Le cavalerice francois“ von Salomon de la Broue [bʀu]


Übersetzung ausgewählter Kapitel durch Dr. Daniel Ahlwes, Schimmerwald



Das Werk La Broues „Le cavalerice francois“ (Titel ab der zweiten Auflage 1602) erschien erstmals unter einem anderen Titel 1594 in La Rochelle und stellt in drei Bänden das damalige Wissen der besten Reiter Frankreichs dar, welches bis dahin nur mündlich überliefert wurde. Es lieferte die Schnittstelle zwischen der neapolitanischen/italienisch-spanischen und der französichen/mitteleuropäischen Reitkunst.

(bekannte Auflagen in 1602, 1608, 1610, 1612, 1613, 1617, 1620, 1628, 1646)

Er bezieht sich darin oft auf den angesehensten Reitmeister des italienischen Zentrums der akademischen Reitkunst, Gianbattista Pignatelli,dessen Schüler er in Neapel gewesen war, und auf die "großen französischen Reiter vor meiner Zeit" (von allen wurden keine schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen).

Sein guter Schreibstil, die sehr gut verständliche Abhandlung in aufeinander aufbauenden Kapiteln und die umfangreichen Zeichnungen zur Erklärung der Reitübungen waren ein enormer Fortschritt auf diesem Gebiet und ermöglichten von nun an sehr viel mehr Reitern, ein gutes Verständnis der Hohen Schule zu entwickeln.

Sein Werk beeinflusste viele der auf ihn folgenden großen Reitliteraten: F.R. de la Gueriniere schreibt:„.. sind unter der beträchtlichen Anzahl Schriftsteller nur zwei, deren Werke wahren Werth haben, und diese sind: de la Broue und der Herzog von Newcastle. De la Broue lebte unter der Regierung Heinrich des Vierten. Sein herausgegebenes Werk ist in Folio und enthält die Regeln seines Lehrers des Johann Baptist Pignatel, der als Lehrer der Reitkunst bei der Reitschule Neapel stand, und dessen Reitbahn in so großem Ruf stand, daß man sie als die vornehmste in der ganzen Welt ansahe. Alle, von dem französischen = und deutschen Adel, die sich in der Reitkunst vervollkommnen wollten, waren genöthigt, bei diesem berühmten Lehrer Unterricht zu nehmen.

Der Herzog von Newcastle sagte: de la Broue hätte seinen Unterricht zu einem so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, daß man in dieser Kunst höchst erfahren seyn müsse, um ihn in Ausübung bringen zu können. Ob gleich dieses Lob etwas kritisch ist, so beweist es gleich wohl die Vortrefflichkeit dieses Schriftstellers“ (aus der deutschen Übersetzung der „Ecole de cavalerie“, 1733, durch Daniel Knöll, 1791). 

 

Ironischerweise ist dieses Zitat,das Guerinieres Wertschätzung untermauern soll, gar nicht von Newcastle/Cavendish, der in seinem ersten, französischen Buch de la Broue gar nicht erwähnt, aber über ihn in seinem zweiten, englischen Buch abwertend schreibt, Broue habe im ersten Band nur Grisone wiederholt und im zweiten Band nur die Ausbildungsmethoden Pignatellis aufgeschrieben („stolen from Signior Pignatell's lessons“). Diese Worte bedeuten allerdings indirekt eine hohe Wertschätzung der aufgeführten Methoden, da auch Cavendish Pignatelli als einen großen Meister ansieht: „ But the most Famous man that ever was in Italy was at Naples, a Neapolitan, call'd Signior Pignatel; but he never Writ: Monsieur La Broue Rid under him five years... „(William Cavendish, „A New Method... to dress horses...“,(London, 1667, Tho. Milbourn(S.3).).

Gueriniere hingegen kannte anscheinend nur die Übersetzung des zweiten, englischen Buches ins Deutsche und Französische von Soleysel von 1700, in dem lobend über de la Broue gesprochen wird, und bezieht sich wohl auf den Satz:  "Es finden sich darin[im Cavalerice] schöne Lehren für die, so es begreifen können".


 

Dass der „Cavalerice“ nie in eine andere Sprache übersetzt wurde, war zu seiner Zeit kein großes Problem: wer sich damals ein Pferd ausschließlich für die akademische Reitkunst leisten konnte, sprach wohl in den allermeisten Fällen fließend französisch. So muss sich allerdings heute ein ambitionierter Schulreiter zumindest etwas Französisch aneignen, wenn er die teilweise in keinem anderen Buch so detailliert beschriebenen Übungen verstehen und ggf. erlernen will.

Wie bei allen guten Reitmeistern spielte auch bei La Broue die Erziehung der Reiter zum verantwortungsvollen, denkenden, ruhig planenden „Pferdemenschen“ eine sehr große Rolle: Immer wieder weist er darauf hin, der Reiter solle niemals aus Zorn, sondern immer überlegt handeln; das Erniedrigen des Pferdes wird als nicht akzeptabel angesehen. Er weist immer wieder darauf hin, dass alles Negative in der Arbeit mit dem Pferd vermieden werden müsse: ein ängstliches, nervöses, übermüdetes oder überfordertes Pferd könne niemals die Hohen Schulen erlernen, geschweige denn perfekt ausführen.

La Broue überführt den Begriff „Kunstreiter“ aus dem italienischen „Cavalerizzo“ als „Cavalerice“ ins Französische, um den Unterschied zum „Kampfreiter“/“Kriegsreiter“ hervorzuheben; Gueriniere folgt ihm darin 140 Jahre später, indem er die akademische Reitkunst als „L'art pour l'art“ (Kunst nur für die Kunst) bezeichnet.

Wer den „Cavalerice“ nur oberflächlich, nur stückweise und obendrein vielleicht mit geringen Französischkenntnissen liest, runzelt schnell die Stirn über die in den ersten Kapiteln zu findenden Bezüge zum Text Grisones, der 42 Jahre vorher erschienen und schnell in ganz Europa verbreitet war: hier gelangten auch einige mittelalterliche, rabiate Methoden in das Buch, das ansonsten eine ausgeprägt positive Reiterethik ausstrahlt. La Broue weist allerdings hier immer darauf hin, dass diese Mittel nur bei äußerst gefährlichen und völlig verdorbenen Pferden, die den Menschen angreifen oder auf andere Art schwer gefährden, eventuell versucht werden könnten, und dies ohnehin immer unter dem Vorbehalt, dass sie nur von sehr erfahrenen Reitmeistern angewendet werden dürften (Gueriniere erwähnt diese Methoden 140 Jahre später gar nicht mehr).

Er benutzt schon damals Leckerlis (friandises) und lobt das Pferd häufig durch Streicheln und Kraulen (caresser): niemals haben die alten Meister ja ihre Pferde geklopft, da Pferde das Klopfen als Schläge empfinden (die sie mit der Zeit aushalten lernen, aber kaum als Belohnung empfinden dürften).

Er empfiehlt bei ängstlichen oder unwissenden Pferden, ein älteres, gut ausgebildetes Pferd mit in die Bahn oder ins Gelände zu nehmen. (Bd. I S.45,57).

Immer und immer wieder weist er bei seinen „Preceptes“ (Regeln) auf die unbedingt erforderliche Beachtung der Eignung des Pferdes hin, z.B. bezüglich des Körperbaus, des Trainingszustandes, der Psyche oder der als Grundlage notwendigen vorgeschalteten Übungen. Fehlten diese Voraussetzungen, müsse man sie erst vollständig herstellen, bevor man die jeweilige Lektion beginnen dürfe.

Als erstes Gebiss empfiehlt er die kandarenähnliche "Canon", deren Mundstück aber einmal gebrochen ist,  und dazu den Kappzaum, von dem er schreibt, dass alle Pferde , bei denen er benutzt wird, sehr viel besser und leichter gehen, als jene, die allein mit Gebiss eingeritten wurden.

Der Kappzaum wurde erfunden um das Pferd zurückzuhalten, aufzurichten und leichter zu machen, um es das Wenden und das Parieren zu lehren, ihm den Hals zu biegen, die Kopfhaltung zu festigen, Kopf und die Kruppe zu stellen ohne Maul und Kinn zu stören und außerdem um die Schultern, die Beine und Füße der Vorhand freier zu machen. Er soll …. die Feinheit des Maules erhalten, das sehr entspannt und sehr aufmerksam auf die Wirkung des Gebisses sein soll, um Genauigkeit und Losgelassenheit zu erreichen.




Zur nachfolgenden Übersetzung muss ich anmerken, dass ich auch im Französischen Autodidakt bin und mein Drang, diese Sprache zu verstehen, erst richtig durch die Geheimnisse,

die ich zu Recht im Cavalerice vermutete, enststand. Vor allem anfangs war es unendlich mühsam, Wort-für-Wort ein annehmbares Verständis zu erlangen;

einige Fehler sind deshalb zu erwarten und ich würde mich sehr freuen, wenn  man mich darauf aufmerksam machen würde!




Der korrekte Sitz des Kunstreiters


Band I, Kapitel IX


Der Cavalerice soll nicht nur sorgfältig seine Ausrüstung prüfen und das Pferd richtig behandeln, sondern auch einen korrekten und schönen Sitz haben:

Den Kopf gerade und das Gesicht gegenüber dem Nacken des Pferdes: die Schultern gleich gerade und gleich hoch, die Schulterblätter eher ein wenig nach hinten, als zu weit nach vorn, ohne dass das rechte weiter hinten ist als das linke, wie es gewöhnlich passiert, wenn man nicht aufpasst, da die Zügelhand notwendigerweise etwas weiter vorn steht, und auch wegen der verschiedenen Bewegungen mit Degen oder Gerte, die leichter hinten als vorn durchgeführt werden.

Die Zügelfaust in der Höhe des gleichseitigen Ellenbogens und gewöhnlich drei oder vier [Quer-]Finger über dem oberen Rand der Sattelgallerie und zwei [Quer-]Finger davor.

Der Ellenbogen des Gertenarmes gewöhnlich ein wenig vor dem Beckenknochen, ein wenig offener und längs des Körpers als der des Zügelarmes.

Die Gerte meistens mit der Spitze nach oben; der Bauch ein wenig nach vorn, damit die Schultern nicht rund werden. Das Gesäß auch nach vorn, nicht zu dicht an der hinteren Galerie, denn das ist besonders unschicklich.

Den Rücken gerade und straff, die Oberschenkel fest wie angeklebt am Sattel.

Die Knie geschlossen, und eher nach innen als nach außen gedreht. Die [Unter-]Schenkel so nah am Pferd wie nötig, straff und gerade, so als stünde man aufrecht auf seinen Füßen auf geradem Boden, wenn der Reiter groß oder mittlere Statur ist; hat er aber eine kleine Statur, soll er, wenn möglich, seine Unterschenkel nach vorn und den Pferdeschultern benachbart halten.

Die Ferse tiefer als die Fußspitze, weder nach außen noch nach innen gedreht (also ca. 30° außenrotiert wie im normalen Stehen), die Fußsohle soll gerade und mit sicherer Anlehnung an die Steigbügelplatte aufliegen, und so, dass die Stiefelspitze die Steigbügelplatte ungefähr um eine Daumenbreite überragt.

Nicht ohne Grund halten wir uns gewöhnlich an die Regel, den rechten Steigbügel etwas kürzer einzustellen als den linken: denn das ist bei den meisten Bewegungen des Körpers und auch des rechten [doict]Armes des Reiters vorteilhaft. Und es ist wahr, dass man keinen starken Stoß mit dem Degen oder der Gerte ausführen kann, wenn der Reiter nicht durch eine viel stärkere Anlehnung an die rechte, als an die linke Steigbügelplatte dabei unterstützt wird; und ebenso, wenn er einen Lanzenstoß abbekommt, dann geht dieser gewöhnlich gegen seine linke Seite, er drückt folglich gegen den rechten Bügel; und auch wenn man selbst denselben Stoß ausführt, geht auch dieser gegen dieselbe Seite, denn die Lanze soll quer über den Pferdehals, ein wenig gegen das linke Pferdeohr geneigt, geführt werden.

Ein weiterer, weniger wichtiger, Grund, den linken Bügel etwas länger zu schnallen, ist, das Aufsteigen etwas zu erleichtern."





 

Band I, Kapitel XXV


 Pferde, die auf einer Hand unwillig oder fest sind;  über den Unterschied zwischen „unwillig“ und „fest“ auf den Volten.

 



Man sieht viele willige Pferde, die immer vorwärts gehen, wo auch immer sie sollen, aber dennoch auf einer Hand störrisch oder fest sind, und auf dieser sich nur mit großen Schwierigkeiten biegen: dies passiert häufiger, wenn sie schon in jungen Jahren stark gearbeitet wurden.

Hier muss der Kunstreiter berücksichtigen, dass es kein Pferd gibt, das nicht von Natur aus Rechtshänder oder Linkshänder ist, und sich deshalb nicht sehr leicht zu der Seite biegen lässt, die die schwächere ist, und darum auf dieser Hand einen größeren Kreis gehen muss.

Die Menschen sind ja genauso: mir wurde berichtet, dass wenige, die keine Linkshänder sind, beim Tanzen die seltene Fähigkeit haben, aufgrund ihrer Natur leichter zur Linken eine starke Passage mit Drehung oder mit einer falschen Rundung zu machen, als zur Rechten,.


Die meisten Pferde haben mehr eine Neigung zur linken als zur rechten Seite.


Diese Schwäche schreibt man ja gewöhnlich dem Umgang des Pferdepflegers zu: aber bevor ein Pferd nicht auf einer guten Schule ausgebildet wurde, biegt es sich zweifellos immer leichter zu einer Seite als zur anderen. Wenn dies die rechte Seite ist, ist das auch ein Zeichen dafür, das es ein Linkshänder und deshalb häufig von schlechtem Charakter ist. Und tatsächlich weiß man aus Erfahrung, dass diejenigen, die von Natur aus auf der linken Hand störrisch oder fest sind, sich länger wehren und dem Kunstreiter mehr Kummer bereiten als diejenigen, die sich weigern, sich rechts zu biegen.


Den Unterschied von "fest" [„entier“(Ausspr: ɑ̃tje) = unbeugsam, gerade, ganz] zu "unwillig"[„retif“ = störrisch, unwillig, widerspenstig] kann man so beschreiben: das feste Pferd wendet sich massiv und auf einmal, ohne in die Volte sehen zu wollen, aufgrund der Schwäche des Halses oder mangelnder Übung oder fehlender Neigung oder als Folge von diversen Arten von Unfällen, von denen ich in den folgenden Kapiteln erzählen werde.

 

Das unwillige Pferd dagegen weigert sich zu wenden immer, wenn es ihm gefällt, gleich wie viel es geschult ist und wie viel man ihm auch beigebracht hat, und es vermeidet auch die gute Seite und das Geradeausgehen, immer wenn der Reiter es dazu treiben will: die Abhilfen dazu sind häufig langwierig und schlecht wirksam da es nicht vorwärts gehen will.

Zur Vermeidung aller dieser Fehler, finde ich es falsch, was der Kunstreiter an seiner einfachen Reitschule einhalten soll: die alte Regel, nach der man die Arbeit mit jungen, gerade angerittenen Pferden immer auf der rechten Hand beginnen und beenden soll.

Ich möchte beim ersten Mal, wenn ich zum Ausbilden aufsteige, das Pferd an eine Stelle im Gelände reiten, wo es frei traben oder großräumig galoppieren kann, um seine natürliche Biegungsneigung zu erforschen und zu erkennen, und weiterhin, ob es gewöhnlich den Beginn, den Verlauf und das Ende der Lektionen ohne Widerstreben auf der rechten Hand oder eher auf der linken Hand erträgt, gemäß der Regeln der Kunst und der korrekten Abhilfen von schlechten Gewohnheiten (oder Ungehorsamkeit, falls man es dem Pferd bereits erklärt hatte) und wie häufig und und in welchen Lektionen sie auftauchen, da ja die Auswirkungen von Strenge am Ende nie die Leichtigkeit und Perfektion erbringen, wie die wahren Mittel der Kunst, durch die man nach und nach die Zustimmung und das Wesen des Pferdes erreichen kann.


Hat der Kunstreiter erkannt, ob das Pferd sehr große Schwierigkeiten hat, sich zu einer Seite zu biegen, oder ob es sich nur nicht biegt, weil es ihm passt, soll er beobachten, in welchen Fällen die Begleitung durch ein anderes, friedfertiges und ausgebildeten Pferdes das Ausführen derselben Übungen verbessert (wie ich es schon bei den im Geradeaus unwilligen Pferden erklärt habe).


Man führt man es dann auf einen geraden und gleichmäßigen Boden mit markierten sehr großen Kreisen. Diese Bahnfiguren geben ihm genügend Gelegenheit, nach unten zu sehen und sehr frei den runden und begrenzten Hufschlag entlang zu gehen.

In diesen Runden spaziert man es geduldig im großen und im kleinen Schritt für zwei Stunden pro Tag und gewöhnlich auf der Hand, auf der es sich wehrt; häufig das Rund wechselnd, um es nicht zu langweilen, und manchmal die Hand, damit es nicht durch zu langes Gehen auf einer Hand ohne Handwechsel abgestumpft wird. Und immer, wenn es sich zu schlechten Seite wendet, bringt der Kunstreiter es dazu, den Hals zu biegen und bringt mit dem Kappzaumzügel seinen Kopf in die Volte, ohne Einwirkung des Trensengebisses, und wenn nötig, mit der Spitze der Gerte, ohne es zu sehr unter Druck zu setzen: denn je weniger Unbehagen man ihm am Beginn bereitet, um so besser.


Man bringt es viele Male auf unbekanntes Terrain, wo man es zehn oder zwölf Schritte geradeaus gehen lässt, und dann eng wendet; ein, zwei oder drei Mal, je nachdem, ob es frei zu der Hand wendet, die man herausgefunden hat oder nicht; und dann unregelmäßig entweder eine gleichlange Strecke geradeaus, oder mal weiter, mal kürzer, um es dann von Neuem an einem anderen Ort wieder zu derselben Seite zu wenden, und manchmal auch zur guten Seite, damit das Pferd nicht aufgeregt oder verzweifelt wird.

Diese Schrittlektion ist sehr nutzbringend, wenn sie effektiv und immer mit Geduld und Kunstfertigkeit ausgeführt wird, denn man kann sie ausführen, solange man möchte, und auch deshalb, weil die Schrittlektion geeignet sind das Gedächtnis der Pferde zu stärken, die ein schwaches besitzen, und um diejenigen zu lösen und ihren Hals zu biegen, die entier sind; denn sie wirkt wenig massiv ein und die Aktion des Pferdes ist deshalb hierbei weniger angespannt.

Wenn das Pferd vielleicht aufgeregt ist, sich viel an einem Ort zu wenden, oder zu eng zu wenden, und es macht zur Vermeidung einen Sprung, oder flieht vorwärts, oder zur anderen Seite, (dies sind gewöhnlich die cholerischen oder furchtsamen), versucht der Kunstreiter, sie durch geradeaus gehen zu beruhigen (wenn möglich ohne sie zu strafen), und wechselt häufig die Hand, dabei manchmal zur guten Seite wechselnd, gleich nachdem seine schlechten Fantasien etwas verschwunden sind, um danach an einer anderen, größeren Stelle wieder zu beginnen, es zur schlechten Seite zu biegen, indem er den Kappzaumzügel leicht, aber unregelmäßig und mit wechselnder Stärke anzieht, was meist einen viel besseren Effekt hat, als den Zügel immer mit der gleichen Stärke angespannt zu lassen; besonders bei den cholerischen und verzweifelten Pferden, die, anstatt den Hals zu biegen und den Kopf zu der Seite des Zügels zu stellen und sich so auf die Volte locken lassen, dauernd gegen den Zügel arbeiten und daran ziehen.

Bei einigen Pferden ist es gelegentlich auch nötig, den Zügel ganz locker zu lassen, um ihm aus der Nähe mit der Gertenspitze ganz leichte Touchees auf die Oberlippe auf der gegenüberliegenden Seite zu geben, was anfangs dem Pferd ein großes Unbehagen bereiten kann: deshalb muss man dabei sehr genau abwägen, ob es einen guten Nutzen bringt.


Und um mehr Leichtigkeit zu erreichen, kann der Kunstreiter beim Loben es daran gewöhnen, zunächst im Stehen und ohne Biegungt, Kräuter zu bekommen, die er zwischen seinem Fuß und dem Steigbügel hält, an der Seite, zu der es sich schlecht biegt; und wenn das Pferd dieses Vergnügen erkannt hat, mit der Lektion fortfahren. Und jedes Mal, wenn das Pferd sich weigert, sich zur schlechten Seite zu biegen, soll der Kunstreiter anstatt dagegen an zu kämpfen und es zu schlagen, ihm die Freiheit von Trensen- und Kappzaumzügel geben, um ihm den steifen Hals zu lösen und ihm durch Vorschieben des Fußes so nahe wie möglich an seine Nase die Kräuter zu zeigen: und sobald das Pferd den Hals biegt und den Kopf zur Seite dreht, um die Kräuter zu erreichen, zieht der Kunstreiter nach und nach den Fuß zurück, und damit sanft das Pferd auf die Volte, wobei er gleichzeitig die Zügel auf das rechte Maß kürzt.

Dieses Mittel ist sehr nützlich für Pferde mit einem friedlichen Gemüt; sollten sie aber cholerisch und rachsüchtig sein, und falls sie beim Nehmen der Kräuter an ihrer Seite einen Schmerz fühlen, oder falls sie schnell lernen, sich aufzulehnen und in den Fuß des Reiters zu beißen, anstatt die Kräuter zu nehmen, muss man in diesen Fällen genauso verfahren, allerdings die Kräuter am Ende eines Stocks befestigen.

Es kann auch helfen, den Kappzaumzügel für zwei Stunden täglich festzustellen, wenn es in der Escurie steht, so dass es ein wenig den Kopf zur schlechten Seite halten muss und es so an einen Platz stellt, von dem aus es auf dieser Seite zur Tür der Reitbahn sieht und den Mut aufbringt, beim Hereinbringen des Futters, dem Eintritt von Personen oder dem Geräusch des Siebes und der Ankunft des Hafers den Kopf zu stellen und den Hals zu biegen.

In dem Maße, in dem das Pferd sich leichter im Schritt biegt, lässt der Kunstreiter es gelegentlich zulegen und die Volte vergrößern, bis es von selbst in einen Trab fällt, und bevor es von selbst zu traben beginnt, führt der Kunstreiter es sanft zurück in den Schritt, ohne anzuhalten und verkleinert den Zirkel unter Loben auf die ursprüngliche Größe.

Wenn diese Maßnahmen ordentlich und mit Bedacht weitergeführt werden, lernt das Pferd, sich leicht im Schritt auf jeder Hand zu biegen und wird dann auf großen Zirkeln mit diesen Übungen ohne sehr großen Druck vom Schritt zum Trab gebracht.

Ist das Pferd soweit ausgebildet, bringt der Kunstreiter es in einen lebhaften Trab auf beiden Händen, und übt es häufig um Pfähle oder Erdhaufen herum, um ihm zu helfen, die Kruppe außerhalb der Volte zu halten [heute: „Schulterherein“, D.A.] welches eine ganz entgegengesetzte Aktion ist als diejenigen, die das Pferd fest werden lassen.

So, wie man den Trab aus dem Schritt entwickelt hat, bringt man es in genau derselben Weise vom Trab zum Galopp, wobei man es häufig mit der Stimme und dem Zungenschlag oder mit Bewegungen der Arme oder der Gerte anfeuert, und ihm, wenn nötig, beim Biegen auf der schwierigen Seite innen mit dem Sporn und an der äußeren Schulter mit der Gerte unterstützt, oder, wie ich schon gesagt habe, an der Oberlippe.

 

In allen Lektionen soll man nie eine feste Größe des Zirkels einsetzen, auch nicht in einer allgemeinen Reitschulordnung: denn ob ein großer oder kleiner Zirkel genutzt wird, ergibt sich je nach Härte des Halses oder des Maules, der Abwehr oder dem Gehorsam, der Statur und der Stimmung des Pferdes.


Falls sich das Pferd sehr gegen diese Hilfen wehrt, billige ich die Unterstützung durch einen Menschen, der im Zirkel zu Fuß die Longe zum Kappzaum so hält, wie es ein Kunstreiter macht, und an dieser Leine Zug nur dann ausübt, wenn das Pferd den Zirkel verlassen will und niemals sonst. Dieser soll immer in seine Händen Kräuter oder andere Leckereien halten, um es auf sanfte Weise anzulocken (weil das Pferd von Natur aus Unangenehmes abwehrt), damit es, wenn er sich nähert, nicht flieht, um einem zu langen und schlecht ausgeführten Druck zu entgehen.


Deshalb soll der Kunstreiter, während der Mann zu Fuß die Leine hält, immer versuchen, das Pferd ohne seine Hilfe zu biegen, dass der Kunstreiter, wenn er kann, wenden ohne den Mann auf dem Boden, es sei denn,  das Pferd will die Hand des Reiters bezwingen; und wenn möglich sollte das Pferd immer den ersten und den letzten Druck durch die Hilfen des Reiters bekommen, damit es mehr auf ihn hört; und auch, damit es den Mann am Boden weniger fürchtet.


[ …. Die nächsten 4 Absätze beschreiben rabiate, mittelalterliche Methoden, deren Übersetzung ich mir spare, und die La Broue selbst kritisch sieht.; D.A. …..]


Um diese Mängel zu beheben findet es auch meine Zustimmung, die Mähne auf die andere Seite zu bringen und häufig zu der Seite zu kämmen, zu der sich das Pferd schwerer biegen lässt (normalerweise liegt sie ja auf der guten Seite). Denn natürlicherweise fördert die Mähne die Durchblutung und kann deshalb dem Pferde die Ursache geben, sich zu wenden und den Kopf frei zu der Seite zu nehmen, zu der man sie bringt.


Trotz allem kann allerdings der ungeduldige oder schlecht ausgebildete Kunstreiter häufig herunter fallen oder die Erfolge der schönen und natürlichen Mittel dieser Kunst verhindern, wenn er diese nicht korrekt und zur ihrer Zeit anwendet!







Band I, Kapitel XXVII

 

Gründe, die ein Pferd daran hindern, eine Parade gut auszuführen





Der größte anerkannte Prüfstein, mit dem das Pferd gleichzeitig seine Kräfte und seinen Gehorsam demonstriert, ist die Ausführung einer schönen Parade, geschlossen und leicht, am Ende einer langen und furios gerittenen Strecke. So manche könnten das bezweifeln, denn man sieht viele Pferde mit großem Mut und guten Beinen und Kräften, die trotzdem nur mit großer Mühe parieren; dagegen andere mit wenig Kraft und Vitalität, die mit Leichtigkeit eine Parade ausführen. 

Hierbei muss man nun zunächst wissen, dass eine große Leichtigkeit erst auf  die  Zustimmung folgt, die das Pferd mitbringt. Danach erst muss man seine Statur und Proportionen bedenken, sowie die Art und Weise, mit der es seine Kräfte beim Rennen einsetzt. Denn wie stark es auch in den Beinen, den Schultern und dem Rücken ist: wenn der Widerrist tief liegt, oder es von Natur aus auf der Vorhand läuft,  hat es zweifellos große Mühe, sich für eine gute Parade auf den Hanken zusammen zu nehmen.

Sind Schultern und Halsung aber im Gegenteil gut aufrichtet, so dass es sich auf der Hinterhand trägt, kann es mit Leichtigkeit durchparieren (es sei denn, es hat nicht viel Kraft) weil es sich von Natur aus setzt und ein Gegengewicht auf die Hanken bringt, um schöne Paraden zu machen. Immer aber, wenn es schwach ist und schlecht gebaut, besonders auf der Vorhand, besteht die Gefahr, dass es stürzt und  sich überschlägt, weshalb man bei der Parade vom Pferd fallen kann! 

Wenn es schwach ist und  auf der Vorhand läuft, kann es sich nur mit großer Mühe in eine gute Haltung für eine gute Parade bringen.

Wenn es aber gut anfängt, mit aufgerichteter Vorhand und sich auf der Hinterhand trägt und den Rücken gerade halten kann, besitzt es fast alle wichtigen Qualitäten, um leicht und mit schöner Anmut durchzuparieren, ohne dem Kunstreiter viel Mühe zu bereiten.

Pferde mit zu langem Rumpf parieren gewöhnlich mit wenig Anmut und mit schlechter Kopfhaltung, wegen der Schwierigkeit, ihre Kräfte nur selten nach hinten verlagern zu können, um eine Versammlung auf den Hanken zu erreichen.

Sehr kurze Pferde mit mächtigem Hals dagegen parieren gewöhnlich auf der Vorhand.  Allerdings scheint es, dass die, die einen sehr kurzen Rumpf haben, gegenüber denen mit einem zu langen Rumpf es leichter  haben, eine starke Parade auf der Hinterhand zu machen. Man muss aber bedenken: wenn das Pferd kurz ist, arbeiten sämtliche Kräfte des Rückens, der Hinterhand und der Sprunggelenke daran, den Körper des Pferdes vorwärts zu schieben; die der Schultern und der Vorderbeine aber daran, diese Aktion zu unterstützen und dennoch ausgreifenden Bodengewinn zu erzielen.

Wenn die Hinterhandkräfte furios eingesetzt werden und das zu nahe an den Vorderbeinen, bewirken sie solche Gewalt, dass die Schultern und die Vorderbeine weder ausreichend unterstützen, noch die Aktion versammeln können, um mit Aufrichtung korrekt und schön durchzuparieren, wie ein Pferd, das eine weniger verkürzte und beschwingtere Statur besitzt: denn dieses wäre in der Lage, beim Zurückverlagern und lebhaftem Verteilen seiner Kräfte, ein gewisses Gegengewicht auf die Hanken zu schieben, was allerdings unter den bon hommes de cheval (guten Pferdemenschen) nicht sehr bekannt ist. 

Man muss also beachten: eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Leichtigkeit der Parade erwächst aus der Kraft der Schultern und der Vorderbeine, und nicht nur aus der der Hanken und des Rückens, wie die meisten Reiter glauben. Es gibt auch noch andere Dinge zu berücksichtigen: besonders die Proportionen des Halses, der Unterkiefer, der Zustand der Füße sowie das Temperament, das das Pferd von seiner Natur aus mitbringt.

Um die Parade leicht und schön ausführen zu können, muss das Pferd zunächst seinen Hals und seine Kopf zurücknehmen: davon hängt die Leichtigkeit,  der Gehorsam und die Anmut der Parade ab. Falls der Hals fehlerhaft ist und von Natur aus falsch steht, wenn der Unterkiefer eng ist oder wenn der Hals so massig ist, dass die Luftröhre nicht frei an ihrem natürlichen Platz zwischen den Unterkiefern liegt, kann die oben genannte Aktion kann nicht gut werden, und deshalb die Parade weder gut noch ansprechend sein.

Hat das Pferd einen zu stark gewölbten oder geschlängelten Hals, wird es, anstatt sich auf den Hanken zu versammeln, sich auf die Vorhand legen und die Parade wird holprig, hart und hässlich.

Wenn es schwache und schmerzende Füße hat, führt dies zum Hass auf die Parade und zur Vermeidungshaltung des Pferdes, oder zu plötzlichem Verlieren der Schultern und der Anlehnung an das Gebiss aus Angst, denn die Schwäche führt zu Unsicherheit der Beine und Schultern.

Und selbst wenn diese Fehler nicht zu finden sind an Hals, Kiefern oder Füßen: streckt das Pferd von Natur aus die Nase nach vorn, und hat es einen schwachen und eingesunkenen Rücken (was man gewöhnlich als „encellé“ [von selle = Sattel; DA] bezeichnet), ist es ihm quasi unmöglich, den Kopf zurück zu nehmen, um sich gut zu formen und seine Vorhand für die Parade zu präsentieren, denn die Kraft für Nacken und Hals kommt aus der des Rückens.

Sind diese Kräfte nicht vereinigt, oder fehlen ganz, pariert das Pferd notwendigerweise mit zu weit vorgestreckter  Nase und gewöhnlich auf den Schultern.  

Schlussendlich sind dies alles Ursachen dafür, dass man nur wenige schlecht proportionierte Pferde sieht, die von Natur aus für das Rennen geeignet und gleichzeitig stark sind in den Paraden, zwei der wichtigsten Qualitäten, die man von einem Kriegspferd verlangen muss; weiterhin ein gut gebauter Körper, damit man nicht große Kraft anwenden muss, um durchzuparieren. Aber diese sind die Ausnahme und eine Laune der Natur; allerdings ist bei denen, die in irgendeinem Bereich ihres Körperbaus Fehler haben, selten ein Überfluss an Leichtigkeit in einem anderen vorhanden; außerdem muss das Pferd noch viel Gehorsam mitbringen.

Hierbei muss man verstehen, dass die Kenntnis der Psyche und des Charakters des Pferdes, welche Mähne und Körperform es auch hat, eine Wissenschaft ist, die sehr wichtig für den Kunstreiter ist: denn selbst, wenn Statur, Proportionen und Kraft stimmen, alle wenig bedeuten, wenn der gute Wille des Pferdes fehlt.

Ebenso kann man sagen, dass einer der besten Prüfsteine für das Können, den ein Kunstreiter liefern kann, ist, bei einem von Natur aus cholerischen und ungeduldigen Pferd, sowohl in der Bahn als auch draußen und bei der Parade, leicht und gut in der Hand zu bleiben, vor allem, wenn es ein hartes oder falsches Maul besitzt, und die Parade trotzdem sehr gut zu proportionieren.

Denn immer, wenn die Neigung zu fliehen auftritt und es davon ergriffen wird, verstärkt dies die Macht, Kraft und Atmung und behindert sein Denken und die Sensibilität im Maul, so dass die meisten Regeln und Abhilfen unserer Schulen wirkungslos werden, und es ihm unmöglich wird, die Gehorsamslektionen der Manege zu versuchen oder zu verstehen, und auch nicht zu parieren, wenn es  nicht zuallererst von dieser extremen Unruhe befreit wird. 

Dafür braucht der Kunstreiter ein sehr gutes Urteilsvermögen, viel Praxiserfahrung und viel Geduld, um die passenden Mittel dieser Kunst auszuwählen, durch die man die vorgenannten von der Natur verteilten Unvollkommenheiten verbessern kann.

Anscheinend spielen aber diese Ursachen nach Meinung unzähliger Personen keine große Rolle, da sie glauben, dass ein Gebiss gegen alle Unpässlichkeiten bezüglich der Leichtigkeit des Maules helfen und dieses auch für die Leichtigkeit der Aktion bei der Parade sorgen könne!

Die Beschreibung der vielen Arten der Pferdemäuler und der Effekte der verschiedenen Gebisse verschiebe ich jedoch auf eine andere Gelegenheit, um zu erzählen vom Stil, der doch in der Kunst zu wahren ist, um ein Pferd zu lehren, es je nach seiner Fähigkeit parieren zu lassen, und zu beurteilen, ob es ausgeglichen und gelöst ist mit einer „simple canon“, der Mutter aller guten Gebissstücke. 
















Band I, Kapitel XXVIII

 

Über die Pferde, die ein gestörtes Maul haben oder entmutigt sind

 

Wenn der Kunstreiter bei einem Pferd,das auf irgendeine Art stätig ist, ein gestörtes Maul hat oder entmutigt ist, nutzbringend die Lektionen des Parierens anwenden möchte, um es wieder zum Gehorsam zu bringen, muss er zunächst die Abneigung des Pferdes gegen das Rennen und die zu starke Parade und die zu starken Rügen beseitigen, die es abschrecken könnten: ansonsten ist es unmöglich, die Zustimmung dieses Pferdes zu erreichen (ohne die alle seine Mittel und Mühen nutzlos sein werden).

Dazu lässt er es zunächst ganz normal auf dem Rennkurs spazieren, oder an anderen angsteinflößenden Orten und es ruhig halten bei Erschrecken, indem der Kunstreiter geduldig versucht, es mit Streicheln zu beruhigen. Er hält es dann jeweils nach 15 bis 20 Schritten an, und richtet es dann vier bis fünf Schritte rückwärts, dabei häufig mit der Hand nachgebend.

Und wenn Anfälle von Aufbrausen und Unruhe einige Unordnung verursachen, soll der Kunstreiter weder in den Kampf einsteigen noch irgendeine gewalttätige Hilfe einsetzen, sollte es sich weigern rückwärts zu treten, oder zur Seite oder zu traversieren, sondern wiederum das Pferd mit den sanftesten Mitteln beruhigen, wie ich schon angeraten habe, und es im kurzen Schritt geradeaus gehen lassen.

Wenn der Fluchtgedanke vorbei ist, lässt er es von neuem anhalten und versucht sofort wieder rückwärts zu richten, wie ich es gesagt habe. Und wenn es sich wieder im Zustand des Aufbrausens und der Unruhe weigert zurückzutreten, soll er ihm mit dem Kappzaum und manchmal mit dem Mundstück helfen, sofern dies eine simple canon ist, und wenn nötig, mit einer Gerte Vorderbein oder Oberlippe zu touchieren, dabei aber vor allem immer vorsichtig sein.

Immer wenn es cholerisch, aufbrausend und sehr empfindlich ist, ist es gelegentlich besser, seinen Kopf eng zu der guten Seite zu wenden, statt zu der, gegen die es opponiert, und dann versuchen, es rückwärts zu richten. Durch dieses Mittel wird es leichter gehorchen, denn sehr häufig ärgert sich das cholerische und ungeduldige Pferd über das Anhalten und Rückwärtsrichten, wenn es den Kopf geradeaus hält, hin zu der Stelle, die es vermeiden will, besonders wenn es sich in einer Fluchtaktion befindet.

Viele Pferdemenschen glauben, es sei ein Fehler, das Pferd, das einen sehr großen Fehler macht, nicht sofort und an derselben Stelle zurechtzuweisen, besonders wenn das im Gelände geschieht.

Ich stimme dem in der Regel zu: aber zweifellos ist es für das Verbessern der cholerischen, starken Pferde und derjenigen mit viel Feuer häufig nötig, ihnen viele Fehler zu gestatten und zu entschuldigen: denn gewöhnlich sind sie verärgert und verzweifelt über die Hilfen und Rügen, die diejenigen korrigieren würden, die ein leichtes und sanftes Temperament haben.

Aus diesem Grunde ist es manchmal besser bei den Pferden, die nicht zustimmen können oder wollen, einige ihrer schlechten Fantasien und Gewohnheiten zuzulassen, als sie korrigieren und bezwingen zu wollen, um am Ende nicht  gezwungen zu sein, die Hilfen unvollkommen und nutzlos werden zu lassen, was dann nachher zu Erfolg in ihrem Starrsinn führen würde.

Ist es nun so unruhig,  dass es nicht still hält, oder auf der Rennstrecke geradeaus gehen will, so lässt ein Mensch zu Fuß, der sich fünf oder sechs Schritte vor dem Pferd hält, es rückwärts gehen: damit nimmt er ihm einen Teil der Abneigung, indem er ihm die Sicht auf das Ende der Rennbahn nimmt. Dieser Mensch soll sich häufig nähern, um das Pferd zu streicheln und ihm Leckereien zu geben, und soll ihm gewöhnlich direkt in die Augen sehen, um dessen Blick mit seinem eigenen beschäftigt zu halten, und er muss wissen, falls nötig, wie er dem Kunstreiter helfen kann, um das Pferd zu stellen oder es rückwärts zu treiben durch Androhen oder Berühren oder vorsichtiges Klopfen mit der Gerte an den Vorderbeinen, an der Brust, an der Oberlippe oder an den Flanken und gelegentlich mit der Hand gegen die Schnalle oder die Mitte des Kappzaumbogens zu schieben, um ihm zu helfen, rückwärts zu gehen, oder auch gegen die Schulter oder die Flanke, um es zu stellen, anstatt der Sporen oder der Gerte; dieser Mensch soll sich auch mal mehr, mal weniger, nähern und entfernen, je nachdem, wie das Pferd die Abneigung und den Wunsch zu flüchten verliert.

Allerdings soll der Kunstreiter das Gebiss so wenig wie er kann annehmen, und im Gegenteil häufig mit der Hand nachgeben.

Nachdem das Pferd bei dieser ersten Lektion im Schritt sicherer wird und wenn es beginnt, die Ausführung des Parierens und Rückwärtsrichtens zu verbessern oder zu verstehen, versichert man es auf dieselbe Weise im Trab und im kleinen Galopp, immer dieselben Regeln beachtend, dabei aber es nicht zu häufig anhalten lassend.

Wenn diese Übungen lange und häufig weitergeführt werden und das Pferd zu sehr belästigen, ist es gut und nötig, ihm gelegentlich viel Freiheit zu lassen und es im Gelände lange Zeit zu traben und zu galoppieren, über mittellange Strecken auf jeder Hand und geradeaus, ohne es direkt beim Beenden anzuhalten.

Und um ihm auf ganz leichte Weise seine Fluchtgedanken oder seine Furcht vor der Rennbahn zu nehmen, soll dieser Galopp so langsam wie möglich sein und so wenig wie möglich von der Hand abhängen; in allen diesen ersten Übungen soll man es beim Anhalten gar nicht zwingen, welchen unangenehmen Bewegungen man auch begegnet: im Gegenteil, man lässt es ganz nach seiner Annehmlichkeit anhalten. Denn die hauptsächlichen Hilfen und Rügen gegen die Abwehr, die die wilden und verzweifelten Pferde, die Furcht vor dem Halt haben, gewohnt sind zu machen,verschwinden nach und nach durch die Geduld und Sanftheit des Kunstreiters, und vor allem durch die Leichtigkeit und Bequemlichkeit beim Rückwärtsrichten, das mit Kunstfertigkeit und Urteilskraft ausgeführt wird.

Alle diese Mittel können das Pferd mit der Zeit sicherer machen und zum Üben und zur Leichtigkeit beim Anhalten bringen, viel besser als die gewalttätigen Mittel.

Hat er so das Pferd, das zuvor fliehend und wild war, sicherer gemacht und beruhigt, reitet der Kunstreiter es, nach langen Strecken im kleinen Galopp häufig an die Hand und ohne Sporeneinsatz oder es in irgendeiner Art zu schlagen, und wenn die Fluchtgedanken und die Abneigung gegen das Rennen völlig verschwunden sind, besteht keine große Gefahr beim Beschleunigen mehr, und nach und nach kann er zulegen, zuletzt im vollen Galopp, ohne ihm immer wieder Missempfindungen mit den Sporen oder der Gerte zu verursachen, und ohne ein Ende der Carriere mehr als das andere beim Start oder Ende der Strecke zu bevorzugen, damit es nicht zu sehr den Startplatz ablehnt.

Und um zu verhindern, das seine Heftigkeit und Unruhe es behindert/zurückwirft, versammelt man es im kurzen Schritt auf derselben Strecke, (plötzlich, wenn es gerannt war und pariert wurde), genau an der Stelle, von der es starten soll, um es erneut eine oder zwei Carrieren im Galopp zurücklegen zu lassen und danach im Trab eine weitere, oder mehrere, wenn nötig, und lässt es schließlich im kurzen Schritt spazieren, hin und zurück auf derselben Spur, um es zu beruhigen, bevor man es stehen lässt oder man es wieder auf die Carriere zurückschickt. Denn es erinnert sich gewöhnlich besser an die letzte Art und Weise, in der es seine Lektion beendet hatte (besonders wenn es irgendein Missbehagen hatte), als an den ganzen anderen Rest der Lektion; und aus diesem Grunde soll der gute Kunstreiter ihm immer ein gutes Maul lassen.

Wird diese Reihenfolge gut eingehalten und fortgesetzt, bin ich sicher, dass das Pferd sich wieder auf der Reitschule einfügt und weitergebracht werden kann, vorausgesetzt man gibt ihm die erforderliche Zeit gibt, je nach seinem Naturell und seinem Gedächtnis.

Bevor aber die cholerischen und flüchtenden Pferde, wie ich es gesagt habe, die niedergeschmettert und verzweifelt gewesen waren, gut zur Ordnung dieser Schule zurückgebracht wurden und lernen, geduldig zuzustimmen,  fallen sie zweifellos häufig zurück in die Angst vor den vorhergegangen Unannehmlichkeiten, die vielleicht die vielen Unordnungen hervorgebracht haben.Unter anderem die mit einem harten oder schlechten Maul,die sich aufregen wenn sie an einer Stelle still stehen sollen und noch mehr, wenn sie zurückgehen sollen, ziehen gewöhnlich an der Hand des Reiters und am Gebiss, um dem schulmäßigen Gehorsam zu entgehen wie einer Folter; und die, die zu sensibel und verwirrt waren, steigen und laufen Gefahr, sich zu überschlagen, mit Lebensgefahr für die, die auf ihnen sitzen; und jene, die gemäßigt waren,aber dennoch cholerisch, empfindlich und störrisch wurden, den Kopf senken und das Maul fast zwischen die Beine bringen und rückwärts gehen oder in den Sand beißen, oder in die Beine des Kunstreiters oder gelegentlich auch sich selbst beißen in Aufruhr und Verzweiflung.

Hierbei ist zu beachten, dass das Pferd möglicherweise dermaßen sensibel und ablehnend ist, weil der Zwang und ein Schmerz durch den Kappzaum es zu diesen Unordnungen bringen; wenn diese auftreten, soll man einen Kappzaum aus Leder oder aus Seilen versuchen, auch wenn diese nicht so stark einwirken: denn durch die Anlehnung dieser akzeptiert es manchmal mit der Zeit den eisernen; wenn es aber weder den einen noch den anderen akzeptiert, kann es besser arbeiten nur mit der simple canon und falschen Zügeln und der Gerte, als zu lange Zeit im Clinch gegen sein Naturell zu liegen; so können die Strafen und Hilfen mit dem Kappzaum manchmal Hass auf die meisten anderen guten Mittel der Schule erzeugen. Und deshalb ist es eine Maxime, dass bei diesen cholerischen und ablehnenden Pferden alles vermieden werden muss, was sie womöglich aufregt beim Training der Schule, weil sie andernfalls unglücklich sind anstatt es glücklich zu bewältigen.

Und weil einige glauben, dass die falschen Zügel das Maul belästigen, raten ich ihnen nochmals dass sie das nicht befürchten müssen, sofern das Mundstück, an dem man sie befestigt nicht eine simple canon ist, und man nicht zu stark daran zieht, oder sie gedankenlos einsetzt, aber dennoch gebrauche ich sie selten in meiner Schule.




 





Allgemeine Regeln zur Verbesserung der Kopfhaltung und des Pferdemaules, und um es das Parieren zu lehren


Band I, Kapitel XXXIII

 

 

Die sichersten Mittel zum Vereinen der Kräfte des Pferdes, um ihm Kopfhaltung und die Hanken zu verbessern, es leicht an der Hand werden zu lassen, und es zu Genauigkeit und Festigkeit in allen Arten der Lektionen und Schulen zu befähigen, hängen alle ab von der Perfektion der Parade.

Um die Übungen für die sehr schönen Lektionen dazu ordentlich zu beginnen,ist es zuallererst nötig, dass das Pferd auf jeder Hand wenden kann, im Trab und Galopp, und nie verweigert von der Hand zu starten. Denn es ist viel zu schwer, eine Genauigkeit beim Anhalten zu erzielen, falls es zurückhaltend oder störrisch beim Geradeaus oder entier auf einer Hand ist, oder wenn, wie ich andernorts erwähnte, die Abhilfen, die den Hals und den Kopf des Pferdes mehr stärken sollen, es im Gegenteil eher entier oder zurückhaltend werden lassen, weil es nicht zuerst auf jeder Hand frei wenden kann.

Ist es also soweit vorbereitet, einen Nutzen aus den guten Regeln des Parierens zu ziehen, beginnt der Kunstreiter: für die ersten Übungen lässt er es eine lange, gerade und ebene Strecke traben, die Zügel und die Kappzaumleinen so in den Händen haltend, dass er mittelstark die Anlehnung von Kopf und Maul des Pferdes fühlen kann. Nach ungefähr 60 Tritten lässt der Kunstreiter es anhalten, indem er den Oberkörper etwas nach hinten führt und die Kappzaumleinen gleichbleibend fest und gleich stark annimmt. 

Nach dem Anhalten lässt er es vier oder fünf Tritte zurücktreten, wobei er die Leinen wechselweise eine nach der anderen anzieht. Diese Art des Annehmens entspannt häufig den Hals und verhindert eine starke Anlehnung gegen den Kappzaum, oder reduziert diese zumindest gegenüber dem gleichzeitigen Annehmen und Durchhalten der Leinen.

Wenn das Pferd zurückgetreten ist, lässt der Kunstreiter die Hände nach, um es es auf derselben Bahn im kurzen Schritt gehen zu lassen, ungefähr eine gleichlange Strecke wie beim Rückwärtstreten, ohne dabei den Kopf oder die Anlehnung zu verlieren; danach streichelt er es und lässt es ein wenig stehen, ohne es zu biegen.

Danach lässt er es wieder ein oder zwei Schritte geradeaus gehen und dann zwei oder drei Mal zu der Seite zu wenden, zu der er möchte, im Schritt oder im Trab, eng oder weit, je nach Können des Pferdes.

Hat er die zwei oder drei Wendungen vollendet, lässt der Kunstreiter es wieder zurücktreten, vorangehen und wenden, wie oben beschrieben. Auf der Hand, die er für nötig erachtet,und seinen den Hals und Körper immer so sehr gerade haltend, wie es möglich ist auf der geraden Spur; um danach wieder zum Trab zurückzukehren; und dann einen weiteren Halt weiter vorn oder an einer Stelle gegenüber der, von der er gestartet war, genau dieselben Wendungen zu machen, sobald das Pferd die Lektion begriffen hat und wenn er möchte, kann er es auf der einen Hand wie auf der anderen wenden, bevor er den Platz verlässt.

Diese Übungen werden immer wieder durchgeführt, bis das Pferd beginnt, zu ermüden und dann gewöhnlich mit einer Wendung beendet.

Mit der Zeit verlängert man den Weg und die Abstände zum Anhalten, je nachdem wie das Pferd lernt und die Aktion des Parierens beachtet, oder verkürzt die Strecke, wenn es die die Anlehnung an Gebiss und Kappzaum beim Geradeausgehen verliert.

Wenn das Pferd nicht rückwärts treten will durch den Druck des Kappzaumes und das oben beschriebene wechselweise Annehmen der Leinen, muss man die Zügel dazu nehmen; und immer, wenn es sich versteift und gegen Gebiss und Kappzaum angeht, lässt der Kunstreiter locker um das zu beseitigen, und lässt es frei im Schritt gehen, zwei oder drei Schritte oder so viele er möchte.

So lehrt er es sich aufzurichten, um friedlich rückwärts zu treten; und wenn es wieder nicht nachgeben will, oder wenn es sich höchstens einen Schritt zurückziehen lässt, lässt er es von neuem und sofort von der Hand, lässt es ein wenig vorwärts gehen, und versucht sodann wieder, es zurück zu richten, ohne zu sehr die Leinen oder die Zügel anzuziehen. Durch diese Mittel erreicht er mehr Leichtigkeit, als durch den Gebrauch großer Gewalt!

Und, zum Erreichen einer besseren Zustimmung beim Parieren und Rückwärtsrichten, soll man dieses Training nur anwenden, bevor es müde wird oder atemlos: vor allem, wenn es nicht viel Kraft besitzt.

 









 
Band I,Kapitel XXXIIII
Perfektion der Parade aus dem Trab
 

Perfektes Durchparieren aus dem Trab bedeutet, dass das Pferd kurz und unvorhergesehen nach Belieben des Reiters anhält, ohne zu zögern und in einem Zuge, wobei das Pferd sich versammeln, zusammenziehen und seine Kräfte auf die Hanken und Sprunggelenke zurückbringen, und seinen Schweif ruhig halten soll, dabei die beiden Hinterfüße weiter auseinander stellen und sie ganz gerade und nebeneinander auf der Erde verankern.

Von diesen Voraussetzungen hängen die feste Aktion und die korrekte Haltung von Hals und Kopf des Pferdes und schlussendlich die Leichtigkeit und die Anmut beim Parieren ab, wenn das Pferd von Natur aus locker und mit einer guten Neigung ausgestattet ist.

Hat man bereits lange die vorherigen Übungen im Trab geradeaus weitergeführt, und auch im Galopp, weiterhin Wendungen (nur im Schritt und im Trab) gemacht, besitzt man die Mittel, die Lektion am ruhigsten, am längsten und am lohnendsten zu nutzen.

Wenn der Kunstreiter diese Regeln mit viel Überlegung einhält, und er nur dann, wenn es nötig ist, geringste Bewegungen macht, soll er diesen oben erwähnten großen und langen Weg (welcher keine Bahnfigur der Schule ist) nutzen, um zu verhindern, dass das Pferd vorhersehen kann, an welcher Stelle es anhalten soll, und an welcher es wenden soll. So bleibt es genauso aufmerksam gegenüber den Aktionen des Reiters, als wenn man es in einer Lektion der Schule trainierte.

Das Rückwärtsrichten nach dem Halt ist ein Mittel der Rüge, das dazu dient, dem Pferd seinen Fehler bekanntzumachen, nicht sorgfältig genug beim Parierengehorcht zu haben, aber auch ein Mittel, seine Kräfte auf den Hanken zu versammeln und hierdurch die Kruppe und den Schweif zu festigen, die Sprunggelenke zu stärken, die Hinterfüße einzurichten und anzupassen, und ihm den Kopf und die Vorhand leichter zu machen. Allerdings wäre es ein Fehler, es rückwärts gehen zu lassen, wenn es die Parade locker und korrekt ausgeführt hat. Wenn es aber zu plötzlich anhält, muss man es im Gegenteil vorwärts gehen lassen, und auch dann, wenn es zu kurz und rückwärts gehend anhält.

Die zwei oder drei kurzen Schritte geradeaus nach dem Rückwärtsrichten werden ausgeführt, wenn es leicht der Handaktion zugestimmt hat, um seine Abneigung zu reduzieren, und seine Angst vor der Unterordnung beim Rückwärtsgehen, besonders wenn es gerade erst angeritten ist. Wenn es aufbrausend ist und eine harten Kopf und Hals hat, dienen diese kleinen Schritte auch dazu, es aufzulockern, wenn es fliehen möchte, und zu sehr gegen Kappzaum und Gebiss angeht; und genauso wenn es sensibel und stätig ist (falls es die Lektion des Rückwärtsrichtens nicht in irgendeine Bosheit umgewandelt hat).

Die Wendung nach dem Halt macht man, um das Pferd sehr leicht für die Manege zu erhalten oder zu machen, und um die Unruhe abzulenken und die meisten jener schlechten Einfälle, die durch die ersten korrekt angewandten Hilfen und Rügen verursacht werden können.

Die zwei oder drei Schritte rückwärts nach der Wendung sollen beim Pferd ein zu großes Verlangen, den Platz des Anhaltens und dem der Wendung zu früh zu verlassen, das vorhanden ist oder das es bekommen könnte, reduzieren.

Wenn man dagegen ohne Auftreten dieser Fehler, gleichgültig und ohne Grund die oben genannten Mittel anwendet, wie es die meisten einfachen Pferdemänner tun, kann man sie zu wirklichen Unordnungen treiben, die das Gedächtnis und den Gehorsam der Pferde leicht verwirren können.

[die nächsten 4 Absätze habe ich nicht übersetzt, da zu rabiat;DA]

 


 

 




 

 

Der Nutzen eines Gefälles für das Parieren

Band I, XXXV

 


 

Die allermeisten Kunstreiter nutzen ohne zu differenzieren heftige [gaillard] Gefälle, um dem Pferd leichter beizubringen, auf den Hanken zu parieren; aber nicht alle kennen die unterschiedlichen Auswirkungen.

Für mich billige ich sie sehr und nichts anderes als diese sind notwendig bei Pferden, die von Natur aus langgestreckt und auf den Schultern sind und an der Hand ziehen, vor allem, wenn sie auf den Schultern parieren, denn dieses Mittel ist angebracht, um sie auf den Hanken zu versammeln, Kopf und Schweif ruhig zu stellen und ihnen die Vorhand leicht zu machen, wenn die fehlenden Kräfte der Füße, der Schultern, des Rückens und des Mutes es daran hindern.

Andererseits verurteile ich völlig ein starkes Gefälle, weil ein Pferd dabei leidet und es ruiniert werden kann: aufgrund der fehlenden Kapazität der obengenannten, unbedingt notwendigen Eigenschaften will es vielleicht nicht mehr weitergehen nachdem es geschoben und pariert wurde. Es gibt so einen sichtbaren Beweis seiner erlittenen Mühe und Unannehmlichkeit, indem es gar nicht mehr weitergehen will, oder, falls es geht, mit solchem Widerwillen, dass es bei Annäherung an das Gefälle häufig zur Seite fliehen will oder buckelt und sich zurückhält gegen den Willen des Kunstreiters: sodass es manchmal gezwungen wird durch Sporen- und Gerteneinsatz, den Hang herunter zu gehen. Seine Furcht davor kann das Pferd manchmal lehren, auszureißen, oder ein Misstrauen zu entwickeln gegen die voraussichtlichen Stellen für Paraden, anstatt gut in einer kräftigen, aufmerksamen und lockeren Weise durchzuparieren.

Man muss wohl nicht extra betonen, das man niemals ein schwaches Pferd auf einem Gefälle parieren darf, und dass diese selten einen Nutzen für diese Pferde bieten, und niemals viel.

Es ist notwendig, dass der Kunstreiter das Urteilsvermögen und die Erfahrung besitzt, ein passendes Gefälle aussuchen zu können: leicht oder stark, je nach dem Naturell und den Kräften des Pferdes; und auch wenn es willig ist, soll es nur im Trab, im kleinen Galopp oder im mittleren Galopp gehen: je nach der Art des Gefälles, nach der Kapazität der Kräfte und der Stimmung des Pferdes. Aber mein Rat ist, niemals ein Pferd, welcher Art es auch sei, im vollen Galopp auf einem starken Gefälle zu parieren, wenn es nicht ganz unbedingt erforderlich ist.

Wenn der Kunstreiter sein Pferd pariert, vor allem auf einem Gefälle, muss er seine Aktion und seine Kraft auf die Oberschenkel und Knie legen, denn zieht er an den Kappzaumzügeln, hält er seine Beine zu angespannt und zu weit nach vorn in den Steigbügeln und zieht dadurch den Sattel auf die Schultern des Pferdes, entgegen dem beabsichtigten Nutzen des Gefälles, das ja die Vorhand leichter machen soll. Er stört es dadurch sehr stark, ebenso beim Rückwärtsrichten, weil dies eine schwere Arbeit und unangenehm ist für die ängstlichen oder schwachen Pferde, oder für jene, die zu müde oder außer Atem sind, wenn sie gegen den Abhang rückwärtsgerichtet werden, umso mehr, wenn dieser steil ist.

In diesen Fällen soll man deshalb so wenig wie möglich auf der Vorhand des Pferdes sitzen; und weil die Schräge den Kunstreiter daran hindert, dem Pferd die Vorhand gut zu erleichtern, ist es manchmal viel besser, eine Wand zu benutzen, vor allem bei schwachen Pferden mit schlechtem Gedächtnis, die sich auf die Schulter legen, aber dabei trotzdem aufbrausend und mutig sind.

 


 




 

Band II,Kapitel 14



Vom Gehorsam des Pferdes, das auf bestimmte Bewegungen des Reiters hin seitwärts geht


 Um dem Pferd ein leichtes Verstehen der Hilfen des Reiters zu verschaffen, die es seitwärts gehen lassen sollen, muss er vor allem, wie bei allen anderen Übungen, beobachten, welche Mittel der Natur dieses Pferdes am besten entsprechen. Wenn er erkannt hat, dass es sensibel, aufbrausend und leicht an der Hand ist, bringt er es an einen ebenen und großen Platz, auf dem er es in kurzem Schritt [petit pas] geradeaus gehen lässt, und es sanft seitwärts schiebt, unter Anwendung der üblichen Hilfen und Rügen, sei es mit dem Gebiss, dem Kappzaum, mit dem Unterschenkel, dem Sporn oder der Gerte, es dabei immer auch vorwärts gehen lassend, in der Art, dass es ohne holprig zu werden, so viel geradeaus und seitwärts geht, wie es hier durch die beiden Linien dargestellt ist.




An der Linie A kann man die ganz gerade und natürliche Haltung erkennen, die das Pferd beibehalten soll, ohne den Körper und den Hals zu biegen; durch die Linie B wird die Spur dargestellt, die von den Vorderbeinen während dieser ersten Übung eingehalten werden soll, wobei sie vorwärtsgehen und kreuzen [chevaler]. Linie C zeigt den Weg der Hinterbeine und die Übungsrichtung, wie sie auch durch die eingezeichneten Hufeisen angezeigt wird.

 

Hat man auf diese Art zwölf oder dreizehn Schritte auf einer Hand zurückgelegt, lässt man es für drei oder vier Schritte geradeaus vorwärts gehen, wie auf der Linie D in der nachfolgenden Skizze, danach lässt man es zur anderen Seite gehen, wobei man immer eine Biegung des Halses oder ein Tragen des Kopfes zu irgendeiner Seite verhindern muss.

Hat das Pferd allerdings große Schwierigkeiten, diesen Hilfen zu gehorchen, zum Beispiel durch fehlendes Verstehen, soll man dem nicht mit rabiaten Methoden begegnen und ihm damit eine Ursache zu großer Unordnung zu geben, sondern lieber einen Helfer zu Fuß auf der äußeren Seite gehen lassen und dabei mit einer Hand an der Schulter des Pferdes und der andern am Sattelblatt das Pferd schieben lassen, immer dann, wenn es das Vorderbein dieser Seite hebt, um es dazu zu bringen, dieses über das andere Vorderbein zu führen und angehoben zu kreuzen. Dabei muss man notwendigerweise das Vorwärtsgehen beibehalten und dann in dem Maße, wie das Pferd diese Aufforderungen und Hilfen zu verstehen beginnt, hält man es nach und nach zurück, bis es ganz ohne die Unterstützung des Helfers mit geradem Hals und Rumpf frei zur Seite traversiert, ohne vorwärts zu gehen und ohne seine Füße zu verletzen oder aus dem Rhythmus zu kommen.

 

Der Helfer zu Fuß sollte Kunstreiter sein, mit der Erfahrung zur Beurteilung des rechten Momentes zum Schieben, dann nämlich wenn das Pferd das äußere Vorderbein und die Schulter zum Vorwärtsgehen anhebt, die er vorwärts und kreuzen lassen will. Und derjenige, der darauf sitzt, soll es sorgfältig und aufmerksam unterstützen und vorwärts treiben, passend zum Schieben des Helfers zu Fuß und es auch anhalten und loben, wenn es sich gehorsam gezeigt hat.




 


Diese Übung soll auf beiden Händen gleichmäßig weitergeführt werden, da es wichtig ist, auf beiden Händen diese Fähigkeit gleich gut auszubilden. Sollte das Pferd nicht tolerieren, dass der Helfer zu Fuß es berührt oder gar schiebt, soll dieser trotzdem neben ihm gehen, mit einer guten Peitsche in der Hand, und ihm damit manchmal an Schulter und Flanke drohen, wenn es nötig ist, oder es bei Bedarf damit touchieren, aber niemals so, dass es aufbraust oder Angst bekommt, wenn es nicht völlig verstockt ist und man nicht schon lange alle erdenklichen sanftesten Mittel versucht hatte.

Weil diese Übung sehr stark gegen das Naturell der Pferde geht, muss man, wenn die vorherige Übung sich als zu schwer erweist, zunächst das Pferd nach einem oder zwei traversalen Schritten vier oder fünf geradeaus vorwärts machen lassen, und danach wieder traversal, wodurch es viel leichter die Hilfen annimmt, und der Helfer zu Fuß viel leichter den passenden Zeitpunkt zum Schieben trifft. In dem Maße, in dem das Pferd diese Übung erkennt und versteht, nimmt man subtil mehr und mehr das Vorwärts aus der Bewegung, und verstärkt das Travers, weiter und weiter, bis es frei seitwärts ohne jedes Vorwärts geht, wie in der folgenden Skizze zu erkennen.

 




 


An der Leichtigkeit bei der Ausführung kann man beurteilen, wie ich schon erklärte, ob sie für das sensible, ungeduldige Pferd, das gut an der Hand ist, geeignet ist. Denn hat es dieses Naturell, wird es auch ein Gegner der Unterordnung durch zu viel Zwang sein, und ebenso der sehr engen und genauen Lektionen und Hilfen, besonders zu Beginn neuer Übungen.

Ist es aber von Natur aus schwach, oder legt sich auf oder zieht an der Hand, kann der Kunstreiter die Bequemlichkeit einer geraden und langen Wand suchen, und das Pferd ca. einen Schritt gegenüber dieser mit dem Kopf zur Wand stellen.

Er kann dann versuchen, es nach und nach entlang dieser Wand seitwärts gehen zu lassen, zu einer Seite wie zur anderen, bei Beginn ohne volles Travers, damit es beim Übertreten nicht das stehende Bein verletzt; die Kruppe mehr zur äußeren Schulter haltend, sodass es besser auf den Weg sehen kann, den es gehen soll, und um die Schulter und das Vorderbein, das weitergehen und kreuzen soll, zu heben. In dem Maße, wie es diese Übung leichter ausführt, lässt er mehr und mehr die Kruppe auf die Höhe der Schultern aufschließen, bis ein ganz gerades Seitwärts erreicht wird, ohne Biegung des Rumpfes und des Halses und ohne Bewegung des Schweifes.

Die Hilfe des Kunstreiters am Boden zum Schieben des Pferdes, wie oben erwähnt, ist sehr nützlich am Beginn dieser Übung, weil er bei Bedarf das Pferd dazu bringen kann, seitwärts zu gehen, indem er ihm die Peitsche in seiner Hand zeigt.

 




 

A Wand

B Spur der Vorderbeine

C Spur der Hinterbeine

 

Der Grund, warum diese Übung gut geeignet ist für Pferde, die schwer auf der Hand sind, oder die an der Hand ziehen, ist, dass sie nah an der Wand mit dem Kopf zu dieser, nicht nur zum Seitwärtsgehen gezwungen werden, sondern auch dazu, sich zu versammeln und die Vorhand aufzurichten. Und wenn es stätig und störrisch ist, ist sie gut geeignet seine natürlichen Fehler zu verbessern.

[Der nächste Satz wird nicht übersetzt, da die Methode zu rabiat für heutige Verhältnisse ist;DA]

Über allem möchte ich dringend raten, dass der Kunstreiter in keiner Situation (wenn er nicht unbedingt dazu gezwungen ist) Gewalt anwendet mit neuen und unbekannten Strafen, besonders nicht bei Fohlen und jungen Pferden, sowie bei phlegmatischen oder furchtsamen, oder zu sensiblen, aufbrausenden oder hitzigen Pferden, um nicht bei den einen Kraft und Mut zu unterdrücken und zu schwächen, oder die anderen verzweifeln zu lassen.






 

Band II, Kapitel XV


 Regeln der Passaden und Demi-Volten

 
Nachdem der erfahrene Kunstreiter sein Pferd nun die vorgenannten Gehorsamsübungen gelehrt hat, bringt er es an einen Ort mit ebenem und geradem Boden, auf dem er es geduldig promeniert und zunächst mindestens zwei Mal mit der Örtlichkeit und den ersten Proportionen der Passaden vertraut macht.

Wenn es die Umgebung kennt, lässt er es in einem schönen Schulschritt eine Passade von der Länge gehen, die er als richtig ansieht (je nach Naturell, Leichtigkeit, Wildheit, oder zu viel Entschlossenheit des Pferdes), und an deren Ende im gleichen Schritt eine Wendung nach rechts machen.

Er beginnt zu dem Zeitpunkt zu wenden, an dem es das rechte Bein am Punkt B auf den Boden setzt, so dass es durch die natürliche Bewegung der linken Schulter gezwungen ist, beim ersten Schritt in der Demi-Volte den linken Fuß über den rechten zu kreuzen, und weiter jedes Mal beim Weitergehen das linke Vorderbein frei über das rechte führt.

Dabei soll man ihm seinen Kopf rechts vom Weg stellen, dabei aber ein Durchhalten von Gebiss und Kappzaum verhindern und durch Anlegen und Benutzung des gegenüberliegenden Schenkels und Sporns und bei Bedarf der Gerte, ein Verkleinern oder Vergrößern vermeiden, ebenso wie ein Hinauswandern der Hinterbeine von der Linie der Passade und der Stelle, die mit A markiert ist, bis die Vorderbeine ohne Verwirrung am Buchstaben C angekommen sind.


 

D erste Linie    E zweite Linie     F dritte Linie, auf der Passade nach dem Schließen der Demi-Volte, die man bei B gestartet hatte       G Passade


Sollte das Pferd, anstatt die Vorderfüße korrekt durch die Figur zu führen und sie direkt am Punkt C hinzustellen, zu stark verkleinern oder vergrößern, lässt man es vorwärts oder rückwärts oder zur Seite gehen, bis es gerade auf der zweiten Linie und über den darauf markierten Buchstaben steht.

Man lässt es genau an dieser Stelle auf der zweiten Linie stehen, so lange wie nötig um die Unruhe zu vertreiben und es wieder zu Gehorsam zu bringen und das Gedächtnis anzuregen.

Danach muss man es genauso durch den Rest der Demi-Volte führen und dann mit allen vier Beinen gleichzeitig auf der Linie der Passade enden lassen, und sofort, wenn es die Vorderfüße als Drittes genau auf dem Punkt D aufsetzt, wie die nachfolgende Zeichnung erklärt, es mehr vorwärts als zögerlich vorantreiben, dabei peinlich genau auf die korrekte Ausführung achtend.



Wenn das Pferd gut und geduldig begonnen und die Demi-Volte nach rechts beendet hat, lässt man es vorwärts geradeaus auf derselben Passade gehen, auf der man gekommen ist, und an deren Ende eine Demi-Volte links ausführen.


 

Aber jedes Mal, wenn das Pferd sich lange verweigert bevor es zustimmen will, oder bevor es überhaupt verstanden hat, diese ersten Proportionen der Demi-Volte im Schritt auf einer Hand auszuführen, muss man die Passade länger machen als normal, vor allem, wenn es dabei sehr viel Unbehagen empfindet, oder wenn irgendeine Unruhe in der oder beim Verlassen der Demi-Volte auftritt. Denn durch die Strecke, die es auf den Passaden zwischen den Demi-Volten zurücklegt, kann man ihm häufig viele Missempfindungen, Erstaunen oder schlechte Eindrücke, die es empfangen haben könnte, und die die gute Ausführung stören, vertreiben.

Sollte es jedoch leicht gehorchen und ohne sich zurückzuhalten, und gut an der Hand sein, kürzt man die Länge der Passade in dem Maße, wie es die Lektion besser ausführt, aber nicht kürzer als sechs Schritte.

Ist es hingegen wild oder hat es ein schwaches und zu nachlässiges Maul, würden die kurzen Passaden gegen die Entschlossenheit zur Manege und eine gute Anlehnung an die Hand arbeiten, und ich empfehle dem Kunstreiter dies stets zu berücksichtigen, wenn er in der Lage ist, das zu beurteilen.

Man muss sehr aufpassen, dass das Pferd, um diese erste Genauigkeit zu erzeugen, die Passade gerade, und die Runde der Demi-Volte mit den Vorderfüßen ohne Hast oder Zögern geht; die Hinterbeine sollen die Mitte beachten.

Der Sinn dieser Demi-Volte ist es, die Hankenbewegungen ausgewogen zu halten, ohne dass der Körper des Pferdes in Zwang kommt oder der Hals sich biegt, denn das sind meistens die Fehler derjenigen, die sich nicht an diese Regeln halten.

Mehrere Meister gehen sehr fehl, nicht an die Perfektionierung durch diese Genauigkeit des Schrittes und generell der drei Aktionen zu glauben, wohingegen der klarsichtige Kunstreiter erkennen kann, wie hilfreich diese Lektionen sind.

Ein wichtiger Irrtum ist, ein von Natur aus sensibles oder schwaches Pferd zu biegen oder ihm dieses zu gestatten, und dadurch seinen Kopf und seine Aufmerksamkeit außerhalb der korrekten Figur der Demi-Volte zu halten, und als Konsequenz die Schulter entgegen der Bewegung zurückzuhalten, die frei und unbedingt die weiter vorgehende sein soll, weil sie den Raum der Demi-Volte markiert, wovon die Leichtigkeit Letzterer abhängt.

Die anderen beiden häufigen Fehler bestehen darin, das ungeduldige Pferd hasten und zappeln zu lassen, oder, das wilde zurückzuhalten und zusammenzuziehen beim Beenden und Schließen der Demi-Volte auf der Linie der Passade.

Im Gegenteil möchte ich, dass das Pferd bei Beginn und beim Beenden einen abgemessenen, zurückgehaltenen und ganz gleichmäßigen Schritt geht, und dazu den Kopf, den Blick und den Mut auf die korrekte Bahn dieser Übung richtet, dabei den Körper von Kopf bis Schweif gerade und fest hält, und sich gleichmäßig auf seine Beinen stützt, und vor allem die Aktion der gegenüberliegenden Schulter frei und vorwärts gerichtet ausführt. Dazu soll der Kunstreiter eine gewandte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit benutzen, und trotzdem sehr aufmerksam sein, damit er weder seine Takt, noch seine korrekten Bewegungen stört.

Man sieht häufig cholerische und ungeduldige Pferde, die von Natur aus nicht erfreut über diese erste Unterordnung sind und große Schwierigkeiten machen, besonders beim erstmaligen Einwärtshalten der Kruppe an ihrem korrekten Platz in der Demi-Volte. Bei diesen soll der Kunstreiter niemals rabiate Strafen verwenden, wenn er es nicht vorher lange mit sanftesten Mitteln versucht hat. Falls nötig, kann man einen Helfer am Boden es streicheln und subtil mit den Händen schieben lassen oder ihm mit einer Gerte an der Seite drohen lassen, wenn die gewöhnlichen Mittel dessen, der darauf sitzt, nicht ausreichen um dagegen an zu gehen.

So muss man hier das Ende dieser Lektionen im Trab, oder im Galopp, auf einer ganzen Volte mit einem Hufschlag, oder mit zweien (redoublee), ausführen, wenn das Pferd eine explosive oder wilde Stimmung hat, damit es durch diese verschiedenen Bewegungen zu Abschluss der Übung von seinem Unbehagen bei der Unterordnung in dieser neuen Schullektion, die es noch nicht kennt oder die gegen seine Natur ist, abgelenkt wird.

Denn wenn bei diesen Anfängen das sensible Pferd mit einer sehr feurigen Stimmung, dass sich fürchtet und nachtragend ist, sehr rabiat geschlagen und gerügt wird, würde es in seiner Konfusion vielleicht stürzen, um solchen Taten der Verzweiflung zu entfliehen, oder könnte eine solchen Hass auf diese erste Übung entwickeln, dass der Kunstreiter sich gezwungen fühlt, zurück zu schlagen, mit gewissen anderen Mitteln der Schule, die sehr gewöhnlich und wenig perfekt sind.

Aber mit erfindungsreicher Geduld kann er es dazu bringen, diese ersten Regeln zu verstehen und sich daran zu gewöhnen, und zweifellos sehr viele andere sehr schöne nachfolgen zu lassen, und es ihm viel leichter zu machen, wenn es nicht die sehr ordinären gewalttätigen Strafen zu spüren bekommt.


A Linie der Passade     B Volte auf einer Spur     C zurück zur Linie der Passade      D zum Anfang der Volte

E um diese Volte zu schließen und gleichzeitig zu halbieren und um zurück zur Linie der Passade zu gehen


Ich überlasse dem Kunstreiter die Wahl zwischen den beiden Arten der Passaden: im Allgemeinen meine ich, dass die erste dem Pferd, das sich von Natur aus zurückhält, mehr Freiheit gibt und dass die Proportionen dieser Volten auf einer Spur zu erkennen ist, wenn die Vorder- und die Hinterfüße nicht denselben Weg gehen.

Wenn das Pferd diese erste Regel im Schritt gut verstanden hat, bringt man es auf der Linie der Passade in den Trab und hält es an den Enden an, darauf achtend, die Ausführung gemäß der Anforderungen seiner Natur zu gestalten, d.h. ob es schwer in der Hand ist oder an der Hand zieht, feurig ist, schwer gebaut, oder einfach schwach.

Man lässt es auf den Hanken anhalten, mit sehr starker Unterordnung, egal, ob es von Natur aus gehorsam und leicht in der Hand ist, oder ob es sich wild zurückhält oder nichts von alledem, denn man muss diesen Parade-Lektionen auf dieselbe Art bei allen Arten von Pferden, ohne ihre verschiedenen Naturelle zu beachten, in derselben Art und Weise ausführen!

Hat man das Pferd also schön durchpariert am Ende der Passade, lässt man es mindestens ein oder zwei Schritte vorwärts gehen auf der ersten Linie markiert mit B, um die Demi-Volte gut zu beginnen; sie soll genau so ausgeführt werden, wie ich es oben beschrieben habe; wenn aber das Pferd am Anfang hastet, sich eng macht, vergrößert, oder es diese Demi-Volte im Schritt falsch beginnt (weil es den Trab geradeaus nicht gewohnt ist und durch die Unterordnung beim Halt auf der Passade) führt es der Kunstreiter auf die zweite Linie, bezeichnet mit C, die das erste Viertel begrenzt, wie man es bei den Lektionen der ganzen Volten [oben,DA] besser sieht.


 

Sodann bringt man es zurück auf seine korrekte Passege, frei und ohne Unordnung auf dieselbe gezeichnete Spur, genau zum Punkt B auf der ersten Linie, ohne dass die Hinterfüße den Mittelpunkt, der mit A bezeichnet ist, verlassen, und streichelt es bei einer guten Ankunft der Vorderbeine auf dem Punkt B, oder lässt es weiter vorwärts gehen auf der vorgenannten ersten Linie: je nachdem wie es diese Wiederholung ausführt, lässt man es sich verkürzen, biegen oder strecken, oder auf dieser Linie rückwärts treten, abhängig davon, ob es zu sehr vorwärts drängt oder auf die Schultern fällt oder sich auf die Hand legt; oder man touchiert es auf der Seite, auf der es vergrößert, verengt oder fest wird.

Danach lässt man es wieder beginnen (auf der ersten Linie und an der Stelle, an der es am meisten Gehorsam gezeigt hat), auf demselben Viertel der Volte, das auf der zweiten Linie beendet werden soll bei C, was die Bewegung einer Demi-Volte ergibt, dabei Genauigkeit anwendend, mit so großer Geduld und Gewissenhaftigkeit wie man kann.



Weil die obige Zeichnung den Geist derjenigen verwirren könnte, die den zweiten Band bis zu dieser Anleitung nicht verstanden haben, sage ich nur, dass die oben zu sehenden Bahnfiguren, außer dem ersten Viertel, das man an den vorgenannten Buchstaben erkennen kann, zeigen, dass wenn das Pferd sich aufregt wegen der Strafen, die es aufgrund seiner Fehler bekommen hat, weil es fehlerhaft auf die erste Linie zurückkehrte (was ich noch erklären werde), oder es durch irgendeinem anderen Anlass gar nicht erst dieses erste Viertel beginnen will, während die Vorderbeine noch auf B stehen, so muss man es geradeaus gehen lassen, entlang der ersten Linie: nicht nur ein oder zwei Mal, sondern so häufig, wie es dieses vorgenannte Viertel nicht gut beginnen will. Denn in dem Maße, wie es gut geht während der ersten Lektionen, ist die Stelle gut, an der es auf der ersten geraden Linie gut begonnen hat.

Denn jedes Mal, wenn es auf der zweiten Linie, C, angekommen ist, bewertet der Kunstreiter jeden Fehler im ersten Viertel und bringt es häufig geduldig und korrekt zurück auf die erste Linie, wo er wieder beginnt und es dasselbe Viertel wiederholen lässt, und dabei nach und nach den Fehler erkennt, und um ihn, falls nötig, zu korrigieren.

Wenn es aber gut beginnt und korrekt wendet und auf der zweiten Linie ankommt, ohne die korrekte Form verfälscht zu haben, lässt er es weitergehen, und die Demi-Volte vollenden, im selben Schritt und in derselben Ordnung, ohne anzuhalten oder es in seiner gut gestalteten Aktion zu stören.

Dagegen muss er es jedes Mal bei einem Fehler während dieses letzten, zweiten Viertels der Demi-Volte das Pferd korrekt auf der zweiten Linie, C, versammeln, und es seinen Fehler wieder ausbessern lassen, genauso wie im ersten Viertel, und dann nach Wiedereintreffen auf der ersten Linie die komplette Demi-Volte wieder zu beginnen.

Wenn es sie genau und ganz ausgeführt hat, bringt der Kunstreiter das Pferd in den Trab geradeaus, um dasselbe dann auf der anderen Hand auszuführen. Diese Abfolge ist normalerweise geeignet für die sensiblen Pferde mit gutem Willen, die aber trotzdem unzufrieden sind durch den Zwang der Einwärtshaltung der Hanken in der Volte.



 

Es gibt einige Pferde, die von Natur aus einen harten und steifen Hals haben, oder zu beladene Schultern, eine zu feste Anlehnung an das Maul, oder irgendwelche Ängste oder die verzweifeln, und deshalb entier oder zurückhaltend werden auf dieser Demi-Volte im Schritt, durch die Wiederholungen und die Dauer, so dass sie häufig auf der zweiten Linie korrigiert werden müssen; und andere, die so sensibel und ungeduldig sind, dass diese Abfolgen sie häufiger konfus anstatt leichter machen bei der Ausführung der Lektion.

Oder solche, deren Stimmungen dazu führen, das man, anstatt sie auf der zweiten Linie anzuhalten, sie lieber die Demi-Volte vollenden lässt, ohne ihren Schritt zu unterbrechen, welche Fehler auch immer sie machen, aber dabei trotzdem so korrekt wie möglich reitet. Haben sie einen Fehler in der Genauigkeit gemacht, beim Beginn, in der Mitte oder am Ende der Demi-Volte, lässt man sie vorwärts gehen auf der Linie der Passade, zwei oder drei, oder mehr oder weniger Schritte, je nachdem, wie stark sie sich zurückhalten; oder aber man lässt sie rückwärts treten, sofern sie zu sehr voran drängen oder auf die Schultern fallen oder sich auf die Hand legen. Statt sie geradeaus vorwärts zu schicken, um zum anderen Ende der Passade zu gelangen, muss man sie korrekt versammeln, lösen und gerade auf die erste Linie, auf der sie vorher gestartet waren, zurückbringen, um danach wieder zu beginnen und dann die Demi-Volte genauer einzuhalten; dieses soll man weiter fortsetzen, immer dann, wenn sie Fehler in der Genauigkeit gemacht haben, aber nur, bis sie verstehen, dass sie nicht zum anderen Ende der Passade gehen dürfen, bevor sie diese Demi-Volte nicht gut begonnen und beendet haben.

Wenn sie sie jedoch gut und freundlich ausgeführt haben, soll man sie streicheln und dann weitergehen lassen, im Trab geradeaus und lebhaft auf der Linie der Passade, um von neuem eine weitere auf der anderen Hand auszuführen.



A erste Demi-Volte        B erste Wiederholung        C Wiederholungen der ersten Demi-Volte, weiter vorn, wenn nötig


Der Kunstreiter muss bei seinen Wiederholungen der Viertel und der Demi-Volten, wie auch bei den Lektionen, die danach kommen werden, wissen: wenn das Pferd, anstatt frei auf beiden Händen zu wenden, von Natur aus oder erworben, hart und steif zu einer Seite ist, und sich auf der anderen Seite verengt, wie es häufig vorkommt, so muss er auf der schwierigen Seite die Spur größer für die Hinterfüße machen, um mit dieser Freiheit das Auftreten von Festwerden (entier) oder von Schwachwerden zu verhindern.

Wenn es aber die Anlehnung verliert oder die Hinterhand zu sehr ausfällt, soll man sie enger reiten als in der normalen Größe und auch zulegen, wenn erforderlich.

Ist es hingegen leicht und entschlossen im Trab und Galopp und auf jeder Hand gleich (was ja eigentlich die Voraussetzung für den Beginn dieser engen Lektionen sein sollte!), muss man trotzdem die Exaktheit beachten und die gleichen Proportionen bei allen Wiederholungen, wie in den richtigen Vierteln und Demi-Volten der Hauptlektion. Man muss auch berücksichtigen, dass die eingezeichneten Wiederholungen an den verschiedenen Stellen dieser Skizzen, außer der ersten Demi-Volte, zeigen sollen, dass man diese andern Stellen nicht braucht, wenn das Pferd sich willig zum Gehorsam und Gedächtnis zeigt, und man es nie vorwärts schicken oder zurückhalten muss auf der geraden geraden Linie der Passade vor der Verbesserung und Wiederholung des fehlerhaften Viertels (oder nach der Wiederholung), es sei denn bei Zurückhaltung oder Vorwärtsdrängen, oder bei Auseinanderfallen oder zu stark vorwärts drängen.

Denn besonders vor dem Ausführen der Wiederholungen dieser Demi-Volten oder der ganzen Volten, ist es in jedem Falle nötig, das das Pferd durch Drohungen oder Strafen erkennt, worin es gefehlt hat. Schließlich sollen alle Bewegungen dieser Übungen so gut beachtet werden, wie es möglich ist, denn ein guter Gehorsam ist sehr nützlich.

Die oben beschriebenen Lektionen entspannen und ermutigen das Pferd durch den Trab auf der Passade; dieser macht es leichter an der Hand, den Kopf sicherer und er verbessert die Anlehnung an das Maul durch die gut ausgeführten kontinuierlichen Paraden. Es wird befähigt und sein Gedächtnis wird gestärkt durch die geduldig und sorgsam ausgeführten Proportionen der Rückführungen und Wiederholungen der Demi-Volten







 

 

Zweite Regel der Passaden und Demi-Volten, terre à terre


Band II, Kapitel XVI

 


 

Wenn das Pferd frei frei und locker auf der Passade trabt, wenn es beim Parieren gehorsam und gut an der Hand ist, genau und leicht in der Demi-Volte im Schritt, muss der Kunstreiter sich Gedanken machen, welche Air oder Übung am meisten für das Naturell seines Pferdes geeignet ist.

Und wenn er herausgefunden hat, dass die Gangart Terre-a-Terre mehr seinen Kräften und seinem Körperbau entspricht als die hohen Schulen, macht er weiter die o.g. Figur, aber dann, wenn das Pferd im Schritt und gerade auf der zweiten Linie der Demi-Volte ankommt, versammelt er es und treibt es gleichzeitig weiter, um das letzte Viertel zu schließen, mit ein oder zwei Sprüngen in einem versammelten Galopp, der trotzdem niedrig und sorgfältig ist, und beendet so diese Demi-Volte ganz, indem das Pferd mit allen vier Füßen gleichzeitig ganz gerade auf der Linie der Passade ankommt, wobei die Vorderfüße auf Punkt D landen.

 





A Spur der Passege in der o.g. Proportion     B Spur der o.g. Sprünge im versammelten Galopp    C Spur der Rücktour im Schritt


 

Ich wünsche mir, dass der Reiter viele Stellen und Gelegenheiten in Erwägung zieht, und empfehle die Genauigkeit und Leichtigkeit bei jedem Beginn dieser Figur, damit er es nicht macht wie die gewöhnlichen Reiter, die, wenn das Pferd seine Figur schlecht beginnt, es trotzdem nicht aus der Figur führen, sei es weil sie den Fehler nicht bemerken, oder weil sie glauben, es durch Weiterführen der Wendung zu korrigieren, und es den Fehler durch ein besseres Ende wiedergutmachen zu lassen. Ich möchte nicht sagen, dass man dieses nicht gelegentlich machen sollte, wenn das heftige und mit einem starkem Rücken ausgestattete Pferd sich beim Beginn seiner Air und seiner Manege zu sehr zusammenzieht, oder wenn es entier zu werden droht, aber bei diesen Lektionen des Gehorsams und des Gedächtnisses, die geeignet sind für ein Pferd mit gutem Temperament und guter Kraft, verstehe ich nur nicht, dass wenn das Pferd (falls es an diese Bahnfigur gewöhnt ist) ein Viertel der Volte fehlerhaft ausführt, man es auf der nächsten geraden Linie versammeln soll, und es von dort weggehen lassen soll.

So wünsche ich, wenn es in irgendeinem Teil innerhalb seiner Passege, oder bei irgendeinem Sprung seiner Air, auch zu Beginn, die korrekten Proportionen dieser Demi-Volten nur etwas verfehlt, der Kunstreiter es ganz kurz versammelt, so ruhig wie er kann, und ohne Unordnung auf der Stelle, an der es den Fehler begann, und auf einer etwas erweiterten Volte, es seinen Fehler wiedergutmacht, damit es ihn erkennen und korrigieren kann, wie ich es genauer erklärte bei den Lektionen der ganzen und redoublierten Volten.

Um alle diese Figuren besser auszuführen, soll der Kunstreiter zuallererst bei allen diesen Lektionen die Kräfte, den Atem und den Mut des Pferdes gestärkt haben durch ein gutes Training des Schrittes, des Trabes oder des Galopps, je nach seiner natürlichen Veranlagung, die er erkannt hat.

Mit großer Mühe macht das Pferd die letztere Lektion, ohne bei Beginn sich zu sehr zu schließen, einzuengen, zu biegen oder auszufallen; aber um beim Wenden die Hinterfüße genau auf im Zentrum der Demi-Volte zu halten, und auf dieser lebhaft die Bewegung der Schultern zu erleichtern, muss man ein wenig den Zügelarm und die Zügelfaust nach vorn führen, um das Pferd vorwärts zu leiten, ohne es jedoch aus dem Kreis der genannten Volte heraus zu treiben; ihm gleichzeitig mit der Gerte helfen, vorsichtig an der Schulter nahe dem Beginn des Rückens, oder an der anderen Schulter; es dabei verkürzend, vorwärtsgehend und immer aufmerksam haltend, durch subtile und genaue Bewegungen der [Reiter-]Beine, und dies viel stärker zu der Seite, auf der es sich verengt oder erweitert.

 

 

Jedes Mal, wenn es einen kleinen Fehler macht in dieser zweiten Art der Demi-Volte, sei es bei der Air oder bei der Genauigkeit der Bahnfigur, führt man es häufig wieder, ohne zu weit raus zu gehen, auf die erste Linie, um dort wieder die Demi-Volte zu beginnen und auszuführen, bis sie korrekt und schön proportioniert ist; ich sage deshalb auf die erste Linie, weil das erste Viertel, dass es im Schritt macht, zur Entschlossenheit der Air im versammelten Galopp dient, mit dem es das zweite Viertel und die Demi-Volte schließen soll.

Danach bringt man es an das andere Ende der Passade , um dort dieselbe Lektion auf der anderen Hand auszuführen.

In dem Maße, wie das Pferd leicht wird in diesen zwei oder drei versammelten Galoppsprüngen, mit denen es das letzte Viertel der Demi-Volte schließt, wird es zweifellos dazu neigen, sich schon in diese Air zu bringen, bevor es im Schritt die zweite Linie erreicht und von da an ist die Zeit erreicht, es ruhig auf der Linie der Passade geradeaus galoppieren zu lassen, aber nicht eher.

 




 

Passade im Mezair

Kapitel XVIII


Wenn das Pferd sich locker und kräftig im Mezair gezeigt hat, gegenüber dem verkürzten Galopp auf diesen Terre-a-Terre Demi-Volten, werden diese gewöhnlich nicht so schnell gemacht, sie sind aber sehr viel sicherer auf einem schlechten Boden, und sie verbessern Anmut von Reiter und Pferd, wenn sie mit einer sehr erhobenen Vorhand gemacht werden und deshalb sehr unterstützt von den Hanken. Für diese Figur der Demi-Volte im Mezair muss man dieselben Regeln und Lektionen beachten wie vorher beschrieben, außer dass man beim Parieren das Pferd im Vorwärts erhalten muss, es geradeaus ein oder zwei Male (oder Schläge) mehr machen lassen muss (wenn man möchte über die ganze Ausführung), und ein wenig mehr erhaben in der Vorhand, um ihm besser die Hanken und die Hinterfüße einzurichten, damit es durch diese Mittel besser seine Air an die Genauigkeit der Demi-Volte anpassen kann, die gut wird, wenn sie sehr erhaben ist, und genauso nach der Proportion auf dem Boden ausgerichtet sein soll wie im Terre-a-Terre und normalerweise beginnen und enden soll mit drei Schlägen, und an der Stelle des dritten (der direkt auf der Linie der Passade gemacht werden soll) kann man es auch noch eine oder zwei auf der Stelle machen lassen, im gleichen Maß und ganz wenig vorangehend, wie man sehen kann am Buchstaben D in dieser Skizze.



Um in dieser Passade einen Absprung von der Hand mit viel Anmut, Kunstfertigkeit und Elan auszuführen, muss man das Pferd beim zweiten oder dritten Schlag der Courbetten antreiben, geradegerichtet auf einer Stelle, zu dem Zeitpunkt, an dem das Pferd die Vorhand noch in der Luft hat, so, dass es von den Hanken abspringt bevor es die Vorderfüße auf die Erde setzt; allerdings muss man bei der Zeit des Absprunges aufpassen, das Pferd nicht zu treiben, während es seine Vorhand noch zu hoch hat, da es dann anstatt einer schönen und geschlossenen Bewegung einen unbequemen Schwung bekommt; treibt man es hingegen, wenn die Vorderfüße schon zu nah am Boden sind, ergibt das eine unerwünschte Aktion auf den Schultern mit Absenken des Kopfes, was nicht viel weniger Verdruss bringt. Deshalb treffen die allermeisten Pferdemenschen nicht sehr häufig den perfekten Zeitpunkt.

Wenn aber dieser Absprung ordentlich ausgeführt wird, ist er nicht nur sehr schön und furios, sondern verleiht auch Reiter und Pferd viel Anmut und Kraft; und in einem Schwertkampf hat der Reiter die Kenntnis und Übung, zu kämpfen wie er muss, und wenn sein Pferd ihm dabei wohl gehorcht, zweifellos wenn der Stoß gegen den Gegner genau in diesem Moment der großen Kraft und der Leichtigkeit des Absprunges von der Hand erfolgt, und vor allem sechs oder sieben Schritte nach der Stelle, an der das Pferd getrieben wurde, und an einem Zeitpunkt, an dem die Vorhand des Pferdes herunterkommt, die Masse und die Überraschung dabei sehr sehr groß ist.

 

Aber man findet weder viele Pferde, die entschlossen und mutig genug sind, und die die nötige Geduld haben, den Zeitpunkt abzuwarten, noch viele Menschen, die diese Lektion gut ausführen können.

Beim Halt und beim Ende dieser Lektion soll man zwei oder drei Pesaden oder Courbetten machen, oder so viele, wie man möchte, wenn das Pferd dazu ausreichend geschult ist.

Um es in seinem Gehorsam und seiner Genauigkeit bei dieser Lektion zu erhalten, soll es, in der Reitbahn, diese Passaden in einem versammelten Galopp [petite galop] beenden, man lässt es dann anhalten und streichelt es, bevor man eine Demi-Volte reitet, sowie auch nachdem sie gut ausgeführt und geschlossen wurde, besonders wenn sein Temperament abweisend und aufbrausend ist, oder wenn es sehr heftig an der Hand zieht: damit beruhigt man es und bringt es zurück zu seiner Sanftheit und Geduld, denn es muss abgelenkt werden von seiner Abneigung, die es aufgrund der Heftigkeit dieser Lektion normalerweise erfüllt, und man muss manchmal auch die ganz genauen Proportionen dieser Demi-Volten erweitern: damit, wenn sie von Natur aus mehr als nötig verengt ist (sei es aus Misstrauen oder Furcht vor den Hilfen und Rügen oder weil es ungeduldig oder störrisch ist), man am Ende der Übung die Demi-Volten großräumiger als üblich gestaltet; aber wenn das Pferd sie stärker erweitert, als der Reiter es möchte, muss er als Konsequenz beim Beenden diese Demi-Volten verkleinern, bis zur nötigen Unterordnung.

Durch dieses Mittel kann ein Reiter mit einem guten Urteilsvermögen immer besser das Pferd in seiner guten Schule erhalten auf diesen Passaden und Demi-Volten, als wenn er verlangt, dass sie immer gleich groß bleiben, ansonsten können sie nicht perfekt werden.

 

Ich glaube, einen sehr großen Teil der sehr exzellenten Pferdemenschen gesehen zu haben, die zu meiner Zeit lebten, und mit großer Mühe und Neugier ihre Praktiken und Nutzen, oder ihre anderen Mittel sowie den Stil der Schulen aus jedem Teil der Christenheit beobachtet zu haben, sodass ich vieles kenne.

Aber am Ende habe ich nie mehr gesehen, dass jemand diese vorherige Lektion mit soviel Kunstfertigkeit und Anmut ausführte, wie der Monseigneur Marschall de Dampville, Connestable von Frankreich. Ich habe ihn wirklich gesehen, wie er beim Ausführen dieser Passaden, in zwei Gefechten zwei Schwertstreiche ausführte gegen zwei mutige Reiter, die gut bewaffnet und so gut beritten waren, wie man es sich wirklich nur wünschen kann. Einer von ihnen war einer der großherzigsten und galantesten Prinzen, die man in diesem Königreich finden kann, und der andere hatte den Ruf, einer der besten Reiter seiner Zeit zu sein.

 

 

Jeder von ihnen erhielt einen mächtigen Schwertstreich, ausgeführt mit großem Mut und in einem Zeitpunkt so passend und glücklich, dass der eine rückwärts über die ganze Kruppe seines Pferdes stürzte, und der andere sich aus dem Sattel löste und zu Boden stürzte! Das ist so schwer zu glauben, dass ich nicht wagen würde, es zu niederzuschreiben, hätte nicht ein große Anzahl ehrenhafter Personen ebenfalls gesehen, was ich sah.

Der erste Streich wurde geführt in Bayonne, als die Königin von Spanien den Bruder des verstorbenen Königs Karl traf; und der andere in Paris, im Garten hinter dem Louvre und bei Gefechten während der Zeit der Hochzeitsfeiern des Monseigneur Prinz von Portian; und beide im Beisein des Königs, der Königinmutter und aller Prinzen, Prinzessinnen, Seigneurs und Damen des Hofes.

 Er hat überhaupt auch sehr gut alle die anderen sehr schönen Übungen, die auf dem Pferd gemacht werden können, ausgeführt; so beeindruckend, dass, so sehr wir professionell diese Kunst betreiben, es als Glück ansahen, diesen kräftigen und mutigen Seigneur sehen zu dürfen, und müssen freimütig bekennen, dass man eine solche Fähigkeit in allen ehrenhaften und großartigen Aktionen nie kannte in der Welt, und vielleicht nie dagewesen ist, und dies obendrein als Amateur der guten Pferdemenschen, wie er es war,und auch nicht so wie er mit so viel Anmut und Wissen alle diese sehr schönen Lektionen dieser Kunst praktiziert hat.

 

Um nun zurückzukommen auf unsere Passaden: man kann durch diese Lektionen verstehen, wie das Pferd die Dem-Volte ausführen soll: die beiden Hinterfüße im Zentrum dieser haltend, je nachdem wie es die Tour macht, während es mit denen der Vorhand einen Kreis beschreibt. Aber um eine ganze Volte zu erreichen, oder um mehrere zu machen, muss man die Fgur größer gestalten, ansonsten hat man weder Anmut noch Kraft, und es ist nicht so vereinigt wie erforderlich, wenn die redoublierten Volten sehr eng sind, so wie die Demi-Volten der Passaden, denn schließlich wird die eine und die andere Lektion geübt, um im Schwertkampf nützlich zu sein.

Um die Gründe gut zu verstehen, muss der Reiter sich beim Reiten der Passade vorstellen, er führe einen Schwertstreich gegen seinen Gegner, also äußerst sorgfältig nach der Wendung seines Pferdes am Ende der Passade, manchmal sehr nahe am Wiederstarten um einen neuen Schlag auszuführen: deshalb muss die Demi-Volte eng und sorgfältig ausgeführt werden. Ich wiederhole nochmals, dass diese auf den Hanken ausgeführt werden muss, weil wenn das Pferd schon versammelt ist und die Übung auf seinen Sprunggelenken unterstützt wird, die Hinterfüsse fest auf dem Boden gehalten werden, damit das Pferd nicht rutscht oder stürzt beim Wenden, ausser durch einen großen Zufall. Durch diese feste Haltung ist es immer nahe am Wiederstarten, wenn der Reiter es möchte, gleichmäßig auf beiden Hanken und mit geradem Körper auf der Linie der Passade, damit es nicht zu gebogen ist; dazu kommt noch, dass der Reiter bequemer sitzt.

Aber auf redoublierten Volten, deren Nutzen ist, wenn zwei Reiter sich angenähert haben und mit der Hand kämpfen, und der eine den anderen umrundet, sie sich mit den Schwertern schlagen und kämpfen, und jeweils versuchen, die Kruppe des Gegnerpferdes zu erreichen, ist hierbei leicht zu erkennen, dass diese Figur größer sein muss und freier auf der Vorhand, als die Demi-Volte der Passade. Manchmal sehe ich bei diesen ganzen und redoublierten Volten, dass das Pferd eine Hanke immer etwas in die Volte hält, so dass durch dieses Mittel verhindert wird, dass es zu niedrig oder in die Volte geneigt geht und dadurch die Übung sicherer auf schlechtem Boden wird und auch der Reiter einen geraderen und sichereren Sitz bekommt.