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Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald

Terminologie


Jeder Übersetzer muss sich ständig entscheiden, welche der vielen Wortbedeutungen an der jeweiligen Textstelle benutzt werden soll, denn eine Übersetzung kann niemals den vollen Bedeutungsumfang eines Wortes wiedergeben. Ich habe mich entschlossen, folgende Begriffe zu verwenden:

1. das Wort"entier"habe ich für das Versteifen des Pferdes, (meist) auf seiner "schlechten" Seite, als neuen Begriff in die akademische Reitkunst eingeführt; es bedeutet im Französischen z.B. "ganz", "fest", "steif", etc. Man könnte zwar für "das Pferd wird entier" auch das deutsche "das Pferd macht sich fest" verwenden, da Letzteres aber aktiv ist, und deshalb als "Schuld" oder "Böswilligkeit" des Pferdes angesehen werden könnte, im Frz. dagegen passiv ist, habe ich das Wort "entier" unübersetzt beibehalten.

2. das Wort "serrer" habe ich mit"einengen"übersetzt, auch als neuen Begriff. Es hat die Bedeutungen: "pressen, zusammenschnüren, einklemmen, einschnüren, etc." La Broue benutz es häufig, um das Gegenteil von entier zu bezeichnen, eine (häufig starke) Biegung der "guten" Seite des Pferdes. Man könnte es auch mit "zusammenziehen" übersetzen, dieser Begriff wird allerdings häufig für das Zusammenziehen der Unterlinie oder der Oberlinie des Pferdes verwendet, und so halte ich das neue "einengen" für präziser. Bei La Broue ist dies nicht selten ein unerwünschtes  Überbiegen als Vermeidungshaltung des Pferdes.

3. das Wort "acculer" bedeutet das Zurückweichen der Kruppe in Richtung des Zentrums der Volte/Demi-Volte (auch "Zurückkriechen"), was die Lektion in sich zusammenfallen lässt, ich habe deshalb "accülieren" als neues Wort für die akademische Reitkunst vorgeschlagen.

4. "Légèreté" habe ich nicht im Original beibehalten, da "leger" im Deutschen eher "lässig" bedeutet, sondern mi "Lockerheit"übersetzt, dies klingt zwar steif, trifft den Sinn aber meist besser.

5. "Facilité" übersetze ich meist mit "Leichtigkeit", es bedeutet auch "Mühelosigkeit, Ungezwungenheit".

6. "Chastiment" übersetze ich meist mit dem Wort "Rüge": eine Rüge erfolgt meist sofort und dient der Korrektur, eine Strafe dagegen hat bei vielen Reitern auch Rachecharakter, und Rache und Vergeltung haben in der Erziehung  nichts zu suchen. Ich denke, Rüge trifft den Sinn La Broues genauer, da er immer die weichsten und die am wenigsten das Pferd verstörenden Mittel bevorzugte.

7. „coucher sur le volte“ (wörtlich „in die Volte lehnen“) habe ich mit „nach außen gebogen“ übersetzt.

8. "redoublieren" heißt: "vielfach hintereinander wiederholen, ohne den Platz zu wechseln".

9. Das Wort „Pesade“ habe ich belassen, merke aber an, dass La Broue es in seinem ursprünglichen Sinn: „Setzen“ auf die Hanken, also Anheben der Vorhand mit gebeugten Hanken benutzte: heute bedeutet es dagegen ein Erheben auf gestreckten, geraden Hinterbeinen, was damals mit „cabrer“ = Steigen oder mit „faire des ponts-levis“ = „Zugbrücken machen“ bezeichnet wurde.

10. Aufgrund der großen Bedeutung des Pferdes für den Menschen wurde von den damaligen Reitern nicht das Wort "gueule" = Maul benutzt wie bei allen anderen Tierarten, sondern das Wort "bouche" = Mund, welches sonst nur für den Menschen reserviert ist.






 

Band II, Kapitel 25

 

Andere Regeln für die Volten, passend für nervöse und lebhafte Pferde, die eine Anlehnung an die ganze Hand haben


Die Lektionen, über die ich nun sprechen werde, können, wenn ihr passender Zeitpunkt gut eingehalten wird, viel Nutzen bringen bei den Pferden, die dazu geboren sind, in Manegen der erhobenen und redoublierten Volten zu glänzen, und besonders bei denen, die die die Natur sehr empfindlich und locker an der Hand gemacht hat und die, weil sie weniger Kraft und Geduld als Lockerheit haben, sehr den Zwang der sehr engen Regeln fürchten. Und für diese werden die besagten Lektionen begonnen auf einer anfangs fast ovalen Bahnfigur, die nach und nach immer mehr zu einem Kreis wird, ohne dass das Pferd Anlass bekommt oder gezwungen ist, seine Bewegungen sehr zusammen zu nehmen und zurückzuhalten, um eine Viertel- oder eine Demi-Volte zu bilden, sondern es im Gegenteil die Möglichkeit hat, sich normalerweise in einer vorwärts gehenden Aktion anzupassen, und ebenso die Anlehnung seines Maules zu stärken, falls diese schwach ist. Überhaupt, wenn das Pferd eine genügend solide Kraft besitzt, eine Anlehnung an die ganze Hand und die Fähigkeit, lebhaft im Trab oder Galopp zu wenden, gleich gut auf jeder Hand (aber trotzdem geneigter ist, die Kruppe eher aus der Volte zu bringen, als sich einzuengen und zurückzuhalten), beginnt der Kunstreiter es anzupassen und die Mittel zu suchen, um es eine Demi-Volte im Schritt ausführen zu lassen, und sich mittelstark auf den Hanken zu versammeln auf der unten gezeigten Bahnfigur.




Je nach den Schwierigkeiten des Pferdes auf dieser ersten Proportion muss man die Mittel anwenden, die ich vorher hauptsächlich bei den Regeln der Passaden erläutert und gezeichnet habe; vor allem wenn es schon einen ruhigen Kopf hat, und wenn es durch Hand und Schenkel des Reiters frei rückwärts und seitwärts geht, und wenn es von Natur aus geduldig und zaghaft ist, kann man es gelegentlich mit wenig Künstlichkeit nur durch stetes Vorwärtshalten und Drehen der Zügelfaust bewegen, in einer Weise, die das Pferd daran hindert (besonders durch die Unterordnung von äußerer Kappzaumleine oder Zügel), sich einzuengen, oder zu eilen, oder zu weit vor zu gehen, oder Kopf oder Schulter zu sehr zur Seite zu biegen, und hält dadurch die Kruppe in ihrer korrekten Stellung. Abhängig davon muss man es durch die normalen Rügen des Steigbügels, des Sporns oder der Gerte, mit Kunst und Beurteilung angewendet, treiben auf der Seite, auf der es sich einengt, entier wird oder zu der es ausfällt.

Hat das Pferd diese Demi-Volte im Schritt ausgeführt, muss man es ein wenig geradeaus vorwärts gehen lassen, um es dann auf derselben Hand eine weitere, gleiche auf einer Spur ausführen lassen, mit seinem Kopf zu der Seite gestellt, auf der es die erste begonnen hatte, und danach lässt man von Neuem wieder vorwärts gehen auf der korrekten Spur, an derselben Stelle, oder, falls nötig, früher wenden, oder weiter entfernt. Denn je mehr es auf die Schultern fällt und auf die Anlehnung des Gebisses oder des Kappzaumes, desto weniger soll man es nach dem Schließen der Demi-Volte vorwärts gehen lassen; wenn es sich aber zu sehr einengt und zurückhält, muss man es lebhaft vorwärts gehen lassen, und es so durch die gute Anwendung dieser Mittel und die erforderliche Zeit in den Zustand des Gehorsams bringen, in dem es seine Kräfte und seinen Mut einsetzen soll.

 



 

A erste Demi-Volte, wie oben erklärt

B zweite Demi-Volte


Beim Trainieren dieser ersten Korrektheit im Schritt auf jeder Hand, von Demi-Volte zu Demi-Volte, muss man langsam die Linie und den Abstand der Demi-Volten mit Umsicht und Geduld verkürzen, und so nach und nach den Kern der ganzen, perfekten Demi-Volte erzielen.



 

Für all diese Proportionen werde ich nicht gesondert alle Bewegungen des Pferdes für diese Teile oder Zeiten erneut aufzählen, und auch nicht, wie dazu die entsprechenden Hilfen, Signale und Rügen mit Stimme, Zunge, Schenkeln, Steigbügel, Sporn und Gerte gegeben werden sollen, noch die Gelegenheiten, bei denen man es loben, drohen, aufwecken, touchieren oder streicheln soll, weil die Lektionen dieses zweiten Bandes nicht von groben und in dieser Kunst schlecht ausgebildeten Reitern ausgeführt werden sollen.

Nachdem das Pferd den Gehorsam auf dieser besagten Volte im Schritt verstanden hat, und um es passegieren zu lassen, mit einem korrektem Redoublieren mehrmals auf jeder Hand, ohne Ungestüm oder Stätigkeit, lässt man es sie wieder mit einer gerade Linie halbieren, die die Demi-Volten trennt wie die vorhergegangenen, um eine Möglichkeit zu haben, auf diesen Demi-Volten die Air der Manege, die zu seiner Verfassung passt, zu beginnen und zu festigen, und in der es schon einige Anfänge gemacht haben muss, so dass es wenigstens drei oder vier Schläge geradeaus halbwegs gut hintereinander macht, und ihm erneut bekannt machen die erste, o.g. Regel im Schritt, nach folgendem Design:



 

Hat es so ein- oder zweimal diese Spur im kräftigen und zusammengenommenen Schulschritt ausgeführt (mit zusammengenommen meine ich, dass das Pferd eine Anlehnung an die ganze Hand nimmt und überhaupt nicht störrisch ist, sodass diese Regel passend ist, wie ich am Beginn sagte), muss man den vorhergehenden Stil beachten mit einigen im Schritt begonnen und bis zur Mitte weitergeführten Demi-Volten, die dann beendet und geschlossen werden mit zwei oder drei Schlägen in der Air, wenn das Pferd sich zu präsentieren und zu erheben beginnt.



 

Nebenbei möchte ich anmerken, dass man es nicht ungewöhnlich finden sollte, wenn man bei den meisten dieser korrekten Lektionen als Fundament der Airs diese lieber zunächst beim Schließen der Demi-Volten und nicht bei deren Anfang beginnen soll. Denn wird die erhobene Aktion gut beachtet, wird es eine sorgfältigere, wenn das erste Viertel ausschließlich im Schritt ausgeführt wird, und zwar hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens beginnt das Pferd seine Air leichter und freier, wenn es in dieser Weise auf dem Kreis der Demi-Volte geht und sich nah an ihrem Ende befindet. Und zweitens, weil es die Demi-Volte viel ordentlicher und leichter schließen kann, wenn es sanft angekommen ist an der Stelle, an der man es erheben möchte, und ohne dass sich die Hinterfüße von ihrem korrekten Ort entfernt haben.

Zweifellos hat das Pferd Schwierigkeiten, diese erste Lektion auszuführen, bis es sie verstanden hat; deshalb muss man Geduld haben bei jedem Mal, wenn es Fehler macht und es nach einigen Schritte geradeaus und auf der geraden Linie mit einer korrekten Passege zu versammeln, bis zum Buchstaben D, den man auf der nachfolgenden Skizze sieht und der demonstrieren soll, dass die Korrektheit sorgfältig beachtet werden muss bei diesen Wiederholungen, wie in der Hauptlektion, wenn das Pferd auf jeder Hand gleich frei ist.



 

Ist es korrekt angekommen auf D, lässt man es erneut geradeaus vorwärts gehen auf der geraden Linie, um es besonnen seine Demi-Volte wieder beginnen zu lassen, nämlich im Schritt bis zum Punkt B, und lässt es danach wieder seine Air aufnehmen und die Demi-Volte schließen, und kommt so bei C an, um wieder zu beginnen und weiter zu machen mit der selben Regel, ebenso viele Male wie es schlecht reagiert auf die korrekten Proportionen dieser Demi-Volte; und falls es so ablehnend, empfindlich und von cholerischem Gemüt ist, dass es, anstatt diese Lektionen zu verstehen und ihnen frei zuzustimmen, erschrickt und verwirrt reagiert, oder wenn es in ein extremes Ungestüm verfällt, lässt man es sacht einen Schritt zwischen zwei Schlägen machen, und erzielt so das zweite Viertel auf dem Buchstaben C, wobei man ihm mit der Stimme schmeichelt und mit der rechten Hand am Hals, und so mit der Zeit diese Schritte einer nach dem anderen wieder reduziert werden und das zweite Viertel sauber und korrekt ausgeführt in der Air erscheint. Denn ist sie in dieser Weise gut ausgeführt und beendet, muss man danach zum gleichen Zeitpunkt ohne Intervall normalerweise zwei oder drei Schläge geradeaus vorwärts auf der Linie machen, und zwar wenn das Pferd locker reagiert; oder aber auf der Stelle, falls es zu sehr auf die Anlehnung der Hand fällt. Dann streichelt man es je nach dem Gehorsam, den es gezeigt hat, damit es durch dieses Beruhigen und Loben die Zufriedenheit des Reiters spürt. Danach lässt man es wieder auf der geraden Linie angehen, um eine andere Demi-Volte auf derselben Hand auszuführen, ganz genauso, wie es hier skizziert ist.



 

Falls das Pferd bei dieser weiteren Demi-Volte anfangs einige Fehler macht weil es verwirrt ist, rügt man es sacht, je nachdem welcher Fehler es war, und nachdem es einige Schritte vorwärts auf der geraden Linie gemacht hat, bringt man es jedes Mal wieder zurück in eine andere korrekte Demi-Volte im Schritt, um es seinen Fehler reparieren zu lassen, genauso wie ich es bei der vorherigen Demi-Volte erklärt habe, die hier erneut skizziert ist.

 


A gerade Linie, die die Demi-Volten dieser Lektion trennt

B Piste der Vorderfüße im Schritt bis C

C Piste der Vorderfüße bei Beginn der erhobenen Air

D Piste der Vorderfüße durch die Schläge in der erhobenen Air bis E

F Piste der Hinterfüße in der genannten Passege

G Piste der Hinterfüße, die die erhobene Air begleiten, bis H

I Piste der Vorderfüße beim Ausführen der Retour bis K, um die Haupt-Demi-Volte wieder aufzunehmen

L Piste der Hinterfüße bei der Begleitung dieser Retour bis M


In all diesen Anfängen der Air und der Korrektheit muss der Kunstreiter durch die Leichtigkeit seiner Bewegungen den Mut und die Aktion des Pferdes in der Art verwalten, dass es fast von selbst die Air seiner Schläge aufnimmt, welche man es niedrig mit wenig Hilfe beginnen lassen soll, und danach die folgenden Schläge wieder nach und nach erheben, und es normalerweise vorwärts auf dem richtigen und allgemeinen Kreis halten, und bei alldem verhindern, dass es zu hastig wird oder die Vorhand oder die Hinterhand verliert, welches die gewöhnlichen Fehler sind, die man bei diesen Regeln der Korrektheit vermeiden muss. Denn wenn man es so genau auf der Stelle, auf der es soll oder wo man möchte, dass es sich zuerst erhebt, bei all diesen ersten Takten hält und zusammen nimmt, zum formen des ersten Schlages seiner Air, als sei es schon daran gewöhnt und sicher, hält ihm dies seine Kräfte zu sehr zurück und engt es ein, oder behindert es zumindest, frei zu wenden, mit der Gefahr es entier oder störrisch werden zu lassen.

Ich sage noch einmal, dass man, wenn das Pferd diese Proportionen mit einem schlechtem Schließen der Demi-Volten verfälscht, sein Naturell gut beurteilen muss, bevor man es rügt, vor allem bei diesen engen, feinen Lektionen; denn falls es sehr ablehnend, empfindlich und ängstlich ist, und es wegen des Ausfallens seiner Hinterhand aus der Spur beim Schließen der Demi-Volte häufig rabiate Rügen erhält, sei es mit dem Sporn, der Gerte, dem Kappzaum, oder allen dreien zugleich, an der Seite zu der es den Fehler begeht, kann die Furcht davor, stark geschlagen zu werden, es beim Annähern an die Stelle, an der die Demi-Volte beendet werden soll, oder wo es gewohnt ist diese rabiaten Rügen zu erhalten, derart ergreifen, dass es seine Air unterbricht und sie vorausnimmt, es sich zu plötzlich einengt oder zum Ausweichen die Kruppe so sehr nach innen bringt, dass es gezwungen ist, die Volte zu schließen, indem es mit einer zu weiten Vorhand geht, fast seitwärts, so als sei es entier.

Und falls es ungeduldig ist und von sehr cholerischem und hitzigem Gemüt, kann dasselbe Rügen mit extremer Gewalt für den besagten Fehler es auch verwirrt oder verzweifelt zur Abwehr oder Flucht bringen: deshalb ist es manchmal besser, ihm einige Fehler zu gestatten (ich meine, bevor es diese Regeln der Geduld und des Gedächtnisses verstanden hat), und auch vorausgesetzt, dass, wenn es eine Sache schlecht macht, es einige andere gut macht, die nützlich sind für die gute Ordnung der Schule. Denn zweifellos werden die Gewohnheit der korrekten vorausgegangenen Lektionen im Schritt und die mittleren Hilfen und Rügen, wenn sie wohl bemessen, mit Bedacht, und zur richtigen Zeit gegeben werden, ausreichen, um es leicht und gehorsam werden zu lassen, und selbst wenn dies nicht so bald geschieht, wie es der ungeduldige Kunstreiter wünscht, es sich so wenigstens erhält in seiner Neigung, seinem Mut und es anpasst, welches das richtige Mittel ist, die Übung perfekter werden zu lassen. Weil das so ist, sieht man gewöhnlich, dass die Pferde, die die schönsten Airs ausführen und die sehr lange Zeit in der guten Schule dienen, diejenigen sind, die weniger durch Gewalt zur Ordnung ihrer guten Lektionen gezwungen wurden, und die deshalb nicht häufig erschreckt, abgestoßen oder verzweifelt waren; denn am Ende muss die Feinheit und Perfektion aller lebhaften Airs, ebenso wie der Gehorsam, aus der Freude des Pferdeherzens entstehen.

Um zu verhindern, dass der Zwang und die Unterordnung zu lang andauern in dieser Schule, und im Mut des Pferdes verschiedenste Mutationen herbeiführen, die Feinde der nötigen Fähigkeit in den guten Manegen sind, und auch damit es nicht abgestoßen wird, rate ich, dass man durch außergewöhnliche und verschiedenartige Ritte besagte Demi-Volten trennt mit einer geraden Linie (in der Länge gleich den Passaden), die unten skizziert ist; denn auf dieser Strecke kann man dem Pferd verschiedene Laster vertreiben: sei es, indem man es in den ruhigen Schritt geradeaus vorwärts bringt, falls es von einer zu starken Unruhe erfasst wurde; oder mit Durchparieren und Zurücknehmen auf dieser Linie oder mit Rückwärtsrichten, falls es sich auf die Hand legt oder zieht: oder durch entschlossenes Vorwärts treiben, falls es störrisch ist oder niederträchtig wird.

Einige glauben vielleicht, dass ich möchte, dass man immer die sanftesten Mittel bei allen Arten von Pferden anwendet, welche Dinge diese auch tun: aber so wie es nötig ist, möchte ich vielmehr, dass man es lobt, wenn der Zeitpunkt zur Sanftheit da ist, und dass man es mit gutem Effekt rügt, wenn es dies verdient hat, vorausgesetzt, dies geschieht mit Vernunft, nämlich entsprechend den Fehlern, die es gemacht hat, und nur, wenn es in der Lage ist, durch sein Wesen und seinen Verstand die Effekte der guten Rügen oder des Lobens zu verstehen, sonst aber nicht. Ich empfehle die Ausübung dieser Regeln außerdem nur einem Kunstreiter, der dazu fähig ist.


[...]


Zurückkehrend zur Ordnung unserer Regeln: sobald das Pferd gut die beschriebenen Demi-Volten beginnen und korrekt durchführen kann, in einem gleichmäßigen Schritt auf dem ersten Viertel, und seiner Air weitermacht auf dem zweiten, muss man die Schläge mit der Zeit vermehren, einen nach dem anderen, je nachdem wie es diese Lektionen behält und trainiert, und gewinnt durch dieses Mittel nach und nach im Schritt des ersten Viertels, und ebenso beim Verringern der anderen Schritte geradeaus auf der Linie, einen nach dem anderen, bis die beiden Demi-Volten sich vereinen und zusammen ausgeführt werden, und diese ganze Volte ohne Unterbrechung oder Fehler ausgeführt wird.



 

Wenn sich das Pferd beim Ausführen dieser Lektionen verhärtet oder die Anlehnung an die Hand aufgibt, möchte ich, anstatt wie ich schon sagte, dass man es nach der Vollendung in einer guten Air und einem lockeren Schließen der Demi-Volte im Schritt vorwärts gehen lasse, zum Wiederbeginn einer weiteren, gleichen, dass man es im Gegenteil auf der geraden Linie rückwärts gehen lässt, sobald es auf dieser angekommen ist und es den letzten Takt seiner Air gemacht hat, um es durch dieses Mittel in eine sehr lockere und zurückhaltende Haltung zurückzubringen; und es ein wenig stehen lässt auf dieser Stelle, wenn es den letzten Schritt im Rückwärts gemacht hat; dann lässt man es erneut normalerweise einen weiteren Schritt leicht und aufmerksam vorwärts angehen auf der Linie, um sehr leicht die folgende Demi-Volte zu beginnen und fortzuführen, und danach in derselben Ordnung den Rest der Lektion, gemäß der nächsten Skizze, was es zweifellos versammelt und erhebt und die Anlehnung an die Hand befreit von dem Überfluss, der dem Ungestüm und oder der Schwere vorausgehen kann.


 

A Linie zum Rückwärtsrichten bis die Hinterfüße auf B angekommen sind


Um diese Lektion besser zu erklären: das Pferd soll gerade auf der Linie sein, schon fast an deren Ende: beim Ankommen der Vorderfüße auf A lässt man es wieder vorangehen, normalerweise im Schritt, um darin die Tour der Demi-Volte zu beginnen, welche korrekt beendet werden soll auf B, gemäß der nächsten Skizze.



 

Und wenn man ein Pferd, das vor allem beim Schließen dieser Demi-Volte eine zu starke Anlehnung an die Hand hat, im Schritt rückwärts gehen lässt auf der geraden Linie, wenn es sich auf die Hand legt oder zieht, hält man es an und gibt ihm die Zügel nach, sobald die Hinterfüße A passiert haben

im Rückwärtsgehen, nach der folgenden Skizze, und die Vorderfüße auf A angekommen sind; danach lässt man es wieder ein wenig auf der Linie vorwärts gehen, um die andere Demi-Volte genauso auszuführen, auf derselben Hand auf C.


 

D Erste Demi-Volte auf der rechten Hand

E Linie zum Rückwärtsrichten

F Piste der anderen Demi-Volte auf derselben Hand

Um nach dieser Regel weiterzumachen, muss man das Pferd wieder rückwärtsrichten auf der geraden Linie in dieser Skizze, bis die Vorderfüße auf A angekommen sind, oder weiter oder kürzer, je nachdem wie es den Effekt dieser Lektion versteht, und beginnt wieder die erste Demi-Volte, die auf B beendet wird; und folgt man diesem Stil auf beiden Händen, wird das Pferd gelehrig, gehorsam und locker, vorausgesetzt es war vorher gut gelöst und entschlossen in der engen, redoublierten Manege im Terre-A-Terre oder im Galopp: andernfalls könnte diese Unterordnung zum Bezwingen seiner Kräfte seine Leichtigkeit beim Wenden verhindern und es vielleicht in kurzer Zeit entier werden lassen.

Genauso so wie ich erklärte in den vorigen Regeln, dass zum Zusammenführen der beiden Spuren der Demi-Volten, ohne das Gedächtnis oder die Kraft des Pferdes, das gut an der Hand ist, zu beunruhigen, man geduldig die Schritte geradeaus vorwärts verringern muss, nachdem die besagten Demi-Volten gut ausgeführt und geschlossen wurden. Ich möchte auch, dass in dem Maße, wie das Pferd, das eine zu starke Anlehnung hatte, beim Training dieser Lektionen leichter wird, man es jedes Mal weniger rückwärts gehen lässt auf der Linie, damit man durch dieses Mittel nach und nach diese getrennten Demi-Volten annähern kann und sie schließlich in eine ganze Volte verwandelt.


Für die rechte Hand

 
 


 
 

A Linie zum Rückwärtsrichten

B erste Demi-Volte beendet mit den Vorderfüßen auf C

D zweite Demi-Volte, beendet mit den Händen auf E

F erzielte ganze Volte

Um Verwirrung zu vermeiden, sind die Pisten der Hinterfüße hier nicht dargestellt auf den Demi-Volten.


Hat es diese Volte neu erlernt, soll man beim Beenden und Schließen eine gute Ordnung der Schule einhalten, wie ich schon andernorts sagte, nämlich durch Angehen des Pferdes auf der Linie, wenn es störrisch und sein Maul von schwacher Anlehnung ist; oder durch Zurückhalten auf dem Kreis seiner Hufspur, wenn die Anlehnung seines Maules gemäßigt ist; oder durch sehr untergeordnetes Zurückhalten und Rückwärts richten, wenn das Ungestüm, das Schwer werden oder die Mattigkeit das Pferd belädt und verhärtet auf den Schultern und auf dem Gebiss.

Um diese Volte zu redoublieren, ohne das Pferd zu erschrecken oder zu überraschen, kann es dazu vielleicht besser sein, wenn es sie nicht schon verstanden hat, dass man es an der Stelle, an der es bei den oben genannten Anlässen voran oder zurück getrieben oder zurückgehalten wurde, eine andere Volte danach wiederholen lässt, die mit Geduld zusammengesetzt wird, sehr leicht im Schritt und in den Schlägen seiner Air gemischt, ohne die korrekten Proportionen des Bodens zu verlassen, wie es hier dargestellt ist.


A Linie zum Vorwärtsgehen des Pferdes bis die Vorderfüße auf B ankommen.

B wenn es die Volte verengt oder beim Ausführen zurückhält; aber auch, um es rückwärts zurichten, bis die Hinterfüße auf C ankommen

C wenn es auf der Volte sich auf die Hand legt oder zieht.

D erste Volte dieser Lektionen


Wenn das Pferd diese zweite Volte erlernt hat, und wenn es geneigt ist, sie gut auszuführen, verringert man in einer guten Ordnung die Zeit, das Streicheln und den Schritt, die man im Geradeaus gemacht hatte, sei es im Vorwärts oder im Rückwärts, zwischen dem Ende der einen und dem Beginn der anderen Volte, und verringert mit demselben Mittel auch die anderen Schritte dazwischen beim Wenden und vermehrt infolgedessen die Schläge der Air auf dieser zweiten Volte, die man so (mit der nötigen Zeit) gleich wie die erste erzielt, und schließlich mit dieser vereinigt, ohne den gleichmäßigen Takt der ganzen Air zu unterbrechen.



 

Und weil es unter denen, die sich einmischen in das Üben dieser Lektion es niemanden gibt, der nicht glaubt genau zu wissen, dass man ein Pferd rückwärtsrichten muss, das eine zu starke Anlehnung hat, und jenes vorwärts treiben muss, das sich zurückhält und einengt, rate ich ihnen generell, dass dies kein ausreichendes Mittel gegen die Schwere oder Härte ist, oder für eine ausreichende Verbesserung einer zu stark zurückgehaltenen Aktion. Deshalb stelle ich hier eine Regel als Maxime auf: diese ist, dass man bei der Arbeit mit einem Pferd, das sich auf die Hand legt oder an ihr zieht während es die Schläge einer Air oder erhobenen Manege ausführt, man dabei nicht zu sehr an den Zügeln ziehen und nicht nur zum Rückwärtsrichten greifen darf: denn wenn diese Anstrengung der Hand zu stark beibehalten wird, kann das eine sehr große Härte im Maul hervorrufen. Deshalb muss man subtil das Wiederherunterkommen auseinandergefallener oder zu stark angelehnter Schläge mit einer steten Stützung des Gebisses oder des Kappzaumes empfangen und genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorderfüße auf den Boden setzt, ein wenig die Hand nachgeben. Dieses Stützen soll nur von dem jeweils nötigen Zwang oder Strenge begleitet werden, je nach dem wie das Pferd die Anlehnung beschwert oder verhärtet und nicht verbessert: durch dieses Mittel fällt es weniger auf die Anlehnung des Gebisses und des Kappzaumes, und manchmal sogar überhaupt nicht beim Arbeiten.

Und falls es sich einengt, reicht es es nicht aus, ihm nur die Freiheit von der Hand zu geben, um es vorwärts gehen zu lassen: denn falls der gleichmäßige Takt seiner Manege unterbrochen ist, oder die ruhige Haltung des Kopfes verloren gegangen ist, muss die Aktion des Pferdes im selben Moment und selben Takt direkt gegen die Anlehnung der Hand getrieben werden durch starken, korrekte Beinbewegungen des Reiters.

Um all diese Regeln und Korrektheiten verständlicher zu machen, habe ich bis hierher nicht völlig den Unterschied erklärt, den es gibt zwischen den Volten im Schritt und denen in den erhobenen Airs, und aufgrund dessen könnten viele schon denken, dass das Pferd meiner Absicht nach unterschiedslos in der einen wie der anderen Volte die Ordnung dieser allgemeinen Figur beachten solle.



 

Aber dies ist nicht möglich, ebenso wie es für das Pferd unmöglich ist, seine erhobene Air zu bilden, ohne sich viel mehr zu versammeln als in seiner natürlichen Haltung, weil die Aktion hierbei eine Beizäumung und Versammlung auf den Hanken ist. Deshalb müssen notwendigerweise die Hinterfüße nach vorn kommen, und ihre Kreisspur gegenüber der im Schritt vergrößern, oder die Vorderfüße zurückkommen und so ihren Kreis der Passege verkleinern, oder aber die Vorder- und auch die Hinterfüße gleichmäßig zusammenarbeiten bei diesem generellen Versammeln; diese Unterschiede müssen sorgfältig beachtet werden, wenn man das Pferd in seine Air bringt: nämlich, wenn es sich von selbst zurückhält oder einengt, gibt der Kunstreiter die erste Ankündigung und Bewegung seiner Hilfen mit den Beinen, damit durch dieses Mittel die Vorderbeine ihre Spur beibehalten (während der erhobenen Manege), die vorher in der Passege als Kreis gebildet wurde. Wenn es aber dazu neigt, diese zu vergrößern oder auf die Schultern zu fallen, oder auf die Anlehnung des Maules, muss die erste Bewegung des Kunstreiters zum Erheben der Manege im Gegenteil mit Unterordnung und Beihilfe durch die Zügelhand erfolgen, sodass die Hinterbeine ihre Spur einhalten, so wie sie vorher bestimmt wurde durch die korrekte Passege. Wenn aber das Pferd gehorsam ist, und falls es eine starke Neigung hat, und trotzdem temperiert, kann der Kunstreiter es gleichmäßig zusammennehmen, sowohl vorne als auch hinten, durch die normalen, gleichzeitigen Bewegungen der Hand und des Beines, um ihm seine Air und seine Manege auf derselben Stelle zu verbessern; falls es dagegen locker und gut an der Hand ist, verschafft es ihm mehr Lebhaftigkeit und Neigung, wenn es beim Aufnehmen seiner Air im Allgemeinen nach vorn gebracht wird außerhalb der Spur der Vorderfüße in der Passege.

Außerdem, wenn das Pferd die Volte passegiert, wird seine Aktion stets unterhalten durch einen Vorderfuß und einen Hinterfuß fest auf dem Boden, während die anderen beiden in der Luft sind; derart, dass durch dieses Mittel die Spur der Vorhand und die der Hinterhand, gleichzeitig gezogen werden. Wenn es sich aber in seine Air erhebt, vorgehend in der Volte, ändert es alle seine Bewegungen: denn die beiden Vorderbeine erheben sich zuerst, während, wenn sie herunterkommen, sich die Hinterbeine gleichzeitig von der Erde erheben, um die Schläge zu machen und weiterzuführen. Und wenn die Vorderbeine früher vorgehen, müssen sie notwendigerweise auch früher zur Erde zurückkommen als die Hinterbeine, und deshalb kann das Pferd nicht mit Vorhand und Hinterhand gleichzeitig im Seitwärts so auf der geraden Linie ankommen, wie wenn die Volte im Schritt ausgeführt würde; überdies nimmt das Pferd, wenn es seine Manege erhebt, nicht allein seine ganze Aktion zusammen, sondern, um die Haltung zu verstärken, durch die es die Air seiner Neigung erhält und begleitet, setzt es die Hinterbeine weiter auseinander, indem es die Füße mindestens zweimal so weit entfernt von einander setzt, als wenn es die Volte passegiert, und macht deshalb verschiedene Spuren.

Hierbei muss man auch beachten, wenn das Pferd sich so verkürzt zum Ändern der Proportion und der Bewegungen seiner Passege, um sich in die erhobene Air zu bringen, dass es normalerweise nicht seine ganze Kruppe in der Volte halten kann, und bei allen Schlägen seine gerade Haltung auf den Querlinien einhalten, ohne die beiden Hinterfüße eingeengt zu halten und quasi verdammt zum Zentrum der Volte, oder zu sehr seitwärts gehend und schräg, ohne seine Spur anzushen und die Schläge in der erhobenen Manege fast so wie den Schritt einer korrekten Passege machen: dies sind zwei Proportionen, die ich nicht gutheißen mag, weil sie so im Zwang sind, dass die Air des Pferdes nicht lebhaft werden kann und die Volte nicht entschlossen.



 

Das Pferd muss daher den Körper beim Wenden etwas schräg halten, die Hinterbeine in dem allgemeinen Kreis der Volte: nämlich wenn es in niederkommenden Courbetten geht. Und ganz entsprechend wie eine Air eingeengt ist, soll es die Manege dann auch sein: wenn es sich in Croupaden bewegt, hält es ein Hinterbein in der Volte, und das andere geht auf der Mitte der Hufspur der Vorderbeine, damit die Kruppe in der höchsten Freiheit bleibt und sehr lebhaft die Aktion der Schultern begleiten kann; und falls es die Kraft und die Neigung dazu hat, seine Manege in Kapriolen zu machen, muss man, um ihm mehr Raum, Lebhaftigkeit und Lockerheit zu verschaffen, die beiden Hinterfüße den Vorderfüßen folgen lassen, dabei aber trotzdem eine Hanke ein wenig in die Volte nehmen, um durch diese Aktion die Manege korrekter und vollkommener zu erzielen und den Sitz des Reiters weniger unbequem zu machen und dadurch schöner.

Weil der Großteil der Pferde der Manege eine größere Neigung dazu hat, die Kruppe aus der Volte heraus zu tragen als nach innen, ist es notwendig, um es in Korrektheit zu halten, die Passege aller Airs auszuführen, indem man die Kruppe innerhalb der Spur der Vorderbeine hält, vor allem, wenn das Pferd kräftig ist und eine Anlehnung an die ganze Hand hat, und überhaupt, wenn es eine zu schwer beladene Vorhand hat; denn diese Aktion hält ihm die Hanken eng, geschlossen und untergeordnet und bringt so der Vorhand mehr Leichtigkeit.


Für die rechte Hand

 


 


Demi Air                               Croupaden                                      Kapriolen


 A Piste der Vorderfüße beim Ausführen der erhobenen Air dieser Manegen.

B Begleitende Piste der Hinterfüße die die Airs dieser Manegen unterstützen

C Piste der Hinterfüße auf der beschrieben Passege


Falls es sehr locker an der Hand ist, und wenn es von Natur aus weniger seine Kruppe nach außen bringt beim Aufnehmen seiner Air und Manege, muss seine Passege [aller Airs (?), nicht im Schritt, da diese weiter gezeichnet ist (?); DA] hinten enger ausgeführt werden als seine erhobene Manege, und zwar so wie die schräg gezeichneten Linien, in allen Vierteln; denn eine sehr große Unterordnung könnte ihm seine Neigung zurückhalten, wenn es sich wieder erhebt und erneut seine Manege beginnt.


 

 

Das Pferd, das sehr viel mehr Lockerheit als Kraft hat, und welches sehr empfindlich und manchmal furchtsam ist, soll normalerweise in einem starken und entschlossenem Schritt auf einer Volte mit einem Hufschlag passegieren, soll sagen: die Hinterbeine sollen einen genauso weiten Kreis machen wie die Vorderbeine, und man soll es gelegentlich ein wenig im Trab auf derselben Spur voran treiben, damit es seine Air leichter und lockerer ausführt, und sie, im Gegensatz zu den anderen, nach und nach anpassen soll, indem man bei ihm beginnt, die Kruppe hinein zu biegen, nachdem es beim Wenden einen oder zwei Schläge seiner Air gemacht hat, ohne dadurch seinen Takt zu stören oder die Spur der Vorderbeine zu verkleinern. Und wenn man nach Beenden der erhobenen Manege es weitermachen lassen möchte mit dem Trab beim Wenden, oder bei seiner Passege, ohne anzuhalten oder die Volte zu schließen (weil dies manchmal nötig ist, um ihm den Mut und die Vorwärtsaktion zu erhalten, und auch um mit diesem Mittel zu verhindern, dass es sich zu sehr einengt oder zurückhält), lässt man es einfach die korrekte Spur der Hinterbeine vergrößern, wodurch man sie gleich nach dem letzten Schlag seiner Air auf die Spur der Vorderbeine zurückbringt.


A Piste der beschriebenen Volte im Trab

B Piste der erhobenen Air

C Piste während des Einrichtens der Hinterbeine auf die erhobenen Air

D Piste der Hinterbeine und den Kreis der Volte im Trab wieder aufzunehmen


Wenn das Pferd, wie es auch sei, seine Manege rund und korrekt ausführt, sowohl im Schritt als auch erhoben, ohne irgendeine Stelle zum Schließen der Volten vorauszunehmen, und wenn der Kunstreiter seine Air beenden möchte, mit einem korrektem Schließen der besagten Volten an immer anderen Orten, muss er dies mit einer verengenden, vorwärts gehenden Aktion tun, so wie auf einer der Querlinien der Viertel:



 

Nun muss man bei den oben genannten Berücksichtigungen genau verstehen: wenn die Manege so eng und gezwungen ist, dass das Pferd normalerweise seinen Körper eingeengt oder quer in den Kreis der Volte trägt, wie ich schon sagte und skizzierte, man sie so mit einem Schlag auf der Stelle oder vorwärts geradeaus schließen und beenden kann, und so auf dem Viertel ankommt, auf dem man möchte. Hat aber die Kruppe des Pferdes sehr frei die Air der Manege begleitet, schräg gestellt (nämlich mehr vorwärts, entschlossen und trotzdem korrekt beachtet), muss man die Vorderfüße, die zwangsläufig als erste auf den besagten Querlinien ankommen, sich wieder ein- oder zweimal erheben lassen, und sie sogleich wieder zum Boden zurückkommen lassen, auf der Stelle an der sie begannen, oder ein wenig weiter geradeaus davor, damit durch diese Takte und Schläge die Hinterfüße sich auf dieselbe Linie einrangieren können, gerade hinter den Vorderfüßen, um den korrekten Kreis der Volte besser zu schließen, und normalerweise muss man dann auf der Stelle noch einen Schlag ausführen, um dieses Ende zu vervollkommnen.

Die vier Viertel, die man quer oder gerade auf diesen Volten eingezeichnet sehen kann, veranschaulichen nur die Haltung des Pferdekörpers, je nachdem wie es arbeitet, nicht aber die Anzahl der Courbetten oder Croupaden. Bezüglich der Maße der Volte und der Anzahl der Schläge die ausgeführt werden sollen, müssen diese entsprechend der Natur des Pferdes proportioniert werden. Ist das Pferd sehr locker und hat es Freude daran, sorgfältig die redoublierte Manege zu verbessern, muss man meist, wenn die Volte eng und zusammengesetzt ist, konsequenterweise weniger Schläge als normal machen. Denn wenn sie zu groß gemacht wird, kann sie nicht mit wenigen Schlägen ganz ausgeführt werden, aufgrund der dann großen Distanz von einem zum anderen. Sie mit einem derartigen Pferd durch viele Schläge voran ausführen zu wollen, würde die Lockerheit seiner gewohnten Aktion zurückhalten, und sein Naturell ließe es sie nicht lebhaft proportionieren und seine Manege würde zu gemächlich und gezwungen. Dieselbe Proportion, die man bei einem Pferd mit sehr lockerer Anlehnung einhält, soll gelegentlich auch beachtet werden bei einem, das hart und schwer auf der Vorhand ist, vorausgesetzt es hat ein gegenteiliges Naturell. Denn das ziehende Pferd hat weniger Anlass, seine Anlehnung zu verhärten und zu verlieren, und all seine Bewegungen finden sich sehr leicht auf einer engen Volte, vorausgesetzt, sie wird genügend auf den Hanken unterhalten. Weil es weniger Schläge macht als auf einer großen, auf der es notwendigerweise vorwärts gehen und sich mehr auf die Vorhand legen müsste, aufgrund seiner Schwere in Verbindung mit der zu großen Anzahl von Schlägen, die es eine noch stärkere und härtere Anlehnung an die Hand nehmen lassen, und wenn es weniger Touren macht. Sodass das zu beladene Pferd nur schwer so viele Schläge ausführen kann, wie eine große Volte verlangt, durch die Unbequemlichkeit seines großen Gewichts, nicht mehr als das lebhafte und an der Hand sehr lockere Pferd aufgrund der Zartheit seiner Anlehnung des Maules und seiner fleißigen Neigung, die eine stärkere Kürze verlangt. Allenfalls soll dieses weniger beigezäumt werden auf den Hanken als jenes andere.

Es gibt andere Pferde, die mehr Kraft und Neigung haben, und dazu in der Vorhand sehr gelöst beim Vorwärtsgehen, bei denen es nötig ist, die Volte großräumiger zu gestalten, mehr vorwärts und mit einer viel größeren Anzahl von Schlägen, um die Möglichkeit zu haben, es an die richtige Anlehnung zu treiben und diese zu verbessern, und um ihnen den Hals gerader zu halten, in einer festeren Positur, und den Kopf ruhig in einer guten Stellung. Und wieder andere, die so böse und unordentliche Bewegungen der Hanken machen, oder die so wenig Neigung zur sehr engen Korrektheit haben, dass sie beim Wenden immer die Hinterfüße aus dem Kreis der Volte tragen und sich in Freiheit stehlen wollen, bei denen man die Manege auch vergrößern muss, und die Schläge ihrer Airs mehr zurückgehalten, unterstützt, seitwärts und in einer großen Anzahl, als es die allgemeine Regel verlangt, um sie durch diese Unterordnung gerader zu halten, mit Voran gehen und Erheben auf der richtigen, begrenzten Spur durch eine stärkere Hilfe der Hand. Ist das Pferd aber von guter Statur, begleitet von einer guten Neigung, genügender Kraft und Lockerheit, um die für eine schöne Manege erforderliche Anstrengung und Leichtigkeit zu unterhalten, kann man das Mittelmaß einhalten, sowohl bezüglich des gleichmäßigen und lebhaften Taktes der Air, als auch in der Korrektheit des Bodens. Am Ende begrenze ich weder bei den einen noch den anderen irgendwie die Anzahl der Schläge, vorausgesetzt die Volten sind nicht zu groß oder zu eng, und die Airs nicht ungleich, vorzeitig oder zurückhaltend.

An den Stellen, wo die vier Hufeisen eingezeichnet sind, muss man auch berücksichtigen, dass dies erfolgte, um leichter den Plan und die Haltung des Pferdes darzustellen, wenn es angehalten hat auf der Korrektheit der Volte: denn dies zu zeichnen gemäß der Bewegungen, die das Pferd beim Arbeiten macht, auch in einer erhobenen Air, würde den größten Teil derer, die sie verstehen wollten, zu sehr verwirren, es sei denn, sie sind gute Meister: denn während das Pferd die Air seiner Schläge erhebt und unterhält durch eine starke und sehr zusammengenommene Aktion, stellt es dabei jedes Mal zum Vorwärts gehen die Hinterfüße so dicht an die Vorderfüße (sowohl auf dem Kreis der Volte als auch im Geradeaus), dass man, um diese vermischte Spur darzustellen, schwierige Figuren zeichnen müsste, die zu sehr den Geist des Lesers beanspruchen bei den Proportionen, die man viel besser verstehen kann durch das Praktizieren der Übung, als man es durch Niederschreiben gut erklären könnte.




 

Band II, Kapitel 26


Weitere Regeln, geeignet für ungeduldige Pferde, die leicht entier werden und eine harte Anlehnung an die Hand bekommen können, die man aber trotzdem für eine Manege schulen möchte


 

Ich bin sicher, dass es seit langer Zeit nicht mehr viele Reiter gibt, die die Regeln dieses zweiten Bandes gut auszuführen wissen: die einen, weil sie zu viel Routine in der alten und sehr gewöhnlichen Schule dieser Kunst haben, und keine ausreichende Geduld, ihren Geist und ihre Aktionen mit der wahren Ordnung aller korrekten und nötigen Proportionen, die in diesen Regeln inbegriffen sind, zu beschäftigen, und bei den Übungen auch nicht ausreichend genug erkennen oder spüren, ob das Pferd perfekt oder fehlerhaft den richtigen Raum des Bodens, oder die Linien, Viertel, Halbkreise, die ganzen Volten und andere Wechsel, die in all diesen Bahnfiguren enthalten sind, ausführt, welche man sich bildlich vorstellen und während der Lektion exakt einhalten sollte: und weil sie durch Begehen dieser Irrtümer die meisten Dinge, die sie verstanden haben, außerhalb ihrer korrekten Zeitpunkte und Plätze machen, folgt daraus leicht Verwirrung, die viele Fehler verursacht. Andere, die nicht genügend Praxis in der besagten, alten Schule haben und die eher zornig als gut bedacht arbeiten (wie ich an anderer Stelle beschrieben habe), sind völlig oder fast völlig verhaftet in unseren sehr begrenzten Korrektheiten, und zwingen und vermindern unangemessen den Mut und die Kräfte des Pferdes. Und häufig werden auch diese Fehler einzig durch die Grobheit oder Unfähigkeit einer schlecht geführten Hand erzeugt. Wieder anderen mangelt es an Urteilskraft und Fleiß, um dem Pferd die vielen verschiedenen Bewegungen, die völlig gegen den Gehorsam und die Freiwilligkeit arbeiten, vertreiben zu können, und können es deshalb nicht zur Leichtigkeit der korrektesten Proportionen bringen. Und schlimm ist auch, dass die besseren Meister gelegentlich begonnen haben, derart cholerische, ungeduldige, bizarre und verstockte Pferde auszubilden, dass ihre größte Kunstfertigkeit nicht ausreicht, sie in den guten und engen Lektionen gut reiten zu können. Und weil ich schon vorhersehe, dass die Ordnung der Regeln, die bis hier abgeleitet und skizziert wurden, viele der Pferde, die derart ungehorsam sind (neben anderen Unarten), gelegentlich ihre Kraft und Lebhaftigkeit zurückhalten lassen, sie sich einengen oder entier werden, vor allem bei den ersten Lektionen einer erhobenen Air, gebe ich den Rat, falls dies passiert, die Ordnung der vorherigen Lektionen abzuändern, indem man diese entlang einer geraden Wand ausführt, weil sich dies dazu eignet, gelegentlich viele Unruhen zu vertreiben, die den Mut des ungeduldigen Pferdes schwächen und es völlig unfähig in Gedächtnis und Gehorsam werden lassen können. Denn zweifellos verleidet das ruhige Geradeaus auf einer ausreichend langen Passade entlang einer Wand ihm weniger die neue und unbekannte Unterordnung und Korrektheit der Volten, und durch Rügen oder versuchsweise mit Sanftheit auf dieser Passade kann man es den Fehler, den es beim Wenden gemacht hatte, erkennen lassen, wie es hiernach erklärt wird.

Wenn das Pferd also gelöst ist und gut begonnen hat, wie ich vorher schon an diversen Stellen erklärt habe, und wenn es auch korrekt passegiert, wenigstens die vorherigen Viertel und Demi-Volten, muss man es nah genug an die Wand auf eine gerade Linie bringen, und zwar im Schritt oder im Trab, je nachdem, ob es freiwillig vorwärts geht oder sich zurückhält und ob es seine Anlehnung an das Gebiss ziehend oder locker gestaltet. Hat es ungefähr 25 Schritte zurückgelegt, und spürt der Kunstreiter, dass es zieht oder sich ein wenig auf die Hand legt, pariert er es auf den Hanken an einem Ende der Linie durch; ist es aber locker und gut geneigt, hält er es gar nicht an, sondern (wie auch nach dem Parieren) bringt es in seine erhobene Air, und lässt es wie üblich drei gute Schläge geradeaus ausführen, zurückgehalten oder vorwärts gehend,je nach seinem Mut und der Anlehnung des Mundes.




 



Linie der Wand / Linie der Passade


Sobald das Pferd den dritten Schlag beendet hat, und fast zum selben Zeitpunkt, an dem es seine Vorderfüße auf dem Buchstaben A wieder auf den Boden setzt, stellt ihm der Kunstreiter den Kopf sorgfältig auf die Volte und bringt es in einen resoluten Schritt, in dem er es ein Viertel ausführen lässt: und auf dem Ende dieses Viertels erhebt er es wieder, um es drei weitere gleiche Takte auf der Linie B schlagen zu lassen, und lässt es am Ende des dritten wieder in demselben versammelten Schritt gehen, durch das Gebiss oder den Kappzaum zusammen mit der Hilfe der Beine, um ihm den Kopf auf die Tour zu stellen, und es erneut im Schritt zwei Drittel eines anderen Viertels machen zu lassen, und beendet auf der Linie und dem Buchstaben C, hält es auf dieser Stelle an und erhebt es wie vorher.



 



Linie der Wand / Linie der Passade


Hat das Pferd den dritten dieser Schläge auf dem Buchstaben C beendet (bzw. während des Beendens), muss er es wie vorher in den Schritt zurückführen und es wenden, indem er es die Volte zweimal (oder mehr) auf einem Hufschlag umrunden lässt, wie es in dieser Skizze gezeigt wird.




 


Linie der Wand / F Piste der Hinterfüße, um den Vorderfüßen zu folgen beim Umrunden der Volte im Trab.



Nachdem er es diese Lektion auf der Linie der Passade durch Schräggehen hat schließen lassen, also im Vorwärts mit Seitwärts, und zwar bis die Vorderfüße an der Stelle D und die Hinterbeine auf E ankommen, wie es hier unten skizziert ist, lässt er es sich auf derselben Stelle erheben, mindestens dreimal, und hält dabei den Körper und Hals des Pferdes sehr gerade auf der Linie der Passade.


Linie der Wand

 



 


Hat das Pferd zufriedenstellend die Ordnung dieser Lektion zu einer Seite ausgeführt, lässt man es vorwärts gehen und führt es geradeaus bis zu der Stelle, die man sich ausgesucht hatte, um dasselbe auf der anderen Hand auszuführen.




 


F Piste, die die Hinterfüße machen sollen, wenn die Vorderfüße die Linie der Passade durch die mit G bezeichnete Spur wieder aufnehmen.


Wurde diese Lektion auf jeder Hand gut geübt und hat das Pferd sie verstanden und behalten, macht man weiter, indem man es wieder geradeaus, wie beschrieben, auf der Stelle der drei ersten besagten geraden Schläge am Ende der Passade, nur zwei machen lässt, und das Pferd dann sogleich einen oder zwei Schritte im Wenden vorangehen und danach für ein oder zwei Schläge sich erheben lässt, gefolgt von einem oder zwei weiteren Schritten, um wieder zwei Schläge auszuführen, und so weiter bis zum Punkt C, der die zwei Teile begrenzt, deren dritter das zweite Viertel dieser Volte schließt. Und wenn es mit allen vier Füßen gleichzeitig auf der Linie des Buchstabens C angekommen sind,, lässt man es auf einer Stelle drei Takte seiner Air locker ausführen, wie ich es in der vorhergehenden Lektion erklärte, dabei vor allem die Korrektheit des Bodens beachtend, wie auf den Skizzen gezeigt, sowie auch die Gleichförmigkeit in allen seinen nötigen Bewegungen so gut es geht viele Male wiederholt oder wieder begonnen.



 


In dem Moment, wenn der dritte dieser Schläge auf der Stelle beendet ist, muss man erneut zweimal die Volte im Schritt auf einem Hufschlag umrunden und dann wieder die Linie der Passade aufnehmen, beim Schließen der Manege, wie oben skizziert und wie es unten erneut dargestellt ist, um wieder drei Schläge auf einer Stelle, mit den Vorderfüßen auf D und den Hinterfüßen auf E auszuführen; danach macht man weiter mit derselben Lektion auf der anderen Hand.



 


F Piste der Hinterfüße, um die Linie der Passade wieder aufzunehmen zum Schließen der Volte.

 

Durch die Gewöhnung an diese Lektion, wenn sie lange genug weitergeführt wurde, wechselt das Pferd leicht vom Schritt in gute Schläge, so dass es die genannten Partien der (schon vorbereiteten) Demi-Volte vollendet, ohne den gleichmäßigen Takt seiner erhobenen Air zu unterbrechen.



 


Wenn es beim Beginn Schwierigkeiten hat, die Schläge seiner Air einzureihen, vor allem in der genannten letzten Proportion, beginnt man im Schritt, bis zum Punkt B in der folgenden Skizze, und in dem Maße, wie es sich verbessert beim Erheben und gut den Takt seiner Air schlägt, reduziert man diese Schritte, bis zu den ersten Schlägen geradeaus auf dem Buchstaben A.


Linie der Wand

 

 


Sodann muss man wieder mindestens ein Mal die ganze Volte im Schritt auf einem Hufschlag umrunden, und das Pferd zurück bringen und wieder an dieselbe Passege auf der Linie parallel zur Wand anpassen, um es wieder geradeaus sich erheben zu lassen, mit drei oder vier guten Schlägen seiner Air, auf den Buchstaben D und E und dann die Volte verlassen und entlang dieser Linie zu dem Platz auf der anderen Hand zu gehen, wo man die Lektion weiterführt.



 


F Piste der erhobenen Air beim Wenden   /   G Piste um im Trab um die Volte zu umrunden


Um die Anordnung dieser Schläge auf den gesamten Kreis dieser Lektionen auszudehnen, muss man sie nach und nach auf der schon im Schritt oder Trab umrundeten Piste vermehren: nämlich wenn es sauber erhoben ist, und wendet auf der ersten, beschriebenen Proportion bis zum Buchstaben C, und wenn es danach im Schritt den ganzen Kreis der Volte erreicht hat, bringt man das Pferd im Vorbeigehen ungefähr auf H in seine Air bis auf C, wobei man den schon erreichten gleichmäßigen,begrenzten Takt beibehält. Gleichzeitig muss man die Spur der Hinterfüße verkleinern und anpassen, wie es in der folgenden Skizze dargestellt ist, und beachtet danach die vorherige Ordnung: aber viel geschlossener, um es zurückzubringen auf die gerade, erste Linie, bevor man einen Handwechsel durchführt.



 

I Piste der Hinterfüße beim Wiedererheben der Manege



Während man so durch die korrekte Passege jedes Mal eines Schlages verstärkt, auf dem runden und begrenzten Raum, wird zweifellos die gesamte Volte in wenigen Ritten komplett erhoben und in sauberen und korrekten Airs ausgeführt werden, mit Ausnahme der Strecke zwischen C und G, welche man dafür reservieren soll, den Kopf des Pferdes wieder auf die Spur einzustellen und im Schritt die erste Aktion dieser letzten Volten, die man erheben will, auszuführen, damit das Pferd sich beim Wenden durch dieses Mittel mehr löst: denn würden die Enden aller dieser ersten Proportionen der erhobenen Volten normalerweise auf der Linie der Passade gemacht, könnte das ungeduldige Pferd böswillig die Gelegenheit ergreifen, sich zu nah an der Mauer einzuengen, sich nach außen zu biegen oder sich entier zu machen, um dem nötigen Gehorsam und der Leichtigkeit zu entgehen, die nötig sind zum Redoublieren der Volten.



Nachdem der letzte Schlag auf C gemacht wurde, muss man erneut im selben Moment eine Volte im Schritt machen, und zwar auf einem oder auf zwei Hufschlägen, je nachdem ob sich das Pferd in der Wendung hart oder locker zeigte.



 

 

H Piste der Schläge auf dieser Volte     /   K Piste der im Schritt ausgeführten Volte


Um das Pferd aufmerksamer und leichter in diesen Übungen zu machen, muss man die Volte gelegentlich zur Mauer hin nehmen, d.h. dass man an der Stelle, an der man es auf der linken Hand gewendet hatte, stattdessen die Lektion auf der rechten Hand macht, und für diese Ausführung soll die Linie der Passade ein wenig mehr von der Mauer abgerückt werden, wie man ersehen kann durch die nächste Skizze; und zweifellos wird diese Variante, wenn sie gut geübt wird, dem ungeduldigen Pferd viel von seiner Ängstlichkeit gegen die Freiheit und Korrektheiten der schönsten Manegen vertreiben.



 

Wenn der Kunstreiter nach ausreichender Gewöhnung an all diese verschiedenen besprochenen und dargestellten Lektionen bei seinem Pferd eine ausreichende Kraft, Lockerheit und Schulung zum Doppeln und Redoublieren der erhobenen Volten erkennt und spürt,

kann er es nach und nach verbessern, wenn er jedes Mal die Schläge auf der korrekt umrundeten Spur vermehrt, wie ich es erklärte: und in dem Maße, wie das Pferd frei wird, vor allem bei der Aktion des Wendens, muss man es die Volten immer näher an der Linie der Passade schließen lassen, bis es frei jedes Ende auf dieser Linie macht. Diese Ordnung kann verhindern, dass es entier wird; aber wenn der Kunstreiter klug ist, hütet er sich vor allem, mehr Anstrengung zu verlangen, als sein Pferd lebhaft ausführen kann.



 


Um das Pferd in diesen engen Lektionen freier werden zu lassen, muss man diese gelegentlich auflockern und variieren durch eine größere und eckigere Proportion, das heißt, wenn man im Schritt eine mittelgroße Volte auf einem Hufschlag umrundet hat, bringt man das Pferd auf dieser Spur in den Trab, in dem man es 2 Touren machen lässt, und danach pariert man es auf den Hanken durch auf der Linie A und lässt es auf dieser locker drei oder vier Takte seiner Air schlagen.



 


Beim Beenden des letzten dieser Schläge muss man ihm den Kopf auf dieselbe Hand stellen, um es lebhaft genug angehen zu lassen und es auf derselben runden Spur in den Trab bringen und es erneut eineinhalb Touren ausführen lassen, und es dann gut durchparieren auf der Linie B. Dann erhebt man es wieder wie zuvor und bringt es in denselben entschlossenen Trab auf dem Kreis.




 

Hat man diese Regel ausreichend weitergeführt zu einer Seite, muss man die Hand wechseln und zurückkehren auf dieselbe Spur, um dort dieselbe Proportion einzuhalten.




 


Geht man danach wieder auf die erste Hand, muss man die ganzen Paraden auf diesen anderen, durch die Linien dargestellten Stellen machen, und diese Ordnung auf jeder Seite gleich ausführen bis zum Ende der Lektion.



 


Hat das Pferd zwei oder drei solcher Ritte gut verstanden, nimmt man diese Ordnung zusammen: d.h. nachdem man das Pferd ein wenig hat traben lassen und es auf diesem Kreis gelöst hat, pariert man es erneut durch und lässt es sich auf der Linie A erheben, wie beschrieben. Anstatt es aber gleich wieder traben zu lassen wie zuvor, lässt man es nur im Schritt vorwärts gehen, bis zur Linie B auf der folgenden Skizze, und, nachdem man es sich wieder hat erheben lassen, weitergehen und wenden im Schritt, um dieselben Schläge auf der Linie C zu machen, und danach im selben Schritt bis zur Linie D, und macht so weiter ungefähr drei Touren, sogleich gefolgt von zwei Runden im Trab, bevor man die Hand wechselt, um das willige Pferd Atem schöpfen zu lassen.

Und um das Pferd auf diesem Kreis gelöster zu machen, oder zumindest weniger entier, muss man es die Kruppe etwas nach außen halten lassen, und ihm dazu noch ein wenig den Kopf in die Volte stellen, wenn man auf jeder geraden Linie angekommen ist, und bevor man es seine Schläge wieder aufnehmen lässt.




 



Die Gewöhnung an diese teils eckige, teils runde Lektion macht das Pferd so leicht und locker, dass es von sich aus (und aufgrund des vorhergegangenen Stils) in kurzer Zeit den Schritt in jeder Ecke (hier mit E markiert) in Schläge vorwärts verwandelt, um zu den Linien zu gelangen, auf denen es erwartet, seine Air auf der Stelle ausführen zu sollen, und so wird es durch dieses eine Mittel, begleitet von subtilen Bewegungen des guten Kunstreiters, nach und nach eine komplette Volte in seiner erhobenen Air ohne Unterbrechung absolvieren. Danach muss man die Schläge nach und nach von Quadrat zu Quadrat verstärken, und beendet normalerweise im Trab auf dem Kreis auf einem Hufschlag.

 



 

 

 


Gelegentlich muss man diese Lektionen auch nur mit einer gemächlichen und lockeren Galoppade auf jeder Hand variieren, auf Kreisen mittlerer Größe, und danach auf die vorigen Proportionen entlang einer Wand zurückgehen. Denn das Pferd fängt dann zweifellos sehr viel lebhafter, oder weniger gezwungen, wieder an, als wenn man diese Diversifizierung nicht benutzt.




 






Linie der Wand




 

Damit der Kunstreiter diese Regeln gut bedacht trainiert, muss er sich daran erinnern, dass ich in allen beschriebenen und skizzierten Proportionen, vor allem denen dieses zweiten Bandes deren Ordnungen besser aneinandergereiht darstellen wollte, sowohl bzgl. der Korrektheit des Bodens, als auch der Bewegungen, die das Pferd, das gut begonnen wurde, ausführen soll, um leicht durch eine Lektion nach der nächsten zur Perfektion aller seiner Manegen zu kommen, und damit viel Anmut und Zufriedenheit erreichen. Deshalb habe ich genau die markierten Stellen eingegrenzt, wie auch die Anzahl der Schritte, der Schläge und der Touren. Aber falls das Pferd so rebellisch und verstockt ist, dass es, anstatt diesen Proportionen trotz der Aufmerksamkeit des Reiters und der guten Bewegungen von Reiterhand und -bein zuzustimmen und sich weigert, oder direkt gegen die Ordnung opponiert, soll der Kunstreiter keine anderen Regeln beachten als die wahren Mittel um ein Pferd davon abzubringen oder zu rügen: es erweitern lassen auf der Stelle, auf der es sich einengt; es einengen, wo es erweitern will; es auf der Stelle vorwärts treiben, auf der es sich zurückhalten oder die Volte verkleinern (acculer) will; und es zurückhalten, wo es zu sehr vorwärts drängt: schlussendlich, ihm niemals diese Fehler zu erlauben. Und auch wenn er es durch die guten Mittel dazu gebracht hat, genau auf der korrekten Stelle, die er ausgewählt hat, den angepassten Schritt und die begrenzten Schläge auszuführen: falls trotzdem alle Bewegungen, die es dabei macht, nicht passen zur Freiheit und Leichtigkeit der guten Übung, darf er sich nicht zufrieden geben allein mit der Anzahl, wenn es sie in irgendeiner Weise durch Bosheit, durch Unruhe oder durch Furchtsamkeit macht, oder es den gesuchten Gehorsam verweigert, auch wenn es sich dabei frei präsentiert; vor allem darf man nicht unersättlich sein in diesen Ausführungen, andrerseits aber auch nicht mit wenig zufrieden sein. Und abschließend muss man immer die notwendige Sanftheit, Strenge und das Mittelmaß einhalten, was man nicht einschätzen kann, ohne Wissen über das Naturell und die Kräfte des Pferdes, und nicht zu einem guten Effekt bringen kann, ohne vorher eine große und ungezwungene Praxis erlangt zu haben: denn ohne diese Urteilsfähigkeit wird die Schule wirr. An vielen Stellen habe ich ganz ausdrücklich genau diesen Rat erteilt, der in dieser Kunst nicht weniger wichtig ist als das Steuerruder für ein Boot, das man auf dem offenen Meer navigiert.

Nicht immer habe ich diese Regeln eingehalten: denn in meiner Jugend habe ich dieselben Fehler gemacht wie viele schlecht ausgebildete Reiter, die beim Training der Akademiepferde (sei es im Trab, Galopp oder bei den erhobenen und sehr lebhaften Schulen) nichts anderes im Sinn haben oder berücksichtigen, als furios die Lektionen (egal, ob gut oder schlecht gestaltet) auszuführen und weiterzuführen, bis sie extreme Erschöpfung an Rücken und Mut bemerken, so als würde man die Pferde nur schulen, um große Anstrengungen auszuhalten, und um ihre Kräfte zu überwältigen, ohne irgendeine Wertschätzung dafür, dass eine geringere Bewegung der Leichtigkeit in den Manegen dienen kann.

Es gilt absolut, bei der Anwendung der Regeln dieser Kunst ,dass es im Gegenteil sehr notwendig ist, dass der gute Kunstreiter normalerweise einen feinen und sorgfältigen Geist besitzt zur Verhinderung von Anlässen, oder zum Korrigieren von Fehlern, die das Pferd nachlässig, verwirrt oder ungehorsam werden lassen könnten, und dafür, die wahren Mittel zu suchen und befolgen, um es zu gewinnen und sich in Gehorsam begeben zu lassen, und die Leichtigkeit zu erreichen bei denen, wo man dies wünscht. So muss man häufig von der beabsichtigten Ordnung der Lektionen und Proportionen abweichen (die ja nur dazu geschaffen wurden, damit man sich angewöhnt, sorgfältig zu arbeiten),und mit diesen Abweichungen je nach den verschiedenen Anlässen prompt und klug, und sehr aufmerksam in der Schule zu arbeiten, möglichst ohne einen Schritt zu verpassen, vor allem nicht durch Unwissenheit oder Nachlässigkeit: andernfalls ist diese Kunst fremd und die Lektionen erweisen sich als nutzlos.

Ich habe zwar in der Unterrichtung im ersten Band gesagt, dass die Trablektionen in derselben Stärke vom Beginn bis zu ihrem Ende unterhalten werden sollen, und auch die des Galopps in derselben Air und Lebhaftigkeit durchgeführt werden sollen wie begonnen: Aber dies soll man nur so verstehen, wenn das Pferd seine Kräfte mit Lockerheit frei anwendet, ohne Ungestüm, oder Stätigkeit und veranlasst allein durch die korrekte Beinbewegungen des Reiters.




 

Band II, Kapitel 27


Verschiedene Regeln bei den weit fortgeschrittenen Lektionen, und auch wenn das Pferd derart abgestoßen und Feind der Schule ist, dass die normalen Mittel keinen ausreichenden Effekt erzielen.


 

Bis zu den letzten Lektionen mit all den besprochenen Regeln der Volten kann der Kunstreiter seinen Fleiß, sein Wissen und die gute Praxis seiner Kunst trefflich bewiesen haben; es ist aber kein geringerer Beweis, wenn er danach verhindern kann, dass das Pferd irgendeine Veränderung bekommt, die dazu führt, um zurückgehen zu müssen bis zu den ersten Lektionen, wie es so häufig geschieht; denn viele Pferde stimmen sehr leicht zu und reagieren mit viel Lebhaftigkeit bei den aufeinander folgenden Lektionen, die sie nach und nach, und Regel nach Regel, verbessern für die Korrektheit der Manegen, entsprechend ihren Kräften und Neigungen, aber, nachdem sie soweit gekommen sind, nicht sehr lange in deren wahren Proportionen bleiben wollen. Die Ursache dafür ist, dass abhängig davon, wie sie einige dieser Lektionen begreifen, oder kurz nachdem sie sie begriffen und eine Zeit lang trainiert haben, eine andere neue, gut dazu passende Lektion folgen sollte, mit zunehmender Schwierigkeit und Anstrengung, oder eine, die zumindest in einigen Bewegungen und Proportionen anders ist als die vorhergehenden, so dass diese Abwandlungen den Geist, die Kräfte und vor allem die Aufmerksamkeit eines nervösen und kräftigen Pferdes auf verschiedene Weise und geistig beschäftigen und dies folglich häufig viele der Unruhen oder Fantasien und flegelhaften Absichten und Ungehorsamkeiten vertreiben kann, deretwegen es sich ansonsten nicht gut hatte entschließen können sich zu verbessern, und Mühe hatte, daran zu glauben. Und besonders wenn es nicht viel Kraft besitzt, passiert es manchmal, dass die Sorgfalt, die man bei allen Bewegungen der Korrektheit einhalten soll, und welche es noch nicht gut erlernt hat, es normalerweise in solch einer Erwartung hält, Fehler zu machen und dafür bestraft zu werden, dass es sehr frei all seine Lebhaftigkeit und Veranlagung anbietet, um auf die Aktion des Kunstreiters zu reagieren: und wenn obendrein noch vorher in den geregelten Lektionen, langsam nach und nach die höchste Kraft des Pferdes erreicht wurde, bekommt es weniger Gelegenheiten, abgestoßen zu werden. Denn wenn man es so sicher macht, und es sich in der korrekten Praxis der vorgenannten letzten Lektionen unterhält, soll man es diese starken, neu erlernten und noch zaghaften Trainingseinheiten nicht weiter so fortführen lassen, weil die exzessive Anstrengung oder der Verdruss, zu häufig dieselbe Sache wiederholen zu müssen, es in eine derartige Unordnung bringen kann, dass es wie verwirrt oder verzweifelt versäumt oder sich weigert, die ersten Proportionen all dieser korrekten und sehr sorgfältigen Lektionen auszuführen. Um diese Fälle zu vermeiden, soll der Kunstreiter durch die gute Anordnung der aufgeführten Regeln und Lektionen klug erkennen, wann es nahe am höchsten Punkt seiner Kräfte und Neigung ankommt, und dann, anstatt zu versuchen, weiter zu machen, und bevor es zu Extremen kommt, ihm etwas Erleichterung von der Schule zu gewähren, und häufig wieder zurück zu gehen, wenn er Mut und Neigung zu den weniger schwierigen Lektionen erkennt, die es zuvor gelernt und trainiert hatte, und es auch an verschiedenen Tagen arbeiten lässt, zwischen zwei dieser weit fortgeschrittenen Trainingseinheiten jeweils eine mittlere Lektion im versammelten Trab, falls es eine Anlehnung an die ganze Hand hat, oder im sehr entschlossenen Trab und manchmal im Galopp, falls die Anlehnung locker genug ist, ausführen zu lassen; und es nicht häufiger arbeitet als jeden zweiten Tag, damit es immer in seiner Lebhaftigkeit und Lockerheit und im Gehorsam bleibt, und er es dadurch in Atem, Mut und seiner weit fortgeschrittenen Korrektheit erhält.

Diese Art von Training entspricht allerdings nicht der Meinung jener Kunstreiter, die undifferenziert wünschen, dass man das Pferd häufig jedes Mal stark arbeitet, um es so rigoros zu dem zu zwingen, was man erreichen möchte (und es dabei durch die kontinuierliche Arbeit strapaziert und abmagern lässt), bis es dann ganz die sehr kräftigen und sehr genauen Proportionen der Air und der Manege verloren hat, die man ihm beigebracht hatte, mit der Absicht, es danach wieder zurückzubringen und wiederherzustellen, durch Loben und sehr sanfte und kurze, oder weniger lang andauernde Lektionen. Ich weiß, dass diese Regel manchmal erfolgreich sein kann, aber wenn all die, die sich bisher genau danach gerichtet haben, meinen Rat wünschen, sollten sie dies ausschließlich anwenden nach vorangegangener sorgfältiger Abwägung bezüglich des natürlichen Temperamentes und der Kräfte des Pferdes. Denn wenn sich eine korrigierbare Neigung findet, eine ausreichende Lebhaftigkeit eines kräftigen Rückens, ausreichend kräftige Beine, ausreichend starke Füße, ein ausreichend robuster Körper, um lange Übungszeiten und derart schwere, zwingende Mittel ständig auszuhalten, kann es zwar manchmal durch deren Wirkung am Ende dieses Unterfangens, das der beherzte und gut ausgebildete Kunstreiter gemacht hat, korrigiert und unterworfen sein. Hat das Pferd aber ein schwaches, furchtsames und empfindliches Gemüt, auch wenn es in Ruhe kräftig genug ist, gleichmäßig in allen Gliedern, oder ist es zwar mutig und trotzdem von sanftem Gemüt, aber mit einem Rücken und Gliedern,denen es an der nötigen Kraft mangelt, ist es sehr schwer und meist unmöglich, durch die normale Gewalt und die exzessive Arbeit in der genannten rigorosen Weise in sehr kurzer Zeit und vielleicht auch niemals zu erreichen, was der ungeduldige Kunstreiter erzwingen möchte, ohne Rücksicht darauf, dass in dem Maße, wie er glaubt die Ordnung der Lektionen zu beschleunigen, die Glieder seines Pferdes beschädigt werden, und infolgedessen all seine Regeln und seine Mühen in Unordnung und Verwirrung enden; und wenn er sogar, falls dies eintritt, weitermacht mit rigorosen Strafen und plötzlichen Mitteln (im Glauben, jene Kräfte des Pferdes wach zurufen, die gar nicht mehr vorhanden sind), findet er es bald schon sehr erniedrigt, abgestoßen oder verzweifelt.

Denn wenn ein nervöses, lebhaftes Pferd mit ausreichend kräftigen Gliedern ungeduldig, cholerisch und von feurigem Gemüt ist, passiert es leicht, dass die Ungemach einer so starken Unterordnung, wenn diese ohne Unterlass durchgeführt wird, oder die Schmerzen und besonderen Unannehmlichkeiten unendlich verschiedener Strafen, vielleicht sogar obendrein noch außerhalb ihres richtigen Zeitpunktes, oder viel zu stark oder wirr angewendet werden, es derart die Schule hassen lehrt, dass es hinterher durch die Schläge und die Arbeit geschunden und betäubt ist, oder in seiner Not zur Verteidigung gezwungen wird, durch sehr wütende Mittel, oder sich sogar im Extremfall zu Boden wirft, und gegebenenfalls den Kunstreiter in eine solche verzweifelte Gefahr bringt, dass dieser sich häufig dazu verleiten lässt, es mit Gewalt zu korrekten Proportionen der Airs und Manegen bringen zu wollen, anstatt klug den Gehorsam der Schule mit Geduld und guter Ausübung des Trainings zu erwirken. Diese Art und Weise tritt gewöhnlich an den Orten auf, an denen man eine große Anzahl guter und schlechter Pferde sieht.

Ich andererseits bin seit langer Zeit bemüht zu versuchen, jene Pferde wieder zu korrigieren, die schon abgestoßen waren und aufgegeben hatten: bei diesen kann ich ehrlich sagen, dass das Glück mich häufig bevorzugt geleitet hat. Denn ich habe nicht nur eine große Anzahl zur guten Schule zurückgebracht, sondern auch die Kunstreiter, die es vorher versucht und schließlich als unkorrigierbar aufgegeben hatten (durch konfuse oder böswillige Mutationen), sie nichtsdestotrotz danach arbeiten sahen, mit viel Leichtigkeit und Korrektheit, wie sie es davor nicht taten. Ich bin deshalb zunehmend sicher, das weder die Arbeit noch die Rügen, die ich angewendet habe, ganz falsch oder vergeblich waren. Und durch diesen Beginn entstand auch das Wenige an Reputation, in der ich danach bei den Pferdemenschen gehalten wurde. Denn für das Wiederanreiten und Korrigieren dieser rebellischen, verwirrten, abgestoßenen oder verzweifelten Pferde benutze ich nicht die normalen Mittel der Kunst, sobald ich erkenne, dass diese vergeblich oder gar schädlich wären. Im Gegenteil: die erste und größte Sorgfalt, die ich in diesem Falle aufbringe, ist, es die Erinnerung verlieren zu lassen, und wenn ich es danach versuchen möchte, mache ich dies an einer Stelle an der es weder eine Spur, noch einen Hinweis auf die Schule gibt, und außerdem zu Zeiten, an denen es nicht im Geringsten den Verdacht auf jene Unannehmlichkeiten hat, durch die es ein dermaßener Feind des Zwangs-Gehorsams wurde. Und es gehört zu den ersten Mitteln nach einer Zeit der Erholung, dass ich es häufig genug zur Jagd bringe; ich lasse es promenieren, traben und galoppieren, querfeldein, je nachdem wie ich spüre, wozu es kräfte- und gemütsmäßig neigt, ohne es irgendwie zu vergrämen oder unter Druck zu setzen (falls ich nicht durch eine große Notwendigkeit dazu gezwungen bin). Und mit der Zeit, wenn ich erkenne, dass es die Abneigung gegen die rigorose Schule verloren hat, lade ich es auf verschiedene Arten ein, vorsichtig und an unverdächtigen Stellen, sich wie von selbst in die guten Airs seiner Lektionen zu bringen, gelegentlich während des Gehens im Schritt, oder im Trab, oder im kleinen Galopp, mal mit einer ganzen Parade, mal ohne es anzuhalten; manchmal geradeaus, ein anderes Mal auf Volten, und lobe es, wenn es frei reagiert und zwinge es in keiner Weise, falls es sich weigert auf die Hilfen oder die stimmliche Ansprache, die Gerte, die Hand oder der Waden zu reagieren, sondern vertreibe eher das Unangenehme und das Misstrauen, das ich bei ihnen voraussehe, durch ein scheinbares Verfolgen der Jagd, oder durch Untermischen unter andere Pferde, oder durch irgendwelche anderen Mittel, die mir geeignet erscheinen. Und je nachdem, wie ich spüre, ob das Pferd eine gute oder schlechte Stimmung hat, versuche ich es erneut oder lasse es in Ruhe; und falls ich nicht die Möglichkeit habe, an einer Jagd teilzunehmen, lasse ich es wenigstens zweimal die Woche ungefähr 2 Leagues (6 bis 12km) oder mehr über Land gehen, und besuche einige meiner Freunde. Abhängig davon, wann ich spüre, dass es sich in einiger Lebhaftigkeit und Ausgeglichenheit und einer geistigen Gemütsruhe befindet, und wenn ich an eine passende Stelle komme, zeige ich ihm jedes Mal, lebhaft oder gemächlich einige Proportionen der Air und der Manege, und mit diesem Mittel gewinne ich es nach und nach so sehr, dass es gelegentlich auf mein Verlangen hin ganz frei reagiert mit allem, was ich von ihm möchte. Und um es erscheinen zu lassen vor einigen Pferdemenschen, geschieht dies nie morgens, weil dies die Tageszeit ist, zu der es sonst seine größten Quälereien und Unannehmlichkeiten erhielt, und auch nicht in einer Reitbahn oder an einer anderen Stelle, die es auch nur im Mindesten verdächtig findet, sondern gewöhnlich abends, welches die wahre Tageszeit ist, zu der es sich am muntersten und schönsten zeigt, und lasse es danach lange genug und sanft geradeaus an diversen Plätzen promenieren, sei es in der Stadt oder über Land, und vor allem ohne Saquerelle oder einen Schweifriemen, oder andere spezielle Carriere-Ausrüstungen, die es belästigen oder in Alarm der Schule bringen könnten. Und dann, wenn ich es in guter Laune und ohne Misstrauen spüre, bringe ich es sanft in seine schönste Manege, und suche dazu das Gelände aus, das mir am passendsten scheint, da wo es sich gelegentlich in einer solchen Lockerheit befand, dass man erstaunt war, es dermaßen ruhig und gut arbeiten zu sehen, dass es brillierte.

Ist ist es aber danach aus meinen Händen, und falls dann einige, die die Art und Weise, in der ich es behandelt hatte, nicht kennen, glauben, sie würden schöne Reiter und gute Kunstreiter werden durch das Arbeiten mit diesen Pferden, geschieht es häufig, dass die einen zwar für zwei oder drei Ritte einiges Vergnügen erfahren; wenn sie aber danach weitermachen, es ihnen unmöglich ist, irgendeine Zufriedenheit daraus zu ziehen. Andere erleben schon beim ersten Mal den vollen Affront, während sie sich in einer gutsituierten Gruppe präsentieren, um ihre Galanterie und die Kunstfertigkeit ihres Pferdes zu zeigen, die man es einen oder zwei Tage vorher zeigen gesehen hatte, dieses sich nun aber nichtsdestotrotz so aufführt wie das unwissendste oder bösartigste Pferd, das man überhaupt finden kann; und das, worin sie sich täuschen, ist ihr Glaube, sich und die Pferde schöner erscheinen zu lassen, wenn sie nach nur sehr oberflächlicher Vorbereitung damit zufrieden sind, was sie verbessert, und sie zwar an der Hand führen mit Augenklappen bis zu der erwarteten Stelle für das Training, um ihnen sorgfältig den Mut zu erhalten, die Lebhaftigkeit und die Fähigkeit des Rückens, wie man es zweifellos bei den meisten Pferden machen soll, die sich im Gehorsam einer guten Schule erhalten; aber im Gegenteil helfen all diese Rücksichtnahmen nicht bei den bösartigen und durchtriebenen Pferden wenn man sie auffordert in der verhassten Schule, oder an einer Stelle, an der sie auch die Unannehmlichkeiten erhielten, durch die sie zuvor abgestoßen und verzweifelt wurden, weil die Reiter, die glauben, hiermit Wunder zu vollbringen, sie im Gegenteil derart bereit zur Abwehr machten, oder zum Begehen von solchen Bösartigkeiten und Vergehen, dass sie von ihnen nichts als Beschämung und Ungemach erhielten.

Daraus kann man lernen, dass der Kunstreiter in einer gleichartigen Situation seine Lektionen, Hilfen und Rügen in einer sehr bedachten Anordnung einsetzen soll, die dem Naturell des Pferdes angemessen ist, falls er in der Lage ist, ihre Kräfte und Neigungen gut einzuschätzen, und sie durch eine gut geregelte Gewöhnung an die Air der Korrektheit der Manege, die man ihm beibringen möchte, zustimmen zu lassen. So soll man nicht versuchen, wenn man durch die Reihenfolge guter Lektionen bereits bei der größten Anstrengung, die das Pferd frei produzieren kann, angekommen ist, noch mehr zu verlangen; sondern man soll ihm dann lieber häufig eine Entspannung geben und Gelöstheit auf seinen weitesten, korrekten und festen Proportionen der Manege entsprechend seines Alters gewähren, und eine gute Ernährung und Pflege durch die Betreuer, die es mit ihren Händen putzen, und eine kontinuierliche gemäßigte Übung der Schule, wodurch die Natur sie stärkt und verbessert, und erst danach die Anstrengung und die Leichtigkeit der erlernten und beachteten Lektionen zu erhöhen, und dass man, um ein cholerisches , empfindliches und bösartiges Pferd, das durch Verzweiflung oder durch Erhitzen abgestoßen wurde und ein extremer Feind der Schule ist, zu besänftigen und zu beruhigen, niemals Härte bei seinen Mitteln einsetzen soll, sondern im Normalfall eher ablassen von dem, was es eher angreift, und ihm möglichst die Erinnerung schwinden lassen; und dieselben Mittel, durch die das Pferd gut ausgebildet, beruhigt, oder zurück zur Schule gebracht wurde, soll man auch danach beibehalten. Und schließlich wird man erkennen, dass die Übung, zu der das Pferd am freiesten und am längsten zustimmt, diejenige ist, die am ehesten zu seiner Neigung passt, und ebenso, dass es eine Gewöhnung daran erreicht mit der nötigen Zeit und der guten Anordnung der Lektionen.

 




Band II, Kapitel 28


Regeln für den Handwechsel auf redoublierten Volten


[La Broue legt Wert darauf, die Übungen normalerweise immer an verschiedenen Stellen auszuüben, damit das Pferd sie nicht vorausnehmen kann und sie wirklich allein auf die Hilfen des Reiters hin ausführt, deshalb benutzt er hier das Wort "redoublieren" um damit auszudrücken, dass im Gegensatz dazu in diesem Falle die Übung vielfach auf derselben Stelle wiederholt wird; DA].

 

Ich habe in diesem zweiten Band noch nicht die Ordnung besprochen, die beim Handwechsel auf der Stelle auf redoublierten Volten eingehalten werden muss, denn mein Rat ist, nicht schon von den Übungen der getrennten Volten aus weiter zu gehen, bevor das Pferd nicht ausreichend fundiert, sicher und korrekt ist. So muss der Handwechsel, um gut proportioniert in seinen wahrem Takt und Ort zu sein, durch eine sehr kräftige, gehorsame und begrenzte Aktion ausgeführt werden: denn so gut das Pferd auch schon fähig und geregelt in seiner Lektion und seiner Manege sei: falls es nicht obendrein einen sehr freien Mut hat, bringt es diese Aktion sehr bald von seiner guten Schule ab anstatt es voranzubringen, wie ich noch besonders bei Gelegenheit ausdrücklich besprechen werde. Dieser Fehler passiert häufig dann, wenn der Kunstreiter die Fähigkeit eines Pferdes schlecht beurteilte, während er es beobachtet hatte, als es in guten Händen war, möglicherweise gut angeritten und schon in einer ausreichend schönen Air gearbeitet, und dies auch entsprechend seinem Naturell und seinen Kräften, Wenn er nun aber hoffnungsvoll beginnen möchte, es zu noch besserem Gehorsam und höherer Perfektion zu bringen, kommt es nichtsdestotrotz aber nur zu dem Ergebnis, dass er nach sehr langen Mühen beschämt gezwungen ist, aufzugeben und stehenzubleiben bei dem Status, in dem er es vorgefunden hatte, und manchmal sogar mit noch viel weniger. Und dazu komm es deshalb, wie ich schon anderswo erklärt und zu diesem Zweck hier wiederholen möchte, der gute Kunstreiter niemals die Kräfte des Pferdes das schon eine gute Übung schön ausführt, schwächen und nutzlos werden lassen soll, indem er versucht es mit extremem Zwang zu etwas zu bringen, was es nur unter zu großer Anstrengung zustande bringen kann. Stattdessen soll er sich lieber mit dem zufrieden geben, was er mithilfe der gut erlernten und angepasst ausgeübten Kunst aus der Neigung und den Kräften des Pferdes ziehen kann, ohne es zu überlasten oder zu überfallen, und die Ordnung der Lektionen seiner schwereren und korrekteren Manege klug verstärkt, nur so viel wie es von Natur aus versteht und fühlt, dass es dies lebhaft ausführen kann.

Damit also das Pferd lernen kann zu wechseln, und jede Hand korrekt wieder aufnimmt, beim Arbeiten und Redoublieren in einer gut unterhaltenen und auf einem Rund weitergeführten Ordnung, soll der Kunstreiter zu Beginn ausreichend eine gute Haltung von Kopf und Hals sichergestellt haben, und auch das Temperament der Anlehnung des Mundes, der Air seiner Lektionen und der Leichtigkeit der Manege der normalerweise verdreifachten Volten (damit durch diese, wenn es an der Zeit ist, die doppelten leichter werden), und er soll vor allem beachten, dass das Pferd ausreichend kräftig und locker ist, um eine gute Air gleichmäßig, lebhaft, in einem Atem und gut geformt ausführen zu können, ohne Unterbrechung auf den gedoppelten Volten, korrekt und wiederholt an einem Ort, ganz bis zu deren Ende; und ebenso, dass es keinerlei Hinweis auf ein entier-werden gibt, damit die Manege sich nicht am Ende als unsicher und gezwungen und dadurch viel weniger erfreulich erweist, als wenn man sich beschränkte auf die Ordnung der korrekt redoublierten Volten, mit getrennt bzgl .der Air, und normalerweise der Stelle, um die Hand zu wechseln, dabei jedes Mal das Pferd Atem und Kraft schöpfen lassend, als es falsch zu machen.

Man kann viele gute Lektionen benutzen, die geeignet sind den Wechsel und das Wiederholen der Volte zu erleichtern, von denen ich hier nur die nötigsten erklären werde. Aber zuvor rate ich dem Kunstreiter, der es üben will: wie sicher sein Pferd auch sei auf den zuletzt beschriebenen Lektionen, er sollte es zusätzlich einige Ritte auf engen Volten im zurückgehaltenen Trab oder im langsamen oder entschlossenen Galopp ausführen lassen, je nachdem ob es eine schwere, harte, stete, lockere oder schwache Anlehnung des Mundes hat, und es dabei häufig die Hand wechseln lassen, ohne anzuhalten, bis zum Ende der Manege, und dabei nicht vom korrekten, zu seinen Kräften und seiner Statur passenden Kreis abweichen, falls er nicht die Ordnung in den folgenden Skizzen beachtet, welche schon ausführlicher im ersten Band erklärt wurden, aber erst hier dargestellt sind.

 



A Piste um die Volte auf der linken Hand zu nehmen

B Piste um die Volte auf der rechten Hand wieder aufzunehmen


 

Wird diese tiefe Lektion angepasst ausgeführt, löst sie die Bewegungen des Pferdes zusätzlich durch den Handwechsel und dient dazu, es auf eine andere, mehr unterhaltene Aktion vorzubereiten und ist die Grundlage dafür, dass es nicht nur freier seine erhobene Manege wieder aufnimmt, sondern auch besser die Regeln der besagten Wiederholungen versteht. Denn um sie zu beginnen, muss man zunächst die Kräfte des Pferdes entfesseln und temperieren, denn ist es zu fest im Rücken oder zu weich, kann dies einige Unordnungen verursachen, was den Kunstreiter vielleicht dazu verleiten könnte, es zu schlagen, um es zu erziehen oder um ihm zu helfen, und dieses Missvergnügen auszulösen wird dann ein Fehler sein, weil alle Anfänge auch der bestbeachteten Korrektheiten viel eher durch Sanftheit und Streicheln als durch Strenge erreicht werden sollten, damit die Schwierigkeit der Schule dem Pferd weniger missfällt.

Sind Kräfte und Aufmerksamkeit des Pferdes also gut geneigt, lässt man es korrekt auf einer Hand zwei Volten in seiner Air ausführen, beendet dies mit ein oder zwei Takten auf der Stelle, etwas nach vorwärts, um es zu lehren seine vier Füße auf einer geraden Linie abzustellen, die den Kreis seiner Piste halbiert.

 



Ist es eingestellt auf diese bestimmte Stelle, lässt man es sanft einige Schritte rückwärts gehen um es auf die wahren Kreise seiner Lektion zurückzubringen, und stellt ihm danach ein wenig den Kopf auf die andere Hand, und lässt auf dieser sogleich die Vorderfüße ungefähr zwei Schritte in einer sorgfältigen Passege angehen, ohne dass die Hinterfüße die eingezeichnete Linie verlassen, die man sieht am Buchstaben A, und ohne eine neue Spur zu machen, um dann seine erhobene Manege wieder aufzunehmen; und macht danach zu dieser anderen Seite zwei in Takt und Korrektheit gleiche Volten wie die ersten.


Für die linke Hand



Sind diese anderen beiden Volten beendet auf der beschriebenen Stelle auf der geraden Linie, hält man dann geduldig dieselbe Ordnung ein, um die Volten auf der anderen Hand wiederaufzunehmen und auszuführen; und benutzt so klug diesen Stil, ohne von der Piste und dem korrekten Kreis abzuweichen; dabei muss man nach und nach die Zeiten verkürzen, an denen man das Pferd durchpariert, nachdem es die zwei Schläge auf der Stelle ausgeführt hat, und durch die es jedes mal auf die Linie platziert und beruhigt wird am Ende der Volten auf jeder Hand. Und bald danach kann man die zwei Schritte, mit denen man das Pferd mit dem Kopf und den Schultern die erste Aktion der Volte machen lässt, wenn man sie wiederaufnehmen oder wieder beginnen möchte, leicht verringern, einen nach dem anderen, durch ein früheres Erheben des Pferdes, und mit diesen Mittel wird seine Air beim Handwechsel dann gar nicht mehr unterbrochen; so führt man dann bei dieser Art des korrekteren Wiederaufnehmens nur einen einzigen Schlag auf der Stelle aus, ein wenig vorwärts auf der Linie, beim Schließen der Volte.





Sollte sich das Pferd beim Ausführen dieser Lektion zu locker oder zu zurückhaltend erzeigen, muss man die Schläge, die es vor dem Handwechsel wieder einrichten, auf der Linie, die die Volte halbiert, weiter nach vorn gehen lassen, wie es hier unten in der ersten der beiden Skizzen gezeigt ist; verhärtet es dagegen die Anlehnung des Gebisses mehr als an die ganze Hand, muss man die letzten Schläge mehr zurückhaltend auf einer Stelle machen lassen, und manchmal sogar es gleich darauf rückwärts gehen lassen an deren Ende, um die Hand da zu wechseln, wo es sich leichter erzeigt, und dabei immer die korrekten Proportionen dieser Volten einhalten, in welchem Teil auch immer man sich befindet, je nach dem Gehorsam, den das Pferd zeigt.







Band II, Kapitel 29


Über den Irrtum jener, die glauben, dass man nicht viel Kunst braucht, um die gut ausgebildeten Pferde der Manege in der guten Schule zu erhalten


 

Der gemeine Glaube, dass ein mittleres Wissen ausreiche, um vielerlei Arten von Pferden in einer guten Schule zu erhalten, vorausgesetzt sie seien zuvor gut ausgebildet worden, ist ein großer Irrtum. Denn der Kunstreiter muss, um dies zu erreichen, genauso viel oder noch mehr wissen, will er dies versuchen, und eine gute Geschicklichkeit besitzen, um sie gut arbeiten zu können; denn zwar ist es wahr, dass man sieht häufig die jungen Reitschüler in dieser Kunst die neu angerittenen Pferde lösen, und sie auch manchmal eine Zeit lang dazu bringen, eine gute Manege auszuführen (sei es durch Zufall oder anderweitig), weil das unwissende Pferd so sehr die Hilfen und Rügen, die es noch nicht gut kennt, annimmt und fürchtet, dass es damit reagieren möchte, und von Natur aus viele und derartige Anstrengungen unternimmt, so das es eine viel bessere Air und Korrektheit ausführt, als danach, wenn es einige Male den Stil und die Schule seines jungen oder neuen Kunstreiters trainiert hat, der sehr bald darauf sein Latein verliert, wenn er weiter vorankommen möchte; und je häufiger er sich am Boden seines Wissens gekommen sieht, findet er sein Pferd, von dem er sicher war, es gut ausgebildet zu haben, abgestoßen. Deshalb ist es eine Maxime dass es nur den klügsten und exzellenten Meistern gelingt, verdorbene, verwirrte und abgestoßene Pferde gut zurückzuführen und zu verbessern. Denn dazu muss man nicht nur deren natürlichen Gemüte und Charaktere erkennen können, sondern schon anhand weniger Ausschweifungen und Anzeichen erahnen, was sie zu sehr angreifen und erschrecken könnte, und wissen, wie sie zu trainieren und zu beruhigen sind durch Regeln und Hilfen, die geeignet sind, das Misstrauen zu vertreiben, das sie die Schule hassen ließ.

Dies beweist leicht genug, dass nur die besten Meister das ausgebildete Pferd in einer guten und korrekten Schule erhalten können, weshalb man bei dem größten Teil der alten Manegepferde sieht, dass sie fast immer von sich aus spüren, ob man ein guter oder schlechter Pferdemensch ist: so sehr, dass sie, werden sie gebeten von einem Reiter, der keinen ausreichend festen Sitz im Sattel hat, diesem keine Zufriedenheit verschaffen, und es so scheint, als hielten sie ihn zum Narren; wenn sie aber andererseits erkannt haben, dass ein guter Kunstreiter etwas von ihnen möchte, begeben sie sich sogleich in die Air und in den guten Gehorsam ihrer Manege, an der Stelle, an der es von ihnen verlangt wird. Ich könnte hier unendlich viele böse Tricks und Durchtriebenheiten auflisten, zu viele, um sie alle zu beschreiben, die ich gesehen habe bei vielen alten Pferden der Schule, unter denen ich sicher bin, dass man darunter so Erstaunliches findet, dass man kaum an deren Wahrheitsgehalt glauben mag. Aber nun werde ich mich nicht weiter mit deren Beschreibungen amüsieren. Am Ende sieht man sehr wenige der gut geschulten und angepassten Pferde in einer lebhaften Manege, die nicht unter den Regeln zumindest eines guten Meisters korrigiert wurden, und gewöhnlich sogar vieler, unter denen sie häufig mit dem größten Teil der besseren Hilfen, Rügen und diverser anderer Mittel der Kunst trainieren konnten, gegen die sie vielleicht zuvor so sehr eingestellt und in Abwehr gewesen waren, und dass sie viel, und häufig wirr, den Geist der Kunstreiter beschäftigt hatten, bevor sie frei der Air und der Korrektheit ihrer Lektionen zustimmten; und ebenso sieht man häufig genug, dass die geschulten und besser angepassten Pferde von Natur aus häufiger viele Abwandlungen in ihren Übungen machen aufgrund ihrer bizarren und verschiedenartigen Gemüter, als durch den Fehler des Kunstreiters. Weit entfernt davon also, dass ein Reiter, der nicht viel Grundlagen in dieser Kunst besitzt, Manegepferde verbessern oder lange Zeit in der guten korrekten Übung halten könnte, die durch eine lange Gewöhnung und Routine der Schule trickreich und durchtrieben wurden, sind selbst die exzellentesten Meister gezwungen, jeden Tag neue und subtile Mittel zu erfinden, die geeignet sein könnten, sie zum guten Gehorsam der guten Schule zustimmen zu lassen.

 







 

 

Band II, Kapitel 30


Andere Regeln, die gewöhnlich am besten geeignet sind, Pferde mit großer Kraft, die gut an der Hand sind und schon gut geschult waren, zur Schule zurückzubringen, nachdem sie abgestoßen und unkorrekt wurden

Es darf nicht ungewöhnlich erscheinen, dass die häufigste Schwierigkeit der Korrektheit der Volten in der Ordnung besteht, die das Pferd mir den Hinterbeinen einhalten soll, weil der Reiter, der auf dem Pferd und auf der Vorhand des Pferdes getragen wird, seine Zäumung in seiner Hand hält, und normalerweise seinen Blick auf die Haltung von Kopf und Hals richtet, oder auf die Aktion der Schultern und der Vorderbeine, und ebenso alle seine Hilfen und Rügen sich auf die Fehler richten, die es in den Partien der Vorhand machen kann; so fällt es ihm auch leichter, die Bewegungen, die das Pferd mit den Schultern und dem Vorderbein macht, korrekt zu proportionieren, als die begrenzte Ordnung der Hinterfüße und der Kruppe einzuhalten; dennoch ist es notwendig, dass die Leichtigkeit der einen wie der anderen dem guten Meister geläufig ist. Denn man soll nicht all das, was das Pferd mit der Vorhand macht, mehr beachten als das, was es mit der Hinterhand macht, bis hin zu den kleineren Fehlern der Hanken, des Schweifes, der Sprunggelenke und auch der Füße; und um klug die passenden Mittel bei gewöhnlichen Fehlern einzusetzen, die in der Korrektheit der Volten auftreten, muss man berücksichtigen, dass wenn ein von Natur aus nicht störrisches sich eingeengt und dabei die Hanken zu sehr in die Volte trägt, dieses gewöhnlich ein Hinweis darauf ist, dass es nicht viel Kraft besitzt, oder dass es zu empfindlich, abgeneigt und furchtsam ist; wenn es dagegen sehr schlecht daran zu hindern ist, die Kruppe nach außen zu werfen, ist dies ein Zeichen dafür, dass es sehr böswillig, nachtragend und Feind der Schule ist. Wenn das Pferd eine steten Kopf und einen steten Mund hat, wenn es frei geht im Trab und im Galopp auf jeder Hand, und wenn überhaupt die engsten und korrektesten Passegen der zuvor beschriebenen und skizzierten Lektionen nicht ausreichen, um es die Kruppe häufig aus der Volte werfen zu lassen, wenn es seine Manege erhebt in einer lebhaften Air, möchte ich, dass man es, ohne es den Hals oder Körper biegen zu lassen, im Seitwärts gehen lässt, die Vorderfüße auf der Linie A, und die Hinterfüße auf der Linie B.



 

Hat es einige Schritte in dieser Weise zurückgelegt und gut gehorcht, hält man es an und hält seine Hinterfüße zurück auf der Stelle des Buchstabens C, und wendet dementsprechend die Vorderfüße, ohne zu acülieren oder vorwärts zu gehen, bis diese auf dem Buchstaben D angekommen sind, und sobald der Winkel mit den Hinterfüßen wieder hergestellt ist, lässt man es wieder seitwärts gehen wie zuvor.



 

Diese Figur muss man weiterführen in der selben Ordnung, bis sie viereckig und geschlossen ist, und falls das Pferde eine zu harte oder zu schwere Anlehnung des Mundes hat, verschafft die Bequemlichkeit eines ausreichend engen viereckigen Raumes, oder mit wenigstens drei ausreichend hohen Wänden, die einen viereckigen Platz bilden und eingrenzen, der zu dieser Übung passt, dem Kunstreiter und dem Pferdemund viel Gelöstheit. Denn dieses Mittel ist geeignet für seine Lockerheit und sein Gedächtnis, zusammen damit, dass die engen Lektionen, die normalerweise an einem geschlossenen und begrenzten Raum gegeben werden, häufig dabei helfen, ein ungeduldige Pferd zu schulen und auf kleinem Raum zu arbeiten, umgeben von vielen Personen; allerdings kann diese Unterordnung diejenigen, die von Natur aus furchtsam oder mit wenig Kraft ausgestattet sind, gelegentlich erniedrigen.



 

Nachdem man ihm diese viereckige Seitwärtspassege gut beigebracht und trainiert hat, bringt man es in seine erhobene Air beim Ankommen der Vorderfüße auf dem Buchstaben E, und wendet von hier auf der Anlehnung der Hanken bis zum Buchstaben F, hält ihm dabei die Hinterfüße auf C, wie ich es für den ersten Winkel beschrieben hatte, und macht danach weiter seitwärts im Schritt auf allen geraden Linien bis zu den Ecken.



 

Hat das Pferd diese Lektion verstanden und gut ausgeführt, lässt man es die Seitwärtspassege verkürzen und verlängert entsprechend die Tour und die Schläge wie in der folgenden Skizze: d.h. wenn die Vorderfüße im Seitwärtsschritt am Buchstaben E ankommen, lässt man das Pferd sich erheben zum Wenden in seiner erhobenen Air, ohne den Takt zu unterbrechen, bevor die Vorderfüße nicht auf den Buchstaben F gesetzt wurden, (dabei unterstützen die Hinterfüße die Air und die Unterordnung und begleiten die erhobene Manege entsprechend der Spur C) und macht dann weiter mit der Seitwärtspassege auf den geraden Linien, bis zum Buchstaben G, um dort sogleich die erhobene Air wieder aufzunehmen und von hier wieder weit und locker zu wenden und so diese Figur zu schließen und zu beenden nach derselben Regel auf dem Buchstaben H.



 

Damit das ungehorsame und schelmische Pferd sich nicht so leicht an die Stellen, die in dieser Lektion eingehalten werden, erinnert, und es nicht normalerweise an diesen von selbst die Ordnung der Passege beendet mit der erhobenen Air auf der gemerkten Stelle, muss man gelegentlich diese Bahnfigur drehen, wie unten dargestellt, dabei immer dieselben Proportionen einhaltend: denn mit diesem Mittel sieht es weniger seine Bewegungen voraus und bleibt deshalb viel aufmerksamer für die des Reiters.



 

 

I Piste der Vorderfüße beim Ausführen der erhobenen Air auf der Demi-Volte dieser Lektion

K Piste der Hinterfüße die es in diesen Demi-Volten hält

L Piste der Vorderfüße auf der traversalen Passege Piste der Hinterfüße die diese traversale Passege begleiten.


Nachdem das Pferd die Passege und die Schläge dieser Lektion schon gut und leicht geübt hat, lässt der Kunstreiter es nach und nach die Seitwärtsschritte auf den geraden Linien verringern, bis durch diese Maßnahme die Volte abgerundet und ebenmäßig in Air und Korrektheit ausgeführt wird.



 

Wenn sich das Pferd beim Ausführen dieser Übungen zu locker zeigt, zu laufen beginnt oder sich acüliert, lässt man es einige Schritte geradeaus gehen, nachdem man es hat seitwärts gehen lassen, und wenn die Vorderfüße am Buchstaben A angekommen sind, lässt man es sogleich ein Viertel einer Volte im Schritt ausführen, und beendet dieses auf B, ohne dass die Hinterfüße C verlassen, und lässt es sofort danach erneut seitwärts gehen wie zuvor, und macht auf diese Weise Viertel für Viertel weiter gemäß folgender Skizze.

Für die linke Hand

 



Indem man nach und nach und zur rechten Zeit die Schritte reduziert, die das Pferd macht, sowohl seitwärts als auch geradeaus, kann sich diese Schulproportion abrunden bis zur Vollendung, was man leicht verstehen kann mithilfe der vorhergegangenen Übungen.

Falls aber das Pferd, anstatt zu locker zu sein, derart hart und schwer in der Anlehnung an den Mund sein sollte, dass die Übung es nicht ausreichend leichter macht, soll sie nach der untenstehenden weiteren Figur ausgeführt werden: nämlich, wenn das Pferd seitwärts geht, wie ich es erklärte, und ankommt mit den Vorderfüßen auf O, lässt man es rückwärts gehen bis zum Punkt A, und die Hinterfüße auf C, und von hier wendet man es kurz im Schritt ein Viertel einer Volte bis auf B, und macht so weiter, Viertel für Viertel nach dieser Skizze, und verkleinert nach und nach in dem Maße, wie das Pferd lockerer und leichter wird: mit diesem Mittel kann man in kurzer Zeit eine sehr nutzbringende Wirkung erzeugen. Dabei muss man vor allem vermeiden, dass das Pferd weder beim Rückwärtsrichten noch beim Wenden die Kruppe zu sehr nach innen bringt, oder den Kopf genauso wenig heraus.


Für die linke Hand

 



Weil ich sicher bin, dass man häufig cholerische und durchtriebene Pferde findet, die derart ungehorsam, verdrossen und verstockt sind, dass diese Übungen (welche viele einzigartige Effekte bzgl. des Gehorsams der Kruppe erzielen) nicht ausreichen, sie genug in der Volte zu halten, ohne dass die Aktion des Reiters sehr beansprucht und zwingend ist, möchte ich, dass man ein Pferd dieses Naturells gelegentlich entlang und nahe einer Wand trainiert, und dass es dort beim korrekten Passegieren auf der Volte beginnt, sich in seiner Air zu erheben und zu lösen, mit fast geradem Kopf und gegenüber der Wand (aber mit auf einem oder zwei Schritten Abstand von dieser, um die Schläge besser ausführen zu können), und dass man es, sobald es die Volte geschlossen hat, auf derselben Stelle, an der es sie begonnen hatte, hinein und seitwärts treibt, mit äußerem Sporn, Gerte und Hilfe des äußeren Kappzaumes, wodurch man ihm die Frontseite gerade und nah genug an der Wand hält; und wenn es gehorcht hat, geht man frei seitwärts weiter, gewöhnlich sechs Schritte, lässt es sehr kurz wenden auf dieselbe Hand, ohne anzuhalten, und bringt es wieder zurück in seine Air, und lässt es eine andere gleichartige erhobene Volte ausführen, beginnt und beendet sie gegenüber der Wand. In dem Moment, indem es zu sehr mit der Hinterhand ausfallen sollte, rügt man es von neuem auf dieser Seite und treibt es zurück, um weiterzumachen mit mehrere Male, wenn es nötig ist, auf dieselbe Art, ohne aber die Kräfte und den Geist des Pferdes zu überwältigen, damit es nicht abgestoßen, verdrossen oder verzweifelt wird.


Skizze für die rechte Hand

 



 
 

A Linie der Wand

B Linie der Piste der Vorderfüße auf der Seitwärtspassege

C Linie der Piste der Hinterfüße auf dieser Passege


Auch passiert es gelegentlich, dass sich trotz der engen Unterwerfung dieser Übung ein extrem böswilliges und ungehorsames Pferd entzieht durch ein geringes oder starkes Herausbringen der Kruppe, fast so sehr, dass es beginnt zu wenden, um den Zwang der Wand zu verlassen, und verfälscht mit dieser Aktion die Volte durch das Ausfallen der Hinterhand, bis es sich zum Schließen wieder nahe der Wand wiederfindet, was es notwendigerweise es zurück versammelt und zurück schult gegenüber der Wand, oder aber, falls es sich nicht durch dieses Mittel der Korrektheit und Leichtigkeit der Volte widersetzt, es böswillig träge wird, oder sich zurückhält und völlig die erhobene Bewegung der Schultern verweigert, oder in Wut derart seine ganze Aktion aufgibt auf der Anlehnung der Hand, dass der Kunstreiter so kräftig er auch sei, nicht gut deren Schwere oder Härte aushalten kann.

Aber wenn das Pferd sich in dieser Art und mit diesen Mitteln verweigert oder wehrt, sollte der Kunstreiter gut abwägen, welche Rügen angemessen und normal sind, und diese nur, um es spüren und erkennen zu lassen, dass man es nicht verschont von den Strafen für diese Böswilligkeiten. Allerdings zu versuchen, es völlig zum Gehorsam und zur Leichtigkeit der Air und der Korrektheit und einer Lektion der Geduld und des Gedächtnisses, durch die Gewalt der Schläge, durch Quälerei und Arbeit zu bringen, wenn es in diesem Gemütszustand so schlecht und bösartig ist, kann es zwar dadurch zufällig auch mal besser werden, wie es schon mal geschieht bei einem Pferd, das mehr Kraft und Neigung hat als Ungestüm und Mut; ist es dagegen cholerisch, empfindlich und mutig, gibt es häufig zwischen Ungehorsam und Rüge eine solche Gleichheit, dass dies nicht nur die Gefahr birgt, das Pferd völlig zu erniedrigen und abzustoßen, sondern dadurch auch eine so große Gefahr für seine Gesundheit entsteht, dass vielleicht sein Leben gefährdet wird oder es dies gar ganz verliert. Es ist deshalb viel besser, die Kunst zu suchen und die sichereren Ausführungen: nämlich anstatt das Pferd zu treiben, wie ich sagte, beim Aufnehmen der Volten und Verlassen der Wand, es besser sorgfältig sanft auf seine korrekte Passege zu bringen, am Buchstaben A, wie es hier nach der ersten Skizze markiert ist, und es bei der Ankunft an diesem Buchstaben mit wenig Hilfeneinsatz, gemächlich und locker in seine Air zu bringen, um in dieser die Volte zu schließen, mit korrekter Ankunft auf B direkt gegenüber der Wand, es danach seitwärts gehen zu lassen und auf die Volte zurückzuführen, nach der beschriebenen Regel. Und in dem Maße, wie es friedlicher und ruhiger wird, muss man subtil den Takt seiner erhobenen Air verstärken, und es so durch Geduld nach und nach auf dem korrekten Raum der Volte verbessern, bis zur ihrer Perfektion wie es hier dargestellt ist:

Für die rechte Hand

 



 

 

A Linie der Wand

B Linie der Passege der Vorderfüße seitwärts gehend

C Linie der Piste der Hinterfüße seitwärts auf dieser Passege

Mit diesen 4 Kreisen meine ich nicht, dass die erhobene Volte viermal ganz ausgeführt werden soll, sondern dies ist nur eine verkürzte Demonstration, durch die man die Ordnung dieser Übung verstehen soll. Aber bei der Durchführung muss man Fuß für Fuß die Schläge der Air des Pferdes auf seiner korrekten Passege gewinnen, und sie gelegentlich verringern je nach seiner Disposition, je nach gutem oder schlechtem Gehorsam; und schließlich soll die Anzahl der Touren allein durch das gute Urteilsvermögen des Kunstreiters bestimmt werden.

Je nachdem, ob das Pferd leicht den Stil dieser Voltenübung praktiziert, lässt man es dabei klug die Ordnung der erhobenen Manege von Viertel zu Viertel auf seiner Passege verstärken, ohne irgendetwas zu verändern, verdoppelt und schließlich verdreifacht oder noch mehr, so wie es kann die ganzen Volten, durch dieselben Mittel, und ganz so, wie ich es beschrieben habe bei den vorhergehenden Übungen, verkleinert oder vergrößert wenig oder viel die besagte Ordnung, je nachdem er erkannt hat, ob das Pferd sehr erschrickt über diese sehr starke Lektion, oder ob es nicht mehr der Freiheit dieser Lektion oder der begrenzten Unterordnung der Korrektheit zustimmen will; denn eine der Maximen, die der Kunstreiter bei all diesen Übungen und Regeln sehr genau beachten muss, ist, immer den Mut und das Gedächtnis des ablehnenden Pferdes, das eine gute Neigung hat, zu erhalten, und die Dinge vorauszusehen und zu vertreiben, die cholerisch und bizarr sind, und durch deren flegelige Phantasien es opponieren und sich wehren könnte gegen den Gehorsam und das Reglement der guten Schule.

Mit all diesen Berücksichtigungen, zusammen mit den guten Auswirkungen der genannten Regeln, bringt der gute Kunstreiter in kurzer Zeit das Pferd zu der Perfektion, zu der es fähig ist. Am Ende vereinigen diese Lektionen, wenn sie gut praktiziert werden, die Kräfte des Pferdes, indem sie ihm die Kruppe unterordnen, ihm das Gedächtnis stärken, den Kopf, den Mund und den Schweif ruhig stellen, und es in dem selben Maße leichter machen, vorausgesetzt, der Kunstreiter ist gut fundiert und besitzt die Hilfe und Aktion einer subtilen und gemäßigten Hand, und auch all seine anderen Bewegungen sind stet, leicht und sorgfältig. Aber dieselben Übungen können die Fähigkeit zum Wenden verhärten und zurückhalten, wenn sie nicht gelegentlich erweitert, und häufig im Trab, oder Galopp auf einem Hufschlag und Kreis beendet werden, wie ich gesagt habe, vor allem, wenn das Pferd zu schwer auf den Schultern liegt oder von Natur aus einen steifen oder harten Hals hat. Auch deshalb habe ich an vielen verschiedenen Stellen geschrieben, dass die Leichtigkeit der erhobenen und korrektesten Volten nicht zuletzt aus der Manege des resoluten und fleißigen Terre-a-Terres entsteht.

 






 

Band II, Kapitel 31


Die Aktion des Schulpferdes auf der Volte lösen und schulen, ohne sie zu verfälschen, falls es nach einem zwingenden Unfall oder durch eine böswillige Anwandlung die Bewegung der Schultern, des Halses und der Anlehnung des Mundes verhärtet und in seiner korrektesten und sorgfältigsten Manege entier wird


 

Wenn der ungeduldige Kunstreiter die Ordnung der korrektesten Lektionen auf den Volten hastig und plötzlich erreichen will, ohne diese gelegentlich zu erweitern und ohne dem Pferd die notwendige Muße zum Verstehen und Üben zu verschaffen und es nur nach und nach in seine Perfektion zu trainieren, verursacht er zweifellos viele konfuse Gelegenheiten, vor allem zum Einengen und Entierwerden, anstatt es einzurichten und zu schulen. Denn die meisten sehr engen Rügen, die man normalerweise außen gibt, werden, wenn sie zu lange andauern, in kurzer Zeit solche Unordnungen verursachen, dass das cholerische und empfindliche Pferd die Geduld verliert, und, falls es sehr ablehnend und melancholisch ist, furchtsam wird in der Weise, dass es gelegentlich in mancher Reiteinheit so scheint, als kenne das eine oder andere Pferd die wahren Proportionen und freien Bewegungen der korrekten Manege der Volten gar nicht mehr, und könne sich an nichts anderes mehr erinnern, als nur ängstlich den Rügen nachzugeben, und diese einzige Furcht lässt sie sich so stark einengen in die Volte hinein, dass sie dadurch hart in der Hand und entier werden. Das ist es, woraus der noch schlecht fundierte Kunstreiter lernen kann, dass er sich besser an die gewöhnlichsten Regeln hält, als solche zu versuchen, die nicht gut wirken können, außer vielleicht gelegentlich unter Reitern, die sehr viel Urteilsvermögen, Wissen und Praxis haben.

 

Um bei diesem Ereignis, das eines der konträrsten gegen die Freiheit aller schönsten Manegen ist, zu helfen, soll man normalerweise einen freien und ausgreifenden Trab benutzen, und häufig einen resoluten Galopp, und in dem einen und wie dem anderen das Pferd auf einer Volte mit einer Hufspur und mit freiem Vorwärts schieben des Armes und der Zügelhand und mit den normalen Rügen helfen, vor allem mit dem Sporn auf der Seite, auf der es sich einengt, und häufig auch ganz vorsichtig mit der Gerte an der Nase außerhalb der Volte: denn durch diese Mittel kann man es schulen und ihm die Eindrücke oder schlechten Angewohnheiten vertreiben, die es sich zurückhalten, verhärten und zu sehr einengen lassen. Trotzdem doch die Korrektheit der sehr engen Regeln schon der Grund für diese falsche Anwandlung war, kann dass ablehnende oder böswillige Pferd wieder in denselben Fehler zurückfallen, wenn man es danach verengen möchte, und aus diesem Grunde soll man gelegentlich eine andere Regel anwenden, die geeignet ist für die Leichtigkeit auf der Volte, ohne ihm die Kräfte auseinander fallen zu lassen, wie es vorkommen kann, wenn man ihm die o.g. Freiheit des Trabes und durch Treiben und Loslassen im Galopp auf der Volte mit einem Hufschlag gibt.

Wenn also das Pferd an einer Stelle der Volte sehr stark die Anlehnung an das Gebiss verhärtet, sei es während der Passege oder beim Ausführen seiner Air, und es den Hals zu gebunden hält, und es die wahre und notwendige Bewegung der Schultern zurückhält, mit spornstätigem und ungehorsamem Mut, oder völlig unwillig, und sich einengt, indem es den ganzen Körper in einem Stück in die Volte oder seitwärts in der Volte trägt, um dort weder zu arbeiten noch hinein zu sehen; dann wünsche ich, dass man es, anstatt es auf einer sehr langen Strecke der Volte entschlossen traben oder galoppieren zu lassen, an der Seite rügt, die man so hart und entier findet,und es im Schritt seitwärts treibt, und stark genug an der anderen Seite mit dem Sporn, der Gerte und dem Kappzaumzügel rügt, aber nur so stark, wie es entsprechend seiner Verstocktheit nötig ist, und sobald es diesen Rügen im Seitwärts nachgegeben hat, es zurückbringt in die Ordnung seiner Manege an der Stelle, an der es sich am besten gehorsam und locker zeigt, gemäß der Ordnung auf der unten stehenden Skizze.

Um diese Skizze gut zu verstehen, muss man die Proportionen der vorangegangenen korrekten und auf derselben Stelle wiederholten Volten im Gedächtnis haben, sowohl die, bei denen das Pferd seine vier Füße auf einer einzigen Spur hat, als auch die, bei denen die Hinterfüße eine getrennte Kreisspur von und innerhalb der der Vorderfüße machen. Und wenn man nun das Pferd an einer Stelle dieser Volte rügen will, weil es entier wird, durch Seitwärtstreiben aus der Volte heraus mit Sporn und Gerte, soll dies beibehalten werden vom Verlassen der Vorderfüße des Punktes A und der Hinterfüße des Punktes B an, wenn es den Rügen durch Seitwärtsvergrößern nachgibt, und ohne die geraden Seitwärtslinien zu verlassen bis zu den Buchstaben C und D: diese letzten Punkte bezeichnen die Stelle, an der das Pferd der Hilfe und Rüge zustimmt, und hier, wo dieser Gehorsam umschlägt, versammelt man es dann ganz kurz und bringt es in seine Manege zurück, sei es im Schritt oder mit den Schlägen seiner erhobenen Air, oder aber in den Trab auf einem Hufschlag, um es noch weiter an die Hand zu arbeiten, falls es Schwierigkeiten hatte, und nimmt dabei wieder dieselben Rügen auf, an jeder Stelle, an der das Pferd sich verhärtet und sich in die beschriebene Abwehr begibt.

Und wenn es eine zu harte oder zu schwere Anlehnung des Mundes hat, ist die Bequemlichkeit einer Wand sehr hilfreich, um es leichter zu machen: man beendet dann häufig die Volten, indem man ihm die Front nah der Wand hält und es sogleich seitwärts gehen lässt, gegenüber und entlang der Wand.


Skizze für die linke Hand


 

E Piste der Vorderfüße auf der Seitwärtspassege vom Buchstaben A bis zu C

F Piste der Hinterfüße auf dieser Passege, seitwärts von B bis D


Der gute Kunstreiter urteilt leicht, dass diese Regel, wenn sie gut ausgeführt wird, als Mittel für ein Schulpferd dienen kann, das durch ein Ereignis entier wurde, und dass ihm diese seine Kräfte vereinigt hält, denn es kann nicht korrekt seitwärts gehen, ohne sich zu versammeln; dass sie ihm falsche und zurückhaltende Aktion der Kruppe vertreibt, durch die es sich verhärtet und zurückhält mit Verweigern einer freien Wendung,weil es so zur entgegengesetzten Seite getrieben wird; dass sie ihm Kopf und Mut auf die Piste der schweren Volte einstellt, durch die Unannehmlichkeit und den Druck der Rügen, vor allem dem des Sporns, der nur innen und häufig nahe der Schulter ausgeübt wird; dass sie das Pferd nicht falsch einrichten kann, wenn es normalerweise durch eine stete und temperierte Anlehnung der Hand unterstützt und dadurch in einer verkürzten und ausreichend untergeordneten Haltung erhalten wird. Dennoch findet man gelegentlich derart verstockte, erschreckte oder verwirrte Pferde, dass diese Regel Ihnen nicht viel Können bringt, vor allem wenn sie zu lang andauernd fortgeführt wird, ohne bei guten Gelegenheiten nachzugeben und zu erweitern, denn dann ist es ja nötig, im Trab oder Galopp in dem Moment, in dem das Pferd frei zur Seite nachgibt, abzurunden, vor allem beim Beenden dieser Lektionen und schweren Rügen: denn nach diesen Mitteln wird es der engen Unterordnung weniger abgeneigt sein und sehr locker zu den folgenden Lektionen weitergehen. Am Ende bringt das Benutzen dieser Regel mit gutem Urteil zweifellos viele gute Effekt für die Leichtigkeit der Volte.






Band II, Kapitel 32

 

 

Wichtiger Hinweis für das Zusammenspiel von Kappzaum- und Gebisseinwirkung beim Training eines unruhigen Pferdes für die guten Manegen


Beim Training eines Schulpferdes kann man leicht zwei sehr gewöhnliche Irrtümer begehen: der eine ist, zu sehr den Zwang des Gebisses einzusetzen und dabei den Großteil der Hilfen mit dem Kappzaum zu vernachlässigen; der andere, zu stark an den Kappzaumleinen und an der Anlehnung des Kappzaumes zu ziehen und dadurch die guten Wirkungen des Mundstücks fast völlig nutzlos werden lassen, vor allem beim Wenden zu einer Seite. Beim ersten dieser Fehler bekommt ein Pferd, das eine Anlehnung mehr als an die ganze Hand hat, normalerweise Druckgeschwüre im Mund und am Kinn. Durch den anderen passiert es, dass das Pferd, welch Naturell auch immer es hat, hart oder entier wird, wenn man es dann ohne Kappzaum arbeiten will. Deshalb wünsche ich mir, dass der Kunstreiter sich als Maxime erinnert und daran hält, dass bei allen Bewegungen der Hand, die dem Pferd den Willen des Reiters kundtun sollen, die Aktion des Kappzaumes immer von einer zum selben Effekt ausgeführten Aktion des Mundstückes gefolgt werden soll. Denn der Nutzen des Kappzaumes besteht darin, ein junges oder unwissendes Pferd zu leiten und zu gewöhnen an die Leichtigkeit der korrekten Bewegungen der Zaumhand. Dies erfährt der auf dem Pferd Sitzende, der sich angewöhnt hatte, mit dem Kappzaum ohne die o.g. Vorsichtsmaßnahme zu arbeiten, und nur mit dem Gebiss locker durchpariert und in dieser Weise das Ungestüm des furiosen Ansprengens von der Hand beendet und zurück hält, oder eines Kurses angetrieben mit vollem Schub (normalerweise soll ja eine solche Unterordnung notwendigerweise durch die gemeinsam eingesetzten Zügel und Leinen erzielt werden), denn wenn er es dann arbeiten lassen möchte, findet es sich zweifellos häufig hart oder entier, weil er es vorher gelehrt hatte zu wenden allein auf eine Aktion des Kappzaumes hin, ohne die Unterstützung des Mundstückes, das nur den Kopf beigezäumt gehalten hatte.

 

 





 



Band II, Kapitel 33


Anleitung zur Anpassung und Verfeinerung der Manege eines Pferdes, das bereits gemäß der vorhergehenden Regeln, oder auf andere Art, auf den erhobenen, redoublierten Volten in der Demi-Air geschult wurde


 

Viele Personen reden leicht hin über diese Kunst, und meinen, die wahren Korrektheiten der schönsten Airs und Manegen unserer Schulen gut beurteilen zu können, und zu wissen, aus welchen Aktionen und subtil beachteten Proportionen die Perfektion einer solchen Übung zusammengesetzt ist. Der größte Teil derer, die glauben, dies gut zu verstehen, redet vielleicht weniger verwegen vor guten Meistern. Obendrein meine ich, dass unter denen, die für exzellente Kunstreiter gehalten werden, es nur wenige gibt, die zu einer korrekten Anwendung dieser Proportionen fähig sind, wie lange Zeit sie auch geübt und wie viel Wissen sie auch erworben haben mögen in ihrer Kunst. Denn die leichte Beachtung dieser Korrektheiten ist eine besondere Eigenschaft, die sich nicht von allen Geistern, die sie erlernen möchten, erreichen lässt. Und deshalb findet man normalerweise auf allen guten Schulen einige Pferde, die unterschiedlich schlecht ausgebildet und bösartig wurden, aber durch die Mittel der guten Meister am Ende friedlich, entschlossen und gut arbeiten, ich meine damit: mit einem steten Mund, Hals und Kopf, sehr gehorsam beim Durchparieren und Wenden, gleich auf welcher Hand. Und diese sind tatsächlich, wie man zugeben muss, ganz offensichtliche Beweise für die Kompetenz der guten Kunstreiter. Aber nach all dem wäre es schon viel, wenn man sagen könnte, dass alle die Korrektheit so exakt und leicht wie es sein soll, einhalten und in der Art, wie ich möchte, dass sie eingehalten werden soll. Man sieht in der heutigen Zeit nur sehr wenige Pferde, die sich gut anpassen und vollenden lassen, ich meine auch im Königreich Neapel, wo es Gestüte gibt, die gewohnt sind solche zu produzieren, und ich habe gelernt, da wo sie vorangehen, an einem ganz besonderen Ort, so dass man sich nicht sehr wundern sollte, dass hier in Frankreich nur wenige gut geschulte Pferde gehalten werden, weil hier der Kunstreiter sich normalerweise lange Zeit mit anderen Übungen beschäftigt als mit den schönen Künsten und zarten Airs und Manegen unserer Schulen; und obendrein dienen die besseren Kunstreiter heute in den Reitställen der Granden als gewöhnliche Angestellte zum Pflegen und Füttern der Pferde.

Um zu beginnen mit dem Stil der Regeln, die man einhalten muss für die Perfektion der Korrektheiten, und die gut beachtet werden müssen auf den hohen und redoublierten Volten, möchte ich den Kunstreiter zunächst darauf hinweisen, dass es schlecht ist, falls das Pferd hierbei scheinbar lange Zeit aushalten kann, wenn es von seinem Naturell aus sehr ungeduldig und cholerisch ist, weil diese Unruhen ihm gewöhnlich viele verschiedene ungleiche Bewegungen verursachen. Und als Maxime ist es fast unmöglich, ein Pferd in einer sauberen Schule zu halten, währen sein Mut normalerweise während seiner sorgfältigsten Übung mit anderem beschäftigt ist als mit den Lektionen, die man ihm erteilt: deshalb ist es notwendig, das es geduldig ist und etwas im Gedächtnis behalten kann, und um die heitere und erhobene Anstrengung der Manege gut zu unterhalten, muss es dazu noch kräftig und gut an der Hand sein.Außerdem soll es, bevor man es einengt auf der sehr korrekten Proportion der Volten, einen ruhigen Kopf und Mund haben, und vor allem bereitwillig sein für die Air und die Manege, die am besten zu seiner Stimmung und lebhaften Naturell passt. Ist es so ausgestattet, und hat es schon eine ausreichende Praxis der Schule, kann der Kunstreiter seine Air und seine Manege verbessern, indem er es zunächst auf die korrekte Passege der Volten bringt, und es die Spur der Hinterfüße innerhalb der Spur der Vorderfüße machen lässt, ihm dabei den Hals und den Körper gerade hält, ohne es zu sehr zu versammeln oder zu sehr auseinander fallen zu lassen, sondern die Ordnung, die hier mit dieser Skizze erklärt wird, sehr genau einhält, und es dabei vor allem auf die Piste blicken lässt.




 

Falls das schon ausgebildete oder auch ein neu angerittenes Pferd (das schon ganz frei in der Manege des Galopps ist) die Korrektheit dieser Passege nicht schon kennt, weil man sie ihm durch die vorangegangenen Lektionen, die besser zu seinem Naturell passten, beigebracht hatte, kann man dies mit wenigen Reiteinheiten tun durch diese folgende Regel, falls sie gut ausgeführt wird. Wichtig ist, dass man das Pferd, wenn es alle seine vier Füße auf einer geraden Linie hat, im Schritt ein Viertel einer Volte beginnen lässt, durch Angehen der Vorderfüße von B, und deren Bewegung auf C beendet, wo es auf einer anderen geraden Linie zum Stehen kommt, und zwar ohne dass die Hinterfüße den Platz auf A verlassen, genau so, wie ich es vorher schon an verschiedenen Stellen erklärte und es hier unten skizziert ist.


Für die rechte Hand

 



 


Sobald es dieses erste Viertel gut proportioniert hat, in der Ordnung wie ich es vorher erklärte, lässt man es schräg vorangehen, d.h. vorwärts und seitwärts wie auf einer anderen geraden Linie parallel zur ersten, wobei die Vorderfüße die Spur D, und die Hinterfüße die Spur E bilden, wie unten skizziert, dabei immer verhindernd, dass dass es sich zu sehr zurückhält oder Kopf oder Mut zu Gegenseite richtet.

 


Ist es korrekt angekommen auf dieser zweiten Linie,, muss man es anhalten und einige Zeit darauf stehenlassen, falls das Pferd sehr ungeduldig ist; wenn es aber klug und ohne Ungestüm gehorcht, ist es nicht nötig, anzuhalten, sondern man lässt es sofort, wenn die vier Füße auf dieser besagten zweiten Linie angekommen sind, erneut genau so ein Viertel ausführen, und es danach erneut vorwärts/seitwärts gehen wie auf der nächsten Skizze. Auf dieser dritten Linie beginnt man wieder ein drittes Viertel, genau wie das erste und zweite, und lässt das Pferd dann erneut eine gerade Linie vorwärts/seitwärts gehen, wie unten zu sehen.



 

 Mit dieser dritten Linie muss man ebenfalls ein drittes Viertel genau gleich dem ersten und dem zweiten machen, indem man das Pferd auf einer gleichen Spur zur vierten Linie gehen lässt, wie unten zu shen.

 




Um diese Bahnfigur zu vollenden, muss man es wieder ein Viertel, und nachfolgend wieder eine gerade Linie vorwärts/seitwärts gehen lassen.




 




Diese Lektion führt man weiter, bis das Pferd sie verstanden hat, und falls es dies ohne Probleme verstanden hat, lässt man es sie danach verkleinern durch Verringern der Schritte, die es vorwärts/seitwärts macht; und in dem Maße, wie sich die Viertel annähern, muss man nach und nach deren Raum vergrößern, und dabei sowohl die Spur der Vorder- als auch die der Hinterfüße, wie man auf den vier nachfolgenden Skizzen sehen kann.



 








Bei diesen Übungen muss man die Gleichmäßigkeit der Schritte beachten, sowohl während des Wendens als auch beim Schräggehen, so wie ich es in einigen vorhergehenden Lektionen beschrieben habe, und vor allem muss man verhindern, dass das Pferd sich beim Ausführen der Viertel acüliert, ausfällt, und sich weder zurückhält noch zu sehr hastet; und beim Schräggehen, dass es nicht mehr und nicht weniger seitwärts geht als vorwärts, und dass die Kruppe weder zurückbleibt noch vorkommt, sondern die Schultern mit einer geraden Haltung begleitet, wie man an den Linien der Viertel beurteilen kann und auf den Linien D und E.

Wird diese Regel gut geübt, bringt sie eine derartige Kürze zum Erlernen, dass wenn der Kunstreiter das Pferd mit diesem Mittel nicht innerhalb von drei Reiteinheiten in die Passege der wiederholten, perfekten Volten frei und korrekt einrichten kann, zweifellos irgendein Defekt in seiner Kapazität besteht, und es ebenso bedeutet, dass das Pferd niemals in eine enge Passege gebracht werden kann, und das es ungestüm oder störrisch ist oder dass es eine schwache oder harte Anlehnung des Mundes hat (vorausgesetzt, es konnte vorher schon eng genug auf jeder Hand frei traben und galoppieren).

Hat man dem Pferd diese kreisförmige, doppelte Proportion gut beigebracht, lässt man es vier Viertel auf dieser erlernen, wie ich auf den vorigen Regeln erklärte, und wie es unten erneut skizziert ist,lässt es nämlich auf der Stelle und ruhig, gerade auf jeder Linie normalerweise zwei oder drei Schläge seiner Air machen, ohne zu acülieren oder sehr vorwärts zugehen, und lässt dann die Ordnung der Passege folgen, und in dieser Weise von Viertel zu Viertel, und wählt die Anzahl der Volten auf jeder Hand danach aus, wie gut das Pferd in dieser Lektion gehorcht und wie es sie versteht, und wechselt die Stelle oder behält sie bei, je nach der Unruhe oder der Geduld, die der Kunstreiter entdeckt. Denn man muss immer, so gut es geht, Ungemach und großes Missvergnügen vermeiden, welches beim empfindlichen Pferd bei all diesen Regeln des Gedächtnisses und der Korrektheit auftreten können, vor allem am Anfang.



 


Nachdem das Pferd so den begrenzten Kreis seiner Lektion erlernt hat, bringt man es auf der korrekten Spur in seine erhobene Air, und lässt es auf dieser ein Viertel ausführen, und danach ein Viertel im Schritt, und danach wieder ein weiteres mit seinen Schlägen, und erneut ein weiteres im Schritt, und hält es dabei immer kurz auf den Linien des Viertels an, auf denen es ein erhobenes beendet hatte, und führt geduldig diesen Stil für normalerweise drei Volten weiter, oder mehr oder weniger, je nachdem, wie es nötig ist, auf jeder Hand (vor dem Wechsel), ohne zu hasten oder den Takt seiner wahren erhobenen Air zu unterbrechen, noch die Ordnung der erlernten und gut eingehaltenen Passege, und ohne die korrekten Proportionen der unten dargestellten Volte zu verfälschen. Um diese Proportionen besser zu verstehen, muss man zunächst die anderen, vorhergegangenen Regeln gelesen und verstanden haben, die lehren, dass jedes Mal, wenn das Pferd sich auf der Volte in die erhobene Air bringt, es seinen natürlichen Körper und dessen Haltung, in der es die korrekte Passege ausgeführt hatte, verkürzt, schräg in dem Kreis seiner Piste, wodurch es seine erhobene Air unterstützt, und dass die Hinterfüße beim Beenden besagter Schläge zurückgehen in dem Moment, in dem sie wieder ihre korrekte Spur der Passege aufnehmen, ich meine, falls der Kunstreiter, der das Pferd trainiert, sorgfältig genug und fähig ist, alle aufeinander folgenden Lektionen in diesem zweiten Band auszuführen.


Für die rechte Hand

 



 

Hat das Pferd diese Lektion gut verstanden und trainiert, lässt man es in seiner Air zwei Viertel nacheinander ausführen, was eine Demi-Volte ergibt, beginnend bei A und hält es (wenn es damit fertig ist) für kurze Zeit auf der Linie B an, die man auf der folgenden Skizze sieht, ohne sich damit zu amüsieren, mehr als einen Schlag auf der Stelle auszuführen, um seinen Körper auf der geraden Linie auszurichten, vorausgesetzt, dass dieser Takt korrekt und sauber ausgeführt wurde. Wenn es vielleicht durch diesen Schlag nicht gut angepasst wurde, korrigiert man es im Schritt, wobei man es vorsichtig rügt oder ihm an der Seite droht, zu der es den Fehler macht oder gemacht hatte, denn auf diese Weise erlernt es in kurzer Zeit, ohne sich zu verhärten, sich einzuengen oder zu acülieren, dass es beim Schließen der Demi-Volte seine vier Füße korrekt auf der Linie einrichten soll.

Um den Grund zu erhellen, warum ich möchte, dass das Pferd in dieser Regel beim Schließen der Demi-Volte nicht mehr als einen Takt auf der Stelle macht: wenn es gewohnt ist, mehrere Takte auszuführen, hat es hinterher mehr Schwierigkeiten, seine Air beim Wenden weiterzuführen und beim Verstärken seiner Lektionen ohne Anhalten.


Für die rechte Hand

 



 

Wenn das Pferd die korrekten Proportionen und die Leichtigkeit dieser Demi-Volte nicht beachtet hat, muss man es sanft wieder versammeln mit der Ordnung der korrekten Passege (und es dabei nur ganz wenig vorwärts gehen lassen) auf derselben Spur, bis zur Linie A, wo es zuvor begonnen hatte, seine Air zu erheben. Ist es auf dieser gut eingerichtet, lässt man es erneut dieselbe Demi-Volte für ein oder zwei Schritte beginnen, und beendet diese erneut in seiner Air auf der Linie B, und versammelt es danach erneut auf der Spur der Passege, falls sie nicht gut genug war, um dasselbe zu wiederholen; und führt so diese Retouren und Wiederholungen weiter, bis es seine Demi-Volte korrekt und sauber erhoben hat, entschlossen und gut proportioniert, oder wenigstens so gut es kann, je nach seiner Kapazität; und hat man es danach gestreichelt, muss man weitergehen auf dem Kreis der Volte,um es die andere Hälfte der nächsten, unten zu sehenden Figur ausführen zu lassen. Um es leichter an die Korrektheit dieser Demi-Volten anzupassen, muss man es bei jedem Beginn sanft dazu bringen, einen oder zwei Schritte auf der runden, angepassten Spur zu machen und ihm gleichzeitig den Kopf nach innen stellen, bevor man es in seine Air bringt, ohne ihm zu gestatten, sich von selbst hinein zu begeben, und es seinen ersten Schlag gemächlich genug machen lassen.

Diese Regel wird weitergeführt Demi-Volte nach Demi-Volte, bis es Zeit ist, die Hand zu wechseln, um danach auf der anderen weiterzumachen, nämlich dann, wenn das Pferd in dieser Lektion frei und zufriedenstellend auf die korrekten Bewegungen des Reiters reagiert hat: man darf es aber nicht so lange wenden oder arbeiten, dass das dann entstehende Missbehagen Fehler auslöst. Vor allem muss man verhindern, das es eilig wird auf seiner Passege, und nicht in seine erhoben Air kommt, wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, und hier ausdrücklich wiederhole, dass es eine wichtige Maxime ist, dass jedes Mal, wenn das Pferd von sich aus die Passege schließen oder die Schläge seiner Air aufnehmen will, bevor es die Proportionen der Lektion, die man ihm erteilen will, verstanden und trainiert hat, es damit einen Hinweis gibt auf ein Unbehagen oder eine Unruhe, die es sehr bald dazu bringen kann, entier oder völlig abgestoßen zu werden, wenn der Kunstreiter nicht ein gutes Urteil und viel Erfahrung mit den Mitteln hat, die diese falschen Ereignisse vertreiben können (im Gegensatz zur Meinung derer, die diese Furcht oder diesen stätigen Gehorsam der Passege und dieses wirre Vorziehen der Schläge für einen guten Beginn einer korrekten Schule halten).


Für die rechte Hand

 



 

 

C Piste der erhobenen Demi-Volten

D Piste der Retour im Schritt, um zu beginnen, die falsch ausgeführte zu verbessern


Wenn das Pferd beginnt, diese Lektion gut auszuführen, muss man gelegentlich die Figur drehen, wie es unten dargestellt ist, und dabei sorgfältig die beschriebene Ordnung einhalten, denn dadurch wird das Pferd aufmerksamer und geneigter zur folgenden Lektion.



 

In dem Maße, wie das Pferd sicherer wird in der Fähigkeit zu dieser Lektion, muss man nach und nach die Takte zurücknehmen, an denen man es normalerweise auf den Linien an allen Enden der Demi-Volten angehalten hatte, so dass die zwei Demi-Volten sich durch diese Verringerung vereinigen können und eine ganze korrekte Volte entsteht, ohne dass das Pferd hierdurch beunruhigt wird oder Anlass hat, seine erhobene Air zu unterbrechen oder verändern. Dazu ist es nötig, dass der Kunstreiter geduldig und subtil in Stil und Training dieser Regeln ist, und genauso, wie nachdem man das Pferd einige Male auf der Linie gehalten hatte, um es (je nach seiner Ausführung) zu beruhigen, zu streicheln, oder vorwärts, oder rückwärts gehen zu lassen oder um ihm die Hand nachzugeben, wenn es die Demi-Volten gut oder schlecht geschlossen hat, behandelt man es genauso, nachdem es die ganze Volte gemacht hat, bevor man es wieder beginnen lässt; und mit diesem Mittel lässt man es seine erhobene Air weiterführen, um die beiden Volten zu vereinen, dann zu verdoppeln und schließlich seine Manege mehrfach hintereinander an derselben Stelle zu wiederholen (redoubler).



Beim Verdoppeln und Redoublieren dieser korrekten erhobenen Volten muss der Kunstreiter die vier Viertel dauernd im Gedächtnis halten, die er beachten soll auf vier korrekt begrenzten Flächen auf der Stelle, auf der er diese Lektion erteilt, und jedes Mal, wenn er spürt, dass das Pferd die korrekten Proportionen der Volte verfälscht, hält er es ganz kurz an auf dem Viertel, auf dem er sich befindet, rügt es klug an der Seite, zu der es den Fehler gemacht hatte, um es sogleich zu versammeln und seinen Fehler erkennen und reparieren zu lassen, an derselben Stelle, an der es ihn begangen hatte, und hält dabei genau die Figur, die unten dargestellt ist, ein: nämlich wenn das Pferd den Fehler bei der Arbeit in seiner erhobenen Air auf dem Viertel zwischen den Linien A und B begeht, muss man es anhalten und einrichten gerade auf der [gedachten; DA] Linie B, durch einen Takt oder höchstens zwei auf der Stelle, und im selben Moment, ohne es zu streicheln oder noch mehr zurückzuhalten, es friedlich im Schritt zurückgehen lassen auf den Spuren der korrekten Passege, bis auf die [gedachte;DA] Linie D, und nachdem es darauf ein wenig seine vier Füße beruhigt hat, und ebenso seinen Atem, sein Gedächtnis und die Anlehnung seines Mundes, muss man es wieder versammeln durch seine korrekte besagte Passege bis zur Linie A, und bei der Ankunft seiner vier Füße gerade auf dieser, bringt man es sanft und locker in seine Air, lässt es in dieser dasselbe Viertel wiederholen, das es schlecht ausgeführt hatte, also das Viertel zwischen A und B, hält es dazu so gut wie möglich aufmerksam und untergeordnet durch Schenkel, Gerte und Hand, damit es nicht schlurft oder eilt, nicht ausfällt oder sich zu sehr einengt, und wenn es zum zweiten Mal dieses Viertel nicht korrekt proportioniert hat, muss man es wieder dieselbe Reprise wiederholen lassen, ich meine damit nicht nur zwei- oder drei Mal, sondern vielleicht ein Dutzend Mal, falls nötig, bis es schließlich korrekt und leicht gehorcht hat; und falls es von Natur aus furchtsam oder zu empfindlich ist, darf man es normalerweise nicht jedes Mal schlagen bei jedem Fehler, den es bei diesen Korrektheiten macht, denn die andauernden Retouren und Wiederholungen dienen ja schon als Rügen, wenn man hierbei die nötige Geduld und Sorgfalt anwendet.

Wenn der Kunstreiter fühlt, dass das Pferd ihn zufriedengestellt hat bezüglich der Sorgfalt und der Korrektheit der Schläge und des Raumes, macht er weiter ohne das Gleichmaß der Schläge zu unterbrechen und ohne anzuhalten, außer zum Beenden der korrekt ausgeführten Volte, es sei denn, er spürt Fehler in einem anderen Viertel, auf dem er es dann, wenn das passiert, ganz kurz durchpariert, und wenn das z.B auf der Linie C passiert, versammelt er es sanft in die korrekte Passege bis zur Linie A, um es von neuem seinen Fehler an der Stelle, auf der es ihn begangen hatte, erkennen und reparieren zu lassen.



 

 

E Piste der erhobenen Air

F Piste der Passege um zurück zu kommen zur Wiederholung der erhobenen Manege



Um besonders zu erläutern, warum ich möchte, dass das Pferd bei jedem dieser Fehler wieder zwei Viertel der Volte nimmt, obwohl es nur auf einer gefehlt hatte: dies dient dazu, dass das Pferd sanft im Schritt auf dem Viertel, das scheinbar überflüssig ist, mehr Muße hat und Gelegenheit, die Stelle zu erkennen, auf der es den Fehler machte, als wenn man es sehr eng erschreckte: und auch um ein Mittel zu haben, es sehr leicht in die Haltung und den Gehorsam auf der korrekten Passege zu bekommen, vor oder bei der Ankunft auf der Stelle des Fehlers, und auch damit es nach dem Gehen in der Passege bis zu dem Viertel, auf dem man es erheben und anpassen möchte, mit mehr Lebhaftigkeit und Korrektheit in seiner Air und in all seinen Bewegungen arbeiten kann.



 

Nachdem das Pferd dies gut verstanden und sich an all die korrekten Proportionen gleichermaßen auf jeder Hand gewöhnt hat, und der Kunstreiter spürt, dass es genug Kraft, Neigung und Freiheit hat zum Erhalten seiner erhobenen Air in gleichbleibender Stärke beim Wechsel, Wiederaufnehmen und Redoublieren der besagten Volten, kann er beginnen, es die Aktion und Korrektheit des Handwechsels und Wiederaufnehmens zu lehren, unter Einhaltung der Ordnung in folgender Skizze:


Für die rechte Hand

 



 

Dazu muss man das Pferd, nachdem es zwei ganze Volten gut gestaltet ausgeführt und auf der Linie A beendet hat, im Wenden weiter gehen lassen und es in seine korrekte Passege bringen, und in dieser dem Kreis seiner Manege folgen bis B, wo man es ohne anzuhalten mit den gewöhnlichen, zu seiner Air passenden Hilfen, vor allem der Zungenhilfe und der Gerte, auffordert, so dass es, wenn es locker dieses letzte Viertel der Volte erhebt, und sie gerade auf der Linie A schließt (wo auf dieser Skizze die Eisen zu sehen sind), die Schläge trotzdem sehr tief und weniger stark als normal ausführt und die Hinterfüße mehr zurück und untergeordnet hält, so wie es verrnag auf seiner engeren Piste, ohne acüliert zu sein, im Gegenteil fast so wie in der normalen Regel der vorausgegangenen Proportionen: damit es bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit hat, leichter seine vier Füße auf der genannten Linie ankommen zu lassen beim Schließen der erhobenen Volte gerade auf A, und ohne von der wahren Kreislinie der Volte abzuweichen oder diese zu überschreiten.

Hat das Pferd so das erhobene Viertel auf der geraden Linie A gut beendet und geschlossen, mittels dieses gerade ausgeführten Schlages, lässt man es mit dem folgenden Schlag die Volte auf der anderen Hand nehmen, ohne anzuhalten oder in irgendeiner Weise den Takt der erhobenen Air zu unterbrechen, hält ihm erneut die Hinterfüße auf der genannten Linie und auf derselben Spur (die Schläge begleitend), bis der erste Takt und die Bewegung des Wechsels gemacht sind; nach diesen soll man die Hinterfüße, ohne Unterbrechung des Gleichmaßes der Air der Schläge, auf den generellen Raum ihrer korrekten Spur bringen, wie es unten dargestellt ist.

Erschrickt das Pferd über diese neue Lektion des Wechsels, reagiert es nicht frei und sauber mit den richtigen Proportionen, darf man es dafür nicht schlagen oder bedrohen, sondern bringt es sanft auf seine Passege bei B, und lässt es durch Weitergehen die Demi-Volte schließen auf C, und versammelt es sogleich wieder klug und korrekt durch seine Spur im Schritt, um es beim Passieren von B in seine Air zurück zu bringen und das besagte erhobene Viertel auszuführen, und beendet dieses auf A, um dann den Handwechsel genau so, wie ich es erklärt habe, weiter zu führen; und um den Gehorsam und die Bewegungen des Pferdes noch mehr zu erleichtern (in dieser ersten Proportion) soll der erste Takt des Handwechsels auf der Volte tiefer als die normalen Schläge ausgeführt werden und ein wenig vor der Figur der Manege.


Für die linke Hand

 



 

 

D Piste der besagten Passege: sei es, dass man diese weiter oder enger ausführen möchte als die erhobene Manege

E Piste der Schläge beim weiter oder enger Wenden als die Passege

F Generelle Piste der erhobenen, vollendeten Volte


Der Unterschied zwischen diesen beiden Skizzen ist, dass man in der einen die Spur der erhobenen Air sieht, wenn sie außerhalb der Volte gehalten wird, und in der anderen innen, was nichts anderes bedeutet, als dass der Kunstreiter die besagte Piste enger oder weiter als die der Passege machen soll, je nachdem, ob das Pferd sich zu sehr oder wenig an die Hand anlehnt, wie ich in einigen vorigen Lektionen erwähnte.

Es kann sein, dass das Pferd weder beim zweiten oder dritten Mal, noch in einer oder zwei Reiteinheiten, gut verstehen kann oder frei zustimmen möchte zur Leichtigkeit und Perfektion dieses Handwechsels; wie es auch sei, muss man jedes Mal, wenn es ihn fehlerhaft macht, sei es bezüglich des Taktes seiner erhobenen Air, oder der Korrektheit des Bodens, es häufig wieder bei A versammeln (durch die Retour die ich beschrieben habe), es dabei gelegentlich rügen, um es zu lehren, seinen Fehler zu reparieren, an der Stelle, an der es ihn gemacht hatte, und dabei immer ganz genau die besagte Ordnung einhalten; hat es aber leicht und korrekt gehorcht, lässt man es weitermachen und führt den Kurs und die Tour der begonnen und gut gewechselten Volte weiter, bis sie vollendet, gedoppelt und schließlich korrekt geschlossen ist auf der Linie A, und unterhält dabei vor allem die Gleichmäßigkeit seiner Schläge. Und sobald man es erneut zur selben Seite drei Viertel der Volte bis B hat passegieren lassen (siehe unten stehende Skizze), bringt man es bei E in seine Air, um das letzte Viertel zu erheben und bei A zu beenden, um dann im selben Takt die rechte Hand wieder aufzunehmen, auf der Spur E, gemäß dieser sorgfältig eingehaltenen Ordnung, hält es, falls nötig, auf C an, und lässt es ebenfalls korrekt auf der Linie A zurückgehen, wie ich es beim ersten Wechsel erklärte, um diese Reprise unterschiedslos auf jeder Hand wieder auf zunehmen, jedes Mal wenn es Fehler gemacht hat.


Für die linke Hand

 



 

 

D Piste der Passege


Die drei Viertel der Volte im Schritt, die in dieser Regel auf die ganzen, erhobenen Volten folgen, sind dazu da, damit das Pferd nicht dazu neigt, von sich aus anzuhalten auf der Linie A, die es schon kennt, und sich im Resultat daran gewöhnt, sich freier in seiner korrekten Manege zu geben; dieser Stil ist auch nötig, um die Air und den engen Gehorsam auf dem besagten letzten Viertel zu erleichtern, sodass das Pferd durch dieses Mittel weniger erschrickt und es weniger unbequem wird auf diesen sehr korrekten Lektionen des Handwechsels. Nachdem aber das Pferd die begrenzten Proportionen des Handwechsels gut kennengelernt hat, und wenn es Gewöhnung und Leichtigkeit in der Aktion und der korrekten Bewegungen auf jeder Hand erlangt hat, sind diese letzten Viertel im Schritt nicht mehr nötig, und schließlich lässt man sie ganz weg, so dass die erhobenen Volten dann in einem Atem und mit gleicher Lebhaftigkeit ausgeführt werden, gleichmäßig verdoppelt, gewechselt und wiederholt an einer Stelle und am Ende redoubliert (mehrfach auf einer Stelle wiederholt), ohne dass die Air unterbrochen oder gedrosselt wird, und die Manege so korrekt weiter geführt wird, wie die Kräfte des Pferdes stark und lebhaft die Anstrengung unterstützen können.

Ich meine, dass das Pferd sich leichter und eher an diesen Wechsel der Volte auf der Stelle löst, wenn es jedes Mal nicht mehr als eine Demi-Volte auf jeder Hand macht. Überhaupt, falls dieser Stil immer weiter gemacht wird, findet man das Pferd in kurzer Zeit weniger frei und entschlossen auf der Manege der vollendeten und redoublierten Volten als es vorher war, und dafür gebe ich den Rat, dass man sich an diesen Hinweis hält.

Hat das Pferd eine zu harte oder schwere Anlehnung, erweisen sich die genannten Regeln sehr profitabel, wenn sie vor einer ausreichend hohen Wand ausgeführt werden, weil man die Proportionen, bei denen das Pferd an der Hand zieht oder sich mehr auf die Anlehnung fallen lässt, beginnen und beenden kann mit Annähern der Front des Pferdes an die Wand, wodurch es ohne große Einwirkung von Gebiss oder Kappzaum gezwungen wird, sich zu versammeln, sich zu schließen und leichter zu werden.

Um das Pferd danach aufmerksamer für diese Proportionen und die korrekten Bewegungen des Reiters zu machen, lässt man es gelegentlich die Hand an verschiedenen Stellen der Volte wechseln, ohne eine bestimmte Anzahl von Touren einzuhalten, vorausgesetzt die Handwechsel erfolgen auf den geraden Linien der Viertel; und vor allem ermahnt und bringt man es sorgfältig zum korrekten, nötigen Gehorsam, je nachdem wie es das Viertel, auf dem man wechseln oder die Volte wieder aufnehmen wollte, ausgeführt und geschlossen hat; und falls es schlecht wechselte, pariert man es durch und versammelt es geduldig im Schritt auf der Spur der Volte, um es seinen Fehler an seiner wahren Stelle reparieren zu lassen, gemäß der Ordnung der o.g. Regeln.

Bis hier habe ich geschrieben, dass man vor dem Handwechsel einen geraden Schlag, und manchmal auch zwei, auf der diametralen Linie der Volte ausführen soll, denn dies ist die gewöhnliche Ordnung der guten Schulen, und die meisten der Pferdemenschen halten sich an die Demonstration dieser Proportion, ausgeführt mit der Anmut und dem Gehorsam eines gut geschulten Pferdes, mit Unterstützung auf den Hanken und auf einer geraden Linie, und der Aktion und der Aufforderung des Reiters, um gut die Hand zu wechseln. Diese Regel ist schön und gut und schafft nicht viel Verwirrung, überhaupt ist es sicher, dass man häufiger sagt, anstelle, dass das Pferd auf die Aktion des Reiters achtet mit seinen gerade ausgeführten Schlägen auf der Stelle, es eher so ist, dass der Reiter darauf achtet, ob durch diese das Pferd auf der Stelle eingerichtet ist, wo es sein soll, um gut zu wechseln oder die Volte aufzunehmen.

Aber um diese Handwechsel und Wiederholungen in ihrer wahren Perfektion zu erzielen, darf man nicht so lange warten, bis der besagte Schlag auf der Stelle auf der diametralen Linie ausgeführt ist: sondern der Reiter muss schon subtil die Hand drehen, sobald das Pferd beim korrekten Wenden die Vorderfüße auf die besagte Linie gesetzt hat, zum selben Zeitpunkt, an dem die Hinterfüße auf dieser ankommen, und auf diese Art seinen Wechsel oder seine Wiederholung der Volten machen. Ich wiederhole nochmal, dass bei man dieser Aktion sorgfältig beachten muss, dass das Pferd sich nicht zurückhält oder acüliert oder sich biegt, dass es nicht den Kreis der korrekten Hufspuren verfälscht, dass es nicht den Kopf nach außen trägt oder dort lässt, dass der erste Takt des Wechsels oder der Wiederholung mit dem Kopf des Pferdes beginnt, nämlich dadurch, dass man es in die Volte blicken lässt, ohne seinen Hals zu biegen, und dass der erste Takt etwas weniger hoch und zusammengezogen sein soll als die anderen, damit das Pferd beim Gehorchen seine Lebhaftigkeit besser und munterer anwenden kann. Es gibt nur wenige Personen, die diese letzten Proportionen leicht genug trainieren oder verstehen können, nicht allein wegen der Schwierigkeit der korrekten und notwendigen Aktionen und Bewegungen, die man sorgfältig und fleißig einhalten muss, sondern auch, weil ihnen diese unbekannt sind, wie die besseren Meister an ihren Wirkungen erkennen können. Denn wie ich zuvor erklärte, anstatt dass die wahre und leichte Einhaltung all dieser Regeln und Proportionen die Haltung des Pferdes verschönert und es locker, korrekt und frei in seiner Manege macht, bewirkt die falsche Ausübung derselben Regeln, dass es in ein extremes Ungestüm verfällt, oder dass es in kurzer Zeit niedergedrückt, entier oder störrisch wird, dass es sich biegt oder Hals und Kopf nach außen bringt: dies sind sehr ungeeignete, falsche Aktionen, die direkt konträr gegen die Anmut und Freiheit aller guten Manegen arbeiten. Man sieht auch gewöhnlich, dass diejenigen, die solche Pferde trainieren, sich zu weit nach außen lehnen, das äußere Bein zu nahe ans Pferd bringen, und das innere zu weit weg halten wie ein Galeerenpaddel, und obendrein sieht man sie gewisse Bewegungen mit dem Kopf, dem Körper und dem Arm machen, die die eine zu große Aufmerksamkeit auf sich ziehen, abstoßend wirken, und gegen den guten Sitz und die Vornehmheit des Reiters arbeiten mit seinen schlechten Angewohnheiten und Pedanterien dieser Kunst.

Es reicht nicht aus, nur im Schritt einen schönen Sitz zu haben, sondern es ist erforderlich, dass der Reiter in allen der muntersten und schönsten Airs gerade und frei in der Mitte des Sattels sitzt, dass er seinen Kopf weder senkt noch dreht, er keinerlei unangenehme Mine des Gesichts zieht, noch eine schlechte Geste mit dem Arm, dass seine Beine gerade gehalten werden ohne sie O-beinig auszustellen noch X-Beine zu machen.

Denn wenn es nötig ist, zu verhindern, dass das Pferd sich einengt oder ausfällt bei der Arbeit oder sich zu Seite wirft beim Geradeausgehen, ist ein Pressen des Bügels, des Sporns oder nur der Wade nötig, ohne dass der andere oder gar der ganze Körper aus seiner korrekten Lage kommt; dieses sind sehr schöne Beobachtungen a la Danville die man vielleicht mit etwas Glück bei einem besseren Reiter gesehen und beurteilt hat, um sie gut einhalten zu können, denn ohne sie ist es unmöglich, gut die wahren Korrektheiten der Volten zu spüren, oder ein gut geschultes Pferd lange unterstützen zu können. Denn wenn man es zu einer Seite treibt, mit dem gegenüberliegenden Bein, und dabei das andere sehr ausstellt, neigt sich notwendigerweise der Körper dessen, der so einen Fehler macht, zur gegenüberliegenden Seite, und außer dieser falschen Verbiegung weicht so das sehr gehorsame Pferd dem Sporn oder der treibenden Wade zu sehr, und wenn der Reiter sich auf einem begrenzten Platz halten will mit dem Bein, dass sich zu weit entfernt von seiner korrekten Stelle befindet, braucht er dermaßen lange, um seine Aktion sorgfältig genug zu auszuführen, dass das Pferd nicht früh genug erkennen kann, ob dies eine Aufforderung, eine Hilfe oder eine Rüge sein soll, und es dann durch diese Unsicherheit häufig einen Fehler macht, im Glauben zu gehorchen, auch deshalb, weil die, die solche Grimassen machen, niemals versäumen, nun das Bein, das nah am Pferd gewesen war, erneut zu sehr auszustellen, nachdem und in dem Maße, wie sie jenes, welches sie zu sehr ausgestellt hatten, annähern, und zur gleichen Zeit ihren Körper und Kopf zur anderen Seite bringen. Es ist sehr leicht zu erkennen, dass das Bein normalerweise an einer solchen Stelle sein soll, dass es mit einem guten Sitz alle seine korrekten Aktionen zum richtigen Zeitpunkt machen kann, und so unauffällig wie möglich, und weil es eine gewisse Parallele dieser Übungen mit der Musik gibt, meine ich, dass es denjenigen, die sich daran erfreuen, Flöte zu spielen, oder das Spinett, die Geigen und all die anderen schönen und ehrbaren Instrumente, immer dann derart an Anmut und Sorgfalt fehlt, wenn sie zu stark die Finger anheben beim Suchen und Halten der Töne auf dem Hals oder der Klaviatur ihrer Instrumente. Und die besten Degenzieher sind diejenigen, die im Kampf ihre Arme weniger ausstellen oder schwenken beim Antäuschen oder anderen harten Aktionen, die die machen können, die im Geiste gelernt haben, die Gelegenheit zu ergreifen in der Kürze eines schönen Takts, so wie bei all den gleichen, ehrlichen Übungen, in denen man die Ordnung und das Gleichmaß bestimmter Anzahlen und Maße beim Ausführen der exzellenten und wertvollen Proportionen präzise einhalten muss. Ich komme also zurück auf meine Maximen, die für den Vornehmen und Wissenden in dieser Kunst notwendig sind: er muss seinen Sitz vollkommen stet, korrekt, frei und gerade halten, um die Bewegungen gut zu spüren, die das gut ausgebildete Schulpferd bei der Arbeit macht, und um Mittel zu haben, subtil genug dessen Fehler zu rügen, und vor allem diese vorauszusehen und zu verhindern: dafür ist die Festigkeit der Hanken eine sehr wichtige Partie.

Und zu diesem Zweck sage ich, das es einige gut geschaffene Seele gibt, die das, was ich unten beschreiben werde, gut trainiert zu sehen wünscht und die schwierigsten Arten, über die ich in diesem Band schreibe, sollte er genau beobachten, wie der Seigneur Pietro Vincensso de Lup, es macht, jener Italiener, der lange Zeit unter mir gelernt hat, und seit er Zufriedenheit erlangt hat, arbeitet er mit guter Anmut und mit den Regeln und Korrektheiten unserer Kunst, so wie ich meine Jugendzeit nutzte, was mich ihn extrem loben lässt, und sage ohne Schmeichelei, dass dies ein sehr würdiger und perfekter Reiter ist.

Zweifellos bringt der gute Kunstreiter durch die gute Anwendung all dieser Regeln und mit der notwendigen Zeit sein Pferd zu höchstem Gehorsam und schönsten Können, welches es erreichen kann durch die Mittel der Kunst, wodurch die Perfektion der schönsten und wichtigsten Übungen entsteht, die man ein Pferd lehren kann, und ihm am Ende den freien Mut bringt, die freie Aktion der Glieder, den besten Zustand des Atems, einen gesunden und ruhigen Mund, den Kopf stet und an gutem Platz, den Hals gerade und in seiner schönsten Haltung, die Schweifrübe ruhig und wie unbeweglich zwischen den Backen, und bei all diesem den Kurs gerade, stramm und entschlossen, die Parade sicher, leicht und locker, die Manege entschlossen, sei sie hoch, mittel oder weniger, und genauso auf den Volten wie im Geradeaus, sicher im Takt und mit gleichmäßigster, sauberster und sehr unterstützter Kadenz.

Ich empfehle hier erneut dem wissbegierigen Kunstreiter diese besonderen und erstklassigen Anleitungen, aber dann, wenn man ein Pferd, das von Natur aus sehr cholerisch oder ablehnend war, ausgebildet hat zu seiner schönsten und korrektesten Schule, die seine Kräfte und Neigung ermöglichen können, soll man sie nicht zu häufig eng anwenden, weil es sonst sehr bald irgendwelche falsche Anwandlungen bekommt; sondern eher gelegentlich ausdrücklich seine Manege erweitern durch einige sehr leichte, aber trotzdem begrenzte und vorher erlernte Lektionen, und außer dass diese Freiheit die Courage und die Fähigkeit des Pferdes erhält, ist es hinterher viel leichter beim Wiederbeginn, immer, wann man diesen wünscht: denn falls die enge Unterordnung zu lange andauert, wird es abgestoßen oder zum Feind der Schule.

Vor allem rate ich denen, die nicht von selbst viel Leichtigkeit bei den Hilfen und Rügen erlernen, die für diese großen Korrektheiten nötig ist, dass sie dies nicht allein versuchen lassen soll: denn dies gelingt nur denen, die eine subtile und sorgsame Praxis hatten in all den beschriebenen Proportionen und außerdem unterstützt werden durch eine große Begierde, diese gut zu verstehen.

Ich wiederhole und mache noch einmal besonders darauf aufmerksam, dass, so sehr das Pferd auf einer Air arbeitet, in der es gut geschult wurde, der Reiter die generellen Hilfen mit derartiger Sorgfalt und Subtilität ausführen soll, dass ungeachtet, ob sie hart und stark sind, seine Aktionen des Körpers und der Glieder nur dem Erfahrensten und Klarsichtigsten auffallen sollen, dass es auch den Helfern scheint, dass das Pferd den Willen dessen, der es trainiert, versteht, und es zustimmt, ohne dass es viel geleitet oder gezwungen wurde, und dass es auch scheint, dass die lebhaften Bewegungen, die man den Reiter machen sieht, mehr dazu dienen, seine Gestik und seinen Sitz zu verschönern, als dazu, das Pferd zu dem zu zwingen, was man es so sehr exzellent ausführen sieht.

 

 


 






Band II, Kapitel 34


Beachtungen nach der Lektion oder Übung des Schulpferdes

 

Ich habe zusammengefasst gesagt in einigen der vorigen Anleitungen, dass, nachdem man dem Schulpferd eine gute Lektion erteilt hat, diese gefestigt werden soll je nach dem Ermessen und der guten Praxis desjenigen, der es promeniert während er darauf sitzt, bis die außergewöhnliche Hitze es verlassen hat und es Zeit ist, es an seinen Platz im Stall zu bringen, aber ich habe diese Stelle reserviert zum Verstehen der großen Unterschiede, die man hierbei findet.

Der gute Kunstreiter soll also wissen, wenn sich während der Zeit, in der er dem Pferd der Manege eine Lektion der Geduld erteilte, eine große Verstocktheit oder Unruhe einstellte und es zum Überwinden notwendig war, Zuflucht zu rigorosen Rügen zu nehmen, dass derjenige, der es hinterher promeniert, falls er ein Pferdemensch ist, durch Anwendung eines passenden Ermessens den guten Absichten des Kunstreiters sehr nutzen kann. Denn beim bedachten Promenieren des ungeduldigen und cholerischen Pferdes hat er Mittel, es zu beruhigen und sein Ungestüm oder seine große Abneigung zu vertreiben, durch passende Einhaltung entsprechend der guten Ordnung seiner Lektion und kann es dadurch fähiger in Gedächtnis und Zustimmung zur darauf folgenden Lektion zu machen.

Ist das Pferd entier und hart auf jeder Hand, und wehrte es sich während der vorangegangenen Reiteinheit beim Versuch, ihm den Hals zu lockern und weicher zu machen und es auf die Volte sehen zu lassen, kann der gute Bereiter manchmal auch durch langes und ruhiges Promenieren seine Verstocktheit vertreiben, und zu dem Zeitpunkt, an dem es zu jenem Ungehorsam neigt, sanft mit Mitteln ohne Gewalt versuchen, ihm den Hals zu biegen und ihm den Kopf dahin zu stellen, wohin es nur unter großem Zwang blicken wollte, in der Art, dass das Pferd durch die Gewohnheit dieser langen Promenaden der Schule nach der Lektion oder Übung in kürzerer Zeit lockerer wird auf der Volte gegen die es sich hartnäckig gewehrt hatte, als wenn man nur den normalen Zwang verwendete.

Wenn ein zu empfindliches und ablehnendes Pferd die gute Ordnung der Lektionen, die man ihm erteilen möchte, nicht verstehen oder ausführen kann, und seinen Atem und seine Kräfte durch große Unruhe erschöpft, wenn es zu sehr hastet auf den Passegen der engen Lektionen, oder wenn es wirr die Schläge einer erhobenen Air verzittert, kann man zweifellos seinem Ungestüm und seiner Ungeduld häufig abhelfen und es weniger die korrekte Einhaltung der guten Schule hassen oder vermeiden lassen durch geduldiges und ausreichend langes Promenieren auf den Proportionen seiner guten Lektionen.

Und hat es einen so schwachen oder weichen Mund, dass es während der Reiteinheiten der Schule nur mit großer Schwierigkeit eine stete und feste Anlehnung an die Hand nehmen will oder kann, passiert es manchmal, dass die guten und ausreichend langen Promenaden ihm eine Möglichkeit und ein Mittel geben, nach und nach die Anlehnung einer guten Hand anzunehmen, die es leitet und unterstützt auf gut bedachten und notwendigen Promenaden.

Ist aber ein von Natur aus schweres oder schwaches Pferd während der Reiteinheit zu sehr angelehnt auf den Kappzaum oder das Gebiss bei dem, womit der Kunstreiter es leichter machen möchte, und falls es genügend gelernt hat, wie es sich versammeln und beizäumen soll in einer erhobenen und unterstützten Haltung, darf danach niemand aufsteigen, um es zu promenieren, denn ist es erschöpft und auseinandergefallen [desunj], kann es dabei zweifellos eine zu starke Anlehnung nehmen, und deshalb ist es nötig, es in den Stall zu bringen, nachdem man es sanft ungefähr 150 Schritte hat gehen lassen.

Und von welchem der genannten Naturelle es auch sei: wenn es auf seiner Manege gemäß der Schule freier und munterer als vorher geantwortet hat in der guten Ordnung seiner Lektionen, muss man die Reiteinheiten verkürzen und es an der Hand in den Stall führen oder führen lassen, sobald der Reiter abgestiegen ist, denn würde man es nach der Lektion oder Übung lange promenieren, erinnerte es sich viel weniger an die Lektion und das Vergnügen, das es auf den korrekten Proportionen seiner Manege erhalten hatte, und antwortet oder macht die nächste Reiteinheit mit weniger Lebhaftigkeit und Munterkeit.

Die langen Promenaden nach dem Training der Schule verbrauchen oder schläfern undifferenziert die Kraft und Lockerheit eines melancholischen, abgestoßenen und ängstlichen Pferdes ein, und häufig kommt es ja vor, dass das Pferd zwei, oder drei, oder mehr der erwähnten Laster oder schädlichen Fehler hat, die man nur mit Gegenmitteln verbessern kann: wenn man hier nun einen der Fehler verhindern oder korrigieren will, verstärkt man den anderen. In diesen Fällen muss der gute Kunstreiter bedenken, wozu hierbei die größere Notwendigkeit besteht, und vor allem, dass er nur mit großer Abwägung die Mittel seiner Kunst, und nur zu einem guten Zeitpunkt, und angemessen anwendet, vor allem die stark zwingenden.

In Frankreich promeniert man die Pferde der Manege unterschiedslos nach dem Training viel länger als anderswo, und zwar deshalb, weil viele Reiter der Grande Ecurie glauben, dass, wenn sie es anders machen, die Gesundheit ihrer Pferde leide: aber dies muss man nicht befürchten, wenn die Ställe gut sind und und wenn man sogleich das erhitzte und schwitzende Pferd kräftig mit frischem Stroh in der Sattellage trocken reibt, wenn man ihm den Kopf um die Ohren mit einem Lappen wischt und reibt, wenn man es mit klarem Wasser wäscht und säubert, vor allem im Sommer, und mit einem sauberen Schwamm Augen, Nase, Nasenlöcher, Lippen, Kinn und das Fundament auswischt, Partien, die in dieser Zeit gewöhnlich mit Staub und Schweiß verschmutzt sind; wenn man es bald danach allgemein abreibt bis es trocken ist, und dann, wenn es trocken und erfrischt ist, ihm die Beine mit frischem und nicht zu kaltem Wasser wäscht, ohne ihm die Genitalien und den Bauch nass zu machen, es sei denn, nach dem Fressen, und wenn man es in einem Fluss tränkt, der nicht viel zu kalt ist. Denn wenn das Pferd durch die mächtigen Bewegungen das ganze Blut erhitzt hatte, und man, obwohl es nicht mehr schwitzt, ihm die Genitalien und den Bauch wäscht, indem man es undifferenziert mit einer zu großen Menge sehr kalten Wassers an diese extrem empfindlichen Partien bespritzt, fürchtet es dies so, dass in der Folge ein großer Kampf entsteht, und sollte es passieren, dass durch einen großen Rückschlag oder Zurückziehen einer der Hoden völlig in den Körper eintritt, findet sich das Pferd eingeklemmt [encordé], eine Krankheit, die die geringeren Schmiede in Italien kennen, die aber in Frankreich sehr unbekannt ist, und zweifellos tödlich, wenn man es nicht schafft, den eingetretenen und durch eine Darmschlinge zurückgehaltenen Hoden zurückzuziehen.

Am Ende empfindet das durch ein Training sehr erhitzte Pferd, nachdem es gut gefüttert und behandelt wurde, ohne promeniert worden zu sein, eine sehr ähnlich Freude, wie sie ein lebhafter Mensch fühlt, wenn er, extrem erschöpft und erhitzt durch ein langes Ballspiel [jeu de paulme] ein frisches Hemd anzieht und sich auf eine gute Liege legt.