angemessen, aus dem einfachen Grunde, weil es den Platz über den Laden weniger füllt und belegt: denn obwohl es ganz ist, ist es nicht sehr viel grober, welcher Meinung viele Personen sind, was meiner Ansicht nach völlig unbegründet ist. Denn im Gegenteil beruhigt es häufig das unruhige Maul und löst es an die stete Hand, weil die Stellen, die auf den Laden aufliegen, eins, sehr glatt, und dick genug sind und es auch gelegentlich bewirkt, dass das Pferd seine Kräfte einsetzt, d.h. wenn es seinen Unterkiefer zu einer oder zur anderen Seite verdreht und verschiebt, weil es die Anlehnung fürchtet und vermeiden will, die das Mundstück auf den Laden verursacht, wodurch die Ursache deutlich genug wird. Denn dieses Mundstück bleibt in seiner Genauigkeit im Maul, ohne es einzuengen, zu vergrößern, oder irgendeine falsche Bewegung zu machen, da es aus einem Stück ist.



Weder die Dicke, noch die Größe dieser Mundstücke können angemessen erklärt werden. Bei ihrem Gebrauch soll man sich allerdings davon leiten lassen, ob das Pferdemaul eng ist oder weit, ob der Maulspalt klein oder groß ist; und wie er auch sei, muss man das Gebiss lieber zu lang als zu kurz machen. Denn diese Mundstücke sollen größer sein als die anderen Arten der Zäumung: weil sie außen so dick sind, füllen sie sehr die Wangen und überschreiten oder biegen sie zurück, und dadurch vergrößern sie sie. Aus diesen Gründen soll das Mundstück nicht so dick sein, dass es nicht im Maul ruhen kann ohne den Hengstzahn zu berühren oder ein Grinsen der Wangen auszulösen. Und sollte das Pferd so jung sein, dass es den Hengstzahn noch nicht geschoben hat, muss man Vorsicht walten lassen, dass das Mundstück nicht auf dessen Stelle liegt, so dass man abschätzen muss, wo sie herauswachsen werden; denn dies passiert häufig, und kann dem Pferd dann einen solchen Schmerz bereiten, dass es sich leicht angewöhnt, das Maul zu verdrehen oder schlechte und schwer zu korrigierende Kopfbewegungen ausgelöst werden. Falls der Maulspalt so klein ist, dass man das Mundstück fast so schmal machen muss wie einen Stock, oder sogar einen Stock benutzt, ist das nicht gefährlich, wenn die Laden gleichmäßig und fest genug sind. Aber wenn sie sehr empfindlich sind, soll man besser bei den ersten Übungen das Mundstück dick genug lassen, häufig die Spielkette [ceciliane] weglassen, sodass das Mundstück höher anliegen kann, ohne irgendeinen anderen Teil seiner Anlehnung zu verändern oder zu zwingen. Denn schließlich dient die Spielkette mehr dazu, den Platz des Mundstückes füllen zu helfen und um der Zunge Spaß zu geben, als dazu, die Aktion der Zäumung zu verstärken.



 







Der korrekte Sitz des Kunstreiters


Band I, Kapitel IX


Der Cavalerice soll nicht nur sorgfältig seine Ausrüstung prüfen und das Pferd richtig behandeln, sondern auch einen korrekten und schönen Sitz haben:

Den Kopf gerade und das Gesicht gegenüber dem Nacken des Pferdes: die Schultern gleich gerade und gleich hoch, die Schulterblätter eher ein wenig nach hinten, als zu weit nach vorn, ohne dass das rechte weiter hinten ist als das linke, wie es gewöhnlich passiert, wenn man nicht aufpasst, da die Zügelhand notwendigerweise etwas weiter vorn steht, und auch wegen der verschiedenen Bewegungen mit Degen oder Gerte, die leichter hinten als vorn durchgeführt werden.

Die Zügelfaust in der Höhe des gleichseitigen Ellenbogens und gewöhnlich drei oder vier [Quer-]Finger über dem oberen Rand der Sattelgallerie und zwei [Quer-]Finger davor.

Der Ellenbogen des Gertenarmes gewöhnlich ein wenig vor dem Beckenknochen, ein wenig offener und längs des Körpers als der des Zügelarmes.

Die Gerte meistens mit der Spitze nach oben; der Bauch ein wenig nach vorn, damit die Schultern nicht rund werden. Das Gesäß auch nach vorn, nicht zu dicht an der hinteren Galerie, denn das ist besonders unschicklich.

Den Rücken gerade und straff, die Oberschenkel fest wie angeklebt am Sattel.

Die Knie geschlossen, und eher nach innen als nach außen gedreht. Die [Unter-]Schenkel so nah am Pferd wie nötig, straff und gerade, so als stünde man aufrecht auf seinen Füßen auf geradem Boden, wenn der Reiter groß oder mittlere Statur ist; hat er aber eine kleine Statur, soll er, wenn möglich, seine Unterschenkel nach vorn und den Pferdeschultern benachbart halten.

Die Ferse tiefer als die Fußspitze, weder nach außen noch nach innen gedreht (also ca. 30° außenrotiert wie im normalen Stehen), die Fußsohle soll gerade und mit sicherer Anlehnung an die Steigbügelplatte aufliegen, und so, dass die Stiefelspitze die Steigbügelplatte ungefähr um eine Daumenbreite überragt.

Nicht ohne Grund halten wir uns gewöhnlich an die Regel, den rechten Steigbügel etwas kürzer einzustellen als den linken: denn das ist bei den meisten Bewegungen des Körpers und auch des rechten [doict]Armes des Reiters vorteilhaft. Und es ist wahr, dass man keinen starken Stoß mit dem Degen oder der Gerte ausführen kann, wenn der Reiter nicht durch eine viel stärkere Anlehnung an die rechte, als an die linke Steigbügelplatte dabei unterstützt wird; und ebenso, wenn er einen Lanzenstoß abbekommt, dann geht dieser gewöhnlich gegen seine linke Seite, er drückt folglich gegen den rechten Bügel; und auch wenn man selbst denselben Stoß ausführt, geht auch dieser gegen dieselbe Seite, denn die Lanze soll quer über den Pferdehals, ein wenig gegen das linke Pferdeohr geneigt, geführt werden.

Ein weiterer, weniger wichtiger, Grund, den linken Bügel etwas länger zu schnallen, ist, das Aufsteigen etwas zu erleichtern."





 

Band I, Kapitel 15


Hinweis für den Kunstreiter, der das Pferd lösen und leichter machen möchte durch das Training im Trab und im Galopp


Die erste Übung, die man auf unseren Schulen unterschiedslos fast allen jungen Pferden gibt, die an der Hand ziehen und eine schwache Vorhand haben, ist der Trab, gewöhnlich auf dem und durch das Brachland oder in anderem hügeligen, holprigen und schwierigen Gelände: so, dass die Vorteile dieses Terrains zusammen mit der Erwartung der Rügen, die es gewöhnlich erhält, wenn es strauchelt, gegen die Unruhe wirkt und dazu die Beine gut zu heben.

Dieses Mittel befürworte ich sehr und halte es für nötig, falls es mit Verstand eingesetzt wird.

Aber wird es ohne nachzudenken benutzt, wie man es häufig genug sieht, ist es falsch und abzulehnen. Der Kunstreiter muss also zunächst abwägen, ob die Ursache für den Mangel an Mut, Kraft oder natürlicher Losgelassenheit eine Festigkeit oder Steifheit der Schultern oder der Beine ist, oder aber falsche Übung oder zu viel Anstrengung. Und wenn er erkennt, dass das Pferd schwere Schultern hat, oder dass deren Bewegungen hart und gebunden sind, durch fehlende natürliche Lockerheit, es aber trotzdem gute und ausreichend kräftige Beine hat, und dass diese Kraft von Natur aus gebunden und zurückgehalten ist, dann kann der Kunstreiter sicher sein, das die mittelstarke und andauernde Übung im Trab und gelegentlich im Galopp, auf diesem unbequemen Gelände häufig die Kraft dieser Pferde freisetzt, und die Aktion der Schultern und Beine viel freier wird. Schiebt es aber zusätzlich den Kopf vor und liegt mehr auf der Hand oder zieht an der Hand, kann die Fortführung dieses unbequemen Terrains die Anlehnung an das Gebiss noch schwerer und träger machen.Und wie diese schwierigen Böden gut geeignet sind, die Kraft und die Glieder des Pferdes zu lösen, dienen sie auch dazu, die Anlehnung an das Gebiss zu verbessern, falls das Maul schwach oder zu empfindlich ist, und führen dazu, dass es sich vorteilhaft löst, falls es von Natur aus schwer auf der Hand liegt.

Ist ein Pferd mit guter Stärke gut an der Hand, aber trotzdem von Natur aus gebunden in den Gliedern und schwer auf der Schulter, soll man es lange genug auf diesen unebenen und holprigen Böden trainieren. Ist es dagegen schwer auf der Hand und zieht, soll man es allerdings kürzere Zeit auf jedem Boden trainieren, sich aber die Mühe machen, es häufiger zu reiten. Denn um das Maul leichter zu machen bei jungen, alten oder Pferden mittleren Alters, muss man normalerweise die Übung beenden und absteigen, bevor die Müdigkeit es befällt oder es dazu bringt, sich zu sehr auf den Kappzaum oder das Gebiss zu stützen; denn es ist ein großer Irrtum, die Glieder des Pferdes lösen zu wollen, indem man die Anlehnung des Maules verfälscht und verhärtet, wie es häufig geschieht, wenn der Kunstreiter von den guten Regeln abweicht oder diese gar nicht kennt.

Ist das Pferd aber im Gegenteil steif und schwach nur aufgrund schwacher Beine oder eines schwachen Rückens, sind diese unbequemen Böden häufiger schwächend als lösend, und schädlich in vielen anderen Beziehungen: denn das Hauptmittel, das man beachten muss, um die Kräfte des Pferdes, das wenig hat, gut einschätzen zu können, ist zuallererst die Kondition zu verbessern durch leichtes Training, und die Übungen nur nach und nach zu verstärken. Die, die nicht auf diesem schweren Gelände arbeiten können, auf denen das schwache Pferd eine so große Mühe hat, dass es keine tausend Schritte traben oder galoppieren kann, ohne sich aufzuregen, und sich ganz zu verweigern, soll man niemals zwingen, außer im dringenden Notfall, um diese großen Unordnungen zu vermeiden: denn wenn das Pferd genug Herz hat, kann es durch diese Gewalt leicht in eine große Unruhe versetzt werden, und wenn es wenig hat, durch diese Mittel erschreckt und abgestoßen werden. Daher soll man ein leichteres Terrain wählen, wo das schwache oder mittelstarke Pferd langes Arbeiten gut aushalten kann, dieses Gelände soll aber trotzdem an einigen Stellen etwas hügelig und holprig sein, damit das Pferd besser lernt, auf den Boden zu achten und die Bewegungen der Schultern und Beine herzhafter ausführt. Und auch, damit es sich so daran gewöhnt, immer auf den Weg vor sich zu sehen.

Hat das Pferd die Biegsamkeit der Glieder und die Kraft der Schultern und des Rückens verloren, weil es zu sehr gearbeitet wurde, oder durch einen anderen Unfall, ist das ein sehr starker Grund gegen ein Training im Trab und Galopp auf sehr beschwerlichem Gelände. Allerdings sah ich Pferde mit zurückgehaltener Vorhand, die man verbesserte, indem man sie wenig, aber häufig durch das Gelände und vor allem durch Brachland promenierte.

Auch die Pferde, die eine sehr hohe Bewegung der Schultern und der Arme zeigen, was die meisten Personen sich wünschen, werden sicherer auf diesem holprigen Untergrund, in der Weise, dass sie sich angewöhnen, besser die Stellen auszusuchen, auf denen sie sicherer ihre Füße setzen können, weil dass nicht ihrem Naturell entspricht. Manche finden dies befremdlich, weil es scheint, dass diese unbequemen Böden gar nicht notwendig sind bei Pferden mit hoher und freier Aktion der Beine: darin irren sie sich aber. Denn gewöhnlich sind diese schwächer und weniger fest beim Straucheln, auch beim Springen über Gräben, und weniger arbeitsfreudig als die mit weniger hohem und mehr gebundenem Trab.

In diesen ersten Übungen im Trab und Galopp zum Lösen des Pferdes soll der Kunstreiter nicht sehr am Kappzaum oder am Gebiss ziehen, im Glauben dadurch den Hals und den Kopf anheben und ruhiger stellen zu können (und es dadurch gleich am Anfang des Trainings zu versammeln und in eine ausreichend gute Hals- und Kopfposition zu bringen), denn wenn es von Natur aus eine Anlehnung des Maules an die ganze Hand hat, wird diese Aktion des herzhaften und sehr ausgreifenden Trabes oder Galopps normalerweise zurückgehalten auf dem hügeligen und holprigen Gelände durch diesen Zwang des Kappzaumes und des Gebisses, so werden zweifellos diese ihm Nase, Laden, Zunge und Kinn abstumpfen, wodurch es in kurzer Zeit eine dermaßen harte Anlehnung bekommt, dass es aufgeben kann bei eine solchen Kraft, und es danach schwierig wird, es wieder gut an der Hand werden zu lassen. Ist aber im Gegenteil das Maul empfindlich und schwach, wird derselbe unbedachte und zu früh angewandte Zwang dieser Mittel die genannten Partien des Mauls und des Kinns schädigen, auf denen doch die wahre Anlehnung des Gebisses erfolgen sollte.

 

Deshalb muss der Kunstreiter Urteilsvermögen und Erfahrung haben, um dem Pferd sanft, mit der richtigen und wohldosierten Anlehnung der Hand den Kopf und Hals nach und nach gut formen zu können, dabei häufig mit der Hand nachgebend, und überhaupt in den Anfängen häufig den Kopf unbestimmt lassend, damit es es sich nicht durch diesen schweren Zwang angewöhnt zu ziehen, oder schwer in der Hand zu werden oder sich entier zu machen. Denn es gilt die Maxime, dass es viel leichter ist, einem Pferd, das nicht genug Anlehnung hat, mehr davon zu verschaffen, als denen, die zu viel haben: und viel leichter die dazu bringen, die Nase zu senken, die ihre Nase zu weit vorn tragen, als die zu erheben, die davonrennen und sich wehren. Durch die gute Übung dieser Mittel und mit der notwendigen Zeit wird das Pferd sich eine schöne Haltung geben, je nachdem, wie seine Natur es ihm erlaubt, in dem Maße wie es leichter wird, sich lockert und wie seine Kondition zunimmt.

Viele Reiter haben andererseits geglaubt, wie es auch heute noch viele tun, dass, um ein Pferd mit schwerer Vorhand, das an der Hand zieht und häufig stolpert, leichter zu machen [alleger], es gut sei, es mehrmals einen Pflug ziehen zu lassen, aber dies ist ein großer Irrtum! Denn diese Übung gibt im Gegenteil häufig denen eine Anlehnung, die nicht genug haben; denn um die kräftige Aktion des Ziehens auszuüben, richtet das Pferd von Natur aus alle seine Kräfte gegen den Hals und um diese sehr starke Aktion durch die Anstrengung des Widerristes zu machen, muss es nötigerweise den Hals länger machen und den Kopf viel tiefer senken als in seiner natürlichen Haltung. Es ist also leicht zu verstehen, dass all diese Anstrengungen und Bewegungen die Härte oder das Ziehen der Anlehnung an die Hand verstärken und sie deshalb völlig gegen die Lockerheit arbeiten. Um einfach zuerkennen, dass dies ein ähnlicher Fehler ist, wie zu glauben, dass dieses Mittel sehr nützlich sei,um ein Pferd, das häufig strauchelt, zu lösen, muss man berücksichtigen, dass in dem Maße, wie man die Heftigkeit oder die Kraft zum Ziehen des Pfluges oder des Wagens anwendet, um so weniger die Schwierigkeit dieses Ziehens ihm eine freie Bewegung der Schultern und der Vorderbeine gestattet; so wie man auch sieht, dass das Pferd, dass den Boden bearbeitet, häufig die Erdklumpen des Brachlandes mit den Vorderfüßen schabt und anstößt. Und in dem Maße, wie die Anlehnung des Kummets es stützt und verhindert, dass es ins Straucheln kommt, kann der Gebrauch und die Gewöhnung an den Pflug auch bewirken, dass das Pferd, obwohl es leger und locker war, gebunden und schwach wird beim Heben und Vorwärtssetzen seiner Füße bei Hindernissen und holprigen Stellen, so dass es häufig strauchelt und seine Nase zur Erde bringt, weil es nicht sich nicht halten kann durch die Gewöhnung an die Schar und den Kolter, und nicht gestützt wird durch das Kummetgeschirr.

 






 

Band I, Kapitel 16

Das Training, das dem Pferd sehr leicht fallen sollte

Die Übungen, die dem Kunstreiter beim Training des Pferdes sehr leicht fallen sollten, sind das Galoppieren, das Rennen und das Wenden, nicht zuletzt deshalb, weil die Natur den ersten Unterricht hierzu schon erteilt hat. Deshalb sieht man das junge Pferd vermeiden, viel zu traben, wie zuvor in der Freiheit im Gelände, und wenn es ihm gefällt galoppieren oder rennen; und um seinen Lauf zu beenden, anstatt anzuhalten, sich zur einen oder anderen Seite zu wenden, aber nicht zwei oder dreimal, und normalerweise nicht eng und auf den Hanken, so wie es künstlich durch den Kunstreiter gelehrt und gewöhnt wird; aber wenigstens wendet es seinen Kopf normalerweise zu der Seite, zu der es seine Strecke begonnen hatte. Man kann daraus schließen, dass das Rennen und Wenden ihm natürlicher ist als das Traben oder das Durchparieren, oder viele der anderen Arten, die man ihm mit der Kunst beibringen kann; und wenn man sich damit zufrieden geben kann, dass es nicht mehr als ein oder zweimal auf jeder Hand auf einem mittelgroßen Raum wendet, und in der Art, in der man es gewöhnlich die Manegen und die alten Passaden machen lässt, hat man es zweifellos nicht so sehr ruiniert, wie man es sehen kann, über die Notwendigkeit, oder eher die Neugier hinaus, durch die Erfindung des sehr starken Zurückziehens der Hand und der mehrfach hintereinander ausgeführten ganzen Paraden und Redoublieren der Volten, und der anderen Arten der Manege und der Airs, die eine Unzahl von Personen eher schlecht als gut angepasst praktizieren wollen. Derart, dass ein solches Verlangen der Partien und Perfektionen beim Training des Pferdes besteht, dass man Mühe hat, unter hundert, die man mit einem gutem und schönem Körperbau sieht, zehn ausmachen zu können, von denen man annehmen kann,dass sie würdig sind, dem Kunstreiter zu dienen und ihm Ehre zu verschaffen; denn wenn man einigen begegnet, die locker und stark, und mit guter und mutiger Neigung ausgestattet sind, um sich passend genug zu erweisen für diese seltene, so sehr gesuchte Eignung, fallen sie normalerweise der Gnade gewisser rabiater Menschen anheim, die so überheblich und schlecht ausgebildet in dieser Kunst sind, dass sie, anstatt diese lebendige Lockerheit und das gute Naturell, die diese Pferde in die gute Perfektion der guten Manege bringen könnten, wertzuschätzen, im Gegenteil versuchen, sie mit so einer Ungenauigkeit und Rohheit zu strapazieren, dass die armen Tiere schon verkrüppelt sind, bevor sie dienen können und mit dem, wofür die Natur sie bestimmt hat, Zufriedenheit verschaffen können, so dass viele so verwirrt und häufig dermaßen verzweifelt sind, dass sie, anstatt von der Hand zu starten, sich wehren und rückwärts gehen, oder den Reiter in den Fuß beißen wollen, oder sich zu Boden werfen und schließlich, mit allen diesen Mitteln, die ihnen durch die Wut gegeben werden, sie durch diese verdorben werden; andere, die anstatt durchzuparieren, nachdem sie von der Hand starteten, oder am Ende einer langen und bestimmten Strecke, die Anlehnung aufgeben und das Gebiss und den Kappzaum vermeiden und ablehnen wollen; wieder andere, die nicht wenden wollen, oder falls sie wenden, nur zu der Seite, die die biegsamere ist; und solche, die sich nicht wieder besteigen lassen wollen von denen, die sie rabiat geschlagen hatten oder von anderen, bei denen sie das erwarten.

 

Alle diese Mängel können auch einem ängstlichen und böswilligen Charakter vorausgehen, der natürlicherweise das Pferd ergreifen kann aufgrund eines viel zu starken Trainings, oder durch irgendeinen anderen Unfall, oder einen Fehler der Natur. Überhaupt passiert es häufig bei denen, die sehr empfindlich und cholerisch sind. Um die Ursachen und Vorfälle besser erklären zu können und um es zu lehren und leichter die Abhilfen gegen diese anwenden zu können, sehen wir zunächst, wodurch das Pferd stätig werden kann.

 







Band I, Kapitel 17

Die jungen, störrischen Pferde

Man sieht einige sehr junge und frisch angerittene Pferde, die gelegentlich anstatt entsprechend den Hilfen und dem Willen des Reiters vorwärts zu gehen, stehenbleiben oder rückwärts gehen, oder irgendeine andere Vermeidungsbewegung machen. Die Hauptursache für diesen Ungehorsam ist, dass sie von Geburt an bei ihren Müttern waren und in ihrer Freiheit im Gestüt normalerweise in der Gesellschaft vieler anderer Fohlen und Heranwachsender, bis sie begannen, kräftiger zu werden und unter sich zu kämpfen und die jungen wahrzunehmen und besteigen zu wollen; dies ist der rechte Zeitpunkt, zu dem man sie aus aus dem Gestüt entfernen soll, sowohl um die ersten Mühen zu vermeiden, die sie schon in diesem zarten und schwachen Alter verderben können, als auch um zu beginnen, sie an den Reitstall zu gewöhnen und daran, sich alle vier Füße heben zu lassen, sich führen und ziehen zu lassen an der Hand, und sie gleichzeitig vertraut zu machen mit dem Strohsattel [bardelle], dem Schweifriemen und dem Vorderzeug, und nach und nach mit diesen zu üben; sie danach ruhig zu bekommen an der Aufstiegshilfe, wenn sie das Alter und die Kraft erreicht haben, um die ersten Übungen des Trainings auszuhalten und der Strohsattelreiter die Möglichkeit bekommt, sehr leicht aufzusitzen, ohne es zu verärgern oder zu erschrecken und ohne ihm viele Möglichkeiten zu geben, sich bei der Ausbildung sich zu widersetzen und aufzuregen. Um einen stichhaltigen Beweis zu geben, dass die jungen und unerfahrenen Pferde häufig diese Schwierigkeiten haben, dorthin zu gehen, wohin der Bereiter sie treiben will, wegen dieser vorher gewohnten Freiheit, und weil sie erschrecken durch das Bedrängen und und den Zwang und durch die Trennung von ihrer vorherigen, natürlichen Gesellschaft: es sind genau deshalb die sehr ängstlichen jene, die am häufigsten diese Fehler aufweisen. Und wenn sie, was immer man auch macht, darauf bestehen, nicht von der Stelle gehen zu wollen, oder rückwärts zu gehen, soll man ihnen ein Pferd vorher gehen oder an ihrer Seite gehen lassen, denn dann verlassen die meisten den Platz und folgen freiwillig diesem Pferd, welches vorangeht. Dazu ist eines der sehr sicheren Mittel, das man bei den Fohlen praktiziert beim ersten Reiten, hauptsächlich, um das Buckeln und viele andere Abwehrmechanismen und wilde Unordnungen zu verhindern, es führen zu lassen von einem Pferdemenschen, der es am Kappzaum hält und der die Aufstiegshilfe verlässt, wenn der Anreiter auf dem noch wilden Fohlen aufgesessen ist.

Bei diesen entschuldbaren und normalen Fehlern, die den ersten Eindrücken und Gewohnheiten vorausgehen, soll der Anreiter eine große Geduld und Sanftheit anwenden, besonders bei neuen, dem Pferd unbekannten Mitteln, und diese sollen auch nur ganz kurz gegeben werden, um so sehr wie möglich den natürlichen Mut und die Leichtigkeit des jungen Pferdes zu erhalten: dies ist eine der wichtigsten Berücksichtigungen in dieser Kunst. Deshalb darf der Einreiter niemals Zuflucht nehmen zu Gewalt und Härte, wenn er nicht vorher alle sanftesten Mittel, die man sich einfallen lassen kann, eingesetzt hat. Wenn dann trotzdem das junge Pferd, weil es nicht geübt ist, verweigert vorwärts zu gehen, muss man es die Begleitung eines anderen Pferdes, das nicht rebellisch wird oder andere falsche Dinge tut, beobachten lassen, auf dem ein Mensch sitzt, der in der Kunst, es in den Trab und Galopp zu treiben ausgebildet ist; und je nachdem, ob das junge Pferd zustimmt, oder den Rücken versteift oder anders abwehrt, und in dem Maße, wie es zu gehen beginnt, lässt der Mensch, der es führt, es näher an die Schulter und zur Vorhand dieses Pferdes kommen, um es zu begleiten, wenn möglich, ohne dass es das bemerkt. Und wenn es beim Begleiten erschrickt und es von neuem angehalten hat, versucht der Anreiter, es nur mit der Stimme oder einer mittleren Rüge anzutreiben: denn es ist ein sehr großer Irrtum, es zu schlagen oder hart zu treiben, bevor es nach und nach die Bewegungen, die Stimmhilfen und die Touchees, mit denen man es vorwärts treiben will, erlernt hat. Abhängig davon, wie sicher der auf dem Pferd ist, gewinnt er sorgfältig die Vorhand zurück, und, gleichzeitig mit Rufen und mit der Stimme drohend, gibt er einige Touchees mit der Gerte auf die Hinterhand, so leicht, dass es nicht erkennen kann, welcher von beiden den Touchee ausgeführt hat, damit es bei Fortführung dieser Hilfe den fürchtet, der hinter ihm geht. Und wenn es mit der Zeit beginnt, ruhiger zu werden und zu gehorchen, lässt man es einige Male dasselbe durchführen durch einen Helfer am Boden, der gut zu Fuß ist mit einer guten Kondition, bis es seinen Fehler des Stehenbleibens und Rückwärtsgehens gegen den Willen des Anreiters verloren hat, was zweifellos in kurzer Zeit geschehen wird, falls die Mittel angemessen und zu ihrer rechten Zeit benutzt werden. Überhaupt muss man bedenken, dass, wenn das Pferd, sei es jung oder alt, einen hitzigen und cholerischen Charakter hat, sich sonst Böswilligkeit und Furchtsamkeit häufig zu diesen schlechten Gewohnheiten leicht dazugesellen; und als Konsequenz man es nicht ungewöhnlich finden mag, dass man hier mehr Zeit, mehr Mittel und mehr Geduld anwenden muss, um es zu lösen und zum Gehorsam zu bringen. Denn häufig werden die Pferde mit diesem Temperament ihr ganzes Leben lang schwierig, als Resultat oder aus ihrem eigenen Antrieb, was auch immer man macht.



 

Band I, Kapitel XXV


Pferde, die auf einer Hand unwillig oder fest sind;  über den Unterschied zwischen „unwillig“ und "entier [= fest,unbiegsam]“ auf den Volten.

 


 

Man sieht viele willige Pferde, die immer vorwärts gehen, wo auch immer sie sollen, aber dennoch auf einer Hand störrisch oder fest sind, und auf dieser sich nur mit großen Schwierigkeiten biegen: dies passiert häufiger, wenn sie schon in jungen Jahren stark gearbeitet wurden. Hier muss der Kunstreiter berücksichtigen, dass es kein Pferd gibt, das nicht von Natur aus Rechtshänder oder Linkshänder ist, und sich deshalb nicht sehr leicht zu der Seite biegen lässt, die die schwächere ist, und darum auf dieser Hand einen größeren Kreis gehen muss. Die Menschen sind ja genauso: mir wurde berichtet, dass wenige, die keine Linkshänder sind, beim Tanzen die seltene Fähigkeit haben, aufgrund ihrer Natur leichter zur Linken eine starke Passage mit Drehung oder mit einer falschen Rundung zu machen, als zur Rechten,.

Die meisten Pferde haben mehr eine Neigung zur linken als zur rechten Seite.

Diese Schwäche schreibt man ja gewöhnlich dem Umgang des Pferdepflegers zu: aber bevor ein Pferd nicht auf einer guten Schule ausgebildet wurde, biegt es sich zweifellos immer leichter zu einer Seite als zur anderen. Wenn dies die rechte Seite ist, ist das auch ein Zeichen dafür, das es ein Linkshänder und deshalb häufig von schlechtem Charakter ist. Und tatsächlich weiß man aus Erfahrung, dass diejenigen, die von Natur aus auf der linken Hand störrisch oder fest sind, sich länger wehren und dem Kunstreiter mehr Kummer bereiten als diejenigen, die sich weigern, sich rechts zu biegen.

Den Unterschied von "fest" [„entier“(Ausspr: ɑ̃tje) = unbeugsam, gerade, ganz] zu "unwillig"[„retif“ = störrisch, unwillig, widerspenstig] kann man so beschreiben: das feste Pferd wendet sich massiv und auf einmal, ohne in die Volte sehen zu wollen, aufgrund der Schwäche des Halses oder mangelnder Übung oder fehlender Neigung oder als Folge von diversen Arten von Unfällen, von denen ich in den folgenden Kapiteln erzählen werde.

 Das unwillige Pferd dagegen weigert sich zu wenden immer, wenn es ihm gefällt, gleich wie viel es geschult ist und wie viel man ihm auch beigebracht hat, und es vermeidet auch die gute Seite und das Geradeausgehen, immer wenn der Reiter es dazu treiben will: die Abhilfen dazu sind häufig langwierig und schlecht wirksam da es nicht vorwärts gehen will.

Zur Vermeidung aller dieser Fehler, finde ich es falsch, was der Kunstreiter an seiner einfachen Reitschule einhalten soll: die alte Regel, nach der man die Arbeit mit jungen, gerade angerittenen Pferden immer auf der rechten Hand beginnen und beenden soll.

Ich möchte beim ersten Mal, wenn ich zum Ausbilden aufsteige, das Pferd an eine Stelle im Gelände reiten, wo es frei traben oder großräumig galoppieren kann, um seine natürliche Biegungsneigung zu erforschen und zu erkennen, und weiterhin, ob es gewöhnlich den Beginn, den Verlauf und das Ende der Lektionen ohne Widerstreben auf der rechten Hand oder eher auf der linken Hand erträgt, gemäß der Regeln der Kunst und der korrekten Abhilfen von schlechten Gewohnheiten (oder Ungehorsamkeit, falls man es dem Pferd bereits erklärt hatte) und wie häufig und und in welchen Lektionen sie auftauchen, da ja die Auswirkungen von Strenge am Ende nie die Leichtigkeit und Perfektion erbringen, wie die wahren Mittel der Kunst, durch die man nach und nach die Zustimmung und das Wesen des Pferdes erreichen kann.

Hat der Kunstreiter erkannt, ob das Pferd sehr große Schwierigkeiten hat, sich zu einer Seite zu biegen, oder ob es sich nur nicht biegt, weil es ihm passt, soll er beobachten, in welchen Fällen die Begleitung durch ein anderes, friedfertiges und ausgebildeten Pferdes das Ausführen derselben Übungen verbessert (wie ich es schon bei den im Geradeaus unwilligen Pferden erklärt habe).

Man führt man es dann auf einen geraden und gleichmäßigen Boden mit markierten sehr großen Kreisen. Diese Bahnfiguren geben ihm genügend Gelegenheit, nach unten zu sehen und sehr frei den runden und begrenzten Hufschlag entlang zu gehen.

In diesen Runden spaziert man es geduldig im großen und im kleinen Schritt für zwei Stunden pro Tag und gewöhnlich auf der Hand, auf der es sich wehrt; häufig das Rund wechselnd, um es nicht zu langweilen, und manchmal die Hand, damit es nicht durch zu langes Gehen auf einer Hand ohne Handwechsel abgestumpft wird. Und immer, wenn es sich zu schlechten Seite wendet, bringt der Kunstreiter es dazu, den Hals zu biegen und bringt mit dem Kappzaumzügel seinen Kopf in die Volte, ohne Einwirkung des Trensengebisses, und wenn nötig, mit der Spitze der Gerte, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen: denn je weniger Unbehagen man ihm am Beginn bereitet, um so besser.

Man bringt es viele Male auf unbekanntes Terrain, wo man es zehn oder zwölf Schritte geradeaus gehen lässt, und dann eng wendet; ein, zwei oder drei Mal, je nachdem, ob es frei zu der Hand wendet, die man herausgefunden hat oder nicht; und dann unregelmäßig entweder eine gleichlange Strecke geradeaus, oder mal weiter, mal kürzer, um es dann von Neuem an einem anderen Ort wieder zu derselben Seite zu wenden, und manchmal auch zur guten Seite, damit das Pferd nicht aufgeregt oder verzweifelt wird.

Diese Schrittlektion ist sehr nutzbringend, wenn sie effektiv und immer mit Geduld und Kunstfertigkeit ausgeführt wird, denn man kann sie ausführen, solange man möchte, und auch deshalb, weil die Schrittlektion geeignet sind das Gedächtnis der Pferde zu stärken, die ein schwaches besitzen, und um diejenigen zu lösen und ihren Hals zu biegen, die entier sind; denn sie wirkt wenig massiv ein und die Aktion des Pferdes ist deshalb hierbei weniger angespannt.

Wenn das Pferd vielleicht aufgeregt ist, sich viel an einem Ort zu wenden, oder zu eng zu wenden, und es macht zur Vermeidung einen Sprung, oder flieht vorwärts, oder zur anderen Seite, (dies sind gewöhnlich die cholerischen oder furchtsamen), versucht der Kunstreiter, sie durch geradeaus gehen zu beruhigen (wenn möglich ohne sie zu strafen), und wechselt häufig die Hand, dabei manchmal zur guten Seite wechselnd, gleich nachdem seine schlechten Fantasien etwas verschwunden sind, um danach an einer anderen, größeren Stelle wieder zu beginnen, es zur schlechten Seite zu biegen, indem er den Kappzaumzügel leicht, aber unregelmäßig und mit wechselnder Stärke anzieht, was meist einen viel besseren Effekt hat, als den Zügel immer mit der gleichen Stärke angespannt zu lassen; besonders bei den cholerischen und verzweifelten Pferden, die, anstatt den Hals zu biegen und den Kopf zu der Seite des Zügels zu stellen und sich so auf die Volte locken lassen, dauernd gegen den Zügel arbeiten und daran ziehen.

Bei einigen Pferden ist es gelegentlich auch nötig, den Zügel ganz locker zu lassen, um ihm aus der Nähe mit der Gertenspitze ganz leichte Touchees auf die Oberlippe auf der gegenüberliegenden Seite zu geben, was anfangs dem Pferd ein großes Unbehagen bereiten kann: deshalb muss man dabei sehr genau abwägen, ob es einen guten Nutzen bringt.

Und um mehr Leichtigkeit zu erreichen, kann der Kunstreiter beim Loben es daran gewöhnen, zunächst im Stehen und ohne Biegungt, Kräuter zu bekommen, die er zwischen seinem Fuß und dem Steigbügel hält, an der Seite, zu der es sich schlecht biegt; und wenn das Pferd dieses Vergnügen erkannt hat, mit der Lektion fortfahren. Und jedes Mal, wenn das Pferd sich weigert, sich zur schlechten Seite zu biegen, soll der Kunstreiter anstatt dagegen an zu kämpfen und es zu schlagen, ihm die Freiheit von Trensen- und Kappzaumzügel geben, um ihm den steifen Hals zu lösen und ihm durch Vorschieben des Fußes so nahe wie möglich an seine Nase die Kräuter zu zeigen: und sobald das Pferd den Hals biegt und den Kopf zur Seite dreht, um die Kräuter zu erreichen, zieht der Kunstreiter nach und nach den Fuß zurück, und damit sanft das Pferd auf die Volte, wobei er gleichzeitig die Zügel auf das rechte Maß kürzt.

Dieses Mittel ist sehr nützlich für Pferde mit einem friedlichen Gemüt; sollten sie aber cholerisch und rachsüchtig sein, und falls sie beim Nehmen der Kräuter an ihrer Seite einen Schmerz fühlen, oder falls sie schnell lernen, sich aufzulehnen und in den Fuß des Reiters zu beißen, anstatt die Kräuter zu nehmen, muss man in diesen Fällen genauso verfahren, allerdings die Kräuter am Ende eines Stocks befestigen.

Es kann auch helfen, den Kappzaumzügel für zwei Stunden täglich festzustellen, wenn es in der Escurie steht, so dass es ein wenig den Kopf zur schlechten Seite halten muss und es so an einen Platz stellt, von dem aus es auf dieser Seite zur Tür der Reitbahn sieht und den Mut aufbringt, beim Hereinbringen des Futters, dem Eintritt von Personen oder dem Geräusch des Siebes und der Ankunft des Hafers den Kopf zu stellen und den Hals zu biegen.

In dem Maße, in dem das Pferd sich leichter im Schritt biegt, lässt der Kunstreiter es gelegentlich zulegen und die Volte vergrößern, bis es von selbst in einen Trab fällt, und bevor es von selbst zu traben beginnt, führt der Kunstreiter es sanft zurück in den Schritt, ohne anzuhalten und verkleinert den Zirkel unter Loben auf die ursprüngliche Größe.

Wenn diese Maßnahmen ordentlich und mit Bedacht weitergeführt werden, lernt das Pferd, sich leicht im Schritt auf jeder Hand zu biegen und wird dann auf großen Zirkeln mit diesen Übungen ohne sehr großen Druck vom Schritt zum Trab gebracht.

Ist das Pferd soweit ausgebildet, bringt der Kunstreiter es in einen lebhaften Trab auf beiden Händen, und übt es häufig um Pfähle oder Erdhaufen herum, um ihm zu helfen, die Kruppe außerhalb der Volte zu halten [heute: „Schulterherein“, D.A.] welches eine ganz entgegengesetzte Aktion ist als diejenigen, die das Pferd fest werden lassen.

So, wie man den Trab aus dem Schritt entwickelt hat, bringt man es in genau derselben Weise vom Trab zum Galopp, wobei man es häufig mit der Stimme und dem Zungenschlag oder mit Bewegungen der Arme oder der Gerte anfeuert, und ihm, wenn nötig, beim Biegen auf der schwierigen Seite innen mit dem Sporn und an der äußeren Schulter mit der Gerte unterstützt, oder, wie ich schon gesagt habe, an der Oberlippe.

In allen Lektionen soll man nie eine feste Größe des Zirkels einsetzen, auch nicht in einer allgemeinen Reitschulordnung: denn ob ein großer oder kleiner Zirkel genutzt wird, ergibt sich je nach Härte des Halses oder des Maules, der Abwehr oder dem Gehorsam, der Statur und der Stimmung des Pferdes.

Falls sich das Pferd sehr gegen diese Hilfen wehrt, billige ich die Unterstützung durch einen Menschen, der im Zirkel zu Fuß die Longe zum Kappzaum so hält, wie es ein Kunstreiter macht, und an dieser Leine Zug nur dann ausübt, wenn das Pferd den Zirkel verlassen will und niemals sonst. Dieser soll immer in seine Händen Kräuter oder andere Leckereien halten, um es auf sanfte Weise anzulocken (weil das Pferd von Natur aus Unangenehmes abwehrt), damit es, wenn er sich nähert, nicht flieht, um einem zu langen und schlecht ausgeführten Druck zu entgehen.

Deshalb soll der Kunstreiter, während der Mann zu Fuß die Leine hält, immer versuchen, das Pferd ohne seine Hilfe zu biegen, dass der Kunstreiter, wenn er kann, wenden ohne den Mann auf dem Boden, es sei denn,  das Pferd will die Hand des Reiters bezwingen; und wenn möglich sollte das Pferd immer den ersten und den letzten Druck durch die Hilfen des Reiters bekommen, damit es mehr auf ihn hört; und auch, damit es den Mann am Boden weniger fürchtet.


[ …. Die nächsten 4 Absätze beschreiben rabiate, mittelalterliche Methoden, deren Übersetzung ich mir spare, und die La Broue selbst kritisch sieht.; D.A. …..]


Um diese Mängel zu beheben findet es auch meine Zustimmung, die Mähne auf die andere Seite zu bringen und häufig zu der Seite zu kämmen, zu der sich das Pferd schwerer biegen lässt (normalerweise liegt sie ja auf der guten Seite). Denn natürlicherweise fördert die Mähne die Durchblutung und kann deshalb dem Pferde die Ursache geben, sich zu wenden und den Kopf frei zu der Seite zu nehmen, zu der man sie bringt.

Trotz allem kann allerdings der ungeduldige oder schlecht ausgebildete Kunstreiter häufig herunter fallen oder die Erfolge der schönen und natürlichen Mittel dieser Kunst verhindern, wenn er diese nicht korrekt und zur ihrer Zeit anwendet!








Band I, Kapitel XXVII

 

Gründe, die ein Pferd daran hindern, eine Parade gut auszuführen


Der größte anerkannte Prüfstein, mit dem das Pferd gleichzeitig seine Kräfte und seinen Gehorsam demonstriert, ist die Ausführung einer schönen Parade, geschlossen und leicht, am Ende einer langen und furios gerittenen Strecke. So manche könnten das bezweifeln, denn man sieht viele Pferde mit großem Mut und guten Beinen und Kräften, die trotzdem nur mit großer Mühe parieren; dagegen andere mit wenig Kraft und Vitalität, die mit Leichtigkeit eine Parade ausführen. 

Hierbei muss man nun zunächst wissen, dass eine große Leichtigkeit erst auf  die  Zustimmung folgt, die das Pferd mitbringt. Danach erst muss man seine Statur und Proportionen bedenken, sowie die Art und Weise, mit der es seine Kräfte beim Rennen einsetzt. Denn wie stark es auch in den Beinen, den Schultern und dem Rücken ist: wenn der Widerrist tief liegt, oder es von Natur aus auf der Vorhand läuft,  hat es zweifellos große Mühe, sich für eine gute Parade auf den Hanken zusammen zu nehmen.

Sind Schultern und Halsung aber im Gegenteil gut aufrichtet, so dass es sich auf der Hinterhand trägt, kann es mit Leichtigkeit durchparieren (es sei denn, es hat nicht viel Kraft) weil es sich von Natur aus setzt und ein Gegengewicht auf die Hanken bringt, um schöne Paraden zu machen. Immer aber, wenn es schwach ist und schlecht gebaut, besonders auf der Vorhand, besteht die Gefahr, dass es stürzt und  sich überschlägt, weshalb man bei der Parade vom Pferd fallen kann! 

Wenn es schwach ist und  auf der Vorhand läuft, kann es sich nur mit großer Mühe in eine gute Haltung für eine gute Parade bringen.

Wenn es aber gut anfängt, mit aufgerichteter Vorhand und sich auf der Hinterhand trägt und den Rücken gerade halten kann, besitzt es fast alle wichtigen Qualitäten, um leicht und mit schöner Anmut durchzuparieren, ohne dem Kunstreiter viel Mühe zu bereiten.

Pferde mit zu langem Rumpf parieren gewöhnlich mit wenig Anmut und mit schlechter Kopfhaltung, wegen der Schwierigkeit, ihre Kräfte nur selten nach hinten verlagern zu können, um eine Versammlung auf den Hanken zu erreichen.

Sehr kurze Pferde mit mächtigem Hals dagegen parieren gewöhnlich auf der Vorhand.  Allerdings scheint es, dass die, die einen sehr kurzen Rumpf haben, gegenüber denen mit einem zu langen Rumpf es leichter  haben, eine starke Parade auf der Hinterhand zu machen. Man muss aber bedenken: wenn das Pferd kurz ist, arbeiten sämtliche Kräfte des Rückens, der Hinterhand und der Sprunggelenke daran, den Körper des Pferdes vorwärts zu schieben; die der Schultern und der Vorderbeine aber daran, diese Aktion zu unterstützen und dennoch ausgreifenden Bodengewinn zu erzielen.

Wenn die Hinterhandkräfte furios eingesetzt werden und das zu nahe an den Vorderbeinen, bewirken sie solche Gewalt, dass die Schultern und die Vorderbeine weder ausreichend unterstützen, noch die Aktion versammeln können, um mit Aufrichtung korrekt und schön durchzuparieren, wie ein Pferd, das eine weniger verkürzte und beschwingtere Statur besitzt: denn dieses wäre in der Lage, beim Zurückverlagern und lebhaftem Verteilen seiner Kräfte, ein gewisses Gegengewicht auf die Hanken zu schieben, was allerdings unter den bon hommes de cheval (guten Pferdemenschen) nicht sehr bekannt ist. 

Man muss also beachten: eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Leichtigkeit der Parade erwächst aus der Kraft der Schultern und der Vorderbeine, und nicht nur aus der der Hanken und des Rückens, wie die meisten Reiter glauben. Es gibt auch noch andere Dinge zu berücksichtigen: besonders die Proportionen des Halses, der Unterkiefer, der Zustand der Füße sowie das Temperament, das das Pferd von seiner Natur aus mitbringt.

Um die Parade leicht und schön ausführen zu können, muss das Pferd zunächst seinen Hals und seine Kopf zurücknehmen: davon hängt die Leichtigkeit,  der Gehorsam und die Anmut der Parade ab. Falls der Hals fehlerhaft ist und von Natur aus falsch steht, wenn der Unterkiefer eng ist oder wenn der Hals so massig ist, dass die Luftröhre nicht frei an ihrem natürlichen Platz zwischen den Unterkiefern liegt, kann die oben genannte Aktion kann nicht gut werden, und deshalb die Parade weder gut noch ansprechend sein.

Hat das Pferd einen zu stark gewölbten oder geschlängelten Hals, wird es, anstatt sich auf den Hanken zu versammeln, sich auf die Vorhand legen und die Parade wird holprig, hart und hässlich.

Wenn es schwache und schmerzende Füße hat, führt dies zum Hass auf die Parade und zur Vermeidungshaltung des Pferdes, oder zu plötzlichem Verlieren der Schultern und der Anlehnung an das Gebiss aus Angst, denn die Schwäche führt zu Unsicherheit der Beine und Schultern.

Und selbst wenn diese Fehler nicht zu finden sind an Hals, Kiefern oder Füßen: streckt das Pferd von Natur aus die Nase nach vorn, und hat es einen schwachen und eingesunkenen Rücken (was man gewöhnlich als „encellé“ [von selle = Sattel; DA] bezeichnet), ist es ihm quasi unmöglich, den Kopf zurück zu nehmen, um sich gut zu formen und seine Vorhand für die Parade zu präsentieren, denn die Kraft für Nacken und Hals kommt aus der des Rückens.

Sind diese Kräfte nicht vereinigt, oder fehlen ganz, pariert das Pferd notwendigerweise mit zu weit vorgestreckter  Nase und gewöhnlich auf den Schultern.  

Schlussendlich sind dies alles Ursachen dafür, dass man nur wenige schlecht proportionierte Pferde sieht, die von Natur aus für das Rennen geeignet und gleichzeitig stark sind in den Paraden, zwei der wichtigsten Qualitäten, die man von einem Kriegspferd verlangen muss; weiterhin ein gut gebauter Körper, damit man nicht große Kraft anwenden muss, um durchzuparieren. Aber diese sind die Ausnahme und eine Laune der Natur; allerdings ist bei denen, die in irgendeinem Bereich ihres Körperbaus Fehler haben, selten ein Überfluss an Leichtigkeit in einem anderen vorhanden; außerdem muss das Pferd noch viel Gehorsam mitbringen.

Hierbei muss man verstehen, dass die Kenntnis der Psyche und des Charakters des Pferdes, welche Mähne und Körperform es auch hat, eine Wissenschaft ist, die sehr wichtig für den Kunstreiter ist: denn selbst, wenn Statur, Proportionen und Kraft stimmen, alle wenig bedeuten, wenn der gute Wille des Pferdes fehlt.

Ebenso kann man sagen, dass einer der besten Prüfsteine für das Können, den ein Kunstreiter liefern kann, ist, bei einem von Natur aus cholerischen und ungeduldigen Pferd, sowohl in der Bahn als auch draußen und bei der Parade, leicht und gut in der Hand zu bleiben, vor allem, wenn es ein hartes oder falsches Maul besitzt, und die Parade trotzdem sehr gut zu proportionieren.

Denn immer, wenn die Neigung zu fliehen auftritt und es davon ergriffen wird, verstärkt dies die Macht, Kraft und Atmung und behindert sein Denken und die Sensibilität im Maul, so dass die meisten Regeln und Abhilfen unserer Schulen wirkungslos werden, und es ihm unmöglich wird, die Gehorsamslektionen der Manege zu versuchen oder zu verstehen, und auch nicht zu parieren, wenn es  nicht zuallererst von dieser extremen Unruhe befreit wird. 

Dafür braucht der Kunstreiter ein sehr gutes Urteilsvermögen, viel Praxiserfahrung und viel Geduld, um die passenden Mittel dieser Kunst auszuwählen, durch die man die vorgenannten von der Natur verteilten Unvollkommenheiten verbessern kann.

Anscheinend spielen aber diese Ursachen nach Meinung unzähliger Personen keine große Rolle, da sie glauben, dass ein Gebiss gegen alle Unpässlichkeiten bezüglich der Leichtigkeit des Maules helfen und dieses auch für die Leichtigkeit der Aktion bei der Parade sorgen könne!

Die Beschreibung der vielen Arten der Pferdemäuler und der Effekte der verschiedenen Gebisse verschiebe ich jedoch auf eine andere Gelegenheit, um zu erzählen vom Stil, der doch in der Kunst zu wahren ist, um ein Pferd zu lehren, es je nach seiner Fähigkeit parieren zu lassen, und zu beurteilen, ob es ausgeglichen und gelöst ist mit einer „simple canon“, der Mutter aller guten Gebissstücke. 
















Band I, Kapitel XXVIII

 Über die Pferde, die ein gestörtes Maul haben oder entmutigt sind

 

Wenn der Kunstreiter bei einem Pferd,das auf irgendeine Art stätig ist, ein gestörtes Maul hat oder entmutigt ist, nutzbringend die Lektionen des Parierens anwenden möchte, um es wieder zum Gehorsam zu bringen, muss er zunächst die Abneigung des Pferdes gegen das Rennen und die zu starke Parade und die zu starken Rügen beseitigen, die es abschrecken könnten: ansonsten ist es unmöglich, die Zustimmung dieses Pferdes zu erreichen (ohne die alle seine Mittel und Mühen nutzlos sein werden).

Dazu lässt er es zunächst ganz normal auf dem Rennkurs spazieren, oder an anderen angsteinflößenden Orten und es ruhig halten bei Erschrecken, indem der Kunstreiter geduldig versucht, es mit Streicheln zu beruhigen. Er hält es dann jeweils nach 15 bis 20 Schritten an, und richtet es dann vier bis fünf Schritte rückwärts, dabei häufig mit der Hand nachgebend.

Und wenn Anfälle von Aufbrausen und Unruhe einige Unordnung verursachen, soll der Kunstreiter weder in den Kampf einsteigen noch irgendeine gewalttätige Hilfe einsetzen, sollte es sich weigern rückwärts zu treten, oder zur Seite oder zu traversieren, sondern wiederum das Pferd mit den sanftesten Mitteln beruhigen, wie ich schon angeraten habe, und es im kurzen Schritt geradeaus gehen lassen.

Wenn der Fluchtgedanke vorbei ist, lässt er es von neuem anhalten und versucht sofort wieder rückwärts zu richten, wie ich es gesagt habe. Und wenn es sich wieder im Zustand des Aufbrausens und der Unruhe weigert zurückzutreten, soll er ihm mit dem Kappzaum und manchmal mit dem Mundstück helfen, sofern dies eine simple canon ist, und wenn nötig, mit einer Gerte Vorderbein oder Oberlippe zu touchieren, dabei aber vor allem immer vorsichtig sein.

Immer wenn es cholerisch, aufbrausend und sehr empfindlich ist, ist es gelegentlich besser, seinen Kopf eng zu der guten Seite zu wenden, statt zu der, gegen die es opponiert, und dann versuchen, es rückwärts zu richten. Durch dieses Mittel wird es leichter gehorchen, denn sehr häufig ärgert sich das cholerische und ungeduldige Pferd über das Anhalten und Rückwärtsrichten, wenn es den Kopf geradeaus hält, hin zu der Stelle, die es vermeiden will, besonders wenn es sich in einer Fluchtaktion befindet.

Viele Pferdemenschen glauben, es sei ein Fehler, das Pferd, das einen sehr großen Fehler macht, nicht sofort und an derselben Stelle zurechtzuweisen, besonders wenn das im Gelände geschieht.

Ich stimme dem in der Regel zu: aber zweifellos ist es für das Verbessern der cholerischen, starken Pferde und derjenigen mit viel Feuer häufig nötig, ihnen viele Fehler zu gestatten und zu entschuldigen: denn gewöhnlich sind sie verärgert und verzweifelt über die Hilfen und Rügen, die diejenigen korrigieren würden, die ein leichtes und sanftes Temperament haben.

Aus diesem Grunde ist es manchmal besser bei den Pferden, die nicht zustimmen können oder wollen, einige ihrer schlechten Fantasien und Gewohnheiten zuzulassen, als sie korrigieren und bezwingen zu wollen, um am Ende nicht  gezwungen zu sein, die Hilfen unvollkommen und nutzlos werden zu lassen, was dann nachher zu Erfolg in ihrem Starrsinn führen würde.

Ist es nun so unruhig,  dass es nicht still hält, oder auf der Rennstrecke geradeaus gehen will, so lässt ein Mensch zu Fuß, der sich fünf oder sechs Schritte vor dem Pferd hält, es rückwärts gehen: damit nimmt er ihm einen Teil der Abneigung, indem er ihm die Sicht auf das Ende der Rennbahn nimmt. Dieser Mensch soll sich häufig nähern, um das Pferd zu streicheln und ihm Leckereien zu geben, und soll ihm gewöhnlich direkt in die Augen sehen, um dessen Blick mit seinem eigenen beschäftigt zu halten, und er muss wissen, falls nötig, wie er dem Kunstreiter helfen kann, um das Pferd zu stellen oder es rückwärts zu treiben durch Androhen oder Berühren oder vorsichtiges Klopfen mit der Gerte an den Vorderbeinen, an der Brust, an der Oberlippe oder an den Flanken und gelegentlich mit der Hand gegen die Schnalle oder die Mitte des Kappzaumbogens zu schieben, um ihm zu helfen, rückwärts zu gehen, oder auch gegen die Schulter oder die Flanke, um es zu stellen, anstatt der Sporen oder der Gerte; dieser Mensch soll sich auch mal mehr, mal weniger, nähern und entfernen, je nachdem, wie das Pferd die Abneigung und den Wunsch zu flüchten verliert.

Allerdings soll der Kunstreiter das Gebiss so wenig wie er kann annehmen, und im Gegenteil häufig mit der Hand nachgeben.

Nachdem das Pferd bei dieser ersten Lektion im Schritt sicherer wird und wenn es beginnt, die Ausführung des Parierens und Rückwärtsrichtens zu verbessern oder zu verstehen, versichert man es auf dieselbe Weise im Trab und im kleinen Galopp, immer dieselben Regeln beachtend, dabei aber es nicht zu häufig anhalten lassend.

Wenn diese Übungen lange und häufig weitergeführt werden und das Pferd zu sehr belästigen, ist es gut und nötig, ihm gelegentlich viel Freiheit zu lassen und es im Gelände lange Zeit zu traben und zu galoppieren, über mittellange Strecken auf jeder Hand und geradeaus, ohne es direkt beim Beenden anzuhalten.

Und um ihm auf ganz leichte Weise seine Fluchtgedanken oder seine Furcht vor der Rennbahn zu nehmen, soll dieser Galopp so langsam wie möglich sein und so wenig wie möglich von der Hand abhängen; in allen diesen ersten Übungen soll man es beim Anhalten gar nicht zwingen, welchen unangenehmen Bewegungen man auch begegnet: im Gegenteil, man lässt es ganz nach seiner Annehmlichkeit anhalten. Denn die hauptsächlichen Hilfen und Rügen gegen die Abwehr, die die wilden und verzweifelten Pferde, die Furcht vor dem Halt haben, gewohnt sind zu machen,verschwinden nach und nach durch die Geduld und Sanftheit des Kunstreiters, und vor allem durch die Leichtigkeit und Bequemlichkeit beim Rückwärtsrichten, das mit Kunstfertigkeit und Urteilskraft ausgeführt wird.

Alle diese Mittel können das Pferd mit der Zeit beruhigen und zum Üben und zur Leichtigkeit beim Anhalten bringen, viel besser als die gewalttätigen Mittel.

Hat er so das Pferd, das zuvor temperamentvoll und wild war, sicherer gemacht und beruhigt, reitet der Kunstreiter es, nach langen Strecken im kleinen Galopp häufig an die Hand und ohne Sporeneinsatz oder es in irgendeiner Art zu schlagen, und wenn die Fluchtgedanken und die Abneigung gegen das Rennen völlig verschwunden sind, besteht keine große Gefahr beim Beschleunigen mehr, und nach und nach kann er zulegen, zuletzt im vollen Galopp, ohne ihm immer wieder Missempfindungen mit den Sporen oder der Gerte zu verursachen, und ohne ein Ende der Carriere mehr als das andere beim Start oder Ende der Strecke zu bevorzugen, damit es nicht zu sehr den Startplatz ablehnt.

Und um zu verhindern, das seine Heftigkeit und Unruhe es behindert/zurückwirft, versammelt man es im kurzen Schritt auf derselben Strecke, (plötzlich, wenn es gerannt war und pariert wurde), genau an der Stelle, von der es starten soll, um es erneut eine oder zwei Carrieren im Galopp zurücklegen zu lassen und danach im Trab eine weitere, oder mehrere, wenn nötig, und lässt es schließlich im kurzen Schritt spazieren, hin und zurück auf derselben Spur, um es zu beruhigen, bevor man es stehen lässt oder man es wieder auf die Carriere zurückschickt. Denn es erinnert sich gewöhnlich besser an die letzte Art und Weise, in der es seine Lektion beendet hatte (besonders wenn es irgendein Missbehagen hatte), als an den ganzen anderen Rest der Lektion; und aus diesem Grunde soll der gute Kunstreiter ihm immer ein gutes Maul lassen.

Wird diese Reihenfolge gut eingehalten und fortgesetzt, bin ich sicher, dass das Pferd sich wieder auf der Reitschule einfügt und weitergebracht werden kann, vorausgesetzt man gibt ihm die erforderliche Zeit gibt, je nach seinem Naturell und seinem Gedächtnis.

Bevor aber die cholerischen und flüchtenden Pferde, wie ich es gesagt habe, die niedergeschmettert und verzweifelt gewesen waren, gut zur Ordnung dieser Schule zurückgebracht wurden und lernen, geduldig zuzustimmen,  fallen sie zweifellos häufig zurück in die Angst vor den vorhergegangen Unannehmlichkeiten, die vielleicht die vielen Unordnungen hervorgebracht haben.Unter anderem die mit einem harten oder schlechten Maul,die sich aufregen wenn sie an einer Stelle still stehen sollen und noch mehr, wenn sie zurückgehen sollen, ziehen gewöhnlich an der Hand des Reiters und am Gebiss, um dem schulmäßigen Gehorsam zu entgehen wie einer Folter; und die, die zu sensibel und verwirrt waren, steigen und laufen Gefahr, sich zu überschlagen, mit Lebensgefahr für die, die auf ihnen sitzen; und jene, die gemäßigt waren,aber dennoch cholerisch, empfindlich und störrisch wurden, den Kopf senken und das Maul fast zwischen die Beine bringen und rückwärts gehen oder in den Sand beißen, oder in die Beine des Kunstreiters oder gelegentlich auch sich selbst beißen in Aufruhr und Verzweiflung.

Hierbei ist zu beachten, dass das Pferd möglicherweise dermaßen sensibel und ablehnend ist, weil der Zwang und ein Schmerz durch den Kappzaum es zu diesen Unordnungen bringen; wenn diese auftreten, soll man einen Kappzaum aus Leder oder aus Seilen versuchen, auch wenn diese nicht so stark einwirken: denn durch die Anlehnung dieser akzeptiert es manchmal mit der Zeit den eisernen; wenn es aber weder den einen noch den anderen akzeptiert, kann es besser arbeiten nur mit der simple canon und falschen Zügeln und der Gerte, als zu lange Zeit im Clinch gegen sein Naturell zu liegen; so können die Strafen und Hilfen mit dem Kappzaum manchmal Hass auf die meisten anderen guten Mittel der Schule erzeugen. Und deshalb ist es eine Maxime, dass bei diesen cholerischen und ablehnenden Pferden alles vermieden werden muss, was sie womöglich aufregt beim Training der Schule, weil sie andernfalls unglücklich sind anstatt es glücklich zu bewältigen.

Und weil einige glauben, dass die falschen Zügel das Maul belästigen, rate ich ihnen nochmals dass sie das nicht befürchten müssen, sofern das Mundstück, an dem man sie befestigt nicht eine simple canon ist, und man nicht zu stark daran zieht, oder sie gedankenlos einsetzt, aber dennoch gebrauche ich sie selten in meiner Schule.




 





Allgemeine Regeln zur Verbesserung der Kopfhaltung und des Pferdemaules, und um es das Parieren zu lehren


Band I, Kapitel XXXIII

 

Die sichersten Mittel zum Vereinen der Kräfte des Pferdes, um ihm Kopfhaltung und die Hanken zu verbessern, es leicht an der Hand werden zu lassen, und es zu Genauigkeit und Festigkeit in allen Arten der Lektionen und Schulen zu befähigen, hängen alle ab von der Perfektion der Parade.

Um die Übungen für die sehr schönen Lektionen dazu ordentlich zu beginnen,ist es zuallererst nötig, dass das Pferd auf jeder Hand wenden kann, im Trab und Galopp, und nie verweigert von der Hand zu starten. Denn es ist viel zu schwer, eine Genauigkeit beim Anhalten zu erzielen, falls es zurückhaltend oder störrisch beim Geradeaus oder entier auf einer Hand ist, oder wenn, wie ich andernorts erwähnte, die Abhilfen, die den Hals und den Kopf des Pferdes mehr stärken sollen, es im Gegenteil eher entier oder zurückhaltend werden lassen, wenn es nicht zuerst auf jeder Hand frei wenden kann.

Ist es also soweit vorbereitet, einen Nutzen aus den guten Regeln des Parierens zu ziehen, beginnt der Kunstreiter: für die ersten Übungen lässt er es eine lange, gerade und ebene Strecke traben, die Zügel und die Kappzaumleinen so in den Händen haltend, dass er mittelstark die Anlehnung von Kopf und Maul des Pferdes fühlen kann. Nach ungefähr 60 Tritten lässt der Kunstreiter es anhalten, indem er den Oberkörper etwas nach hinten führt und die Kappzaumleinen gleichbleibend fest und gleich stark annimmt. 

Nach dem Anhalten lässt er es vier oder fünf Tritte zurücktreten, wobei er die Leinen wechselweise eine nach der anderen anzieht. Diese Art des Annehmens entspannt häufig den Hals und verhindert eine starke Anlehnung gegen den Kappzaum, oder reduziert diese zumindest gegenüber dem gleichzeitigen Annehmen und Durchhalten der Leinen.

Wenn das Pferd zurückgetreten ist, lässt der Kunstreiter die Hände nach, um es auf derselben Bahn im kurzen Schritt gehen zu lassen, ungefähr eine gleichlange Strecke wie beim Rückwärtstreten, ohne dabei den Kopf oder die Anlehnung zu verlieren; danach streichelt er es und lässt es ein wenig in Ruhe stehen.

Danach lässt er es wieder ein oder zwei Schritte geradeaus gehen und dann zwei oder drei Mal zu der Seite zu wenden, zu der er möchte, im Schritt oder im Trab, eng oder weit, je nach Können des Pferdes.

Hat er die zwei oder drei Wendungen vollendet, lässt der Kunstreiter es wieder zurücktreten, vorangehen und wenden, wie oben beschrieben. Auf der Hand, die er für nötig erachtet,und seinen den Hals und Körper immer so sehr gerade haltend, wie es möglich ist auf der geraden Spur; um danach wieder zum Trab zurückzukehren; und dann einen weiteren Halt weiter vorn oder an einer Stelle gegenüber der, von der er gestartet war, genau dieselben Wendungen zu machen, sobald das Pferd die Lektion begriffen hat und wenn er möchte, kann er es auf der einen Hand wie auf der anderen wenden, bevor er den Platz verlässt.

Diese Übungen werden immer wieder durchgeführt, bis das Pferd beginnt, zu ermüden und dann gewöhnlich mit einer Wendung beendet.

Mit der Zeit verlängert man den Weg und die Abstände zum Anhalten, je nachdem wie das Pferd lernt und die Aktion des Parierens beachtet, oder verkürzt die Strecke, wenn es die die Anlehnung an Gebiss und Kappzaum beim Geradeausgehen verliert.

Wenn das Pferd nicht rückwärts treten will durch den Druck des Kappzaumes und das oben beschriebene wechselweise Annehmen der Leinen, muss man die Zügel dazu nehmen; und immer, wenn es sich versteift und gegen Gebiss und Kappzaum angeht, lässt der Kunstreiter locker um das zu beseitigen, und lässt es frei im Schritt gehen, zwei oder drei Schritte oder so viele er möchte.

So lehrt er es sich aufzurichten, um friedlich rückwärts zu treten; und wenn es wieder nicht nachgeben will, oder wenn es sich höchstens einen Schritt zurückziehen lässt, lässt er es von neuem und sofort von der Hand, lässt es ein wenig vorwärts gehen, und versucht sodann wieder, es zurück zu richten, ohne zu sehr die Leinen oder die Zügel anzuziehen. Durch diese Mittel erreicht er mehr Leichtigkeit, als durch den Gebrauch großer Gewalt!

Und, zum Erreichen einer besseren Zustimmung beim Parieren und Rückwärtsrichten, soll man dieses Training nur anwenden, bevor es müde wird oder atemlos: vor allem, wenn es nicht viel Kraft besitzt.

 










 
Band I,Kapitel XXXIIII
Perfektion der Parade aus dem Trab
 

Perfektes Durchparieren aus dem Trab bedeutet, dass das Pferd kurz und unvorhergesehen nach Belieben des Reiters anhält, ohne zu zögern und in einem Zuge, wobei das Pferd sich versammeln, zusammenziehen und seine Kräfte auf die Hanken und Sprunggelenke zurückbringen, und seinen Schweif ruhig halten soll, dabei die beiden Hinterfüße weiter auseinander stellen und sie ganz gerade und nebeneinander auf der Erde verankern.

Von diesen Voraussetzungen hängen die feste Aktion und die korrekte Haltung von Hals und Kopf des Pferdes und schlussendlich die Leichtigkeit und die Anmut beim Parieren ab, wenn das Pferd von Natur aus locker und mit einer guten Neigung ausgestattet ist.

Hat man bereits lange die vorherigen Übungen im Trab geradeaus weitergeführt, und auch im Galopp, weiterhin Wendungen (nur im Schritt und im Trab) gemacht, besitzt man die Mittel, die Lektion am ruhigsten, am längsten und am lohnendsten zu nutzen.

Wenn der Kunstreiter diese Regeln mit viel Überlegung einhält, und er nur dann, wenn es nötig ist, geringste Bewegungen macht, soll er diesen oben erwähnten großen und langen Weg (welcher keine Bahnfigur der Schule ist) nutzen, um zu verhindern, dass das Pferd vorhersehen kann, an welcher Stelle es anhalten soll, und an welcher es wenden soll. So bleibt es genauso aufmerksam gegenüber den Aktionen des Reiters, als wenn man es in einer Lektion der Schule trainierte.

Das Rückwärtsrichten nach dem Halt ist ein Mittel der Rüge, das dazu dient, dem Pferd seinen Fehler bekanntzumachen, nicht sorgfältig genug beim Parierengehorcht zu haben, aber auch ein Mittel, seine Kräfte auf den Hanken zu versammeln und hierdurch die Kruppe und den Schweif zu festigen, die Sprunggelenke zu stärken, die Hinterfüße einzurichten und anzupassen, und ihm den Kopf und die Vorhand leichter zu machen. Allerdings wäre es ein Fehler, es rückwärts gehen zu lassen, wenn es die Parade locker und korrekt ausgeführt hat. Wenn es aber zu plötzlich anhält, muss man es im Gegenteil vorwärts gehen lassen, und auch dann, wenn es zu kurz und rückwärts gehend anhält.

Die zwei oder drei kurzen Schritte geradeaus nach dem Rückwärtsrichten werden ausgeführt, wenn es leicht der Handaktion zugestimmt hat, um seine Abneigung zu reduzieren, und seine Angst vor der Unterordnung beim Rückwärtsgehen, besonders wenn es gerade erst angeritten ist. Wenn es aufbrausend ist und eine harten Kopf und Hals hat, dienen diese kleinen Schritte auch dazu, es aufzulockern, wenn es fliehen möchte, und zu sehr gegen Kappzaum und Gebiss angeht; und genauso wenn es sensibel und stätig ist (falls es die Lektion des Rückwärtsrichtens nicht in irgendeine Bosheit umgewandelt hat).

Die Wendung nach dem Halt macht man, um das Pferd sehr leicht für die Manege zu erhalten oder zu machen, und um die Unruhe abzulenken und die meisten jener schlechten Einfälle, die durch die ersten korrekt angewandten Hilfen und Rügen verursacht werden können.

Die zwei oder drei Schritte rückwärts nach der Wendung sollen beim Pferd ein zu großes Verlangen, den Platz des Anhaltens und dem der Wendung zu früh zu verlassen, das vorhanden ist oder das es bekommen könnte, reduzieren.

Wenn man dagegen ohne Auftreten dieser Fehler, gleichgültig und ohne Grund die oben genannten Mittel anwendet, wie es die meisten einfachen Pferdemänner tun, kann man sie zu wirklichen Unordnungen treiben, die das Gedächtnis und den Gehorsam der Pferde leicht verwirren können.

[die nächsten 4 Absätze habe ich nicht übersetzt, da zu rabiat;DA]

 


 

 






 

 

Der Nutzen eines Gefälles für das Parieren

Band I, Kapitel 35

 


 

Die allermeisten Kunstreiter nutzen ohne zu differenzieren heftige [gaillard] Gefälle, um dem Pferd leichter beizubringen, auf den Hanken zu parieren; aber nicht alle kennen die unterschiedlichen Auswirkungen.

Für mich billige ich sie sehr und nichts anderes als diese sind notwendig bei Pferden, die von Natur aus langgestreckt und auf den Schultern sind und an der Hand ziehen, vor allem, wenn sie auf den Schultern parieren, denn dieses Mittel ist angebracht, um sie auf den Hanken zu versammeln, Kopf und Schweif ruhig zu stellen und ihnen die Vorhand leicht zu machen, wenn die fehlenden Kräfte der Füße, der Schultern, des Rückens und des Mutes es daran hindern.

Andererseits verurteile ich völlig ein starkes Gefälle, weil ein Pferd dabei leidet und es ruiniert werden kann: aufgrund der fehlenden Kapazität der obengenannten, unbedingt notwendigen Eigenschaften will es vielleicht nicht mehr weitergehen nachdem es geschoben und pariert wurde. Es gibt so einen sichtbaren Beweis seiner erlittenen Mühe und Unannehmlichkeit, indem es gar nicht mehr weitergehen will, oder, falls es geht, mit solchem Widerwillen, dass es bei Annäherung an das Gefälle häufig zur Seite fliehen will oder buckelt und sich zurückhält gegen den Willen des Kunstreiters: sodass es manchmal gezwungen wird durch Sporen- und Gerteneinsatz, den Hang herunter zu gehen. Seine Furcht davor kann das Pferd manchmal lehren, auszureißen, oder ein Misstrauen zu entwickeln gegen die voraussichtlichen Stellen für Paraden, anstatt gut in einer kräftigen, aufmerksamen und lockeren Weise durchzuparieren.

Man muss wohl nicht extra betonen, das man niemals ein schwaches Pferd auf einem Gefälle parieren darf, und dass diese selten einen Nutzen für diese Pferde bieten, und niemals viel.

Es ist notwendig, dass der Kunstreiter das Urteilsvermögen und die Erfahrung besitzt, ein passendes Gefälle aussuchen zu können: leicht oder stark, je nach dem Naturell und den Kräften des Pferdes; und auch wenn es willig ist, soll es nur im Trab, im kleinen Galopp oder im mittleren Galopp gehen: je nach der Art des Gefälles, nach der Kapazität der Kräfte und der Stimmung des Pferdes. Aber mein Rat ist, niemals ein Pferd, welcher Art es auch sei, im vollen Galopp auf einem starken Gefälle zu parieren, wenn es nicht ganz unbedingt erforderlich ist.

Wenn der Kunstreiter sein Pferd pariert, vor allem auf einem Gefälle, muss er seine Aktion und seine Kraft auf die Oberschenkel und Knie legen, denn zieht er an den Kappzaumzügeln, hält er seine Beine zu angespannt und zu weit nach vorn in den Steigbügeln und zieht dadurch den Sattel auf die Schultern des Pferdes, entgegen dem beabsichtigten Nutzen des Gefälles, das ja die Vorhand leichter machen soll. Er stört es dadurch sehr stark, ebenso beim Rückwärtsrichten, weil dies eine schwere Arbeit und unangenehm ist für die ängstlichen oder schwachen Pferde, oder für jene, die zu müde oder außer Atem sind, wenn sie gegen den Abhang rückwärtsgerichtet werden, umso mehr, wenn dieser steil ist.

In diesen Fällen soll man deshalb so wenig wie möglich auf der Vorhand des Pferdes sitzen; und weil die Schräge den Kunstreiter daran hindert, dem Pferd die Vorhand gut zu erleichtern, ist es manchmal viel besser, eine Wand zu benutzen, vor allem bei schwachen Pferden mit schlechtem Gedächtnis, die sich auf die Schulter legen, aber dabei trotzdem aufbrausend und mutig sind.

 


 





 

Band I, Kapitel 41

Um das Pferd vom Trab in den Galopp zu bringen

 

Man soll niemals das Pferd im Galopp trainieren, wenn es im Trab schwer auf der Hand liegt oder an der Hand zieht, sondern erst, wenn es locker und leicht in der Trabaktion geworden ist, denn andernfalls wird es zweifellos durch die Galoppbewegung die Anlehnung des Gebisses verlieren und sich mehr auf die Vorhand bringen. Aber wenn es gut einen freien Trab geht auf den ersten großen Kreisen, und wenn der Kunstreiter beginnen möchte, es auf dieser Spur zu galoppieren, muss er es einige Tage vorwärts auf einem engeren als den gewöhnlichen Raum traben lassen, ungefähr ein Drittel kleiner, oder halb so groß, um es nachher leichter anzusprechen; denn es zu überfallen im Glauben, es auf einmal in den Galopp zu bringen, auf derselben Kreisgröße die man nur im Trab geübt hatte, kann ihm Gelegenheit geben sich zu wehren oder die erste Spur zu verlassen, oder sich mit irgendwelchen anderen Mitteln zu widersetzen und entier zu werden. Wenn es aber vorher außergewöhnlich verengt wird und gezwungen im Trab geht, und man danach vergrößert, lässt diese Freiheit es leichter zuzustimmen zur Galoppaktion auf den ersten Kreisen; und um ihm weniger Ausreißen und mehr Lockerheit und Gehorsam zu verschaffen, muss man diese Aktion im selben Trab und derselben engen Proportion der Tour beenden, wie man sie begonnen hatte: überhaupt muss man, wenn das Pferd schwer wendet, es lange promenieren am Ende der Lektion, sehr viel enger als man es im Trab oder Galopp machte, ohne es immer sehr unter Druck zu setzen; denn sehr häufig, wenn der Kunstreiter geduldig und gut geschult ist, kann diese Passage gleichermaßen nützlich sein wie der Rest der Lektion. Wenn aber das Pferd ein so leichtes oder sehr schwaches Maul hat, dass es im Trab keine gute Anlehnung nehmen kann, ist es gut, seine Lektion im Galopp beginnen zu lassen, nachdem man es hat promenieren und ein wenig versucht hat, es traben zu lassen.

Und wenn der Kunstreiter spürt, dass es beginnt Anlehnung an das Gebiss zu nehmen, bringt er es nach und nach in einen ausgreifenden und feurigen Trab, in dem er sehr häufig diese Lektion beendet. Diese Mittel können mit der Zeit eine gut temperierte Anlehnung des Maules hervorbringen, im Trab so wie im Galopp. Und wenn das Pferd, locker oder schwer auf der Hand, frei auf jeder Hand im Trab oder Galopp auf mittelgroßen Kreisen und beim Durchparieren macht, wird es Zeit zu beginnen, es an kleinere zu gewöhnen, wozu man es zunächst geradeaus in die ersten Regeln der Passaden bringt.

 





Band I, Kapitel 42


Das Pferd je nach seinem Naturell an den Trab anpassen


Man kann schon bis hier verstehen, dass das Training des Trabes die erste und äußerst wichtige Grundlage ist für seine Lockerheit und alle Lektionen, die das Pferd gerade und gehorsam machen, und auf denen sich alle Arten der Manegen aufbauen; aber bei dieser Übung muss man sorgfältig die wichtigsten Berücksichtigungen beachten: nämlich, wenn das Pferd von Natur aus locker an der Hand ist, der Trab ihm angemessen ausgreifend und resolut, so wie es nötig ist, man ihm damit die Glieder lösen kann, den Kopf und die Hanken ruhigstellen, den Hals und die Schulter an die Leichtigkeit der Volten anpassen, und ihm gemeinhin das erste Gefühl und das Kennenlernen des Zaumes geben kann. Wenn aber im Gegenteil das Pferd schwer auf der Hand liegt, oder es durch irgendeinen anderen Fehler an der Hand zieht, legt es sich auf die Schultern und verstärkt das Ziehen durch einen langen und resoluten Trab. Deshalb muss man in diesen letztgenannten Fällen, und vor allem wenn das Pferd einen langen Körper hat, versuchen, es einen so kurzen und erhabenen Trab wie möglich gehen zu lassen, um es so gleichzeitig zusammenzubringen und zusammenzuhalten, ohne immer zu sehr am Zaum oder am Kappzaum zu ziehen, und auch dass mit diesem Mittel es sich angewöhnt, den Kopf in einer schönen und guten Haltung zu tragen.



Band I, Kapitel 43


Der Unterschied der Pferde, die schwer auf der Hand liegen zu denen, die an der Hand ziehen


Der Unterschied zwischen den Pferden, die schwer an der Hand sind, zu denen, die an der Hand ziehen, ist, dass die, die schwer sind, sich an den Zaum und Kappzaum anlehnen und sich auf die Schultern legen, weil sie schwach sind oder schwer oder weil sie von Natur aus ein fleischiges und träges Maul haben; die jedoch, die ziehen, harte und gewöhnlich runde und magere Laden haben: darum versteifen sie den Hals und die Kiefer, um sich zu wehren und den Arm und die Faust des Reiters zu bezwingen, wenn sie nicht können oder wollen, was man zu erreichen versucht. Diejenigen, die schwer sind, können leichter werden durch die Kunst, indem sie gekräftigt werden durch das Training des Trabes; und jene, die ziehen, können sich durch das Üben des Trabes und des kleinen Galopps beizäumen und weicher werden und so durch Verbessern der Kondition ihren Ungestüm vermindern. Aber letztendlich sind die, die schwer auf der Hand sind, normalerweise die begriffsstutzigen und schwachen; die dagegen, die ziehen, ungeduldig und ungehorsam, und deshalb die gefährlicheren und schlecht korrigierbaren.

 





 

Band I, Kapitel 44


Der Unterschied eines zu empfindlichen zu einem schwachen und zu einem steten Maul


Das zu empfindliche und misstrauische Maul fühlt sich angeriffen durch alle Arten Zäumungen und führt gewöhnlich zum Kopfschütteln und Schlagen an die Hand. Das schwache ist eines, das zu locker ist: das heißt, dass es keine Anlehnung an irgendeinen Zaum nimmt, so sanft dieser auch sei, aber es schlägt niemals an die Hand. Aber das stete Maul ist eines, das man anstreben will mit einer mittleren Anlehnung, soll sagen: fest und temperiert, was die guten Pferdemenschen sehr ausdrücklich empfehlen.




 

Band I, Kapitel 45


Erste Trablektion auf den Passaden


 

Um mit dem Üben und dem Anpassen des Pferdes an die Passaden und die Volten im Trab zu beginnen, und zu vermeiden, dass man beim Beginn dieser Lektionen viele der gewöhnlichen Fehler macht, oder dass man zumindest weniger macht, muss man es am besten zum Kennenlernen zwei oder drei mal die Proportion der Passaden und der Kreise im Schritt gehen lassen, und zwar im Schulschritt, der aufmerksam, verkürzt und locker sein soll, denn es gibt einen Unterschied vom Schulschritt zu dem, den es auf den Schultern macht und der gemächlich über Land benutzt wird oder beim Promenieren des Pferdes vor oder nach einer Lektion. Die Proportion dieser Kreise und Passaden sollen abhängig davon danach ausgewählt werden, ob das Pferd versammelt, gelöst oder schwer ist (d.h. wenn es sich auf die Vorhand legt und auf die Anlehnung des Gebisses): dann muss man die Passade kürzer und die Kreise enger halten, als wenn es locker oder störrisch ist. Aber für den Normalfall soll die Passade ungefähr dreißig Schritte lang sein und jeder Kreisdurchmesser vier Schritte betragen. Denn je nachdem, wie der Kunstreiter sein Pferd anspricht, hat er die Mittel, den Rücken anzupassen an den Punkt innerhalb der Voltenlinie und in einer so guten und temperierten Anlehnung, dass er den Kopf des Pferdes in einer schönen Haltung unterstützen kann, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen. Auch soll er sich besser in den Sattel setzen, seinen Körper und seine Beine nach hinten bringen, sicher in die Steigbügel treten und seinen Hut gut richten. All dies soll aber in solcher Kürze geschehen, dass die Zuschauer Mühe haben, es zu bemerken. Und alles so, dass der Kunstreiter nicht dick aufträgt in seinem Gehabe, und nicht affektiert wirkt. Danach soll er an einem Ende der Passade beginnen, indem er das Pferd in einem Trab, der zu dem Naturell des Pferdes passt, geraderichtet.

Viele sind der Meinung, dass, wenn das Pferd fast am Ende der Passade angekommen ist, und bevor es auf eine Hand gewendet wird, es besser ein wenig nach außen gelenkt wird, um damit vorzutäuschen, eine Wendung zur anderen als der beabsichtigten Seite anzustreben. Ich begrüße diese Regel sehr, wenn man sie anwendet zur Überlistung und Korrektur eines störrischen Pferdes, das sich zurückhält oder sich der Volte entziehen will, bevor der Reiter sie angekündigt hat; ebenfalls, wenn es beim Ausführen der Volte seine Hinterhand zu sehr herauswirft, hat der Kunstreiter durch diese Vortäuschung ein Mittel, ihm manchmal die Kruppe ruhig zu stellen. Aber macht das Pferd nicht diese Fehler, wünsche ich, dass die Passade gerade sein soll,um sie genau an ihrem Ende zu verlassen, an dem man sorgfältig die Aktion und den Weg der Volte oder Demi-Volte beginnen soll, sonst wird die Ausführung fehlerhaft. Der Grund dafür ist klar ersichtlich: denn die Zeit und der Raum, die man verliert bei der o.g. Vortäuschung vor dem Wenden, verfälscht nicht nur die gerade Linie der Passade, sondern bewirkt auch, dass der Beginn der Volte ebenso verzögert wird.

Andere machen auch zur allgemeinen Regel, das Pferd jedes Mal ganz anzuhalten, wenn sie an einem Ende der Passade angelangt sind, bevor sie mit der Tour beginnen; wieder andere halten das Pferd niemals ganz an in diesen großen, ersten Lektionen geradeaus; ich aber möchte, dass der Kunstreiter weiß, dass dieser Stil beim Parieren aus dem Trab, vor der Volte, nicht benutzt werden soll, besonders wenn das Pferd nicht auseinandergefallen ist oder schwer ist oder an der Hand zieht. Denn es wäre ein großer Fehler, zu wenden, während das Pferd auf den Schultern liegt oder auf der Anlehnung des Gebisses und eine andere schwere Unangemessenheit, es durchzuparieren, obwohl man am Ende der Passade fühlt, dass es schon seine Kraft versammelt hat und die Aktion locker macht mit gutem Beginn und guter Ausführung der Wendung. Schlussendlich pariert man es in diesen Lektionen nur, um das Pferd leichter zu machen, falls es nicht dazu disponiert ist

Wenn das Pferd am Ende der Passade in einem guten und lockeren Trab angekommen ist, bringt der Kunstreiter es auf den Kreis auf der Hand, die er will, und lässt es zwei oder drei gut geformte Runden machen im Stil der gewöhnlichen Schule, und am Ende bringt er das Pferd ohne Verwirrung zurück auf die gerade Linie der Passade, um dies am anderen Ende auf der andren Hand zu wiederholen, wenn möglich, ohne zu verstärken, zu vermindern, oder den korrekten Takt des Trabes, passend zur Anlehnung des Maules, seiner Statur und seinem Naturell, zu unterbrechen. Und macht weiter in dieser Lektion, bis das Pferd es je nach seiner Fähigkeit verstanden hat und es Zeit ist, es anzuhalten. Und damit es sich angewöhnt, im Normalfall dahin zu sehen, wohin es seine Vorderbeine setzen soll, und dieses Mittel es freier und leichter in der Manege werden lässt, ist es nötig, dass der Kunstreiter mit der Kappzaumleine oder der Gerte dafür sorgt, dass es bei Beginn und der gesamten Durchführung der Volte den Kopf ein wenig einwärts hält. Diese erste Aktion soll man einleiten, indem man vorher, oder zumindest gleichzeitig die Zügelfaust in die Volte bringt, ohne dadurch das Pferd zu beschleunigen, es von der Kreisspur abkommen lässt oder den korrekten Takt des Trabes zu unterbrechen.

Man sieht sehr wenige Pferde, die sich bei diesen ersten, ungewohnten Lektionen geradeaus und und auf den Volten nicht nach außen biegt, mit Ausfallen der Hinterhand und dabei die Kruppe herauswerfe, vor allem jene, die cholerisch, empfindlich und ungeduldig sind: weil sie jedes Mal, wenn sie eine Tour machten, geradeaus gehen wollen oder vorzeitig die Volten beenden wollen: so dass das Unbehagen, dass sie fühlen bei der korrekten Ausführung, sie auch am anderen Ende der Passade dazu bringt, die korrekte Rundheit der Figur zu verfälschen. Schlussendlich geht diese unangenehme Bewegung des Herausbringens oder -schleuderns der Hinterhand aus der korrekten Bahn der Volte sehr häufig der Hinterlistigkeit voraus.

 




 

Band I, Kapitel 47


Die wichtigsten Effekte des Galopps


Der Nutzen des Galopps besteht darin, das Maul des Pferdes ruhigzustellen, denn wenn dieses schwach oder zu empfindlich ist, hat der Kunstreiter mit dem Galopp ein Mittel (gleichermaßen in der Bahn wie im Gelände), es nach und nach an die Anlehnung des Gebisses heranzubringen und zu lösen. Und auch wenn das Pferd an der Hand zieht, weil es zu viel Flucht- und Renndrang hat, oder weil es sich böswillig oder aus Furcht entziehen will, kann der gemächliche und sanft zurückgehaltene Galopp seinen Geist befrieden und beruhigen und die Kondition verbessern, und dadurch die übermäßige Furcht ausgleichen. Und er ist generell nötig, um die schlechten Absichten der Pferde, die ein doppelbödiges und störrisches Herz haben, zu vertreiben, und die überschießende Heftigkeit im Rücken der zu munteren [gaillard] Pferde zu entspannen und zu beseitigen. Wenn das Pferd sich in einen sehr freien Trab bringen kann, nachdem es im Schritt noch aufmerksamer geworden ist, sollte es sich normalerweise im Galopp sehr leicht lösen, nachdem es vorher ein wenig getrabt hat.




Band I,Kapitel 48


Um zu beginnen, das Pferd vom Trab in den Galopp zu bringen auf den weiten und den zweifachen Volten der normalen Passaden

 

Wenn das Pferd die genannten Lektionen frei ausführt und der Kunstreiter es in die ersten Übungen des Galopps bringen will, beginnt er gewöhnlich die Lektion im Trab, nach dem o.g. Stil, und trabt weiter bis das Pferd ausreichend gelöst ist. Ungefähr vier Schritte vor dem Ende der Passade legt der Kunstreiter dann leicht zu und treibt es geradeaus, und je nach seinem Vorwärtsdrang und seiner Lockerheit bringt er das Pferd in den leichtesten Galopp, der ihm möglich ist, und lässt es in diesem die Volte beginnen, und sobald es wenigstens ein Viertel zurückgelegt hat bringt er es sanft zurück in den vorherigen Trab, und ohne es sehr zu stören lässt er es weiter wenden und wenigstens zwei Volten vollenden und diese schließen, wie ich in den vorigen Lektionen erwähnt habe; dann lässt er es demselben Trab zum anderen Ende der Passade weitergehen und dort genau dasselbe machen.

Nachdem das Pferd diese Einleitung und den Beginn der Volte im Galopp geübt hat, verlängert der Kunstreiter nach und nach die Dauer des Galopps und des Weges auf der korrekten Linie der Volte, ohne das Pferd zu überfallen, bis er mit der Zeit und der guten Übung leicht diese Manege vervollständigen kann, ohne den Galopp zu unterbrechen, und im Galopp genau die Proportionen der obengenannten Trabspur einzuhalten.

Ist der Boden bei dieser Lektion ein wenig zur Seite der Volte geneigt, wie ich es vorher schon beschrieben habe, bringt dies zweifellos viel Bequemlichkeit, falls er eben und gleichmäßig ist. Denn ist das Pferd locker, mit einem empfindsamen Maul, kann, außer dass dieses Gefälle es anzieht und und es dazu bringt, die Volte sehr leicht zu nehmen, festigt diese Bequemlichkeit ihm auch die Hanken, und genauso den Kopf und die Anlehnung an den Zaum, weil sich das Pferd dadurch natürlicherweise beizäumt [ramener] und sich auf dem Gefälle besser im Galopp halten kann, als auf jeder anderen Art von Gelände.

 

Hat das Pferd statt einer guten eine sehr harte oder schwere Anlehnung an das Maul, sei es von Natur aus oder durch irgendeinen Unfall oder Veränderung, ist es gut, vor allem bei diesen ersten Lektionen und dieser Art des Bodens, es häufig überraschend auf die Spur zu bringen, die die Volte schließt, und es auf dieser den Kreis in Gegenrichtung und bergauf beginnen zu lassen; und wenn es die Anzahl dieser Touren ausgeführt hat, man es wieder gerade auf die Passade treten lässt, im Gegensatz zur normalen Regel; denn diese Bequemlichkeit gibt ihm weniger Möglichkeit, beim Nehmen der Volte auf die Vorhand zu kommen, und hilft auch sehr für die Bewegung im Galopp und für das Ruhigstellen des Kopfes, weil diese Überraschung mit Beginn der Volte bergauf und mit einer bestimmten Finte und Aktion des Körpers ihm die Hanken ruhiger stellt und anpasst, wie die Erfahrung den guten Kunstreiter spüren lässt.



Band I, Kapitel 49


Die Korrektheit der Manege des Galopps


 

In dem Maße, wie das Pferd die vorgenannten Lektionen des Galopps trainiert und es sich leicht anpasst an die Volten, richtet der Kunstreiter nach und nach den Galopp entsprechend der Kräfte, der Lockerheit, dem Naturell des Pferdes und der Disposition des Maules aus: nämlich zulegend und die Volte vergrößernd, falls es schwach oder störrisch ist, oder es sich zurückhält, wenn es seinen Rücken einsetzt oder sich einengt oder in die Volte legt, wenn es sich in Wut bringt oder an der Hand zieht; aber den Kreis verkleinert, wenn es sich frei gibt und sich damit begnügt, bis die Manege des Galopps gemäß der Proportion ausgeführt wird, die besser zum Naturell und der Erfahrung des Pferdes passt.

Und wenn das Pferd trabt oder galoppiert auf den Volten, wiederhole ich, dass jedes Mal, wenn der Kunstreiter spürt, dass es die Kruppe aus dem korrekten Kreis seiner Manege herauswerfen will, er es sorgfältig nach vorn korrigieren soll, ohne die Zügelfaust innen zu halten, sondern eher außen, dabei außen am Kappzaum zieht und gleichzeitig schwer in den Bügel auf der Gegenseite tritt, mit diesem die Schulter des Pferdes berührt und dagegen drückt. Wenn es sich aber einengt und die Kruppe zu sehr nach innen nimmt, bringt der Kunstreiter die Zügelfaust auch nach vorn, hält sie abgesenkt zu der Seite, zu der es wendet, zieht innen am Kappzaum, und unterstützt es stark im Steigbügel auf derselben Seite, und macht dabei überhaupt so wenig Bewegung mit seinem Körper wie möglich. Auf der einen Hand wie auf der anderen verhindert er dabei, so wie er kann, durch alle seine notwendigen Bewegungen, dass das Pferd nicht den Takt oder die Proportion seiner Manege unterbricht. Und wenn der Effekt des Zaumes und des Kappzaumes oder des Gegengewichtes auf den einen oder den anderen Steigbügel nicht ausreicht, es auf die korrekte Spur der Volte zurückzubringen, muss man die Rüge mit dem Sporn oder der Gerte anwenden oder beides gleichzeitig, an der Seite, an der es den Fehler begeht und an den Stellen, die vorher erwähnt wurden: aber immer nur sehr vorsichtig. Denn man muss bedenken, dass wenn diese Rügen immer wieder extrem sind, und schon für kleine Fehler gegeben werden, die meist entschuldbar sind, kann man das phlegmatische und furchtsame Pferd auch zu stark erschrecken oder dasjenige verzweifeln lassen, das von Natur aus cholerisch, heißblütig und empfindlich ist, anstatt das eine wie das andere zu verbessern, vor allem, wenn diese Fehler durch Unwissen oder Unmöglichkeit entstehen.

 




 

Band I, Kapitel 50


Weitere wichtige Ratschläge für die Air und die Korrektheit des Galopps

 


Es gibt u.a. noch drei Dinge, die der Kunstreiter beim Üben des Galopps sorgfältig beachten muss, sei es im Gelände oder bei den normalen Lektionen. Das erste und wichtigste ist, die Air des Pferdes mit einer solchen Lockerheit und Feinheit der Hand zu begleiten, dass er damit ein Mittel hat, die Anlehnung des Maules zu erspüren und ihm den Kopf in eine schöne Haltung zu stellen, ohne an den Zügeln zu ziehen: denn das gäbe ihm viele Möglichkeiten sich aufzulehnen, z.B. durch eine Verhärtung im Hals oder auf den Laden. Deshalb sieht man gewöhnlich, dass das Pferd, das von Natur aus an der Hand zieht, oder das gewohnt ist, böswillige und hinterhältige Eskapaden zu machen, leichter zurückkehrt zu seinen Fehlern und dies häufig stärker als zuvor, wenn man glaubt, es mehr am Gebiss halten zu müssen. Das zweite ist, dass das Pferd korrekt mit den Hinterfüßen deíe Vorderfüße begleitet und ihnen folgt in derselben Spur, und dabei weder den Kopf noch die Hinterhand nach innen oder nach außen bringt, wie ich es in den letzten Trablektionen erklärte. Das dritte, dass je nach seiner Vorwärtsdrang, den es im Galopp geraudeaus auf der Passade bekommt, das Pferd vor dem Wenden aufmerksam, versammelt und erhalten wird durch eine gute und temperierte Anlehnung an das Gebiss und den Kappzaum und in einem so gutem Takt, dass es nicht gezwungen ist, in der Volte zu sehr auf die Schultern zu fallen, und sich aber auch nicht zu sehr auf den Hanken beizäumt [ramener] und zurückhält. Das vierte, die Übung immer zu beenden, bevor das Pferd verdrossen oder erschöpft ist und deshalb gezwungen wäre, auf die Schultern zu fallen und sich auf die Hand zu legen, denn dann wird die Lektion am häufigsten unnütz.

 




Band I, Kapitel 51


Allgemeine Ratschläge für die vorigen Lektionen


 

Was die allgemeinen Regeln betrifft, die normalerweise beachtet werden sollen bei den guten Schulen, ist es den besseren Meistern gestattet, sie in vielen Fällen abzuändern: denn wenn das Pferd immer von Natur aus eine bessere Neigung zu einer Hand hat als zu der anderen, oder wenn es diverse Abweichungen macht in seinen Lektionen, ist es häufig notwendig, es auf einer Hand eng zu machen und auf der anderen es weit werden zu lassen; es zulegen oder sich zurückhalten zu lassen; und auch es auf einer Hand zu traben und auf der anderen zu galoppieren; die Anzahl der Volten zu vermehren oder zu verringern; einen Wechsel auf die eine oder die andere Hand zu machen; die Passaden zu verkürzen oder zu verlängern und diese mal im Trab, mal im Galopp oder je nach Erfordernis im vollen Galopp auszuführen; und alle diese Variationen zu nutzen, je nachdem ob das Pferd Schwierigkeiten macht oder gehorsam ist. Wenn es aber leicht ist und von gutem Naturell, besonders wenn man es in seiner Lektion zeigen und erscheinen lassen möchte, beachtet der Kunstreiter die Proportionen der normalen Regel: nämlich nicht mehr als zwei oder drei Volten hintereinander auf jeder Hand, gleich in Stärke, Air und Form auszuführen; die Passaden mit gleicher Geschwindigkeit und Länge; beginnend und endend auf der Schwerthand; und überhaupt zusätzlich zur Korrektheit die ganze Lektion lebendig unterhaltend; nämlich wenn sie im Trab ausgeführt wird, soll dieser sehr erhaben sein mit gleichmäßigem Takt und in dieser Art weiter bis zum Ende der Lektion; und im Galopp, die Air auch gleichmäßig und kräftig, bis zum Durchparieren eher die Energie verstärkend als vermindernd, aber ohne es jemals zu überfallen.

Hat das Pferd den Gehorsam und Festigkeit der ganzen Parade geübt, soll das Anhalten aus dem Galopp durch nur minimales Annehmen in Gebiss und Kappzaum ausgelöst werden, nicht ruckartig und nur mit ganz wenig Veränderung in der Anlehnung des Maules und mit leichter Zurücknahme des Körpers diese Aktion begleitend und hierdurch auch die Schultern des Pferdes lösend. Diesen Zeitpunkt soll man wählen, ohne starken Zug durch die Festigkeit des Armes und auch des Körpers, genau dann, wenn das Pferd im Takt des Galopps seine Vorderfüße auf den Boden setzt; sodass sobald es sie danach in der natürlichen Bewegung wieder anhebt, als Folge das Pferd Anlehnung an die Hanken findet. Sollte der Kunstreiter aber im Gegenteil die erste Aktion des Durchparierens machen, wenn die Schultern des Pferdes vorwärtgehen oder in der Luft sind, gibt ihm das Anlass, die Anlehnung an das Gebiss zu verhärten, und lässt es häufig auf den Schultern und auf dem Maul parieren und es auch falsche Bewegungen mit dem Kopf machen, weil es dadurch überrascht wird im Zeitpunkt des Herunterkommens der Schultern. Weil ich nicht gut genug erklären kann, zu welchem Zeitpunkt diese ganzen Paraden aus dem Galopp und auf dem Kurs gemacht werden sollen, überlasse ich dies dem Verstand des guten Kunstreiters, der das Wissen und die Urteilsfähigkeit besitzt, sich angemessen zu verhalten, je nach dem Vorwärtsdrang, den er dem Pferd gab und den Kräften, die er in den Zügeln, den Schultern den Beinen und den Füßen fühlt, und auch gemäß der Ruhe des Kopfes und der Anlehnung im Maul.

 






 

Band I, Kapitel 52


Um die Pferde, die an der Hand ziehen aus Fluchtdrang oder Schwerfälligkeit an die Manege der Passaden anzupassen und leichter zu machen


Die vorbeschriebenen Regeln im Geradeaus und auf den Volten, sowohl im Trab wie auch im Galopp, können eine unbegrenzte Zahl von anderen Lektionen bilden, passend zu den geduldigen und an der Hand lockeren Pferden; und auch die geradeaus auf die Passaden bringen, die störrisch sind; und auch jenen die Anlehnung an das Gebiss festigen, die ein schwaches Maul haben. Für die jedoch, die schwer auf der Hand sind und sich auf die Schultern legen, oder die, die an der Hand ziehen aufgrund ihres zu starken Vorwärtsdranges, oder für andere, muss man generell einen anderen Stil beachten, nämlich, dass wenn es ein Ende der Passade verlässt und fast am anderen Ende angekommen ist, der Kunstreiter das Pferd vor dem Wenden gerade und fest [ferme] durchparieren soll. Diese Regel ist üblich, wird aber wird häufig genug schlecht ausgeführt. Deshalb wünsche ich mir, dass der Kunstreiter weiß, dass dieses Parieren in einem gut abgewogenen Design gemacht soll, entsprechend den Kräften und der Neigung des Pferdes, und nicht wie von denen, die auf den Lektionen der Passaden regellos im Geradeaus durchparieren und bei allen Pferden auf dieselbe Weise vorgehen, ohne zu beachten, dass, wie ich zuvor erklärte, das feste und ganze Durchparieren nicht bei allen Gelegenheiten gemacht werden soll, sondern nur, um das Pferd daran zu gewöhnen, sich beizuzäumen und seine Kräfte auf den Hanken zu versammeln, falls es von Natur aus, oder auf andere Art, auseinandergefallen ist, und falls es beim Galoppieren und Rennen auf die Schultern und auf die Anlehnung des Gebisses fällt; es also durch die Aktion und die Proportion des Parierens die Möglichkeit bekommt, die Volte sicher, korrekt und locker in der Vorhand, und mit einem ruhigen Kopf auszuführen, weil alle diese notwendigen Partien von der festen Haltung der Hanken abhängen. Falls das Pferd jedoch mit zu viel Anlehnung an die Hand und zu sehr auf den Schultern durchpariert, lässt man es ganz anhalten, um es sauber zwei oder drei Schritte rückwärts treten zu lassen, und noch mehr, wenn es nicht zum Anhalten gebracht wurde durch die Aktion des Kunstreiters; und es sogleich, oder ein wenig danach, vorwärts gehen lassen im selben Schritt bis auf die Stelle, an der es vorbereitet werden soll, die Volte gut zu nehmen: an dieser Stelle lässt man es gerade und ruhig für einige Zeit stehen, entsprechend dem Vorwärtsdrang, den es hat, und der Anlehnung und der Qualität des Maules; ohne loszugehen, bevor die Unruhe es verlassen hat, oder es locker der Unterordnung an Gebiss und Kappzaum nachgegeben hat; danach lässt der Kunstreiter es friedlich zwei oder drei Schritte geradeaus gehen, um dann wieder mit dem Wenden zu beginnen, gemäß der Ordnung dieser Lektion.

 

Nochmal, wie schon, als ich die Aktion erklärt habe, die der Kunstreiter beim Parieren beachten soll, unterlasse ich nicht zu sagen, dass er die Zügel gerade halten soll, die Schultern ein wenig zurückgenommen, seine Ellenbogen fest und nahe genug am Körper, nämlich wenn er den Kappzaum hat und es keinen anderen Grund gibt, meine ich, dass nur der Zügelellenbogen nahe der Flanke gehalten werden soll, der andere aber in Freiheit, ohne ihn zu sehr zurückzubringen; die Oberschenkel und Knie steif eingedreht, die Unterschenkel parallel gehalten und sehr nahe am Pferd, um mit dem Sporn drohen zu können ohne große Bewegungen zu machen, um es gerade zu halten beim Anhalten auf der Passade .

Und in dem Maße, wie das Pferd durch den Gehorsam die Proportion der ganzen Parade lernt und übt, zur Vorbereitung auf die Korrektheit und Leichtigkeit der Volte, macht der Kunstreiter die Bewegungen mit der Hand und dem Körper immer weniger stark, lässt es weniger rückwärtsgehen, und stoppt es weniger häufig auf der Stelle des Anhaltens, und mit diesem Mittel lernt das Pferd nach und nach, die Volte an die Parade ohne Unterbrechung anzuschließen, und macht schließlich die eine und die andere locker und mit gleichbleibender Lebhaftigkeit.

Wenn das feurige Pferd beim Parieren und vor dem Beginn des Wendens von Unruhe ergriffen wird, wird es natürlich die Volten in Ungeduld durchführen, schließen und wieder starten, ohne auf die Bewegungen und den Willen des Kunstreiters zu hören oder zu gehorchen. Um diese Ungeduld zu korrigieren, muss man es nach dem Schließen der Volten auf der Passade gerade durchparieren und es je nach dem Ungehorsam rückwärts richten und geduldig still halten, an der Stelle an der es im Geradeaus die Volte geschlossen hat. Und nachdem die Unruhe verschwunden ist, lässt der Kunstreiter es wieder starten, wie ich schon in den vorigen Lektionen erklärte, und es die Ordnung einhalten, bis es, wenn die Gewohnheit dieser Regeln es gelehrt hat, aufmerksam für die Aktion und die Bewegung des Reiters wird, sowohl beim Beginn und während des Schließens, wie auch nachdem es die Volte geschlossen hat.

Aber wenn diese Übung dass Pferd störrisch macht beim Erkennen oder Vermuten einer bestimmten Stelle für die Parade, es sich bei der Parade zurückhält oder die Volte nimmt, ohne auf den Reiter zu hören, treibt man es geradeaus und darüber hinaus vorwärts, bis es freiwillig mit einem freien Mut gleichmütig wendet, sei es zur vermuteten Seite oder unerwartet an einer neuen unbekannten Stelle, ohne angehalten zu werden, und nicht störrischer als es von seiner Natur aus ist.

Oder falls es so wenig Kraft hat, dass man es nach der ganzen Parade auf den Hanken nicht lange ruhen lässt, um die Volte auszuführen, muss man es sogleich nach dem Durchparieren kräftig drei oder vier Schritte geradeaus vorwärts schicken, was ebenso wie der Kurs dazu dient, ihm zu helfen lebhafter zu wenden.

Dieselbe Regel in dieser Art vorwärts zu reiten, ist auch geeignet für gewisse Pferde, die kräftig genug sind, aber deren natürliche Lockerheit der Schultern und des Kopfes oder der große Gehorsam, den sie aufweisen beim Parieren, und manchmal die Lockerheit ihres Maules, ihre Kräfte derart in Anspruch nimmt, oder sie in solcher Aufmerksamkeit hält, dass sie keine Möglichkeit haben, die Volte zu machen oder zu wagen, sie weiterzuführen. Letztere sollen normalerweise nicht mehr als eine halbe Parade machen, und diese nur, um ihnen die Volte zu präsentieren, bevor man die Hand dreht: und außerdem soll man sie ein wenig geradeaus gehen lassen beim Beginn der Tour.

Es ist nicht selten nötig, dass der Kunstreiter diese Aktion der halben Parade begleitet mit einem Zurücklegen des Körpers, wenn auch nur wenig, um seinen Sitz zu verbessern. Denn, wie ich schon bei den ersten Regeln der Paraden erklärte, das Zurückbringen der Reiterschultern dient dazu, Zügelarm und -faust zu unterstützen und dadurch ein gewisses Gegengewicht zu setzen, welches manchmal das Pferd löst, dass sich beim Parieren zu schwer auf die Schultern legt.

Aber es ist ein großer Fehler, ein Pferd am Ende der Passade durchzuparieren, falls es sich zurückhält beim Beginn der Volte, wie auch, wenn es in zu großem Ungestüm ist, und bevor man es in eine gute und feste Haltung bringt, um die Volte gut zu beginnen, durchzuführen und schließen, es heftig zu treiben, damit es von der Hand gehe auf der Passade, während es noch ungestüm ist; andererseits auch, es nicht genug anzutreiben, falls es sich zurückhält. Deshalb möchte ich die Lektion in diesem Stil und in dieser Stärke nicht gutheißen, wenn sie nicht begleitet wird durch die Zustimmung des Pferdes. Aber variiert er seine Aktionen und Bewegungen, möchte ich, dass von dem Moment an, in dem der Kunstreiter die Ordnung der Lektion, je nach den verschiedenen Bewegungen des Pferdes verändert, bis es angepasst ist an die korrekte Proportion der Manege, die man ihm beibringen möchte, dies vor allem passend zu seinem Naturell erfolgt.

Es gibt viele Pferdemenschen, die für den Beginn dieser Lektionen im Geradeaus, sei es im Trab oder im Galopp, die generelle Regel aufstellen, an jedem Ende der Passade nur eine Demi-Volte zu reiten: die einen sagen, um das Pferd nicht zu verwirren, wenn man auf einmal eine zu schwere Lektion beginnt; die anderen haben einfach die Maxime, dass die wichtigste und erste Manege, die der Kunstreiter das Pferd lehren soll, die der einfachen Passade sein soll: also die, die nur eine Demi-Volte am Ende der Passade macht, um zu wenden und wieder anzugehen. Dies ist ein Stil,den auch ich früher eingehalten habe, aber inzwischen bin ich anderer Ansicht: weil mich die Praxis gelehrt hat, dass das Pferd zunächst lernen soll, zwei Volten am Ende der Passade zu machen, denn zweifellos, nachdem es sich daran gewöhnt hat, nur eine Demi-Volte zu machen, fällt es ihm viel schwerer, wenn man versucht nach vorn zu wenden; deshalb verliert der Kunstreiter dadurch nur Zeit, wenn er zuerst die Demi-Volten benutzt. Deshalb sind am Ende die zwei oder drei Touren, die man das Pferd gewöhnlich am Ende der Kampfpassaden machen lässt, die Verbesserungsmittel um es freier zu bekommen im Nehmen und Schließen der einzelnen Demi-Volte: so, dass, um das Pferd gut hinein zu bringen und zu halten in der Schule, der Kunstreiter auf den einfachen Passaden im Terre-a-Terre normalerweise die Volten verdoppeln soll, und vor allem am Ende der Lektionen, um es mehr in Gehorsam und Atem zu lassen. Und das Pferd muss notwendigerweise, wie ich schon sagte, auf beiden Händen auf den ersten mittelgroßen Kreisen frei traben oder galoppieren können und gut, oder wenigstens passabel, durchparieren können, bevor man es auf die Lektionen geradeaus bringt. Und für die generelle Korrektheit dieser Manege muss man es, falls es die Passade sehr lebendig verlässt, vor der Volte gut angepasst an seine Kräfte und Gehorsam durchparieren, die Demi-Volte oder die ganzen Volten oder die doppelten Volten kraftvoll und sorgfältig beginnen, durchführen und beenden, ohne Flucht oder Verwirrung, und gleichmäßig in der Air, der Kraft und in allen Proportionen, sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand, vom Beginn bis zum Ende der Lektion; und die letzte ganze Parade korrekt ausführen mit dem Gegengewicht auf den Hanken, gerade, leicht und kraftvoll, ohne eine falsche Bewegung des Kopfes, des Maules oder des Schweifs, und vor allem nicht überfallartig oder zu lang ausgedehnt. Aber diese Korrektheit soll man nicht eher einzuhalten versuchen, als bis das Pferd durch die Zeit und die Übung dazu in der Lage ist.






 

Band I, Kapitel 53


Die normalen Lektionen für die einfachen Passaden [passades simples]


 

Alle Pferde, die frei die Volten im Trab und Galopp verdoppeln können, schließen die Demi-Volten der einfachen und sehr resoluten Passaden zunächst nicht korrekt, denn diese sind enger und schwieriger als die doppelten Volten. Gewöhnlich tragen sie die Kruppe bei den ersten Lektionen so nach außen, dass zwangsläufig die Demi-Volte offen oder auf andere Weise fehlerhaft bleibt, und sie aus diesem Grunde wieder starten mit den Vorderfüßen auf der Linie der Passade und den Hinterfüßen noch zu weit und entfernt von dieser Linie, sodass sie dermaßen schräg starten, dass sie auf die Schultern fallen und den Körper nicht vorwärts bringen, sondern mit den Hanken zur Seite der Volte. Deshalb sind sie fast schon auf der Mitte der Passade angekommen, bevor sie alle vier Füße auf der geraden Linie haben.

Ein Boden, der zu der Seite hin abfällt, zu der die Volte begonnen werden soll, ist ein sehr gutes Mittel gegen diesen Fehler, und befindet er sich auf diesem Boden, oder auf einem anderen, soll der Kunstreiter sich helfen auf der rechten Hand mit dem Schließen des linken Beines an das Pferd und dabei die Zügelfaust etwas nach oben drehen; sodass er mit äußerer Kappzaumleine und äußerem Zügel den Kopf des Pferdes unterstützen und ihm Hals und Schultern so einstellen kann (es dabei trotzdem vorwärts bringt mit Zügelarm und Zügelfaust, oder wenigstens verhindert, dass es sich einengt [acculer] ), so dass es mit der Zeit nach und nach lernt und sich daran gewöhnt, die Volte so korrekt zu schließen, dass die Hinterfüße fast gleichzeitig mit den Vorderfüßen auf der geraden Linie der Passade ankommen, um durch dieses Mittel immer versammelt [ferme] zu sein und bereit zum lebhaften Wiedervorwärtsgehen mit einem geraden Körper und beiden Hanken gleichmäßig und gleich stark schiebend, sobald es die Demi-Volte geschlossen hat, oder zu irgendeiner anderen Zeit die der Reiter wählen möchte. Auf der linken Hand nimmt er die Zügelfaust zurück, sie immer stet haltend und ebenso den Zügelarm; und den Kopf des Pferdes mit der rechten Kappzaumleine unterstützend, je nachdem, ob es die Hinterbeine vergrößert, oder wenn er eine anderen Anlass erspürt, und sie normalerweise am oder sehr nah am Pferdehals hält. Und um es besser daran zu hindern, die Kruppe herauszuwerfen, und es so zu leichter zur Korrektheit der Demi-Volte zu bringen, tritt der Kunstreiter als Gegengewicht so stark er kann in den äußeren Steigbügel, diesen an der Schulter haltend, während das Bein auf dieser Seite stark gegen das Pferd drückt und er ihm gelegentlich den rechten Sporn vor dem Gurt und die Gerte an dem Oberschenkel und häufig an der Stelle des Sporns auf derselben Seite spüren lässt und es damit touchiert und rügt, falls es ungehorsam ist. Diese Hilfen nutzen dem Pferd, das ein lockeres, ruhiges gleichmäßiges Maul hat, sehr. Hat es aber ein hartes Maul und wenn es zieht, oder sich auf die Hand legt, oder wenn es zu viel Anlehnung an die Hand hat, dann muss man diese Lektion an einer Wand ausführen.

 



Band I, Lektion 54


Lektion für das Dirigieren und Erleichtern des Pferdes auf der einfachen Passade


 

Wenn also das Pferd beim Ausführen der Demi-Volten der gewöhnlichen Passaden auseinanderfällt, auf die Schultern und das Gebiss, zwingt die Hand des Kunstreiters es, wenn er es exerziert, und dabei die Passaden zunächst im Trab entlang einer geraden Wand ausführt, zu Beginn zwei große Schritte von dieser entfernt.

Nachdem er nahe dem Ende der Passade eine ganze oder eine halbe Parade ausgeführt hat, entsprechend der Disposition des Maules und der Kräfte des Pferdes, und nachdem er es wenig oder viel wieder geradeaus vorwärts getrieben hat, je nachdem ob es beim Parieren auseinandergefallen war oder sich zurückgehalten hat, wendet der Kunstreiter sanft im Schritt, zur Seite der Wand, lässt es die Demi-Volte schließen auf der geraden Linie der Passade, so gut er kann, schickt es dabei vor allem vorwärts, wenn möglich, ohne es zu schlagen oder sehr unter Druck zu setzen.

 

Nachdem das Pferd diese erste Übung verstanden hat, lässt er es im Trab wenden, ansonsten die vorherige Ordnung beachtend. Überhaupt ist es gut am Beginn, falls es auf den Volten entier ist, oder sehr empfindlich oder aufbrausend, und vor allem wenn ihm die Lektion unbekannt ist, es geradeaus traben und wenden zu lassen im selben Trab, ohne anzuhalten, um die Passade entlang der Wand zu reiten; denn vielleicht verursacht ihm diese neue Anweisung, so dicht an der Wand zu gehen, solches Aufbrausen und Unruhe, dass es mit vielen Unordnungen dagegen angeht.

 

Wenn das Pferd frei frei geradeaus und auf der Demi-Volte trabt, ohne die Nähe der Wand zu fürchten, muss man es in den kleinen Galopp bringen, und wenn es Schwierigkeiten macht beim Ausführen der Demi-Volte in diesem Galopp, benutzt der Kunstreiter eine halbe Parade, falls es locker an der Hand ist; hat es dagegen zu viel Anlehnung, macht er eine ganze Parade, und lässt es danach besonnen im Trab angehen, drei oder vier Tritte geradeaus (ich meine hier die, die locker sind), und in diesem Trab die Demi-Volte machen, ohne zu eilen. Wenn es aber an der Hand zieht , lässt er es im Gegenteil sehr eng im Schritt und im kleinen Trab wenden, ohne es vor dem Wenden geradeaus gehen zu lassen, außer ein oder zwei Schritte vor die Stelle, auf der er es durchpariert hatte, und lässt es die Volte schließen auf der geraden Linie der Passade, um es sogleich wieder angehen zu lassen auf dieser, und am anderen Ende dieselbe Übung auf der anderen Hand auszuführen.

Und weil das Missbehagen einer zu lange andauernden Übung gelegentlich beim sensiblen und aufbrausenden Pferd einige bösartigen Mutationen auslösen kann, und die, die von Natur aus furchtsam sind, erschrecken und abstoßen könnte, ist es nötig, diese Regel häufig zu variieren: nämlich wenn das Pferd diese Lektionen gut erlernt hat, soll man es in einen Trab entlang der Passade bringen, und wenn es ca. drei Tritte vor dem Ende der Passade ist, treibt der Kunstreiter es vorsichtig, ohne zu parieren, drei oder vier Tritte geradeaus, um es in einen niedrigen und leichten Galopp zubringen, in dem er es lehrt, die Demi-Volte zu nehmen und durchzuführen, und wenn er sie geschlossen hat, es sogleich wieder in den Trab zurücknimmt und in diesem weiterreitet auf der geraden Linie der Passade, und dasselbe auf der anderen Hand macht. Und wenn es bei diesem Beginn passiert , dass das verwirrte Pferd verunsichert den Galopp auf der Demi-Volte unterbricht, darf der Kunstreiter keine Gewalt anwenden, außer es geht sehr stark dagegen an. Wenn es nahe dem Ende der Passade ist, man macht gewöhnlich für die erste Bewegung des Galopps zwei oder drei Sprünge geradeaus, um diese Demi-Volte zu beginnen, und weil zur selben Zeit, wenn das Pferd diese schließt, wie es dies im Schritt oder im Trab gemacht hatte (gemäß der vorigen Ordnung), lässt der Kunstreiter es sorgfältig im Galopp angehen, geradeaus auf der Linie der Passade, so wird das Pferd zweifellos durch die Übung in kurzer Zeit und ohne Verwirrung die Air des Beginns der Terre-a-Terre Volte mit der Ordnung des Angehens im Galopp aus der vorhergehenden Lektion verbinden; und durch dieses Mittel wird es die Demi-Volten dieser Passaden mit der Zeit erlernen und sicherer ausführen in ihrer wahren Korrektheit.

Manchmal passiert es, dass wenn das Pferd beginnt, den Zeitpunkt der Demi-Volte gut zu nehmen, es in so eine Unruhe verfällt, dass es ungeduldig sofort wieder angehen möchte, ohne die Demi-Volte zu schließen und zu vollenden: um diesen Fehler zu verbessern, muss man es im Trab eine ganze Volte ausführen lassen (ohne Zeit zu verlieren, es einzuengen oder es zu überfallen) in dem Moment, in dem es die Demi-Volte im Galopp oder im Terre-a-Terre vollendet hat, und es danach durchparieren, ohne ihm zu gestatten, auf der geraden Linie der Passade vorwärtszugehen bei jedem Mal, bis durch dieses Mittel das unruhige Verlangen, wieder anzugehen, bevor die Volte korrekt geschlossen wurde, verschwunden ist.

Durch dies Erklärungen kann der Reiter verstehen, dass die Wand nicht nur geeignet ist, um die schwerfälligen Pferde, und die, die zu viel Anlehnung haben, durch diese Lektionen leichter zu machen [allegrir], sondern auch die, die aufbrausend und bizarr sind, leichter zustimmen zu lassen, und dies ohne die Anwendung extremer Strafen. Um diese Lektionen besser zu verstehen, werde ich von dem gewöhnlichen Irrtum über die Bequemlichkeit der Wand erzählen, dem die meisten, die maßgebend sein wollen in diesen Passaden, unterliegen.






Band I, Kapitel 55


Hinweise zur guten Ausführung der Passaden entlang einer Wand und der Volten zur Wand.


Quasi alle, die die vorgenannten Lektionen ausführen, legen die Piste der Passade sehr nahe an die Wand, und um zur Seite dieser zu wenden, weichen sie vorher notwendigerweise zur anderen aus, um den Platz zu vergrößern, auf dem sie danach die Demi-Volte ausführen wollen. Hier irren sie sehr, denke ich, hauptsächlich aus zweierlei Gründen: der erste ist, dass sie die Passade verfälschen, welche aus Gründen, die ich bereits weitschweifig andernorts erklärt habe, ganz gerade sein soll von der Stelle, an der das Pferd von der Hand los geht, bis zu der ersten Bewegung der Tour: darunter verstehe ich die erste Bewegung, die man macht zu der Seite, auf der man die Volte beginnen und schließen möchte. Der andere, dass sie verhindern, dass das Pferd die Möglichkeit hat, zu der Seite zu sehen und den Kopf zu stellen, zu der es wenden und die Volte schließen soll; welches die Aktion ist, die ich häufig vor allem empfehle, um zu verhindern, dass es entier oder störrisch wird auf irgendeiner Hand. Einige werden sich erinnern, dass ich andernorts zugestimmt habe, dass diese Finte zu einer Seite, um sodann zur anderen Seite zu wenden, manchmal dazu dienen kann, die Hanken eines Pferdes einzurichten, das auf der Volte zu sehr ausfällt. Das ist wahr, wird aber nur selten genutzt, und nur wenn das Pferd die Hanken nicht festigen kann oder dem nicht zustimmen will, und auch wenn es sich entzieht, um sich ungeduldig zu wenden (ohne überhaupt auf die Hand des Reiters zu hören), sobald man beginnt, es durchparieren zu wollen; generell aber ist dies als Fehler anzusehen. So habe ich nun die ganz offensichtlichen Gründe für die Regeln der vorhergegangenen Lektionen im Geradeaus und der ganzen, gedoppelten Volten beschrieben.

Um diese Lektionen profitabler zu machen, sei es entlang einer Wand oder ohne deren Unterstützung, muss man gewöhnlich die eine Passade kurz, die andere lang und wieder eine andere mittellang machen, und danach eine andere sehr kurz, oder sehr lang, und auf diese Weise die Entfernung zwischen den Volten verändern, je nachdem, ob das Pferd sich zurückhält oder auseinanderfällt, um es dauernd aufmerksam für die Aktion der Hand und der Schenkel des Reiters zu halten und ihm nicht zu erlauben, die Stelle der Parade oder der Volte zu erahnen oder zu fürchten; und überhaupt sollen die ersten Übungen im Trab oder im kleinen Galopp gemacht werden, ohne die Lebhaftigkeit der Manege zu verstärken, außer in dem Maße, wie das Pferd den Gehorsam und die Leichtigkeit trainiert hat. Denn nichts schadet der Korrektheit der Passaden mehr als ein zu großes Ungestüm. Aus diesem Grunde, um das Pferd lange in der Schule zu halten und in gutem Zustand auf den lebendigen und entschlossenen Passaden, soll der Kunstreiter das Feingefühl besitzen, das Ende dieser Übungen für gewöhnlich im kleinen oder mittleren Galopp, und manchmal im Trab zu machen, nämlich wenn das Pferd an der Hand zieht, und falls es ein aufbrausendes, heißblütiges und ungeduldiges Temperament besitzt. Ist es dagegen störrisch, ist es gut, diese Übungen lebhaft und häufig nach einem ausreichend langen, furiosen Galopp zu beenden. Denn bald nach dem Antreten durchzuparieren und kurze Passaden wirken extrem gegen die Entschlossenheit stätiger Pferde. Wie all diese Varianten der Schule ja nur dazu erfunden wurden, um dem Pferd die schlechten Fantasien zu vertreiben und es schließlich zum Gehorsam und zur Genauigkeit und Leichtigkeit in den guten Lektionen zu bringen. Und bezüglich der korrekten, letzten Proportionen dieser Manege habe ich schon gesagt, dass die Passaden und Demi-Volten gleichmäßig ausgeführt werden sollen in Bezug auf den Raum, die Lebhaftigkeit, ihre Air und allen Bewegungen.

Je nachdem, wie das Pferd zusammengesetzt ist und welche dieser Lektionen sich für seine Neigungen am passendsten herausstellen, macht der Kunstreiter normal weiter, dabei alle Genauigkeiten geduldig beachtend, sodass das Pferd davon profitiert, und wechselt die Lektion, den Platz und die Form des Bodens, je nach den Fehlern und Anlässen die ich schon beschrieben habe, und die gelegentlich den verschiedenen Mutationen vorausgehen können, die das Pferd macht, bevor es gut geschult ist, vor allem bei dem, dass sich die Übungen besser merkt, das sich besser erinnert an die Rügen, und das ein aufbrausendes Gemüt hat, oder ein hitziges, böswilliges, oder zu empfindliches und störrisches. Daher kommt es, dass nachdem man einen Tag lang eine Lektion mit viel Hingabe und Geduld und einigen passenden Rügen gegeben hat, um das Pferd, das in seiner Manege zu sehr ausfällt, ein wenig mehr zu schulen, dieses sich beim nächsten Training dermaßen einengt, dass der Kunstreiter manchmal dieselbe Mühe hat, es wieder herauszubringen, und danach wieder dasselbe umschulen zu müssen. Das sind die Pferde, die ich meine, die man häufig die Ordnung und die Stelle der Schule wechseln lässt, um zu verhindern, dass sie den Willen des Reiters erahnen und vorausdenken, um sie durch dieses Variieren aufmerksam und zugewandt zu halten für die Aktionen und genauen, aber trotzdem verschiedenartigen Anweisungen der Faust und der Schenkel zu Reiters.

Bei diesen kann man überhaupt lernen, dass die Erinnerung eine gute Partie ist und sehr nötig für das Pferd mit einem guten Temperament, um die Übungen gut regulieren zu können, um es gut an die Air und die Korrektheit der guten Schule heranzuführen; aber das Pferd von schlechter Natur, das stätig oder zu empfindlich ist, kann sich manchmal ebenso diese Partie des Gedächtnisses zunutze machen, um die gewöhnlichen Übungen falsch auszuführen, und auch um sich den notwendigen Rügen zu widersetzen. Überhaupt bedeutet das nicht, dass man einen Fehler macht wenn das böswillige Pferd gar kein mangelndes Gedächtnis hat, noch dass man nicht gelegentlich die Lektionen variieren bei dem, das von guter und friedlicher Natur ist. Aber es ist nötig, dass der Kunstreiter sorgfältig mit vielen guten Mitteln arbeitet bei einem Pferd, welches die o.g. Fehler hat. Denn es reicht nicht aus, es rügen zu können, nachdem es einen Fehler begangen hat, sondern es ist vielmehr notwendig, dass der gute Kunstreiter die Urteilsfähigkeit und die Erfahrung zur Vorbeugung nutzt, um zu versuchen das Fehlverhalten, zu dem es neigt, schon zu verhindern, bevor es auftritt.

Ich will den Stil derer, die für gewöhnlich feste Figuren mit festen Abmessungen benutzen, nicht völlig verurteilen, denn viele der guten Personen in dieser Kunst sind davon überzeugt und nutzen sie auch; aber ich bin ganz sicher, wenn man das Pferd häufig auf der Schule trainiert, an Stellen die es nicht gewohnt und ihm unbekannt sind, und unter anderen Pferden, es dabei leichter und aufmerksamer wird, und der Kunstreiter viel mehr Bequemlichkeit bekommt, die Zeitpunkte auszusuchen und zu nutzen, in jener Proportion der Schule, und mit solchen Rügen, die er möchte, besonders wenn das Pferd störrisch, oder zu locker und empfindlich im Trab oder Galopp ist, oder in anderen Arten der Air und der Manege: denn wenn das Pferd sich zurückhält und sich einengt auf der Volte, wird der Kunstreiter zum Meister des Feldes, um es nach seinem Willen kräftig voranzutreiben, so kurz oder so weit wie nötig, um es an einem neuen Ort zu lösen. Verlässt es dagegen mit zu viel Ungestüm eine Stelle, kann der Kunstreiter es zurückhalten und rückwärts gehen lassen, so wie er möchte, um dann danach wieder weiterzumachen, oder seine Manege zu verändern an dem Ort, den er für besser geeignet hält, und wenn es sich zu sehr einengt auf einer Hand, oder ausfällt auf der anderen Hand, hat der Kunstreiter immer den freien Platz zum Erweitern oder Verkleinern wann immer es auftritt; und kann die Anzahl der Volten erhöhen oder reduzieren, auf der einen oder der anderen Hand, je nachdem, welche gute oder schlechte Fantasie er bei dem Pferd spürt. Und meiner Meinung nach ist es die bessere Schule, die man einem zum Krieg bestimmten Pferd geben kann, vorausgesetzt, es hat eine lockere Anlehnung: denn wie ich vorher schon gesagt habe, benötigen die schweren Pferde, die sich zu stark anlehnen und an der Hand ziehen, gewöhnlich bestimmte geplante Stellen, begrenzt und passend zu ihrer Neigung, um sie mit großer Kunstfertigkeit an den Gehorsam, die Übung und die Leichtigkeit einiger guter Manegen heranführen. Aber am Ende geben sich jene, die von Natur aus kräftig und gut an der Hand sind, perfekter in den Manegen, vor allem in denen für das Trainieren des Schwertkampfes an verschiedenen und unterschiedlichen Stellen (ich meine mit gut an der Hand, wenn das Maul nicht hart und nicht zu zart ist, was man am treffendsten als „fest“[ferme] oder „an der ganzen Hand“ bezeichnen kann).

Sobald das Pferd frei und ruhig seine Manegen macht, gestatte ich dem Reiter den normalen Stil der Übungen zu variieren, sei es, es die Volten redoublieren zu lassen, oder Handwechsel auf einem selben Kreis, oder zwei verbundenen, zu machen; die Schlangenlinie, anstatt geradeaus zu reiten; oder loszugehen von einer Stelle, um die Hand an einer anderen Stelle zu wechseln; oder durch Ausführen der Schnecke und vieler anderer, verschiedener Figuren der Manege. Am Ende ist er frei, es zu arbeiten, wie es ihm gefällt, denn ist das Pferd leicht und gut in seiner Schule, dann gehorcht es ihm ohne Erschrecken oder Verwirrung auf alle seine korrekten Bewegungen hin; aber wenn er es, schon bevor es daran gewöhnt ist, frei viele Male sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand zu wenden, häufig die Schlangenlinie gehen lässt oder es damit überrascht, nur Demi-Volten zu machen oder manchmal nur eine einzige ganze Volte, verweigert es ohne Zweifel danach häufig mehr zu tun, wenn man es dann möchte. Und sobald es frei und entschlossen ist beim Wenden, variiert man gewöhnlich das Ende der Lektion mit dem Redoublieren der Volten, um es noch gelöster und gehorsamer werden zu lassen.

 





 

Band I,Kapitel 56


Um das Pferd das Springen über Hindernisse und Gräben zu lehren

 

Der Reiter, der den Kampf liebt, weiß gut, dass eine der zweckmäßigsten Partien des Kampagnepferdes, nach der Festigkeit des Kopfes und des Maules, dem guten Angehen von der Hand und dem Gehorsam in der ganzen Parade, die Fähigkeit und Übung ist, über Hindernisse und Gräben zu springen. Und dass es viel besser ist, wenn das Pferd nur im Schritt und im Trab wenden kann, vorausgesetzt, dass es angeht und lebhaft zurück startet und dass es gut durchpariert, als dass es sehr leicht wendet viele Male auf beiden Händen, dass es aber trotzdem gehorcht beim Hinuntergehen in Gräben oder wenn die normalen kleinen Hindernisse es erschrecken oder ganz kurz stoppen lassen. Denn jene sehr engen und redoublierten Manegen, die man gewöhnlich in den Schulen praktizieren sieht, sind schließlich nicht so sehr nötig in den Schlachten, bei denen eine große Anzahl von Reitern aufeinandertrifft, wie dies viele Personen glauben; sondern ihr Nutzen zeigt sich bei der Attacke abseits Mann gegen Mann; oder wenn zwei kleine Reitergruppen sich stellen oder aufeinandertreffen, zu einem ausgedehntem separatem Gefecht.

Nicht allein aus Mangel an Lockerheit oder Kraft finden sich die Pferde gehindert an diesen kleinen Hindernissen oder stürzen in die Gräben, sondern gewöhnlich, weil sie es nicht kennen und sie nicht gut den richtigen Zeitpunkt zum Abspringen finden können. Es ist wahr, dass man oft jene sieht, die sehr kräftig, locker und mutig sind, die zu viel Ungestüm haben und die Neigung gut von der Hand zu starten, um über einen Graben zu springen, sich verwirren und derart übereilen, dass sie den Absprung nicht erkennen oder gut abschätzen können und deshalb gefährliche Stürze nicht vermeiden können. Andere mit einem derart empfindlichen Maul,die, wie gut auch immer sie den Zeitpunkt des Absprunges wählen, die Furcht vor einem Ruck in den Zügeln noch während des Sprunges in eine solche Unordnung bringt, dass sie es nicht schaffen, weit genug zu springen. Auch ist es sicher, dass ein Pferd keine Übung gut ausführen kann, sei es für den Kampf oder beim Rennen, wenn es nicht zuvor eine ruhige Haltung von Kopf und Hals erlangt hat.

Um es zu lehren, den Zeitpunkt des Absprunges gut zu wählen, durch Training und ohne Gefährdung, muss man ein Gatter haben, ungefähr ein Dutzend Fuß lang (ca. 3.60m; DA), und dreieinhalb hoch (ca. 1.10m; DA), welches man ganz flach auf den Boden legt, quer über einen Weg, wo der Boden gerade und weich ist, um ein Erschüttern der Beine und der Füße und Unfälle zu vermeiden. An jedem Ende dieses Gatters soll ein Mann zu Fuß stehen. Der Kunstreiter treibt das Pferd im Schritt oder im Tab den Weg entlang direkt auf das flach liegende Gatter zu, und lässt es darüber springen, wobei er es leicht mit lustiger Stimme antreibt, oder nur mit Zungenschnalzen, und jedes Mal, wenn es das Gatter überquert, ihm einen Spornstoß auf beiden Seiten gleichzeitig gibt, und es streichelt, nachdem es gut gesprungen war. Überhaupt, wenn es sehr ungestüm und empfindlich ist, soll man es besser nicht sehr schlagen und lässt es besser den Sprung nach seiner Lust und Leichtigkeit erlernen.

Hat es das Gatter zwölf oder 15 Schritte passiert, wendet der Kunstreiter es im Schritt oder im Trab, zweimal, oder so oft, oder so wenig, wie er möchte auf einer Hand, und versammelt es dann gerade zum Gatter und lässt es dann über dieses zurück springen, und reitet dann weiter, um auf der anderen Hand Wendungen auszuführen und in dieser Art weiterzumachen.

Nachdem das Pferd vier oder fünfmal im Trab über dieses liegende Gatter gesprungen ist, muss man es in einen kleinen Galopp bringen und die beiden Helfer an den Enden eine Seite ungefähr einen Fuß anheben lassen; und in dem Maße, wie das Pferd den Absprungzeitpunkt und die Fähigkeit und Lockerheit erlernt hat, halten sie das Gatter höher, es mit Geduld nach und nach schulend, bis es mit der Zeit darüber springt, wenn es ganz gerade ist; und so häufig, wie man das Gatter gehoben hat, und wie das Pferd gesprungen war, muss man die Seite, die man angehoben hatte, wieder auf den Boden legen, um die andere Seite anzuheben, sodass das Gatter immer an der Seite angehoben ist, zu der das Pferd seinen Kopf gewendet hat beim Ansetzen zum Sprung, damit es die Lücke zwischen dem angehobenen Teil und dem Boden nicht sehen kann, denn andernfalls kann es gelegentlich gegen den Kante des hohen Gatters stoßen, was es vielleicht verletzt, vor allem an den Hinterbeinen, oder es stürzt zum Schaden des Reiters, der auf ihm sitzt.

Wenn das Pferd dieses nun waagerecht liegende Gatter gesprungen ist, soll man es sehr dicht mit Blättern der Stechpalme oder des Stechginsters umwickeln, damit die Blätter es am Vorderfuß und Vorderbein piksen, falls es nicht munter mit Freiraum springt, um es dazu zu bringen, sie besser anzuheben und anzuziehen, ohne es zu quälen oder es in eine solche Aufregung zu bringen, wie es die gewöhnlich angewendeten Strafen tun. Überhaupt, wenn es schwer oder von Natur aus träge ist, muss man häufig die Sporen und die Gerte einsetzen, falls es die Beine wenig hebt und anzieht, aber man muss daran denken, dass starke und zu lange durchgeführte Gertenschläge auf das Vorderbein nicht sehr gut geeignet sind für diese Gelegenheit, denn sie senken im Gegenteil das Pferd ab, das sich zu sehr erhebt, deshalb werden sie eingesetzt, wenn das Pferd steigt; aber die, die zu sehr auf die Hinterhand gegeben werden, treiben das empfindliche Pferd vorwärts und bringen es zur Flucht: deshalb soll die Gerte nahe dem Gurt und an den Schultern eingesetzt werden.

Wenn das Pferd im Sprung gegen das Gatter stößt, dürfen die Männer, die das Gatter halten, nicht verhindern, dass dieses fällt, denn wenn sie es fest halten, kann das Pferd zu Schaden kommen.

Dieses Gatter soll fest und wie ein Raster im Pferdestall sein, und die Rundhölzer verbunden mit den senkrechten Stangen, über die ganze Länge; denn falls es angefertigt ist wie ein normales Gatter, können die Rundhölzer oder Knüppel, die es queren, das Pferd verletzen, besonders wenn einige Stangen an den Enden gebrochen oder gerissen sind [?; DA].

Nachdem das Pferd den Zeitpunkt des Absprunges über dieses Gatter geübt hat, und wenn es darin sicher geworden ist, wird es zweifellos viel leichter auch über Gräben springen, denn durch die Kraft und die Fähigkeit, an die es gewöhnt wurde, um die Höhe des Gatters zu überwinden, kann es sich leichter abstoßen und den Körper schieben, um den Sprung über den Graben lang und gedehnt zu machen.

 






 

Band I, Kapitel 57


Warum das Jagdtraining  für das Kriegspferd sinnvoll ist


Man soll ein Pferd, das man im Kampf benutzen will, gelegentlich zur Jagd mitnehmen, und nachdem man es dort normalerweise zunächst eine lange Zeit hat stehen lassen und es die Hunde hat hören und sehen lassen, ihm zur Verbesserung an verschiedenen Stellen einige gute kurze Lektionen passend zum Kampf gibt, ohne es zu stark unter Druck zu setzen. Denn außer dass dieses ein gutes Mittel ist, ihm die Kondition zu verbessern, und es die Lektionen ganz frei an an jedem Ort ausführen zu lassen, wird das Pferd gelassener, leichter und gestärkt durch den Ton und die Lautstärke der Hörner, die Stimmen und Rufe der Treiber, die Verschiedenheit der Gräben und Hindernisse und andere schwierige Gegebenheiten, die dabei auftauchen, und auch falls es häufig nicht springen mag und der Jagd folgen möchte. Ebenfalls falls es extrem ungestüm und Feind der Schule ist oder furchtsam und störrisch, kann die Jagd ihm zudem die melancholischen, ablehnenden und böswilligen Fantasien vertreiben. Wenn jemand dies liest, könnte er vielleicht Zweifel bekommen, weil er gelernt hat, dass das, was beim störrischen Pferd angebracht ist, gewöhnlich kontraproduktiv ist beim ungestümen, sehr mutigen Pferd, was sehr den Anschein hat, zumal diesen zwei unterschiedlichen Charaktere zwei entgegengesetzte Temperamente vorausgehen. Vor allem dem störrischen Pferd kann die Jagd sehr nützen, und ich möchte, dass der Reiter es treibt und zurück treibt, zur einen und zur anderen Seite, je nachdem, wie die Gelegenheit auf der Jagd es verlangt, es häufig rennen und die anderen Pferde überholen lässt, gelegentlich vor dem Pulk, gelegentlich hinter ihm bleibend, und manchmal den Weg zurückreitend, um dass Verlassen der Gemeinschaft zu verbessern und es außerhalb der Route der anderen galoppieren und rennen zu lassen: denn dies ist zweifellos ein sehr wichtiges Mittel, ihm die vielen zurückhaltenden und böswilligen Fantasien zu vertreiben. Auf der anderen Seite möchte ich, dass man sich der Jagd auch bedient, um das cholerische, zu empfindliche und furchtsame Pferd ruhiger und leichter zu machen, nämlich indem man es geduldig zurück hält, und wenn möglich, ohne es unter Druck zu setzen, oder das Maul oder Kinn zu belästigen oder gar zu verletzen, wenn man es nicht schneller als die anderen rennen lassen möchte oder wenn man es im kleinen oder mittleren Galopp der Jagd folgen lässt, und ihm außerhalb oder mittendrin häufig die Hand nachgibt, je nachdem, ob das Verlangen zu rennen es zu stark ergreift und überfällt. Man macht damit weiter, bis es sein Ungestüm verloren hat. Hierbei ist eine gute Urteilskraft und Erfahrung des Kunstreiters erforderlich, um das Naturell des Pferdes gut erkennen zu können und zu unterscheiden, und die verschieden Effekte zu beurteilen die aus denselben Mitteln entstehen können, die man bei den vielen verschiedenen Gelegenheiten nutzen soll.

Ich billige dieses Mittel, weil man häufig Pferde sieht, die leicht und für den Kampf geeignet scheinen, wenn man sie auf der Schule arbeiten sieht, oder auf irgendeinem gewohnten Umgebung, sind sie aber im Gelände, in einer Truppe der Kavallerie, erschreckt man sie und verlangt man das, was man sie hat so gut ausführen sehen, passiert es besonders häufig, dass die einen ablehnend und ängstlich sind und bösartig abwehrend, und geschlagen werden, weil sie nicht die Gesellschaft der anderen verlassen wollen, und einige überhaupt nicht mehr mitarbeiten wollen, so als seien sie niemals in einer guten Schule gewesen; dass andere cholerisch, hitzig und ablehnend werden, wenn sie viele Pferde vor sich galoppieren oder rennen sehen oder spüren, oder eine andere Truppe furios hinter sich hören, oder sich ohne ihre gewohnte Gesellschaft wiederfinden und in solche Flucht und Ungeduld kommen, dass sie sich häufig dem Gehorsam und der Korrektheit der guten Schule entziehen, und sich dadurch in solche Hitze und Wut bringen, dass sie derart an der Hand ziehen, als seien sie vorher nie leicht und gut ausgebildet gewesen, und einige das Mundstück derart abwehren und aufhören, der Hand des Kunstreiters zu gehorchen, dass sie ihn davontragen nach ihrem Willen oder der bösen Wut, die sie antreibt. Dies sind die Orte und die Mittel, durch die man leicht die natürliche Neigung und die Fähigkeit der Manege erkennen kann und wo der Kunstreiter vorsichtig versuchen soll, sie leicht zu und ruhig werden zu lassen. Ich habe schon häufig erklärt, dass das Pferd dafür häufig auf unbekannten Stellen und auch in Begleitung anderer Pferde trainiert werden soll, um es besonders gut für den Kampf vorzubereiten.



Band I, Kapitän 58

Aktionen und Gesten, die dem Kunstreiter gut anstehen bei dem Training des Pferdes für den Kampf

Man muss zugeben, dass die Manege des leichten und resoluten Galopps und der entschlossenen Passaden nicht nur sehr wichtig bei den ehrenwertesten und mutigsten Gelegenheiten sind, sondern dass sie auch sehr zuträglich für die Anmut des Kunstreiters sind, der sich an dieser Übung erfreut. Deshalb (vor allem, weil diese Manege kriegerisch ist, und sie überhaupt nicht gezwungen wirken soll) wünsche ich, dass beim Ausführen der Lektion der Kunstreiter auf dem Pferd frei und munter sein soll, und auf jede Weise schön und mutig, nämlich dass er immer gerade und fest ist, wie ich schon erklärt hatte beim Sitz, ohne jene bestimmte, unnütze Bewegung zu machen, wie es gewöhnlich einige Kunstreiter unpassenderweise tun, die charakterisiert ist durch eine Aktion desKörpers und des Kopfes bei jedem Galoppsprung. Genauso wenig möchte ich, dass er die Schultern neigt oder den Kopf senkt, um auf den Boden zu schauen oder anderes; wie jene, die vielleicht zum Erweitern des Galopps, oder weil sie glauben, dadurch eine gute Haltung im Galopp zu bekommen, sich gewöhnlich nach vorne neigen oder zu einer Seite, als würden sie das Gesicht oder das Mundstück des Pferdes ansehen, oder die Bewegungen seiner Schultern oder Vorderbeine; ich möchte auch nicht, dass er seine Beine so stark anhebt und vor oder zurück bringt, wie man es in alten Zeiten machte, sondern gerade und fest, das Pferd mit den Waden und Knien umfassend, es so bei der Sache und aufmerksam hält, dass man es, ohne es zu sehr zu verwirren, dazu bringt, lebhaft seine Kräfte einzusetzen. Einigen scheint es vielleicht, dass ich rate, der Kunstreiter solle unbeweglich und steif zu Pferde sitzen, wie eine Statue: ich möchte, dass er wie es nötig ist, ohne entgegenzuarbeiten, dem Takt des Galopps und allen Airs zustimmt, mit Körper, Arm und Beinen und mit einer derartigem Sorgfalt und Leichtigkeit, dass man es fast nicht bemerken kann: denn nicht die großen Bewegungen sind die, die dem Pferd am besten helfen. Und wenn er gelegentlich die Spur ansehen möchte, im Geradeaus oder beim Wenden, dann nur zwei Schritte vor dem Pferd, denn die Erfahrung soll ihn lehren (ohne die Hilfe der Augen), alle Bewegungen, die das Pferd mit dem Maul, den Schultern, den Beinen, der Kruppe und dem Schweif macht, zu erspüren und zu erkennen, sowie auch den Boden zu beurteilen, von dem es losgehen und auf den es sich stellen soll, sowohl bezüglich der Hinter- als auch der Vorderbeine. […].

Ich möchte auch, dass der Reiter beim Treiben des Pferdes und beim Wenden nach rechts, vor allem beim engen, häufig den Gertenarm anhebt, und mit ihm eine Aktion ausführt, als hätte er einen Degen in der Hand und gehe in den Kampf; wenn er aber auf die linke Seite wendet, soll er gelegentlich die Gertenspitze zischen lassen, während er sie gegen die rechte Schulter hält, tief und gegenüber dem Auge des Pferdes, den Arm dabei gerade und tief, nahe seines Oberschenkels, ohne dafür seine Schulter abzusenken oder zurück zu bringen; so, dass die Zügelfaust normalerweise an dem Platz bleibt, wie ich es beim Sitzkapitel erklärte, und er sie so wenig wie möglich zur Seite der Wendung bringt, falls es nicht nötig ist zum Auffordern wegen Ungehorsams, Schwere oder Hartmäuligkeit. Bei jeder Bewegung, die der Kunstreiter macht, soll sein Bein gestreckt und fest bleiben, und sein Körper ebenso gerade und ruhig, und keine Schulter weiter hinten als die andere. Er soll gelegentlich das Angehen mit einer heiteren und mittelhohen Stimme begleiten und mit einem Anheben des Gertenarmes, weil, wie ich zuvor schon sagte, es dem Reiter nicht gut ansteht, wenn er viel zum Pferd spricht, was aber nicht heißt, dass er stumm zu Pferde sitzen soll: das beim Geben der Zungenhilfe das entstehende Geräusch soll nicht lauter als unbedingt nötig sein, und es reicht, wenn das Pferd dadurch aufmerksam wird und mit dem Geist dabei ist. Und überhaupt, wenn das Pferd ihm gehorcht, dass es sich seiner Kraft und Kondition erfreut, dass es lebhaft arbeitet, ohne in irgendein Extrem zu verfallen, wenn es die Gelegenheit hätte, nicht versucht sich zu wehren, oder abgestoßen wird. Und sobald das Pferd eine gute Freiwilligkeit zeigt, muss das Ende der Manege aus vielen Gründen mit derselben Lebhaftigkeit wie am Anfang gemacht werden.

 



Band I, Kapitel 59

Empfehlungen, um schöne und korrekte Kurse beim Ringrennen zu absolvieren



Eine der ehrlichsten und nützlichsten Fertigkeiten, die der Reiter erreichen kann, ist die eines schönen Kurses beim Ringrennen, aber dies ist auch ein Mittel, um das mutige Pferd verzweifelt, oder zumindest unwillig und ungehorsam zu machen. Auch lässt es den Menschen sehr ungeduldig werden, dem diese Übung gefällt und der sie häufig trainiert und deshalb unfähig wird, die guten Regeln der Reitkunst anzuwenden. Deshalb wollen wir nicht, dass die gut geschulten und an die Manegen und die schönen Airs angepassten Pferde häufig rennen, es sei denn, sie sind von Natur aus störrisch, und auch nicht, dass der Reitschüler das Vergnügen der schönen Kurse des Ringrennens genießt, bevor er sehr fundiert ist in der Praxis der guten Lektionen aller Manegen; wenn aber der Gebrauch dieser Kunstfertigkeiten dem Reiter gut bekannt ist, rate ich zu dem Stil , den ich von Monseigneurs Graf Aubijoux, meinem ersten Meister gelernt habe, der neben seinen mutigen und schönen Partien auch ein guter Pferdemensch war, der die schönsten und feinsten Kurse machte, denn man hat zu seiner Zeit keinen korrekteren Mann der Waffen gesehen.

Zuerst, bevor der Reiter die Lanze nimmt, soll er die Zügel richten und und sie derart in der Hand halten, dass sein Pferd frei rennen kann, ohne ihm aber so sehr den Kopf freizulassen, dass es keine Möglichkeit hat, die Anlehnung im Maul zu spüren, falls das Pferd locker ist und ein empfindsames Maul hat; denn wenn es zurückhaltend oder auseinandergefallen rennt, bringt zweifellos das Fühlen dieser Anlehnung, wenn sie locker und stet ist, dem Reiter und dem Pferd einige Ruhe. Er soll dabei korrekt im Sattel sitzen, und sich gleichzeitig ruhig und gleichmäßig in den Bügeln abstützen, so dass er sie nicht verliert beim Absolvieren des Kurses. Er soll nicht vergessen seinen Hut zu richten, damit dieser bei der Carriere nicht herunterfällt. All dies soll in kurzer Zeit erfolgen, mit so wenig Gesten und Demonstrationen wie möglich, und ganz ohne Affektiertheit. Danach nimmt er die Lanze auf und positioniert sie über der Mitte des Oberschenkels, ihre Spitze hoch und gerade, allenfalls ein wenig nach vorn geneigt, und eher nach innen als nach außen, und trägt sie so, während er zum Anfang der Carrière reitet. Für ein schönes Antreten hält er dort ( falls möglich) sein Pferd für eine kurze Zeit gerade und still, den Kopf zur Seite des Galgens, und bevor er furios los reitet, lässt er es zwei oder drei Schritte geradeaus machen; aber, wie es häufig geschieht, wenn das Pferd dermaßen ungeduldig ist, und man es nur ruhig halten könnte am Startpunkt der Carrière, falls es schon lange im Wettbewerb gewesen ist, und außerhalb der angemessenen Zeiten, ist es viel besser, es antreten zu lassen mit sowenig Unordnung wie möglich, sobald es auf der Carrière angekommen ist, oder beim Wenden, ich meine, wenn man es nur einen Teil rennen lässt, oder nur zum Schein: denn auf der Schule darf man niemals dem Pferd die Fehler gestatten, die korrigierbar sind.

Und weil der größte Teil derer, die sich beteiligen an den Rennen, die Schulter zur Seite der Lanze neigen, vor allem, wenn deren Spitze sich dem Ring nähert, muss man, um diese ungeschulte Aktion zu vermeiden, diese Schulter vorwärts bringen, und seine gleichseitige Hüfte ein wenig vor die andere bevor man anreitet, um nicht die Lanze vom Oberschenkel abzuheben. Man muss auch vor dem Anreiten berücksichtigen, welche Länge die Carrière hat, denn je länger sie ist, desto mehr muss die Lanzenspitze beim Herunterlegen von sehr hoch kommen, und je kürzer sie ist, desto weniger hoch muss man die Lanzenspitze beim Beginn des Kurses halten.

Beim Antreten hält der Reiter den Körper stet und gerade, ebenso seinen Sitz, und bringt dabei sorgfältig die Lanzenspitze, wie am Ende einer Diagonale, gegenüber den anderen Punkt auf der Mitte der diagonalen Linie und lässt nicht zu, dass die Air oder der Gegenwind auf dem Kurs sie anhebt oder senkt, noch sein Holz fehlerhaft nach innen oder außen lenkt, und die Lanze auch nicht abhebt von seinem Oberschenkel, um sie unterhalb des Sattels zu halten, außer soviel wie nötig, um zu verhindern, dass der Schaft gegen die hintere Sattelgalerie stößt oder gegen die Sattelblätter. Denn das könnte sie so sehr destabilisieren beim Antreten, dass sie auf der ganzen Strecke in Unordnung wäre. Er muss auch gleichzeitig den Lanzenschaft so gut auf den Punkt über dem Sitz des Säbels bringen, dass er diesen nicht ein wenig mit dem Arm oder der Seite berührt, sondern dass nur die Hand die Lanze hält, ohne sie anderweitig zu stützen. Denn es ist eine Maxime, dass jedes Mal, wenn die Lanze beim Rennen auf andere Art als durch die Hand und die Air gehalten wird, oder wenn der Schaft fest etwas anderes berührt, sie instabil ist während des Kurses. Denn um Lanzenarm und -hand in eine schöne und korrekte Position zu bringen, muss man daran denken, dass beim Antreten ihr Platz weiter als einen halben Fuß (=15cm; DA) vorn vor der Stelle der Waffen sein soll, und dass man den Lanzenschaft einen Daumen (oder zwei Finger) höher als die Stelle der Waffen halten soll, damit sie sie keinesfalls berühren, und dass man sie auch ungefähr einen Daumen (oder zwei Finger) nahe der Seite des Säbels und ebenso der Armschiene hält. Denn um mit schöner Anmut zu rennen, korrekt und als guter Waffenmensch, muss man die unbewaffneten Kurse genauso ausführen als sei man voll bewaffnet. Während die Erklärung dieser Empfehlungen lange dauert, soll die Ausführung dagegen innerhalb eines Momentes erfolgen, ohne in irgendeiner Weise den Körper, den Arm oder die Lanze zu verwirren.

Zum Zeitpunkt des Antritts soll jede Aktion, die der Lanzenarm und dadurch auch der Lanzenschaft machen, den Schaft vom Oberschenkel wegbringen, der Arm und die Faust sollen in einer solchen festen und korrekten Lage sein, dass die Lanzenspitze sich nicht zu einer Seite senkt oder abweicht, vor allem nicht zur äußeren, sondern heiter und korrekt getragen wird, wie auf der o.g. Linie.

So muss der Reiter die Lanze hoch genug tragen, mit der Spitze gerade innerhalb des Verlaufes und des Windes des Kurses, ohne sich irgendwie zu bewegen, bevor sie nicht eine zur Piste der Carrière horizontal parallele Linie begleitet hat, bis zum ersten Punkt des Kurses, den man auf der folgenden Zeichnung sieht, die ungefähr ein Drittel des Weges vom Start der Carrière bis zum Galgen ausmacht, und danach beginnt man, die Lanzenspitze zu senken in der Weise auf eine andere schräge Linie, in einem so geraden, gleichmäßigen und gut beurteilten Maße, bis man sie ohne irgendeine Abweichung sorgfältig gelegt hat und in einer Linie, bis die Spitze drei oder vier Finger vor dem Oberrand des Ringes angekommen ist, und in dem Maße, wie sie sich legt, öffnet und hebt man das Ellenbogengelenk des Lanzenarmes so, dass der Schaft nicht den Arm oder den Körper anlehnt oder berührt, und dafür darf man die Schulter weder hochziehen noch zurücknehmen, oder den Körper oder den Kopf beugen. Und in dem Maße, wie die, die die schönsten Kurse reiten, häufig Opfer davon sind, die Lanzenspitze unter dem Ring zu landen, und auch dass es ihnen scheint, sie innen halten zu müssen, raten ich denen, die meinen Rat suchen, das Ende und den Punkt des Kurses vorauszusehen am Oberrand der Ringes, wie ich es erklärt habe.

Sobald das Pferd den Galgen passiert hat, hebt der Reiter die Lanzenspitze sorgfältig wieder an, hebt und richtet den Arm, so wie er kann, und beginnt sein Pferd gerade durchzuparieren, ohne es zu überfallen, und lässt es das schönste Ende der Parade ausführen, das es nach seinem Ausbildungsstand kann. Man muss anmerken, dass das Pferd zum Vollenden der ganzen Paraden dieses Kurses nicht mehr als fünf oder sechs Courbetten oder Croupaden machen soll, und man es danach, vor der Wendung zu einer Seite, drei oder vier Schritte geradeaus gehen lassen soll, um die Carrière kraftvoller zu machen, währenddessen der Reiter sich sorgfältig zurückhält, hinter sich zu blicken, und auch nicht, ob der Ring an der Lanze ist, noch ob er einen Treffer in der Mitte erzielt hat.

Man muss auch vermeiden , Grimassen zu schneiden während des Rennens, besonders mit den Augen oder dem Mund, oder wie ich schon sagte, sein Gesicht wie ein Armbrustschütze zu verziehen, er soll den Kopf beim Passieren unterhalb des Galgenarmes weder heben noch senken, sein Pferd nicht mit zu großen Beinaktionen traktieren, die Zügel gerade und stet halten, den Körper höchstens ein bisschen nach hinten neigen beim Parieren (denn dies ist nicht sehr schön, während man die Lanze in der Hand hält), und beim Parieren auch nicht die Lanze zu sehr zurück bringen, nachdem man die Parade das Erheben beendet hat.

Nicht alle, die glauben einen schönen Kurs zu machen, beachten diese Regeln. Einige heben und verlängern den Lanzenarm so sehr, dass sein Platz manchmal wenigstens eineinhalb Fuß (=45cm, DA) vor dem der Waffen ist; andere öffnen ihren Arm so sehr, dass der Abstand zwischen den beiden Stellen viel zu groß wird. Dieses sind, wie mir scheint, unnütze und ungeschulte Bewegungen, denn schließlich muss man diese beiden Stellen immer annähern und fast vereinen, für das Anlegen zum Lanzenbrechen, oder um den Kurs sauber zu perfektionieren.

 

Der Ring soll normalerweise so an eine Stelle des Galgenarmes gehängt werden, dass der Reiter ihn ganz gerade erreicht, wenn er gerade auf der Carrière unter dem Arm ist, und ein wenig über oder in der Mitte der Vorderseite; aber damit die Lanze schöner trifft, muss man beim Rennen besser den Ring ein wenig nach außen halten, nämlich gerade über dem rechten Ohr des Pferdes, und wenn der Reiter fürchtet, es zu verletzen, beim geschwinden Passieren unter dem Galgenarm, rate ich ihm: je mehr sein Pferd stark, schnell und mit niedrigen Hanken rennt, desto tiefer liegt das Pferd unter seiner normalen Höhe.

Viele Männer der Waffen wissen, dass man die Lanze beim Turnier, um sie gut zu brechen, notwendigerweise so positionieren muss, dass sie über das linke Pferdeohr kreuzt, und auf dem Turnier dieser Regel nicht zustimmen, aber es ist sicher, dass wenn die Lanze so schräg getragen wird, der Wind des Kurses sie zu der Seite drücken kann, zu der sie kreuzt, und den Reiter zwingt, um dagegen zu arbeiten, eine außergewöhnliche Anstrengung zu unternehmen, um die Faust zu schließen und die Lanze ruhig zu stellen. Denn in diesem Unterschied der Kurse des Turniers zu dem Kurs des Ringrennens erweist sich der des Ringrennens zweifellos als viel leichter und schöner, weil die Lanze gut angelegt und fast gerade über der Linie und Piste der Carriere gehalten wird. Denn dadurch unterstützt der Wind des Kurses sie bequem, ohne sie zu einer Seite zu drücken, und der Reiter hat weniger Ursache, sein Gesicht oder den Blick zum Galgen zu drehen, wie es viele aus schlechter Gewohnheit tun.

Die Carrière soll mindestens eine Länge von neunzig Schritten vom Start bis zum Galgen haben, und wenn sie berandet ist, soll sie zehneinhalb Schritte breit sein, und eher ansteigen als abfallen, sowohl zur Sicherheit von Reiter und Pferd, als auch für die Anmut des Kurses.

Eine ausreichend lange und starke Lanze verleiht dem Kurs viel mehr Anmut und Stolz als die kleinen, schwachen, zu lockeren und kurzen, die nicht viel in Gebrauch sind auf dem Marsfeld. Ist sie sehr dick am Boden der Kanäle, verbirgt sie zu sehr in der Carrière den Körper eines kleinen Menschen und lässt ihn auch schlechter sitzen (vor allem, wenn er einen Hut trägt, der sehr große Ecken hat), als einen Reiter von großer Statur eine viel zu kleine Lanze nahe der Hand, mit einem kleinen Hut, der am Rand zu eng ist. Deshalb wünsche ich, dass der Reiter sich passend und vorteilhaft kleidet.

 








                                                                                                     Begleitlinie vom Antritt bis zum 1. Punkt

                                                                                                                                                                   Linie des 2. und des 3. Punktes zum Senken

                                                                                                               Linie zum guten Positionieren am Antritt

                                                                                                                                 Sichtlinie

                                                                                                                                                           horizontale Linie der Carriere



Anhand dieser Beispielskizze kann man die vorgenannten Empfehlungen für die guten Kurse besser verstehen: es nur sind gedachte Linien, eine wie die andere ganz gerade, wie auch einer senkrechten Linie.

 





















 

Band I, Kapitel 60

Über Pferde, die bei der Carriere ungeduldig sind und die Unbequemlichkeiten, die ihnen die kontinuierlichen Rennen zufügen, vor allem denen, die fähig sind in der Manege des Kampfes zu dienen, oder denen auf der Carriere die erhobenen und lebhaften Airs gelingen


 

Eines der schwierigsten Dinge in unserer Kunst ist es, ein Pferd am Ende der Carrière ruhig zu bekommen, das häufig gerannt ist und das die Lanze und den Rennkurs erkennt und erahnt, vor allem, wenn es von Natur aus cholerisch, entschlossen und zupackend ist, oder aber wenn es beim Rennen häufig geschlagen wurde. Ich weiß, dass der gute Kunstreiter mit seinen guten Regeln und seiner Geduld es dazu bringen kann, mit der Zeit seine Ablehnung zu verlieren, indem er ihm schmeichelt und es viele Male und lange auf der Carriere mit Lanze promenieren lässt, es gewöhnlich hin und zurück die Carriere im Trab gehen lässt, und gegebenenfalls im kleinen Galopp, einmal an dem einen Ende, danach am anderen Ende beginnend, und ihm dabei viel Liebkosungen und Vergnügen gibt. Aber es kontinuierlich rennen zu lassen, und es nichtsdestotrotz folgsam und friedlich am Ende der Carriere zu bekommen, ist eine sehr schwere Sache und quasi unmöglich, so dass der Kunstreiter extrem geduldig sein muss, es sei denn, es wäre die Folge einer guten und friedlichen Natur des Pferdes. Um wenn es passiert, dass man einige Erfahrene die Einleitung und Aktion des Lossprengens ausführen, und danach ohne zu hetzen oder zu schlagen einen ausreichend langen Kurs flink absolvieren sieht, wird notwendigerweise das Naturell des Pferdes heißblütig-melancholisch sein, welches das am besten zum Gehorsam geeignete Temperament ist. Denn sehr cholerische Pferde neigen von Natur aus dazu, sich derart in Unruhe und Ungestüm (die der Heftigkeit des Kurses vorausgehen) versetzen zu lassen, dass die Anwendung von Sanftheit dabei kein Mittel ist, es gut zu beruhigen und fest am Ende der Carriere durchzuparieren und es dort ruhig aussehen zu lassen und um ausreichend Muße zu haben, es gut anzupassen vor dem Angehen, besonders nachdem es die Lanze bemerkt hat. Wenn das Pferd von Natur aus schwach ist, furchtsam, aufbrausend oder sehr phlegmatisch, kann es sein, dass das Missvergnügen und die Schwierigkeit, die es hat, um entgegen seinem Charakter den Fleiß und die Kraftanwendung für den Rennkurs aufzubringen, oder wenn die Furcht vor Schlägen, die es zu bekommen gewohnt war um gut zu rennen, in ihm Hass auf die Lanze und die Carriere erzeugten und bei ihm dadurch ein extremes Misstrauen entstand, kann sich dies mit der Zeit in große Böswilligkeit verwandeln. So kommt es dazu, dass die Pferde sich am Startpunkt der Carriere so sehr wehren, dass die einen rückwärtsgehen, die anderen die die Carriere nicht betreten oder nicht mal ansehen wollen; dass andere buckeln oder manchmal stürzen oder verzweifelt ausschlagen, um der Geduld und der Korrektheit beim Angehen zu entgehen und zu fliehen, in der Weise, dass diese Übung die einen und die anderen zu einer Bösartigkeit bringt, die ihrem jeweiligen Charakter entspricht, und, außer das Gedächtnis und den Gehorsam bei allen Regeln der Schule des Pferdes zu behindern, auch ihre Gesundheit leiden lässt. Denn selbst wenn das Pferd in einer schönen Manege korrekt ist, bringt das Rasen auf dem Kurs es in ein so extremes Ungestüm, dass es unfähig wird zum Gehorsam und als Folge davon unfähig zur Korrektheit; und auch wenn es eine ruhigen Kopf und feines Maul hat, kann es sich wegen der großen Heftigkeit des Kurses manchmal nicht ausreichend zurückhalten. Infolge ihrer natürlichen Kräfte kommen dieser Pferde zwangsläufig häufig in Unordnung und sind gezwungen, die Anlehnung an das Gebiss aufzugeben, oder zu vielerlei anderen Fehlern. Überhaupt passiert es häufig, wie ich schon andernorts erklärt habe, dass die Pferde mit einem schwierigen Maul, wenn sie am Ende der Passade leicht durchparieren, nachdem sie viele Male das Ringrennen absolviert haben, nicht so sehr der Aktion des Reiters zu gehorchen, wie gewünscht am Ende des Kurses, sondern weil sie erkennen und vorausahnen, nach der Parade, wie gewohnt einige Zeit in Ruhe gelassen zu werden; aber beim Angehen auf dem Kurs und auch wenn man sie nur galoppieren möchte auf der Carriere, zeigen sie ein großes Ungestüm und viel Ungehorsam. Durch diese Leichtigkeit der vorausgeahnten Parade kann man besonders gut erkennen, wie eine freie Zustimmung des Pferdes mehr Bequemlichkeit erzeugt als jene Mittel, mit denen man es zu zwingen versucht.

Wenn das resolut zum Rennkurs entschlossene Pferd viel oder eine zu starke Zustimmung zur Parade gibt, leiden seine Schultern, die Beine, die Füße und der Rücken. Und wirklich sieht man sehr wenige schnelle und mutige, zum Ringrennen ausgewählte Pferde, die daran gewöhnt sind oder an andre Arten der großen Rennkurse, deren Heftigkeit ihnen nicht nach kurzer ein Zittern der Glieder herbeiführt, so dass sie nicht die Vorhand zurückhalten, die Füße geschwächt werden oder dass sie sich nicht öffnen oder vorbeiziehen, sodass ich rate, dass man die Pferde nicht rennen lassen sollte, die von Natur aus schnell, mutig und für den Krieg geeignet sind, außer höchstens einmal im Monat, und einzig dazu, ihnen die Schnelligkeit zu erhalten, und dass man, nachdem sie gerannt sind, sie eine Carriere derselben Länge im kleinen Galopp auf derselben Spur (oder einer anderen) zurückgehen lassen soll, ihnen häufig die Hand nachgibt, um sie zu beruhigen und aus dem Misstrauen zu bringen; und jene, die entschlossen, cholerisch, bizarr und schwer im Maul sind, gar nicht rennen sollten, wenn es nicht notwendig ist, weil sie dabei nie einen ruhigen Geist oder ein ruhiges Maul erlangen werden.

Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein, denn zu allen Zeiten hat man in den großen Reitställen der Prinzen beobachten können, dass die guten Stallmeister nur sehr selten das Ringrennen oder das Lanzenbrechen mit den Pferden üben wollten, von denen sie glaubten am besten geeignet zu sein, um ihrem Besitzer für den Tag des Kampfes zu dienen. Trotz all dieser Gründe aber gibt es eine unendliche Anzahl von Personen, die glauben, diese Übungen seien geeignet für das Kriegspferd: weil es scheint, dass sie häufig die Ruhe unterbrechen und dass die dauernden Kurse seine Schnelligkeit verstärken: darin jedoch täuscht man sich, denn im Gegenteil passiert es normalerweise, dass das Pferd, das häufig zum Lanzenbrechen verwendet wurde, derart den Lanzenstoß und die Anstrengung des Anpralls reduziert, dass, würde es beim Rennen nicht von einer seitlichen Barriere zurückgehalten werden, es ausbrechen und die Stelle vermeiden würde an der es erwartet, die Lanze werde brechen oder an der sie vorher gebrochen wurde und versuchen diese zu verlassen. So kann man urteilen, dass das schnelle Pferd, das seltener in diesen Übungen gedient hat, ganz gerade und mit mehr Entschlossenheit dabei ist (vorausgesetzt es ist nicht störrisch oder ängstlich). Und falls man sich trotzdem an die Regel hält, dass die kontinuierlichen Rennen das Pferd schneller machen, füge ich hinzu, dass diese zu vielen schädlichen Unfällen führen, wie vorher erwähnt. Außerdem ist diese Schnelligkeit gar nicht so nötig für den Kampf sondern eher die Mittelmäßigkeit, gepaart mit der Lockerheit und der Leichtheit des Maules: denn normalerweise startet man nicht mit ganzer Macht, um die zu verfolgen, gegen die man kämpfen will. Die aber, die das tun, finden sich sehr gehindert, wenn ihre Pferde sogar die schnelleren und mutigeren sind, da diese als erste ganz, oder wenigstens fast ganz, außer Atem sind, bevor es zum Kampf kommt. Schließlich soll der gute Kunstreiter sorgfältig die psychische Gesundheit, die Leichtigkeit des Maules, und die Korrektheit der Manege sowohl bei den Kampfpferden als auch bei denen der Carriere erhalten und sich mit der Gewissheit, dass sie schnell genug sind, um dann zu dienen, wenn es nötig ist, und die Übung des Ringrennens lieber für die anderen lässt, die weniger wertvoll und entbehrlicher sind.

Die Figur des Pferdes von mittlerer Statur ist normalerweise die am besten geeignete für diese Übungen, vor allem für das Ringrennen: und weil diese Mittelmäßigkeit nicht immer von Leichtigkeit und Schnelligkeit begleitet ist und von anderen für die sehr schönen Kurse notwendige Partien, und weil man die Pferde benutzen muss, die man hat, weise ich den Reiter darauf hin, dass er bewaffnet auf einem kleinen Pferd beim Rennen noch weniger Anmut hat, als unbewaffnet auf einem sehr großen. Denn welches Pferd es auch ist: um den Kurs gut zu absolvieren, muss man es klar von der Hand angehen lassen, es den Kopf hoch genug in guter Haltung tragen lassen und die Carriere stramm und kräftig ausführen, bis zum Ort des Durchparierens, ohne dass der Kunstreiter wankt oder sich unbequem bewegt, um es aufzufordern und zu jagen, und bei allem sollen die Proportionen und Kräfte der Glieder der Heftigkeit des Kurses angemessen sein: denn dies ist ein Hauptziel der schönsten Wirkung des Zaumes, nicht nur beim Durchparieren, sondern auch bei allen anderen Gelegenheiten. Des Weiteren ist der Reiter in allergrößter Lebensgefahr, wenn das schnelle Pferd beim Rennen stürzt, wie es manchmal geschieht aufgrund einer Unfähigkeit der Glieder: wenn das Pferd sich überschlägt, oder auf andere Art stürzt, dreht es sich gewöhnlich noch in der Luft zu einer oder der anderen Seite, damit der Sturz am Ende nicht auf dem Rücken passiert, falls der Reiter sich nicht derart an den Zügeln festhält, dass er dem Pferd die Möglichkeit nimmt, diese Aktion zu einer Seite zu machen. Falls es aber aus dem vollen Lauf stürzt, geschieht das so plötzlich und mit einer so großen Gewalt, dass weder Reiter noch Pferd Zeit oder Möglichkeit haben, sich darauf irgendwie vorzubereiten, und deshalb muss man sich davor sehr fürchten.

 


 









 


Band I, Kapitel 61


Wie man das Pferd, das beim Rennen seine Kräfte und seinen Mut zurückhält, streckt und verbessert


 

Wegen der vorgenannten Ursachen soll der Kunstreiter also ein Pferd, das von Natur aus ungestüm und ein guter Rennpferd ist, nur sehr selten rennen lassen, andererseits soll er aber Mittel finden zur Verbesserung des störrischen Pferdes und desjenigen, das sich auf dem Rennkurs nicht ausstrecken will, denn einige der schönsten Partien, die ein Pferd besitzen soll, sind die Entschlossenheit und Perfektion auf dem Kurs. Und im selben Maße, wie diese Aktion ja viel natürlicher ist als eine Parade, ist es viel leichter, das Pferd anzutreiben, als es zurückzunehmen, damit das Pferd, das sich ins Rennen stürzt, gut durchpariert. Allerdings man muss anfangs erkennen und beachten, dass die Unentschlossenheit zum Kurs manchmal auch von einem Defekt des Auges oder des Gehirns oder großer Furchtsamkeit herrührt, was es dem Pferd nicht erlaubt, seine Kräfte in das Rennen zu werfen. Es kommt auch vor, dass es den Kräften seiner Glieder misstraut, aufgrund einer naturgegebenen oder unfallbedingten Fehlerhaftigkeit, so dass es nicht wagt, frei dem furiosen Fleiß und der Perfektion des Kurses zuzustimmen. Andere kann man nicht dazu bringen, weil sie schwerfällig und von Natur aus schwach sind; wieder andere sind derart angewidert, weil sie bei den Rennen zu stark gescholten und geschlagen wurden, oder zu häufig rennen mussten, so dass sie allein durch diese Ablehnung der Carriere bösartig und verstockt werden. Dann gibt es Pferde, die von Natur aus die Kraft ihres Rückens zurückhalten, in der Weise, dass sie diese nicht gut auf die Aktion des Kurses verteilen können, sondern lieber eine beachtliche Anzahl von Sprüngen ausführen, oder anderen lebhaften Airs, falls sie gut ausgebildet sind; oder stätige Pferde, die nur aus Böswilligkeit und Feigheit zurückhaltend sind. Denn für die Abhilfe gilt im Allgemeinen, dass man vor allem häufig im großen Galopp lange Strecken die Carriere entlang zurücklegen lassen soll, ohne die Pferde zu schlagen oder zu überfallen (zumindest so wenig wie möglich), besonders beim Angehen, und ihnen so nach und nach ihren Ungestüm nimmt. So bekommen sie vielleicht mit der Zeit und mit der Gewohnheit die Entschlossenheit und Geschwindigkeit; wenn das Pferd sich aber nicht von selbst verbessern will, muss man ihm mit der Stimme und starken Beinbewegungen helfen, und ggf. einigem Sporeneinsatz [....]. Erkennt der Kunstreiter aber, dass das Pferd durch Sporenanwendung und Schläge erschreckt oder abgestoßen, anstatt angetrieben wird, bedient er sich der Begleitung eines anderen, ausreichend ruhigen und schnellen Pferdes, und lässt beide Pferde gleichzeitig rennen, das ruhige dabei zuerst angehen, und der Mensch, der darauf sitzt, soll nach und nach immer größeren Vorsprung gewinnen, bis das störrische Pferd (seinen Mut verstärkend) frei ausgreift. Ich möchte aber nicht, dass der Kunstreiter versucht, das stätige (spornstätige?, DA) Pferd zu sehr unter Druck zu setzen, welchen Naturells es auch immer sei, durch zu rabiate Gewalt schon vom ersten Sprung an, wenn er die Entschlossenheit, den Fleiß und die Übung des Kurses oder des Gehorsams und der Leichtigkeit der ganzen Parade erzeugen möchte, denn im Gegenteil meine ich, dass man durch die Berücksichtigung der Kräfte, des Mutes und der Neigung des Pferdes die Zustimmung, die Fähigkeit, und den Atem klüger vermehrt (mit der Zeit und der Gewöhnung an dieses Training), und dass man weder die Stimme benutzen soll, noch Peitsche oder Sporen, außer wenn man erkennt, dass dadurch ein Nutzen entsteht und nicht unachtsam das Naturell und die Kräfte des guten Pferdes damit unterdrückt und es eine Schindmähre werden lässt, wie es häufig genug vorkommt.

Auch rate ich dem Kunstreiter, dass eine Carriere oder ein Gelände, auf dem er das störrische Pferd für das Rennen verbessern will, wenn es ein wenig ansteigend ist, viel Bequemlichkeit bei denen bringt, die schwach in den Gliedern sind und zum freieren Ausgreifen führt, und so die Vorderbeine und die Schultern weniger schädigt, als wenn der Kurs auf einem abfallenden oder geradem Gelände gemacht wird. Und falls das Pferd (wie ich erklärte) die Kräfte normalerweise zurückhält, und wenn es einen starken Rücken hat, hat es bergauf weniger Gelegenheit und Bequemlichkeit zum Buckeln oder Springen. Da die störrischen Pferde normalerweise locker an der Hand sind, und leicht durchzuparieren, und weil die Regeln und alle Mittel, die für die Geschwindigkeit geeignet sind, auch gegen die Leichtigkeit des Maules arbeiten, möchte ich nicht, falls es möglich ist, dass sie forciert werden oder durch die Heftigkeit des Kurses verschlechtert werden; deshalb gebe ich den Rat (für diesen Anlass und gegen die allgemeine Meinung), dass die Paraden lieber bergan als bergab gegeben werden sollen, bis das Pferd frei rennt. Der Grund dafür ist, dass das Pferd mit einem starken Rücken, oder wenn es in irgendeiner Weise ein Feind des Rennens ist, sich nicht zu den ersten Lektionen entschließt und sich in ihnen nicht lang ausstreckt, sondern erst so spät wie möglich, und in dem Maße, wie es die Lebhaftigkeit vermindert, und deshalb die Kraft beim Rennen eher zu schwinden beginnt, als bei den meisten anderen Übungen, ist es gegen Ende des langen Kurses gezwungen, die Anlehnung an das Gebiss aufzugeben, um die Parade so auszuführen, wie es kann. Deshalb ist das leichte Bergan bei einer Carriere für diese Pferde sehr vorteilhaft, weil sich die Vorhand höher hält, und bei den schwachen Pferden, wie ich schon erklärte, die Vorderbeine und Schultern weniger leiden.

Aus diesen Gründen kann der Kunstreiter schließen, dass, außer dass die kontinuierlichen Rennen jene Pferde, die in einigen Airs und Manegen geübt sind, verschlechtern, sie auch den Willen und die kräftige Disposition eines lebhaften und sprungfreudigen Pferdes schwächen und trennen, und dass zweifellos die Pferde mit einem schwachen Rücken freier rennen und normalerweise schneller sind als die, die einen kräftigen Rücken haben (ich meine schwach und nichtsdestotrotz ausreichend mutig): denn insgesamt kommt ja die Perfektion des Trabes von der Gelöstheit der Glieder, aber die des Galopps von der Lockerheit der Schultern und des Temperamentes der Anlehnung des Maules, und die Entschlossenheit auf dem Rennkurs ist in der Regel eine Folge des Mutes und der Leichtigkeit des Naturells des Pferdes. Zurückkommend auf die Bequemlichkeit der Carriere und des Parierens, muss der Kunstreiter notwendigerweise die Urteilsfähigkeit besitzen zu erkennen, wann das Pferd all seine Kräfte beim Rennen einsetzt und sich mit dem zufrieden geben, was die Natur liefern kann, und auch die Länge der Carriere entsprechend anpassen, je nach der Kapazität der Kondition und der Kräfte des Pferdes, und diskret und in Ruhe das Ungestüm seines Kurses aufzufangen, um ihm am Ende die Mittel zu geben, seine Kräfte zusammenzunehmen und vorzubereiten vor dem Verstärken am Ende bei der ganzen Parade.

In Frankreich, mehr als in den anderen Nationen, vergnügen sich die Reiter mit dem häufigen Lossprengen und Zurückpreschen von der Hand im vollem Galopp, um plötzlich mit der vollen Kraft der Pferde auf den Hanken durchzuparieren: damit wollen sie demonstrieren, dass sie wer weiß wie viel Lebhaftigkeit und Kampfgeist erreicht haben, die sie bewegt ungeduldig auf ihren kurzen Ungestümen, völlig gegen die Perfektion unserer Kunst: denn wenn das Pferd entschlossen ist, ein guter Renner und gehorsam bei der ganzen Parade, erschrecken und überfallen sie es so früh nach dem Angehen, und gerade zu dem Zeitpunkt, wenn es seine großen Anstrengungen zum Gehorchen macht und frisch auf die erste Bewegung des Reiters reagiert, der es drückt und jagt, so kann dies zweifellos viel vermeidbaren Schaden anrichten: unter anderem, dass das Maul dabei fast verdorben und fehlerhaft wird, oder dass das Pferd in Gefahr gerät, zu verzweifeln, und es die Hand des Reiters forciert, um der Anstrengung des nicht aushaltbaren und zu langen Gehorsams zu entgehen, oder dass es mit der Zeit stätig wird, und sich nicht traut, lebhaft anzugehen aus Furcht, dass es der Gewalt dieser unsauberen und überfallartigen Paraden nicht gehorchen kann; und falls es von Natur aus böswillig und störrisch ist, wie man es gewöhnlich bei den Pferden aus Deutschland sieht, kann man vielleicht furios zwanzig oder dreißig Schritte lospreschen; aber zweifellos beginnt es sich sogleich danach zurückzuhalten, um sich auf die Parade vorzubereiten, häufig gegen des Willen des Reiters. Folglich soll der Kunstreiter für gewöhnlich ein (sporn-)stätiges Pferd nach dem Start zunächst eine gute Carriere gehen lassen, bevor er es durchpariert; und es jedes Mal mit der Stimme bedrohen und wieder vorwärts treiben, wenn es sich vorbereitet, eine ganze Parade auszuführen, ohne auf die die Aktion der Zügelhand zu warten. Und deshalb, wie ich zuvor erwähnte, als ich über gewisse Pferde mit zu viel Anlehnung, oder die zu stark ziehen oder ungestüm sind, ist es nötig, dass man sie, wenn sie gut an der Hand werden sollen, häufig durchparieren und rückwärtsgehen lassen muss, ich möchte nicht, dass man glaubt, dass ich die vorher beschriebenen Mittel zur Erhaltung des Angehens von der Hand zurücknehme, ich meine hier nur zu heftig und kontinuierlich zu einem Pferd, das von Natur aus empfindlich, kräftig und aufbrausend ist oder einen doppelten Mut besitzt. Aber ich wünsche mir sehr, falls der Leser einer von dieser Kunst ist, dass er die verschiedenen Auswirkungen bedenkt, die bei jeder Regel entstehen können, wenn sie auf unterschiedliche Weise ausgeführt wird: nämlich korrekt und mit Geduld, und gemäß der jeweiligen Natur des Pferdes, oder aber mit Gewalt und Unbedachtheit, ohne Rücksicht auf die Neigung des Pferdes, wie ich es schon oben erwähnte.

Schließlich begrüße ich es sehr, wenn das Pferd mutig und völlig von der Hand lossprengt, jedesmal wenn man es auffordert: denn dies ist eine sehr schöne und notwendige Partie, vorausgesetzt sie ist ein Ergebnis der Festigkeit und Leichtigkeit der ganzen Parade. Um ein von Natur aus ungestümes und entschlossenes Pferd in einem Zustand guten Ansprechens an die eine oder andere Anforderung zu erhalten, möchte ich, dass der Kunstreiter es nicht mit voller Kraft angehen und rennen lässt, so selten wie er kann und es häufig im Galopp trainiert, um zu vermeiden, dass die Ablehnung gegen den Kurs es dazu bringt, an der Hand zu ziehen, und ihm das Maul und das Gedächtnis verschlechtert, und auch um die Aktion der ganzen Parade ruhig zu halten. Denn es kann sein, dass jedes Mal, wenn man es furios antreiben möchte, man es mehr geneigt zum Rennen findet, als dazu, leicht durchzuparieren. Im Gegensatz dazu aber gestatte ich ihm, dasjenige zu treiben und lebhaft und häufig rennen zu lassen, das stätig und böswillig ist, damit es stets aufmerksam und geflissentlich bleibt, und so auch, wie ich schon sagte, sein hitziges und bösartiges Temperament, das es so störrisch und böswillig macht, es leichter zur Lockerheit in der Parade bringt, und es dadurch frei wird von der sehr großen Stärke der Glieder, der Füße und des Maules.

Wie ich vorher schon über die verschiedenartigen Wirkungen der Sporen gesprochen habe, wiederhole noch einmal zu diesem Zweck, dass die starken Spornstöße, wenn sie hinten gegeben werden, die geeignetsten sind, um das Pferd voran zu treiben. Allerdings können sie, falls sie zu nah an den Flanken und zu stark gegeben werden, das Pferd sogar dazu zwingen, sich zurückzuhalten, und manchmal anzuhalten und zu buckeln oder auszuschlagen, besonders wenn es kräftig, heftig oder sehr kitzlig ist. Deshalb wandte man früher dieses Mittel an, um die Hinterhand der Springer stark erheben zu lassen. Und wenn die Spornrädchen sehr spitz und zu groß sind, kann die starke und zu lange Anwendung der Sporen, anstatt das Pferd vorwärts zu jagen, es am Ende dafür unempfänglich werden lassen, falls es furchtsam und störrisch ist, und jene in Verzweiflung bringen, die von Natur aus aufbrausend und empfindlich sind, oder ihnen das Maul verderben, vor allem, wenn es ihnen an Kraft oder Atem mangelt.


 







 

Band I,Kapitel 62


Allgemeine Partien die zu einem Feldzugs- und Kampfpferd passen


 

Anscheinend gab es zu allen Zeiten Reiter, die meinen, alte Pferde seien am besten geeignet für den Krieg, weil diese normalerweise die friedlichsten beim Aufsitzen und sehr locker an der Hand sind, weniger ablehnend und schreckhaft, weniger ungestüm in der Manege und in allen ihren normalen Aktionen, und deshalb ruhiger und leichter im Kampf. Diese Meinung haben z.b. einige Prinzen und großen Hauptleute verstärkt, die sich am Tag eines Kampfes lieber einiger alter Hengste bedienen, die sie behüten in ihrem Gestüt, als der vielen jungen Pferde, die sie auch einsetzen könnten. Ich nehme an, dass diese Hengste in ihrer Jugend so sehr exzellent gewesen waren, dass diese erste Exzellenz immer noch sehr zu spüren war, und dass die jungen Pferde, die seitdem in den Reitställen der hohen Herren waren, nicht die besten gewesen sind. Denn zweifellos ist ein Pferd zwischen sieben und 15 Jahren von Natur aus stark und couragiert, hält besser große Anstrengungen und die normale Schwächung durch den Krieg und auch Futtermangel aus, als wenn es sehr alt ist. Und wie wahr das ist, sieht man daran, dass es eher den alten Pferden wegen des Futters an Mut fehlt, im Gegensatz zu den jungen. Allerdings bedeutet das nicht, dass man keine Krieger findet, die lieber ein altes und gutes Pferd möchten für den Kriegstag als ein junges, so gut letzteres auch sei. Jedoch, um erst einmal anzukommen an diesem Ort und Tag des Kampfes, ist es nötig, sich 3 oder 4 Monate zu mühen und viele Ritte zu machen, wie man es häufig bei den Armeen erlebt, und ich bin sicher, dass dadurch das alte dann in einen Zustand versetzt werden wird, dass man sich dann doch ein jüngeres wünscht; und wenn man glaubt, es helfe, es als Handpferd zu führen bis zum Zeitpunkt des Einsatzes, kann dies ihnen die Füße, Beine, den Rücken und das Maul verschlechtern (wenn die Anlehnung fest ist); und wenn sie sich daran gewöhnt haben, geführt zu werden durch eine Person am Boden, kann ihnen das ihren Mut nehmen (deshalb fühlt es sich frischer und lebendiger, wenn der Ritter eine halbe Stunde auf ihm saß); wenn man es aber von einem anderen Pferd aus begleiten oder folgen lässt, gezogen an den falschen Zügeln oder einer Longe, kann es mit der Zeit dadurch störrisch oder stätig werden. Das ist der Grund, warum es viel besser wäre, wenn ein lockerer Bursche darauf säße, als es an der Hand zu führen, besonders wenn es leicht ist und ein empfindliches Maul hat. All diese Fälle sind nicht auf ein altes Pferd zurückzuführen, vorausgesetzt es hat nicht ein Alter von 15 Jahren überschritten. Im Gegenteil, wenn es gut ernährt wird und falls man es nicht häufig mit zu langer und heftiger Arbeit traktiert hat, wird es im Alter von sieben bis 14 Jahren seine größte Kraft, Willen und Schönheit haben. Hat es aber das sechzehnte oder siebzehnte Jahr erreicht, scheint es mir besser geeignet im Einzelkampf oder dem beabsichtigten Gefecht [Duell?;DA] zu dienen, die ungefähr einen vol du chapon [= Hühnerflug, ca. 300 Schritte?;DA] lang sein können, als die großen Rennstrecken zu gehen, oder zur Zucht. Denn zweifellos soll ein Hengst frisch und lebhaft sein, sowohl beim Dienst in der Manege als auch im Kampf, um daraus gute und kräftige Pferde einer Rasse zu ziehen. Es ist wahr, dass es Naturelle gibt, deren Pferde sich mit zwanzig Jahren nicht so erweisen wie andere mit zehn, und diesen Unterschied sieht man gewöhnlich bei denen, die im Mittelmeerraum geboren wurden und denen des Nordens: denn (je nach der Verschiedenheit des Klimas) ist das eine feuchter als das andere, und deshalb schwerer und Opfer normaler Verminderungen: aus diesem Grund sind sie weniger Zeit in ihrer stärkeren Lebenskraft. Aber die generelle Regel lautet, dass ein zwölfjähriges Pferd, das nicht schon zu viel geschlagen oder verdorben wurde, in seiner ganzen Kraft steht, in welchem Klima auch immer es geboren wurde.

So wie es den Pferdemenschen auch verschiedene Meinungen darüber gibt, ab welchem Alter die Pferde am besten geeignet sind zum Dienst im Kampf, gibt es auch verschiedene Meinungen über den geeignetsten Körperbau: die einen meinen, dass sie einen Vorteil auf einem großen Pferd haben, wie es wirklich den Anschein hat, vorausgesetzt es hat genug Kraft und ist lenkbar, mutig und gut an der Hand. Denn außer dass diese Größe des Körpers sehr die Anmut des Reiters verschönert, sei es in der Gruppe oder allein, wird es einen großen Anprall besser aushalten und kommt viel leichter aus einem Getümmel heraus, vor allem nachts, als wenn es eine kleinere Statur hat, deshalb gilt die Maxime: wenn der Reiter nachts in den Kampf reitet, soll er sich ein größeres und stärkeres Pferd wünschen als am Tage, denn wenn er sich engagiert findet, oder bedrängt, mitten unter den Feinden, prallt er an diversen Stellen sehr viel häufiger an als am Tage, weil die Dunkelheit die Sicht behindert und man nicht gut erkennen kann, was da passiert. Und aus demselben Grund sind nachts Pferde mit einem ruhigen Gemüt und sicherem Blick, die gut über Gräben und Hindernisse springen nötiger als am Tage. Andere fühlen sich nicht weniger sicher auf einem kleinen Pferd, das stark und breit [„traversé“] ist; denn gewöhnlich sind diese fleißiger, sorgfältiger und lebendiger: sei es auf der Rennstrecke, in der Manege oder beim Wiederaufstehen nach einem Sturz, und meinen, dass wenn das kleine Pferd auf dem sehr starken Kurs schnell und entschlossen ist, und mit einem anderen größeren und schnelleren Pferd zusammentrifft und -stößt, es das große zu Boden bringt, wie man es hat einige Male beobachtet hat, allerdings, wie mir scheint, mehr durch Glück als vernünftig erklärbar. Denn ich halte daran fest, dass, je größer der Stoß, den das Pferd ausübt beim Zusammenprall, desto größer ist auch der Rückstoß, den es erhält. Wenn also beide Pferde gute Renner sind, wird das starke das schwächere umstoßen. Und so ist es sicher, dass selbst wenn das kleine Pferd einen solchen Mut aufbringen kann, das Gewicht des voll bewaffneten Reiters mit den Waffen der heutigen Zeit es leichter und eher niederdrücken wird als ein größeres; vor allem auf einem schweren Boden, in den es einsinkt, und bei allen Anstrengungen, bei denen Rücken und Glieder sehr ermüden, und selbst wenn das kleine Pferd eine extreme Kräftigkeit zeigt, damit es fest das Handeln und die Aktion des Reiters unterstützen kann und seine Kraft mit Macht einsetzt, es eher besiegt und außer Atem sein wird und deshalb aufgibt. Denn in dem Maße, wie die kleinen normalerweise empfindsamer und mutiger als die großen sind, geben sie auch eher nach unter einer schweren Last. Dagegen sind sie geeignet für die Carriere, oder den Mann des Handgefechts [homme d'querelle], der häufig nur mit einem Brustpanzer und einer Pistole ausgerüstet ist und fast immer auf trockenem Boden kämpft. Die mittelgroße Statur schließlich, die der Volksmund als „zwischen zwei Sätteln“ [„entre deux selles“] bezeichnet, ist die nobelste, stattlichste und beste, sei es für den Krieg oder für die Carriere.

Ob das Pferd groß, mittel oder klein ist: die meisten derer, die sich auskennen mir den Staturen und deren Vorzügen, wünschen, dass ein Pferd vorn und hinten voll und rund [„traversé“] sein soll, denn zweifellos sind diese Proportionen schöner, als wenn es zu lang ist. Allerdings, selbst wenn es ein wenig kurz und hoch ist, sollte es nicht weniger geschätzt werden, vorausgesetzt seine Flanken sind eben und hoch genug, und die Beine gut angeschlossen und fest; denn, auch wenn es nicht so schön ist wie ein kompakteres [“racolt“], ist es gewöhnlich stärker und drückt weniger auf die Hand oder wird seltener schwer.

Auch bezüglich des Temperamentes der Pferdemäuler gibt es verschiedene Meinungen unter den Menschen des Krieges und des Pferdes: die einen wünschen eine volle Anlehnung an die Hand, weil diese sich besser eignet für die Ruhe [„fermesse“] des Kopfes, und diese in Konsequenz bewirkt, dass das Pferd sich besser in das Gedränge begibt und darin bleibt; und es scheint auch, dass der Reiter sich durch diese volle Anlehnung nicht fester zum Pferd fühlt; andere möchten, dass es sehr locker an der Hand sei, und dieser Ansicht bin auch ich selbst, vorausgesetzt das Maul ist ruhig. Der Grund ist, dass das Pferd, das in seiner vollen Kraft steht, sich von seiner Natur aus an die volle Anlehnung [„à pleine main“] bringt bzw. sich darin erhalten lässt, bei einer heftigen Anstrengung zweifellos die Anlehnung aufgibt und eher gegen Arm und Hand des Reiters arbeitet, was diejenigen nicht tun, die von Natur aus eine sehr lockeres Maul haben, vorausgesetzt, sie sind nicht zu ausgezehrt. Denn es ist einer der größten Fehler, den ein Kriegspferd haben kann, und eins der Dinge, die den Reiter sehr schwächen und bekämpfen, der darauf sitzt (vor allem in voller Bewaffnung), wenn das Pferd schwer wird oder an der Hand zieht, sei es aus Ungestüm oder aus einem anderen Grund. Und deshalb habe ich wirklich niemals ehrenwerten Männern geraten, viel Geld für ein Pferd auszugeben, das kein lockeres und stetes Maul und keine guten Füße mitbringt, und ich wünsche mir, dass der Leser immer meine Empfehlungen beherzigt, die ich jeweils den fehlerhaften Füßen angepasst habe: durch unendlich viele Unannehmlichkeiten und Krankheiten, meine ich, leidet der Soldat oder Mann des Krieges, welcher er auch sei, der nur ein Kampfpferd besitzt, welches schlechte Füße hat., sei es aufgrund einer zu weichen und empfindlichen Sohle, zu tiefen oder zu engen Fersen, oder einem kurzen oder beschädigten Huf, wie er häufig Folge der Carriere ist, oder falls es nicht lange Eisen tragen kann; und überhaupt rate ich, dass man sich nicht überreden lassen soll von der gewöhnlichen Meinung, die die meisten derjenigen täuscht, die glauben, allein durch grobe und starke Zäumungen die Schwere oder Härte und den Ungehorsam des Maules beheben zu können, und ebenso die Fußfehler der Natur mit Hilfe von Salben und Medizin, denn allermeist sind diese Quacksalbereien.

Der Reiter sollte auch wissen, dass wenn das Pferd, dessen Vorhand niedrig ist und flink [tride] rennt und das ein wenig auf den Schultern ist, zweifellos, wenn es nicht schreckhaft oder zaghaft ist, eine starke Lanze ganz gerade sehr hart bricht, und weniger die Kraft des Stoßes spürt, und sich häufig mit mehr Sicherheit ins Handgefecht und Getümmel begibt und darin bleibt, als wenn es sehr erhoben ist und eher auf die Hanken gestützt rennt: aber zweifellos neigt es dazu, schwer zu werden oder an der Hand zu ziehen, um die Nase zum Boden zu bringen, und schwer zu stürzen, nicht nur im Galopp und beim Rennen, sondern auch beim Straucheln während es Schritt geht oder trabt. Und weil der Mensch, der auf einem schnellen Pferd sitzt und es in vollem Galopp jagen lässt, durch diese Fehler in Gefahr herunter zu stürzen ist, je nachdem wie furios der Rennkurs oder das Durchparieren danach ausgeführt wird, bringt er sich in große Lebensgefahr, wie ich schon erwähnte. Ich schätze auch sehr viel mehr Pferde, die von Natur aus eine höhere und lockere Vorhand besitzen, ebenso, dass diese hohe Haltung einen viel schöneren Sitz des Reiters produziert, und auch wenn ein schön erhabenes Pferd schnell und mutig ist und ein ruhiges Maul hat, und vor allem wenn es die Brust gerade trägt, lässt es sich gut ansprengen und furios in ein Getümmel hineinreiten, zum Angriff und das Handgefecht.

Ich möchte zu diesem Zweck dem Reiter auch raten, falls das Pferd die Neigung oder Gewohnheit besitzt, sich auf andere Pferde zu stürzen und sie zu beißen, er möglichst vermeiden soll, es in den Krieg zu bringen, vor allem ins Kampfgetümmel, weil diese Unart nicht nur sehr gefährlich und geeignet ist, einen ehrbaren Menschen zu verlieren; und es ist sehr schwer zu korrigieren, weil es gewöhnlich anhält, um auszuschlagen oder um völlig störrisch zu werden. Und schließlich sieht man sehr wenige Pferde, die so ängstlich oder störrisch sind, dass sie in Gesellschaft der Kavallerie nicht mit voller Kraft,arbeiten oder stürmen, wie es nötig wäre (vorausgesetzt sie gehen überhaupt an in der Aufregung der Truppe) und die sich zurückhalten unter den anderen; selten findet man welche, die sich annähern und sich freiwillig anschließen in Gehorsam beim Lärm der Waffen, um eine einzelnen Reiter zu attackieren, weil sie viel Vitalität haben: ich sage einzeln, weil dies die Gelegenheit ist, bei der man die Ruhe und Leichtigkeit des Pferdes erkennt, besser als in Gesellschaft oder während es ins Getümmel getrieben wird durch viele andere Pferde, die angehen und rennen, und dabei ein gewisses Ungestüm mitbringen, was gelegentlich die Abneigung oder die Bösartigkeit derer vertreibt, die von Natur aus sehr störrisch, kläglich oder ängstlich sind.

Ich rate dem Reiter auch, sich nicht auf die Meinung derer zu verlassen, die möchten, dass das Kriegspferd feurig und sehr empfindsam sei, denn anstatt dass diese Temperatur dringend nötig ist beim Kampfpferd, sollte es doch im Gegenteil von leichter und friedlicher Natur sein. Denn wie ich bereits häufiger erwähnt habe, ist es unmöglich, wenn das aufbrausende und ungestüme Pferd, das von Natur aus von großer Unruhe überfallen wird und dadurch seine Kräfte und seinen Atem verliert, und nicht mehr achtgeben kann auf die Aktion des Reiters, so eine Anstrengung aushält, und weder gut an der Hand ist (sei es im Getümmel oder bei einem Sieg, oder bei einem langen Rückzug), noch wenn man es häufig wenden möchte, um sich an die Spitze zu setzen [„faire teste“] und den Kampf aufzugeben beim Rückzug, wie es die tun, die weniger aktiv und gewalttätig sind, aber nichtsdestotrotz kräftig, mutig und ruhig; welches seinen Atem und seine Kraft und Schnelligkeit nur in dem Maße einsetzt, wenn der Reiter zustimmt oder es auslösen will. Diejenigen, die meinen, das cholerische und ungestüme Pferd zurückhalten zu können, wenn sie auf ein Handgefecht eingehen, finden sich häufig getäuscht: denn bei diesen Gelegenheiten passiert es normalerweise, dass auch die bis dahin sehr ruhigen Männer nun derart ergriffen und gehindert sind, dass sie weder die Ermüdung durch das Gewicht der Waffen spüren, noch die extreme Anstrengung, die sie aushalten im Kampf, bis sie völlig außer Atem und Kraft sind, sodass, wenn sie auf exzellenten Pferden sitzen, die sehr schnell, empfindlich und lebhaft sind, und die all ihre Anstrengung frei einsetzen, ohne dass Zwang nötig ist, sie es nicht unterlassen, sie trotzdem mit den Sporen zu stechen, meist ohne es zu bemerken, und in so einer Stärke, dass am Ende des Gefechtes die Sporen völlig blutig sind, als hätten sie eine Schindmähre geritten: daran kann man sehen, dass der Mensch, während er in ein heftiges Gefecht verwickelt ist, keine Muße hat, an den Zustand seines Pferdes zu denken. Dies gibt auch den cholerischen, beißenden, ausschlagenden oder zu ungestümen und empfindlichen Pferden Anlass, sich zu wehren oder zu verzweifeln, und den Arm und die Hand des Reiters forcieren, um zu flüchten oder irgendeine andere rebellische und gefährliche Aktion zu begehen, weil sie es nicht aushalten können, so fehlerhaft und gegen ihr Naturell gestochen und gestraft zu werden; oder sie geben beim Durchparieren völlig die Anlehnung an das Gebiss auf (und sind dann „auf den Zähnen“ [„sur le dents“], wie man gewöhnlich sagt), weil ihre Kräfte und Atem zu plötzlich überfallen wurden und dies fast jedes Mal. Denn es ist ganz sicher, dass man immer, wenn dem Pferd der Atem und die Kraft fehlt, vergeblich den Gehorsam für die Manege und vor allem den für die ganze Parade mit den Effekten der Schule oder des Gebisses sucht. Und schließlich soll ein Pferd für den Feldzug und den Kampf, das eines tapferen Ritters würdig ist, ein Alter zwischen 6 und 15 Jahren haben und von ausreichend großer und kräftiger Statur sein; friedlich sein beim Auf- und Absteigen, lebhaft und mit stetem Kopf und Maul; locker an der Hand in Schritt, Trab, und Galopp; auf dem Kurs ein zäher, ruhiger und schneller Renner, leicht beim Parieren, und auf beiden Händen gleich gut in der Reitbahn; gerne und sicher über Gräben und Hindernisse springen, und von besonnener und gelehriger Natur sein.

Mit den bis hier abgeleiteten Regeln kann der Kunstreiter das Pferd gehorsam und gut dienstfertig für den Krieg und für das Einzelgefecht machen; wenn er es außerdem in einer schönen und erhobenen Air ausbilden möchte, soll er zuvor aber gut bedenken und beurteilen, wozu das Pferd fähig ist. Denn erzwingen zu wollen, was die Natur nicht liefern kann, oder wozu es direkt konträr ist, bringt dem Kunstreiter viel mehr Mühe als Zufriedenheit oder Ehre: wenn er aber eine gute Auswahl der Lektionen trifft, und es durchpariert gemäß der Regeln, und gemäß der Air, die am besten zu den Kräften und der Neigung des Pferdes passt, wird seine Absicht zweifellos gelingen und durch diese Mittel sowohl seine Reputation, als auch die guten und natürliche Partien des Pferdes erhalten bleiben.

 

 








 

Band I, Kapitel 63

Lektionen für die erhobenen Airs und Manegen



Diejenigen, die herkommen, um unsere Schulen zu sehen, hört man häufig sagen, es sei ein großer Schaden, ein Pferd in den erhobenen Schulen auszubilden, das auf andere wichtigere Arten gut dienen kann: aber wer diese Reden führt, täuscht sich sehr häufig, denn dieser Irrtum, ein Pferd Kriegsdienst machen zu lassen, das für Sprünge geboren ist, ist fast genauso groß, wie wenn man jenes springen lassen will, das nur für die niederen Schulen geeignet ist. Deshalb ist es ein großes Missvergnügen für den Ritter in voller Montur auf einem kräftigen Pferd, das von Natur aus ein Springer ist, von welchem er nicht mal vier Passaden oder Kampfvolten ziehen kann, ohne mehrfaches Buckeln erdulden zu müssen, was manchmal ausreicht, ihn außer Atem und außer Gefecht zu setzen. Es stimmt zwar, dass ein guter Pferdemensch ihm mit der Zeit die Heftigkeit seiner Sprünge nehmen kann, mit Hilfe des Trainings und der Rügen gemäß der Kunst. Aber trotzdem kann er dem Pferd weder die Neigung noch das Verlangen zum Springen nehmen, und auch nicht verhindern, dass es häufig eine Tour in seinem Metier mit gewissen ersten Bewegungen macht, besonders nachdem es pausiert hatte. Eine Zufriedenheit kann es nicht geben bei dem Kunstreiter, der, um bei einem Pferd, das nicht für die Manege des Kampfes oder der Demi-Air geeignet ist, das Springen oder Buckeln zu verhindern, er dies mit so viel Anstrengungen und mit diversen gewalttätigen Aktionen versucht hat, so dass er es verdorben oder häufig abgestoßen hat, schon bevor er es in den Zustand bekommt, sechs gute, taktmäßige Sprünge an drei aufeinanderfolgenden Tagen auszuführen. Und schlecht ist obendrein, dass es nach solch einer schlecht eingesetzten Mühe und Kunstfertigkeit, schon nach nur acht Tagen ohne Training oder wenn man es auf einem ihm ungewohnten oder unbekannten Platz trainieren will, normalerweise erneut seine anfänglichen Unarten ausführt. Dies sind die Effekte und der Erfolg der Mühen, wenn sie falsch angewendet werden für diesen Zweck. Ich meine, man darf die Natur des Pferdes nicht zu sehr bezwingen wollen. Denn das Training verdirbt es niemals, wenn es seiner Stimmung, seiner Färbung und seinen Kräften angepasst ist (es sei denn, es wird exzessiv betrieben). Es verschönert es im Gegenteil und erhält es gesund und leicht. Und es ist ja in Wahrheit so, dass man in den großen Reitställen der Prinzen alte Pferde sieht, die früher fleißig arbeiteten, um die zwölf oder fünfzehn Jahre alt, und die immer noch das Vergnügen der Carrière bieten und schöne und gesunde Beine haben. Daran kann man erkennen, dass die hohen Schulen dem Pferd nicht schaden, wenn es nicht gewaltsam außerhalb seiner Fähigkeiten gearbeitet wird. Um sie dazu zwingen und zu erhalten, werden sie aber häufig so schlecht behandelt, dass es ihnen unmöglich wird, dies lange Zeit auszuhalten. In diesen Fällen kann der Kunstreiter seine gute Reputation verlieren, beim Verderben vieler Pferde, wodurch man ihm vielleicht viele Dienste entzieht, als wenn man es nutzte gemäß und passend dazu, wie die Natur es vorgesehen hat. Er muss berücksichtigen, dass nicht alle geboren sein können für das Vergnügen der Carrière und auch, dass man den Pferden unrecht tut, die nur für die Kutsche taugen, oder für das Geschirr, anstatt dafür, unter dem Sattel zu dienen. Ich zweifele nicht, dass man nicht einige findet, die so gute und natürliche Partien haben, dass man sie mit der Kunst genauso gut die Sprünge und die niederen Schulen ausführen lassen kann: aber diese sind selten. Es scheint mir auch, dass es in dieser Zeit mehr gute Reiter als gute Pferde gibt, und dass diese, um ihr Können zu zeigen, aus Notwendigkeit manchmal gezwungen sind, mit den wenigen Pferden, die sie haben, zu praktizieren, guten und schlechten, und abhängig von denen, denen sie gehören. Aber ich überlasse diese ersten Versuche jenen, die nicht genug wissen oder nicht geübt genug sind. Denn mir scheint, dass der Reiter, der die Reputation eines guten Kunstreiters hat, und dies ausreichend bewiesen hat, umso schlechter aussehen kann auf einem leichtrittigen, gut geschulten und gut an die Manege des Kampfes angepassten Pferd, wenn er auf diesen eine erhobene Air machen kann, aber die Aktion trotzdem unschön ausführt, nämlich unter Zwang und wie unter Verzweiflung. Gleiches gilt ja auch bei den Übungen eines lernbegierigen Menschen: hat er seinen Fleiß etwa nicht schlecht eingesetzt, um lebhaft und hoch zu tanzen, wenn seine Neigung dazu überhaupt nicht passt? Wäre er nicht besser dran, zufrieden den schönen Fünf-Schritt und die niedrigen Passagen gut zu tanzen, und dies taktmäßig, fein proportioniert und mit Anmut, anstatt von denen ausgelacht zu werden, die ihn grob gegen sein Naturell anarbeiten lassen, in einer Art, die gar nicht geschätzt wird, da sie nicht lebhaft und mit Leichtigkeit ausgeführt wird? Genauso ist es bei den Pferden: denn schließlich ist das, was der Kunstreiter ihnen außer der Kriegsmanege beibringen kann, nur ein spezielles Vergnügen, um den Reiter besser aussehen zu lassen, beim Werben in der Liebe, oder wenn er seine Zeit ehrbar vertreiben möchte mit dem Training von Kraft und der Geschicklichkeit des Pferdes. Was gewöhnlich diese verschiedenen Kunstreiter täuscht, ist auch, dass sie zwei oder drei freiwillig ausgeführte Sprünge sehen, bei denen das Pferd leicht wird und bleibt, sei es, weil es lebhaft ist, oder anderweitig dazu angeregt, oder um sich böswillig seiner Last zu entledigen: dann sagen sie sogleich, dass diese gut geglückt ausgeführt wurden, in einer erhobenen und lebendigen Air, ohne zu bedenken, dass außer der Neigung, die sie glauben entdeckt zu haben, die Kräfte und anderen notwendigen Eigenschaften die sehr sauberen Airs entsprechend ihrer Absicht unterstützt haben. Wenn sie aber danach versuchen, das Pferd dazu zu bringen, was sie es zu seinem Pläsier ausführen gesehen hatten, werden sie es häufig mit wenig Grundlage und Substanz finden, oder mit einem so großen Phlegma oder cholerischen Charakter und aufbrausend böse, und völlig gegen die Ordnung der guten Lektionen, dass sie gezwungen sind, ihr Unternehmen zurückzunehmen und sich mit Scham und großem Bedauern mit sehr viel weniger begnügen müssen, als sie erwartet hatten. Überhaupt, wenn der Kunstreiter viel Wissen und Erfahrung besitzt, und wenn er verbissen das Pferd erheben lassen will um ihm irgendeine beobachtete Air zu geben, meine ich, dass er das nicht ein Mal machen lassen soll, weil es gar nicht angemessen ist. Während ich in Rom arbeitete, gemäß den Regeln des verstorbenen Sieur Ronaldo, der eine sehr ehrbare Person in diesem Beruf war, konnte man in seiner Schule sogar ein Maultier sehen, das frei und mit viel Atem den Terre-a-Terre ausführte, und auch redoublierte Volten in sauberen und gut ausgeführten Kapriolen, sowie eine Kuh, die Sporen und Kandare akzeptierte, mit voller Kraft von der Hand ging und durchparierte, und gleichmäßig wendete auf jeder Hand, im Trab und im Galopp. Daraus kann man mit großer Gewissheit einen Gehorsam und irgendeine gute oder schlechte Air bei einem Pferd erreichen, wie schlecht auch immer es veranlagt sei (vorausgesetzt der Körper ist gut genug), besonders wenn der Kunstreiter beschließt, weder Kunst,noch Mühe, Geduld oder das Pferd zu sparen: aber am Ende ist es immer ein Art Dummheit mit viel Mühe und wenig Vergnügen. Durch meine Hände sind verschiedene Arten von Naturellen, Neigungen und der Kraft gegangen, seitdem ich den Kappzaum benutze, was mir einiges Verständnis dafür gebracht hat, was erreichbar ist mit Hilfe der Kunst. Deshalb empfehle ich niemals einem ehrlichen Menschen, der diesen Beruf liebt und ein guter Kunstreiter ist, dermaßen gegen das Naturell des Pferdes zu arbeiten, denn er bekommt normalerweise viel Erschöpfung und Missvergnügen beim Widerstand und Gegenankämpfen, sodass der wenige Gehorsam und die geringe Lockerheit, die man daraus gewinnen kann, ihm keine Zufriedenheit verschafft. Dagegen möchte ich dass immer das Vermögen und das Naturell des Pferdes das Hauptobjekt und -subjekt des Kunstreiters sein soll, von denen er in all seinen Lektionen nicht unangemessen abweichen soll, um auszuwählen, was das Pferd machen soll, besonders in den lebhaften Airs, für die viel Geduld und Emsigkeit nötig sind, um es in seiner Neigung und seinem Mut zu erhalten. Denn diese Airs sind ja heftig, und weniger natürlich als die anderen Übungen und nur auf diese Weise kann der Kunstreiter sich an der Frucht seiner Erfahrung und seiner Arbeit erfreuen, ehrbar und mit Zufriedenheit.







Band I, Kapitel 64

 

Über die Unterschiede der erhobenen Airs, die man bis heute praktiziert und die, die verschwunden sind

 

 In meinen jungen Jahren exerzierte man sieben Arten der erhobenen Airs, nämlich Pesaden, Hammelsprünge, den munteren Galopp [galopp gaillard], (der heute Schritt und Sprung genannt wird), Sprünge auf der Stelle, die man danach Kapriolen genannt hat; Ballotaden, die wir heute Croupaden nennen; und Courbetten, die die modernsten sind und die nicht den Namen gewechselt haben.

Seitdem sind sie reduziert worden auf drei, nämlich Kapriolen, Croupaden und Courbetten, die in Wahrheit die angemessensten und vornehmsten sind. Dennoch scheint mir, dass Schritt und Sprung (das man fast ganz aufgegeben hat), außer dass es die erste und natürlichste ist, auch die ist, die den Reiter besser aussehen lässt beim Einreiten bei einem Turnier oder einer Maskerade zu Pferd, denn diese Air bringt große Heftigkeit, Munterkeit und etwas Martialisches mit sich, was die anderen nicht haben. Und alle, die meinen, in alle Arten der Manegepferde gut gehen lassen zu können, verstehen nicht gut die Proportionen dieses Galopp galliards, wie leicht er auch zu sein scheint.

Und weil ich ihn besonders liebe, und ich mir eine gewisse Reputation in meinen ersten Übungen erworben habe, habe ich mir freiwillig vorgenommen, ihren Gebrauch zu erneuern, falls die Gesundheit es mir erlaubt und ich die Mittel dazu habe. Aber die am wenigsten heftige und die am weitesten verbreitete dieser vier letztgenannten Lektionen ist die der Courbetten, über deren Regeln ich zuerst schreiben will.

 

 




 


 

Band I, Kapitel 65

 

Regeln für die Air der Courbetten und Croupaden

 

 Um das Pferd zu der Air der Courbetten bringen zu können, muss es vorher eine ruhige Kopfhaltung haben, leicht und entschlossen in Trab und Galopp sein, auf engen und auf weiten Volten, und auf beiden Händen; gehorsam sein in der ganzen Parade, zugewandt und sicher in den Aktionen und den üblichen Bewegungen der Hand und der Beine des Reiters. Auf dieser Grundlage wird es normalerweise eine gute Anlehnung zeigen in einer so feinen und lockeren Art, dass man es leicht in die Air der Courbetten oder der Croupaden bringen kann, aus dem Trab oder dem versammelten Galopp, es zurücknehmend durch eine sanfte Anlehnung, und es munter antreibend mit der Stimme, und ihm helfend mit dem Gertenende an der Schulter, um es nach und nach, ohne Gewalt, im Takt des Galopps sich erheben zu lassen, je nachdem wie es ihn verkürzen und sich in ihm halten kann, durch das Mittel bestimmter langer Paraden, angepasst an die Losgelassenheit des Pferdes. Und in dieser Übung bringt ein leichtes oder und mittleres Gefälle viel Bequemlichkeit zur Festigung der Hanken und damit zum lockeren Erheben der Schultern.

 Nachdem das Pferd gemäß dieser Regeln begonnen hat, eine Air entsprechend seiner Kraft und Veranlagung auszuführen, kann man es für seine ersten Lektionen auf die Demi-Volte im Vorwärts geradeaus bringen. An jedem Ende einer ganz geraden Passade lässt man es eine Demi-Volte machen. Um diese Regel besser zu erklären, sage ich, dass man das Pferd ungefähr 30, oder mehr, oder weniger, Schritte geradeaus im Trab machen lässt, je nach Ungeduld oder Schwierigkeit, oder Freiwilligkeit, die es zeigt beim sauberen Schlag im Trab, gleich, fest und entschlossen: dies muss man nötigerweise entscheiden, bevor man aufhört geradeaus zu gehen: falls nötig soll man die Passade auf 50 Schritte verlängern, oder noch mehr. Aber wenn es sich frei in einen guten Trab bringt, ist das richtige Maß 30 Schritte, welches dann für alle Arten von Pferden richtig ist.

Wenn das Pferd flink vorwärts trabt, macht man eine halbe Parade (oder, um diesen Ausdruck besser zu verstehen: hält man es nach und nach zurück), ihm dabei sanft in losgelassener Weise in seine Air helfend, bis es auf der geraden Linie der Passade mindestens drei Courbetten gemacht hat, die um so besser proportioniert und umso ebenmäßiger werden, je besser sein Beginn in den ersten Lektionen der guten Schule gewesen ist und je mehr Training in diesen das Pferd bekommen hat. Denn die Perfektion zu suchen in irgendeiner Air, wenn diese Übungen ganz neu sind, verursacht häufig viele Fehler.

Nachdem man es wieder hat vorwärts gehen lassen, ungefähr drei Schritte im selben Trab, falls es sich zurückhält, oder im Schritt, wenn es sich zu sehr stützen lässt; und in dem einen oder dem anderen die Demi-Volte etwas eng reitet, falls es sie ausweiten will, oder weit genug, wenn es sich einengt oder schließt; und wenn er auf der rechten Hand ist beim Schließen der Demi-Volte, dreht der Kunstreiter die Zügelfaust nach innen, und ein wenig nach oben, ohne sie irgendwie zu erschüttern, und gleichzeitig das gegenüberliegende Bein gegen das Pferd nahe an der Schulter schließt, ihm damit hilft und gegen sein Misstrauen arbeitet, oder mit einem mittelmäßigen Sporndruck, um es zurückzubringen, seitwärts gehend und nah der Seite, auf die gerade Linie der Passade (den Kopf nach rechts haltend zu der Stelle, an der es losgegangen war), um es so viele Schläge seiner Air wiederholen zu lassen wie es gemacht hatte, bevor es die Demi-Volte begann. Wenn diese Schläge beendet sind, lässt der Kunstreiter es geradeaus diese Stelle verlassen, um eine andere auf der anderen Hand auszuführen: dabei muss es sich vor allem gut vorwärts bewegen, damit es sich nicht einengen kann, und die geraden Schläge nicht zu sehr hasten kann.

 Weil es nötig ist, dass der Kunstreiter den Unterschied dieser Begriffe „heben“[haulser], „erhalten“ [soustenir] und „dazu bringen“ [porter] kennt, bemerke ich hier nebenbei, dass „heben“ nur das Erheben und in seine erhobene Air bringen ist; „erhalten“ heißt, dass es nicht zu schnell hintereinander die Füße auf die Erde zurücksetzt und dabei weder rück- noch vorwärts geht; und „dazu bringen“ das ordentliche Erheben, Unterhalten und Vorwärtsgehen zusammen bedeutet, wenn es in der Air ist.

   Es kann sein, dass das Pferd so locker und mit so großer Leichtigkeit ausgestattet ist, dass man es beim Wiedererheben (in der ganzen Parade aus dem kurzen Galopp) in die Courbetten, wenn es den Takt und die Bewegungen erlernt und trainiert hat, leicht auf die Demi-Volte bringen kann, ohne die Air zu unterbrechen, und es dort nach und nach sicherer zu machen. Und um es darin noch mehr zu festigen, soll der Kunstreiter die Geduld aufbringen, das Pferd die vorhergegangenen Übungen praktizieren zu lassen, bis es in diesen stark ist; denn zweifellos während der kontinuierlichen Übungen zum Erlernen des Taktes der Air, nach dem Schließen der Demi-Volte im Schritt, entsteht nach dem Schließen dieser das Bedürfnis,sich auf die gerade Linie der Passade zurück zu begeben, wo es gewohnt ist, die letzten Schläge zu machen, was dazu führt, dass es sich nach kurzer Zeit von selbst in seine Air bringt, bei der Ankunft auf dem Halbrund der Demi-Volte im Trab oder Schritt (und gelegentlich eher), um freiwillig das Ende und die Hälfte der Demi-Volte in der erhobenen Air zu festigen und zu beenden, wie es entsteht durch diese Gewohnheit.

Es ist es andererseits nicht ganz falsch, wenn der Kunstreiter schon beim Ausführen der Schläge vor der Parade beginnt, es zu wenden, vorausgesetzt es macht jene, die zuvor die letzten geradeaus gewesen sind, und erhält durch diese die erste Aktion und bald die ganze erhobene Demi-Volte.

Beim Ausführen dieser Lektion soll der Kunstreiter das Pferd sorgfältig vorwärts reiten, und, um es weniger einzuengen, oder zu hastig zu werden, es dabei immer dazu bringen, auf die Spur der Demi-Volte zu sehen, auch schon beim Beginn: durch diese Mittel bringt man es leicht zur Verbesserung, ohne die Gleichmäßigkeit seiner Air zu unterbrechen. Und wenn es beim Beginn der ersten Aktion der erhobenen Volte (weil es durch die Schläge geradeaus überrascht wird) einige kleine Fehler macht, soll man es dafür nicht rigoros bestrafen, um es nicht zu erschrecken oder zu verärgern. Denn durch Fortsetzen dieser Übung mit Geduld wird es nach kurzer Übung die ganze Proportion der Air verstehen und auch die der Demi-Volte.

Um es eher und leichter zur Zustimmung in dieser Lektion zu bringen, kann man sich der Bequemlichkeit eines Bodens bedienen, der sich ein wenig zu der Seite, auf der das Pferd die Demi-Volte beginnt, neigt. Man muss anmerken, dass in dem Maße, wie es dazu neigt, die Kruppe aus dem Kreis der Demi-Volte zu bringen, man dies verbessert, indem man die Hand durchhält und dabei nach vorn führt, ohne sie innerhalb der Spur zu bringen, und auch durch das Anlegen des gegenüberliegenden Beines beim Beenden der Demi-Volte, und man auch die Neigung des Bodens sehr munter zu der Seite nehmen soll, zu der es wendet. Und in dem Maße, wie es sich anpasst, verringert man nach und nach die Neigung des Bodens.

Wenn das Pferd diese Demi-Volte sauber und gut ausführen kann, sowohl auf der einen wie auf der anderen Hand, und wenn der Kunstreiter erkennt, dass es genug Kraft hat, seine Air vorwärtsgehend auf den Volten auszuführen, wechselt er die Stelle und verstärkt die Lektion auf einem ebenen und geraden Boden, und anstatt die vorbeschriebenen Schläge im Geradeaus oder auf einer Stelle auf der geraden Linie der Passade zu machen, und das Pferd anzuhalten nachdem es die Demi-Volte geschlossen hat, lässt er es auf dem Kreis gehen, sobald der Schlag, der die vollendete Demi-Volte schloss, gemacht wurde, und bringt es in den Trab oder einen großen Schritt, um darin mit dem Wenden weiterzumachen, und erweitert die Figur zur ganzen Volte, bis es mit den Vorderbeinen auf der Stelle angekommen ist, an der es gewohnt ist, die vorangegangene Demi-Volte zu beginnen, und dort, ohne anzuhalten oder den Takt zu verlieren, nimmt der Kunstreiter es an und hilft ihm, erneut eine Demi-Volte in seiner Air zu beginnen, auf einem sauberen Kreis, wie vorher; und dann am Ende dieser lässt er es wenigstens drei Schläge seiner Air im Geradeaus schlagen (oder auf der Stelle, falls die Anlehnung des Mauls schwach oder ziehend ist), und wenn möglich, ohne sein sauberes und ordentliches Maß zu unterbrechen.

Wie ich in schon der vorigen Lektion sagte, führt die Gewöhnung an die Schläge, die die Demi-Volte schließen sollen, dazu, dass das Pferd sich von selbst in seine Air bringt, schon bevor es an deren Ende ankommt; es passiert auch, dass durch die Gewohnheit der Wiederholung dieser Schläge, beim Traben oder beim Schrittgehen während des Vergrößerns zur ganzen Volte, und beim Ankommen an der Stelle, an der es gewohnt war, seine Air zu beginnen, es sich immer häufiger von allein wieder in seine erhobene Air bringt, anstatt dieses Halbrund im Trab oder Schritt zu machen (das man beginnt am Ende der Schläge der ersten Demi-Volte, um zum ganzen Kreis der Volte zu vergrößern).

Je nachdem, wie das Pferd geneigt ist, kann man es beim Wenden seine Air weitermachen lassen, ohne es in Trab oder Schritt zu bringen, und ohne Unterbrechung die Volte auf der geraden Linie der Passade normal beenden und schließen, als gute Basis zum Weitergehen an deren anderes Ende. Durch das Üben dieser Lektion festigt man in kurzer Zeit die Air der ganzen Volte und kann dann in derselben Ordnung die Lektion weiter verstärken: von einer Volte zu zwei, und weiter zu drei, wenn es dem Pferd nicht an Kraft und Losgelassenheit fehlt, sodass es nicht pausiert, wenn es den Handwechsel beginnt. Wenn sich das Pferd allerdings dabei zu sehr einengt oder es entier wird, liegt das daran, dass es sich angewöhnt hat, vor sich zu schauen und auf die Spur der Volte; ich werde im zweiten Band diese Regel genauer erklären.












Band I, Kapitel 66

Erste Regel für den Handwechsel auf redoublierten Volten

 

Wenn das Pferd die Volten sauber auf beiden Händen doubliert [d.h. die Demi-Volte zweimal ausführt, wozu es erforderlich iste, eine ganze Volte der ersten Demi-Volte hinzuzfügen: im Klartext > an den beiden Enden der Passade eineinhalb Volten auf einem Hufschlag auszuführen; DA], dabei die Air seiner Manege gleichmäßig erhält, ohne die Kraft zu verlieren oder außer Atem zu kommen, verkürzt der Kunstreiter nach und nach die Passade und damit den Abstand der Volten, in derselben oben beschriebenen Ordnung, bis die beiden fast vereinigt und nur noch einen Schritt auseinander sind, um die Volten wiederaufzunehmen und verwandelt diesen Schritt am Ende dabei in einen Schlag vorwärts, und kann so die Hand wechseln, ohne den Takt seiner Air zu stören, um die Übung an diesem Platz zu redoublieren [= vielfach hintereinander wiederholen, ohne den Platz zu wechseln; DA], immer der einen Spur und dem sauberen Rund folgend. [La Broue legt Wert darauf, die Übungen normalerweise immer an verschiedenen Stellen auszuüben, damit das Pferd sie nicht vorausnehmen kann, und sie wirklich allein auf die Hilfen des Reiters hin ausgeführt wird, deshalb benutzt er hier das Wort "redoublieren" um damit auszudrücken, dass im Gegensatz dazu in diesem Falle die Übung vielfach auf derselben Stelle wiederholt wird; DA].

 

Wenn beim Befolgen dieser Ordnung der Kunstreiter fühlt, dass Kraft und Stimmung des Pferdes nicht dazu ausreichen, kräftig die erhobene Air der redoublierten Volten auf einer Stelle zu unterhalten, sei es in Courbetten, oder in Croupaden, rate ich ihm, sich mit denen zu begnügen, die er erzielen kann, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen. Denn, wie ich schon vorher gesagt habe, gibt es nichts, dass so sehr die Gefühllosigkeit oder die Unwissenheit des schlecht ausgebildeten Kunstreiters zeigt, als ihn zu sehen bei starrsinnigen Versuchen, das Pferd zu etwas zwingen, was es nicht ausführen kann: und nichts erfreut den gut ausgebildeten Reiter weniger, als eine gezwungene Manege, ohne Lebendigkeit und die durch die Gewalt der Hilfen und rigorosen Strafen hervorgebracht wird. Dann ist es doch viel lohnender, sich auf getrennten einfachen oder doublierten Volten oder auf Demi-Volten und einfachen Passaden zu halten, sofern diese dann sauber, schön und gleichmäßig in ihrer Air und allen Proportionen sind.

 








 

Band I, Kapitel 67


Perfektion der normalen und der erhobenen Passaden



Wenn dann das Pferd auf der Demi-Volte korrekt und sicher geht kann der Kunstreiter es in den kleinen Galopp auf der Passade bringen, und vom kleinen in den mittleren, und danach in den großen, und so nach und nach die Aktion des Galopps verstärken und kräftigen, und in dem Maße, wie das Pferd ruhiger wird, auch die entsprechende Geschwindigkeit beim Angehen/Lossprengen, den Gehorsam und die Festigkeit beim Durchparieren und die Genauigkeit und Leichtigkeit der Demi-Volte, gleichermaßen auf jeder Hand trainieren. Denn sonst, wenn er ihm die Zügel schießen lässt und es furios vorwärts treiben will, (außer wenn es stätig ist, oder sich zu sehr zurückhält), scheint der Kunstreiter nicht die gewöhnlichen Fehler zu kennen, die der unordentlichen und auseinandergefallenen ganzen Parade vorausgehen, wovon, wie auch von anderen Fehlern, eine Fehlerhaftigkeit der Volte ausgelöst wird, und daraus resultierend einer Unbequemlichkeit des Wiederangehens, wie ich an einer geeigneteren Textstelle genauer erklärte. Deshalb würde ich sagen, dass der Kunstreiter bei diesen Passaden drei Hauptaspekte beachten sollte: Erstens, dass das Pferd lebhaft und gerade auf der Linie der Passade angeht. Zweitens, dass er die Heftigkeit der Passade unterhält, bei Erreichen ihres Endes aber subtil zurücknimmt, um das Pferd in einen Zustand zu bringen, der ihm gut proportionierte erhobene Airs ermöglicht, und er infolgedessen die Demi-Volte sauber beim dritten Schlag beginnen kann (aber nur, wenn der dritte Schlag korrekt und ordentlich ausgeführt wurde), und auch die Demi-Volte gerade auf der Linie der Passade schließt, ohne das Pferd einzuengen oder ausfallen zu lassen. Drittens, dass er das Pferd nicht eher wieder angehen lässt, bevor es nicht noch zwei ganze, ruhige und gerade Schläge auf der Passade gemacht hat, auf der Stelle, an der es die Demi-Volte geschlossen hat. Man könnte altertümlicherweise diese Passaden nach ihrer Air und mit allen Zeitpunkten bezeichnen, aber da sie, wie der größte Teil der alten Begriffe dieser Kunst, nicht mehr in Benutzung sind, lasse ich sie ruhen.

Der Kunstreiter kann in der Ordnung dieser Lektionen erkenn, dass sie zu den Pferden passen sollen, die von Natur aus gut an der Hand sind und und mehr Lockerheit als Kraft besitzen. Denn der wichtigste Grund für die genannten Airs, ausgeführt aus dem Galopp nach einer weitläufigen und trotzdem durchgehaltenen ganzen Parade, ist, dass der Galopp ebenso wie der Kurs dazu dient, das Pferd zur Anlehnung an das Gebiss zu bringen, im Falle, dass es ein schwaches und weiches Maul hat, und um ihm zu helfen sich zu erheben und nach und nach die Dauer de ganzen Paraden zu verkürzen, bis sie umgewandelt werden in Courbetten oder Croupaden, je nach der Disposition des Pferdes, wie ich schon sagte. Und die Entfernung zwischen den Volten, die man einhalten soll auf der einen wie auf der anderen Hand, dient dazu, ihm Mut und Atem zu geben und zu erhalten, und zur Korrektheit seiner Manege. Denn kein Pferd kann gut reagieren in engen Lektionen und auch denen auf einer Stelle, wenn es keine lockere Disposition hat.








 


Band I, Kapitel 68


 

Regeln für die Air "Schritt und Sprung" und für die Kapriolen



 

Wenn also die Pferde von lockerer Natur, die gut an der Hand sind, sich mit immer weniger Hilfen und wenig Druck allein aus dem Trab oder beim Verkürzen des Galloptaktes in die Air der Courbetten und der Croupaden bringen lassen, kann man ebenso in gleichem Stil den Schritt und Sprung und die Kapriolen entstehen lassen, vorausgesetzt,das Pferd ist, zusätzlich zu einer guten Neigung, stark genug und von Natur aus locker. Denn für eine gute Grundlage dieser Airs muss der Kunstreiter zunächst das Pferd zur Leichtigkeit in den Airs derPesaden, oder der lockeren Courbetten oder der Croupaden bringen, bedächtig und mit ausreichend erhobener Vorhand, denn so bewirkt man, dass sie dem Pferd eine zunehmende Festigung der Anlehnung, der Air, des Rennkurses und der Ruhe verleihen, um den Takt des guten Sprunges besser und lebhafter einhalten zu können. Und weil der Sprung in seiner Anmut mit einem ausreichend hohen Anheben der Vorhand begonnen werden soll, ist es erforderlich vor allem die Leichtigkeit dieser ersten Lektion zu trainieren.

Wenn das Pferd einige Male begonnen hat, seine Air zu machen,vielleicht beim Angehen im Trab geradeaus, oder beim Zusammennehmen und Aufrichten des Galopptaktes, präsentiert es manchmal von sich aus die Lockerheit der Hinterhand und begleitet damit die Höhe der Vorhand, und bildet so einen ganzen Sprung wenn es die lebhafte Stimme des Kunstreiters und das Zischen der Gerte hört. Und falls es sich dadurch nicht in der korrekten Aktion des Sprunges zeigt, versucht der Kunstreiter die Lockerheit der Kruppe mit der Gertenspitze auszulösen, indem er mit ihr die Rinne auf der Kruppe touchiert, sobald es seine Vorhand erhoben hat. Wenn dann die Kruppe auf die Stimme und die Gerte reagiert, muss man anfangs dem Sprung einige Schläge der vorhergehenden Air folgen lassen (und zwar ruhig und hoch), ohne Zeit vergehen zu lassen, denn beim Wiederbeginn und Ausführen dieser Lektion an verschiedenen Stellen lernt es nach und nach die korrekte Proportion der Sprünge und auch die Leichtigkeit ihres Taktes und ihrer Abfolge.

Nachdem das Pferd die Disposition und den Takt dieses ersten Sprunges verstanden hat, muss man seine Lektion bei jedem Mal verstärken und nur einen Sprung ausführen zwischen den beiden, und nach dem letzten einige Schläge der Airs: mittelstark und wie beschrieben, oder, falls es sich zu sehr zurückhält, im Takt des versammelten Galopps, dafür jenes auswählen und anwenden, das mehr Gelöstheit und Bequemlichkeit für Mensch und Pferd und für die Leichtigkeit des Sprunges bringt. Denn in diesen ersten Lektionen soll man weder die Anzahl der Zeiten und der Schläge zwischen Sprüngen beachten, noch diejenigen, die nach dem letzten Sprung zum Beenden der Air ausgeführt werden, sondern erst dann, wenn das Pferd sich munterer, leichter und ruhiger präsentiert hat.

Hat das Pferd sauber und ohne Verwirrung einige Sprünge, darunter seine erste Air der Pesaden oder Courbetten, ausreichend ruhig und aufmerksam ausgeführt, ist es dem guten Kunstreiter leicht zu beurteilen und auszuwählen, welche davon besser zur Natur des Pferdes passt: der Takt des "Schritt und Sprung" oder der der Kapriolen, und vor allem zu erkennen, ob dem Pferd die Kraft fehlt, oder ob es stätig ist und sich ein wenig, oder viel, zurückhält, ob die des Schritt und Sprung ihm besser entspricht, weil der Takt, der im Schritt gemacht werden soll, die Sprünge trennt, es vorwärts bringt und und ihm ebenso dient wie der Rennkurs, um den folgenden Sprung lebhafter und sauberer zu gestalten. Danach hat man nicht mehr zu tun, als die Pesaden oder die anderen Takte, die das Pferd vorher zum Trennen der Sprünge, gemacht hatte, nach und nach zu reduzieren, bis nur noch einer beibehalten wird zwischen zwei Sprüngen, entsprechend dem Takt, den man den Schritt vor dem Sprung nennt. Falls aber das Pferd Unruhe zeigt, oder wenn es die Anlehnung an die Hand aufgibt, wird die Air der Kapriolen es besser an diese Anlehnung und zu seinem Temperament zurück bringen. Denn um die Sprünge ohne Taktunterbrechung zu vereinen und zu ordnen, wird es gezwungen, sich zu versammeln und gleichzeitig seine Disposition, seine Kraft und seine Aufmerksamkeit zu erhalten. Um diese Air der Kapriolen perfekt zu gestalten, bringt der Kunstreiter es nach und nach dazu, jedes Mal in der Air dieser letzten Lektionen bei vereinigten, aufeinanderfolgenden und in allen Proportionen gleichmäßigen Sprüngen ein gleichmäßiges Ausstreichen auszuführen, bei jedem Mal, mit Ausnahme der zwei oder drei letzten, die immer nur als Erhebung der Vorhand gemacht werden sollen, und dadurch auf den Hanken, um die Lektion gut abzuschließen.

Nachdem ein Pferd mit dem Naturell, das ich hier bespreche, einige Übung und einen guten Beginn beim Takt der Kapriolen erreicht hat, wenn der Kunstreiter es auf die Volten in dieser Air bringen will, muss man genau die Ordnung und die Regeln der vorhergehenden und letzten Volten einhalten, dabei (wie auch am Anfang) trotzdem normalerweise den Kreis ein wenig größer halten, weil die Aktion des Sprunges viel schwieriger und mächtiger ist als die der Courbetten oder der Croupaden. Und damit das Pferd den Takt der Kapriolen auf den Volten mit mehr Leichtigkeit und Sicherheit einhält, lässt man es auch die Prisen und Reprisen der Air dieser Lektionen beginnen mit einerPesade oder Croupade, weit genug nach vorwärts gehend, so dass sie der Bequemlichkeit dient (und bei Bedarf als Unterstützung für den Kurs), um die Air und die Volte besser zu proportionieren, und macht jedes Ende auf den Hanken, und vor allem ohne sich zu bedrängen.

Dabei möchte ich dem Kunstreiter empfehlen, dass alle Prisen und Reprisen in all diesen Lektionen, sowohl im Geradeaus wie auch auf den Volten, unterschiedlich ausgeführt werden sollen, je nach Ausfallen des Pferdes und den verschiedenen Mutationen, die es macht. Nämlich im Schritt, wenn es zulegt oder sich mit zu viel Anlehnung auf das Gebiss oder den Kappzaum legt; im Trab, wenn es eine gute und temperierte Anlehnung hält, und im Galopp, falls es sich zu sehr zurückhält oder ein schwaches Maul hat.

Wie ich zuvor erklärt habe, dass eine der wichtigsten Grundlagen für alle lebhaften Airs und auch der Sprünge ist, sie normalerweise mit einer temperierten Anlehnung des Maules und an die ganze Hand zu machen, möchte ich dem Kunstreiter raten in diesem Fall, beim Naturell des Pferdes mit einer sehr lockeren Anlehnung an die Hand (für das ich den Diskurs dieser Lektionen begonnen hatte), dass die Aktion, die das Pferd beim Erheben der Kruppe zur guten Begleitung der Vorhand ausführen soll, und um auszuschlagen und um den Sprung zu perfektionieren, und auch das Zurückfallen zum Boden, ihm häufig Anlehnung an das Gebiss geben kann, wenn es von Natur aus ein weiches und schwaches Maul hat.

 







 

Band I, Kapitel 69


Die Pferde, die sich von Natur aus lebhaft in allen Airs präsentieren


 

Man muss bei der Ordnung dieser Lektionen ebenso berücksichtigen, dass die Pferde, die sich lebhaft und fast von selbst in die erhobenen Airs, die am besten zu ihrer Disposition passen, bringen auch diejenigen sind, die schon bei geringeren Anlässen abgestoßen werden, wenn man zu sehr und zu gezwungen zu erreichen sucht; aus diesem Grunde soll man ihnen beim Lernen viele Fehler verzeihen. Die Ursache ist, dass sie für gewöhnlich so sensibel und von so einer freundlichem Naturell sind, dass Hilfen und Rügen, die mit größerer Korrektheit und und größerer Schärfe gegeben werden sie erschrecken, und lange und zu sehr ausgedehnte Übungseinheiten sie obendrein ihrer Munterkeit berauben, die sie von Natur aus in den lebhaften Airs präsentieren: derart, dass sie die Wirkungen der Lektionen und rabiat und ordinär angewendete Mittel der Kunst nicht verstehen und annehmen können, deshalb muss man die sehr korrekte Proportion ihrer Airs und Manegen, zu notwendigerweise zurückbringen zu der weichen, ausreichend langen Gewohnheit der Schule, und ihnen vorsichtig Kraft und Mut erhalten, und sie sanfter und mit sehr viel mehr Geduld und Respekt trainieren, als jene mit einem im Gegensatz dazu robusten und zurückhaltenden Naturell, die sich wehren können oder wollen gegen die Kraft des Training, der Hilfen und der Rügen.

Einige glauben vielleicht durch diese Überlegungen, dass die Pferde, die ein liederliches und zurückhaltendes Naturell besitzen, die seien, die mehr Vergnügen verschaffen und sich weniger entziehen; ich sehe das nicht so: es ist zwar wahr, dass sie alle Arten der Hilfen und Rügen mit mehr Geduld ertragen und verstehen, aber ihre Disposition und Lebhaftigkeit erscheint nicht und glückt nicht, außer wenn sie kontinuierlich in Atem und der Schule erhalten werden; wie es ist, in einer entspannten Gehorsam und Korrektheit und auch vor allem diskontinuierlich einige Tage ihre Airs sehr beachtend, dass sie danach um so häufiger wieder bei den ersten Lektionen beginnen; und man muss immer viel mehr Takte und Mühen aufwenden, um sie munterer und angepasster zu bekommen, als die, die von Natur aus munter und locker sind.

 









Band I,Kapitel LXX

Andere sehr ausführliche Regeln für die Courbetten und Croupaden mit einigen besonderen Anleitungen um das Pferd gut einzuschätzen, das diese Airs besser ausführen kann


Für ein Pferd, das leicht in den Airs der Courbetten und der Croupaden in den zuvor erklärten Lektionen geht, gibt es hundert mit anderer Beschaffenheit, die beim Beginn völlig die vorgenannten Regeln verweigern, aber man darf bei diesen nicht aufgeben, nach guten Mitteln der Kunst zu suchen. Denn es gibt kein Pferd, dass sich extrem der guten Schule verweigert, aber trotzdem am Ende fertig, gut führbar und sehr leicht ist.

Wenn also das Pferd ruhig in Kopf und Maul ist, sicher im Trab und im weiten und großen Galopp, und den normalen und guten Hilfen gehorcht, bringt der Kunstreiter es (wenn es leicht an der Hand ist) im Schritt geradeaus an verschiedene ebene und gleichförmige Stellen, und versucht ohne anzuhalten die Vorhand des Pferdes zu erheben, mit durchhaltender Hand und Unterstützung der Waden, dem Gertenende, der Stimme und Zungenschnalzen. Und wenn es von Natur aus aufbrausend, erdgebunden oder sehr empfindlich ist, und es anstatt sich zu heben, zittert, sich eng macht, sich freimacht, oder sich wehrt, muss man häufig die Stelle wechseln, im Trab oder gelegentlich im Galopp, je nachdem wie stark es sich zurückhält, denn damit kann man gut die schlechten Absichten vertreiben.

Und wenn sich trotz all diese Maßnahmen nicht munter erheben will, oder gehorchen, besteht keine große Gefahr, wenn man es im Extremfall mit dem Gebiss, der Gerte oder den Sporen stark unter Druck setzt, bis es gut die Vorhand hebt, es dabei immer am Stehenbleiben und Rückwärtsgehen hindernd, um ihm Möglichkeiten des Verweigerns zu nehmen.

Danach, wenn es eine gute oder schlechte Pesade ausgeführt hat, gibt der Kunstreiter die Hand nach und streichelt es im Schritt geradeaus und lässt ihm Leckereien durch einen Helfer am Boden reichen, der sich betont immer vor dem Pferd hält.

Ist es einige Male so gegangen, und die Abneigung gegen diese außergewöhnliche und unwissend begonnene und sehr anstrengende Lektion vorbei, beginnt der Kunstreiter wieder es zurückzunehmen und sanft zu versuchen, es die Vorhand heben zu lassen, und wenn nötig, wieder Druck aufzubauen, damit es noch einePesade macht, wie die vorherige, ohne zu viel Wert auf eine genaue Ausführung zu legen, falls es nicht den Rumpf gerade halten will, oder andere Fehler in der Haltung der Vorderbeine oder des Kopfes auftreten sollten: denn am Anfang würde die Verschiedenheit der Hilfen und Rügen eine Verbesserung verhindern.

Weitergeführt mit gutem Urteil und Geduld, lässt man es weitergehen, nach und nach von einer Pesade zu zwei, und dann zu drei; hoch, vorwärts und trotzdem leicht, die Anzahl und das Streicheln vermehrend, in dem Maße, wie das Pferd sicherer und zustimmender zur Anzahl und zu den Bewegungen der Hand und der Waden wird.

In dem Maße, wie man danach aufhört, zulegt und versammelt, nach und nach, und durch Üben des Taktes der Pesade, wandeln sie sich zu Courbetten.

Der Unterschied der Courbetten zu denPesade ist, dass die Pesaden langsamer, mit höher erhobener Vorhand und weniger begleitet durch die Hinterhand ausgeführt werden; die Courbetten sollen mit tieferer Vorhand und mehr vorwärts, mit schnelleren Schlägen und mit einer geschlossenen Kruppe sein: die Sprunggelenke gebeugt und straff, die Hinterbeine gleich und gleichzeitig arbeitend, im Vorwärtsgehen und Aufsetzen bei jedem Takt und Schlag, mit einer zusammengezogenen Bewegung, sehr genau und begrenzt, so dass eine nicht höher oder mehr vorwärts geht als die andere.

Zurückkommend auf die Ordnung dieser Lektion: ist das Pferd schwer auf der Vorhand, lässt man es halten vor dem Erheben, im Gegensatz zu denen, die locker sind; und wenn es zu viel Anlehnung hat, lässt man es vor den Schlägen gelegentlich zwei oder drei Schritte rückwärts gehen, um ihm die Hinterbeine lockerer und sicherer zu machen. Und um es dazu zu bringen, dass sich besser auf den Sprunggelenken hält und die Vorhand leichter erhebt, ohne zu viel Anlehnung an der Hand, nutzt man ein Gefälle und macht darauf genauso weiter, falls es schon frei drei oder vier Pesaden machen kann, denn durch das Üben dieser erhält es weniger Unbehagen am Gefälle.

Courbetten sind sehr angebracht bei den dazu fähigen Pferden, sie sind nicht nur schön und erfreuen den Reiter, sondern sie sind quasi notwendig um den Kopf des Pferdes sicherer zu machen: in dem Maße, in dem sie auf die Anlehnung des Maules gegründet und daran angepasst sind, oder sein sollen. Sie sind auch gut geeignet zum Erleichtern der Vorhand des Pferdes, denn sie können nicht ausgeführt werden, wenn das Pferd nicht seine Kräfte auf der Hinterhand zusammennimmt, und darum muss man die Vorderbeine und Schultern entlasten, besonders bei der ganzen Parade.

Auch bedienen wir uns der Aktion derPesade als ein Hauptmittel für die Pferde, die eine niedrige Vorhand haben und deshalb naturgemäß schwerfällig auf den Schultern parieren.

Hat das Pferd aber gar keine Neigung zu Courbetten, und man lässt es sie üben, indem man es häufig durch ermüdende Lektionen davor bei Bedarf zwingt, kann man es dadurch wirklich ruinieren, und ebenso durch viele Rügen und langes, starkes Strafen, wenn es die Courbetten, Croupaden oder Sprünge nicht ausführt.

[Randnotiz: Die Lektionen, die das Pferd bei irgendeiner Air zu sehr gegen seine Veranlagung zwingen, können es verderben.]

Wenn das Pferd schlechte und schmerzende Füße hat, sind die Courbetten schädlich und werden normalerweise schlecht ausgeführt, welche Leichtigkeit und gute Körperteile es auch sonst haben mag, denn das Herunterkommen und die Kadenz bringen häufig den Kopf in schlechte Haltungen, oder bringen es zu irgendwelchen anderen schlechten Gewohnheiten, oder Fehlern, was auch immer der Kunstreiter tut, wegen der Schmerzen, die es erhält beim Aufkommen der Vorderbeine auf der Erde, besonders auf einem Pflaster oder anderem sehr harten Boden. Gemeinhin zeigt das Pferd die Schmerzen durch die Aktion des Kopfes beim Vorwärtsgehen an.

[Notiz am Seitenrand: Die erhabenen Schulen sind am schädlichsten bei schwachen Füßen.]


Wenn es aber von Natur aus störrisch ist, sind Courbetten häufig seine Beschwerde, wenn es sich dem Willen und der Aufforderungen des Reiters verweigert. Und sowieso kennt man keine Lektion, die mehr verbunden ist mit dem Übel des störrischen und zurückhaltenden Pferdes, als die der Courbetten, denn diese bewirken, dass sie durch eine einengende Lektion in Unterordnung gehalten werden. Um bei denen, die ihre Kräfte und ihren Mut zurückhalten, diese schlechten, erhitzten oder flegeligen Eindrücke zu vertreiben, sollen im Gegenteil die meisten der Lektionen bestimmt, variiert, und gewöhnlich an unbekannter Stelle oder unerwartet ausgeführt werden.

[Notiz am Seitenrand: Die Courbetten sind verknüpft mit dem Übel der Stätigkeit]

Das sehr feurige, empfindliche und entschlossene Pferd ist viel besser für das Geländereiten als für Courbetten oder Sprünge geeignet, weil die extreme Unruhe Gedächtnis und Gehorsam so sehr verschlechtern, dass es sehr häufig nur zittert, sehr verärgert und aufbrausend wird, anstatt die Schläge in einem genauen und guten Takt zu halten und der Aktion und der Bewegung des Reiters zuzustimmen: ein sehr unerfreulicher und schwer zu korrigierender Fehler, besonders wenn er zur Gewohnheit geworden ist. Denn die Hilfen und Lektionen der Courbetten verstärken normalerweise das Aufbrausen, das das Pferd in Ungeduld hält; andererseits kann man aber nicht gut die Unruhe vermindern ohne Rügen anzuwenden, damit es nicht immer zu früh herunterkommt, obwohl der Reiter das mit außergewöhnlicher Präzision zu erreichen sucht.

Die Hilfen und Rügen, die bei diesen Pferden erforderlich sind, lassen sich aber nicht von all denen anwenden, die hineinreden in deren Dressur, weil sie vielleicht beim Lesen der folgenden Lektionen glauben, sie gut zu verstehen: denn noch lange Zeit danach ist man sehr wenig in der Lage, sie so angemessen und geduldig anzuwenden, wie es nötig ist. Auch muss man wissen, dass es kein Mittel unserer Kunst gibt, dass besser die Erfahrung und gute Praxis des Reiters anzeigt, als die Hilfen, die die Unruhe des cholerischen Pferdes verhindern, besonders wenn es zittert.

Es gibt jedenfalls keinen wenigstens etwas Erfahrenen, der zitternde und böswillige Courbetten für sehr gut hält und negiert, dass diese eine rasche und zu abgekürzte Air sind.

Denn wird sie so ausgeführt, ist sie meistens konfus und vorzeitig: die wahre Schnelligkeit der schönen Air, sauber und vorwärts getrieben, beruht nicht auf der Eile des Pferdes beim Zurücksetzen der Vorderbeine auf die Erde, sofort nachdem sie erhoben wurden: wenn das passiert, hat man weder ausreichend Zeit, um die Vorhand gut zu erheben, noch die Vorderbeine gut zu biegen, welches die beiden schönsten Aktionen der erhabenen Schulen sind.

Das wahre und schönste Wiederaufsetzen erzielt man, wenn die Hinterbeine gut und locker mitmachen, und prompt die Vorderbeine antworten, die sich sofort wieder erheben, nachdem sie aufgesetzt haben.

[Notiz am Seitenrand: Das sehr feurige Pferd ist schlecht geeignet für die Genauigkeit der erhabenen Schulen.]

Es gibt verschiedene Arten der Ungeduld und der Unruhe, die häufig auftreten beim Pferd, aber zwei, die ganz gegen die nötige Freiheit der guten Regeln dieser Übung arbeiten: jene, die nur aus dem cholerischen, gewalttätigen und sehr mutigen Charakter hervorgehen, und die, die der Angst und Furchtsamkeit entstammen.

Beide können sehr stark das Gedächtnis des Pferdes behindern und deshalb auch die guten Absichten des Kunstreiters: denn die eine bringt das Pferd häufig zur Verzweiflung, in der sie sich meist den guten Mitteln, Hilfen und Rügen widersetzen, und diese weder erdulden noch verstehen; und die andere führt bei diesen Gelegenheiten auch noch dazu, dass das Pferd verwirrt ist, erschrickt und sich erniedrigt fühlt: derart, dass ich nicht gut sagen kann, welcher dieser beiden Mängel der tadelnswertere wäre, oder welchen man schwerer verbessern kann. Dennoch sieht man beim Diskurs dieser Lektionen, worauf man achten soll gemäß der Kunst, um einige der Unordnungen, die durch diese Mängel entstehen können, zu vermeiden.

Auch möchte ich diesbezüglich dringend dem Kunstreiter anzeigen, dass man gewöhnlich einen größeren Vorteil zieht aus dem cholerischen, blütigen und superben Pferd, das den Mut und die Kraft hat, seine Dummheiten und Fantasien auszuüben, wenn es ihm nicht an Gedächtnis fehlt, wie aus denen, die von Natur aus melancholisch, böse und ängstlich sind. Denn bei den einen kann man die Geduld und die Mittel der Kunst anwenden, um nach und nach die entschlossenen Versuche zu vertreiben, wenn sie den Gehorsam verweigern; aber bei den anderen kann man ihre schlechten Absichten nicht gut erkennen, da sie normalerweise ihre Aktionen zurückhalten und nur ganz misstrauisch gehorchen, wenn überhaupt. So passiert es häufig, dass die Rügen der Schule zu lange erfolgen, was bei ihnen leicht den Schwung unterdrückt und sie entmutigt, wohingegen Sanftheit und Respekt seinen doppelten und unartigen Mut noch verstockter machen und ihn gegen den Kunstreiter richten.

Nicht ohne Grund möchte ich, dass die ersten Lektionen der Courbetten bedächtig und mit sehr hoher Vorhand gemacht werden: denn durch diesen Abstand im Takt, den das Pferd einhält, bevor es die Vorderfüße wieder auf die Erde setzt, gibt man ihm das Mittel, seine Hanken und den Kopf ruhig zu halten, seine Vorderbeine zu beugen, ihm die Abneigungen und Unruhe zu vertreiben, und so das Zittern zu verhindern.

Durch diese Aktion kann mit der Zeit auch eine falsche und sehr schlechte Schweifhaltung verbessert werden; um ehrlich zu sein, sieht man sehr wenige Pferde, die beim Ausführen eine gute Anlehnung haben und sich auf den Hanken und Sprunggelenken halten (und sich trotzdem nicht einengen), die gleichmäßige und saubere Schläge ausführen im Takt einer guten erhobenen Schule, die nicht auch eine sichere Kruppe, Schweif und Kopf haben, sondern im Gegenteil fast nur jene, die die Vorhand tief und die Hinterhand hoch tragen, meistens die Vorderbeine gerade und Kopf, Kruppe und Schweif unsicher halten. Und wenn im Anfang das Pferd von sich aus eilig die Schläge in den ersten Übungen auf den Boden bringt, ist das ein Zeugnis seines Aufbrausens und seiner Ungeduld, und ein Anzeichen von drei Ereignissen: nämlich, dass seine Kraft nicht ausreicht, lange diese Manege der zufälligen starken Schläge der Vorhand auszuführen, dass es sehr bald zittert, oder sich fest macht [entier wird].

Wenn aber das Pferd sich frei und mit hoher Vorhand hebt, ohne Hast und ohne zu angespannt und straff zu sein, fällt es danach dem Kunstreiter sehr leicht, ihm den Takt zu erweitern und zu lösen, um die Air der guten Courbetten in ihre Perfektion zu bringen, je nach der Kraft und Leichtigkeit seines Pferdes.

[Notiz am Seitenrand: „ Die freiwillig und zu nah ausgeführten Schläge in dieser Air sind Anzeichen für verschiedene Mängel“]

 






 

 

 

Kapitel I, 71

 

Regeln für die Volten in der Air der Courbetten oder der Croupaden

 

 Der größte Teil der Kunstreiter stimmt darin überein, dass das Pferd zuerst die Courbetten frei geradeaus gelernt haben soll, bevor man es auf den Volten in diesen Airs arbeitet: und auch ich war früher dieser Meinung, aber ich habe dabei herausgefunden, dass man es besser machen kann: denn wenn das Pferd auf diese Weise nur gewohnt ist, geradeaus zu arbeiten, wird es, wenn man es erst danach auf den Volten versucht, bei den ersten Übungen des Wendens Gelegenheit erhalten die Volte zu hassen und sich zu entziehen oder irgendeinen anderen Fehler zu machen, und sich nicht bequem erheben, nicht auf einer Stelle biegen oder sich nur geradeaus vorwärts bewegen ohne die erhabene Air zu unterbrechen, wegen der neuen Anstrengung und seines Unbehagens.

Diese Regel ist häufig die Ursache dafür, dass viele Pferde sich weigern zu wenden, und entier werden. Es ist deshalb viel besser, sie schon zu Anfang den Takt und die Proportionen der Volte zu lehren, falls sie schon fünf oder sechs Pesaden hintereinander machen können.

Nachdem das Pferd eine sichere Kopfhaltung erreicht hat, und wenn es auf jeder Hand frei und entschlossen in Trab und Galopp geht, und wenn es fünf oder sechsPesaden oder Courbetten geradeaus machen kann, promeniert der Kunstreiter es auf einer weiten Volte auf einem so perfekten Kreis wie möglich, in einem Schritt, der weder regellos, noch zu stark zurückgenommen ist, und lässt es den Kopf ein wenig in die Volte halten, so wie es normalerweise gewohnt ist, in die Volte zu sehen, ganz ohne ein Ausfallen der Hinterhand.

Hat man ihm so auf jeder Hand mit diesem Abschreiten einer ganzen Volte gezeigt, lässt der Kunstreiter es alle drei oder vier Schritte eine ruhige und lockere Pesadeausführen ohne anzuhalten, und ohne dass die vier Füße den Kreis und die Spur verlassen. Wenn man auf diese Weise ungefähr zwei Volten auf einer Hand ausgeführt hat, lässt man es in einem Zug und in einem Atem ebenso viel im Trab gehen und hält es an ohne es zu erheben, und lobt es, bis es ausgeruht ist und Atem geschöpft hat. Danach wechselt man die Stelle, um dasselbe auf der anderen Hand zu wiederholen, denn dieser Ortswechsel erhält ihm nicht den Mut zu frei und macht so die Lektion weniger unerfreulich, als würde sie immer an einer Stelle ausgeführt.

Hat das Pferd diese Übung verstanden, lässt man es zwei Pesaden zusammen hintereinander machen und dann vorwärts gehen, und diese Reihenfolge beachtend, ohne irgendwie zu hasten, kann man die Anzahl der Pesaden vermehren, und die Schritte reduzieren, je nachdem ob das Pferd leichter wird. Und durch dieses Mittel erreicht man in kurzer Zeit eine ganze Volte in der Air der Pesaden und kommt nach und nach zu anderthalb und danach zu zwei und am Ende zu so vielen, wie seine Kraft zulässt.

Überhaupt muss man die Anfänge dieser ersten Übungen immer im Schritt machen, und deren Ende im Trab, deshalb um, wenn das Pferd sich daran gewöhnt hat seine Air auf der Volte munter auszuführen, zu verhindern, dass es entier wird, oder die Stelle voraussieht, an der die Übung beendet werden soll (beide: die Air und die Volte), ohne auf die passende Aktion des Reiters zu warten.

Und um zu erreichen, das es sich daran gewöhnt, sehr frei und lange zu wenden, macht man es niemals geschlossen, noch beendet man wenn möglich, die Volten dieser anfänglichen Übungen zwei Mal hintereinander an derselben Stelle, denn diese Gewöhnung gibt ihm gleichermaßen die Möglichkeit, jedes Mal anzuhalten, wenn man es an diese Stelle bringt, an der es gewohnt ist, den letzten Schlag auf der Volte zu machen.

Und wenn es bei diesen Übungen von Aufbrausen und Unruhe erfasst wird, sowohl im Geradeaus wie auf den Volten, kann man es gut ab und zu rückwärts schicken lassen durch einen Helfer am Boden genau auf der Spur zwei oder drei Schritte vor dem Pferd, der ein paar Leckereien in der Hand hält, um es zu beruhigen und häufig zu streicheln. Und bei jedem Ende der Übung, bevor der Kunstreiter absteigt, lässt er es einige Pesaden geradeaus ausführen, um die Losgelassenheit und den Mut des Pferdes zu erhalten, aber diese erst nach dem Verlassen der Stelle, an der es die letzte Volte gemacht hatte. Denn um das Pferd sehr frei in der Manege zu bekommen, soll man die Air der Volten gewöhnlich im Wenden beenden und im Schritt oder Trab und weder auf der Stelle noch im Geradeaus, wie viele Kunstreiter es achtlos tun, beim Beenden aller Proportionen seiner erhabenen Lektionen. Denn um das Pferd gut geschult zu zeigen, bei einer Parade oder vor irgendwelchen Respektspersonen, lässt man es beim Beenden der hohen Lektionen sich für einige Schläge erheben, auf der Stelle oder im Vorwärts.

Nachdem das Pferd verstanden hat, und wenn es frei und ruhig auf den großen Volten geht, verengt der Kunstreiter diese nach und nach (ohne jede Hast), und in demselben Maße die Anzahl der Pesaden bis die Air und die Volte gleich sind in ihrer Genauigkeit und ganzen Proportion, dabei mit Rügen oder dem Anlegen der Sporen oder der Gerte oder dem Kappzaum verhindernd, dass die Kruppe ausfällt oder zu weit in die Volte hineinkommt, und dass keine schlechte Kopfhaltung auftritt. Und um das zu erreichen, muss der Kunstreiter immer aufmerksam und wach das Temperament des Pferdes erhalten, und seine Beine fest und zum Pferd gedreht und nah am Pferd halten: damit man nicht den Takt beim Bemessen der Air verliert oder die Proportion des Bodens.

Wenn bei dieser Gelegenheit das Pferd die Kruppe zu weit nach innen nimmt, und sich einengt, möchte ich am liebsten, dass der Reiter als Rüge die innere Kappzaumleine, den inneren Sporn oder die Gerte benutzt, um seinen Kopf nach innen, und die Hanken auf ihr vorgesehenes Rund zurückzubringen. Wenn es aber mit der Kruppe ausfällt, stimme ich nicht zu, dass der Kunstreiter, um es zu reparieren, stark an der äußeren Kappzaumleine zieht, sie meistens festhält, oder den Sporen lange und fest am Bauch einsetzt, wie viele es tun: denn hierdurch wird viel zu sehr der Kopf und die Energie zur Seite der Rüge getragen, was eine sehr falsche und unschöne Aktion ergibt. So dass als generelle und altbewährte Regel gilt, dass das Pferd immer Auge und Herz auf den Boden und die Stelle, auf der es geht, richten soll, in allen Lektionen, weil es sonst nicht lange dauert, bis es entmutigt wird oder in irgendeine Unart verfällt.

Wenn also das Pferd beim Ausführen dieser Übungen mit der Kruppe aus der Volte ausfällt, rügt der Kunstreiter es zunächst mit der Gerte über der Mitte des Bauches oder am Hinterbein nahe des Sprunggelenkes auf der Außenseite und lässt es gleichzeitig zwei oder drei Schritte ohne zu wenden vorwärts gehen, wobei er die Zügelfaust eher nach außen führt, und sobald er fühlt, dass das Pferd sich korrigiert, macht er weiter mit dem Wenden an irgendeiner Stelle, wenn es sich gerade und gelöst zeigt; wenn aber das Pferd trotz dieser Hilfe weiterhin mit der Kruppe ausfällt, setzt er gleichzeitig den Sporn auf der Außenseite ein, oder einige Male stattdessen die Gerte oder die äußere Kappzaumleine, diese gleich darauf wieder nachlassend, wenn nötig dabei die äußere Oberlippe vorsichtig mit dem Gertenende touchierend, damit es wieder auf die Spur der Volte schaut, und den gleichzeitigen Leinenruck nicht um ihm den Kopf zu stellen (obwohl dies der natürliche Effekt ist), sondern nur um es zu rügen und die Kruppe an ihren richtigen Platz zu bringen. Vor allem muss man bei diesen Rügen, aber auch generell, diese zurückhaltend einsetzen: stark oder mittelmäßig, je nachdem, ob der Fehler groß oder klein war, denn andernfalls treten häufig eher Unordnungen statt Verbesserungen auf.

In dem Maße, wie das Pferd die Air und die Volte geübt hat, bringt der Kunstreiter es zu Handwechseln auf der Stelle, indem er nach und nach die Spur auf der rechten Hand an die auf der linken Hand annähert, bis die beiden dieselbe sind.

Um diese Übungen mit viel Bequemlichkeit und weniger Rügen ausführen zu können, bedient man sich dieser alten Schule und Figur, die aus dem Boden ausgegraben wird, ungefähr zwei Fuß (= 2x30cm) tief, in dieser eine lange Passade ungefähr zweieinhalb Fuß (= 75cm) [breit?], gerade und 15 bis 20 Schritte lang, und an jedem Ende der Passade zwei Rondelle, mit jeweils drei Schritten Durchmesser, und beide getrennt durch die Passade, und in der Mitte jeder eine Erhöhung wie ein Kern von der Größe eines Fasses oder einer Tonne mit einem Durchmesser von ungefähr zweieinhalb Fuß (= 75cm). Dadurch, dass der Hufschlag in der Volte durch Höhe und Umfang des Grabens begrenzt wird und durch den Kern in der Mitte wird das Pferd gezwungen, während seiner Übung alle vier Füße auf dem gleichen Rundweg zu halten und gerade auf den Weg zu sehen. So wird durch die Höhe der äußeren Wände verhindert, dass die Hinterhand ausfällt, und durch den Kern in der Mitte, dass das Pferd sich einengt, wie man an dieser Skizze sehen kann:





Wenn es mehrmals die Übung dieser Schule im Graben ausgeführt hat, profitiert das Pferd enorm, wodurch der Reiter, vorausgesetzt er versteht die Kunst, ihm gut den Kopf und die Anlehnung des Pferdemauls das weder furchtsam noch stätig sein soll, einrichten kann; und wenn er es gut macht, ihm dieselbe Schule in verschiedenen Lektionen dient, vor allem durch die Verhinderung des Einengens.

Und wenn es beim Ausführen der Lektionen an der Hand zieht, kann man es auch in dieser begrenzten Figur rückwärtsgehen lassen, sowohl beim Wenden als auch im Geradeaus: dieses ist ein sehr gutes Mittel zum Lösen, wenn es zur rechten Zeit und mit sauber ausgeführt wird.

Und in welchem Teil diese Übungen gemacht werden, der Kunstreiter soll bedenken, ob häufiges Wenden ohne die Hand zu wechseln, zur Leichtigkeit der Volte passt, denn macht man es zu sehr, kann leicht das Pferd abstumpfen und abgeschreckt werden, besonders wenn es ein schwaches Maul hat.

Diese Schule im Graben ist auch geeignet, um die Aufmerksamkeit des Pferdes beschäftigt zu halten mit seinem Mut und seinem Gedächtnis für die Lektion, die man ihm gerade gibt, denn ohne Aufmerksamkeit kann es eine gute Schule weder gut ausführen, noch sie erleichtern.

Um die Air und die Volten zu verbessern, nachdem dem Pferd die Vorhand erleichtert wurde, und wenn es ruhig und leicht wendet auf jeder Hand, proportioniert der Kunstreiter, ohne es zu verwirren, den Raum und die Rundung der Volte, je nach Größe, Veranlagung und Kraft des Pferdes: zunächst im zurückgehaltenen und erhabenen Schritt, wozu er es mit der Hand leicht oder annehmend unterstützt, je nachdem wie er die Anlehnung des Maules spürt, und es zurückhält meistens mit der Leine des Kappzaumes außerhalb der Volte, dort auch mit dem Gertenende an der Flanke, und wenn nötig, mit dem Oberschenkel auf derselben Seite, ohne dabei den Kopf, den Hals, oder den Schweif zu stören, und ohne es zu hindern, auf den Weg, den es gehen soll, zu sehen; er drückt außerdem mehr mit der äußeren, als mit der inneren Wade, um es untergeordnet zu halten und lässt es gelegentlich den Sporn fühlen, damit es immer vorwärts geht und die Hinterbeine nicht ausfallen und die Spur der Vorderbeine verlassen.

Hat er so die Bewegung an die Volte angepasst, versammelt der Kunstreiter das Pferd und bringt es auf derselben Spur in seine erhobene Schule, und während er genau die Rundung und Genauigkeit der Volte beachtet, macht er die Air weiter in der Anzahl der Volten, so wie er spürt, diese je nach Mut und Kraft des Pferdes fordern zu können.

So genau auch die Proportion der Volte ist, wird sie einen guten Pferdemenschen nicht zufriedenzustellen, wenn sie nicht begleitet wird durch die Perfektion seiner Air, so wie ich es schon erklärte, und wie ich es auch tat beim Unterschied der Courbetten zu den Pesaden. Denn um das Pferd seine Manege sauber und in gleichförmigem Takt schlagen zu lassen, hält der Kunstreiter die Zügel in guter Anlehnung, Zügelarm und Zügelhand ruhig, die Beine nach vorn und gut geschlossen am Sattelgurt [nur, wenn der Gurt weit vorn liegt ?; DA], und klopft mit ihnen immer den Rhythmus zum selben Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorderbeine auf den Boden zurücksetzt, beim Schließen des Pferdes, nicht nur durch die Innenseite der Wadenmuskeln, sondern, wenn möglich, gewöhnlich ein wenig mit den Steigbügeln ungefähr an den Enden der Schultern, aber mehr auf der äußeren Seite. Dieses Klopfen bewirkt, dass die Beine nicht zu öffnen und nicht bestimmte schlechte Bewegungen vorwärts und rückwärts machen.

Denn durch Umschließen des Pferdes dicht an den Schultern, wie oben erklärt, und zum selben Zeitpunkt wie jene Bewegung, die man beim Paulme-Ballspiel macht [jeu de paulme:bei diesem Spiel wurde die Handfläche immer nach oben gehalten, wie beim Volleyball, es wurde später zum Tennis;DA], wenn man den Ball zwischen Bon und Flug nimmt, bringt der Kunstreiter das Pferd auch nach vorn, in der Art, dass es sich weder einengen, noch die Vorderfüße zu schnell hintereinander zur Erde herunterbringen kann, damit es sich nicht angewöhnt zu zittern.

Hier muss man anmerken, dass die Regel, die Füße normalerweise weit genug vorn und nah am Pferd zu halten, sehr wichtig ist, nicht nur um den Sitz des mittelgroßen Reiters zu festigen, sondern auch für die Genauigkeit der Airs und der Manegen. Denn wenn die Bewegung der Beine weit weg kommt (sei es als Hilfe oder als Rüge), bringt man das Pferd zweifellos in große Unsicherheit und unterbricht dadurch die gute Einhaltung der Reihenfolge dieser Lektionen. Aber die Ferse wird gewöhnlich an einer Stelle diesem Teil benachbart gehalten, was sehr geeignet ist für die Hilfen und Rügen mit dem Sporn, um das Pferd bei Bedarf zu warnen, und bei Gelegenheit Hilfen und Rügen zu geben, aber seltener, und es trotzdem dabei in einem sehr genauen Gehorsam haltend.

Dies zeigt, dass die kleinen und mittelgroßen Menschen sehr viel besser geeignet sind für die Genauigkeiten der Manegen und für den Eifer in allen Airs, als die sehr großen.

 


 

   




 


Band I, Kapitel 72


Regeln für den Handwechsel auf den redoublierten Volten


 

Um das Pferd für den Wechsel auf jeder Hand zu schulen, auf Volten, die mehrfach an einem Ort wiederholt [= redoubliert] werden, sei es in der Passege oder in einer erhobenen Air, lässt der Kunstreiter es vorwärtsgehen und versammeln durch einen oder zwei kurze Schritte [petit pas], oder, wenn es sich in einer Air befindet, durch gleich viele Schläge außerhalb der Volte. Gleichzeitig schiebt und schließt er dessen Kruppe mit dem Wadenmuskel oder dem Sporn in demselben Maße in den Kreis der Tour wie es vorwärts geht. Und sobald er durch dieses Mittel den Körper des Pferdes auf der Mittellinie bzw. dem Durchmesser der Volte eingestellt hat, wechselt er die Hand, indem er dieselbe Spur der Volte in derselben Größe weiterführt, und wiederholt so [redoubliert] die Volte an demselben Ort, ohne dabei weder die Genauigkeit, noch den Takt zu unterbrechen, oder zu hasten, bis zum Ende der Übung, welches wahlweise im Geradeaus oder auf der Stelle ausgeführt werden kann, vorausgesetzt, das Pferd ist nicht eingeengt und so kräftig und in derselben Air, wie während der gesamten Figur der Manege.

Ich will nicht den Stil derjenigen verurteilen, die die Hand wechseln durch Teilen der Volte in der Mitte, ohne den Kreis zu verlassen, denn diese Aktion erzieht die Pferde, die beim Wenden einen harten Hals oder steife Schultern haben, besonders, wenn sie einmalig begleitet wird von einem genau ausgeführten Druck mit dem inneren Sporn, und gelegentlich durch einen Zug an der Kappzaumleine, oder an dem inneren Zügel, oder auch an beiden Zügeln gleichzeitig, oder durch einen gelegentliches Touchieren der äußeren Schulter mit der Gerte und gelegentlich, falls nötig, ganz vorsichtig an der äußeren Oberlippe, aber immer mit Sorgfalt und dadurch verhindernd, dass es sich zurückhält oder einengt.

Ich halte auch den Handwechsel auf der Volte für gut, der gemacht wird durch Verlassen des Kreises mit den Schultern, ohne das Pferd zu stark vorwärts zu reiten; und ihm dadurch die Hanken untergeordnet zu halten auf der Spur der Volte, besonders wenn es eine lockere und unsichere Kruppe hat. Diese Überraschung kann helfen, ihm die Hinterbeine fest und vereinigt zu machen, bis dass die Vorderbeine wieder auf der Spur und dem Kreis der gewechselten Volte aufsetzen. Ist es aber frei und genau auf jeder Hand, und wenn es gut die Aufforderung des Sporns und der Waden versteht, ist die erste Art zu wechseln, wie ich erklären werde, die perfektere: weil sie den Pferdekörper gerade erhält, und es weniger den Kreis vernachlässigen lässt.

Während der Handwechsel ausgeführt wird, soll der Kunstreiter drei Dinge beachten: Ob das Pferd seine erste Lektion macht (sei es als Passege oder in einer erhobenen Air) mit dem Mut und dem Kopf: soll heißen, durch Sehen auf die Spur, ohne die freie Bewegung der Schultern zurückzuhalten, oder den Hals zu biegen; zweitens, dass es nicht vom Kreis der Volte abkommt beim Nachgeben der Hand im Handwechsel, damit man es nicht häufiger als an drei Zeitpunkten auf die so gebogene Spur zurückrichten muss. Drittens, dass es sich nicht einengt oder in irgendeiner Weise den Takt seiner Air ändert und dass es alles so macht, dass die Volten in allen Proportionen gleich sind, und dass es alle Wiederholungen ganz gleich ausführt.

Wenn das Pferd frei ist und ganz ruhig bei diesen Regeln, kann der Kunstreiter dann gelegentlich die Manege variieren, sei es beim Handwechsel auf jeder Volte, oder durch die Demi-Volte in der Demi-Volte, oder geradeaus, in der Art der sehr kurzen Passaden, oder in Schlangenlinien, je nach dem, wie er Können und Gehorsam des Pferdes fühlt, und deshalb habe ich hiervor gesagt, dass er es niemals zweimal hintereinander an derselben Stelle anhalten darf, während er auf der Schule ist, außer wenn es irgendwann einmal nötig scheint: sei es vor einer hochgestellten Person oder in Gegenwart von Damen oder anderen Respektspersonen; dann möchte ich, dass der Beginn und das Ende jeder dieser Lektionen geradeaus oder aber zur Seite derer, die am meisten geehrt werden sollen, gemacht werden; so dass diese besser den Anmut und das Gesicht des Kunstreiters und auch des Pferdes sehen können, und, wenn machbar, mit der rechten Seite.

 

So wie die Perfektion der Air der Courbetten im Geradeaus als auch auf den Volten hauptsächlich aus der Leichtigkeit der Pesaden kommt, hängt die der Croupaden an diesen selben Regeln, außer, dass man den Umfang der Volte ein wenig größer hält, um weniger die Lebhaftigkeit und Losgelassenheit des Pferdes zu verringern, und die Aktion der Schultern weniger hoch zu erhalten, sodass die Kruppe freier, und dadurch besser und lockerer, die Air und die Manege gleichermaßen begleitet.

Denn die Croupaden sind anders als die Courbetten, derart, dass sie eine mehr erhobene Kruppe haben und deshalb Schläge in einem muntereren und mehr abwartenden Takt haben. Deshalb soll der Kunstreiter das Pferd gelegentlich das Gertenende am Gesäß spüren lassen, um ihm die Kruppe

bei sich zu halten, ihm ein bisschen weniger die Vorhand unterstützen, und er soll außerdem den Takt seiner Waden etwas weniger eilig und vorwärts halten, als in den Courbetten, im Allgemeinen nah genug am Pferd.

Allemal möchte ich, dass bei den Hilfen, die man mit der Wade gibt, oder mit dem Sporn, die Ferse nicht weiter nach hinten kommt als ungefähr vier Finger hinter dem hinteren Sattelgurt (außer manchmal um das Pferd zu rügen und zu treiben, wenn es sich zurückhält oder sich einengt); denn dies ist der wahre Ort, an dem der Sporn die Hilfe für alle munteren und schönen Airs gibt, wie ich es besser an einer anderen Stelle erklären werde. Und wenn der Kunstreiter die Volten und die Air der Croupaden anpassen und verfeinern möchte, beachtet er bei dem gesamten Rest die vorbeschriebenen Regeln und und Proportionen, und nutzt eine feste und zischende Gerte, wodurch sich das Pferd ganz sicher sehr viel vergnügter hebt. Allerdings ist es häufig der Fall, dass die Pferde, welche die Schläge der Courbetten eng und sauber ausführen, die Air der Croupaden nicht gut erlernen können.

Die Pferde, von denen ich erwarte, dass man sie zu den Croupaden bringt, müssen ein gutes Maul haben mit ruhiger Anlehnung und eine natürliche Veranlagung zu Kraft und Leichtigkeit: aber wenn der Kunstreiter glaubt, durch die Macht der Lektion und durch Spornstöße und die Gerte, eine neue Kraft und einer ausreichende Munterkeit erzeugen zu können, damit es die Manege der Croupaden auszuhalten und in ihr für lange Zeit gehalten werden kann, findet er sich am Ende im Irrtum: denn es ist eine mittlere Air und eine, die viel vorsichtiger als alle anderen ausgeführt werden muss, aufgebaut auf einer lockeren und energischen Grundlage und vereint mit einem guten Naturell. Die Italiener nennen diese Air auch Agropato, das heißt Knoten, und bedeutet deshalb kräftig, vereint und energisch zusammen.

Ich befürworte die Schule derer, die, um das Pferd in den vorgenannten Airs auf die Volten zu bringen, die ersten, gewöhnlichen Übungen im Geradeaus machen möchten, und dabei an jedem Ende der Passade jedes Mal eine Demi-Volte üben, beim Beginn und genauso am Ende, an den normalen und festgelegten Stellen, auf der geraden Linie, die die Demi-Volten trennt; und nachdem sie diese Demi-Volte geübt und verbessert haben, eine andere hinzufügen, um die Volte ganz zu machen, und sie dadurch zur Demi-Volte in der Demi-Volte zu steigern, und sie bis zur Perfektion verkleinern, je nach Kapazität des Pferdes, wie ich vorher erklärt habe. Diese Reihenfolge ist sehr schön, und wenn sie gut gemacht wird, gibt sie dem Reiter Anmut, und der Stil ist vorteilhaft und sehr nötig, um die Schüler zu verbessern, die schon geübt und in der Lage sind, die ersten Proportionen der Genauigkeit der Volten zu verstehen, und auch, dass jene Regeln insgesamt begrenzt sind.

Aber um in kürzerer Zeit behutsam Kraft und Losgelassenheit des Pferdes zu erzielen, und es gehorsam zu machen, als durch die Mittel der Kunst, so wie sie sein sollten, werden zweifellos die letzteren Lektionen, wie ich es erklären werde, sehr fehlerhaft, wenn der Kunstreiter nicht vorausdenkt. Der Grund ist leicht genug zu erklären, denn die Erfahrung lehrt, dass das Pferd sich die Stelle merkt, an der es die Demi-Volte oder die ganze Volte beenden soll, und es dann gewöhnlich versucht, sich mehrfach zu entziehen, oder dem Platz; häufig an der Stelle, wo es das Ende erwartet, als dort, wo man es möchte; und es ist schlecht, wenn der Kunstreiter es am Vorteil wenden möchte, weil dies häufig das Pferd dazu bringt, an dieser bekannten Stelle anhalten zu wollen. Wenn es aber im Gegenteil nicht weiß, wann und wo es die Figur dieser Lektionen beginnen oder beenden soll, wird es gut gehorchen, und wird deshalb viel besser und länger seine Veranlagung und seine Kraft einsetzen. Wahr ist allerdings, wenn man in diesen Lektionen achtlos und unersättlich ist, das Pferd sich leicht fürchten und die Freude verlieren kann. Deshalb empfehle ich diese Regeln nur für diejenigen, die sich gut helfen können mit guter Praxis und gesundem Verstand.