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Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald


Terminologie


Jeder Übersetzer muss sich ständig entscheiden, welche der vielen Wortbedeutungen an der jeweiligen Textstelle benutzt werden soll, denn eine Übersetzung kann niemals den vollen Bedeutungsumfang eines Wortes wiedergeben. Ich habe mich entschlossen, folgende Begriffe zu verwenden:

1. das Wort"entier"habe ich für das Versteifen des Pferdes, (meist) auf seiner "schlechten" Seite, als neuen Begriff in die akademische Reitkunst eingeführt; es bedeutet im Französischen z.B. "ganz", "fest", "steif", etc. Man könnte zwar für "das Pferd wird entier" auch das deutsche "das Pferd macht sich fest" verwenden, da Letzteres aber aktiv ist, und deshalb als "Schuld" oder "Böswilligkeit" des Pferdes angesehen werden könnte, im Frz. dagegen passiv ist, habe ich das Wort "entier" unübersetzt beibehalten.

2. das Wort "serrer" habe ich mit"einengen"übersetzt, auch als neuen Begriff. Es hat die Bedeutungen: "pressen, zusammenschnüren, einklemmen, einschnüren, etc." La Broue benutz es häufig, um das Gegenteil von entier zu bezeichnen, eine (häufig starke) Biegung der "guten" Seite des Pferdes. Man könnte es auch mit "zusammenziehen" übersetzen, dieser Begriff wird allerdings häufig für das Zusammenziehen der Unterlinie oder der Oberlinie des Pferdes verwendet, und so halte ich das neue "einengen" für präziser. Bei La Broue ist dies nicht selten ein unerwünschtes  Überbiegen als Vermeidungshaltung des Pferdes.

3. das Wort "acculer" bedeutet das Zurückweichen der Kruppe in Richtung des Zentrums der Volte/Demi-Volte (auch "Zurückkriechen"), was die Lektion in sich zusammenfallen lässt, ich habe deshalb "accülieren" als neues Wort für die akademische Reitkunst vorgeschlagen.

4. "Légèreté" habe ich nicht im Original beibehalten, da "leger" im Deutschen eher "lässig" bedeutet, sondern mi "Lockerheit"übersetzt, dies klingt zwar steif, trifft den Sinn aber meist besser.

5. "Facilité" übersetze ich meist mit "Leichtigkeit", es bedeutet auch "Mühelosigkeit, Ungezwungenheit".

6. "Chastiment" übersetze ich meist mit dem Wort "Rüge": eine Rüge erfolgt meist sofort und dient der Korrektur, eine Strafe dagegen hat bei vielen Reitern auch Rachecharakter, und Rache und Vergeltung haben in der Erziehung  nichts zu suchen. Ich denke, Rüge trifft den Sinn La Broues genauer, da er immer die weichsten und die am wenigsten das Pferd verstörenden Mittel bevorzugte.

7. „coucher sur le volte“ (wörtlich „in die Volte lehnen“) habe ich mit „nach außen gebogen“ übersetzt.

8. "redoublieren" heißt: "vielfach hintereinander wiederholen, ohne den Platz zu wechseln".

9. Das Wort „Pesade“ habe ich belassen, merke aber an, dass La Broue es in seinem ursprünglichen Sinn: „Setzen“ auf die Hanken, also Anheben der Vorhand mit gebeugten Hanken benutzte: heute bedeutet es dagegen ein Erheben auf gestreckten, geraden Hinterbeinen, was damals mit „cabrer“ = Steigen oder mit „faire des ponts-levis“ = „Zugbrücken machen“ bezeichnet wurde.

10. Aufgrund der großen Bedeutung des Pferdes für den Menschen wurde von den damaligen Reitern nicht das Wort "gueule" = Maul benutzt wie bei allen anderen Tierarten, sondern das Wort "bouche" = Mund, welches sonst nur für den Menschen reserviert ist.






 

Band II, Kapitel 25

 

Andere Regeln für die Volten, passend für nervöse und lebhafte Pferde, die eine Anlehnung an die ganze Hand haben


Die Lektionen, über die ich nun sprechen werde, können, wenn ihr passender Zeitpunkt gut eingehalten wird, viel Nutzen bringen bei den Pferden, die dazu geboren sind, in Manegen der erhobenen und redoublierten Volten zu glänzen, und besonders bei denen, die die die Natur sehr empfindlich und locker an der Hand gemacht hat und die, weil sie weniger Kraft und Geduld als Lockerheit haben, sehr den Zwang der sehr engen Regeln fürchten. Und für diese werden die besagten Lektionen begonnen auf einer anfangs fast ovalen Bahnfigur, die nach und nach immer mehr zu einem Kreis wird, ohne dass das Pferd Anlass bekommt oder gezwungen ist, seine Bewegungen sehr zusammen zu nehmen und zurückzuhalten, um eine Viertel- oder eine Demi-Volte zu bilden, sondern es im Gegenteil die Möglichkeit hat, sich normalerweise in einer vorwärts gehenden Aktion anzupassen, und ebenso die Anlehnung seines Maules zu stärken, falls diese schwach ist. Überhaupt, wenn das Pferd eine genügend solide Kraft besitzt, eine Anlehnung an die ganze Hand und die Fähigkeit, lebhaft im Trab oder Galopp zu wenden, gleich gut auf jeder Hand (aber trotzdem geneigter ist, die Kruppe eher aus der Volte zu bringen, als sich einzuengen und zurückzuhalten), beginnt der Kunstreiter es anzupassen und die Mittel zu suchen, um es eine Demi-Volte im Schritt ausführen zu lassen, und sich mittelstark auf den Hanken zu versammeln auf der unten gezeigten Bahnfigur.



 

Je nach den Schwierigkeiten des Pferdes auf dieser ersten Proportion muss man die Mittel anwenden, die ich vorher hauptsächlich bei den Regeln der Passaden erläutert und gezeichnet habe; vor allem wenn es schon einen ruhigen Kopf hat, und wenn es durch Hand und Schenkel des Reiters frei rückwärts und seitwärts geht, und wenn es von Natur aus geduldig und zaghaft ist, kann man es gelegentlich mit wenig Künstlichkeit nur durch stetes Vorwärtshalten und Drehen der Zügelfaust bewegen, in einer Weise, die das Pferd daran hindert (besonders durch die Unterordnung von äußerer Kappzaumleine oder Zügel), sich einzuengen, oder zu eilen, oder zu weit vor zu gehen, oder Kopf oder Schulter zu sehr zur Seite zu biegen, und hält dadurch die Kruppe in ihrer korrekten Stellung. Abhängig davon muss man es durch die normalen Rügen des Steigbügels, des Sporns oder der Gerte, mit Kunst und Beurteilung angewendet, treiben auf der Seite, auf der es sich einengt, entier wird oder zu der es ausfällt.

Hat das Pferd diese Demi-Volte im Schritt ausgeführt, muss man es ein wenig geradeaus vorwärts gehen lassen, um es dann auf derselben Hand eine weitere, gleiche auf einer Spur ausführen lassen, mit seinem Kopf zu der Seite gestellt, auf der es die erste begonnen hatte, und danach lässt man von Neuem wieder vorwärts gehen auf der korrekten Spur, an derselben Stelle, oder, falls nötig, früher wenden, oder weiter entfernt. Denn je mehr es auf die Schultern fällt und auf die Anlehnung des Gebisses oder des Kappzaumes, desto weniger soll man es nach dem Schließen der Demi-Volte vorwärts gehen lassen; wenn es sich aber zu sehr einengt und zurückhält, muss man es lebhaft vorwärts gehen lassen, und es so durch die gute Anwendung dieser Mittel und die erforderliche Zeit in den Zustand des Gehorsams bringen, in dem es seine Kräfte und seinen Mut einsetzen soll.

 



 

A erste Demi-Volte, wie oben erklärt

B zweite Demi-Volte



Beim Trainieren dieser ersten Korrektheit im Schritt auf jeder Hand, von Demi-Volte zu Demi-Volte, muss man langsam die Linie und den Abstand der Demi-Volten mit Umsicht und Geduld verkürzen, und so nach und nach den Kern der ganzen, perfekten Demi-Volte erzielen.



 

Für all diese Proportionen werde ich nicht gesondert alle Bewegungen des Pferdes für diese Teile oder Zeiten erneut aufzählen, und auch nicht, wie dazu die entsprechenden Hilfen, Signale und Rügen mit Stimme, Zunge, Schenkeln, Steigbügel, Sporn und Gerte gegeben werden sollen, noch die Gelegenheiten, bei denen man es loben, drohen, aufwecken, touchieren oder streicheln soll, weil die Lektionen dieses zweiten Bandes nicht von groben und in dieser Kunst schlecht ausgebildeten Reitern ausgeführt werden sollen.

Nachdem das Pferd den Gehorsam auf dieser besagten Volte im Schritt verstanden hat, und um es passegieren zu lassen, mit einem korrektem Redoublieren mehrmals auf jeder Hand, ohne Ungestüm oder Stätigkeit, lässt man es sie wieder mit einer gerade Linie halbieren, die die Demi-Volten trennt wie die vorhergegangenen, um eine Möglichkeit zu haben, auf diesen Demi-Volten die Air der Manege, die zu seiner Verfassung passt, zu beginnen und zu festigen, und in der es schon einige Anfänge gemacht haben muss, so dass es wenigstens drei oder vier Schläge geradeaus halbwegs gut hintereinander macht, und ihm erneut bekannt machen die erste, o.g. Regel im Schritt, nach folgendem Design:



 

Hat es so ein- oder zweimal diese Spur im kräftigen und zusammengenommenen Schulschritt ausgeführt (mit zusammengenommen meine ich, dass das Pferd eine Anlehnung an die ganze Hand nimmt und überhaupt nicht störrisch ist, sodass diese Regel passend ist, wie ich am Beginn sagte), muss man den vorhergehenden Stil beachten mit einigen im Schritt begonnen und bis zur Mitte weitergeführten Demi-Volten, die dann beendet und geschlossen werden mit zwei oder drei Schlägen in der Air, wenn das Pferd sich zu präsentieren und zu erheben beginnt.



 

Nebenbei möchte ich anmerken, dass man es nicht ungewöhnlich finden sollte, wenn man bei den meisten dieser korrekten Lektionen als Fundament der Airs diese lieber zunächst beim Schließen der Demi-Volten und nicht bei deren Anfang beginnen soll. Denn wird die erhobene Aktion gut beachtet, wird es eine sorgfältigere, wenn das erste Viertel ausschließlich im Schritt ausgeführt wird, und zwar hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens beginnt das Pferd seine Air leichter und freier, wenn es in dieser Weise auf dem Kreis der Demi-Volte geht und sich nah an ihrem Ende befindet. Und zweitens, weil es die Demi-Volte viel ordentlicher und leichter schließen kann, wenn es sanft angekommen ist an der Stelle, an der man es erheben möchte, und ohne dass sich die Hinterfüße von ihrem korrekten Ort entfernt haben.

Zweifellos hat das Pferd Schwierigkeiten, diese erste Lektion auszuführen, bis es sie verstanden hat; deshalb muss man Geduld haben bei jedem Mal, wenn es Fehler macht und es nach einigen Schritte geradeaus und auf der geraden Linie mit einer korrekten Passege zu versammeln, bis zum Buchstaben D, den man auf der nachfolgenden Skizze sieht und der demonstrieren soll, dass die Korrektheit sorgfältig beachtet werden muss bei diesen Wiederholungen, wie in der Hauptlektion, wenn das Pferd auf jeder Hand gleich frei ist.



 

Ist es korrekt angekommen auf D, lässt man es erneut geradeaus vorwärts gehen auf der geraden Linie, um es besonnen seine Demi-Volte wieder beginnen zu lassen, nämlich im Schritt bis zum Punkt B, und lässt es danach wieder seine Air aufnehmen und die Demi-Volte schließen, und kommt so bei C an, um wieder zu beginnen und weiter zu machen mit der selben Regel, ebenso viele Male wie es schlecht reagiert auf die korrekten Proportionen dieser Demi-Volte; und falls es so ablehnend, empfindlich und von cholerischem Gemüt ist, dass es, anstatt diese Lektionen zu verstehen und ihnen frei zuzustimmen, erschrickt und verwirrt reagiert, oder wenn es in ein extremes Ungestüm verfällt, lässt man es sacht einen Schritt zwischen zwei Schlägen machen, und erzielt so das zweite Viertel auf dem Buchstaben C, wobei man ihm mit der Stimme schmeichelt und mit der rechten Hand am Hals, und so mit der Zeit diese Schritte einer nach dem anderen wieder reduziert werden und das zweite Viertel sauber und korrekt ausgeführt in der Air erscheint. Denn ist sie in dieser Weise gut ausgeführt und beendet, muss man danach zum gleichen Zeitpunkt ohne Intervall normalerweise zwei oder drei Schläge geradeaus vorwärts auf der Linie machen, und zwar wenn das Pferd locker reagiert; oder aber auf der Stelle, falls es zu sehr auf die Anlehnung der Hand fällt. Dann streichelt man es je nach dem Gehorsam, den es gezeigt hat, damit es durch dieses Beruhigen und Loben die Zufriedenheit des Reiters spürt. Danach lässt man es wieder auf der geraden Linie angehen, um eine andere Demi-Volte auf derselben Hand auszuführen, ganz genauso, wie es hier skizziert ist.



 

Falls das Pferd bei dieser weiteren Demi-Volte anfangs einige Fehler macht weil es verwirrt ist, rügt man es sacht, je nachdem welcher Fehler es war, und nachdem es einige Schritte vorwärts auf der geraden Linie gemacht hat, bringt man es jedes Mal wieder zurück in eine andere korrekte Demi-Volte im Schritt, um es seinen Fehler reparieren zu lassen, genauso wie ich es bei der vorherigen Demi-Volte erklärt habe, die hier erneut skizziert ist.


 

 

A gerade Linie, die die Demi-Volten dieser Lektion trennt

B Piste der Vorderfüße im Schritt bis C

C Piste der Vorderfüße bei Beginn der erhobenen Air

D Piste der Vorderfüße durch die Schläge in der erhobenen Air bis E

F Piste der Hinterfüße in der genannten Passege

G Piste der Hinterfüße, die die erhobene Air begleiten, bis H

I Piste der Vorderfüße beim Ausführen der Retour bis K, um die Haupt-Demi-Volte wieder aufzunehmen

L Piste der Hinterfüße bei der Begleitung dieser Retour bis M


In all diesen Anfängen der Air und der Korrektheit muss der Kunstreiter durch die Leichtigkeit seiner Bewegungen den Mut und die Aktion des Pferdes in der Art verwalten, dass es fast von selbst die Air seiner Schläge aufnimmt, welche man es niedrig mit wenig Hilfe beginnen lassen soll, und danach die folgenden Schläge wieder nach und nach erheben, und es normalerweise vorwärts auf dem richtigen und allgemeinen Kreis halten, und bei alldem verhindern, dass es zu hastig wird oder die Vorhand oder die Hinterhand verliert, welches die gewöhnlichen Fehler sind, die man bei diesen Regeln der Korrektheit vermeiden muss. Denn wenn man es so genau auf der Stelle, auf der es soll oder wo man möchte, dass es sich zuerst erhebt, bei all diesen ersten Takten hält und zusammen nimmt, zum formen des ersten Schlages seiner Air, als sei es schon daran gewöhnt und sicher, hält ihm dies seine Kräfte zu sehr zurück und engt es ein, oder behindert es zumindest, frei zu wenden, mit der Gefahr es entier oder störrisch werden zu lassen.

Ich sage noch einmal, dass man, wenn das Pferd diese Proportionen mit einem schlechtem Schließen der Demi-Volten verfälscht, sein Naturell gut beurteilen muss, bevor man es rügt, vor allem bei diesen engen, feinen Lektionen; denn falls es sehr ablehnend, empfindlich und ängstlich ist, und es wegen des Ausfallens seiner Hinterhand aus der Spur beim Schließen der Demi-Volte häufig rabiate Rügen erhält, sei es mit dem Sporn, der Gerte, dem Kappzaum, oder allen dreien zugleich, an der Seite zu der es den Fehler begeht, kann die Furcht davor, stark geschlagen zu werden, es beim Annähern an die Stelle, an der die Demi-Volte beendet werden soll, oder wo es gewohnt ist diese rabiaten Rügen zu erhalten, derart ergreifen, dass es seine Air unterbricht und sie vorausnimmt, es sich zu plötzlich einengt oder zum Ausweichen die Kruppe so sehr nach innen bringt, dass es gezwungen ist, die Volte zu schließen, indem es mit einer zu weiten Vorhand geht, fast seitwärts, so als sei es entier.

Und falls es ungeduldig ist und von sehr cholerischem und hitzigem Gemüt, kann dasselbe Rügen mit extremer Gewalt für den besagten Fehler es auch verwirrt oder verzweifelt zur Abwehr oder Flucht bringen: deshalb ist es manchmal besser, ihm einige Fehler zu gestatten (ich meine, bevor es diese Regeln der Geduld und des Gedächtnisses verstanden hat), und auch vorausgesetzt, dass, wenn es eine Sache schlecht macht, es einige andere gut macht, die nützlich sind für die gute Ordnung der Schule. Denn zweifellos werden die Gewohnheit der korrekten vorausgegangenen Lektionen im Schritt und die mittleren Hilfen und Rügen, wenn sie wohl bemessen, mit Bedacht, und zur richtigen Zeit gegeben werden, ausreichen, um es leicht und gehorsam werden zu lassen, und selbst wenn dies nicht so bald geschieht, wie es der ungeduldige Kunstreiter wünscht, es sich so wenigstens erhält in seiner Neigung, seinem Mut und es anpasst, welches das richtige Mittel ist, die Übung perfekter werden zu lassen. Weil das so ist, sieht man gewöhnlich, dass die Pferde, die die schönsten Airs ausführen und die sehr lange Zeit in der guten Schule dienen, diejenigen sind, die weniger durch Gewalt zur Ordnung ihrer guten Lektionen gezwungen wurden, und die deshalb nicht häufig erschreckt, abgestoßen oder verzweifelt waren; denn am Ende muss die Feinheit und Perfektion aller lebhaften Airs, ebenso wie der Gehorsam, aus der Freude des Pferdeherzens entstehen.

Um zu verhindern, dass der Zwang und die Unterordnung zu lang andauern in dieser Schule, und im Mut des Pferdes verschiedenste Mutationen herbeiführen, die Feinde der nötigen Fähigkeit in den guten Manegen sind, und auch damit es nicht abgestoßen wird, rate ich, dass man durch außergewöhnliche und verschiedenartige Ritte besagte Demi-Volten trennt mit einer geraden Linie (in der Länge gleich den Passaden), die unten skizziert ist; denn auf dieser Strecke kann man dem Pferd verschiedene Laster vertreiben: sei es, indem man es in den ruhigen Schritt geradeaus vorwärts bringt, falls es von einer zu starken Unruhe erfasst wurde; oder mit Durchparieren und Zurücknehmen auf dieser Linie oder mit Rückwärtsrichten, falls es sich auf die Hand legt oder zieht: oder durch entschlossenes Vorwärts treiben, falls es störrisch ist oder niederträchtig wird.

Einige glauben vielleicht, dass ich möchte, dass man immer die sanftesten Mittel bei allen Arten von Pferden anwendet, welche Dinge diese auch tun: aber so wie es nötig ist, möchte ich vielmehr, dass man es lobt, wenn der Zeitpunkt zur Sanftheit da ist, und dass man es mit gutem Effekt rügt, wenn es dies verdient hat, vorausgesetzt, dies geschieht mit Vernunft, nämlich entsprechend den Fehlern, die es gemacht hat, und nur, wenn es in der Lage ist, durch sein Wesen und seinen Verstand die Effekte der guten Rügen oder des Lobens zu verstehen, sonst aber nicht. Ich empfehle die Ausübung dieser Regeln außerdem nur einem Kunstreiter, der dazu fähig ist.


[...]


Zurückkehrend zur Ordnung unserer Regeln: sobald das Pferd gut die beschriebenen Demi-Volten beginnen und korrekt durchführen kann, in einem gleichmäßigen Schritt auf dem ersten Viertel, und seiner Air weitermacht auf dem zweiten, muss man die Schläge mit der Zeit vermehren, einen nach dem anderen, je nachdem wie es diese Lektionen behält und trainiert, und gewinnt durch dieses Mittel nach und nach im Schritt des ersten Viertels, und ebenso beim Verringern der anderen Schritte geradeaus auf der Linie, einen nach dem anderen, bis die beiden Demi-Volten sich vereinen und zusammen ausgeführt werden, und diese ganze Volte ohne Unterbrechung oder Fehler ausgeführt wird.



 

Wenn sich das Pferd beim Ausführen dieser Lektionen verhärtet oder die Anlehnung an die Hand aufgibt, möchte ich, anstatt wie ich schon sagte, dass man es nach der Vollendung in einer guten Air und einem lockeren Schließen der Demi-Volte im Schritt vorwärts gehen lasse, zum Wiederbeginn einer weiteren, gleichen, dass man es im Gegenteil auf der geraden Linie rückwärts gehen lässt, sobald es auf dieser angekommen ist und es den letzten Takt seiner Air gemacht hat, um es durch dieses Mittel in eine sehr lockere und zurückhaltende Haltung zurückzubringen; und es ein wenig stehen lässt auf dieser Stelle, wenn es den letzten Schritt im Rückwärts gemacht hat; dann lässt man es erneut normalerweise einen weiteren Schritt leicht und aufmerksam vorwärts angehen auf der Linie, um sehr leicht die folgende Demi-Volte zu beginnen und fortzuführen, und danach in derselben Ordnung den Rest der Lektion, gemäß der nächsten Skizze, was es zweifellos versammelt und erhebt und die Anlehnung an die Hand befreit von dem Überfluss, der dem Ungestüm und oder der Schwere vorausgehen kann.



 

 

A Linie zum Rückwärtsrichten bis die Hinterfüße auf B angekommen sind


Um diese Lektion besser zu erklären: das Pferd soll gerade auf der Linie sein, schon fast an deren Ende: beim Ankommen der Vorderfüße auf A lässt man es wieder vorangehen, normalerweise im Schritt, um darin die Tour der Demi-Volte zu beginnen, welche korrekt beendet werden soll auf B, gemäß der nächsten Skizze.



 

Und wenn man ein Pferd, das vor allem beim Schließen dieser Demi-Volte eine zu starke Anlehnung an die Hand hat, im Schritt rückwärts gehen lässt auf der geraden Linie, wenn es sich auf die Hand legt oder zieht, hält man es an und gibt ihm die Zügel nach, sobald die Hinterfüße A passiert haben

im Rückwärtsgehen, nach der folgenden Skizze, und die Vorderfüße auf A angekommen sind; danach lässt man es wieder ein wenig auf der Linie vorwärts gehen, um die andere Demi-Volte genauso auszuführen, auf derselben Hand auf C.



 

 

D Erste Demi-Volte auf der rechten Hand

E Linie zum Rückwärtsrichten

F Piste der anderen Demi-Volte auf derselben Hand

Um nach dieser Regel weiterzumachen, muss man das Pferd wieder rückwärtsrichten auf der geraden Linie in dieser Skizze, bis die Vorderfüße auf A angekommen sind, oder weiter oder kürzer, je nachdem wie es den Effekt dieser Lektion versteht, und beginnt wieder die erste Demi-Volte, die auf B beendet wird; und folgt man diesem Stil auf beiden Händen, wird das Pferd gelehrig, gehorsam und locker, vorausgesetzt es war vorher gut gelöst und entschlossen in der engen, redoublierten Manege im Terre-A-Terre oder im Galopp: andernfalls könnte diese Unterordnung zum Bezwingen seiner Kräfte seine Leichtigkeit beim Wenden verhindern und es vielleicht in kurzer Zeit entier werden lassen.

Genauso so wie ich erklärte in den vorigen Regeln, dass zum Zusammenführen der beiden Spuren der Demi-Volten, ohne das Gedächtnis oder die Kraft des Pferdes, das gut an der Hand ist, zu beunruhigen, man geduldig die Schritte geradeaus vorwärts verringern muss, nachdem die besagten Demi-Volten gut ausgeführt und geschlossen wurden. Ich möchte auch, dass in dem Maße, wie das Pferd, das eine zu starke Anlehnung hatte, beim Training dieser Lektionen leichter wird, man es jedes Mal weniger rückwärts gehen lässt auf der Linie, damit man durch dieses Mittel nach und nach diese getrennten Demi-Volten annähern kann und sie schließlich in eine ganze Volte verwandelt.


Für die rechte Hand

 



 

 

A Linie zum Rückwärtsrichten

B erste Demi-Volte beendet mit den Vorderfüßen auf C

D zweite Demi-Volte, beendet mit den Händen auf E

F erzielte ganze Volte

Um Verwirrung zu vermeiden, sind die Pisten der Hinterfüße hier nicht dargestellt auf den Demi-Volten.


Hat es diese Volte neu erlernt, soll man beim Beenden und Schließen eine gute Ordnung der Schule einhalten, wie ich schon andernorts sagte, nämlich durch Angehen des Pferdes auf der Linie, wenn es störrisch und sein Maul von schwacher Anlehnung ist; oder durch Zurückhalten auf dem Kreis seiner Hufspur, wenn die Anlehnung seines Maules gemäßigt ist; oder durch sehr untergeordnetes Zurückhalten und Rückwärts richten, wenn das Ungestüm, das Schwer werden oder die Mattigkeit das Pferd belädt und verhärtet auf den Schultern und auf dem Gebiss.

Um diese Volte zu redoublieren, ohne das Pferd zu erschrecken oder zu überraschen, kann es dazu vielleicht besser sein, wenn es sie nicht schon verstanden hat, dass man es an der Stelle, an der es bei den oben genannten Anlässen voran oder zurück getrieben oder zurückgehalten wurde, eine andere Volte danach wiederholen lässt, die mit Geduld zusammengesetzt wird, sehr leicht im Schritt und in den Schlägen seiner Air gemischt, ohne die korrekten Proportionen des Bodens zu verlassen, wie es hier dargestellt ist.


 

 

A Linie zum Vorwärtsgehen des Pferdes bis die Vorderfüße auf B ankommen.

B wenn es die Volte verengt oder beim Ausführen zurückhält; aber auch, um es rückwärts zurichten, bis die Hinterfüße auf C ankommen

C wenn es auf der Volte sich auf die Hand legt oder zieht.

D erste Volte dieser Lektionen


Wenn das Pferd diese zweite Volte erlernt hat, und wenn es geneigt ist, sie gut auszuführen, verringert man in einer guten Ordnung die Zeit, das Streicheln und den Schritt, die man im Geradeaus gemacht hatte, sei es im Vorwärts oder im Rückwärts, zwischen dem Ende der einen und dem Beginn der anderen Volte, und verringert mit demselben Mittel auch die anderen Schritte dazwischen beim Wenden und vermehrt infolgedessen die Schläge der Air auf dieser zweiten Volte, die man so (mit der nötigen Zeit) gleich wie die erste erzielt, und schließlich mit dieser vereinigt, ohne den gleichmäßigen Takt der ganzen Air zu unterbrechen.



 

Und weil es unter denen, die sich einmischen in das Üben dieser Lektion es niemanden gibt, der nicht glaubt genau zu wissen, dass man ein Pferd rückwärtsrichten muss, das eine zu starke Anlehnung hat, und jenes vorwärts treiben muss, das sich zurückhält und einengt, rate ich ihnen generell, dass dies kein ausreichendes Mittel gegen die Schwere oder Härte ist, oder für eine ausreichende Verbesserung einer zu stark zurückgehaltenen Aktion. Deshalb stelle ich hier eine Regel als Maxime auf: diese ist, dass man bei der Arbeit mit einem Pferd, das sich auf die Hand legt oder an ihr zieht während es die Schläge einer Air oder erhobenen Manege ausführt, man dabei nicht zu sehr an den Zügeln ziehen und nicht nur zum Rückwärtsrichten greifen darf: denn wenn diese Anstrengung der Hand zu stark beibehalten wird, kann das eine sehr große Härte im Maul hervorrufen. Deshalb muss man subtil das Wiederherunterkommen auseinandergefallener oder zu stark angelehnter Schläge mit einer steten Stützung des Gebisses oder des Kappzaumes empfangen und genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorderfüße auf den Boden setzt, ein wenig die Hand nachgeben. Dieses Stützen soll nur von dem jeweils nötigen Zwang oder Strenge begleitet werden, je nach dem wie das Pferd die Anlehnung beschwert oder verhärtet und nicht verbessert: durch dieses Mittel fällt es weniger auf die Anlehnung des Gebisses und des Kappzaumes, und manchmal sogar überhaupt nicht beim Arbeiten.

Und falls es sich einengt, reicht es es nicht aus, ihm nur die Freiheit von der Hand zu geben, um es vorwärts gehen zu lassen: denn falls der gleichmäßige Takt seiner Manege unterbrochen ist, oder die ruhige Haltung des Kopfes verloren gegangen ist, muss die Aktion des Pferdes im selben Moment und selben Takt direkt gegen die Anlehnung der Hand getrieben werden durch starken, korrekte Beinbewegungen des Reiters.

Um all diese Regeln und Korrektheiten verständlicher zu machen, habe ich bis hierher nicht völlig den Unterschied erklärt, den es gibt zwischen den Volten im Schritt und denen in den erhobenen Airs, und aufgrund dessen könnten viele schon denken, dass das Pferd meiner Absicht nach unterschiedslos in der einen wie der anderen Volte die Ordnung dieser allgemeinen Figur beachten solle.



 

Aber dies ist nicht möglich, ebenso wie es für das Pferd unmöglich ist, seine erhobene Air zu bilden, ohne sich viel mehr zu versammeln als in seiner natürlichen Haltung, weil die Aktion hierbei eine Beizäumung und Versammlung auf den Hanken ist. Deshalb müssen notwendigerweise die Hinterfüße nach vorn kommen, und ihre Kreisspur gegenüber der im Schritt vergrößern, oder die Vorderfüße zurückkommen und so ihren Kreis der Passege verkleinern, oder aber die Vorder- und auch die Hinterfüße gleichmäßig zusammenarbeiten bei diesem generellen Versammeln; diese Unterschiede müssen sorgfältig beachtet werden, wenn man das Pferd in seine Air bringt: nämlich, wenn es sich von selbst zurückhält oder einengt, gibt der Kunstreiter die erste Ankündigung und Bewegung seiner Hilfen mit den Beinen, damit durch dieses Mittel die Vorderbeine ihre Spur beibehalten (während der erhobenen Manege), die vorher in der Passege als Kreis gebildet wurde. Wenn es aber dazu neigt, diese zu vergrößern oder auf die Schultern zu fallen, oder auf die Anlehnung des Maules, muss die erste Bewegung des Kunstreiters zum Erheben der Manege im Gegenteil mit Unterordnung und Beihilfe durch die Zügelhand erfolgen, sodass die Hinterbeine ihre Spur einhalten, so wie sie vorher bestimmt wurde durch die korrekte Passege. Wenn aber das Pferd gehorsam ist, und falls es eine starke Neigung hat, und trotzdem temperiert, kann der Kunstreiter es gleichmäßig zusammennehmen, sowohl vorne als auch hinten, durch die normalen, gleichzeitigen Bewegungen der Hand und des Beines, um ihm seine Air und seine Manege auf derselben Stelle zu verbessern; falls es dagegen locker und gut an der Hand ist, verschafft es ihm mehr Lebhaftigkeit und Neigung, wenn es beim Aufnehmen seiner Air im Allgemeinen nach vorn gebracht wird außerhalb der Spur der Vorderfüße in der Passege.

Außerdem, wenn das Pferd die Volte passegiert, wird seine Aktion stets unterhalten durch einen Vorderfuß und einen Hinterfuß fest auf dem Boden, während die anderen beiden in der Luft sind; derart, dass durch dieses Mittel die Spur der Vorhand und die der Hinterhand, gleichzeitig gezogen werden. Wenn es sich aber in seine Air erhebt, vorgehend in der Volte, ändert es alle seine Bewegungen: denn die beiden Vorderbeine erheben sich zuerst, während, wenn sie herunterkommen, sich die Hinterbeine gleichzeitig von der Erde erheben, um die Schläge zu machen und weiterzuführen. Und wenn die Vorderbeine früher vorgehen, müssen sie notwendigerweise auch früher zur Erde zurückkommen als die Hinterbeine, und deshalb kann das Pferd nicht mit Vorhand und Hinterhand gleichzeitig im Seitwärts so auf der geraden Linie ankommen, wie wenn die Volte im Schritt ausgeführt würde; überdies nimmt das Pferd, wenn es seine Manege erhebt, nicht allein seine ganze Aktion zusammen, sondern, um die Haltung zu verstärken, durch die es die Air seiner Neigung erhält und begleitet, setzt es die Hinterbeine weiter auseinander, indem es die Füße mindestens zweimal so weit entfernt von einander setzt, als wenn es die Volte passegiert, und macht deshalb verschiedene Spuren.

Hierbei muss man auch beachten, wenn das Pferd sich so verkürzt zum Ändern der Proportion und der Bewegungen seiner Passege, um sich in die erhobene Air zu bringen, dass es normalerweise nicht seine ganze Kruppe in der Volte halten kann, und bei allen Schlägen seine gerade Haltung auf den Querlinien einhalten, ohne die beiden Hinterfüße eingeengt zu halten und quasi verdammt zum Zentrum der Volte, oder zu sehr seitwärts gehend und schräg, ohne seine Spur anzushen und die Schläge in der erhobenen Manege fast so wie den Schritt einer korrekten Passege machen: dies sind zwei Proportionen, die ich nicht gutheißen mag, weil sie so im Zwang sind, dass die Air des Pferdes nicht lebhaft werden kann und die Volte nicht entschlossen.



 

Das Pferd muss daher den Körper beim Wenden etwas schräg halten, die Hinterbeine in dem allgemeinen Kreis der Volte: nämlich wenn es in niederkommenden Courbetten geht. Und ganz entsprechend wie eine Air eingeengt ist, soll es die Manege dann auch sein: wenn es sich in Croupaden bewegt, hält es ein Hinterbein in der Volte, und das andere geht auf der Mitte der Hufspur der Vorderbeine, damit die Kruppe in der höchsten Freiheit bleibt und sehr lebhaft die Aktion der Schultern begleiten kann; und falls es die Kraft und die Neigung dazu hat, seine Manege in Kapriolen zu machen, muss man, um ihm mehr Raum, Lebhaftigkeit und Lockerheit zu verschaffen, die beiden Hinterfüße den Vorderfüßen folgen lassen, dabei aber trotzdem eine Hanke ein wenig in die Volte nehmen, um durch diese Aktion die Manege korrekter und vollkommener zu erzielen und den Sitz des Reiters weniger unbequem zu machen und dadurch schöner.

Weil der Großteil der Pferde der Manege eine größere Neigung dazu hat, die Kruppe aus der Volte heraus zu tragen als nach innen, ist es notwendig, um es in Korrektheit zu halten, die Passege aller Airs auszuführen, indem man die Kruppe innerhalb der Spur der Vorderbeine hält, vor allem, wenn das Pferd kräftig ist und eine Anlehnung an die ganze Hand hat, und überhaupt, wenn es eine zu schwer beladene Vorhand hat; denn diese Aktion hält ihm die Hanken eng, geschlossen und untergeordnet und bringt so der Vorhand mehr Leichtigkeit.


Für die rechte Hand

 



 

 

Demi Air                               Croupaden                                      Kapriolen


 

A Piste der Vorderfüße beim Ausführen der erhobenen Air dieser Manegen.

B Begleitende Piste der Hinterfüße die die Airs dieser Manegen unterstützen

C Piste der Hinterfüße auf der beschrieben Passege


Falls es sehr locker an der Hand ist, und wenn es von Natur aus weniger seine Kruppe nach außen bringt beim Aufnehmen seiner Air und Manege, muss seine Passege [aller Airs (?), nicht im Schritt, da diese weiter gezeichnet ist (?); DA] hinten enger ausgeführt werden als seine erhobene Manege, und zwar so wie die schräg gezeichneten Linien, in allen Vierteln; denn eine sehr große Unterordnung könnte ihm seine Neigung zurückhalten, wenn es sich wieder erhebt und erneut seine Manege beginnt.



 

Das Pferd, das sehr viel mehr Lockerheit als Kraft hat, und welches sehr empfindlich und manchmal furchtsam ist, soll normalerweise in einem starken und entschlossenem Schritt auf einer Volte mit einem Hufschlag passegieren, soll sagen: die Hinterbeine sollen einen genauso weiten Kreis machen wie die Vorderbeine, und man soll es gelegentlich ein wenig im Trab auf derselben Spur voran treiben, damit es seine Air leichter und lockerer ausführt, und sie, im Gegensatz zu den anderen, nach und nach anpassen soll, indem man bei ihm beginnt, die Kruppe hinein zu biegen, nachdem es beim Wenden einen oder zwei Schläge seiner Air gemacht hat, ohne dadurch seinen Takt zu stören oder die Spur der Vorderbeine zu verkleinern. Und wenn man nach Beenden der erhobenen Manege es weitermachen lassen möchte mit dem Trab beim Wenden, oder bei seiner Passege, ohne anzuhalten oder die Volte zu schließen (weil dies manchmal nötig ist, um ihm den Mut und die Vorwärtsaktion zu erhalten, und auch um mit diesem Mittel zu verhindern, dass es sich zu sehr einengt oder zurückhält), lässt man es einfach die korrekte Spur der Hinterbeine vergrößern, wodurch man sie gleich nach dem letzten Schlag seiner Air auf die Spur der Vorderbeine zurückbringt.



 

 

A Piste der beschriebenen Volte im Trab

B Piste der erhobenen Air

C Piste während des Einrichtens der Hinterbeine auf die erhobenen Air

D Piste der Hinterbeine und den Kreis der Volte im Trab wieder aufzunehmen


Wenn das Pferd, wie es auch sei, seine Manege rund und korrekt ausführt, sowohl im Schritt als auch erhoben, ohne irgendeine Stelle zum Schließen der Volten vorauszunehmen, und wenn der Kunstreiter seine Air beenden möchte, mit einem korrektem Schließen der besagten Volten an immer anderen Orten, muss er dies mit einer verengenden, vorwärts gehenden Aktion tun, so wie auf einer der Querlinien der Viertel:



 

Nun muss man bei den oben genannten Berücksichtigungen genau verstehen: wenn die Manege so eng und gezwungen ist, dass das Pferd normalerweise seinen Körper eingeengt oder quer in den Kreis der Volte trägt, wie ich schon sagte und skizzierte, man sie so mit einem Schlag auf der Stelle oder vorwärts geradeaus schließen und beenden kann, und so auf dem Viertel ankommt, auf dem man möchte. Hat aber die Kruppe des Pferdes sehr frei die Air der Manege begleitet, schräg gestellt (nämlich mehr vorwärts, entschlossen und trotzdem korrekt beachtet), muss man die Vorderfüße, die zwangsläufig als erste auf den besagten Querlinien ankommen, sich wieder ein- oder zweimal erheben lassen, und sie sogleich wieder zum Boden zurückkommen lassen, auf der Stelle an der sie begannen, oder ein wenig weiter geradeaus davor, damit durch diese Takte und Schläge die Hinterfüße sich auf dieselbe Linie einrangieren können, gerade hinter den Vorderfüßen, um den korrekten Kreis der Volte besser zu schließen, und normalerweise muss man dann auf der Stelle noch einen Schlag ausführen, um dieses Ende zu vervollkommnen.

Die vier Viertel, die man quer oder gerade auf diesen Volten eingezeichnet sehen kann, veranschaulichen nur die Haltung des Pferdekörpers, je nachdem wie es arbeitet, nicht aber die Anzahl der Courbetten oder Croupaden. Bezüglich der Maße der Volte und der Anzahl der Schläge die ausgeführt werden sollen, müssen diese entsprechend der Natur des Pferdes proportioniert werden. Ist das Pferd sehr locker und hat es Freude daran, sorgfältig die redoublierte Manege zu verbessern, muss man meist, wenn die Volte eng und zusammengesetzt ist, konsequenterweise weniger Schläge als normal machen. Denn wenn sie zu groß gemacht wird, kann sie nicht mit wenigen Schlägen ganz ausgeführt werden, aufgrund der dann großen Distanz von einem zum anderen. Sie mit einem derartigen Pferd durch viele Schläge voran ausführen zu wollen, würde die Lockerheit seiner gewohnten Aktion zurückhalten, und sein Naturell ließe es sie nicht lebhaft proportionieren und seine Manege würde zu gemächlich und gezwungen. Dieselbe Proportion, die man bei einem Pferd mit sehr lockerer Anlehnung einhält, soll gelegentlich auch beachtet werden bei einem, das hart und schwer auf der Vorhand ist, vorausgesetzt es hat ein gegenteiliges Naturell. Denn das ziehende Pferd hat weniger Anlass, seine Anlehnung zu verhärten und zu verlieren, und all seine Bewegungen finden sich sehr leicht auf einer engen Volte, vorausgesetzt, sie wird genügend auf den Hanken unterhalten. Weil es weniger Schläge macht als auf einer großen, auf der es notwendigerweise vorwärts gehen und sich mehr auf die Vorhand legen müsste, aufgrund seiner Schwere in Verbindung mit der zu großen Anzahl von Schlägen, die es eine noch stärkere und härtere Anlehnung an die Hand nehmen lassen, und wenn es weniger Touren macht. Sodass das zu beladene Pferd nur schwer so viele Schläge ausführen kann, wie eine große Volte verlangt, durch die Unbequemlichkeit seines großen Gewichts, nicht mehr als das lebhafte und an der Hand sehr lockere Pferd aufgrund der Zartheit seiner Anlehnung des Maules und seiner fleißigen Neigung, die eine stärkere Kürze verlangt. Allenfalls soll dieses weniger beigezäumt werden auf den Hanken als jenes andere.

Es gibt andere Pferde, die mehr Kraft und Neigung haben, und dazu in der Vorhand sehr gelöst beim Vorwärtsgehen, bei denen es nötig ist, die Volte großräumiger zu gestalten, mehr vorwärts und mit einer viel größeren Anzahl von Schlägen, um die Möglichkeit zu haben, es an die richtige Anlehnung zu treiben und diese zu verbessern, und um ihnen den Hals gerader zu halten, in einer festeren Positur, und den Kopf ruhig in einer guten Stellung. Und wieder andere, die so böse und unordentliche Bewegungen der Hanken machen, oder die so wenig Neigung zur sehr engen Korrektheit haben, dass sie beim Wenden immer die Hinterfüße aus dem Kreis der Volte tragen und sich in Freiheit stehlen wollen, bei denen man die Manege auch vergrößern muss, und die Schläge ihrer Airs mehr zurückgehalten, unterstützt, seitwärts und in einer großen Anzahl, als es die allgemeine Regel verlangt, um sie durch diese Unterordnung gerader zu halten, mit Voran gehen und Erheben auf der richtigen, begrenzten Spur durch eine stärkere Hilfe der Hand. Ist das Pferd aber von guter Statur, begleitet von einer guten Neigung, genügender Kraft und Lockerheit, um die für eine schöne Manege erforderliche Anstrengung und Leichtigkeit zu unterhalten, kann man das Mittelmaß einhalten, sowohl bezüglich des gleichmäßigen und lebhaften Taktes der Air, als auch in der Korrektheit des Bodens. Am Ende begrenze ich weder bei den einen noch den anderen irgendwie die Anzahl der Schläge, vorausgesetzt die Volten sind nicht zu groß oder zu eng, und die Airs nicht ungleich, vorzeitig oder zurückhaltend.

An den Stellen, wo die vier Hufeisen eingezeichnet sind, muss man auch berücksichtigen, dass dies erfolgte, um leichter den Plan und die Haltung des Pferdes darzustellen, wenn es angehalten hat auf der Korrektheit der Volte: denn dies zu zeichnen gemäß der Bewegungen, die das Pferd beim Arbeiten macht, auch in einer erhobenen Air, würde den größten Teil derer, die sie verstehen wollten, zu sehr verwirren, es sei denn, sie sind gute Meister: denn während das Pferd die Air seiner Schläge erhebt und unterhält durch eine starke und sehr zusammengenommene Aktion, stellt es dabei jedes Mal zum Vorwärts gehen die Hinterfüße so dicht an die Vorderfüße (sowohl auf dem Kreis der Volte als auch im Geradeaus), dass man, um diese vermischte Spur darzustellen, schwierige Figuren zeichnen müsste, die zu sehr den Geist des Lesers beanspruchen bei den Proportionen, die man viel besser verstehen kann durch das Praktizieren der Übung, als man es durch Niederschreiben gut erklären könnte.




 

Band II, Kapitel 26


Weitere Regeln, geeignet für ungeduldige Pferde, die leicht entier werden und eine harte Anlehnung an die Hand bekommen können, die man aber trotzdem für eine Manege schulen möchte


 

Ich bin sicher, dass es seit langer Zeit nicht mehr viele Reiter gibt, die die Regeln dieses zweiten Bandes gut auszuführen wissen: die einen, weil sie zu viel Routine in der alten und sehr gewöhnlichen Schule dieser Kunst haben, und keine ausreichende Geduld, ihren Geist und ihre Aktionen mit der wahren Ordnung aller korrekten und nötigen Proportionen, die in diesen Regeln inbegriffen sind, zu beschäftigen, und bei den Übungen auch nicht ausreichend genug erkennen oder spüren, ob das Pferd perfekt oder fehlerhaft den richtigen Raum des Bodens, oder die Linien, Viertel, Halbkreise, die ganzen Volten und andere Wechsel, die in all diesen Bahnfiguren enthalten sind, ausführt, welche man sich bildlich vorstellen und während der Lektion exakt einhalten sollte: und weil sie durch Begehen dieser Irrtümer die meisten Dinge, die sie verstanden haben, außerhalb ihrer korrekten Zeitpunkte und Plätze machen, folgt daraus leicht Verwirrung, die viele Fehler verursacht. Andere, die nicht genügend Praxis in der besagten, alten Schule haben und die eher zornig als gut bedacht arbeiten (wie ich an anderer Stelle beschrieben habe), sind völlig oder fast völlig verhaftet in unseren sehr begrenzten Korrektheiten, und zwingen und vermindern unangemessen den Mut und die Kräfte des Pferdes. Und häufig werden auch diese Fehler einzig durch die Grobheit oder Unfähigkeit einer schlecht geführten Hand erzeugt. Wieder anderen mangelt es an Urteilskraft und Fleiß, um dem Pferd die vielen verschiedenen Bewegungen, die völlig gegen den Gehorsam und die Freiwilligkeit arbeiten, vertreiben zu können, und können es deshalb nicht zur Leichtigkeit der korrektesten Proportionen bringen. Und schlimm ist auch, dass die besseren Meister gelegentlich begonnen haben, derart cholerische, ungeduldige, bizarre und verstockte Pferde auszubilden, dass ihre größte Kunstfertigkeit nicht ausreicht, sie in den guten und engen Lektionen gut reiten zu können. Und weil ich schon vorhersehe, dass die Ordnung der Regeln, die bis hier abgeleitet und skizziert wurden, viele der Pferde, die derart ungehorsam sind (neben anderen Unarten), gelegentlich ihre Kraft und Lebhaftigkeit zurückhalten lassen, sie sich einengen oder entier werden, vor allem bei den ersten Lektionen einer erhobenen Air, gebe ich den Rat, falls dies passiert, die Ordnung der vorherigen Lektionen abzuändern, indem man diese entlang einer geraden Wand ausführt, weil sich dies dazu eignet, gelegentlich viele Unruhen zu vertreiben, die den Mut des ungeduldigen Pferdes schwächen und es völlig unfähig in Gedächtnis und Gehorsam werden lassen können. Denn zweifellos verleidet das ruhige Geradeaus auf einer ausreichend langen Passade entlang einer Wand ihm weniger die neue und unbekannte Unterordnung und Korrektheit der Volten, und durch Rügen oder versuchsweise mit Sanftheit auf dieser Passade kann man es den Fehler, den es beim Wenden gemacht hatte, erkennen lassen, wie es hiernach erklärt wird.

Wenn das Pferd also gelöst ist und gut begonnen hat, wie ich vorher schon an diversen Stellen erklärt habe, und wenn es auch korrekt passegiert, wenigstens die vorherigen Viertel und Demi-Volten, muss man es nah genug an die Wand auf eine gerade Linie bringen, und zwar im Schritt oder im Trab, je nachdem, ob es freiwillig vorwärts geht oder sich zurückhält und ob es seine Anlehnung an das Gebiss ziehend oder locker gestaltet. Hat es ungefähr 25 Schritte zurückgelegt, und spürt der Kunstreiter, dass es zieht oder sich ein wenig auf die Hand legt, pariert er es auf den Hanken an einem Ende der Linie durch; ist es aber locker und gut geneigt, hält er es gar nicht an, sondern (wie auch nach dem Parieren) bringt es in seine erhobene Air, und lässt es wie üblich drei gute Schläge geradeaus ausführen, zurückgehalten oder vorwärts gehend,je nach seinem Mut und der Anlehnung des Mundes.




 



Linie der Wand / Linie der Passade


Sobald das Pferd den dritten Schlag beendet hat, und fast zum selben Zeitpunkt, an dem es seine Vorderfüße auf dem Buchstaben A wieder auf den Boden setzt, stellt ihm der Kunstreiter den Kopf sorgfältig auf die Volte und bringt es in einen resoluten Schritt, in dem er es ein Viertel ausführen lässt: und auf dem Ende dieses Viertels erhebt er es wieder, um es drei weitere gleiche Takte auf der Linie B schlagen zu lassen, und lässt es am Ende des dritten wieder in demselben versammelten Schritt gehen, durch das Gebiss oder den Kappzaum zusammen mit der Hilfe der Beine, um ihm den Kopf auf die Tour zu stellen, und es erneut im Schritt zwei Drittel eines anderen Viertels machen zu lassen, und beendet auf der Linie und dem Buchstaben C, hält es auf dieser Stelle an und erhebt es wie vorher.



 



Linie der Wand / Linie der Passade


Hat das Pferd den dritten dieser Schläge auf dem Buchstaben C beendet (bzw. während des Beendens), muss er es wie vorher in den Schritt zurückführen und es wenden, indem er es die Volte zweimal (oder mehr) auf einem Hufschlag umrunden lässt, wie es in dieser Skizze gezeigt wird.




 


Linie der Wand / F Piste der Hinterfüße, um den Vorderfüßen zu folgen beim Umrunden der Volte im Trab.



Nachdem er es diese Lektion auf der Linie der Passade durch Schräggehen hat schließen lassen, also im Vorwärts mit Seitwärts, und zwar bis die Vorderfüße an der Stelle D und die Hinterbeine auf E ankommen, wie es hier unten skizziert ist, lässt er es sich auf derselben Stelle erheben, mindestens dreimal, und hält dabei den Körper und Hals des Pferdes sehr gerade auf der Linie der Passade.


Linie der Wand

 



 


Hat das Pferd zufriedenstellend die Ordnung dieser Lektion zu einer Seite ausgeführt, lässt man es vorwärts gehen und führt es geradeaus bis zu der Stelle, die man sich ausgesucht hatte, um dasselbe auf der anderen Hand auszuführen.




 


F Piste, die die Hinterfüße machen sollen, wenn die Vorderfüße die Linie der Passade durch die mit G bezeichnete Spur wieder aufnehmen.


Wurde diese Lektion auf jeder Hand gut geübt und hat das Pferd sie verstanden und behalten, macht man weiter, indem man es wieder geradeaus, wie beschrieben, auf der Stelle der drei ersten besagten geraden Schläge am Ende der Passade, nur zwei machen lässt, und das Pferd dann sogleich einen oder zwei Schritte im Wenden vorangehen und danach für ein oder zwei Schläge sich erheben lässt, gefolgt von einem oder zwei weiteren Schritten, um wieder zwei Schläge auszuführen, und so weiter bis zum Punkt C, der die zwei Teile begrenzt, deren dritter das zweite Viertel dieser Volte schließt. Und wenn es mit allen vier Füßen gleichzeitig auf der Linie des Buchstabens C angekommen sind,, lässt man es auf einer Stelle drei Takte seiner Air locker ausführen, wie ich es in der vorhergehenden Lektion erklärte, dabei vor allem die Korrektheit des Bodens beachtend, wie auf den Skizzen gezeigt, sowie auch die Gleichförmigkeit in allen seinen nötigen Bewegungen so gut es geht viele Male wiederholt oder wieder begonnen.



 


In dem Moment, wenn der dritte dieser Schläge auf der Stelle beendet ist, muss man erneut zweimal die Volte im Schritt auf einem Hufschlag umrunden und dann wieder die Linie der Passade aufnehmen, beim Schließen der Manege, wie oben skizziert und wie es unten erneut dargestellt ist, um wieder drei Schläge auf einer Stelle, mit den Vorderfüßen auf D und den Hinterfüßen auf E auszuführen; danach macht man weiter mit derselben Lektion auf der anderen Hand.



 


F Piste der Hinterfüße, um die Linie der Passade wieder aufzunehmen zum Schließen der Volte.

 

Durch die Gewöhnung an diese Lektion, wenn sie lange genug weitergeführt wurde, wechselt das Pferd leicht vom Schritt in gute Schläge, so dass es die genannten Partien der (schon vorbereiteten) Demi-Volte vollendet, ohne den gleichmäßigen Takt seiner erhobenen Air zu unterbrechen.



 


Wenn es beim Beginn Schwierigkeiten hat, die Schläge seiner Air einzureihen, vor allem in der genannten letzten Proportion, beginnt man im Schritt, bis zum Punkt B in der folgenden Skizze, und in dem Maße, wie es sich verbessert beim Erheben und gut den Takt seiner Air schlägt, reduziert man diese Schritte, bis zu den ersten Schlägen geradeaus auf dem Buchstaben A.


Linie der Wand

 

 


Sodann muss man wieder mindestens ein Mal die ganze Volte im Schritt auf einem Hufschlag umrunden, und das Pferd zurück bringen und wieder an dieselbe Passege auf der Linie parallel zur Wand anpassen, um es wieder geradeaus sich erheben zu lassen, mit drei oder vier guten Schlägen seiner Air, auf den Buchstaben D und E und dann die Volte verlassen und entlang dieser Linie zu dem Platz auf der anderen Hand zu gehen, wo man die Lektion weiterführt.



 


F Piste der erhobenen Air beim Wenden   /   G Piste um im Trab um die Volte zu umrunden


Um die Anordnung dieser Schläge auf den gesamten Kreis dieser Lektionen auszudehnen, muss man sie nach und nach auf der schon im Schritt oder Trab umrundeten Piste vermehren: nämlich wenn es sauber erhoben ist, und wendet auf der ersten, beschriebenen Proportion bis zum Buchstaben C, und wenn es danach im Schritt den ganzen Kreis der Volte erreicht hat, bringt man das Pferd im Vorbeigehen ungefähr auf H in seine Air bis auf C, wobei man den schon erreichten gleichmäßigen,begrenzten Takt beibehält. Gleichzeitig muss man die Spur der Hinterfüße verkleinern und anpassen, wie es in der folgenden Skizze dargestellt ist, und beachtet danach die vorherige Ordnung: aber viel geschlossener, um es zurückzubringen auf die gerade, erste Linie, bevor man einen Handwechsel durchführt.



 

I Piste der Hinterfüße beim Wiedererheben der Manege



Während man so durch die korrekte Passege jedes Mal eines Schlages verstärkt, auf dem runden und begrenzten Raum, wird zweifellos die gesamte Volte in wenigen Ritten komplett erhoben und in sauberen und korrekten Airs ausgeführt werden, mit Ausnahme der Strecke zwischen C und G, welche man dafür reservieren soll, den Kopf des Pferdes wieder auf die Spur einzustellen und im Schritt die erste Aktion dieser letzten Volten, die man erheben will, auszuführen, damit das Pferd sich beim Wenden durch dieses Mittel mehr löst: denn würden die Enden aller dieser ersten Proportionen der erhobenen Volten normalerweise auf der Linie der Passade gemacht, könnte das ungeduldige Pferd böswillig die Gelegenheit ergreifen, sich zu nah an der Mauer einzuengen, sich nach außen zu biegen oder sich entier zu machen, um dem nötigen Gehorsam und der Leichtigkeit zu entgehen, die nötig sind zum Redoublieren der Volten.



Nachdem der letzte Schlag auf C gemacht wurde, muss man erneut im selben Moment eine Volte im Schritt machen, und zwar auf einem oder auf zwei Hufschlägen, je nachdem ob sich das Pferd in der Wendung hart oder locker zeigte.



 

 

H Piste der Schläge auf dieser Volte     /   K Piste der im Schritt ausgeführten Volte


Um das Pferd aufmerksamer und leichter in diesen Übungen zu machen, muss man die Volte gelegentlich zur Mauer hin nehmen, d.h. dass man an der Stelle, an der man es auf der linken Hand gewendet hatte, stattdessen die Lektion auf der rechten Hand macht, und für diese Ausführung soll die Linie der Passade ein wenig mehr von der Mauer abgerückt werden, wie man ersehen kann durch die nächste Skizze; und zweifellos wird diese Variante, wenn sie gut geübt wird, dem ungeduldigen Pferd viel von seiner Ängstlichkeit gegen die Freiheit und Korrektheiten der schönsten Manegen vertreiben.



 

Wenn der Kunstreiter nach ausreichender Gewöhnung an all diese verschiedenen besprochenen und dargestellten Lektionen bei seinem Pferd eine ausreichende Kraft, Lockerheit und Schulung zum Doppeln und Redoublieren der erhobenen Volten erkennt und spürt,

kann er es nach und nach verbessern, wenn er jedes Mal die Schläge auf der korrekt umrundeten Spur vermehrt, wie ich es erklärte: und in dem Maße, wie das Pferd frei wird, vor allem bei der Aktion des Wendens, muss man es die Volten immer näher an der Linie der Passade schließen lassen, bis es frei jedes Ende auf dieser Linie macht. Diese Ordnung kann verhindern, dass es entier wird; aber wenn der Kunstreiter klug ist, hütet er sich vor allem, mehr Anstrengung zu verlangen, als sein Pferd lebhaft ausführen kann.



 


Um das Pferd in diesen engen Lektionen freier werden zu lassen, muss man diese gelegentlich auflockern und variieren durch eine größere und eckigere Proportion, das heißt, wenn man im Schritt eine mittelgroße Volte auf einem Hufschlag umrundet hat, bringt man das Pferd auf dieser Spur in den Trab, in dem man es 2 Touren machen lässt, und danach pariert man es auf den Hanken durch auf der Linie A und lässt es auf dieser locker drei oder vier Takte seiner Air schlagen.



 


Beim Beenden des letzten dieser Schläge muss man ihm den Kopf auf dieselbe Hand stellen, um es lebhaft genug angehen zu lassen und es auf derselben runden Spur in den Trab bringen und es erneut eineinhalb Touren ausführen lassen, und es dann gut durchparieren auf der Linie B. Dann erhebt man es wieder wie zuvor und bringt es in denselben entschlossenen Trab auf dem Kreis.




 

Hat man diese Regel ausreichend weitergeführt zu einer Seite, muss man die Hand wechseln und zurückkehren auf dieselbe Spur, um dort dieselbe Proportion einzuhalten.




 


Geht man danach wieder auf die erste Hand, muss man die ganzen Paraden auf diesen anderen, durch die Linien dargestellten Stellen machen, und diese Ordnung auf jeder Seite gleich ausführen bis zum Ende der Lektion.



 


Hat das Pferd zwei oder drei solcher Ritte gut verstanden, nimmt man diese Ordnung zusammen: d.h. nachdem man das Pferd ein wenig hat traben lassen und es auf diesem Kreis gelöst hat, pariert man es erneut durch und lässt es sich auf der Linie A erheben, wie beschrieben. Anstatt es aber gleich wieder traben zu lassen wie zuvor, lässt man es nur im Schritt vorwärts gehen, bis zur Linie B auf der folgenden Skizze, und, nachdem man es sich wieder hat erheben lassen, weitergehen und wenden im Schritt, um dieselben Schläge auf der Linie C zu machen, und danach im selben Schritt bis zur Linie D, und macht so weiter ungefähr drei Touren, sogleich gefolgt von zwei Runden im Trab, bevor man die Hand wechselt, um das willige Pferd Atem schöpfen zu lassen.

Und um das Pferd auf diesem Kreis gelöster zu machen, oder zumindest weniger entier, muss man es die Kruppe etwas nach außen halten lassen, und ihm dazu noch ein wenig den Kopf in die Volte stellen, wenn man auf jeder geraden Linie angekommen ist, und bevor man es seine Schläge wieder aufnehmen lässt.




 



Die Gewöhnung an diese teils eckige, teils runde Lektion macht das Pferd so leicht und locker, dass es von sich aus (und aufgrund des vorhergegangenen Stils) in kurzer Zeit den Schritt in jeder Ecke (hier mit E markiert) in Schläge vorwärts verwandelt, um zu den Linien zu gelangen, auf denen es erwartet, seine Air auf der Stelle ausführen zu sollen, und so wird es durch dieses eine Mittel, begleitet von subtilen Bewegungen des guten Kunstreiters, nach und nach eine komplette Volte in seiner erhobenen Air ohne Unterbrechung absolvieren. Danach muss man die Schläge nach und nach von Quadrat zu Quadrat verstärken, und beendet normalerweise im Trab auf dem Kreis auf einem Hufschlag.

 



 

 

 


Gelegentlich muss man diese Lektionen auch nur mit einer gemächlichen und lockeren Galoppade auf jeder Hand variieren, auf Kreisen mittlerer Größe, und danach auf die vorigen Proportionen entlang einer Wand zurückgehen. Denn das Pferd fängt dann zweifellos sehr viel lebhafter, oder weniger gezwungen, wieder an, als wenn man diese Diversifizierung nicht benutzt.




 






Linie der Wand




 


Damit der Kunstreiter diese Regeln gut bedacht trainiert, muss er sich daran erinnern, dass ich in allen beschriebenen und skizzierten Proportionen, vor allem denen dieses zweiten Bandes deren Ordnungen besser aneinandergereiht darstellen wollte, sowohl bzgl. der Korrektheit des Bodens, als auch der Bewegungen, die das Pferd, das gut begonnen wurde, ausführen soll, um leicht durch eine Lektion nach der nächsten zur Perfektion aller seiner Manegen zu kommen, und damit viel Anmut und Zufriedenheit erreichen. Deshalb habe ich genau die markierten Stellen eingegrenzt, wie auch die Anzahl der Schritte, der Schläge und der Touren. Aber falls das Pferd so rebellisch und verstockt ist, dass es, anstatt diesen Proportionen trotz der Aufmerksamkeit des Reiters und der guten Bewegungen von Reiterhand und -bein zuzustimmen und sich weigert, oder direkt gegen die Ordnung opponiert, soll der Kunstreiter keine anderen Regeln beachten als die wahren Mittel um ein Pferd davon abzubringen oder zu rügen: es erweitern lassen auf der Stelle, auf der es sich einengt; es einengen, wo es erweitern will; es auf der Stelle vorwärts treiben, auf der es sich zurückhalten oder die Volte verkleinern (acculer) will; und es zurückhalten, wo es zu sehr vorwärts drängt: schlussendlich, ihm niemals diese Fehler zu erlauben. Und auch wenn er es durch die guten Mittel dazu gebracht hat, genau auf der korrekten Stelle, die er ausgewählt hat, den angepassten Schritt und die begrenzten Schläge auszuführen: falls trotzdem alle Bewegungen, die es dabei macht, nicht passen zur Freiheit und Leichtigkeit der guten Übung, darf er sich nicht zufrieden geben allein mit der Anzahl, wenn es sie in irgendeiner Weise durch Bosheit, durch Unruhe oder durch Furchtsamkeit macht, oder es den gesuchten Gehorsam verweigert, auch wenn es sich dabei frei präsentiert; vor allem darf man nicht unersättlich sein in diesen Ausführungen, andrerseits aber auch nicht mit wenig zufrieden sein. Und abschließend muss man immer die notwendige Sanftheit, Strenge und das Mittelmaß einhalten, was man nicht einschätzen kann, ohne Wissen über das Naturell und die Kräfte des Pferdes, und nicht zu einem guten Effekt bringen kann, ohne vorher eine große und ungezwungene Praxis erlangt zu haben: denn ohne diese Urteilsfähigkeit wird die Schule wirr. An vielen Stellen habe ich ganz ausdrücklich genau diesen Rat erteilt, der in dieser Kunst nicht weniger wichtig ist als das Steuerruder für ein Boot, das man auf dem offenen Meer navigiert.


Nicht immer habe ich diese Regeln eingehalten: denn in meiner Jugend habe ich dieselben Fehler gemacht wie viele schlecht ausgebildete Reiter, die beim Training der Akademiepferde (sei es im Trab, Galopp oder bei den erhobenen und sehr lebhaften Schulen) nichts anderes im Sinn haben oder berücksichtigen, als furios die Lektionen (egal, ob gut oder schlecht gestaltet) auszuführen und weiterzuführen, bis sie extreme Erschöpfung an Rücken und Mut bemerken, so als würde man die Pferde nur schulen, um große Anstrengungen auszuhalten, und um ihre Kräfte zu überwältigen, ohne irgendeine Wertschätzung dafür, dass eine geringere Bewegung der Leichtigkeit in den Manegen dienen kann.


Es gilt absolut, bei der Anwendung der Regeln dieser Kunst ,dass es im Gegenteil sehr notwendig ist, dass der gute Kunstreiter normalerweise einen feinen und sorgfältigen Geist besitzt zur Verhinderung von Anlässen, oder zum Korrigieren von Fehlern, die das Pferd nachlässig, verwirrt oder ungehorsam werden lassen könnten, und dafür, die wahren Mittel zu suchen und befolgen, um es zu gewinnen und sich in Gehorsam begeben zu lassen, und die Leichtigkeit zu erreichen bei denen, wo man dies wünscht. So muss man häufig von der beabsichtigten Ordnung der Lektionen und Proportionen abweichen (die ja nur dazu geschaffen wurden, damit man sich angewöhnt, sorgfältig zu arbeiten),und mit diesen Abweichungen je nach den verschiedenen Anlässen prompt und klug, und sehr aufmerksam in der Schule zu arbeiten, möglichst ohne einen Schritt zu verpassen, vor allem nicht durch Unwissenheit oder Nachlässigkeit: andernfalls ist diese Kunst fremd und die Lektionen erweisen sich als nutzlos.

Ich habe zwar in der Unterrichtung im ersten Band gesagt, dass die Trablektionen in derselben Stärke vom Beginn bis zu ihrem Ende unterhalten werden sollen, und auch die des Galopps in derselben Air und Lebhaftigkeit durchgeführt werden sollen wie begonnen: Aber dies soll man nur so verstehen, wenn das Pferd seine Kräfte mit Lockerheit frei anwendet, ohne Ungestüm, oder Stätigkeit und veranlasst allein durch die korrekte Beinbewegungen des Reiters.